• Hallo, ich bin weiblich, 60 Jahre alt und habe mich vor 8 Monaten von meinem alkoholkranken Partner getrennt. 5 Liter Bier abends, zunehmende Distanz und emotionale Abwesenheit habe ich erlebt. Vor 8 Monaten wurde ich verbal bedroht und aus dem Haus geworfen.

    Ich fühle mich meiner Lebensjahre beraubt, da er im Alltag funktioniert versteht das soziale Umfeld nicht, was ich durchgemacht habe...

    Ich habe jetzt neue Wohnung, neuen Job und alles wieder im Lot jedoch fühle ich mich sehr hintergangen, emotional sehr ausgelaugt und ich hinterfrage mich täglich, ob ich nicht das Problem sei...

    Hat jemand nach der Trennung ähnliches erlebt?

    Danke für die vielen Antworten Aha ☀️

  • Guten Morgen Aha und herzlich willkommen.

    Ich hab dich freigeschaltet und du kannst dich hier überall austauschen, schreibe bitte die ersten 4 Wochen hier aber noch nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern, erkennbar an den roten Nicknamen.


    Ich habe nach der Trennung auch anfänglich noch immer wieder gedacht, dass ich ja auch schuldig an vielem gewesen wäre, in Situationen anders hätte reagieren sollen, nicht so böse zu ihm hätte sein sollen usw. Aber schlussendlich waren und sind meine Gedanken so dass ich sehe, seine Sucht und sein Verhalten hatten mein Leben massiv beeinflusst.

    Ich war nicht glücklich, er wurde immer übergriffiger. Egal ob ich nett zu ihm war oder böse. Ich hatte viele Jahre alles probiert um ihn vom Alkohol weg zu bekommen. Hab mehr und mehr unser Leben versucht am Laufen zu halten. Was hätte ich denn NOCH machen müssen. Inzwischen war ich psychisch krank geworden und hatte auch körperliche Beschwerden von all dem.

    Das Problem war nicht ich und auch du bist es nicht. Das Problem ist die Sucht und das, was sie mit dem Menschen macht der sie nicht stoppen will oder kann.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Aha,

    ich dachte auch lange Zeit, wenn ich mich nur genug bemühe, dann wird er es irgendwann schon schaffen, aufzuhören und wir werden dann endlich eine glückliche ruhige Zeit zusammen haben.

    Hat nicht geklappt, ich stand diesen Sommer kurz vor einem Burnout und seit ich mich nun vor knapp 5 Wochen getrennt habe, geht es mir wesentlich besser... Trotz aller Bürokratie, die so eine Trennung mit sich bringt und aller emotionaler Trauer...

    Such den Fehler bitte nicht bei dir. Wir können nichts dafür und müssen uns nicht sagen lassen, dass es an uns lag...

  • Nachtrag, ich habe das Thema Alkohol mehals mit ihm besprochen und er antwortete oft, dass er wisse, dass er ein Alkoholiker sei und er sogar stolz darauf sein da er im Alltag immer noch gut funktionieren würde. Diese Aussage stimmt ja auch, aber die Wesens Veränderungen ab 16.00 die ich erlebt habe waren krass. Gespräche eskalierten, emotionaler Rückzug und vieles mehr. Ich hinterfrage mich Tag und Nacht ob ich zu empfindlich reagiert habe und ob ich es dramatisiert habe. Aber ich weiss, dass ein Rauswurf aus dem Haus mit einer Androhung von Gewalt stattgefunden haben und ich diese Zeichen ernst nehmen musste um mich an erste Stelle zu stellen. Er streitet die Eskalation ab und unterstellt mir, dass ich lügen würde. Dies ist für mich, nachdem ich das alles erlebt habe, das Schlimmste überhaupt.

    Ich wollte dies noch teilen, vielleicht erkennt sich auch jemand anderes in meinem Erleben?

    Danke fürs Lesen.

    Aha

  • Hallo Aha,

    die Schuld auf andere zu schieben ist ein Symptom der Alkoholsucht, genauso wie die Wesensveränderung und Zunahme von psychischer und körperlicher Aggressivität

    Ihr seid seit 8 Monaten getrennt, aber Du kommst immer noch nicht von ihm los:

    Ich hinterfrage mich Tag und Nacht ob ich zu empfindlich reagiert habe und ob ich es dramatisiert habe


    Er hat mit Gewalt gedroht und Du hast Dich geschützt, das ist die Realität. Hast also alles richtig gemacht. Warum zweifelst Du dann daran?

