BuyMyselfFlowers - Erfahrungsaustausch zu hochfunktionalen Alkoholikern

  • Liebe Community,

    ich würde gern eure Erfahrung und Meinung zu einem Thema einholen, das mich derzeit sehr beschäftigt:

    Mein Ex-Partner hat täglich zu Hause viel getrunken. Häufig ist er schon nachmittags in seinem Büro (hier im Haus) eingeschlafen oder saß abends, mit Handy und Weinglas in der Hand, schlafend auf dem Sessel. In den letzten Monaten vor der Trennung war er häufig schon beim Abendessen so alkoholisiert, dass er sehr verändert wirkte. Ich habe daher mit meiner Tochter über die Alkoholabhängigkeit ihres Vaters gesprochen, damit sie zuordnen kann, was sie erlebt und gesehen hat.

    Irgendwann wurde mir bewußt, dass mein Ex (weil er ja ständig trinkt) auch alkoholisiert Auto fährt. Man merkt es ihm aufgrund der hohen Alkoholtoleranz allerdings nicht an. Ich habe immer darauf geachtet, dass er nicht mit unserer Tochter fährt. Nun habe ich darüber keine Kontrolle mehr, wenn sie bei ihm ist. Daher habe ich ihm deutlich gesagt, dass ich nicht möchte, dass er mit ihr fährt, wenn er getrunken hat. Da er seine Sucht aber zutiefst leugnet, hält er sich daran nicht. Meine Tochter würde nie ablehnen mit ihm zu fahren.

    Daher frage ich mich, was ich tun kann. Wäre es eine Möglichkeit, dass ich ihn bei der Polizei melde? Aber bringt das was? Vielleicht gibt es auch andere Möglichkeiten, die ich nicht sehe? Freue mich auf eure Meinung!

    Wünsche allen einen guten Start in den Tag!

  • Hey 🙂


    Ich hänge mich mal in deinen Faden rein. Stecke quasi in der gleichen Situation.

    Mein Ex fährt wahrscheinlich auch öfter unter Alkoholeinfluss.

    Wir haben geregelten Umgang, wo er die Kinder regelmäßig abholt und zurück bringt.

    Also sollte der Moment irgendwann kommen, dass ich bei der Übergabe der Kinder merke, er hat getrunken, ja dann werde ich die Polizei rufen.
    Er ist dann ja auch eine Gefahr für andere Menschen.

    Liebe Grüße

  • Hallo Buymyselfflower!

    Du machst Dir berechtigte Sorgen um Deine Tochter. Aber auch für andere Verkehrssteilnehmer ist das Risiko sehr hoch, wenn Dein Ex alkoholisiert Auto fährt.

    Leider ist er nicht einsichtig und fährt trotz allem Auto und gefährdet sich und andere.

    Eure Tochter ist 13 Jahre alt und Du hast mit ihr gesprochen, dass sie nicht mit ihm fahren soll. In dem Alter kann sie bestimmt einschätzen, was das für ein Risiko ist.

    Ist er denn überhaupt noch so viel mit dem Auto unterwegs?

    Und sollte er weiter weg wohnen, kannst Du die Tochter holen und hinbringen?

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Liebe Elly, wir wohnen eher ländlich. Da geht es ohne Auto nicht.

    Ich übernehme Fahrten, wenn ich es vorher mitbekomme. Das findet mein Ex bereits jetzt albern und anmaßend, da er seines Erachtens ja kein Alkoholproblem hat.

    Den Pegel merkt man ihm zudem nicht an. Da hat er eine hohe Toleranz entwickelt und ist geschickt, die Fahne zu vertuschen.
    Das kann meine Tochter nicht wirklich erkennen. Und das Mitfahren einfach ablehnen, das traut sie sich nicht. Hab ich schon versucht.

    Mir fällt es mittlerweile selbst schwer, seinen Zustand einzuschätzen. Ich gehe nur davon aus, dass sich sein Trinkverhalten durch den Auszug nicht geändert hat.

