Somadi - Mein Mann, der Alkohol und wieder ein zerstörtes Weihnachtsfest

  • Ja, Jump, natürlich hast Du Recht. Mit „Verborgen“ meinte ich die Welt außerhalb unserer Beziehung. Natürlich nicht vor mir. Sonst würde ich ja nicht darunter leiden.

    Respektvoll ist das sicher nicht. Auch das weiß ich, deswegen leide ich ja darunter.

    Das Paradoxe ist, man leidet und tut sich dennoch so schwer. Rational weiß ich das alles, aber die Umsetzung dessen, was objektiv richtig ist, ist mein Problem. Auf emotionaler Ebene…

    Auch der Hund merkt das natürlich. Er hat feinste Antennen. Wenn mein Mann nüchtern ist, klebt der Hund an ihm. Wenn er getrunken hat, meidet er ihn.
    Wir sind eben nach Hause gekommen. Bei den Freunden war alles okay. Gut, die Asperger-bedingten Besonderheiten sind immer da, aber die kennen unsere Freunde ja schon lange und können gut damit umgehen. Alkohol gab’s zwar, aber mein Mann hat keinen getrunken. Und ich sowieso nicht, da ich Fahrer war und ohnehin nie in Gegenwart meines Mannes etwas trinke, und sei es auch nur eine Tasse Glühwein. Schließlich will ich ihn zu nichts animieren.

    Ich fühle mich etwas beruhigt, dass Du auch lange gebraucht hast, um den Jump zu schaffen. Zwar finde ich es gut, dass ich mich hier austauschen kann, aber irgendwie fühlt man sich auch unter Druck gesetzt, wenn man -und damit meine ich jetzt nicht Dich- manche Posts von COs liest, die es schon geschafft haben. Ich finde es schon richtig und wichtig, dass einem der Spiegel vor Augen gehalten wird. Dennoch stellt sich bei mir ein Gefühl ein, das mir sagt, ich versage auf ganzer Linie…

  • Zu dieser Fitness in den Pausen und dem Fehlen des sichtbaren Entzugs und dem, dass er sich in der Öffentlichkeit beherrschen kann, nicke ich nur den Kopf.

    In meiner Welt hat das bewiesen, dass ich es noch unter Kontrolle hatte. Wenn ich wollte, könnte ich jederzeit aufhören, ich will ja nur nicht. Ich, abhängig, aber gar nie nicht.
    Und alle Punkte gehören bei mir auch dazu, die Schäden so weit zu begrenzen, dass ich eben nicht aufhören musste.
    Nur bei mir wurde es mit der Zeit immer schlimmer. Aber ich habe auch lange getrunken. Irgendwann war ich kaputt, fertig. Aber immer noch nur während und direkt nach dem Saufen. Das ist bei ihm aber ja bereits der Fall. Bei mir war auch mal der Notarzt da, das hat mich noch nicht zum Aufhören gebracht, musste noch schlimmerwerden.

    Und das Ganze habe ich in der Klarheit erst gesehen, als ich aufgehört hatte.

    Im Währenden habe schlicht zugegriffen, ohne nachzudenken, wenn ich mal wieder so weit war, dass ich es vor mir vertreten konnte. Und immer öfter auch ohne jeden Anlass. Einfach weil ich meine drei Tage nüchtern hinter mir hatte, die ich mir verordnet hatte, um keine körperliche Abhängigkeit zu entwickeln. Und um an den anderen 4 Tage (Wochenrythmus) so viel trinken zu können, wie ich wollte.

    Vielleicht hat er auch solche Gedanken. Oder sonst ein Trinksystem, das er sich zurechtgebastelt hat.
    Es ist eigentlich egal ob Du das verstehst, es geht um das, was für Dich dabei herauskommt.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Interessante Perspektive … was erhoffst Du Dir denn hier?

