Honighummel7 - Meine schwersten Entscheidungen

  • Liebe Honighummel,

    erstmal möchte ich dich bestärken, dass deine Wahrnehmung stimmt! Ich kenne die Zweifel. Sonst hätte ich ja selbst nicht kontrolliert und nach Beweisen gesucht.🫣 Dein Gefühl und dein Verstand kämpfen, wenn ich dich richtig verstehe. Aber das ist normal. Du würdest nicht hier sein, wenn alles ok ist!

    Das und der Zweifel. Wie ein Ping Pong Spiel. Ich wünschte, mein Mann wäre einfach nur durchgehend mies. Dann wäre das alles so viel leichter...

    Zu diesem Punkt noch ein Gedanke, verbunden mit einer Frage: Es gibt zwischen "wirklich mies" und "zugewandt und liebevoll" ja noch ganz viel. Wie sind denn die guten Momente aus deiner Sicht aktuell? Wirklich wie in einer gesunden und schönen Partnerschaft? Oder läuft es halt nicht schlecht und ist damit für dich gefühlt schon gut? Aus meiner Erfahrung ist man leider irgendwann so ausgehungert und daher mit wenig Zuwendung zufrieden. Oder man interpretiert kleine Gesten sozusagen schon als Liebesbeweis.

  • Weihe ihn am besten erst in Deine Pläne ein, wenn diese ausgereift sind und es gar nicht mehr anders geht. Evtl. Können Dir dabei Freunde oder Verwandte zur Seite stehen?

    Ich hatte jetzt den Plan, wenn es so weit ist, ihm in einem Gespräch zu erklären, dass es seine Entscheidung ist, beim Alkohol zu bleiben, aber es auch meine Entscheidung ist, so nicht mehr leben zu wollen. Organisatorisch ist das tatsächlich gar nicht so schwer für mich. Mir gehört die Wohnung, ich bin Hauptverdienerin und meine Eltern stehen immer bereit, wenn ich Hilfe brauche. Und er könnte erst einmal bei seinen Eltern unterkommen bzw. hatte ich nicht vor, ihn direkt rauszuwerfen. Ich hoffe sehr, dass das alles relativ entspannt über die Bühne gehen wird und er sich in Ruhe um eine Bleibe kümmern kann.

    Weil du ja mehr Erfahrung im Forum hast: Hast du konkrete Dinge im Kopf, die ich gerade nicht mit bedacht habe?

    Es fühlt sich gerade so sehr nach hintergehen an, wie du auch schon gesagt hast, darüber zu schreiben, obwohl er absolut nichts ahnt. Vor allem weil gerade wieder eine gute Phase ist. Ich würde ihm gern von meinen Gedanken erzählen, aber ich habe Angst, dass ich es dann nicht durchziehen kann oder wie du auch schon gesagt hast, das Gespräch in eine ganz andere Richtung läuft.

  • Ist Dein Leidensdruck noch nicht groß genug?

    Über diese Frage habe ich lang nachgedacht.. weil ich hätte vor ein paar Tagen noch lautstark "Doch, das ist er!!!" gerufen. Aber so blöd es auch immer wieder klingt, ich will es eigentlich nicht. Ich will eigentlich einfach meine glückliche Familie haben. Und jede gute Phase zeigt mir, wie sie sein könnte und was ich verlieren würde. Auch wenn ich weiß, dass diese Vorstellung schon längst verloren ist und mit dem Alkohol als Familirnmitglied dafür keine Chance besteht.

  • Wie sind denn die guten Momente aus deiner Sicht aktuell? Wirklich wie in einer gesunden und schönen Partnerschaft? Oder läuft es halt nicht schlecht und ist damit für dich gefühlt schon gut?

    Ich glaube, dass das für mich sehr schwer zu beantworten ist, da ich mich leider oft selbst belüge und nach über 10 Jahren wahrscheinlich keine Relation dazu mehr habe.

    Aber so spontan würde ich sagen, dass es wirklich schön ist. Ich habe zwar auch das Gefühl, dass es ihn große Mühe kostet, aber ich sehe manchmal wieder Lebensfreude in seinem Gesicht, Liebe für unseren Sohn und mich, Initiative von ihm aus, wenn es um Zuneigung geht und Gedanken um unser Wohlbefinden. Aber wie gesagt, ich glaube häufig mit großer Mühe verbunden.

  • Hallo Honighummel,

    zu Deiner Frage an mich: Lies dazu am besten bei anderen COs aus erster Hand, die sich trennen oder getrennt haben, da ist von ... Bis .. so ziemlich alles möglich, gerade wenn der andere dauerbenebelt ist.

