Schmetterling85 - Zurück, diesmal als Co. und EKA

  • Ich hab gerechnet, mit 5 Bier täglich ist das Risiko für schwere Erkrankungen vielleicht 10 Prozent. Ansonsten erholt sich der Körper durch Trinkpausen, also gehen auch jede Woche Vollräusche. Damit kannst du 80 oder 90 werden, also wozu was ändern?
    Ich hab ja solche Leute in der Familie.

    Das war mir der Spaß wert.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich kann deine Situation so gut nachvollziehen. Dein Text hätte von mir sein können.

    Ich bin nun etwas über zwei Jahre getrennt. Wie du konnte ich es nicht mehr ertragen und wollte doch andererseits so gern unsere kleine Familie retten. Den liebenswerten Mann zurückhaben, den ich mal hatte.

    Manchmal bin ich noch traurig und vieles ist alleinerziehend anstrengend, aber ich sehe mittlerweile auch die großen Vorteile:
    Ich habe wieder zu mir selbst befunden und lebe mein Leben. Wir haben ja alle nur das eine und sollten das Beste daraus machen. Das geht schlecht, wenn man immer auf jemanden Rücksicht nimmt, der das wiederum nicht tut.

    Aber das Allerschönste ist, dass das Lachen im Haus zurück ist.

    Hab Mut, den Schritt zu gehen und konsequent zu sein. Es lohnt sich!

    „Warum sieht er nicht, dass unsere Probleme von seinem Alkohol-Konsum kommen“? .

    Ich habe es akzeptiert bzw. auch gesagt, dass ich nicht mehr kann. Aber mich macht es alles sehr traurig, weil ich gedacht und mir gewünscht habe, dass unsere Familie noch zu retten ist und unsere Kinder nicht mit getrennten Eltern weiter aufwachsen müssen.

    Auch wenn es mir schon lange nicht mehr gut getan hat, ich trauere jetzt schon den guten Zeiten hinterher und möchte es nicht, dass es wirklich zu Ende ist 😔

  • „Warum sieht er nicht, dass unsere Probleme von seinem Alkohol-Konsum kommen“? .

    Vielleicht sieht er das. Aber der Alkohol ist ihm wohl leider wichtiger als du und eure Familie. So wie du das beschreibst, dürfte für ihn nur ganz oder gar nicht gehen, da kontrolliert bei ihm offensichtlich nicht mehr funktioniert. Und ganz und damit für immer komplett auf Alkohol zu verzichten, kann und will er sich nicht vorstellen und umsetzen schon mal gar nicht.

    Und dann bleibt ja leider nur seine Lösung.

    Und es ist ja völlig verständlich, dass du jetzt den "guten" Zeiten hinterher trauerst. Mir hat es sehr geholfen, mir eine Liste mit all den schlimmen und unangenehmen Situationen anzulegen. Und das dann ganz geballt immer wieder durchzugehen, wenn mein Herz gesagt "so schlimm war es doch nicht" und "ach, das und das war aber auch schön". Und dann hier immer wieder die Erfahrungsberichte durchzulesen, dass es ja bei dem aktuellen Zustand (der schon mehr als schlimm war) nicht bleibt, sondern über die Jahre immer nur noch schlimmer wird.

  • Da die Frage hier noch mal zitiert wurde: weil der Alk für ihn wie für jeden aktiven/ nassen Alkoholiker nicht verhandelbar ist.

    Seine Prioritäten hat er in Eurem Gespräch ja klar definiert: 1. Ungestört und unkritisiert saufen, so viel er will. 2. Jemanden fürs Bett.

    Und da das in dieser Kombination mit dir - zum Glück - nicht möglich ist, trennt er sich von Dir - und von Euren Kindern gleich mit, die er dann ja höchstens noch an Besuchswochenenden sehen wird.

    Traurig, erschütternd, empörend ... - aber wenigstens unmissverständlich und am Ende auch befreiend - oder?

    Ich wünsche Dir, dass Du bald Erleichterung fühlen kannst, dass Dir und den Kindern noch Schlimmeres erspart bleibt, und auf Dich schauen kannst.

    Denn als EKA weißt Du ja aus eigener Erfahrung, was es mit Kindern macht, in so einer Atmosphäre aufzuwachsen.

    Wie genau wollt Ihr die Trennung denn umsetzen, wer zieht aus?

