OG92 - Beziehung zerstört durch Alkohol

  • Hallo zusammen,


    Ich bin 33 Jahre, männlich, berufstätig und Alkoholiker.
    Ich trinke seitdem ich 15 Jahre alt bin. Ich habe angefangen zu trinken, um den Tod meiner Großeltern zu verkraften. Es hat damals schon begonnen nicht genüsslich zu trinken, sondern um einen Vollrausch zu bekommen. Meistens hab ich nicht aus Spaß getrunken, sondern um diesen Schmerz zu betäuben. Und somit hab ich mich immer wieder bei Problemen, Stress etc. mit Alkohol betäubt. Ich trinke nicht täglich, aber sobald ich was getrunken habe, kenne ich kein Halt. Jeder Abend an dem ich trinke ist geprägt von Filmrissen, peinlichen Szenen, werde Übergriffig und auch emotional missbräuchlich.

    Im Nachhinein habe ich durch Alkohol jeder meine Beziehungen an die wand gefahren. Wenn ich getrunken habe, bin ich in einen Eifersuchtswahn gekommen, habe dadurch das Vertrauen meiner Partnerinnen missbraucht, wurde übergriffig, beleidigend und habe natürlich mich permanent als Opfer gesehen. Für viele Szenarien schäme ich mich, habe einen gewissen Selbsthass und würde es gerne rückgängig machen. Ich habe meine damalige Partnerin oft über den Konsum und die Menge angelogen, was das Vertrauen zwischen uns beschädigt hat. Natürlich hat mein Verhalten auch viel kaputt gemacht. Meine Partnerin hat mir viele Chancen gegeben mich zu ändern. Trotzdem hab ich es nicht getan. Sie hat die Beziehung im Dezember letzten Jahres beendet. Seitdem plagen mich Schuldgefühle und scham. Ich habe die Trennung auch versucht mit Alkohol zu betäuben, habe sehr viel getrunken. Jetzt versuche ich derzeit es nüchtern alles zu bewältigen. Die Scham und Schuldgefühle sind so immens, dass ich gefühlt schon depressiv bin. Wie habt ihr es geschafft die Schuld und Scham zu besiegen ? Grade hab ich immer wieder mit Ängsten zu kämpfen, mit Kopfschmerzen, schlechter Laune. Ich denke, dass kommt vom Entzug. Wird das jemals wieder besser, wenn man keinen Alkohol mehr trinkt ??

  • Hallo OG92

    Es wird sich bald ein Mod bei dir melden, aber schon mal eins vorweg

    Ja es wird definitiv besser, wenn du den Alkohol weglässt.

    Die Scham, den Selbsthass kenne ich. Tatsächlich habe ich das alles mit zunehmender längeren Abstinenz, anders beurteilen können. Das ist alles ein Prozess.

    LG und gut, dass du den Weg hierher gefunden hast.

  • Willkommen bei uns in der Alkoholiker-Selbsthilfegruppe.

    Bevor wir weitermachen, ein paar grundlegende Punkte, wie wir das hier handhaben.

    Hier schreiben ausschließlich bekennende Alkoholiker, was du bereits beantwortet hast. Grundlage für den weiteren Austausch ist der Wunsch nach lebenslanger Abstinenz. Hier schreiben auch nur Menschen, die aktuell nüchtern sind oder sich auf den Weg in die Trockenheit gemacht haben. Also nicht trinkend.

    Deshalb noch die Frage: Wann hast du zuletzt getrunken? Das ist wichtig, um einzuschätzen, wo du gerade stehst. Warst du schon bei einem Arzt? Das ist auch wichtig, um deine körperliche Entgiftung zu besprechen.

    Auch wenn es schlimm ist, ist das, was du beschrieben hast, hier nicht unbekannt. Viele Alkoholiker haben ähnliche Verläufe erlebt.

    Weiß außer dir noch jemand von deiner Situation? Familie, Partner, Freunde ?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich habe das letzte Mal vor 2 Wochen getrunken und natürlich strebe ich absolute Nüchternheit an. Ich möchte endlich wieder leben, ohne Scham und Schuldgefühle.

    Meine Eltern sind eingeweiht. Freunde sind schwer einzuweihen, weil die meisten selbst ein alkoholproblem haben, was sie sich aber nicht eingestehen wollen.

  • Ich habe das letzte Mal vor 2 Wochen getrunken

    Hast du das auf eigene Faust gemacht? Das ist nicht ideal. Bei einem Entzug ohne Überwachung kann es zu unkontrollierten Entzugserscheinungen kommen. Bei den meisten ist das nach etwa 10 bis 14 Tagen vorbei.

    Trotzdem wäre es sinnvoll, den Arzt im Nachhinein darüber zu informieren – das ist nie die dümmste Idee.;)

    Aber ansonsten kannst du dich hier austauschen. Um an die richtige Stelle verschoben zu werden, braucht es eine Freischaltung.

