Mein alkoholkranker Vater ist heute verstorben

  • Ja. Ist es. Sehr verletzend. Und, so meine Erfahrung,, mit dem Trauerfall tritt man auch in eine sehr leicht verwundbare Blase ein und manches kommt auf eine Weise zutage u trifft einen mit voller Wucht.
    Viel Kraft für dich in dieser Trauerzeit.

    Da hast du Recht. Die verwundbare Blase beschreibt es sehr gut. In einer anderen Lebenslage hätte ich über ihren Aussagen einfach drüberstehen können. In der jetzigen Situation trifft es mich sehr. Vielleicht auch, weil ihre Vorwürfe etwas kritisieren, dass sich niemals wieder verändern kann.

  • Da hast du Recht. Die verwundbare Blase beschreibt es sehr gut. In einer anderen Lebenslage hätte ich über ihren Aussagen einfach drüberstehen können. In der jetzigen Situation trifft es mich sehr. Vielleicht auch, weil ihre Vorwürfe etwas kritisieren, dass sich niemals wieder verändern kann.

    Oh ja. Ich kann es nachvollziehen dass es dich so getroffen hat. Ich hatte da in der letzten Lebensphase von meinem Vater auch so manches zu verdauen. Und ja. Es trifft einen anders als zu Lebzeiten.

  • Oh ja. Ich kann es nachvollziehen dass es dich so getroffen hat. Ich hatte da in der letzten Lebensphase von meinem Vater auch so manches zu verdauen. Und ja. Es trifft einen anders als zu Lebzeiten.

    Es tut mir sehr Leid, dass du auch so eine schwere Zeit hinter dir hast. Ich hoffe, es geht dir inzwischen wieder besser!

  • Im Moment denke ich darüber nach, ob ich meinen Vater nochmal sehen will. Es wäre meine letzte Chance, ihn nochmal zu sehen. Und es könnte mir helfen, zu begreifen, dass er wirklich tot ist. Aber ich habe auch Angst vor dem, was mich erwarten würde. Er wäre nicht zurechtgemacht, nicht geschminkt, vorbereitet und aufgebahrt. Ich würde ihn so sehen, wie er jetzt aussieht. Zwei Tage in der Kühlung der Gerichtsmedizin, wenn der Bestatter ihn morgen ins Krematorium überführt. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Gleichzeitig habe ich Angst, zu bereuen, ihn nie wiedergesehen zu haben. Gerade nach dem Kontaktabbruch und der langen Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, fühlt es sich so unwirklich an, dass er tot sein soll.

  • Liebe Helianthus. Diese u ähnliche Fragen hatten mich auch beschäftigt.

    Z. Bsp. wusste ich nicht, was ich tun sollte, als mein SchwieVater im Sterben lag. Ich war hin u hergerissen ob ich ihn nochmal besuchen möchte oder nicht. Ich kam zu keiner Antwort. Hab dann bei einem unserer Hospize angerufen und meine Situation geschildert. Die Dame war sehr verständnisvoll u hat gemeint, meistens sind die Vorstellungen von einer Abschiedssituation schlimmer als die Realität. Danach wusste ich was ich zu tun hatte. Ich habe ihn noch ein letztes Mal besucht und es war einfach gut dass ich’s gemacht habe u wie gesagt, VIEL weniger schlimm als befürchtet.
    Bei meinem Vater hatte ich rumgezockt, ob ich ihn aufgebahrt im Sarg nochmal sehen wollte. Ich hatte dann spontan die Möglichkeit dazu. Und es war soso gut, dass ich’s gemacht habe. Er war auch kurz davor vor seiner letzten Fahrt. Und ich zutiefst beeindruckt wie er da lag und wie alles so fein u würdevoll gestaltet war, sein eingesargt sein. Ich habe es nicht bereut. Das Bild ist mir auch nicht störend in Erinnerung. Im Gegenteil, es gibt mir auch eine besondere Kraft, diesen für mich letzten Abschied noch wahrgenommen zu haben.

    Die Realität ist allermeist weniger dramatisch als das Kopfkino das in mir läuft.
    Viel Kraft u stimmige mutige Entscheidung, ob so oder so, das wünsche ich dir. 🥰

    Einmal editiert, zuletzt von Simsalabim (28. Juli 2026 um 21:22)

  • Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen. Vielleicht wäre es aber eine Möglichkeit, alles was Du ihm noch sagen wolltest, in einem Brief zu schreiben und diesen mit ihm auf die letzte Reise „ mitzugeben“.

    Mein Beileid und viel Kraft für Dich.

    Alles was Du in der Vergangenheit getan hast, hast Du zu Deinem Schutz Deiner kleinen Familie getan und das war richtig. Du hast ihm erklärt, unter welchen Bedingungen er Dich und Enkelkind sehen kann. Der Rest lag nicht in Deiner Macht.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Es fiel mir damals so schwer, diese Entscheidung zu treffen. Aber ich habe sie getroffen, um mich und mein Kind zu schützen. Weil ich nach über 30 Jahren, in denen ich unter dem Alkoholmissbrauch, der Gewalt, den Lügen und all den anderen schweren Erlebnissen gelitten habe, einfach nicht mehr konnte.

