Alleszuviel - Angehörige

  • Hej hej,

    mir war gar nicht bewusst wie schwierig es ist sich vorzustellen.

    Ich lebe seit 16 Jahren mit meinem Partner zusammen. Psychische Probleme hat er schon lange, Vater war Alkoholiker, Mutte Co und Schwester schwer narzistisch. Beide Eltern starben innerhalb kürzester Zeit im mittleren Alter, zur Schwester herscht kein Kontakt. Ich stand zu Ihm in alles Höhen und Tiefen des Lebens, wurde immer mehr in die Therapeuten, Mutte, Seelsorger, Sekretätinnen, Animateurinin Rolle gedrängt (und ja, ich habe es leider zugelassen). Seit Jahren sage ich immer wieder, das er professionelle Hilfe benötigt um seine Traumata aufzuarbeiten, leider hat er das immer abgewiegelt. Ende letzten Jahres gestand er mir, das er dringend Hilfe braucht, er würde trinken. Plötzlich passten alle "Magen und Darmverstimmungen" Schüttelfrost usw. zusammen und er ist auch sehr schnell in die Entgiftung. Es gab nochmal einen Rückfall mit Aufenthalt in der Klinik, seitdem ist er bis auf 2 Entgeleisungen trocken. Seit mehreren Wochen befindet er sich nun in der Langzeittherapie. Ich vermute, dass er noch nicht lange abhängig war, Alkohol aber durchaus schon immer eine Rolle spielte. So weit die Umstände.

    Mein Grund, dass ich mich hier angemeldet habe ist zu verstehen, ob es "normal" ist, dass im Zuge der Therapie der Patient sein gesammtes Leben ändert und sich vorallem auch gegen das stabile Umfeld richtet. Ich kann durchaus verstehen, dass Ihn unser zu Hause triggert, hat er dort doch seine persönliche Hölle erfahren. Kann durchaus auch verstehen, dass er erstmal ausziehen möchte, der neue Job ist gute 2,5 Stunden entfernt von uns. Was ich nicht nachvollziehen kann, wie sich innerhalb von einer Woche angeblich Gefühle ändern, man keine Beziehung mehr möchte (aber alle Benefits weiter in anspruch nehmen möchte), sich aber 2-3 mal telefonsich am Tag meldet, von zu Hause spricht, durchaus jetzt schon Pläne für Weihnachten macht, all son Tüddelkram plant, aber Gefühlstechnisch nicht mehr so fühlt. Oder ist das durchaus eine verbreitete Reaktion aufgrund der Therapie, dass man erstmal alles hinterfragt, überfordert ist mit alles Gefühlen?

  • Hallo Alleszuviel,

    Herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Eine Therapie verändert einen Menschen, das ist erst einmal Fakt.
    Wenn er erst eine Woche in Therapie ist, mag der Blick noch sehr vernebelt sein, weil er seine Richtung noch nicht kennt. Da sollte er auch keine weitreichenden Entscheidungen treffen.

    Ich stand zu Ihm in alles Höhen und Tiefen des Lebens, wurde immer mehr in die Therapeuten, Mutte, Seelsorger, Sekretätinnen, Animateurinin Rolle gedrängt (und ja, ich habe es leider zugelassen).

    Dass alles bist du nicht, und kannst es auch gar nicht sein, aber an diesen Punkt musste ich auch erst kommen, dass kann mit unter sehr mühsam sein.
    Deswegen wird es hier in erster Linie auch um dich gehen, und was du tun kannst . damit es dir besser geht.
    In der Rolle, in der du jetzt steckst, gehst du irgendwann kaputt. Wir Angehörige irgendwann den Punkt, wo es eben für uns nicht mehr leistbar ist.
    Er wird jetzt von Fachleuten betreut, und an diese kannst du ihn auch jederzeit verweisen.