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Du Alkohol,


    ich schreibe dir, weil du mir etwas genommen hast, das für mich unendlich wertvoll war.


    Du hast mir eine Liebesbeziehung genommen.

    Einen Mann, mit dem ich acht Jahre meines Lebens geteilt habe. Acht Jahre, in denen wir glücklich waren, geliebt, gelacht, gelebt, gereist und miteinander Zukunft gedacht haben.


    Ich hatte einen Menschen an meiner Seite, mit dem ich mir vorstellen konnte, weiterzugehen. Gemeinsam älter zu werden. Pläne zu machen. Das Leben zu teilen, mit allem, was dazugehört.


    Und dann bist du immer mehr zwischen uns getreten.


    Besonders in den letzten drei Jahren habe ich erlebt, wie sich der Mensch, den ich kannte und liebte, zunehmend verändert hat. Ich habe psychische und körperliche Veränderungen wahrgenommen und auch Veränderungen in seinem Wesen. Für mich war es schmerzhaft und zunehmend belastend, mitzuerleben, wie diese Veränderungen immer mehr Raum in unserem gemeinsamen Leben einnahmen.


    Ich habe erlebt, wie Vertrautes weniger verlässlich wurde und wie der Mensch, der mir über so viele Jahre so nah gewesen war, für mich zeitweise immer schwerer erreichbar wurde. Diese Entwicklung hat mich belastet, verunsichert und viel Kraft gekostet. Es war schwer, den Menschen, den ich liebte, vor mir zu sehen und gleichzeitig zu spüren, dass sich etwas Grundlegendes veränderte.


    Am Anfang vielleicht noch unscheinbar. Doch mit der Zeit hast du immer mehr Raum eingenommen. Raum, der einmal uns gehört hat.


    Ich bin wütend auf dich.


    Weil du mir nicht nur einen Menschen genommen hast, den ich geliebt habe. Du hast mir auch eine gemeinsame Zukunft genommen, an die ich geglaubt habe.


    Du hast mich um etwas beraubt, das vielleicht hätte bleiben können.


    Und genau das tut so weh.


    Ich trauere nicht nur um das, was vorbei ist. Ich trauere auch um all das, was nicht mehr sein wird. Um die gemeinsamen Jahre, die noch vor uns hätten liegen können. Um Pläne, Nähe, Vertrautheit und das Gefühl, mit einem Menschen verbunden zu sein, mit dem ich mein Leben teilen wollte.


    Manchmal bin ich traurig.

    Manchmal bin ich unglaublich wütend.

    Und manchmal empfinde ich eine tiefe Ungerechtigkeit.


    Denn ich habe diese Beziehung nicht verloren, weil keine Liebe mehr da gewesen wäre. Ich habe sie verloren, weil du irgendwann stärker geworden bist als das, was wir miteinander hatten.


    Das ist schwer zu akzeptieren.


    Acht Jahre kann man nicht einfach aus seinem Herzen streichen. Sie waren wirklich. Sie waren kostbar. Und sie gehören zu meinem Leben.


    Aber eines will ich dir nicht überlassen:


    mich selbst.


    Du hast mir viel genommen. Aber du wirst nicht darüber bestimmen, wie mein Leben weitergeht.


    Ich darf um meine Liebe trauern.

    Ich darf wütend sein.

    Ich darf mich beraubt fühlen.

    Ich darf diesen Verlust beklagen, auch wenn andere vielleicht nicht verstehen, wie tief er reicht.


    Aber irgendwann möchte ich aufhören, nur auf das zu schauen, was du mir genommen hast.


    Ich möchte wieder auf mein eigenes Leben schauen.


    Ich möchte wieder fühlen, dass vor mir eine Zukunft liegt. Vielleicht nicht die Zukunft, die ich mir einmal vorgestellt habe. Vielleicht eine andere.


    Und ich möchte eines Tages wieder sagen können:


    Du hast mir einen Teil meiner Geschichte genommen.


    Aber nicht mein ganzes Leben.

  • Hallo Aha, ich finde mich in deinen Aussagen 1:1 wieder.

    Mein Mann hat mich im Sommer rausgeworfen. Nach 22 Jahren. Ca 16 davon als Alkoholiker.

