Fruechtetee - Nochmal den Mut haben....

  • Hallo Nayouk,ja ein kleines Wort kann viel über meine Denkweise ausdrücken. Macht einen Unterschied.

    Leider habe ich keine Gefühle von"Anfangseuphorie" oä.

    Ich glaube,ich muss/möchte an beiden Linien arbeiten. Weil ich weder Depression noch Alkohol komplett voneinander trennen kann. Schwierig zu erklären....

  • Hallo Tabsi,das mit dem Zitieren muss ich noch rausbekommen;).

    Ob ich gerne alleine für mich bin? Keine Ahnung,aber ich habe am liebsten alleine getrunken.

    Obwohl ich dran sitze in erster Linie mit mir allein zufrieden zu sein,mir selbst zu genügen. Dinge zu tun/wagen,die ich auch alleine machen kann. Um aus diesem Abhängigkeitsdenken rauszukommen.

    Begegnungen mit anderen finde ich trotzdem wichtig. Das macht ja was mit mir....

    Wenn du innerlich so unabhängig reagieren und fühlen kannst ...toll! Ich bin da tatsächlich dran mir klar zu machen,dass ich ich keine Gedanken lesen kann und ich nur Vermutungen habe,die nicht die Wirklichkeit abbilden müssen. Und letztenendes....ja,es ist egal . Es sind ihre Gedanken und ihr Leben. Ich übe,versprochen! Das gibt ein Gefühl der größeren Unabhängigkeit und passt ja auch zu meinem Wunsch aus dem Abhängigkeitsdenken rauszukommen.

  • Ich bin nach 15 Jahren rückfällig geworden ,weil ich mindestens zwei Dinge nicht berücksichtigt habe.

    Die ersten Jahre war ich im Thema drin. Habe eine ambulante Suchttherapie gemacht und bin etliche Jahre zur Selbsthilfe gegangen.

    Ich habe das irgendwann aus den Augen verloren,denn alles schien so "normal". Trotz schwieriger Situationen immer mal wieder blieb ich abstinent.

    Dann kam die (erstmal) räumliche Trennung von meinem Mann und ich lebte mit meiner Tochter in einer eignen,schönen Whg.

    Irgendwann bekam ich eine Flasche Wein geschenkt,die ich weitergeben wollte. Das geschah tagelang nicht und sie stand bei mir in der Küche zwischen "normalen" Getränken. Ich glaube,ab dem Punkt hats bei mir gearbeitet. Mein Suchtgehirn kam aus der hintersten Ecke raus und grinste tagelang über meine Schulter und rieb sich in Vorfreude die Hände.

    Das war kein bewusster Prozess. Das lief still und heimlich ab. Aber bald waren zwei Gedanken präsent: ich habe immer am liebsten alleine getrunken und hier in meiner eignen Whg kriegt es keiner mit. Und der zweite Gedanke war ein "koketieren" mit meiner Sucht,die vielleicht ja doch nicht so schlimm war......

    Wir haben in der Suchttherapie damals so einen Schnack gehabt. Wenn die Sucht anklopft ,dann lauf (und such dir Hilfe). Ich habe es nicht getan .

  • Herzlich willkommen auch von mir.
    Vielen Dank für dieses Paradebeispiel von, „wenn das zu Hause nicht alkoholfrei ist“. 👍🏼

    Ich hoffe, dass das richtig viele lesen.

    15 Jahre vorheriger Abstinenz gibt dem Ganzen noch viel mehr Gewicht.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Danke für deine Beschreibung.
    Und keine(!) Sorge von wegen schlechtes Beispiel … ich nenne es gemachte (hilfreiche) Erfahrung; "Fehltritte etc." dürfte wohl jeder Teilnehmer hier drin auf dem Kerbholz haben. Und dazu bin ich ja hier - um davon zu lernen und mich sensibilisiert zu halten.

    Das Thema von noch verbleibendem Alk in der eigenen Burg werde ich nie verstehen. Weil es mir nach meiner Logik selbst bei früheren Monats-Trinkpausen einfach nur höchst sinnvoll erschien, keinerlei Versuchung in greifbarer Nähe zu haben.
    Kurzzeitig geparkte Flaschen wie in deinem Beispiel könnte ich mir dagegen schon vorstellen, wenn ich lange stabil abstinent bin.
    Aber:

    Die ersten Jahre war ich im Thema drin. (…)
    Ich habe das irgendwann aus den Augen verloren,denn alles schien so "normal". Trotz schwieriger Situationen immer mal wieder blieb ich abstinent.