    Wenn du dich austauschen klicke bitte unten auf den LInk, wir schalten dich dann für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo,

    nein klicke auf den blauen Link, und schreibe einen Satz dazu. Vielleicht: möchte mich austauschen, du brauchst nicht alles zu wiederholen.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo,

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot,

    vielen, lieben Dank für die prompte Antwort. Er ist bereits mehrere Wochen in der LT, kommt in ca 4 Wochen raus.

    Zu der Bewerbung im Forum: alles nochmal schreiben bzw einkopieren? Bin überfordert :oops:

    Liebe Alleszuviel. Mach langsam und les dich Pö a pö ein oder hau in die Tasten und teile mit, was dir alles Zuviel wurde.
    Vor lauter für (den) andere da sein, vergessen wir Co‘s oft uns selbst. Daher Selbstfürsorge heißt das Zauberwort u ich übe mich auch immer wieder neu darin, mich gut für mich selbst einzusetzen.

    Abstand zu Situationen oder Menschen, deren Verhalten mich stresst, ist für mich auch immer wieder das Mittel der Wahl. Leider bemerke ich es auch manchmal erst sehr spät, dann dauert die Erholungsphase um so länger.

    Vielleicht gelingt es dir, die Zeit wo dein Partner noch weg ist dich doch etwas zu distanzieren u dir kleine WohlfühlInseln zu gönnen . Damit du etwas zur Ruhe kommst.

    Alles Gute für dich liebe Alleszuviel. Simsalabim🧙‍♀️🚴🏿‍♀️🧹

  • Marie04 13. Juli 2026 um 13:28

    Hat den Titel des Themas von „Allzuviel - Angehörige“ zu „Alleszuviel - Angehörige“ geändert.
  • So, ich hab das mal sacken lassen.

    Ich bin wütend, wütend, dass man (n) 16 Jahre wegwirft, sich immer noch hinstellt, als ob er alles für die Beziehung tut. Mir erzählt, das in seinem Einzelgespräch rausgekommen ist, dass er ja auch schon aufgrund der Beziehung mal getrunken hat.

    Ich fühle mich ausgenutzt, emotional, finanziell....jeden Sch...hab ich mir von Ihm angehört, ehr von der Arbeit nach Hause zwischen Entgiftung und start der LT, weil "ich brauche dich, ohne dich schaffe ich es gerade nicht" alles damit er nicht rückfällig wird. Freunden abgesagt, damit er ja nicht alleine zu Hause ist und nun bekomme ich auf gut deutsch nen A-tritt.

    Er war das WE gerade zu Hause, was er sagt passt mal wieder nicht mit seinen Taten zusammen. Er hatte überlegt nächstes WE zu kommen, so zum grillen. Wir können ja meine (erwachsene) Tochter fragen ob sie auch kommen will. Ich meinte, dass ich das im Moment nicht möchte solange zwischen uns alles offen ist. Findet er nicht gut, ob er sie jetzt nicht mehr sehen darf. Es geht um IHN...IHN....IHN. Er macht ja alles damit es zwischen uns wieder funktioniert...ach ja? Aber immer wenn es darum geht wie es bei mir aussieht flüchtet er.

    So, sorry, das musste mal raus, und ist auch nur ein kleiner Auszug aus dem ganzen Mist

    Einmal editiert, zuletzt von Alleszuviel (13. Juli 2026 um 15:17)

  • Das ist gut, dass du es mal aufgeschrieben hast.

    Für mich liest sich dass, wie fortlaufende Manipulation.

    Gerade bei dem Satz: " ohne dich schaffe ich es nicht." klingen bei mir die Alarmglocken , ich kenne den Satz zur genügend.

    Mit dem Satz will er die Verantwortung für seine Trockenheit aufdrängen, die du definitiv nicht hast. Das ist seine Aufgabe und auf die wird er in der Therapie vorbereitet.

    Du kannst nur etwas für dich tun.

    Lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • jetzt scheint er es ja ohne mich zu schaffen, und ich fühle mich wie eine ausgelutschte Trinkflasche die man getrost wegschmeißen kann.

