Mitten_im_Sog - Alkoholabhängigkeit + chronische Erkrankung – wie weiter?

  • Hallo zusammen, ich (62) lebe mit meinem alkoholabhängigen Ehemann (57), der körperlich und emotional stark entgleist. Zusätzlich hat er seit etwa fünf Jahren ME/CFS‑ähnliche Symptome mit starken Schmerzen. Den Alkohol nutzt er zur Schmerzdämpfung und steckt inzwischen in einer Abwärtsspirale, die uns beide überfordert.

    Ich suche Austausch mit Angehörigen, die Wege gefunden haben, Grenzen zu setzen und sich selbst nicht zu verlieren.

  • Hallo Mitten im Sog,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Alkohol ist ein Nervengift und wirkt auf Körper und Seele. In der Sucht gibt es nur einen Weg, den nach unten. Der Konsum wird im Laufe der Zeit immer mehr und die Nebenwirkungen werden stärker.

    Als Angehöriger kann man nicht wirklich etwas tun, nur dafür sorgen, dass es einem selbst besser geht.

    Wie das aussieht, kannst Du hier im Laufe der Zeit von anderen Angehörigen erfahren.

    Du kannst Dich auch erstmal einlesen bei den Angehörigen, hier:

    Erste Schritte für Angehörige und Co Abhängige - Alkoholiker Forum

    Bald wird sich eine zuständige Moderatorin bei Dir melden.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Mitten_ im_Sog,

    erstmal herzlich willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe.

    Es ist, um es mal so zu sagen, eine sehr große Herausforderung auf allen Ebenen, mit einem alkoholabhängigen Menschen zusamnenzuleben. Gut, dass du dir Hilfe suchst um da Abstand zu bekommen, um zu lernen, Grenzen zu setzen.

    Um für den Austausch freigeschaltet zu werden, klicke auf diesen Link: https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Schreib ganz kurz, dass du um Freischaltung bittest, nach der Freischaltung findest du dein Thema im Bereich für Angehörige und Coabhängige wieder.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Marie04 10. August 2026 um 14:57

    Hat den Titel des Themas von „Alkoholabhängigkeit + chronische Erkrankung – wie weiter?“ zu „Mitten_im_Sog - Alkoholabhängigkeit + chronische Erkrankung – wie weiter?“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Mitten_im_Sog,

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Guten Abend in die Runde,

    ich bin Angehörige (Ehefrau) und habe mich vor kurzem hier angemeldet und vorgestellt.

    Mein Mann steht nun kurz davor, den Schritt in eine körperliche Entgiftung mit anschließender Reha zu gehen. Dazu würde ich gern eure Erfahrungen hören – vor allem, wie der Übergang von einem kritischen Zustand zu Hause hin zu einer geordneten Entgiftung gelingen kann.

    Kurz zu unserer Situation: Das Alkoholproblem besteht seit vielen Jahren. Alkohol war für meinen Mann lange ein Mittel zur Schmerz- und Stressregulation – erst Bier und Wein, später immer wieder Phasen mit Hochprozentigem. Er hat es über Jahre geschafft, den Konsum zu kaschieren und zu kompensieren, auch wenn es uns beide schon lange belastet hat.

    In den letzten Monaten ist der Konsum jedoch massiv eskaliert: täglich mindestens eine Flasche Wodka. Am 03.08. ist sein Körper endgültig zusammengebrochen (medizinisch nennt man das wohl 'Dekompensation'): starke Schwäche, mehrere Stürze, Kreislaufprobleme, kaum Essen, starke Schmerzen in beiden Leisten. Ich war mehrfach kurz davor, den Notruf zu wählen.

    Zu Beginn dieser Krise hat er sich noch massiv gewehrt, war verbal sehr angespannt und hat jede Form von Hilfe abgeblockt. In dieser Zeit sind wir trotz allem wieder näher zusammengerückt. Er hat gemerkt, dass ich nicht 'nur den Alkohol' sehe, sondern die gesamte Belastung: körperliche Beschwerden, psychische Themen, alte Traumata, Überforderung. Das hat viel verändert. Ich habe gemerkt, dass es für uns beide besser ist, wenn er den Schritt selbst (!) gehen will und ich ihn unterstütze, statt ihn gegen seinen Willen über die 112 in eine Klinik zu bringen. Auch wenn ich weiß, dass das eine Option bleiben muss.