    Verbieten kann ich es ihm leider nicht, mit meiner Tochter zu fahren. Mein deutlicher Appell wirkt nur in Maßen.
    :/


    LG

  • Ich komme auch vom Land- da kennt doch meistens jeder jeden. Kann man da nicht dafür sorgen, dass der Herr mal ‚zufällig‘ in eine Alkoholkontrolle gerät? Muss ja gar nicht mit Kind sein- Führerschein weg reicht ja…

    Meines Wissens kann man eine Trunkenheitsfahrt auch direkt anzeigen wenn er los fährt- so kann die Polizei ihn auf frischer Tat ertappen. Ob das allerdings anonym geht weiß ich nicht (da wird das Dorf eventuell zum Nachteil).

    An seine Vernunft kann man nicht appelieren und das Kind bringt man in einen Solidaritätskonflikt…

  • Wie ist denn der Umgang überhaupt geregelt? Kann das Jugendamt nicht eingebunden werden, um solche Fahrten zu unterbinden? Gibt es Groß- und/oder Pateneltern, die evtl. unterstützen können?

    Hallo Rennschnecke, wir haben (noch) keine Regelung. Eigentlich war die Idee, dass nach den Bedürfnissen unserer Tochter flexibel zu gestalten. Das funktioniert aber leider nicht. Er hat ja so viel zu tun…
    Seit Wochen warte ich auf seinen Vorschlag, wie er regelmäßig mehr Zeit mit ihr verbringen möchte. Das ist ihr Wunsch.

    Ich gehe davon aus, dass das Jugendamt nicht viel machen kann. Ich kann ihm ja nichts nachweisen.

  • „Gibt es Groß- und/oder Pateneltern, die evtl. unterstützen können?“

    Die Patentante (seine Schwester) nimmt ihn in Schutz. Sie fand es schon unmöglich von mir, das ich Himmelfahrt eine Tour mit einem Camper-Van kurz vor dem Start unterbunden habe. Das, obwohl er an dem Tag schon vormittags getrunken hatte.

    Daraufhin hat der Patenonkel mit ihm gesprochen. Leider ohne Erfolg bzw. Einsicht. Aber gute Idee, mit ihm spreche ich nochmal.

  • Meines Wissens kann man eine Trunkenheitsfahrt auch direkt anzeigen wenn er los fährt- so kann die Polizei ihn auf frischer Tat ertappen.

    Lieber AnnaBlume, eine spontane Polizeikontrolle würde ich mir wünschen! Bisher hatte er immer Glück.
    Leider sind die Strecken, die er mit Hund und Kind fährt, in der Regel recht kurz. Ich bin nicht sicher, wie spontan die Polizei ist, wenn ich anrufe.

    Vielleicht gehe ich einfach mal zu Polizei und erkundige mich, was geht. Das Gerede im Ort würde wahrscheinlich eher ihm schaden.
    Ich glaube, anonym kann ich das nicht

  • Die Problematik an dem ganzen ist, gerade bei getrennten Eltern, dass eine „falsche“ Verdächtigung ganz schön nach hinten los gehen kann.
    Also solltest du ihn bei der Polizei melden, und ihm kann (in dem Moment) kein Alkohol nachgewiesen werden, dann kann das so ausgelegt werden, dass du den Umgang behindern möchtest.

    So wurde es mir zumindest mal gesagt.


    Aus dem Grund warte ich auch darauf wenn ich mir 100% sicher bin, dass er getrunken hat.


    Was natürlich auch geht, wenn ihn jemand „neutrales“ meldet. Vielleicht kennst du ja jemanden, der so ein bisschen mitbekommt, wenn er trinkt und dann Auto fährt.

  • Also wenn er schon morgens trinkt, dann kann es ja theoretisch immer sein, daß er mit pegel auto fährt, und damit ist die fahrt und das kind einem riskiko ausgesetzt. Je nach level, den er braucht, kann das ja immens viel werden, ohne daß du es merken würdest. Aus sicht des alkoholikers ist es kein problem, weil er ja vielleicht erst funktioniert ( und aus seiner sicht dann sicher fahren kann) wenn er auf level ist.