    Er bekommt in der Klinik von alles Seiten bestätigt wie toll er alles macht, er sähe so gut aus. Naja, da er recht früh erkannt hat dass er Hilfe benötigt hat er noch keine lange Abhägikeitszeit hinter sich, ich schätze "nur" knapp 1 Jahr.

    Ich komme gerade mit dem Cut den er mir gegenüber macht nicht klar. Ich war so Sicher, dass wir dieses Thema ebenfalls gemeinsam meistern können, wie schon so vieles. Dieses hat er mir zu beginn der Therapie auch immer suggeriert, und dann, von heute auf morgen, weiß er nicht mehr ob die Gefühle mir gegenüber noch so sind wie früher? Sorry, natürlich nicht. Schmetterlinge fliegen nach ein paar Jahren davon, es bleibt mit Glück eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft mit Vertrauen. Und das wird alles in die Waagschale geworfen? Angezweifelt?

    Und natürlich habe ich auch Angst um Ihn, er will in einen Landstrich ziehen, der im Sommer total toll ist, im Winter aber sehr neblig und stürmisch mit einem Schlag Mensch welcher ehr unter sich bleibt. Ich wünsche ihm ja, dass er trocken bleibt, aber sehe die Gefahr wenn er da alleine, mit langer Dunkelheit aufgrund der Jahreszeit hockt. Und ich weiß, ich muss ihn ziehen lassen, er ist ein erwachsener Mann. Und doch kenne ich ihn so gut, dass ich das Gefühl habe, das der Schuß nach hinten los geht. Dann steht er mit hängenden Ohren vor mir, im schlimmsten Fall bringt er noch ne Fahne mit. Aber wo soll er sonst hin? Es gibt keinen.

    Noch sind zu viele Gefühle auf meiner Seite vorhanden, ich schwanke zwischen Wut, Enttäuschung und tiefer Traurigkeit, wobei letzteres leider überwiegt. Ich versuche viel für mich zu tun, mich abzulenken immer in der Hoffnung, dass es besser wird und nicht mehr so weh tut.

    Es tut gerade gut alles mal rauszulassen, es zu schreiben. Entschuldigt meine Schreibfehler, ich tippe langsamer als ich denke. Ich weiß gerade nicht was richtig oder falsch ist. Eigentlich kann ich Zusammenhänge gut analysieren und verstehe viele Dinge aufgrund logischer Schlußfolgerungen. Hier bin ich am Ende meiner Logik angelangt. Ich begreife einfach nicht wie sich das Gefühl von ohne dich geht es nicht zu ohne dich geht es mir besser innerhalb von 24 Stunden stattfinden kann.

  • Eigentlich kann ich Zusammenhänge gut analysieren und verstehe viele Dinge aufgrund logischer Schlußfolgerungen. Hier bin ich am Ende meiner Logik angelangt. Ich begreife einfach nicht wie sich das Gefühl von ohne dich geht es nicht zu ohne dich geht es mir besser innerhalb von 24 Stunden stattfinden kann.

    Liebe Alleszuviel ,

    das kenne ich nur zu gut. Ich hab auch lange versucht, die Anwandlungen meines Mannes logisch zu verstehen.

    Bis mir meine Therapeutin lang und breit nochmal auseinander gesetzt hat, dass Sucht ihre eigenen Regeln hat und ihr mit Logik nicht beizukommen ist.

    Mein Mann ist gerade in seiner zweiten Langzeit. Er ist sehr gewillt, aufzuhören und mit mir weiter zu leben und das ganze zusammen anzupacken. Aber auch ich höre manchmal noch in Momenten seiner Verzweiflung und wenn der Suchtdruck kommt wieder seine egoistischen Phrasen... Ich sage ihm mittlerweile klar und deutlich, dass mich solche Äußerungen sehr verletzen und dass er sich endlich klar werden muss, was er wirklich will. Nachdem er momentan dauerhaft nüchtern ist, kommt das auch an und er kann mit den Therapeuten vor Ort weiter daran arbeiten...