  • Hallo Honighummel,

    aber ich habe Angst, dass ich es dann nicht durchziehen kann.

    wenn ich davon ausgehe, dass ein nasser Alkoholiker ie Konsequenzen seines Verhaltens spüren sollte, wäre es für dich sehr wichtig, wenn du ganz sicher für dich weißt : Ich ziehe es jetzt durch
    Denn sonst nimmt er dich nicht mehr ernst.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • wäre es für dich sehr wichtig, wenn du ganz sicher für dich weißt : Ich ziehe es jetzt durch

    Ja, das stimmt... ich glaube, dass das veilleicht einer der Gründe sein könnte, die mich zögern lassen - die Angst zu versagen und es nicht durchziehen zu können. Ich sage es mir schon immer wie ein Mantra auf, dass ich es durchziehen werde und in meinem Kopf ist das auch schon ein definitiv eintretendes Ereignis. Aber sobald ich bei ihm bin, merke ich, wie alle meine Vorhaben und Überzeugungen wieder schwammig werden.

    Wahrscheinlich auch, weil ich Angst davor habe, bei ihm Angst und Trauer zu sehen. Das halte ich so gar nicht aus - also bei allen Menschen, die mir etwas bedeuten. ... und eigentlich auch bei sonst fast allen Menschen. Aber bei denen, die mit etwas bedeuten, ist es besonders schlimm.

  • Ich hatte die perfekte Gelegenheit, das Gespräch zu führen. Ich hatte die perfekten Rahmenbedingungen, um ihm zu erklären, dass ich nicht mehr so leben kann und so nicht mehr mit ihm zusammen leben möchte. Wenn es so etwas wie den richtigen Moment gibt, da war er.

    Und ich habe ihn vorbeigewunken und ihn nicht genutzt. Ich habe mich gedrückt. Habe zwar kritisch hinterfragt, wieso ich nichts tue.. verspürte aber so eine wahnsinnig große Erleichterung, als ich einen Grund gefunden habe, den ich so zurechtbiegen konnte, dass mein Verhlaten gerechtfertigt werden konnte, dass ich nicht ignorieren konnte, wie irrsinnig das schon wieder ist.

    Ich bin wütend und enttäuscht. Ich fühle mich hilflos, weil mir niemand anderes helfen kann, als ich mir selbst. Ich stehe mir selbst im Weg und das verstehe ich einfach nicht. Wie kann ich für mich selbst so eine große Mauer sein?

    Ich habe jetzt endlich eine Liste mit Gründen erstellt, weshalb ich diesen Schritt gehen will und muss, auch wenn ich manchal aus den Augen verliere, dass ich es will. Ich lasse nicht locker. Ich schaffe das.

  • Vielleicht bist du einfach noch nicht so weit. Irgendwann wird dein Moment schon kommen.
    Ich vermute auch dass du / ihr noch ziemlich jung seid, weil du schriebst von deinen Eltern die dir zur Seite stehen, oder auch seine Eltern könnten ihn aufnehmen. Klingt nur für mich so ca. 20-30 höchstens.

    Danach kommt Mama als Home normalerweise nicht mehr in Frage.

  • Hallo Honighummel,

    Aber sobald ich bei ihm bin, merke ich, wie alle meine Vorhaben und Überzeugungen wieder schwammig werden.

    Wahrscheinlich auch, weil ich Angst davor habe, bei ihm Angst und Trauer zu sehen. Das halte ich so gar nicht aus - also bei allen Menschen, die mir etwas bedeuten. ... und eigentlich auch bei sonst fast allen Menschen. Aber bei denen, die mit etwas bedeuten, ist es besonders schlimm.

    Das ist schon ein Problem, dass ich zum Beispiel auch hatte. Und was mich immer wieder hat zögern lassen. Es ist das Gefühl, dass da ein Mensch ist, dem ich Unrecht tun könnte, ihm wehtun könnte. Da ist der Mensch, der irgendwie hilflos wirkt. Einsam.

    Und dadurch wurden Seiten in mir aktiv. Mitleid zum Beispiel, Angst einen Fehler, eine falsche Entscheidung zu treffen. Angst, dass ich die Böse sein könnte.

    Und diese Seite, diese Gefühle, ihn nicht verletzen zu wollen haben aber MICH verletzt. Ich habe Schmerz hingenommen damit er ihn nicht hat.

    Wie paradox und unsinnig das war habe ich lange garnicht gemerkt. Wieviel Verantwortung für seine Gefühle ich übernommen hatte dadurch auch nicht. Und wie wenig ich im Grunde mir selbst wert war. Ich habe mich selbst verletzt mit meinem Mitleid, das hat mich echt geschockt als ich das verstanden habe. Und auch wie wenig ich mir nur wert war, wie wenig meine Gesundheit, meine Seele, mein eigenes Leben was doch glücklich sein sollte mir wert war.