    In all unseren Jahren begleiteten u s Schicksalsschläge. Er meinte, mein Wesen ging davon verloren. Er hat ich in schlechten Zeiten immer unterstützt. Er hat in diesen Zeiten mit dem Alkohol begonnen.

    Er trinkt erst ab Feierabend und dann ebenfalls 5l. Den Ekel, die Wesensveränderung und die emotionale Leere nimmt er nicht mehr wahr.

    Ich bin sehr einsam geworden. Allerdings freute ich mich in all den Jahren auf die Zukunft- wenn alles ruhiger wird... Dann, so hoffte ich, wird er sicher wieder positiv denken und weniger trinken.

    Aber die Wesensveränderung ist so stark. Könnte ich mich wirklich ebenfalls so ändern, dass ich den Ekel beim Geruch abstelle? Die Flaschen nicht mehr zähle, ihn nicht mehr kontrolliere, keine Angst mehr um ihn hätte und nicht immernoch glaubte, die Macht zu besitzen ijn zu ändern?

    Auch ich fühle mich um die Zukunft betrogen und das kann ich einfach nicht akzeptieren. Und in der Theorie ist die Trennung auch das beste für uns. Aber die Trauer überwiegt und hält uns in der Vergangenheit fest. Ich denke, erst wenn sich eine zufriedene Zukunft ohne Angst in uns einstellt, können wir zurückblicken und denken, dass die Trennung gut war.

  • Liebe Fanny

    Danke für deine lieben Worte und deinen offenen Text.

    Ich stehe an einem Ort den ich gerne mit allen teilen,

    Ich habe akzeptiert, dass er sich für sein Verhalten und seine Taten nie entschuldigen wird. Mein weg und Leben dürfen weitergehen, ohne dass ich seine Anerkennung für seinen Teil der Geschichte erhalte. Das ist für mich das schwierigste. Ich habe nun monatelang gehofft, dass ich mal irgendein Wort der Eigenverantwortung hören würde, nix. Ich habe gehofft, dass er sein verletzendes verhalten einsieht und erkennt, wie verletzend er war, nix. Heute kann ich ich erkennen, dass mein Weg von seiner Einsicht abhängig gemacht habe und sehnsüchtig auf ein, Schatz, es tut mir leid, gehofft habe. Diese Hoffnung hat meine Genesung blockiert. Ich habe erkennt, dass ich nun ohne seine Einsicht glücklich leben darf - WIR ALLE ❤️

  • N

    Eine persönliche Begleitung zum Wiederlesen und Festhalten, innere Zustimmung ohne seine Anerkennung

    Für dich, Betroffene:

    Du hast eine verbale Bedrohung ernst genommen, dich geschützt und die Beziehung beendet.

    Dass er den Vorfall bis heute leugnet, nimmt deiner Erfahrung nicht ihre Wahrheit.

    Dieser Text soll dich dabei unterstützen, deine innere Gewissheit nicht länger von seiner Einsicht oder Anerkennung abhängig zu machen.

    Der zentrale Gedanke

    Du hättest seine Anerkennung, Verantwortung und Entschuldigung verdient.

    Aber du brauchst sie nicht, um deiner Wahrnehmung zu vertrauen und mit deiner Entscheidung Frieden zu finden.

    Ich weiss, was ich erlebt habe.

    Ich musste nicht abwarten, ob aus einer Drohung mehr wird.

    Es war richtig, mich zu schützen.

    Seine Verantwortung bleibt bei ihm. Meine Zukunft gehört mir.

    Innerer Abschluss bedeutet nicht, dass das Geschehene plötzlich in Ordnung ist.

    Er bedeutet, dass seine fehlende Einsicht nicht mehr darüber bestimmt, ob du zur Ruhe kommen darfst.

    1. Anerkennung von Wahrheit trennen

    Wenn er sagt, der Abend habe nicht so stattgefunden, entsteht leicht der Impuls, zu argumentieren, Beweise zu sammeln oder ihn doch noch zu überzeugen.

    Genau dieser Kampf kann dich emotional an ihn binden.

    Dein neuer innerer Satz

    „Seine Anerkennung entscheidet nicht darüber, was ich erlebt habe.“

    Du brauchst kein gemeinsames Urteil über diesen Abend.