    Leider kann ich dir nichts raten, weil ich selbst auch noch nicht weiß wie die Reise weitergeht ...

    Liebe Grüße

    Sternie

  • Er bekommt in der Klinik von alles Seiten bestätigt wie toll er alles macht, er sähe so gut aus.

    Das würde ich heute keinem nassen Alkoholiker glauben. Fällt bei mir unter täuschen, tarnen, tricksen. Wieder ein Versuch, dir zu zeigen dass du keine Ahnung hast, bzw. die Klinik weiß, wie toll er ist, nur du nicht.
    Nicht zu unterschätzen ist auch, dass manche sogar ihren Therapeuten etwas vormachen. Klingt vieles nach Gehabe, und nicht nach Einsicht.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Das würde ich heute keinem nassen Alkoholiker glauben.

    Aber ist er nicht nach 3 Monaten Abstinenz trocken? Oder übernimmt die Sucht immer noch die Gedankengänge? Er meint, dass er in der Klinik überhaupt nicht an Alkohol denkt. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass er sich mit Krampf an einem Gedankengang festklammert. Hat er schon immer wenn aus seiner Sicht Experten ihm zu etwas raten.

    Nun wurde immer gesagt, von verschiedenen Therapeuten, dass er sein Leben drastisch ändern soll. Das hat er im Kopf, wie ein Mantra. Drastisch ändern bedeutet für Ihn jetzt: alles alte muss weg. Job war eh schon weg, aber neuer Job gute 250 km entfernt, Lebensgefährtin muss weg, Haus und Hof muss weg. ABER: der Kontakt "nach Hause" soll trotzdem nicht abbrechen. Täglich wird telefoniert, wie gesagt, spricht von nach Hause kommen wenn er dann frei hat, sowie er zurück in der Klinik ist, So als ob ein Schalter umgelegt wird, klingt alles wieder ganz anders. Ist diese Achterbahn normal?

    Bekommt er am Telefon von mir eine Reaktion die ihm nicht passt, schlüpft er in die Opferrolle und straft michmit Ignoranz ab.

    Wenn ich ihm sage er soll mich in Ruhe lassen damit ich die Chance habe zu "heilen" weiß ich jetzt schon wie es laufen wird, da sind wir dann beim Umkehren in die Opferrolle was so viele von euch schon beschrieben haben. Die beherschen die Alkoholiker wirklich vortrefflich.

    Im Moment will ich mir einfach eine Decke über den Kopf ziehen und auf die Glitzerfee warten die mir sagt, dass alles wieder gut ist. Oder die Zeit um ein Jahr vorstellen.... Geht leider beides nicht.

    Ich versuche mich abzulenken, hab glücklicherweise eine Arbeit mit der ich 11 Stunden am Tag außer Hausbin, treffe mich mit Freunden, sabbel meine Mama voll, heule wie ein Schloßhund und verzweifel langsam immer mehr.

    Es tut mir gut hier vieles aufzuschreiben, es sortiert meine Gedanken und euer Input und Erfahrungsschatz hilft mir gerade sehr mich zu sortieren. Das so viele Geschichten sich ähneln. Ich habe z.B. gerade erst begriffen, dass er ja schon viel länger Alkoholkrank ist und es völlig irrelevant ist seit wann er schließendlich abhängig wurde. Jemand schrieb hier mal etwas von einem Alkoholgesicht, kenne ich zu gut. Auch die leichte Fahne, drauf angesprochen habe ich Ihn oft, jedesmal wurde er pissig und drehte alles so, das ich diejenige war die wieder schlechte Stimmung verbreitet und Streit sucht. Nachdem dann alles eskaliert war wurde er die Ruhe selber, schlief wie ein Baby und ich lag die Nacht über wach. Am nächsten Tag wurde dann gefragt ob ich wieder lieb bin.

