Jezzicaa, Hoffnung auf Abstinenz

  • Hallo zusammen,

    ich heiße Jessica, bin 33 Jahre alt und trinke regelmäßig und ziemlich viel, seit ich 15 Jahre alt bin und begonnen habe, in der Gastronomie zu arbeiten. Ich habe inzwischen seit dem 17.10. nichts mehr getrunken, da ich die ganzen Blackouts und die beschämenden Gedanken am nächsten Tag satt habe. Körperlich bin ich zwar nicht abhängig, psychisch jedoch schon. Ich habe oft versucht kontrolliert zu trinken. An einzelnen Abenden funktionierte das auch gefolgt von dem nächsten Abend, wo ich wieder komplett hackenstramm war, nicht mehr reden und stehen konnte, komplett handlungsunfähig war und am nächsten Tag natürlich wieder einen Filmriss hatte.

    Ich möchte das nicht mehr, aber hab höllischen Respekt davor, was die Veränderung mit sich bringt, ob ich standhaft bleiben kann und vor allem habe ich Angst meine Freundschaften zu verlieren.

    Ich hoffe hier auf gegenseitigen Support und darauf, dass wir es gemeinsam schaffen können abstinent zu bleiben.

  • Hallo Jessica,

    erst einmal willkommen bei uns im Forum.

    Gut, dass du dir Gedanken über dein Trinkverhalten machst. Dass dein Alkoholkonsum problematisch geworden ist, beschreibst du ja selbst recht deutlich.;)

    Wir sind eine Selbsthilfegruppe für Alkoholiker, die sich zu ihrer Alkoholabhängigkeit bekennen sich selbst auch als Alkohliker benennen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Deshalb meine Frage an dich. Siehst du dich selbst als Alkoholikerin und hast du für dich die Entscheidung getroffen, dauerhaft alkoholfrei zu leben?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    vielen Dank! 😊
    Das Wort Alkoholikerin resoniert mit mir nicht. Ich weiß selbst noch nicht genau, wie ich mich nennen würde, aber Fakt ist, dass ich ein Alkoholproblem habe - wie man es dann genau nennt, sollte meiner Meinung nach zweitrangig sein - Fakt ist, dass sich was ändern muss und ich das auch will!
    Momentan fühlt es sich für mich noch schwer an zu sagen, dass ich für immer keinen Alkohol mehr trinken möchte, daher trickse ich mich selbst ein wenig aus und nenne es erstmal liebevoll eine längere Pause um dann zu sehen, wie und was sich alles zum Guten verändern wird. Ziel ist jedoch ganz klar, die vollständige Abstinenz. Es bereitet mir aktuell jedoch einfach noch unheimliche Angst vor der Veränderung, daher versuche ich es mir so leicht wie möglich zu machen.

    Ist es denn so wichtig, mich als Alkoholikerin zu bezeichnen?

    Liebe Grüße
    Jessica

  • Hallo Jessica,

    danke für deine offene Antwort.

    Deiner Meinung nach ist es zweitrangig, wie man sich bezeichnet. Unsere Erfahrungen sind da andere. Die eigene Alkoholabhängigkeit klar zu erkennen und auch so zu benennen, hat für uns schon etwas damit zu tun, wie ernsthaft man sich mit seiner Suchterkrankung auseinandersetzt.

    Es geht also nicht darum, welches Wort einem besser gefällt, sondern darum, die eigene Alkoholabhängigkeit anzuerkennen.

    Unsere Selbsthilfegruppe richtet sich ausschließlich an Alkoholiker, die sich auch als solche erkennen und bezeichnen, eine lebenslange Abstinenz anstreben und bereits entgiftet sind beziehungsweise sich in einer begleiteten Entgiftung befinden.

    Das sind die Voraussetzungen für eine Freischaltung bei uns.

    Da du nach eigenen Angaben zuletzt am 17.10. Alkohol getrunken hast, gehe ich davon aus, dass die körperliche Entgiftung inzwischen abgeschlossen ist.

    Die beiden anderen Voraussetzungen sehe ich nach deiner Antwort allerdings noch nicht eindeutig erfüllt.

    Deshalb überlege bitte in Ruhe, wo du selbst stehst und welchen Weg du gehen möchtest.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    danke für deine Antwort und Einschätzung.

    Ich für meinen Teil, würde defintiv sagen, dass ich meine Abhängigkeit erkenne und mich (schon länger) sehr ernsthaft damit beschäftige. Nicht grundlos habe ich mich hier angemeldet. Parallel befinde ich mich (nachdem mich der Mut gepackt hat und ich es mir eingestand) auch in Behandlung und nutze eine von meinem Therapeuten verschriebene App um das Thema anzugehen. Ich denke das zeichnet meine Einsicht deutlich ab, mir über meine Thematik auch bewusst zu sein - ebenfalls den Willen das zu ändern.