    Deine Erinnerung und dein damaliges Bedrohungsgefühl dürfen als Grundlage deiner Entscheidung genügen.

    2. Die unbeantwortbaren Fragen zurückgeben

    Vielleicht kreisen Gedanken wie:

    •Warum sieht er es nicht?

    •Warum entschuldigt er sich nicht?

    •Kann er sich wirklich nicht erinnern?

    •Warum übernimmt er keine Verantwortung?

    •Wird er irgendwann verstehen, weshalb ich gegangen bin?

    •War ihm unsere Beziehung so wenig wert?

    Die Antworten auf diese Fragen liegen bei ihm.

    Du musst nicht mehr herausfinden, ob er sich tatsächlich nicht erinnern kann, ob er sich nicht erinnern will oder ob er den Vorfall bewusst leugnet.

    Der gedankliche Wechsel

    „Das gehört zu ihm. Zu mir gehört, dass ich mich bedroht fühlte, meine Grenze erkannt und mich geschützt habe.“

    Ich lasse seine Fragen dort, wo sie hingehören: bei ihm.

    3. Die erhoffte Entschuldigung betrauern

    Du musst dir nicht einreden, dass seine Anerkennung dir gleichgültig ist.

    Vielleicht ist sie dir überhaupt nicht gleichgültig.

    Vielleicht hättest du von ihm hören müssen:

    „Es tut mir leid. Ich habe dir Angst gemacht. Das hätte niemals passieren dürfen. Ich übernehme dafür Verantwortung. Ich verstehe, weshalb du gegangen bist.“

    Es ist verständlich, sich nach diesen Worten zu sehnen.

    Und gleichzeitig darfst du dir sagen:

    „Ich hätte diese Anerkennung verdient. Vielleicht werde ich sie niemals bekommen. Ich darf trotzdem loslassen.“

    Du verabschiedest dich damit nicht von deiner Wahrheit.

    Du verabschiedest dich von der Hoffnung, dass ausgerechnet er deine Wahrheit bestätigen muss.

    Das ist ein grosser Unterschied.

    4. Den Erklärungs-Kreislauf beenden

    Vielleicht kennst du den Gedanken:

    „Wenn ich ihm nur noch einmal richtig erkläre, was passiert ist und was es mit mir gemacht hat, wird er es vielleicht endlich verstehen.“

    Dieser Wunsch ist menschlich.

    Wenn seine Reaktion jedoch wiederholt aus Leugnen, Relativieren oder Schuldumkehr besteht, führt ein weiteres Gespräch möglicherweise nicht zu dem Abschluss, den du suchst.

    Dann darfst du aus diesem Kreislauf aussteigen.

    Deine innere Grenze

    „Ich muss ihm meine Verletzung nicht mehr erklären. Er muss sie nicht verstehen, damit ich eine Grenze ziehen darf.“

    Und:

    „Ich muss ihn nicht überzeugen. Ich kenne meine Gründe.“

    Falls Kontakt unvermeidbar ist, darfst du ihn kurz und sachlich halten.

    Du darfst ein Gespräch beenden, sobald der Vorfall bestritten oder deine Wahrnehmung abgewertet wird.

    5. Sehnsucht nicht mit einer Fehlentscheidung verwechseln

    Du kannst einen Menschen vermissen und trotzdem wissen, dass die Trennung notwendig war.

    Du kannst schöne Erinnerungen haben und trotzdem wissen, dass eine Grenze überschritten wurde.

    Du kannst traurig sein und trotzdem nicht zurückwollen.

    Du kannst ihn einmal sehr geliebt haben und trotzdem heute Abstand benötigen.

    Zwei Wahrheiten können gleichzeitig bestehen:

    „Ich vermisse etwas an ihm.“

    und

    „Ich möchte trotzdem nicht zurück.“

    Sehnsucht ist kein Beweis dafür, dass deine Entscheidung falsch war.

    Sie kann Teil der Trauer um das sein, was einmal schön war.

    Und vielleicht trauerst du auch um das, was hätte sein können.

    Um den Menschen, den du in ihm gesehen hast.

    Um eine gemeinsame Zukunft, die du dir vielleicht einmal vorgestellt hast.

    Auch davon darfst du Abschied nehmen.