  • Ihr seid ja alle lieb, danke für die Antworten…


    Ich kann es nicht ganz glauben/begreifen, dass es wirklich so ist, dass er aus den Gründen keine Beziehung mehr will. Ok, den Punkt mit der Nähe verstehe ich. Einerseits bin ich (ihm gegenüber) blockiert, aber ich möchte auch nicht ewig in einer Beziehung bleiben, in der es keine körperliche (und vor allem emotionale) Nähe gibt. Ich vermisse es genauso wie er, aber ich kann es gerade einfach nicht. Umarmung ist ok, alles darüber hinaus nicht. Aber ich erzwinge es für mich nicht mehr, sondern höre auf meinen Körper, weil ich es irgendwie auch verständlich finde. Ab dem einen Tag, an dem er mich vor ein paar Jahren unter Alkoholeinfluss verbal runter geputzt hat, ging es irgendwie Berg ab. Davor war zwar auch schon viel passiert zwischen uns, aber da war die Grenze für mich erreicht (unbewusst).


    Wegen der räumlichen Trennung…

    Es ist sehr kompliziert. Wir haben Haus, Kinder, Tiere und Betrieb zusammen (Betrieb ist seiner auf dem Papier, aber ich habe hier mitgearbeitet bzw. ihm den Rücken freigehalten, was er allerdings nicht sieht …. „Fühle mich auf dem Betrieb alleine gelassen“). Seit zwei Jahren habe ich zudem eine Depression und bin in Behandlung, aber dadurch konnte ich noch weniger arbeiten. Er hat die Krankheit nur leider nicht verstanden, wie auch.
    In zwei Wochen haben wir einen Termin bei der Elternberatungsstelle bekommen. Theoretisch weiß ich, welche Betreuungsmodelle es gibt. Jetzt müssen wir nur noch schauen , welches am besten zu unserer Situation passt.


    Die Kinder sind beide im Teenager Alter, haben von all dem noch nichts mitbekommen. Also indirekt wahrscheinlich schon, weil wir uns inoffiziell schon Anfang des Jahres getrennt haben und noch zusammen wohnen wollten. Scheinehe/ Eltern- Wg quasi. Eigentlich eher mit der Hoffnung, wahrscheinlich von beiden Seiten, dass wir dadurch einen Neuanfang irgendwann hinbekommen. Aber gefühlt wurde es immer schlimmer. Ich kann nicht aufhören ihn zu kontrollieren, mich triggert das Thema Alkohol immer mehr. Früher hat es mich nicht gestört und ich hab mitgetrunken. Nun trinke ich so gut wie gar nichts mehr.


    Das Problem mit der sofortigen räumlichen und offiziellen Trennung ist, dass ich ab Ende September für 2-3 Monate einen geplanten Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik habe. Da ich die Kinder nicht mit ihren Gefühlen alleine lassen möchte in dieser Zeit, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir das alles in Ruhe nach der Klinik machen werden. Und uns auch umfänglich beraten lassen, wie man es den Kindern mitteilt usw.

    Für die beiden wird eine Welt zusammen brechen, das ist das schlimmste für mich. Er ist kein schlechter Vater und hat immer viel mit uns gemacht und wir hatten auch wirklich schöne Zeiten.

    Ich denke manchmal, ich müsste einfach noch mehr an mir arbeiten, damit ich ihn nicht mehr „nerve“ mit meiner Abneigung gegen seinen Alkoholkonsum.

  • Heute denke ich wieder, ob ich vielleicht doch übertrieben habe und ihn zu Unrecht zu oft auf seinen Konsum angesprochen habe und deshalb jetzt die Ehe kaputt ist. Er hat innerhalb der letzten Woche nichts getrunken und gestern beim Grillen mit Freunden (das war schon lange geplant als Dankeschön und unsere Trennung ist ja noch nicht offiziell) vielleicht 2 Bier und 2 kleine Sambuca. Alle anderen haben auch getrunken. Es ist „normal“ hier für alle. Wahrscheinlich denkt er deshalb auch C warum sollte er drauf verzichten, wenn alle es dürfen?
    So viel ist es ja wirklich nicht, warum hab ich mit meinem Gemecker alles kaputt gemacht? Er ist vielleicht wirklich kein Alkoholiker, sondern trinkt ab und zu mal gemäßigt, ab und zu mal zu viel. Heimlich alleine trinkt er angeblich nichts mehr und meinte, er weiß , dass das nicht gut war.


    Das sind meine ständigen Gedanken momentan…

  • Schmetterling, du drehst dich gerade wieder um seinen Konsum: zwei Bier, zwei Sambuca, eine Woche nichts, heimlich oder nicht, Alkoholiker oder vielleicht doch keiner.

    Du kannst das noch hundertmal zählen, kontrollieren und neu bewerten. Es bleibt sein Trinken.;) Die wichtigere Frage ist doch . Was macht das alles mit dir?