    Ehrlich gesagt, das weiß ich noch nicht ganz genau.
    Ich habe vor drei Tagen das erste Mal hier über meine Probleme und Sorgen gegenüber anderen gesprochen und formuliert, was bei mir zu Hause geschieht. Das hat mich große Überwindung gekostet, denn das dominierende Gefühl ist neben der Traurigkeit aktuell Scham. Und diese Scham hemmt mich und lässt mich mich sehr alleine fühlen. Mein nächster Schritt, den ich mir zu gehen wünschen würde, wäre ein Gespräch mit meiner Schwester und meinen besten Freunden. Das fällt mir sehr schwer. Ich wünsche mir emotionalen Rückhalt, weil ich spüre, dass ich ohne einen solchen nicht handlungsfähig sein kann.
    Ich bin mir sicher, dass ich diesen bei den mir nahestehenden Menschen bekommen werde, aber dafür ist erst mal erforderlich, dass ich sprechfähig werde und die Scham überwinde. Vielleicht erhoffe ich mir, dies hier zu lernen. Vielleicht erhoffe ich mir, dass das Schreiben darüber mir hilft, zu formulieren, was mich belastet, sodass ich es irgendwann auch in meinem nahen Umfeld aussprechen kann…

    Es tut mir leid, ich bin sehr verwirrt, ich finde nicht die richtigen Worte, ich kann das möglicherweise noch nicht so klar. Ich will, dass sich etwas ändert, aber ich weiß eben noch nicht, wie dieses „etwas“ aussehen soll. Ich will hier bestimmt niemanden nerven und ich schäme mich, dass das alles so diffus ist, aber ich kann noch nicht klar durch diesen Nebel aus Gedanken und Gefühlen sehen… es tut mir wirklich leid.

  • Guten Morgen Somadi, was du geschrieben hast rührt mich. Die Scham. Das ist ein heftiges, hartes Gefühl, das viel Macht haben kann.

    Es gibt auch das Fremdschämen, die "falsche" Scham, Scham vor dich selbst oder vor anderen... Wie ist das? Ist es so, dass es "nur" im Verborgenen bleiben muss, so wie die Vogelstrauß-Perspektive: was ich nicht sehe existiert nicht? (musst nicht antworten)

    Aber du hast Recht, einmal ausgesprochen kannst du es auch kaum noch zurück nehmen. Das ist ein großer Schritt.

    Schämst du dich, weil du mit einem Alkoholiker zusammen bist?

    Weil das so gar nicht zu eurem äußeren erfolgreichen Bild passt?

    Oder schämst du dich für ihn?

    Ich habe mich mal einer Kollegin anvertraut. Da habe ich mich auch geschämt. Also für mich selbst, dass ich sowas "mit mache".

    Ich finde du drückst dich sehr klar aus. Und das ist doch ein guter nächster Schritt:

    Mein nächster Schritt, den ich mir zu gehen wünschen würde, wäre ein Gespräch mit meiner Schwester

    Sowas schafft nämlich kein Mensch alleine. Meine Schwester ist auch meine stärkste Stütze. Auch hier um Forum zu schreiben ist ja ein riesiger Schritt gewesen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Etwas auszusprechen macht einen großen Unterschied, finde ich.

    Ich fühle mich etwas beruhigt, dass Du auch lange gebraucht hast

    Da dachte ich erst, oh je, dann bin ich ja quasi ein "schlechter Einfluss", wenn es dazu führt sich dann darin bestärkt zu fühlen nicht ins Handeln zu kommen.

    Aber dann habe ich verstanden was du meinst. Du wirkst sehr leistungsorientiert und hast wohl das Gefühl hier eine 1A - Befreiungsnummer hinlegen zu müssen, um gute Bewertungen zu bekommen 😉. Jetzt mal salopp ausgedrückt.

    Dieser "Druck" von dem du sprichst, den kenne ich auch (ich will doch alles "richtig" machen). Ich habe aber gemerkt, dass ich mir den in erster Linie selbst mache, weil ich nämlich ganz genau weiß, dass die anderen Recht haben.

    Dadurch hatte ich früher einige Beiträge auch so drängend und abwertend empfunden, obwohl das im Grunde mein eigenes strenges Denken war. Die Frau eines nassen Alkoholikers zu sein hat natürlich nie in mein Selbstkonzept gepasst. Und so lange rum zu Eiern noch viel weniger. Genau da hat es mich dann erwischt.

    Du bist erst vier Tage hier. Ich glaube indem du schreibst, Worte findest, die Realitäten auf den Tisch legst wird sich was in dir verändern. Und das ist der Anfang.

  • Danke, Jump.

    Es ist genau so, wie Du schreibst. Am größten ist wohl die Scham wegen meines eigenen Verhaltens, das ja auch von Kontrollverlust zeugt und zeigt, dass ich hinter meiner starken Fassade furchtbar schwach bin.