    Kurz auf den Link drücken, um Freischaltung bitten, und der nächstmögliche Moderator erledigt das dann.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Herzlich willkommen auch von mir.

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, OG92

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Für den Anfang hier noch der Link zu unseren Grundbausteinen:

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Wird das jemals wieder besser, wenn man keinen Alkohol mehr trinkt ??

    Ja, auf jeden Fall, dein Körper wird es dir danken, aber da gibt es noch die Psyche.

    Ein immer wieder zitierter Satz hier lautet: "Nur nicht trinken reicht nicht".
    Alkoholismus ist in erster Linie eine psychische Erkrankung, begleitet durch physischen Zerfall.

    Es geht jetzt darum die alten Verhaltensmuster abzulegen und durch neue zu ersetzen.
    Am besten beginnst du mit der Umsetzung der Grundbausteine.
    Wenn du dich daran spiegelst, wo stehst du heute? Ist dein Zuhause alkoholfrei?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ja ich habe es im Alleingang gemacht. Ich habe nicht täglich getrunken, meistens eher so alle 2-3 Tage. Dafür aber immer bis zum kompletten Blackout.

    Ich werde wenn ich mal wieder bei meiner Ärztin bin es ansprechen.

    Ich habe schon jahrelang keine Alkoholreserven zuhause. Meistens hab ich mir davor etwas besorgt oder beim weggehen getrunken sprich bar, Club etc..


    Meine größte Hürde grade ist, zu erkennen wie ich zu meinen geliebten Menschen war. Wie ich sie behandelt habe und wie mir schlichtweg die Gefühle der anderen egal waren. Dadurch habe ich sehr viel kaputt gemacht bei Familie, Freunde und meiner Ex Partnerin.
    Wie seit ihr damit umgegangen im nüchternen Zustand zu erkennen wie viel Schmerz man anderen Menschen angetan hat ??

  • Ich möchte endlich wieder leben, ohne Scham und Schuldgefühle.

    Das geht - indem du nach vorne schaust und so wenig wie möglich zurück. Du kannst deine Vergangenheit nicht löschen, aber du kannst die Zukunft so gestalten, dass du stolz auf dich bist. Und das funktioniert tausend Mal besser ohne Alkohol. (Und sich entschuldigen geht auch.)

    Welcome here,

    LG, Hera

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Guten Tag zusammen,


    Heute ist ein langweiliger Tag und ich weis nichts mit mir anzufangen. Alle Leute genießen das gute Wetter mit einem kalten Bier. Alle meine Bekannten sind unterwegs und trinken. Leider habe ich kaum noch Freunde die nichts trinken und Zeit hätten. Ich sitze alleine zuhause, fühle mich einsam und muss dran denken wie ich die Sommer immer mit meiner Ex-Partnerin am See genossen habe. Leider habe ich das Gefühl, die Abstinenz kostet mich mein Sozialleben. Heutzutage ist es ja fast normal bei jeder Gelegenheit was zu trinken. Meine Ex-Partnerin wusste nichts über mein Alkoholproblem, da wurde ich dann immer als langweilig abgestempelt, wenn ich nicht auf irgendein Fest, Partys oder sonstiges wollte. Jetzt sitze ich hier und schweige in alten Erinnerungen, in der ich glücklich war. Die ich aber durch meinen heimlichen Konsum irgendwann zerstört habe. Manchmal habe ich das Gefühl, ich wäre nicht für dieses Leben gemacht. Jeder kann trinken und Spaß haben. Ich habe mit Alkohol meistens nur meinen Schmerz betäubt, wurde eklig unfreundlich. Wie seit ihr damit umgegangen, dass euer soziales Leben so vom Alkohol abhängt?

  • Servus OG92.

    Der Anfang sieht oft genau so aus. Leicht wird es nicht, das muss ich auch nicht schönreden. Ein neues Umfeld aufzubauen gehört dazu, aber es ist nicht die einzige Arbeit.

    Warum machst du heute nicht etwas dort, wo Alkohol keine Rolle spielt? Rausgehen, laufen, irgendwo einen Kaffee trinken – irgendwas.

    Zu Hause sitzen und alte Sommer mit Bier, See und Ex-Partnerin im Kopfkino laufen lassen, ist jedenfalls nicht gerade die beste Veranstaltung.;) Und mal ehrlich: Willst du wirklich zurück zu den Leuten, bei denen das gemeinsame Programm hauptsächlich aus Saufen besteht? Dann waren das vielleicht weniger Freunde als Saufgesellschaft. Oder?

    Was du gerade beschreibst, klingt für mich stark nach Suchtdenken. Kein Vorwurf – da spricht die Sucht aus dir.;) Dieses Muster kennen viele: Plötzlich wirkt das alte Leben , gesellig und frei, während die Trockenheit wie ein Verlust erscheint.