    6. Die zentrale Frage wechseln

    Versuche, eine Frage immer weniger zu stellen:

    „Wann wird er endlich verstehen, was er mir angetan hat?“

    Ersetze sie durch:

    „Was brauche ich heute, damit sein Verhalten immer weniger Macht über mein Leben hat?“

    Damit verschiebt sich der Mittelpunkt.

    Weg von ihm.

    Zurück zu dir.

    Nicht seine Einsicht entscheidet darüber, wie dein Leben weitergeht.

    Du entscheidest darüber.

    7. Wenn die Gedanken wieder kreisen

    Es wird wahrscheinlich Momente geben, in denen alles wieder hochkommt.

    Vielleicht führst du dann innerlich Gespräche mit ihm.

    Du erklärst ihm, was passiert ist.

    Du argumentierst.

    Du stellst dir vor, was er antworten würde.

    Du versuchst, ihn in Gedanken doch noch zur Einsicht zu bringen.

    Wenn du das bemerkst, kannst du folgende Schritte ausprobieren:

    1. Bemerken

    „Ich versuche gerade wieder, seine Anerkennung zu bekommen.“

    2. Stoppen

    „Stopp. Ich führe diesen Prozess nicht mehr in meinem Kopf.“

    3. Zur Gegenwart zurückkehren

    Schau dich bewusst um.

    Nenne fünf Dinge, die du siehst.

    Nenne vier Dinge, die du körperlich wahrnimmst.

    Nenne drei Dinge, die du hörst.

    4. Bewegen

    Steh auf.

    Atme langsam aus.

    Öffne ein Fenster.

    Trink ein Glas Wasser.

    Oder geh mit deinem Hund nach draussen und richte deine Aufmerksamkeit bewusst auf die Umgebung.

    5. Dir selbst sagen

    „Ich bin heute nicht mehr in dieser Situation.“

    „Ich habe mich geschützt.“

    „Ich bin gegangen.“

    „Ich darf weitergehen.“

    8. Seine Verantwortung bei ihm lassen

    Sein langjähriger Alkoholkonsum kann möglicherweise manches an seinem Verhalten erklären.

    Aber eine Erklärung ist keine Entschuldigung.

    Du bist nicht dafür verantwortlich, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

    Du bist nicht dafür verantwortlich, seinen Alkoholkonsum zu verändern.

    Du bist nicht dafür verantwortlich, ihn zur Einsicht zu bringen.

    Du bist nicht dafür verantwortlich, ihm zu erklären, weshalb sein Verhalten verletzend war.

    Und du bist nicht dafür verantwortlich, so lange Verständnis aufzubringen, bis er irgendwann vielleicht Verantwortung übernimmt.

    Seine Verantwortung gehört ihm.

    Deine Verantwortung gilt deinem eigenen Schutz, deinen Grenzen und deinem weiteren Leben.

    9. Was du nicht mehr von ihm brauchst

    Du brauchst nicht:

    •sein Einverständnis mit deiner Entscheidung,

    •seine Version des Abends,

    •seine Einsicht,

    •seine Rechtfertigung,

    •seine Zustimmung zu deiner Wahrnehmung,

    •seine Entschuldigung,

    •seine Erlaubnis, verletzt zu sein,

    •seine Erlaubnis, gegangen zu sein.

    Natürlich hättest du manches davon gerne bekommen.

    Vielleicht sogar sehr.

    Aber „Ich hätte es verdient“ ist etwas anderes als „Ich brauche es, um weiterleben zu können.“

    Genau dort beginnt die emotionale Ablösung.

    Mein innerer Schlusspunkt

    Ich weiss, was ich erlebt habe.

    Ich weiss, wie bedroht ich mich gefühlt habe.

    Ich musste nicht abwarten, ob aus einer Drohung mehr wird.

    Es war richtig, mich zu schützen.

    Du musst meine Erinnerung nicht bestätigen, damit sie für mich wahr ist.

    Du musst meine Entscheidung nicht verstehen, damit sie für mich richtig ist.

    Vielleicht wirst du niemals anerkennen, was an diesem Abend geschehen ist.

    Vielleicht werde ich von dir niemals die Einsicht, Verantwortung oder Entschuldigung bekommen, die ich mir gewünscht und die ich verdient hätte.

    Ich höre deshalb auf, darauf zu warten.

    Ich gebe dir die Verantwortung für dein Verhalten zurück.

    Ich trage sie nicht länger für dich.

    Ich übernehme die Verantwortung für meinen Schutz, meine Grenzen und meinen weiteren Weg.

