Pinguin - Boden unter den Füßen weggerissen

  • Nein ich meine das gar nicht negativ. Das gibt mir ein gutes Gefühl. So einen Satz zu hören. Ich habe das im Kopf dass ich übertreibe oder so. Oder hätte ich nur mehr gemacht.

    Naja im Grunde ist die Sucht Suizid auf Raten.

    Bist du dann getrennt oder habt ihr die Kurve irgendwann gemeinsam geschafft? Weil du sagst deine Frau, nicht deine Ex-Frau.

  • Ich hatte ja schon mal kurz erwähnt, dass ich dann aus absolut egoistischen Gründen, weil ich wirklich auf dem Zahnfleisch ging und meine eigene Situation nicht mehr ausgehalten habe, aufgehört habe. Ohne Wenn und Aber und ohne Rückfälle. Ich hab dann aber auch extrem gesoffen, schon ein bisschen viel mehr als Deiner, und das hatte halt Folgen für mich. Ich hatte Angst, ich krieg jetzt nen Hirnschlag oder verrecke sonst elendig. Da wurde ich radikal trocken.

    Und dann haben wir uns zusammengerauft und nochmal 13 Jahre später, also mit den 13 Jahres Sauferei nach insgesamt 26 Jahren, doch noch geheiratet. Aber das eigentlich nur, weil das Formularitäten erspart, die Beziehung lief und läuft auch so. Und wir haben das so ausgefochten, dass jeder zu seinem kommt.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Also sie hat sich von dir getrennt. Du hattest einen heftigen Rückfall. Hattest irgendwann keinen Lust mehr bist trocken geworden und dann habt ihr wieder zusammen gefunden?

    1 Vodka Flasche ist doch auch nicht wenig 😳

    Glückwunsch für dich ☺️

  • Hier gibt's doch aber sicher Leute, die Angst haben die Trennung zu betreuen . Andererseits kann ich ja eh nichts dran ändern.


    Natürlich habe ich auch meine Muster. Und das wird die nächsten Wochen und Monate angegangen. Trotzdem habe ich gemischt Gefühle zwischen wut, Angst, usw.

    Ich meine nicht umsonst gibt es genug Co -Abhängige, die Jahre brauchen um sich zu lösen. Klar wünsche ich es mir, dass die Kinder mit ihrem Vater und mir aufwachsen. Wer nicht.

  • Nein, ich hatte keinen Rückfall, sondern ich wollte nie aufhören. Ich hab zwar Trinkpausen gemacht, aber nur, damit mein Körper die Sauferei länger mitmachte. Aufhören stand nicht auf dem Programm. Ich wollte das maximal so weit bremsen, dass ich bis zu meinem Lebensende so weitermachen könnte.

    Und ich hab nicht eine Flasche Wodka getrunken, sondern schon mal drei Liter Whisky in 5 Stunden. Deswegen ging das auch nicht jeden Tag, aber drei mal die Woche bis zur Bewusstlosigkeit. Ich hab schon beim Pendeln in Öffis mit zwei Stunden Heimweg gesoffen und fast nur Schnaps. Bier nur, weil der Körper ja auch Wasser braucht. Gekifft habe ich auch noch wie ein Weltmeister. Die Pausen brauchte der Körper, um sich davon zu erholen.

    Meine Frau fand mich schon mal so, dass sie dachte, ich wäre tot. Der Notarzt war auch schon mal da, aber ich konnte noch lallen, dass ich nicht mitgehe. Da mussten sie mich dalassen. Und dann reichte es ihr halt irgendwann, aber mir noch nicht.

    Ich hab mal ein knappes Jahr Trinkpause gemacht, aber nur, um das halbwegs wieder unter Kontrolle zu kriegen. Dann hatte Ich hatte was zu feiern und das musste begossen werden, das hab ich so geplant, dass ich maximal saufen konnte. Ich war kein Problemtrinker, mehr ein Feiersäufer. Und dann konnte ich nicht mehr aufhören.

    Den Entschluss, aufzuhören, habe ich mit mindestens drei Promille gefasst. Kloschüssel hinten, Eimer vorn, aus allen Löchern gleichzeitig raus, gedreht hat es mich ohne Ende, und dann kam mir die Erleuchtung, dass es mir deswegen so geht, weil ich Trinken so toll finde. Und da kam mir die Erkenntnis, dass ich ja auch aufhören kann.

    Als ich trocken war, war ich eben der Typ, den sie sich eigentlich gewünscht hatte. Sie wollte ursprünglich auch so ein Rauhbein und einen Aussteiger, der ich war. Ich hab ja schon vor der Beziehung gesoffen und das wusste sie. Wie waren oft genug die letzten in unserer Studentenkneipe. Und ich war nicht unbedingt besonders nett, aber ein guter Unterhalter.