  • Was natürlich auch geht, wenn ihn jemand „neutrales“ meldet. Vielleicht kennst du ja jemanden, der so ein bisschen mitbekommt, wenn er trinkt und dann Auto fährt.

    Guter Punkt!

    Ich habe eine Freundin gefragt, ob sie mit zur Polizei kommen würde. Sie hat „ja“ gesagt. Sie kennt ihn sehr gut und hat ihn schon häufiger erlebt, wenn er zu viel getrunken hat. Erst kürzlich, als er am Nachmittag den Hund mit dem Auto abgeholt hat. Da hatte er schon eine ordentliche Fahne.

    Vielleicht frage ich bei der Polizei einfach erstmal, was sie mir raten würden. Für meine Vermutung, das er alkoholisiert fährt, habe ich ja gute Gründe.

  • Mich würde interessieren, wie ihr mit Menschen im eigenen Umfeld umgeht, die von der Sucht wissen aber keinen konsequenten Standpunkt einnehmen.

    In meinem Fall ist es die Patentante meiner Tochter und gleichzeitig Schwester meines alkoholkranken Ex-Partners. Ich habe mich ihr recht früh anvertraut. Am Anfang war sie sehr betroffen, hat sich über Suchterkrankung informiert und hatte immer ein offenes Ohr für mich. Nach der Trennung ist es anders. Ich bin in ihrem Haus nicht mehr Willkommen. Angeblich, weil sie ihre alte Mutter (die mittlerweile nicht mehr mit mir redet) vor dem Thema schützen will. Auch findet sie Gründe, warum alles nicht so schlimm ist bzw. mein Ex sich ja so viel Mühe gibt.

    Eigentlich will ich den Kontakt für meine Tochter aufrecht erhalten. Ihre Patentante ist für sie eine wichtige Person. Allerdings tut der Kontakt nicht gut. Jetzt überlege ich, wie ich mich verhalte. Kontakt doch (temporär) abbrechen? Oder klar ansprechen, dass ich nur Menschen in meinen Umfeld brauche, die einen klaren Standpunkt haben.

    Mich würden andere Erfahrungen und Meinungen interessieren. Kann man von Freunden und Familie eine klare Position einfordern?

  • keinen konsequenten Standpunkt einnehmen

    Was soll sie denn machen? Sie ist seine Schwester und hält jetzt zu ihm. Das würde sie wahrscheinlich auch machen, wenn es jetzt um Geld oder sonst was gehen würde. Was auch immer ihm vorgeworfen wird, wird abgeschwächt.

    Ich denke, dass Du ihn aus ihrer Sicht mit solchen "Vorwürfen" angreifst und sie will ihn schützen. Sie versteht nicht, was es bedeutet, süchtig zu sein. Auch wenn sie sich da jetzt ein bisschen belesen hat. Das berühmte "Halbwissen".

    Wie oft habe ich schon zu hören bekommen, geh doch ins ...bräu. Da gibt es auch was anderes zu trinken.

    Klar, ich gehe zum Metzger und kaufe mir da einen Brokkoli. :roll:

    Du wirst da ziemlich sicher nichts ändern können. Meine eigene Mutter ist Alkoholikerin. Gibt es nicht zu. Wahrscheinlich auch vor sich selbst nicht. Da ist nichts zu machen.

    Du kannst das Thema ganz fallen lassen und dann Kontakt. Oder keinen.

    Ändern kannst Du sie nicht.

    So sehe ich das. Vielleicht hat noch jemand eine andere Idee.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Mich würden andere Erfahrungen und Meinungen interessieren. Kann man von Freunden und Familie eine klare Position einfordern?

    Ich würde sagen nein.

    Im Freundeskreis meines Ex wissen eigentlich auch alle, dass er ein Problem hat. Aber sagen will irgendwie keiner was…

    Seine Familie ist selbst abhängig. Von denen ist erst recht nichts zu erwarten.