    Da liegt der Hund begraben! Auch meine Abstinenz fühlt sich so schön leicht an, scheint wie ein Selbstlauf zu funktionieren. Aber so viel Leichtigkeit (so angenehm sie ist) führt eben womöglich zu Leichtsinn.

    Also bleibe ich am Thema dran, um meine innere Verfasstheit immer wieder mal etwas aufzufrischen. In der richtigen Dosis - um den Respekt vor der Sucht am Leben zu halten; aber auch nicht zu viel, um nicht zu verbiestern.

  • Seit Tagen "schleiche" ich hier rum. Es fehlte an Mut......

    Schön, dass du jetzt den Mut hattest, dich hier zu öffnen. Herzlich Willkommen. 💐
    Und danke für deinen Bericht, wie es bei dir zum Rückfall kam.

    Ich habe auch nur zuhause getrunken. Heimlich, unauffällig, ungesehen….
    Auch deshalb ist mir mein alkoholfreies Zuhause absolut wichtig.
    Was draußen getrunken wird oder was draußen rumsteht, kann ich nicht beeinflussen, aber was in meinem Zuhause getrunken wird und was ich hier rumstehen habe, kann ich sehr wohl entscheiden.

    Ich wünsche dir hier einen guten hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Stern,danke für deine nette Begrüßung.

    Zur damaligen Zeit hatten wir keinen Alkohol im Haus,auch nicht für Gäste.

    Klar habe ich mir nach dem Rückfall die Frage gestellt ...hätte ich anders gehandelt,wenn die Flasche nicht "winkend" dort gestanden hätte....

    Wenn ich ehrlich bin,kann ich es nicht beantworten. Meine Lebenssituation hatte sich geändert und ich habe keine gute Vorsorge für mich getroffen.

    Da gibt es nichts dran zu beschönigen. LG

  • Fruechtetee Danke für deine Beiträge. Das hilft schon sehr, nicht auf dumme Gedanken zu kommen, besonders wenn die Abstinenz schon Jahre besteht.

    Schön, dass du nun im Forum bist. Herzlich willkommen.

    Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch. 💐

    ————

    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Lieber Oskar,jepp so ist es wohl.

    Irgendwann ein Gleichgewicht finden zwischen "es darf sich auch leicht anfühlen" und mit dem nötigen (!) Respekt nicht leichtsinnig zu werden.

    Was ich hier im Forum häufiger gelesen habe,ist das einige nach einem Rückfall sehr schnell(einige Tage) wieder einen Neustart gemacht haben.

    Das hab ich beide male nicht geschaft. Ich trank Jahre weiter,bis ich wieder den Absprung geschafft habe.

    Nun wieder,aber meine Lebens/Wohnsituation ist "semi-gut" .

    Dennoch(gerade denke ich,vielleicht sogar gerade deshalb) steht mein Entschluss diesen Weg erneut zu gehen fest.

    Ich merke gerade,dass das eine sehr "private und nur mich angehende" Entscheidung ist.

    Mach mich mal auf den Weg....LG

  • Meine Lebenssituation hatte sich geändert und ich habe keine gute Vorsorge für mich getroffen.

    Da gibt es nichts dran zu beschönigen.

    Danke für diese Sätze.

    Ich wünsche dir, dass du sie nie wieder vergisst.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo KaDett ,lieben Dank.

    Da es für mich schwierig ist,hier vor Ort,eine Selbsthilfegruppe zu besuchen,ist das gerade eine sehr,sehr gute Alternative. Und ich bin wirklich gespannt auf den Austausch und die vielen Denkanstösse. Danke schon mal dafür. LG

  • Irgendwann ein Gleichgewicht finden zwischen "es darf sich auch leicht anfühlen" und mit dem nötigen (!) Respekt nicht leichtsinnig zu werden.

    Glaube, dass ist sehr wichtig. Mir gelingt es nicht immer dieses Gleichgewicht zu finden. Beide Varianten kenne ich und bezüglich der daraus resultierenden Stolpersteine kann ich ein Lied singen.