    Ein Teil dieser Belastungen sind auch seine seit 2021 bestehenden ME/CFS‑ähnlichen Symptome mit PEM (Verschlimmerung der Symptome nach schon geringer Belastung), die allerdings nie ärztlich abgeklärt wurden. Er hat über Jahre versucht, diese Beschwerden mit verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln zu stabilisieren – wie viele Betroffene, die kaum medizinische Unterstützung bekommen. Sein tiefes Misstrauen gegenüber Ärzten ist durch frühere traumatische Erfahrungen zusätzlich gewachsen. Alkohol wurde für ihn schließlich zur 'Lösung' für diese körperlichen und seelischen Schmerzen – mit entsprechendem Absturz.

    Was ich bisher getan habe (seit 2 Wochen ins Handeln gekommen):

    • Kontakt zur örtlichen Suchthilfe der Caritas (2 hilfreiche Telefontermine)
    • gestern erster Austausch in einer gemischten Selbsthilfegruppe für Angehörige und Betroffene
    • heute Telefonat mit einem weiteren Suchtberater der Selbsthilfe, der auch bei den Anträgen für die anschließende Reha unterstützt
    • parallel habe ich ihn in der Klinik hier auf die Warteliste der Suchtstation setzen lassen (für die Entgiftung)
    • mein Mann ist inzwischen bereit, mit mir zur Hausärztin zu gehen, um eine Einweisung für die Entgiftung zu bekommen
    • die Notaufnahme bleibt eine Option, falls es akut kippt – aber ich hoffe auf einen geordneten Weg
    • ich habe eine Übersicht für die Ärzte erstellt, damit sie die Komplexität erkennen (inkl. einer Liste der NEMs)

    Meine Fragen an euch:

    • Wie habt ihr den Übergang von einem kritischen Zustand zu Hause in eine stationäre Entgiftung erlebt?
    • Was hilft Angehörigen in dieser Phase, in der man zwischen Notruf, Hausarzt und Klinik balanciert?
    • Wird in der Klinik auch auf Begleitprobleme wie Trauma, Depression oder körperliche Beschwerden zumindest ein Stück weit eingegangen?
    • welche Reha-Suchtkliniken (für gesetzlich Versicherte) sind empfehlenswert?
    • Was hat euch oder euren Partnern geholfen, nach der Entgiftung wirklich dranzubleiben?

    Vielen Dank fürs Lesen und eure Erfahrungen.

    Coco

  • Hallo Coco,

    du hast ja für deinen Mann alles bestens organisiert. Ist er so hilflos, dass er es nicht alleine kann? Und ist er vollumfänglich damit einverstanden? Das sind eine ernstgemeinte Fragen.

    Und was ist mit dir? Du suchst hier Hilfe und Unterstützung aber ich weiß nicht so genau, für wen. Du bist hier im Angehörigen- und Cobereich und da sollte es um DICH gehen. Nicht um ihn. Denn das alles macht doch was mit dir.

    Über deinen Mann einen Austausch zu führen bringt nichts, er müsste es schon alleine machen, für sich. War er denn in der gemischten Selbsthilfegruppe dabei? Das wäre doch eine Anlaufstelle für IHN und du hast deine hier.

    Wie habt ihr den Übergang von einem kritischen Zustand zu Hause in eine stationäre Entgiftung erlebt?

    Ich war erleichtert dass er sich freiwillig hat einliefern lassen. So konnte ich zur Ruhe kommen, er musste sich um sich selbst dort kümmern und hatte medizinische Unterstützung.

    Kontakt zur örtlichen Suchthilfe der Caritas (2 hilfreiche Telefontermine)

    Ist das ein Kontakt für dich?

    Was erwartest du für DICH in unserer Selbsthilfegruppe?

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Aurora,

    vielen Dank für deine Antwort und auch deine Fragen.