    Und doch war es so, wie du im ersten Post geschrieben hast und das darf auch in schweren Zeiten nicht an Gewicht und Bedeutung verlieren.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Liebe Helianthus. Diese u ähnliche Fragen hatten mich auch beschäftigt.

    Z. Bsp. wusste ich nicht, was ich tun sollte, als mein SchwieVater im Sterben lag. Ich war hin u hergerissen ob ich ihn nochmal besuchen möchte oder nicht. Ich kam zu keiner Antwort. Hab dann bei einem unserer Hospize angerufen und meine Situation geschildert. Die Dame war sehr verständnisvoll u hat gemeint, meistens sind die Vorstellungen von einer Abschiedssituation schlimmer als die Realität. Danach wusste ich was ich zu tun hatte. Ich habe ihn noch ein letztes Mal besucht und es war einfach gut dass ich’s gemacht habe u wie gesagt, VIEL weniger schlimm als befürchtet.
    Bei meinem Vater hatte ich rumgezockt, ob ich ihn aufgebahrt im Sarg nochmal sehen wollte. Ich hatte dann spontan die Möglichkeit dazu. Und es war soso gut, dass ich’s gemacht habe. Er war auch kurz davor vor seiner letzten Fahrt. Und ich zutiefst beeindruckt wie er da lag und wie alles so fein u würdevoll gestaltet war, sein eingesargt sein. Ich habe es nicht bereut. Das Bild ist mir auch nicht störend in Erinnerung. Im Gegenteil, es gibt mir auch eine besondere Kraft, diesen für mich letzten Abschied noch wahrgenommen zu haben.

    Die Realität ist allermeist weniger dramatisch als das Kopfkino das in mir läuft.
    Viel Kraft u stimmige mutige Entscheidung, ob so oder so, das wünsche ich dir. 🥰

    Danke, dass du deine Erlebnisse und Erfahrungen mit mir teilst. Das finde ich total wertvoll! Und es freut mich, dass du da so gute Erfahrungen machen konntest. Ich kann die Ansicht auf jeden Fall teilen. Ich habe meine Oma und meinen Opa beim Sterben begleitet. Somit habe ich beide tot gesehen und habe großen Trost darin gefunden, mich von ihnen verabschieden zu können auf diesem Wege. Ich habe es mir immer ganz gruselig vorgestellt, das Sterben und auch, wie jemand aussieht, der tot ist. Es war überhaupt nicht so wie in meiner Vorstellung.

    Bei meinem Vater ist allerdings die Sorge, dass die Umstände ganz anders sein werden. Er ist morgen bereits drei Tage tot, er wird nur mit einem Tuch bedeckt sein oder im Leichensack liegen, er wird nicht geschminkt oder anderweitig zurechtgemacht. Ich würde ihn so sehen, wie er aus der Kühlung kommt. Und was genau mich da dann erwartet, kann ich schwer einschätzen. Es wird auf jeden Fall ganz anders sein als bei meinem Großeltern. Nicht so fein und würdevoll, als würde er einfach schlafen. Das macht mir Angst.

    Ich würde mich gerne von ihm verabschieden und hätte auch die Hoffnung, es dann endlich zu realisieren. Gleichzeitig habe ich Angst vor dem Bild, dass ich dann von ihm in meinem Kopf habe.

  • Laßt doch das Tuch drauf oder den Leichensack zu und schau dir einfach seine Silhouette an.

    Dann kannst du immer noch entscheiden.

    Und wenn du vor der Tür merkst, es geht nicht, dann ist das so und auch in Ordnung.

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo helianthus,

    es tut mir so leid, dass die Partnerin deines Vaters den gemeinsamen Abschied nicht würdevoll begehen kann, und wünsche deinen Schwestern und dir viel Kraft für die nächste Zeit.

    Zur Frage des persönlichen Abschieds:

    Das kannst du natürlich nur für dich selbst entscheiden.
    Als mein Vater starb, überlegte ich auch, ob ich ihn nochmal sehen wollte. Er war Alkoholiker und hat uns alle in der Familie sehr verletzt. Zum Zeitpunkt seines Todes war er zwar schon längere Zeit trocken, aber der jahrzehntelange Konsum hatte seine Psyche bereits dauerhaft negativ verändert.

    Nun, ich habe aus dem Bauch heraus spontan entschieden, alleine von ihm Abschied zu nehmen.
    Ich stand eine halbe Stunde an seinem Sarg und habe alles rausgelassen, wozu ich mich zu seinen Lebzeiten nie getraut hatte. Das tat mir gut.
    Ich konnte so, mich auch an die schönen Momente meiner Kindheit erinnern, mit meinem Vater letztendlich Frieden schließen und ihn befreit gehen lassen.

    (Allerdings war er zurechtgemacht.)

    Liebe mitfühlende Grüße Kyra

    Mein Weg in die Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit begann am 26.11.2025 und endet mit mir.

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