    OMG, wenn ich das hier so runterschreiben wird mir von meinem eigenen Verhalten schlecht. Kann man so manipuliert werden und trotzdem glauben, dass man selber die Schuld hat?

  • Hallo,

    Aber ist er nicht nach 3 Monaten Abstinenz trocken?

    Es ist vielleicht kein Alkohol mehr im Körper, aber nach drei Monaten ist er in seinen Gedanken sicher noch sehr nass, und das verursacht in dir die Achterbahnfahrt.
    Trockenheit ist ein Prozess, die Arbeit für ihn beginnt erst nach der Langzeit, dort ist er in einer "Käseglocke".
    Die Sucht bleibt, und es ist ganz alleine seine Aufgabe, dass daraus eine stabile Trockenheit entsteht.

    Bekommt er am Telefon von mir eine Reaktion die ihm nicht passt, schlüpft er in die Opferrolle und straft michmit Ignoranz ab.

    das ist für mich der Beweis, was ich oben gemeint habe. In der Langzeit gibt es z. Bsp. auch Angehörigen= wochenenden, das war mir bei meinem Mann eine Hilfe.
    Ich kenne deinen Mann nicht, und daher kann ich nur vermuten, aber hätte mir mein Mann so geantwortet, und mich so behandelt wäre es für mich ein klares Indiz gewesen, dass er ( noch ) nichts verstanden hat

    Ich habe z.B. gerade erst begriffen, dass er ja schon viel länger Alkoholkrank ist und es völlig irrelevant ist seit wann er schließendlich abhängig wurde.

    Das ist gut, dass es dir klar geworden ist, da bist du schon einen Schritt weiter.

    Kann man so manipuliert werden und trotzdem glauben, dass man selber die Schuld hat?

    Ein eindeutiges "Ja" von mir.
    Mein Mann hatte mal Geburtstag, und versprach nichts zu trinken, wie so oft. Es war im Sommer und ich hatte schon im Kasten nachgeschaut, und es waren noch viele volle Flaschen darin. Ich habe mich so gefreut, und dachte : Endlich hat er es kapiert. Wenige Tage später kam mein Vater, es war nach einem sehr heißen Tag und fragte nach einem Bier, ich war so stolz, dass ich noch etwas aus dem Kasten anbieten konnte. Mein Vater macht die Flasche auf, und die Flasche war voll mit Wasser.
    Ich war so wütend und enttäuscht, und habe meinen Mann damit konfrontiert, und er inszenierte sich, und schimpfte los. Das sei ihm schon mehrmals passiert, da habe man wohl, beim spülen der Flaschen das Wasser nicht entfernt.
    Ich wusste, dass ich den größten Mist erzählt bekomme, aber irgendwo habe ich es auch glauben wollen. Sofort war wieder alles umgekehrt, ich war wieder schuld, dass er trinken musste, weil ich so misstrauisch war.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hej hej,

    mir war gar nicht bewusst wie schwierig es ist sich vorzustellen.

    Ich lebe seit 16 Jahren mit meinem Partner zusammen.

    Das klingt generell erst einmal gut, ihr seid offensichtlich nicht verheiratet.

    Psychische Probleme hat er schon lange, Vater war Alkoholiker, Mutter Co und Schwester schwer narzistisch. Beide Eltern starben innerhalb kürzester Zeit im mittleren Alter, zur Schwester herscht kein Kontakt.

    Das ist natürlich teilweise schwer zu verarbeiten, und Probleme gibt es immer um einen herum, und gestorben wird auch immer. Das ist ein Naturgesetz, jeder hat bei der Geburt dem Tode zugestimmt. Das sind keine Gründe um zu Trinken, höchstens später mal passende Ausreden.