    Weißt Du, ich bin der Problemlöser in der Familie, immer stark, immer ansprechbar… Ich würde nicht sagen, dass ich diese Rolle unbedingt brauche oder mich darin sonne, es war halt immer so, weil ich einfach rational bin, nie Probleme gemacht hab. Auch im Freundeskreis und im Kollegenkreis hab ich irgendwie diese Rolle ergattert. Und jetzt hab ich wohl das größte Problem von uns allen.
    Ich habe Angst vor der Frage „Warum gehst Du nicht einfach“. Das ist eine Frage, die ich nicht mit meinem üblichen rationalen Handwerkszeug beantworten kann… das macht mir Angst und lässt mich tiefe Scham empfinden.

    Und da ist wieder dieser Zweifel. Seit dem Ausfall am Mittwoch hat mein Mann keinen Tropfen getrunken und ist so, wie ich ihn mir wünsche… damit verpasst er mir aber faktisch eine Maulsperre. Denn wenn ich das Thema anspreche, wird er sagen: „Was willst Du denn? Ich mache doch genau das, was ich soll, nicht trinken.“ Das zeigt nur, dass er nichts verstanden hat, führt aber trotzdem dazu, dass ich mich schlecht fühle. Wie ein Meckerer, Nörgler…

    Das sind halt gerade die Gefühle und Gedanken, die ich habe. Und die muss ich erst sortieren…

    Ich danke Dir für Deine Worte, Jump.

    Nein, es soll mich nicht bestärken, dass andere auch länger brauchten, aber ich fühle mich nicht ganz so schwach mit dem Wissen um Deine Erfahrung und dem dennoch geschafften Absprung… und das nimmt mir etwas den Druck, der sich in den letzten Tagen bei mir aufgebaut hat.

  • Auch im Freundeskreis und im Kollegenkreis hab ich irgendwie diese Rolle ergattert. Und jetzt hab ich wohl das größte Problem von uns allen.

    Liebe Somadi , ich kenne dieses Gefühl der Scham nur zu gut. Ich war zwar nicht, wie du, der Problemlöser, sondern ich war die gute Laune Frau, die easy going Frau mit der perfekten Familie. Während um uns herum Beziehungen in die Brüche gingen haben wir weiterhin "gestrahlt". Niemand wußte, wie es wirklich hinter den Kulissen aussah. Ich habe mich zwangsgeoutet, als ich bei einem Treffen mit einer Bekannten plötzlich in Tränen ausbrach. Einfach so. Dieser Bekannten war das nicht unangemehm, sie hat mich ermutigt ihr meine Geschichte zu erzählen. Ich habe dann alle Scham über Bord geworfen, die Scham darüber, dass wir nicht mehr die perfekte Familie sind, wie wir das immer nach außen "vorgespielt" haben. Und es war erleichternd. Aus der Bekannten wurde über die Jahre einer meiner 2 treuesten Freundinnen. Seitdem habe ich mich immer wieder geöffnet. Nicht dass ich jetzt jedem ungefragt mein Problem aufgedrängt habe, das auf keinen Fall. Aber es gab dann immer wieder Menschen in meinem Leben, wo ich merkte, die wollen wirklich wissen, was mit mir los ist und denen habe ich es dann erzählt. Es gab auch Menschen, als sie meine Geschichte hörten, die sich dann zurückgezogen haben. Damit wollten sie offensichtlich nichts zu tun haben. Das ist ihr gutes Recht. Ich muss mich auch nicht aller Probleme annehmen . Aber in Summa hat es mich erleichtert und weitergebracht als ich meine Scham überwunden habe. Ich war nun nicht mehr alleine und mir wurden auch viele Einblicke in andere Leben gegeben, die dann doch nicht so "glänzend" waren, wie man immer dachte.

    Liebe Somadi , wage es deine Scham zu überwinden...du kannst nur gewinnen dabei. Du hast ja schon dieses wunderbare Forum gefunden und hier schonungslos offen zu schreiben, was dich bewegt, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Und den hast du ja schon gemacht. Alles Weitere wird sich finden.

    Liebe Grüße!

  • Ich danke Euch auch, Ihr Lieben, Jump, Bergdohle und Aurora.