    Ja, er ist seit 3,5 Wochen wirklich hilflos - obwohl er sich bisher immer noch seinen Wodka kaufen konnte.. Da ziehe ich eine Grenze und nehme ihm das nicht ab. Jedoch habe ich ihn vorgestern begleitet. Nicht, um ihm den Alkohol zu kaufen, aber um schlimmere Stürze als zuhause erlebt zu verhindern. Es wäre absolut sinnlos, wenn er sich jetzt so kurz vor dem letzten Schritt ernsthaft verletzen würde. Es muss einen Kompromiss geben (dürfen) zwischen 'Grenze ziehen und Selbstschutz' und 'Empathie und für Sicherheit sorgen', finde ich. Nichts ist nur Schwarz oder Weiß.

    Einverstanden ist er und genau das ist in diesen 3,5 Wochen passiert - von totaler Blockade und aggressiver Abwehr (wenn Notruf, dann...) bis hin zu seiner Bereitschaft, jetzt ebenfalls mit mir gemeinsam ins Tun zu kommen. Er WEISS, dass er da alleine nicht mehr rauskommt und dass die Sucht wie eine Barriere vor allem steht.

    Ich bin hier im Forum - genauso wie in der Selbsthilfegruppe - um beide Perspektiven von anderen zu sehen. Ich sorge schon lange immer wieder gut für mich, habe mir meine Lebensfreude bewahrt. Es war auch nicht durchgängig alles schlecht, wobei ich inzwischen weiß, dass es für eine funktionierende Partnerschaft auf Dauer nicht reicht, wenn es 'ganz ok ist', weil er z.B. mal nicht eskaliert, abwertet usw. ...Zwischendurch haben wir uns aber auch emotional verloren, d.h. ich habe plötzlich gemerkt, dass ich über Trennung nachdenke, war oft wütend, frustriert, traurig, dann wieder wütend und ärgerlich. Das hat mir auch geholfen. Ich glaube, dass ich nicht unbedingt die 'klassische' Co-Abhängige bin, zumindest bin ich mir der Fallstricke und Muster usw. durchaus bewusst. Und ja, es macht natürlich auch was mit mir und deshalb will ich so nicht weitermachen. Gleichzeitig kenne ich meinen Mann und weiß jetzt auch (wieder), dass ich gerne mit ihm zusammen in diese Zukunft gehen möchte.

    Jetzt warte ich auf den Termin meiner Hausärztin, um mit ihm gemeinsam hinzugehen, damit sie eine Einweisung zur stationären Aufnahme ausstellen kann - damit es nicht an Formalitäten scheitert, wenn der Aufnahmeanruf kommt (er steht auf der Warteliste - und ist damit einverstanden). Die Teilnahme an der Selbsthilfegruppe wäre im Moment zu viel - ich schütze ihn nicht davor, habe ihm auch angeboten, mitzukommen. Will ihn aber nicht drängen, sondern freue mich im Augenblick über diese 'kleinen' (eigentlich riesengroß!), aber sehr entscheidenden Wendepunkte.

    Ich weiß, dass es schwierig ist, ein Bild zu zeichnen in so einem Forum. Ich will ja auch niemanden erschlagen mit zu viel Text auf einmal. Deshalb für heute erst mal genug. Und danke fürs Lesen!

    2 Mal editiert, zuletzt von Mitten_im_Sog (27. August 2026 um 13:42)

  • Ich war erleichtert dass er sich freiwillig hat einliefern lassen. So konnte ich zur Ruhe kommen, er musste sich um sich selbst dort kümmern und hatte medizinische Unterstützung.

    Ist das ein Kontakt für dich?

    Ja, ich werde ganz bestimmt auch diese Erleichterung spüren.
    Der Suchtberater der Caritas ist ein sehr empathischer und engagierter Mensch und hat die Komplexität verstanden und sogar angeboten, dass ich mit meinem Mann zu ihm kommen kann, obwohl er eher für den Landkreis zuständig ist. Das fand ich super! Den kurzfristigen gemeinsamen Termin hat mein Mann körperlich nicht geschafft - obwohl ich es da noch mit Drängen, Bitten, Weg versperren versucht hatte. Es konnte nicht klappen und es war auch kein Drama letztlich. Ich habe weiter telefoniert und eben diese Kontakte geknüpft. Das finde ich schon recht viel für diese Zeit.

    Liebe Grüße
    Coco

  • Guten Morgen zusammen,

    ich schreibe einfach ein bisschen weiter, ohne Erwartungen auf schnelle Reaktionen. Irgendwie braucht es ja eine Weile in so einem Forum.