    Mein Grund, dass ich mich hier angemeldet habe ist zu verstehen, ob es "normal" ist, dass im Zuge der Therapie der Patient sein gesammtes Leben ändert und sich vorallem auch gegen das stabile Umfeld richtet. Ich kann durchaus verstehen, dass Ihn unser zu Hause triggert, hat er dort doch seine persönliche Hölle erfahren. Kann durchaus auch verstehen, dass er erstmal ausziehen möchte, der neue Job ist gute 2,5 Stunden entfernt von uns.

    Das ist ein normaler Vorgang und nennt sich „geographische Flucht“. Wenn das gesamte Umgeld langsam „Wind“ von seinem Problem bekommt, wird das Umfeld gewechselt, das ist so etwas wie ein Neustart, alles ist auf 0 gesetzt, er ist dann ein Fremder ohne Vorgeschichte.

    Was ich nicht nachvollziehen kann, wie sich innerhalb von einer Woche angeblich Gefühle ändern, man keine Beziehung mehr möchte (aber alle Benefits weiter in anspruch nehmen möchte), sich aber 2-3 mal telefonsich am Tag meldet, von zu Hause spricht, durchaus jetzt schon Pläne für Weihnachten macht, all son Tüddelkram plant, aber Gefühlstechnisch nicht mehr so fühlt. Oder ist das durchaus eine verbreitete Reaktion aufgrund der Therapie, dass man erstmal alles hinterfragt, überfordert ist mit alles Gefühlen?

    Er ist innerlich zerrissen, es wechseln sich normale und suchtbelastete Gedanken ab. Es ist die normale Achterbahnfahrt, hoch runterrechts links. Da ist wenig vorhanden, was wir „Normalos“ als ausgeglichen und konstant nennen würden.

    ps: ich habe selber einen Alkoholiker hier sitzen incl. 5 erfolgreich abgebrochener Entzügen / Therapien, das grenzt schon an Nomadentum. Auch ich habe früher viel nachgedacht und gegrübelt, aber irgendwann habe ich auf „Spock“ umgeschaltet, faszinierend. Ich bin nur noch Beobachter und lass es laufen, irgendwann regelt sich alles.

  • Das klingt generell erst einmal gut, ihr seid offensichtlich nicht verheiratet.

    Stimmt, geheiratet haben wir nie. Das wir zusammenbleiben wollten war klar und manche heiraten aus steuerlichen Gründen, wir tatsächlich aufgrund von Erbrecht nicht.

    Das ist ein normaler Vorgang und nennt sich „geographische Flucht“. Wenn das gesamte Umgeld langsam „Wind“ von seinem Problem bekommt, wird das Umfeld gewechselt, das ist so etwas wie ein Neustart, alles ist auf 0 gesetzt, er ist dann ein Fremder ohne Vorgeschichte.

    Macht für mich Sinn, jobtechnisch ist er bei uns in der Gegend "verbrannt", und wie schon geschrieben triggert ihn natürlich das Umfeld. Soziale Kontakte hatte er nie, er hat einen Freund, das reichte ihm. Der lebt allerdings ebenfalls 2,5 Stunden entfernt on uns, allerdings in die entgegengesetzte Richtung seiner neuen Wirkungsstätte.

    Er ist innerlich zerrissen, es wechseln sich normale und suchtbelastete Gedanken ab. Es ist die normale Achterbahnfahrt, hoch runterrechts links. Da ist wenig vorhanden, was wir „Normalos“ als ausgeglichen und konstant nennen würden.

    Es beruhigt mich gerade enorm, das du es als normale Achterbahn bezeichnest. Du schreibst, dass du es laufen lässt. Wie reagierst du auf Anrufe? Annehmen und so tun als ob alles normal ist? Nicht auf die Manipulationen etc eingehen? Ich fühle mich so hilflos. Grenzen aufzeigen? Bis hierher und nicht weiter? oder eben nicht....

  • Ich lebe mit meiner Frau getrennt innerhalb der ehelichen Wohnung, für gewöhnlich sehe ich sie nur, wenn sie mal auf Toilette geht, oder irgendwie „leicht verstrahlt“ durch die Gegend läuft. Kommunikation findet kaum statt, wenn dann vorzugsweise per WhatsApp. Mündliche Nebenabreden gibt es keine mehr, das lässt sich im Zweifel nicht belegen.