    Nachdem ich aufgehört hatte, gings erst vorsichtig wieder los. Es war noch monatelng unklar, ob wir wieder zusammengehen. Wir hatten ja beide Kritikpunkte am anderen. Wir haben uns auch noch lange gestritten, teilweise nen Monat lang täglich. Aber immer am gleichen Tag noch bis zur Einigung, erstmal, bis es eben wieder kriselte. Nun ja, wir sind aber auch so Streittypen, und das findet auch sie überhaupt nicht schlimm.

    Und ich brauchte meine Trockenüberzeugung durchaus schon mal, um die Streitereien nicht zum Anlass zu nehmen, wieder zu trinken. Bei uns ist kein Schonprogramm für mich. Aber für sie auch nicht:mrgreen:

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Vielleicht habe ich da n doch immer übertrieben.

    Nein, du hast nicht übertrieben. Wenn du dich damit schlecht fühlst, ist das so. Das hat nichts damit zu tun, was dein Mann darüber denkt oder sagt. Nimm dein Bauchgefühl ernst und versuche dir klar zu werden, wie dein weiteres Leben aussehen soll.

  • Abend Pinguin,

    zu meiner nassen Zeit ging mir meine Frau ziemlich auf die Nerven. Kontrollen, Zweifel, nie war sie sicher, dass ich nichts getrunken habe, ich habe wirklich jeden Tag versucht normal zu wirken und das saufen zu verheimlichen. Klar hat das oft nicht geklappt und schon kippte die Stimmung. Dann nervte sie wieder. Aber genauso nervte mich auch mein Job, dann die Arbeitslosigkeit, alle anderen Leute, selbst die Kassierer an der Kasse, wenn ich 3 mal hintereinander bei der selben Person meinen Alk kassieren musste.

    Soviel Stress und immer wurde mein Saufen zum Thema gemacht. Dagegen musste ich mich ja so gut es geht abschotten, wie will man den sonst in Ruhe jeden Tag trinken. Freunde nehmen nicht mehr ab wenn man anruft spät abends voll im Suff...

    Hat wirklich lange gedauert bis ich gemerkt habe, dass das saufen schuld ist und mich nervt, nicht meine Frau oder alles andere.

    Noch länger hats gedauert endlich die Reissleine zu ziehen, weil es einfach nicht mehr weiter ging.

    Hier hat das Forum maßgeblich geholfen, aber auch nur weil ICH nicht mehr so weiter machen wollte und konnte.

    Ob es in deiner Situation ähnlich ist, keine Ahnung. Aber wenn, dann ist es im Grunde wirklich egal was Du machst, es wird ihn nerven, weil ihn alles nervt. Vor allem sein Gesaufe.

    Was hilft es dir zu wissen ob er gesoffen hat? Er pustet und Du hast den Beweis dass es gesoffen hat. Was jetzt? Oder er pustet und war nüchtern, was dann? Entschuldigen weil Du ihm was unterstellt hast und gleichzeitig vermuten dass er früher oder später doch wieder trinkt?

    Du kannst im Grunde nichts richtig machen weil es bei einem Alkoholiker der trinken will einfach nichts gibt was Aussenstehende machen können das ihn beeinflusst. Er muss sich seiner Situation bewusst werden und handeln, das kannst Du ihm nicht abnehmen.

    Du wirst auch nicht verstehen was in seinem Kopf vorgeht, weil es nunmal eine Krankheit ist und Du diese Krankheit nicht hast.

    Das ist alles meine Erfahrung, kann bei dir völlig anders liegen, ich kenne ihn ja nicht. Aber die Geschichten ähneln sich hier häufig.

    Noch ein letzter Punkt: wenn er generell nicht der typ ist der sich kontrollieren lassen will und Du eine Person bist die gerne alles unter Kontrolle hat, kann der Alkohol verstärkend wirken.

    Es gibt wohl kaum die perfekte Beziehung, jeder hat so seine Seiten die dem anderen nicht immer gefallen. Kompromisse gehören daher für beide dazu. Das klappt auch meistens. Mit einer Alkoholsucht sind aber gerade diese Seiten ein idealer Aufhänger um zu saufen und Streit anzufangen. Kompromisse, vergiss es, schliesslich ist ja Alk da.

    Also, denk jetzt in erster Linie an dich.

    LG, Paul

  • Ich habe ihn pusten lassen jeden Abend. Und dachte okay. Wir schaffen das. Und irgendwie hatte ich immer das Gefühl es stimmt was nicht. Ich hatte ein schlechtes Gewissen ihm das vorzuwerfen. Er hatte sich ja schließlich bemüht. Dann kam der Rückfall und im Rückfall meinte er er hat in der Zeit einfach morgens getrunken, damit der Test abends 0.00 anzeigt.

    Im Ernst? Du hast ihn jeden Abend pusten lassen?
    Ich komme von der Alkoholikerseite.
    Das hätte keine(r) mit mir machen dürfen, nicht zu Sauf- oder Trockenzeiten.

    In Deinen Beiträgen dreht sich alles nur um ihn, was er macht, was er tut, wie er denkt.

    Jetzt kommt evtl. die Trennung und Du hast ihn nicht mehr unter Kontrolle.