    Ich darf traurig sein.

    Ich darf enttäuscht sein.

    Ich darf schöne Erinnerungen behalten.

    Ich darf dich vermissen.

    Und trotzdem darf ich wissen, dass meine Entscheidung richtig für mich war.

    Ich muss die Vergangenheit nicht verändern, um eine Zukunft zu haben.

    Ich weiss, was ich erlebt habe.

    Ich vertraue meiner Wahrnehmung.

    Ich habe mich geschützt.

    Ich brauche deine Anerkennung nicht mehr, um meiner Wahrnehmung zu vertrauen.

    Deine Verantwortung bleibt bei dir.

    Meine Zukunft gehört mir.

    Eine kleine tägliche Übung

    Nimm dir einmal am Tag zwei Minuten.

    Vervollständige nur einen dieser Sätze:

    Heute vertraue ich meiner Wahrnehmung, weil …

    Heute lasse ich bei ihm …

    Heute gebe ich mir selbst …

    Heute schützt mich …

    Heute muss ich nicht mehr verstehen …

    Heute entscheide ich für mich …

    Es geht nicht darum, dass du morgen nichts mehr fühlst.

    Es geht darum, dass seine Einsicht Tag für Tag etwas weniger wichtig für deine eigene Gewissheit wird.

    Für schwierige Momente

    Wenn der Wunsch nach seiner Anerkennung wieder sehr stark wird, lies nur diese wenigen Zeilen:

    Ich weiss, was ich erlebt habe.

    Ich hätte seine Anerkennung verdient.

    Dass ich sie nicht bekomme, verändert meine Erfahrung nicht.

    Ich muss ihn nicht überzeugen.

    Ich muss mich nicht mehr erklären.

    Ich darf meiner Wahrnehmung vertrauen.

    Ich habe mich geschützt.

    Seine Verantwortung bleibt bei ihm.

    Ich darf loslassen.

    Meine Zukunft gehört mir.h muss mich nicht mehr erklären.

    Ich darf meiner Wahrnehmung vertrauen.

    Ich habe mich geschützt.

    Seine Verantwortung bleibt bei ihm.

    Ich darf loslassen.

    Meine Zukunft gehört mir.

  • Hallo Aha

    Ich diese frustration gut nachvollziehen. Obwohl ich auch trockener alki bin, bin ich auch EKA. Ich weis also was es heisst daneben zu stehen und zu zusehen wie sich ein mensch zugrunde richtet und gefühlt alles mit in den abgrund reisst.

    Eins darfst dabei nicht vergessen, es ist nicht mensch der das tut, sondern die sucht und solang er keine Anstalten macht und einsicht zeigt für seine krankheit hast du verloren. Egal was du tust und machst.ich hatte es schon mal in einem beitrag zusammen gefasst.

    Die sucht verhandelt nicht, sie schliesst keine kompromisse. Sie ist absolut egoistisch und wird alles unterordnen was sie davon abhält das zu tun was sie am besten kann. Da gibts auch keine entschuldigung oder einsicht und das aus einem grund, weil sie selbstreflextion und eigenwahrnehmung komplett verändert und alles fast ausschliesslich als angriff wertet.

    Ich wünsche dir weiterhin viel kraft und zuversicht auf deinem weg.

    Gruss

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Du kannst ihn nicht entfernen. Das können nur Moderatoren machen.

    Wenn ich einzelne Teile davon bei Google eingebe, kommen etliche, teils wörtliche Satzteile bei den KI-Antworten, die bei Google jetzt immer oben stehen.

    Ich weiß auch nicht.

    Was ich nicht verstehe ist, wenn du das tatsächlich mit deiner Therapeutin in der Therapiesitzung ausgearbeitet hat, was hat das im Internet zu suchen?

    Wir sind ja eine Selbsthilfegruppe, in der Beiträge stehen sollten mit eigenen Gedanken und Erfahrungen - und das in eigenen Worten. Was eine Therapeutin sagt, ein Buchautor schreibt oder eine KI als Textvorlage vorgibt, das ist hier in der SHG nicht wirklich gefragt.

    Vielleicht einfach für die Zukunft: Nichts mehr von außen, also auch keine Texte aus deinen Therapiesitzungen bzw. mit KI-Beteiligung hier ins Forum stellen.


    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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