    Gestern Abend war ich in einer anderen SH-Gruppe und dort die einzige Angehörige. Neben einer weiteren Frau waren dort nur Männer - das nur als reine Beobachtung. Es war gut, ich bekam viel Raum und ein lebhafter Austausch kam in Gang. Ich wurde motiviert, meinen Mann gern mitzubringen oder dass er auch alleine kommen könne. Man kann sich wohl vorstellen, wie unterschiedlich so eine ca. 15 Personen große Gruppe zusammen gesetzt ist... Das war bisher auch immer das, was mich zurückgehalten hat - die Vorstellung, dass der kleinste gemeinsame Nenner der Gruppe der Alkohol ist – was fast ironisch klingt, wenn man über "kleinsten..." nachdenkt.

    Es war jedenfalls gut, all die Gedanken und Meinungen zu hören von Menschen, die selbst suchtkrank waren oder sind.

    Mir fällt weiter auf, dass auch hier fast durchgängig von "Alkoholiker" gesprochen wird - was ja faktisch stimmt. Mir geht es eher um das Stigma, das diesem Wort anhängt. Ich frage mich, ob es nicht hilfreicher wäre, öfter von einer Alkoholsucht als Krankheit zu sprechen. Nicht, um etwas zu beschönigen, sondern um die Dimension der Erkrankung sichtbarer zu machen. Gerade in einer Gesellschaft, in der Alkohol so tief verwurzelt und überall verfügbar ist...

    Und noch ein Gedanke, der mir beim quer Lesen immer mal wieder kommt - ist wirklich als Anregung gedacht: ich frage mich, ob diese Frage "lebenslang abstinent?" nicht manchmal zu früh kommt (auch wenn Abstinenz absolut notwendig und unumgänglich ist). Für jemanden wie meinen Mann wäre sie im Moment völlig überfordernd. Er könnte sie nur theoretisch beantworten und das "Suchthirn" kann sich ja eh kaum vorstellen, überhaupt die Entgiftung zu schaffen, diesen ersten (so wichtigen) Schritt. Ich finde es besser, den Weg der kleinen Schritte konsequent zu gehen. Ist ja bei anderen Dingen ohne Suchtbezug oft ganz ähnlich...

    Versteht jemand, was ich meine?

    Ich wünsche allen hier ein gutes Wochenende und bedanke mich fürs Lesen.

    Coco

  • Deine Bemühungen um deinen Mann und dass Verständnis dass du für ihn aufbringen willst, wie sehr du für ihn ins Handeln kommst, ist bemerkenswert.


    Vergiss dabei aber bitte nicht DICH SELBST. Verliere dich nicht darin…


    Hier hast du Raum über dich selbst zu schreiben. Wie es dir damit geht, was es mit dir macht….

  • Hi du,

    diese Fragen kommen immer wieder mal auf, aber das diskutieren wir nicht, weil die Krankheit auch nicht diskutiert. Es sind einfach Fakten, die eine klare Ausgangslage für alle bilden. Aus welchem Grund soll sich jemand sonst hier anmelden? Sucht muss nicht beschönigt werden, sie ist knallhart und kann einen umbringen.

    LG, Hera

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Hallo Coco!

    Wir hier sind eine Alkoholiker Selbsthilfegruppe. Es besagt schon der Name, wofür wir stehen.

    Ja, lebenslang mag sich am Anfang erstmals als Hürde zu verstehen. Aber wir unterstützen kein kontrolliertes Trinken und auch Trinkpausen sind für unsere SHG kein Thema.

    Um sich als Alkoholiker ernsthaft auszutauschen, ist es notwendig, dass der Teilnehmer abstinent lebt.

    Bei vielem haben wir uns einiges gedacht und es wird immer mal wieder diskutiert, aber unsere Regeln sind hier festgehalten und nachzulesen. Das ist auch der Grund, warum wir hier seit über 20 Jahren noch im Internet regen Zulauf haben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Coco,

    Und noch ein Gedanke, der mir beim quer Lesen immer mal wieder kommt - ist wirklich als Anregung gedacht: ich frage mich, ob diese Frage "lebenslang abstinent?" nicht manchmal zu früh kommt (auch wenn Abstinenz absolut notwendig und unumgänglich ist). Für jemanden wie meinen Mann wäre sie im Moment völlig überfordernd. Er könnte sie nur theoretisch beantworten und das "Suchthirn" kann sich ja eh kaum vorstellen, überhaupt die Entgiftung zu schaffen, diesen ersten (so wichtigen) Schritt.