    Ich strebe defintiv eine lebenslange Abstinenz an, aber ich verstehe (noch) nicht, warum ich mich zwingend Alkoholikerin nennen muss um hier aufgenommen zu werden und um zu "beweisen" dass ich mir meines Problems bewusst bin. Ich stelle mir unter Alkoholikern einfach etwas anderes vor, als ich bin, dennoch macht es mein Alkoholproblem nicht geringer als das einer anderen alkoholabhängigen Person, nur weil das ein oder andere Kriterium bei mir nicht erfüllt ist. Alkohol(abhängigkeit) hat viele Gesichter, das brauche ich hier sicher niemandem erzählen - wichtig ist doch, dass man für sich selbst erkennt, dass man ein Problem hat und es aktiv und ausnahmslos angeht?! Warum man sich unbedingt als Alkoholiker nennen muss, erschließt sich mir leider (noch) nicht. Vielleicht kannst du mir das erklären, weil ich es wirklich verstehen möchte.

    Danke dir und einen schönen Tag!

    Liebe Grüße, Jessica

  • Hallo Jessica,

    das eine ist deine persönliche Einschätzung, das andere sind die Voraussetzungen für eine Aufnahme in unsere Selbsthilfegruppe.

    Nicht ohne Grund steht hier ausdrücklich "Selbsthilfegruppe für Alkoholiker und Co Abhängige" bei der Anmeldung.

    Niemand spricht dir ab, dass du dich mit deiner Alkoholabhängigkeit auseinandersetzt und etwas ändern möchtest.

    Aber wer sich nicht selbst als Alkoholikerin erkennt und auch so bezeichnet, erfüllt unsere Aufnahmevoraussetzungen nicht.

    Wir nehmen die Alkoholabhängigkeit hier ernst und betreiben keine Wortspielereien. Es geht darum, die eigene Suchterkrankung klar anzuerkennen. Das heißt nicht, dass die Tür für dich verschlossen bleibt.

    Wenn sich deine Sichtweise ändert und du dich selbst als Alkoholikerin erkennst, bennenst kannst du gerne wiederkommen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Jezzicaa

    Schön das du da bist und dein trinkverhalten überdenkst.

    Alkohol(abhängigkeit) hat viele Gesichter, das brauche ich hier sicher niemandem erzählen - wichtig ist doch, dass man für sich selbst erkennt, dass man ein Problem hat und es aktiv und ausnahmslos angeht?!

    Sorry das ich da dazwischenfunke. alk und sucht hat nur ein gesicht, der rest ist nur schönrederei um das ganze erträglicher zu machen. Mal abgesehen davon haben hier die meisten das selbe problem. Also wo sonst wäre es gut farbe zu bekennen, als hier im forum?

    Gruss

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Hallo Jezzicca und herzlich willkommen auch von mir.

    XY hat sich durch chronischen Alkoholabusus eine Alkoholabhängigkeit erworben. So oder so ähnlich kannst du es in medizinischen Berichten lesen.
    "Ich bin Alkoholiker..." sagt faktisch das gleiche aus, nur psychisch ist es viel näher an mir dran, da bleibt kein Raum, um mich zu distanzieren. Ich muss mich damit auseinandersetzen, denn ich bin der Alkoholiker und kann mich nicht hinter abstrakten Wort Definitionen verstecken.
    Wenn jemand sagt, ich "mag" das Wort Alkoholiker nicht, stellt sich mir die Frage "Warum?". Will ich mich anders sehen, vlt. nicht ganz so schlimm, wie die anderen hier?
    In einem Kreis von Gleichgesinnten, wie hier in diesem Forum, haben die Betroffenen eines gemeinsam, sie sind Alkoholiker, wie auch der Name dieses Forums sagt.
    Diese Einsicht und dass ich mich dazu bekenne, ist der erste wichtige Schritt hin zur Akzeptanz und wenn nicht hier, wo denn dann?

    Und es wird von niemanden verlangt, das er sich den Satz aufs Stirnband schreibt und Draußen damit rumläuft. Das kann jeder für sich selbst entscheiden.

    Viele Grüsse
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Mein Senf dazu

    Seit ich "Alkoholiker "als medizinische Definition sehe ist es für mich einfacher geworden es auch zu benennen und für für mich und hier, beim Arzt oder wo es relevant ist auch auszusprechen.

    Die Klischees und Definition der Gesellschaft allgemein, die davon garkeine Ahnung haben, weil es sie ja nicht betrifft, sind nur nachplappern oder andere Meinungen übernehmen, ohne genau hinzuschauen oder zu wissen.

    So habe ich früher auch gedacht:ich doch nicht,ich schlafe doch nicht unter der Brücke oder wanke durch die Stadt, das sind doch die anderen, die richtigen Alkoholiker. Irrtum.

    Jeder der seinen Konsum nicht mehr steuern kann,wie er es sich vornimmt, wie er sich sich auch schwört(jetzt langts aber)jetzt ist endgültig Schluß und das zum hundertsten Male, der hat nicht nur ein Problem, der ist in die Abhängigkeit, die Sucht gerutscht

    Die Bezeichnung heißt:Alkoholiker

    So,oder so ähnlich ist es jedem ergangen.

