Sonnenschein CoA - Ich will MEIN Leben zurück

  • Das ist so traurig. Für mich wäre nur einer der Gründe wertvoll genug um aufzuhören.

    Vor 3 Jahren wurde bei mir durch Zufall eine bösartige Zellveränderung festgestellt und ich wurde innerhalb von 4 Tagen operiert. Nach der 1. Untersuchung im Krankenhaus wurde mir nur gesagt, dass es nicht gut aussieht und wir die Ergebnisse abwarten müssten. Darauf war ich nicht vorbereitet gewesen. Ich war nur zu einer Routineuntersuchung dort. Als ich danach raus kam habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Nicht weil ich Angst hatte zu sterben. Nein. Ich habe nur an meine Kinder gedacht. Das ich für die sorgen will, sehen will wie sie erwachsen werden und selbst Kinder bekommen. Das hat mich so angespornt, dass ich das durchgezogen habe. Das war nach so vielen Jahren alles andere als leicht, vor allem mit lauter Rauchern um mich herum in meinem Alltag. Und auch gerade jetzt in dieser schweren Zeit würde ich mir oft gerne eine anzünden. Ich habe verstanden, dass Alkoholismus viel schwerwiegender ist, aber man bekommt auch viel mehr Hilfe. Warum versagt dann trotzdem jegliche Logik?

  • Warum versagt dann trotzdem jegliche Logik?

    Weil nur noch die Sucht das Leben bestimmt. Wo und wann bekomme ich Nachschub, wie entsorge ich die leeren Flaschen, wann kann ich wieder saufen?

    Es dreht sich alles nur noch um den Rausch. Und im Laufe der Zeit wird der Level immer höher, der gebraucht wird, um eine Wirkung zu erzielen.

    Und manchmal bin ich dann sogar übers Ziel hinausgeschossen und habe mich regelrecht abgeschossen. Ich konnte nichts mehr wirklich "steuern".

    Ich wusste, wenn ich jetzt nicht die Reissleine ziehe, dann saufe ich mich zu Tode. Das war vor fast 12,5 Jahren.

    An diesen Punkt kommen aber nicht alle Alkoholiker. Sie saufen sich in Grund und Boden. Jährlich versterben zig tausend Menschen aufgrund ihres Alkoholkonsums. Trotz der vielen Hilfen, die angeboten werden. Wenn der Alkoholiker nicht aufhören will, dann verstirbt er in Laufe der Zeit an den Folgen des Alkoholkonsums.

    So bitter es ist, aber das ist die ungeschönte Wahrheit, Sonnenschein!

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Ich will mal versuchen, Dir zu antworten.

    Kinder haben mich persönlich nie besonders interessiert. Meine Frau und ich kommen aus Elternhäusern, in denen die Schwierigkeiten beim Kinderhaben im Vordergrund standen. Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Eltern gerne Eltern waren. Sie waren es, weil man es halt so machte, aber an sich nervte sie es mehr, dass Kinder Geld kosten und Arbeit machen. Ich hab das so übernommen und gleich vorgebaut, dass mir das nicht passiert.

    Da will ich aber dazu einwerfen, als ich noch Anfang 20 war und mir das noch nicht so genau überlegt hatte, hätte ich mich fast mal dazu überreden lassen. Verliebt wie ich war und weil ich die Frau nicht gleich verlieren wollte, habe ich das aber nicht so direkt rübergebracht. Und ich bin überzeugt, das wäre schief gegangen. Es ist auch so schiefgegangen, aber noch rechtzeitig.

    Und auch Arbeit war für mich immer nur Mittel zum Zweck. Wegen dem Geld halt. Ich war zwar beruflich zeitenweise erfolgreich, aber im Prinzip habe ich immer nur für Wochenende und Urlaub gelebt. Für einen Job mit dem Trinken aufhören, wozu? Ich hatte gute Zeugnisse, hab ich halt gewechselt. Trotzdem habe ich erst, als ich schon Jahrelang trocken war und mich selbstständig gemacht habe, Spaß am Arbeiten gefunden. Bis da hin war es immer irgendwie eine Plagerei bei mir.
    Und ich hatte durchaus auch Hobbies, aber die wurden auch erst dadurch richtig schön, dasss man hinterher zum Trinken ging.

    Das änderte sich alles erst, als es mir selbst vom Trinken so fürchterich ging, dass ich dachte, nüchtern kann es dann doch nicht noch schlimmer sein. Ich habe dann aber auch erst mal damit gerechnet, dass ich mindestens 5 Jahre brauche, bis ich dann eingermassen damit durch bin. Hörte sich für mich nach furchtbar viel Arbeit und Leiden an, mit dem Trinken aufzuhören. Dafür musste sich das dann schon so anhören, dass es sich auch rentiert.