    Woher weißt du so genau, was in deinem Mann vorgeht? Er überfordert wäre, er nur theoretisch antworten könnte usw.

    Das sind doch DEINE Gedanken. Oder hast du auch ein Suchthirn, Suchterfahrung? Und selbst dann bist doch du du und nicht er. Du steckst doch nicht in ihm drin.

    Auch wenn dein Mann krankheitsbedingt vielleicht keine reale Gruppe besuchen kann bringt es ihm nichts, wenn du das für ihn machst. Sowas sind wichtige Schritte, die er alleine machen muss. Weil sie seine ureigrnsten innersten Dinge betreffen.

    Was erwartest du für DICH in unserer Selbsthilfegruppe?

    Auf diese Frage habe ich irgendwie keine wirkliche Antwort bekommen. Denn bisher ging es so gut wie garnicht um dich. Es geht nur um deinen Mann und um das, was er machen oder verstehen soll. Klar, er scheint gesundheitlich stark eingeschränkt zu sein. Aber das bedeutet nicht, dass du für ihn aus seiner Abhängigkeit gehen kannst. Das kann nur er alleine.

    ER muss diese Schritte tun. Eine Verbesserung seines Zustandes was seine Sucht betrifft kann nur er alleine bewirken. Niemand sonst.

    Das ist einfach eine Tatsache.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Willkommen, Coco.

    Als trockene Alkoholikerin mit eigener Co-Erfahrung lese ich im Co- Bereich ebenfalls mit Interesse mit.

    Mein Eindruck aufgrund Deiner bisherigen Beiträge: Du scheinst noch voll im Retter-Modus zu sein und auf allen Seiten nach Hilfen für Deinen Mann zu suchen.

    Das ist menschlich verständlich, kenne ich aus eigener Erfahrung, auch wenn es bei mir "verdamp lang her" ist, wie ich gerade nachgerechnet habe.

    Aber so, wie man einen Hund nicht zum Jagen tragen kann, kann man auch einen Süchtigen nicht zur dauerhaften Abstinenz tragen - höchstens zum nächsten Entzug.

    Dein Mann scheint sich gegen Deine ganzen Bemühungen nicht zu wehren, immerhin. Aber vielleicht fehlt ihm dafür auch einfach nur die Kraft. Der Antrieb, die Sucht zu stoppen, muss aus ihm kommen, das kannst Du ihm leider nicht abnehmen oder auferlegen.

    Vielleicht hast Du noch Hoffnung, dass es bei Euch anders läuft, wenn Du Dich nur genug anstrengst. Ich kenne das Gefühl als Schwester, alles in meiner Macht Stehende versuchen zu müssen, um gleich zwei süchtige Geschwister auf den "richtigen" Weg zu bringen. Dabei hätte ich mein eigenes Leben und meine Ausbildung fast an die Wand gefahren - und hab den Grundstein für meine eigene Sucht gelegt.

    Dieses Selbsthilfeforum kann Dir eine Stütze sein, wenn Du eines Tages feststellen solltest, dass Du ihn nicht zu seinem trockenen Glück zwingen kannst, aber selbst dabei unterzugehen drohst.

    Aber dann bitte auch akzeptieren, wie das Forum - aus bewährter Erfahrung - tickt - und bitte nicht ihm empfehlen, denn dann könntet Ihr hier beide nicht ungehemmt an Eurer Selbsthilfe arbeiten.

    Darum geht es hier nämlich: Andere kann ich nicht ändern, nur mich selbst bzw. meine Einstellung dazu. Alles Gute!

  • Liebe orangeblau   Rennschnecke   Elly   Aurora
    erstmal wieder danke für eure Antworten, die ich verstehe und genauso akzeptiere, wie die Regeln hier und damit verbunden, Betroffenen, die noch zu nah dran sind und vielleicht mit der Abstinenz zu kämpfen haben, keine 'Hintertür' zu öffnen, wenn bestimmte Begriffe irgendwie dehnbar erscheinen...Ich verstehe die Absicht dahinter, stehe momentan aber zu meinem Weg.