    Und jetzt ist es so,was auch heißt, das jetzt gestartet werden kann mit dem STOPP

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • De psychische Abhängigkeit ist meiner Ansicht nach der wesentliche Teil, denn der körperliche Entzug ist nach ein paar Tagen durch.

    Die ganzen Rückfälle entstehen nicht durch körperliche Entzugserscheinungen, sondern durch psychische. Oder irgendwann aus Leichtsinn. Aber da kommt auch die Psyche ins Spiel, warum glaubt jemand, der meistens schlechte Erfahrungen mit dem Trinken hat, dass es nun gut wird?

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hallo ihr lieben alle!

    Puhh! In mir herrscht gerade ziemliches Chaos, weil ihr mir zurecht vor Augen führt, dass ich offensichtlich Alkoholikerin bin und es mir durch andere Begrifflichkeiten nur schönreden möchte, dass ich doch keine wäre, um der schmerzhaften Wahrheit nicht (gänzlich) ins Auge sehen zu müssen. Tja, was soll ich sagen? Ich ergebe mich und stelle mich dann wohl doch der Wahrheit und nenne es wie es ist: Alkoholikerin. Ich wollte mich dagegen wehren, aber Bolle - du hast natürlich Recht mit deiner Aussage, den Konsum nicht steuern zu können. Ich kann es nicht. Schon länger nicht mehr und wie ich es nenne ist am Ende tatsächlich wirklich egal. Fakt ist, dass ich so nicht weitermachen kann und will und einfach nur Schiss habe vor dem was kommt und was das bedeutet. Ich habe die letzten Stunden ausschließlich damit verbracht hier zu lesen und ich habe unheimlichen Respekt davor den Schritt zu wagen und dem drecks Alkohol (sorry für die Ausdrucksweise) abzuschwören. Für mich verändert das gerade alles und es stellen sich mir so viele Fragen, obwohl es eigentlich nur ein Wort ist was gerade alles in mir verändert.. Die Erkenntnis mit meinem Problem war schon vorher da, mich jetzt als Alkoholikerin zu bezeichnen macht es irgendwie noch dramatischer - auch wenn es Quatsch ist, das habt ihr mir ja inzwischen mitgeteilt und das sehe ich auch ein, aber so fühlt es sich eben gerade an..

    Ich bin so traurig und wütend zugleich, dass es soweit kam und gleichzeitig dankbar, dass ich das Gefühl habe hier Unterstützung zu bekommen und nicht verurteilt zu werden. Danke für eure Impulse - ich muss das nun alles erstmal sacken lassen. Das war viel für mich, aber es tut gut zu wissen, nicht alleine zu sein. Vor der Reise in die Abstinenz und Trockenheit habe ich einfach einen unheimlichen Respekt!

    Ich habe vor einigen Monaten aufgehört zu rauchen nach 22 Jahren und bin mit der Suchtthematik schon gut vertraut, jetzt das Ganze auf viel schlimmere und andere Art und Weise erneut und parallel durchzumachen verängstigt mich ein wenig, weil ich weiß, dass es alles andere als ein Spaziergang wird und ich keine Ahnung habe, was mich alles erwartet und ob ich es schaffen werde, aber immerhin habe ich den ersten Schritt schon einmal gewagt in die richtige Richtung und habe es erkannt. Ich hoffe mir gelingt es standhaft zu bleiben und keinen Rückfall zu haben.

    Liebe Grüße

  • Hallo Jessica,

    dass es in dir einiges auslöst, dich jetzt als Alkoholikerin zu bezeichnen, kann ich gut nachvollziehen. Das ist auch nichts Ungewöhnliches.;) Es ist eben ein Unterschied, ob ich weiß, dass ich ein Alkoholproblem habe, oder ob ich mir selbst eingestehe. Ich bin Alkoholikerin. Damit wird einem manches erst richtig bewusst.

    Und dass da erst mal einiges im Kopf durcheinandergeht, wundert mich nicht.

    Ich werde dich in Kürze für den offenen Bereich freischalten.

    Hier schon mal unsere Grunbausteiene. Sie sind die Grundlage für unseren Austausch.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Manchmal geht es schneller, als man denkt.;)

    Ich habe dich freigeschaltet und dich die richtige Stelle im Forum verschoben.

    Jetzt kannst du dich überall austauschen. Bitte in den ersten vier Wochen jedoch noch nicht im Vorstellungsbereich schreiben.

    Dann mal los!

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Danke Hartmut!
    Ich bin so aufgeregt und gleichzeitig hoffnungsvoll - es fühlt sich jetzt irgendwie so offiziell an...

    Den Hinweis, mit dem Vorstellungbereich habe ich gelesen und werde ihn selbstverständlich beherzigen.

  • Hallo Jessi und herzlich willkommen,

    da bist Du ja jetzt. Sehr schön. Ich freue mich das Du hier bist.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

    Trocken seit 11.07.2025

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