    Wo bleibst DU bei dem Ganzen?
    Es ist sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen , was er fühlt, was er denkt. Hier geht es nur um DICH.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Gestern Abend war ich relativ stabil. Jetzt stehe ich auf Träume davon dass er abweisend und kühl ist und unseren Ehering wegschmeißt und Zack ist mir kotz übel und ich zittere. Wieso bin ich nur so...

  • Hallo Pinguin,

    Mit deinen Aktionen hältst du ihn in der Sucht.

    Ich kenne dieses kümmern selbst sehr gut. Dir hilft es nicht, ihn verstehen zu wollen, dass läuft ins Leere.

    Ich habe in diesem Bereich gearbeitet, und hatte zuhause den nassen Alkoholiker sitzen.

    Du kannst dein ganzes Wissen vergessen. Es bringt dich nicht weiter .

    Schau bei dir hin und tue etwas für dich.

    LG Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Eigentlich sollte ich dich froh sein. Alleine der Kinder wegen. Die Trennung schützt sie. Aber er hat ja auch positive Seiten. Und Gewalt und laut werden war nie wirklich ein Thema. Eher das zurückziehen, distanzieren, Lügen und die emotionale Anwesenheit.

    Wieso fällt es mir dann so schwer.

  • Mit einer Trennung endet natürlich auch die gemeinsame Zukunft, gemeinsame Pläne und Ziele. Ich denke das spielt auch immer eine Rolle. Man hat sich zusammen etwas aufgebaut und will natürlich lieber sein rosarotes Schloss weiterträumen.
    Plötzlich steht man da und die gemeinsamen Zukunftspläne sind weg. Das ist echt hart.

    Ich bin jetzt seit einem Jahr mit den Kindern ausgezogen. Die Finanzen sind natürlich jetzt deutlich schlechter. Die Zukunft? Keine Ahnung. Hier kann ich mir nichts leisten, Immobilien sind unerschwinglich. Wegziehen auch keine Option. Wir werden sehen was kommt.


    ABER: alles ist noch deutlich besser als mit einem nassen Alkoholiker unter einem Dach zu leben! Gerade die emotionale Abwesenheit oder auch die schwankende Gemütslage ist für die Kinder Gift. So sollten sie nicht aufwachsen müssen.
    Und was haben sie von einem Vater, der zwar körperlich anwesend ist, aber sonst auch nichts weiter bzw. sich ständig zurückzieht.

    wäre er trocken geworden nach unserem Auszug, hätte es mich zumindest für die Kinder sehr gefreut und sie hätten endlich einen zuverlässigen Vater gehabt. Die eigenen Gefühle und Emotionen( und davon gab und gibt es reichlich, man hat ja viel mit seinem Alkoholiker erlebt), darf man dann ruhig auf die Seite schieben und an anderer Stelle rauslassen.

  • Vermisst du ihn noch. Und wenn ja ist das vermissen schlimmer oder denkst du das Leben mit ihm weiterhin wäre schlimmer? Du hast dich getrennt oder?

    Ich denke manchmal ich bin und war einfach zu feige zu gehen, weil mich die Hoffnung gehalten hat.

    Ich suche aktuell eine 3 Zimmer Wohnung. Ist aber echt schwer finanziell. Zudem will ich in die Nähe meiner Eltern (Mutter) um Unterstützung mit den Kindern und für mich zu haben.

    Ja ich trauere auch um die Familie die kaputt geht. Die Kinder sind die Leidtragenden. Scheidung ist scheiße für sie. Die sucht ist scheiße für sie.

    Ich bin auch wütend, weil er alles kaputt macht in meinen Augen. Ich hab am Tag gefühlt 10 verschiedene Gefühle

  • Nein, ich vermisse ihn nicht. Ich bin froh meine Ruhe zu haben. Die Zeit zum Schluss bis zum Auszug war aber auch wirklich schlimm.

    Er ist jetzt ein anderer Mensch. Ob jetzt durch den Alkohol, durch Lebensumstände oder das Lebensalter an sich. Ich habe mich auch verändert. Es passt einfach nicht. Vor allem passen mir seine Einstellungen nicht. Da gibt es nichts zu vermissen. Wir kommen meistens gut miteinander aus, helfen uns gegenseitig. Das passt so ganz gut.

    Finanziell war es bei mir anfangs auch echt knapp. Es gibt aber Hilfen. Irgendwie geht’s immer. Aber ja, vorher war es finanziell natürlich deutlich entspannter.

    Ich kenne das gut mit den tausend Gefühlen, dem Gefühlswechsel, der Trauer und der Wut. Das ist auch völlig in Ordnung, das gehört dazu. Das wird mit der Zeit besser. Ich habe mindestens ein halbes Jahr gebraucht, um wieder halbwegs in der Spur zu sein. Jetzt nach einem Jahr geht es mir wieder gut. Ich bin in vielen Dingen deutlich entspannter.

    Alles braucht seine Zeit. Auch die Loslösung vom Alkoholiker.

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