    Natürlich sieht das heute, lange trocken, anders aus. Aber als ich noch da war, war das für mich völlig logisch, dass man das Leben nur trinkend ertragen kann.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich finde die Sichtweise von Alkoholikern für uns Cos total spannend. Vielleicht braucht es mal einen Thread a la "Cos fragen, trockene Alkoholiker antworten".


    Ich kann dich super gut verstehen. Mir ging es am Anfang auch so. Auf der einen Seite ist da die Erleichterung, auf der anderen Seite macht man sich Sorgen und ist es ja auch gewohnt immer Infos vom Partner zu bekommen. Das wird besser. Wobei sich meine Gedanken schon noch um meinen Mann drehen.

  • Jetzt wo ich nicht mehr trinke, sehe ich vieles anders und manches trifft mich auch sehr und manchmal Weine ich um verlorene Zeit, um verlorene Menschen.

    Durch den Alkohol sah ich das nicht. Er hat mich in Watte gepackt, alles fern gehalten und half beim ignorieren.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Vielleicht braucht es mal einen Thread a la "Cos fragen, trockene Alkoholiker antworten".

    Das gab es schonmal, das ist aber schon viele Jahre her. Ich habe mit der Suche nichts mehr gefunden. Wenn die trockenen Alkoholiker einverstanden sind könnte man so einen Thread ja nochmals ins Leben rufen.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Jetzt wo ich nicht mehr trinke, sehe ich vieles anders und manches trifft mich auch sehr und manchmal Weine ich um verlorene Zeit, um verlorene Menschen.

    Gäbe es da nicht die Option wichtige Menschen aus der Vergangenheit nochmal zu kontaktieren? Kann ja auch per Entschuldigungsbrief sein

  • Hey Sonnenschein,

    da Auf- und Abtauchen hier schon sehr lange an der Tagesordnung ist, schicke ich Dir liebe und solidarische Grüße. Ist natürlich hart für Kinder, so mit der Realität von Papas Sucht konfrontiert zu werden, aber Du bist ihr sicherer Hafen, unumstößlich, und das zählt letztlich. Vielleicht immer wieder mal möglichst ruhig und ohne Abwertung mit den Kindern drüber sprechen, warum er zurzeit keinen regelmäßigen Kontakt halten kann - und dass sie natürlich keine Schuld tragen, aber bestimmt machst Du das eh.

    Ich find das gar nicht erbärmlich, dass auch mal sowas wie Trauer, Sehnsucht hochkommt. Es gibt so Tage, da vergieße ich auch mal paar Tränen. Er ist ein Mensch, für den Du mal positive Gefühle hattest. Ich ruf mir dann die anstrengenden Situationen mit xy in Erinnerung, dann ist diese Phase oft vorbei. Oder gehe mit dem Hund, das hilft fast immer 🙂 Hast Du auch so einen "Anker" für solche Momente?

  • aber man bekommt auch viel mehr Hilfe. Warum versagt dann trotzdem jegliche Logik?

    um sich Hilfe zu holen, muss man erst mal Hilfe wollen. Und das setzt schon mal voraus, dass man aufhören will.
    Da kann ich Dir ganz sicher sagen, ich wollte nicht aufhören und ich wollte definitiv keine Hilfe.
    Sondern Hilfe wurde mir lange höchstens gegen meinen Willen aufgedrängt, was ich durchaus feindselig quittiert habe.
    Für einen aktiven Trinker fühlt es sich nicht so an, als ob man ihm helfen will. Sondern es fühlt sich so an, als ob man ihm etwas wegnehmen und verbieten will, was ihm sehr wichtig ist.

    Und damit war ich ganz sicher kein Einzelfall.
    Mach Dir mal keine Hoffnungen, dass es das als Gefallen ansieht, dass Du ihn davon abbringen willst.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Danke LK, dass du dir so viel Mühe gibst mir das verständlich zu machen.

    Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Eltern gerne Eltern waren. Sie waren es, weil man es halt so machte, aber an sich nervte sie es mehr, dass Kinder Geld kosten und Arbeit machen.

    Und auch Arbeit war für mich immer nur Mittel zum Zweck. Wegen dem Geld halt. Ich war zwar beruflich zeitenweise erfolgreich, aber im Prinzip habe ich immer nur für Wochenende und Urlaub gelebt.

    Aber diese beiden Aussagen sind schon allein sehr traurig. Das wünsche ich niemandem.

  • Ich finde die Sichtweise von Alkoholikern für uns Cos total spannend. Vielleicht braucht es mal einen Thread a la "Cos fragen, trockene Alkoholiker antworten".