    Ich bin wütend und enttäuscht. Ich fühle mich hilflos, weil mir niemand anderes helfen kann, als ich mir selbst.

    So ist es. Du hast es in der Hand, dein Leben zu gestalten. Er gestaltet ja seins auch nach seinem Geschmack. Wut ist gut, sie kann ein sehr guter Motor sein in die Puschen zu kommen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Danach kommt Mama als Home normalerweise nicht mehr in Frage.

    Ja, wir sind noch recht jung (haben die 20 aber schon lang hinter uns gelassen ^^). Es wäre langfristig auch bei ihm keine Alternative - nur für ein paar Nächte auf der Couch.

    Vielleicht bist du einfach noch nicht so weit. Irgendwann wird dein Moment schon kommen.

    Da hast du vielleicht recht. Aber ich merke bei jedem "schlechten" Moment mehr, dass ich das eigentlich einfach nicht mehr will und auch nicht mehr kann. Ich will raus aus diesen Gefühlen und dieser damit einhergehenden Dauererschöpfung. Also eigentlich möchte ich nicht, dass ich noch nicht so weit bin.

    Und wie wenig ich im Grunde mir selbst wert war. Ich habe mich selbst verletzt mit meinem Mitleid, das hat mich echt geschockt als ich das verstanden habe. Und auch wie wenig ich mir nur wert war, wie wenig meine Gesundheit, meine Seele, mein eigenes Leben was doch glücklich sein sollte mir wert war.

    Aurora ich weiß, ich schreibe immer das gleiche, wenn du in meinem Faden antwortest, aber: Ich danke dir. Du triffst bei mir immer den richtigen Punkt. Ich glaube, wir sind auf Gefühlsebene sehr ähnlich.

    So wie du es geschrieben hast, habe ich es noch nie betrachtet. Und es schockt mich ebenfalls direkt, wie selbstverständlich ich für mich entscheide, zu leiden. So dass es gar keine aktive Entscheidung mehr ist, sondern wie gesagt, wie selbstverständlich für mich. Danke für den Augenöffner - über diesen werde ich wohl eine Weile nachdenken müssen. Ich habe es nie als eine Entscheidung gesehen, mich für ihn leiden zu lassen.

  • Ich schreibe heute viel... aber ich hatte heute leider ziemlich viel Zeit zum Nachdenken. Es geht mir so mies. Für manche muss dass so selbstmitleidig klingen, da sie viel, viel schlimmere Zustände erlebt haben. Aber ich kann es nicht anders sagen, es geht mir sau schlecht.

    Gerade hatte ich eine Heulattacke, wie ich sie eher selten in meinem Leben hatte. Ich glaube, ich habe gerade realisiert, dass ich den Mann, den ich von ganzem Herzen geliebt habe, langsam und schmerzhaft verliere. Dass ich es nicht aufhalten kann. Dass er immer mehr verschwinden wird und schon so sehr verschwunden ist. Er ist so nicht mehr da. Manchmal blitzt er noch auf und ich bin so glücklich, ihn wieder zu sehen und dann ist er wieder weg. Und irgendwann vielleicht für immer. Es tut so weh, zu erkennen, dass ich ihn an den Alkohol verloren habe - er teilweise gar nicht mehr existiert.

    Meine Gedanken überschlagen sich. Von einer Minute auf die andere denke ich in völlig unterschiedliche Richtungen. Danke fürs trotzdem zuhören.

  • Ich erkenne mich als Alkoholiker ein Stück weit wieder. Nicht aus Selbsterkenntnis sondern aus den Schilderungen meiner Frau. Ich war lost. Habe meine Seele an den Alk verloren. Meine Holde war mir so was von egal. All ihre Liebe und Hingabe habe ich mit Füßen getreten. Was will die von mir waren meine Gedanken. Trink mal ein Glas Sekt und entspanne dich dann kannst du klarer sehen... oh je was war ich für ein Egoist.

    Erst eine klare Ansage meiner Frau nach einer Trunkenheitsfahrt und meinem Bekenntnis, dass ich Alkoholiker bin und valide Schritte zur Abstinenz vollzogen habe hat unsere Beziehung zwar nicht gerettet aber zumindest stabilisiert.

    In meiner Retrospektive und bei klaren nüchternen Verstand kann ich jedem Co Abhängigen nur raten :

    Trennung schnellstmöglich... sollte keine Einsicht und ein klares Statement zum Alkoholiker vorhanden sein.

    Diese eine oder zweite Chance würde ich mir als Alkoholiker wünschen.

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