    Nach einer 2stündigen Fahrt sind wir nun wieder an unserem Arbeitsort angekommen. Bislang ist alles harmonisch und schön. Jetzt wird erst mal ausgepackt, Wäsche gemacht und etwas gechillt. Ich hab vor einigen Tagen wieder damit begonnen, Socken zu stricken. Hab ich ewig nicht gemacht. Macht aber wieder Spaß und lenkt ab.


    Ich wünsche Euch allen einen schönen Restsonntag und danke Euch von Herzen für Eure Unterstützung.

  • Hallo Somadi,

    auch ich gehöre zu der Co-Community in diesem Forum und habe deinen Faden aufmerksam gelesen.

    Ich möchte dir ein paar Gedanken und Erfahrungen von mir da lassen.

    Aber ich weiß, dass er aufhören könnte, weil es im Frühjahr/Sommer oft Monate lang keine Abstürze gibt. Gut, Bier gibt es fast täglich, aber im Sommer oft auch alkoholfrei.

    Das war meine große Falle, die mich viele Jahre lang hat Extrarunden auf dem Karussell drehen lassen. Mein Noch-Mann hat auch viele Trinkpausen eingelegt. Ich kannte nur dieses Wort und dieses Phänomen nicht. Das habe ich erst verstanden, als ich mich im Oktober 2024 hier angemeldet habe. Am Wochenende hat er nicht getrunken, im Urlaub hat er nicht getrunken und auch zwischendurch viele Wochen hintereinander nicht, wenn es ihm gesundheitlich schlecht ging. Also wie kann er Alkoholiker sein, wenn das doch geht? Er ist ja nicht der Penner auf der Parkbank, der morgens schon den Wodka auspackt, sondern ein erfolgreicher Unternehmer und Geschäftsführer. Diese Unkenntnis hat mich in der Rückschau 10 Jahre lang Extrarunden in dem Karussell drehen lassen, voller Ängste, unerfüllter Zuwendungen und Aufmerksamkeit.

    Heute Abend sind wir bei Freunden eingeladen. Da trinkt er sowieso nie. Er trinkt nur alleine zu Hause. Ich verstehe dieses Trinkverhalten nicht…

    Auch das kenne ich. Teilweise war er der einzige, der auf Anlässen nicht getrunken hat, dafür wurde das wann anders im Verborgenen nachgeholt. Und wieder war der Gedanke da, er kann aufhören, wenn ich ihm nur klar machen kann, wie ich darunter leide. Und wenn ich ihm dann den Rücken freihalten und noch mehr Aufgaben übernehme, damit er nicht so gestresst ist, dann klappt das bestimmt. Vergiss es…. Das ist der größte Mist, den man sich selbst antuen kann.

    Körperliche Gewalt (mir und dem Hund oder anderen Personen gegenüber) wäre eine klare Grenze, aber das befürchte ich nicht wirklich.

    War bei mir auch so, schließlich war mein Mann nie gewalttätig mir gegenüber und ich war ja seine Seelenverwandte und unsere Beziehung ist so viel besonderer als andere und deswegen ist es gar nicht so schlimm. Mein Mann ist im August diesen Jahres einer unserer Töchter gegenüber gewalttätig geworden im angetrunkenen Zustand, weil sie seinen Alkohol weggenommen und gedroht hat, mir davon zu sagen. Und seitdem bin ich schlimmer psychischer und emotionaler Gewalt ausgesetzt. Soviel dazu.

    Fahrer war und ohnehin nie in Gegenwart meines Mannes etwas trinke, und sei es auch nur eine Tasse Glühwein. Schließlich will ich ihn zu nichts animieren.

    Auch das kenne ich. Der Eiertanz zwischen den Veranstaltungen und Festen. Wie schaff ich es, damit er ja nicht in Versuchung gerät oder die Möglichkeit hat, sich etwas zu besorgen? GAR NICHT!!! Genauso ein Mist, den wir Co‘s uns einreden, damit wir die KONTROLLE behalten. Nur die hat man nicht und wird sie durch dieses Verhalten auch nie bekommen.