    Nur vergisst der Kopf dabei oft den Rest des Films. Ich bin Alkoholiker.

    Du bist gerade erst am Anfang. Zwei Wochen sind nichts, woran man schon sein ganzes zukünftiges Sozialleben messen sollte. Heute reicht erst mal, nicht trinken, raus aus dem Kopfkino und irgendetwas tun, das nicht mit Alkohol verbunden ist.

    Der Rest wächst nicht über Nacht, aber er wächst. Und hau hier in die Tasten, es wird immer jemanden geben, der dir etwas dazu schreiben kann.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Es ist eine erhebliche Umstellung, statt zu trinken nüchtern durchs Leben zu laufen. Neue Beziehungen entstehen nicht von heute auf morgen.

    Trotzdem: machst Du Dir nicht auch gerade was vor? Von wegen früher Spaß und glücklich:

    Meistens hab ich nicht aus Spaß getrunken, sondern um diesen Schmerz zu betäuben.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Leider habe ich das Gefühl, die Abstinenz kostet mich mein Sozialleben.

    Es kommt immer auf die Sicht an.
    Für mich als Alkoholiker war ein Sozialleben überhaupt erst wieder möglich, nachdem ich abstinent war.
    Du stehst am Anfang, du bist noch jung und hast noch dein abstinentes Leben vor dir.

    Meine Abstinenz ist Prio1 in meinem Leben und ich habe angefangen, mein Leben neu zu gestalten.
    Das ging nicht von heute auf morgen. Ich musste erkennen, was ich ändern muss und wie ich es ändern kann.
    Das war nicht leicht und hat seine Zeit gebraucht. Aber eines wusste ich immer, ich will nie wieder dahin, wo ich herkam und das geht nur trocken.

    Mein soziales Umfeld sind keine Alkoholiker, zumindest weiß ich von keinem, aber die meisten trinken, zu Anlässen und in Gesellschaft.
    Im ersten Jahr habe ich mich davon fern gehalten. Das war keine verlorene Zeit, es war eine Zeit, in der ich mich mit mir selbst auseinandergesetzt habe, wie nie zuvor in meinem Leben und das gab mir Stabilität und auch wieder Perspektive, Schritt um Schritt, Stück für Stück.

    Nimm es in die Hand, dein neues Leben.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Vielen Dank für eure lieben und ehrlichen Antworten. Ihr habt recht, gestern hat wieder mein Suchtkopf aus mir gesprochen. Es ist glaub einfach die Angst vor dem neuen. Ein Start in ein neues Leben, ohne die Ablenkung durch Alkohol von negativen Gefühlen oder Gedanken. Heute geht’s mir schon besser. Ich versuche den Tag mal meine Wohnung wieder klarschiff zu machen und morgen wieder mit Sport zu beginnen. Ich träume in letzter Zeit soviel. Ich habe glaub ziemlich viel zum aufarbeiten, was ich die letzten Monate durch den vielen Konsum immer von mir geschoben habe. Dazu kommt das ich grade sehr viel schwitze, schnell gereizt bin und allgemein sehr träge und müde bin.
    Dazu kommt, dass ich grade viel zittere, nichts mit meiner Zeit anzufangen weis und es mir vorkommt als würde ich nur den Tag versuchen zu überstehen. Ich habe ein richtiges Gefühlschaos. Ich weine grade gefühlt jeden Tag, was ich sonst nicht von mir kenne. Ich glaube mein Körper läuft auch grade in Hochform um mein Nervensystem zu beruhigen. Habt ihr auch solche Erfahrungen gesammelt ?

    Vielen Dank nochmal für eure lieben Antworten.

  • Für mich als Alkoholiker war ein Sozialleben überhaupt erst wieder möglich, nachdem ich abstinent war.

    Ein sehr schöner und absolut richtiger Satz. Vorher drehte sich alles um die Flasche. Dem Suff wurde alles untergeordnet, auch die sozialen Kontakte, die primär darauf ausgerichtet waren, Trinkfreudige um sich herum zu haben. Für andere war und ist da kein Platz.

  • Hi, das klingt nicht gut, dein körperlicher Entzug müsste eigentlich durch sein. Wie wäre es, wenn du dich beim Arzt durchchecken lässt? Vielleicht stimmt irgendwas anderes nicht. erwähne aber deinen Trink-Stopp, damit er sich ein umfängliches Bild machen kann. Vielleicht hörst du auch zu sehr in dich hinein oder dein Konsum hat andere Symptome unterdrückt?

    Lieber Gruß,

    Hera

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Das ist ein guter Vorsatz, den du auch schnell umsetzen kannst.
    Warte nicht ab, denn was du an Symptomen nach 3 Wochen Abstinenz beschreibst, sollte dringend abgeklärt werden.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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