    Wenn es dir dauerhaft schlecht damit geht, musst irgendwann du Konsequenzen für dich ziehen. Nicht, damit er weniger trinkt, sondern damit du nicht ständig um sein Trinken kreist. Vielleicht ist dein Leidensdruck im Moment einfach noch nicht groß genug, um diesen Schritt wirklich zu gehen. Wir Alkoholiker sagen dann gern: „Dann musst du eben noch ein paar Runden drehen.

    Aber du musst nicht erst beweisen, dass er Alkoholiker ist, bevor du sagen darfst.

    So möchte ich nicht leben.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Dankeschön, das habe ich gerade gebraucht, deshalb bin ich hier. Ja meine Gedanken kreisen tatsächlich immer um seinen Konsum und ob ich was falsch gemacht haben könnte. In seinen Augen hab ich es ja, also falsch gemacht. Und das glaube ich dann sehr schnell.
    Mir fällt es noch sehr schwer einfach zu sagen:

    MIR ist es zu viel, damit komme ich nicht klar, das macht mich krank.

    Es fällt mir schwer, dass ich mir für mich auch ein schönes Leben gestalten kann, dass ich es wert bin. Ich arbeite dran 😊.
    Aber momentan ist alles so frisch und ich bin traurig und hin und hergerissen. Weil ja nicht alles schlecht ist. Ich komme „nur“ nicht mit seinem Konsum zurecht. Und verstehe manchmal nicht, warum es mich früher nicht so stark getriggert hat.

  • Ich bin EKA. Bei mir war es der Vater der trank. Meine Mutter störte sich massiv daran, kommuniziert hat sie vorallem seine Persönlichkeit, zu still, zu passiv, zu faul, zu unempatisch.

    Sie machte daraus keinen Hehl, also ihrer Kritik an ihm. Als Kind erzählte sie mir, daß sie anfangs Bierdeckel zählte - was ich nicht verstand, weil es für mich normal war, daß er Bier trank.

    Verstanden habe ich aber, daß sie eine sehr unglückliche Frau war, die dennoch bei ihm blieb. Wegen der Kinder. Und auch, meine Sicht heute, weil sie von ihm nicht loskam.

    Vielleicht hätte sie sich nach ihm ein besseres Leben aufbauen können. So verblieben beide in einem spannungsgeladenen vergifteten Gespinnst, das sie Familie nannten. Jahrzehnte später erst trennte sich mein Vater von ihr, weil er es nicht mehr aushielt und weil er seine Ruhe zum trinken haben wollte.

    Sie verstand nicht warum er ging.

    Ich als Erwachsene verstand trinken ebenfalls Jahrzehntelang als völlig normal. Den täglichen Konsum normal. Regelmäßig betrunken sein normal. Das ist das was mir vorgelebt wurde.

    Und wenn man dann auf jemanden trifft oder eine Partnerschaft eingeht, wo massiv getrunken wird, klingeln die Alarmglocken sehr spät. Trotzdem klingeln sie irgendwann. Weil ich neben meiner Prägung auch einen Körper habe, der mir signalisiert, wenn ich etwas eklig finde, mich unwohl fühle. Darauf kann ich hören, weil es mich auf mein eigenes Wohlsein aufmerksam macht.

    Alles liebe

  • Danke, dass du deine Erfahrungen teilst Koda.
    Das rüttelt mich auch ein wenig wach. Meine Kinder merken ja auch sicherlich, dass es mir manchmal nicht gut geht.

    Meine Mutter war Alkoholikerin. Meine Schwester und ich haben in unserer Kindheit an diversen Stellen Kornflaschen gefunden. Wir haben sie dann ausgekippt und mit Wasser befüllt… vielleicht denkt man als Kind, das bringt was?! Keine Ahnung. Wir haben uns dann irgendwann meinem Vater anvertraut, er meinte er spricht mit ihr und es wird sich ändern. Letztendlich hat sich aber nie was geändert und wir haben oft gemeldet, wenn wir wieder fündig wurden. Mein Vater war fast nie zuhause und hatte seine Karriere im Kopf, meine Mutter war schlichtweg überfordert. Meine Schwester hat mir erzählt (ich weiß vieles aus der Kindheit nicht mehr), dass meine Mutter eine zeitlang bei ihr mit im Zimmer geschlafen hat, da muss sie auch so um die 10 Jahre alt gewesen sein. Die Kornflasche hat sie sich dann tatsächlich abends neben das Bett gestellt.