    Trotzdem bin ich bis jetzt rückfallfrei Abstinent, beim ersten Versuch. Manchmal kam aber auch der pure Wille zum Einsatz.

    ————

    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Willkommen bei uns.

    Ich bin nach 15 Jahren rückfällig geworden ,weil ich mindestens zwei Dinge nicht berücksichtigt habe.

    Die ersten Jahre war ich im Thema drin. Habe eine ambulante Suchttherapie gemacht und bin etliche Jahre zur Selbsthilfe gegangen.

    Ich habe das irgendwann aus den Augen verloren,denn alles schien so "normal". Trotz schwieriger Situationen immer mal wieder blieb ich abstinent.

    Ich denke nicht, dass sich der Rückfall auf einzelne Situationen zurückführen lässt, die als „Grund“ hätten dienen können. Solche Momente gab es doch bestimmt auch schon in den letzten 15 Jahren, als du trocken durchs Leben gegangen bist oder noch aktiv in der SHG warst. Oder?

    Für mich sieht es eher so aus. Nicht die Situation selbst ist der Auslöser, sondern die Vernachlässigung der Trockenarbeit. Da wacht das Suchthirn auf , leise, schleichend und irgendwann schlägt es zu.

    Das läuft unbewusst ab, das sind Prozesse im Hintergrund. In den letzten zwanzig Jahren habe ich immer wieder erlebt, dass einige Langzeit-Trockene wieder trinken wollten. Warum und wieso spielt keine Rolle, aber sie wollten es.

    Jetzt bist du wieder in der Spur, hast dich hier angemeldet also weitermachen.:thumbup:

    Denn was bleibt sonst übrig? Saufen oder nicht saufen ist die einzige Frage, die zu beantworten ist. Oder?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hi Hartmut,so wird es gewesen sein.

    Ich habe zu der Zeit schon eine ganze Weile nicht mehr "Trockenarbeit" gemacht.

    Und meine Vermutung ist,dass im Hintergrund etwas anfing,dass ich nicht sehen wollte und eine Weile ignoriert habe. Und dann habe ich mir "die passende Situation geschaffen". Das war kein Zufall und kam auch nicht aus heiterem Himmel.

    Saufen oder nicht saufen,diese Frage stellt sich ,wenn ich nicht sehenden Auges in meinen Komplettabsturz/Tod stolpern will,nicht wirklich. Ich musste mir das als sehr wahrscheinliches Zsenario im nüchternen Zustand vor Augen führen.

    Hab da aber auch keine Wattewölckchenweiße Gedanken an...wie schön das doch war..... Es war Mittel zum Zweck und das mit großer Regelmässigkeit.

    Habe hier letzt so einen guten Satz gelesen. Sinngemäß: Der Auslöser war nicht der Umstand,sondern die Sucht,die jeden Umstand zum Auslöser macht.

    Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

    LG

  • Hallo KaDett,

    wenn man ein "Problem " vor sich hat,ist es in meinen Augen komplett ok mehrere Strategien anzuweden,um das "Problem" zu lösen. Festzustellen,dass das eine besser als ein anderes funktioniert und sich dieses Wissen zu Nutze zu machen,finde ich gut. Dh,ich lerne dazu . Aber ich glaube,nicht jeder Weg ist AUF DAUER gut. Aber du hast wohl recht,wenn du schreibst "manchmal kam nur der pure Wille zum Einsatz".

    Die Tage gibt es auch und rennen,wenns zu heiß wird. LG

  • Danke Fruechtetee für Deine aufrichtige Antwort. Das bestätigt meine Annahme.
    Ich habe vor kurzem meiner Therapeutin gesagt, bei der ich u.a. wegen eines schweren Schicksalsschlages, der im letzten Jahr passiert ist, bin:

    Ich denke die Gefahr bei mir rückfällig zu werden ist größer, wenn ich irgendwann leichtsinnig werde, nicht mehr in Gruppen gehe, die mir immer wieder vor Augen halten, wo ich mal war und nicht wieder hin möchte.

    Schön, dass Du nun hier bist und Dir erneut Dein Leben retten möchtest.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Guten Morgen Tabsi,gut das du dir therapeutische Hilfe gesucht hast (und auch gefunden hast) ,auch um immer mal wieder reflektieren zu können.