  • Hallo Alleszuviel,

    erstmal willkommen hier. Mir fällt beim Lesen auf, dass hier beide versuchen, Schuld bei dem anderen zu suchen.

    Natürlich auch die eigenen Schuldgefühle, Wut, Traurigkeit darüber, dass all die Jahre nicht gesehen oder mitgemacht/ gespielt zu haben.
    Jetzt sind Deine Gefühle da, aber was sind DEINE Schlussfolgerungen daraus?
    Was kannst DU tun, damit es Dir besser geht?

    Ich erwarte nicht mehr von anderen, dass sie sie sich ändern oder irgendwas tun, was ich möchte, damit es mir besser geht.
    Ich trage selbst die Verantwortung für mein Leben.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • In Therapie und mit Abstand wird Vieles hinterfragt, auch manchmal die Beziehung. Warum stellst du dich dann weiter in täglichen Gesprächen zur Verfügung? Und was macht dich so sicher, dass du diese Beziehung noch willst?

    Vielleicht solltest du mal ganz bei dir bleiben, ein paar Tage weg fahren und eben mal keinen Kontakt zu ihm haben. Nicht im Sinne von ‚soll er doch mal sehen‘ sondern ‚wo stehe ich eigentlich gerade‘.
    Bis zu dieser LT hattest ja sicher auch du eine harte Zeit. Ist es nicht auch irgendwie schön, dass er gerade weg ist?

    Vielleicht braucht ihr beide ein wenig Zeit jeder für sich. Und wenn ihr euch noch liebt, findet ihr auch wieder zusammen- aber forcieren und Vorwürfe machen bringt da nix. Verwende diese Energie lieber für dich selbst. Tu dir was Gutes. Schau was dir die Welt außerhalb dieser Paarbeziehung zu bieten hat!

  • Liebe Tabsi,

    im Moment tut es mir hautsächlich weh weggeworfen zu werden. Sollte es so rüber gekommen sein, dass ich versuche eine Schuldfrage zu klären tut es mir leid, das war nie meine Intention. Wer in unserem Konstrukt welche Schuld trägt ist komplett unerheblich an der IST Situation.

    Ich wollte für mich nur verstehen ob dieses Achterbahnfahren zu dem jetzigen Zeitpunkt eine mehr oder weniger gängige Situation ist. Zum einen den Lebensmittelpunkt einschließlich der Beziehung zu beenden um dann aber wieder zu signalisieren dass das eigentlich vielleicht ja doch nicht richtig ist. Also das bekannte Hintertürchen offen halten. Er kommt mir halt sehr zerissen vor. Wie schon mal geschrieben: dieses umschwenken kam innerhalb von 24 Stunden.

    Naja und ich fühle mich halt ebenfalls zerrissen. Daher tut es mir gut MEINEN Frust mal rauszulassen bei Personen die unter Umständen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es hilft mir meine Gedankengänge zu sortieren und selber runter zu kommen.

    Ich erwarte von ihm nicht das er sich für mich ändert, das muss er für sich selber tun. Ich versuche nur zu begreifen. Und da es alles neu für mich ist, versuche ich halt einen Weg für mich zu finden mit der neuen Situation umzugehen.

    Ich arbeite, treffe mich mit Freunden, rede (kann ich besonders gut und viel) und versuche gelassen zu bleiben. Freue mich auf meinen Urlaub, den habe ich vom ursprünglich geplanten umgebucht, er kommt ja nun nicht mehr mit. Um mich nicht in eine traurige Situation zu bringen habe ich Art, Ziel und Reisebegleitung umgestellt. Ansonsten versuche ich Tag für Tag zu nehmen und ,zumindest nicht in seine Richtung, keine langfristigen Pläne zu machen

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