    Was ich aber nicht verstehe und da mache ich mir auch vorwürfe…

    Sie sollte trocken werden, aber wir haben, als wir Jugendliche waren, auf Familienfeiern usw. einfach getrunken in ihrem Beisein. Alle, auch mein Vater. Auch als wir älter waren und zum Essen da waren, sei es an Weihnachten oder Geburtstage oder einfach so, die Flasche Wein gehörte auf den Tisch. Das tut mir im Nachhinein total leid, damals wusste ich es nicht. Wir hätten sie mehr unterstützen können. In unserer Jugend war sie angeblich trocken. Genau weiß ich es nicht, es wurde ja tabuisiert. Man wusste halt innerhalb der Familie, dass ihr nichts eingeschenkt wird.

  • Meine Mutter trank sogut wie nie. Alle paar Jahre mal zu Feierlichkeiten ein wenig Wein, daran erinnere ich mich. Aber auch daß ich das eher seltsam fand. Ich durfte auch Bierschaum abtrinken, oder mal ein Gläschen Likör. Beide meine Eltern hießen das gut bzw schenkten ein.

    Das finde ich ja so irre heute. Sie litt unter seinem Konsum und gleichzeitig schenkte sie uns Kindern den ach so leckeren Likör ein. Nicht oft, aber es suggerierte mir, daß es sich eben nicht um eine Droge handelte, sondern daß es dazugehörte.

    Ihre Art die Familie zusammenzuhalten? Pflaster drauf (metaphorisch). Sich in Religion flüchten. Auf keinen Fall trennen, aber ständig davon reden, daß sie wären die Kinder nicht, längst gegangen wäre.

    Ich war zu jung um all diese Verstrickungen zu verstehen. Es löste keine logische Gedankenkette aus, sondern einen Kloss in mir ein innerliches Verkleben, Übelkeit, Enge in der Brust. Negative Gefühle eben, die mir sagten, da ist etwas überhaupt nicht in Ordnung. Aber niemand hilft mir. Es bleibt einfach wie es ist.

  • Ich war zu jung um all diese Verstrickungen zu verstehen. Es löste keine logische Gedankenkette aus, sondern einen Kloss in mir ein innerliches Verkleben, Übelkeit, Enge in der Brust. Negative Gefühle eben, die mir sagten, da ist etwas überhaupt nicht in Ordnung. Aber niemand hilft mir. Es bleibt einfach wie es ist.


    So ist es. Kinder und Jugendliche bekommen es mit. Manche merken das etwas nicht stimmt, andere denken das wäre ganz einfach familiäre Normalität und bei allen so.

    In meinem Fall ist es so, dass ich meine Kindheit glücklich im Kopf habe. Es war schlicht und einfach normal für mich. Ein Kind hat keine Vergleichsmöglichkeiten, weiß nicht wie es in anderen gesunden Familien abläuft.

    Die Konsequenz:

    Unbewusst sucht man sich wieder diese vertrauten Muster aus der Kindheit und erkennt nicht so schnell wie andere, wenn etwas falsch läuft.

    ich frag mich im Nachhinein zB sehr sehr oft, warum ich bis zu einem bestimmten Erlebnis die Sucht meines Ex-Partners NULL erkannt habe, seinen Konsum NIE hinterfragt habe, obwohl es im Nachhinein schon viele Jahre vorher deutliche Anzeichen gab, ich denke sogar bereits als ich ihn kennengelernt hatte.

    Einmal editiert, zuletzt von orangeblau (1. September 2026 um 14:56)

  • Ein Kind hat keine Vergleichsmöglichkeiten, weiß nicht wie es in anderen gesunden Familien abläuft.

    Ich habe ganz früh gemerkt, das daheim etwas nicht stimmt. Ich hatte ja den Vergleich zu den Elternhäusern meiner Schulfreundinnen. Da war sicher auch nicht alles Eiapopeia, aber über die Jahre habe ich immer mehr mitbekommen und kapiert.

    Gleichzeitig hat mich meine Hilflosigkeit und Ohnmacht daheim fertig gemacht.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich habe ganz früh gemerkt, das daheim etwas nicht stimmt. Ich hatte ja den Vergleich zu den Elternhäusern meiner Schulfreundinnen. Da war sicher auch nicht alles Eiapopeia, aber über die Jahre habe ich immer mehr mitbekommen und kapiert.

    Gleichzeitig hat mich meine Hilflosigkeit und Ohnmacht daheim fertig gemacht.


    Ich war bei aktiver Sucht noch ein Kleinkind/Grundschulkind.


    Frage mich allerdings, ob sich die familiären Beziehungsdynamiken automatisch ändern, wenn der Alkoholiker trocken wird.
    Co’s meinen das ja oft.
    Ich bezweifle das mittlerweile.

    Co ist immer noch Co selbst wenn der Partner nicht mehr nass ist. Auch der Co muss an sich arbeiten.

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