    Ich glaube am Anfang meiner damaligen Abstinenz ,war mir auch sehr bewusst,dass ich "dran" bleiben muss,um genau diese nicht zu gefährden. Um sensibel zu bleiben.

    Du schreibst" immer wieder vor Augen halten,wo ich mal war und wo ich nicht wieder hin möchte"....

    Das ist etwas,was bei mir nur sehr bedingt nachwirkt. Keine großen Dramen liegen in meiner Trinkzeit. Kein Verlust von Haus und Hof,keine völlig peinlichen Abstürze vor anderen oder dadurch bedingte Schulden.....

    Einerseits gut,weil das Schlachtfeld ,dass ich hinter mir gelassen habe,kleiner scheint und nicht von großer Scham anderen gegenüber besetzt ist.

    Auf der anderen Seite macht sich mein Suchtgehirn genau diese Tatsache zu Nutze und versucht mit mir zu handeln...."komm,war ja nicht so schlimm. Das Haus steht ja noch"....

    HALT!

    Das für mich wichtige ist die Gewissheit,dass es aber gekommen wäre.

    So musste ich gestern Abend schauen wie ich durch den Abend komme. Habe dolle Angst vor meinem heutigen Zahnarzbesuch(vor jedem Zahnarztbesuch!!!).

    Habe versucht Realität in meine Gedanken zu bringen und mir vor Augen geführt,wie groß mein Wunsch ist mit weniger Angst zu leben. Ein bisschen hats geholfen und die Hand meines Mannes.

    Aber mein Suchthirn machte echt die "ersten Aufwärmübungen".

    Hätte in dem Moment nicht zb hier schreiben können. War innerlich starr vor Angst!

    Das ist ganz klar ein Ding ,an dem ich noch arbeiten muss. So blieb nur mein Partner,dem ich das sagen konnte.

    Es muss heute sein,da notwendig,Schluss!

    Komm gut durch den Tag. LG

  • Hab da aber auch keine Wattewölckchenweiße Gedanken an...wie schön das doch war..... Es war Mittel zum Zweck und das mit großer Regelmässigkeit.

    Bei mir war der Alkohol auch Mittel zum Zweck. Ich wollte die Wirkung …. das verdrängen können, das vergessen können, das schlafen können, das nichts mehr fühlen müssen…..

    Ich habe zu viel getrunken und deshalb bin ich abhängig geworden. Als es mir wieder besser ging, habe ich den Absprung nicht mehr geschafft. Ich war schon süchtig. Ich habe das auch recht schnell so erkannt, habe mich aber viel zu sehr geschämt, irgendwo davon erzählen zu können. Und so konnte ich auch viel zu lange keine Hilfe suchen.

    Ich denke die Gefahr bei mir rückfällig zu werden ist größer, wenn ich irgendwann leichtsinnig werde, nicht mehr in Gruppen gehe, die mir immer wieder vor Augen halten, wo ich mal war und nicht wieder hin möchte.


    Ich ziehe die Möglichkeit eines Rückfalls für mich nicht in Betracht.
    Natürlich besteht immer die Gefahr, rückfällig zu werden. Würde ich mir aber heute schon Gedanken über einen möglichen Rückfall machen, nehme ich mir doch gedanklich die Chance, für immer nüchtern zu bleiben.
    Mich auf das ‚jetzt‘ besinnen und auf das ‚heute‘ und vom ‚Morgen‘ träumen ….da kommen Gedanken an einen möglichen Rückfall nicht vor.

    Komme auch gut durch den Tag.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Stern,leider klappt das mit dem Zitieren immer noch nicht richtig ...

    Ich habe damals auch sehr früh erkannt,das mein Alkoholkonsum "nicht normal" war und trotzdem noch lange weitergetrunken.

    Alkohol hat für so viele Dinge Stellvertreter gespielt. Wenn ich ehrlich bin,war es die ersten Jahre auch ziemlich "bequem",da schnell verfügbar und mit gewünschter Wirkung. Die Schieflage kam aber irgendwann und da habe ich schon süchtig getrunken.

    Deshalb kann ich deine Gedanken zur zurückliegenden Trinkzeit nur zu gut nachempfinden.

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