    Ja, Sucht ist knallhart und das erlebe ich jetzt mit meinem Mann in dieser Wucht seit vier Wochen.

    Es geht um meinen Mann - in erster Linie - und natürlich auch um mich (ohne Suchthirn, ohne irgendwelche Suchterfahrung) - nur, ohne die Sucht meines Mannes müsste ich als Angehörige hier weder lesen, schreiben, noch nach Erfahrungsaustausch suchen.

    Ja, es sind meine Gedanken, doch ich rede ja auch mit meinem Mann und kenne ihn gut. Ich weiß, dass ich die Schritte nicht für ihn gehen kann, aber ich möchte ihn dabei unterstützen, ihn ermutigen, dass es sich lohnt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger möchte ich machen. Morgen steht der erste Schritt an, wenn wir gemeinsam zur Hausarztpraxis gehen und darauf habe ich tatsächlich die letzten Tage hingearbeitet. Er ist immer noch Willens und bereit - und ich hoffe sehr, auch körperlich dazu in der Lage. Die letzte Nacht war ziemlich anstrengend, weil er dauernd aufgestanden ist und ich auch kaum Schlaf hatte. Dafür schlief er heute fast den ganzen Tag - Schlafen ist nicht-Trinken und somit gut.

    Ich habe heute auf dem Balkon Kaffee getrunken, dann einen Kuchen gebacken und später meine Mutter zum Tee bei mir gehabt. Anschließend 2 Stunden spazieren im Wald. Das sind Dinge, die ich für mich mache und die mir guttun.

    Ich sehe mich eher im Begleiter-Modus, weniger im Retter-Modus. Das muss er wirklich selbst tun, aber auf dem Weg dahin begleite ich ihn und versuche dabei immer, auch auf mich zu achten. In den letzten Wochen fühle ich jedenfalls eine Klarheit, wie ich sie schon lange nicht mehr hatte, was das Thema Alkoholsucht angeht.

    Ich wünsche uns allen einen guten Start in die neue Woche.

  • Hallo Coco,

    wenn dein Mann bereit ist, wenn er deine Begleitung annehmen kann und will um seine Suchterkrankung zu stoppen, ist es doch okay. Und auch wenn du deine Freiräume hast und dich nicht völlig abhängig davon machst, ihn retten zu müssen. Dann ist das so, es geht ja grundsätzlich immer darum, was deine eigene Lebensvorstellung ist und ob du Leidensdruck dabei hast oder es für dich völlig okay so ist, wie es ist.

    Ich habe genau deshalb auch meine Fragen gestellt. Ich hab ja selbst lange genug als Mitbetroffene gelebt, mein Mann ist im Laufe unserer 26 jährigen Ehe und nach ( nach meiner Wahrnehmung) ziemlichem Missbrauch von Alkohol irgendwann abhängig gewesen. Und ich hab mich eben damit völlig aufgerieben, ihn vom Trinken wegzubringen.

    Und einen normalen Alltag aufrecht zu halten. Mich anzupassen damit er keinen Grund zu trinken hätte. Und noch viel mehr. Ich bin psychisch krank und körperlich völlig erschöpft da rausgegangen.

    Und so geht es ja den Angehörigen erstmal in den allermeisten Fällen, sie vergessen sich selbst weil sie helfen wollen, retten wollen was sie gemeinsam aufgebaut haben, sich schuldig und verantwortlich fühlen. Unter anderem, es spielen individuell ganz viele Emotionen und Gründe eine Rolle.

    Wir sind jetzt im Grunde genommen DEINE Selbsthilfegruppe. Hier ist der Ort so es um dich geht. Um deine Gedanken, Gefühle und Wege, wie du mit deiner Situation umgehst usw. Es ist halt aber nicht möglich einen Austausch für deinen Mann zu machen, das kann ja nur er selbst.

    Ich schreibe dir das nicht mit erhobenem Mod - Zeigefinger sondern als ehemals Selbstbetroffene mit eigener Erfahrung und aus meinen Erfahrungen, die ich in 19 Jahren hier in der Suchthilfe im Forum und einige Jahre zusätzlich in einer realen Gruppe gesammelt habe.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

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