    Dennoch stellt sich bei mir ein Gefühl ein, das mir sagt, ich versage auf ganzer Linie…

    Das ist genauso großer Mist. Das lösch mal ganz schnell von deiner Festplatte. Du bist eine gebildete, emanzipierte Frau. Du hast ein Problem erkannt und dir Hilfe gesucht. Und nun liegt es an dir, was du daraus machst. Hier hat niemand versagt. Alle hier in diesem Forum haben etwas in ihrem Leben geändert, in dem Moment der Anmeldung. Mir hat das Forum mein Leben gerettet, im übertragenen Sinne. Den Weg gehen musste ich aber selbst. Die Schritte waren am Anfang ganz klein und ich bin auch manchmal umgekehrt, aber ich war mir und meinen Kindern etwas schuldig. Und auch meinem Mann, dem ich nur auf seinem Weg helfen konnte, indem ich ihn fallen lasse. Und ich kann dir sagen, dass ist alles andere als einfach nach über 20 Jahren Ehe, zwei Kindern und gemeinsame berufliche Existenz.

    Das hat mich große Überwindung gekostet, denn das dominierende Gefühl ist neben der Traurigkeit aktuell Scham.

    Meine Scham war groß. Erst recht, als es schlimmer wurde und er seinen Zustand nach außen getragen hat. Mir hat es geholfen dieses Gefühl in einen Gegenstand zu verwandeln. Warum ist der da? Was hab ich damit zutun? Was hab ich falsch gemacht? Und dann gab es da nichts mehr, wofür ich mich zu schämen brauchte.

    Weißt Du, ich bin der Problemlöser in der Familie, immer stark, immer ansprechbar… Ich würde nicht sagen, dass ich diese Rolle unbedingt brauche oder mich darin sonne, es war halt immer so, weil ich einfach rational bin, nie Probleme gemacht hab. Auch im Freundeskreis und im Kollegenkreis hab ich irgendwie diese Rolle ergattert. Und jetzt hab ich wohl das größte Problem von uns allen.

    Ja, das ist vielleicht auch ein Charakterzug, der das Co-Verhalten begünstigt. Ich war immer die Macherin, der Fels in der Brandung, die Unzerstörbare und immer schön der Sonnenschein. Ich war immer für jeden da, der Problemlöser, den man unendlich seinen Rücksack übergeben konnte.

    damit verpasst er mir aber faktisch eine Maulsperre. Denn wenn ich das Thema anspreche, wird er sagen: „Was willst Du denn? Ich mache doch genau das, was ich soll, nicht trinken.“

    Dreh das mal um! Das ist schön, dass er das jetzt tut. Ändert aber leider nichts an der Tatsache und der Problematik. Es ist jetzt ausgesprochen, weil sein Verhalten dich so belastet und wenn er das Nicht-Trinken aufrecht erhalten kann, dann kann er es ja auch den anderen so richtig zeigen und alles ist gut. Wird nur wahrscheinlich nicht passieren.

    Es gab auch Menschen, als sie meine Geschichte hörten, die sich dann zurückgezogen haben. Damit wollten sie offensichtlich nichts zu tun haben.

    Das wäre auch mein erster Gedanke gewesen. Kann es nicht vielleicht viel eher so sein, dass sich da jemand mit einem ähnlichen Problem konfrontiert fühlt und sich mal schnell zurückzieht, bevor das auffällt?

    Liebe Somadi, ich hoffe ich war nicht zu direkt oder zu pessimistisch, aber das ist meine Erfahrung zu dem Thema. Und ich möchte dir diese Gedanken mitgeben. Und um es auf die Spitze zu treiben …… frag dich mal: Was ist, wenn es schlimmer wird? Was ist, wenn Nachbarn, Freunde, Kollegen und Kunden etwas mitbekommen, weil er sich nicht mehr unter Kontrolle hat? Was ist wenn er Job und/ oder Führerschein verliert? Was ist, wenn er aufgrund seines Konsums erkrankt? Was ist, wenn du wegen seiner Sucht allen Luxus verlierst? Brauchst du das alles um etwas zu ändern oder hindert dich das dann erst recht?

    Das ist mir passiert und noch viel mehr. Ich habe viel zu lange die Augen verschlossen und mich hinter der Liebe und dem „in guten wie in schlechten Zeiten“ versteckt. Aber die Sucht ist egoistisch und nimmt nur und hinterlässt nur Schäden. Und die Einbahnstraße geht steil bergab.

    LG ☀️

  • Hallo, das kommt mir alles so sehr bekannt vor. Bei der Arbeit funktioniert mein Mann auch perfekt. Nach außen alles top.


    Sogar meinem Sohn ist aufgefallen, dass er sich anders verhält wenn jemand dabei ist. Freundlich, nett. Sind wir allein fällt die Maske.Meist sitzt er schon davor wenn ich 2 Stunden später von der Arbeit komme.