    Blut ist dicker als Wasser…

    Das einzige was du tun kannst ist auf dich zu achten. Und natürlich auf deine Tochter.
    Du kannst niemandem eine Meinung aufzwängen. Aber du kannst dich von Menschen zurück ziehen, die diese Meinung nicht akzeptieren wollen/können.

    So sehe ich das zumindest


    Liebe Grüße

  • Ich sehe es ähnlich wie Alex. Was soll sie machen oder was erwartest Du von ihr?

    Sie ist seine Schwester und ggf. Vielleicht in der gleichen Achterbahnfahrt wie Du. Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie mit dem Thema umgeht sowie es Deine Entscheidung ist, wie Du damit umgehst.

    Alles erwachsene Menschen und Du wolltest mit Sicherheit auch nicht, dass jemand von Dir verlangt wie Du was zu machen hat.

    Beispiel zu den Freunden meines Ex. Ich meinte wenn er so weiter macht, dann wird er noch an seinem Konsum sterben (und da war ich noch verzweifelt). Die Antwort: Ja, dann ist das so.

    Du brauchst das konkrete Statement welches Du einforderst nicht. Du hast für Dich und Deine Tochter entschieden, dass das nicht das richtige Leben war. Darum geht es.

    LG Momo

  • Sie ist seine Schwester und ggf. Vielleicht in der gleichen Achterbahnfahrt wie Du. Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie mit dem Thema umgeht sowie es Deine Entscheidung ist, wie Du damit umgehst.

    Momo, du hast vollkommen recht! Eigentlich war mit bewusst, dass sie in einer ähnlich schwierigen Situation wie ich ist. Es schwarz auf weiß zu lesen, hilft mir aber nochmal, meinen Umgang mit ihr zu überdenken.

    Vielleicht ist es genau der Punkt. Es geht gar nicht darum, was ich von ihr erwarte, sondern dass sie akzeptiert, dass ich mich von meinem Ex so stark wie möglich abgrenze.

    LG

  • Liebe Buymyselfflowers,

    Auch Ihre Akzeptanz kannst Du nicht erzwingen. Ich habe einen kompletten Kontaktabbruch bei meinem Ex durchgezogen. Das verstehen viele nicht. Nach dem Motto, jetzt kannst Du ihn ja wieder grüßen etc.

    Das können die Menschen so denken und mir auch sagen. Ich erkläre mich nicht mehr. Für mich ist klar, dass das nicht passieren wird. Ich mache das auch nicht, um ihm oder irgendjemanden zu zeigen wie ich standhaft bin, sondern für mich und meinen Seelenfrieden.

    Mir ist es egal, wie Andere das sehen. Sie können mir auch ihre Meinung sagen, das ist völlig okay, da ihre Sichtweise, meine Sichtweise ist einfach eine Andere.

    Und damit geht es mir erstaunlich gut. Kein Rechtfertigungszwang mehr.

    LG Momo

  • Mich würde interessieren, wie ihr mit Menschen im eigenen Umfeld umgeht, die von der Sucht wissen aber keinen konsequenten Standpunkt einnehmen.

    Die Frage, die ich mir gerade stelle, ist: Warum sollten diese Menschen das tun?
    Und: Was ist denn ein ,konsequenter Standpunkt?
    Will ich den Leuten nicht vielleicht auch nur meinen Standpunkt ,aufdrücken‘?

    Kann man von Freunden und Familie eine klare Position einfordern?

    Ich habe erstmal grundsätzlich Schwierigkeiten damit, wenn jemand bei irgendwem überhaupt irgendwas einfordert.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Ich finde es gut, dass hier viel Wert auf die genaue Wortwahl gelegt wird. Das ist spannend und hilfreich! Es regt mich zum Nachdenken an, was ich wirklich brauche.

    Ich will gar nichts einfordern oder erzwingen. Es geht vielmehr darum, dass ich eine Erwartung habe. Erwartungen zu äußern, finde ich selbst immer fair.
    Wird meine Erwartung nicht respektiert und ich kann damit (momentan) nicht umgehen, dann kann ich die Entscheidung treffen, zu der Personen (temporär) auf Abstand gehen.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!