    Ins Bett bringe ich ihn schon länger nicht mehr und wenn er in der Küche schläft.

    Ich kümmere mich mittlerweile um mich und wir haben Gott sei Dank ein Gästezimmer was mehr und mehr zu meinem Rückzugsort geworden ist.


    Gestern hat er sich darüber aufgeregt dass ich so gleichgültig geworden sei.Er merkt ,dass sich etwas verändert und das ist gut so.

    Ich lerne langsam.

    Wenn ich das so lese bin ich ganz schön egoistisch geworden 🫣

  • Ich danke Euch für Eure Nachrichten. Es tut mir sehr gut, mich mit Euch auszutauschen.

    Ich habe meinem Mann gesagt, dass ich künftig während der Woche nur komme und bleibe, wenn 0,0 Alkohol getrunken wird. Anderenfalls bleibe ich in der kleinen Wohnung. Er wirkte sehr erschrocken. Vielleicht weil ich das erste Mal nicht gebettelt habe: „Trink bitte nicht“, sondern gesagt habe, wenn Du auch nur einen Tropfen trinkst, bin ich raus und komme erst wieder, wenn Du nüchtern bist.

    Seit Heiligabend ist er nüchtern. Natürlich bleibt er das nicht längerfristig. Ich habe mir aber vorgenommen, sofort in die andere Wohnung zu fahren, wenn ich Alkohol sehe oder rieche.

    Vielleicht ist das ein erster Schritt.

  • Er wirkte sehr erschrocken. Vielleicht weil ich das erste Mal nicht gebettelt habe

    Klar, das dürfte eine ziemliche Hammerwirkung gehabt haben – weil du gleich mehrere Dinge auf einmal verändert und das Paradigma eurer Beziehung radikal verschoben hast.

    Du bist raus aus dem Bitten und Appellieren und hast stattdessen eine klare Grenze gesetzt. Du hast nicht mehr versucht, sein Verhalten zu steuern, sondern bei dir angesetzt. Damit hast du die Verantwortung verschoben. Nicht mehr du hoffst, erinnerst, ermahnst und hältst aus, sondern er entscheidet, ob Nähe möglich ist oder nicht.

    Alle Grauzonen sind weg: Kein „nur ein Glas“, kein „ausnahmsweise“, kein Diskutieren mehr. Es ist einfach klar – und genau das wirkt oft sehr stark.

    Wenn er trinkt, spürt er jetzt sofort, dass das Konsequenzen für ihn hat – und das kann schon ziemlich irritierend oder erschreckend sein.

  • Hallo Ihr Lieben.

    Danke für Eure motivierenden Worte.

    Silvester verlief trocken und harmonisch. Wir sind daheim geblieben, was gut war, weil ich meinen Hund nicht zu meinen Eltern bringen wollte. Das war auch wichtig, denn er hatte arge Angst und wir haben ihn gemeinsam festgehalten und beruhigt und dabei ein Sherlock-Holmes-Hörspiel aus den 60er-Jahren gehört.

    Dabei kam dann die Feststellung: „Du verlässt mich, wenn ich wieder trinke, nicht wahr?“ Ich habe gesagt, dass das stimmt, aber er es in der Hand hat. Ich werde zudem auch immer aus der Wohnung gehen, wenn da nur eine Flasche Bier steht. Und alkoholfrei zählt nicht. Zwar hat er dazu nur genickt und gefragt, ob Redbull okay sei, aber es war das erste Mal, dass er überhaupt was in diese Richtung gesagt hat. Es arbeitet in ihm. Weihnachten war einfach zu heftig…

    Seit einer Woche ist also alles in Ordnung, auch wenn ich nicht glaube, dass es das so einfach war, aber ich habe fest vor, meine Strategie durchzuziehen.

    Schwer fällt mir nur, meinen Plan umzusetzen, mit meiner Schwester zu reden. Der erste Anlauf ist gescheitert, ich hab kalte Füße bekommen und es mir selbst schön geredet, indem ich mir sagte, das mache man ja nicht am Telefon… Aber ich versuche es wieder…

    Jetzt mache ich meinen Jungs mal ein Frühstück. Hab beim ersten Gassigehen frische Brötchen ergattert.


    Euch allen wünsche ich ein gesundes, glückliches und zufriedenes neues Jahr 2026.

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