    SummerSun das geht mit genauso. Und danke an alle Alkoholiker hier, die sich freiwillig den Fragen der Co‘s stellen.

    Wenn die trockenen Alkoholiker einverstanden sind könnte man so einen Thread ja nochmals ins Leben rufen.

    Das fände ich spitze. Da wär ich dabei. Ich trau mich immer nicht so recht bei den „Anderen“ zu schreiben. Da lese und lerne ich immer nur. 🤭

  • Das fände ich spitze. Da wär ich dabei. Ich trau mich immer nicht so recht bei den „Anderen“ zu schreiben. Da lese und lerne ich immer nur. 🤭

    Wir beraten gerade wie wir es am Besten machen aber es klappt:)

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Es gibt schon so einen Thread im offenen Bereich.

    Fragen an einen Alkoholiker - Erste Schritte für Angehörige und Co Abhängige - Alkoholiker Forum

    Diesen habe ich oben angepinnt und Ihr könnt dort erstmal stöbern und dann auch weitere Fragen stellen. Wir antworten Euch gerne!

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hartmut
    15. Januar 2018 um 23:18

    Es befindet sich ganz oben in diesem Bereich, da gibt es auch schon viel zum Lesen und fragen können dort alle.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Ich ruf mir dann die anstrengenden Situationen mit xy in Erinnerung, dann ist diese Phase oft vorbei. Oder gehe mit dem Hund, das hilft fast immer 🙂 Hast Du auch so einen "Anker" für solche Momente?

    Hallo EllaDrei,

    Danke für deine Nachricht. Das habe ich heute auch versucht. Die letzten schlimmen Situationen aus dem Hirn gekramt und mir überlegt, wie schlimm es noch werden könnte. Dann alles aus dem Sichtfeld geräumt, was mich triggert. Seinen getragenen Pulli gleich in die Waschmaschine geschmissen, damit er mich nicht wieder zum Schnüffeln verleitet. Dann harte Techno Music an (damit ja nichts kommt, was wieder Tränen verursacht) und dann werkeln und putzen bis zum Umfallen. Einen Hund habe ich leider nicht. Und meine Katzen kommen nur zum Schmusen, weil sie meinen Gemütszustand spüren. Die sind keine große Hilfe bei so was. 🫣😅

  • Ich finde das alles halb so wild. Ich habe unter meiner Sauferei ausser in den letzten Wochen nicht wirklich gelitten, ich habe gerne getrunken.

    Jede dritte Ehe wird geschieden, ob Alkohol oder nicht. Alle kommen irgendwann drüber weg.

    Und die Tage erst habe ich die Ergebnisse einer Umfrage gelesen. Bei der Mehrheit der Berufstätigen sinkt die Zufriedenheit innerhalb 4 Wochen nach dem letzten Urlaub auf 2, 6 oder so. jedenfalls unter 3 von 5 Sternen. Wenn bei Google ein Restaurant nur unter drei Sternen hat, würde ich da nur im äussersten Notfall zum Essen hingehehen.
    Ich kannte in meinen ganzen Jobs hauptsächlich Leute, die höchstens mässig begeistert waren. Jeder sagt, muss halt sein. Natürlich gibt es auch welche, die sich zu irgendwas berufen fühlen, was der Begriff Beruf ja eigentlich aussagt. Auch da kenne ich wenige, die ticken aber eindeutig anders als ich.
    Das jemand keine Lust zum Jobben hat. würde kein Therapeut als krankhaft ansehen. sondern eher als ganz normal. Ich hab mich schon mal drüber unterhalten.

    Das ist Normalität, aber für sich nicht spannend genug, um mit dem trinken aufzuhören.

    Ich habe bei Dir jetzt nicht alles gelesen, aber es ist doch so, dass Du an Deinem Leben etwas ändern willst, und er nicht an seinem. Vermutlich leidest Du mehr darunter als er. Und deswegen sollte es mehr um Dich gehen.

    Also geht es mir nur drum, Dir zu sagen, dass es auf den Standpunkt ankommt, wie man etwas sieht. Für ihn sieht es vermutlich ganz anders aus als für Dich, und daran wirst Du absolut nichts ändern können. Für Dich geht es ums loslassen können, und ich kann besser loslassen,wenn ich mich in den Standpunkt des Anderen versetzt habe. Der Punkt ist schon, dass Alkohol eine Droge ist. Eine Droge ist aber u.A. deswegen gefährlich, weil die Wirkung angenehm ist. Und an dieser Wirkung habe ich festgehalten, bis es nicht mehr angenehm war. Dazu kommt aber auch noch eine gewisse Sturheit, muss doch gehen ... die beim Aufhören dann aber auch nützlich ist.

    Mit meiner Frau habe ich mal rausgearbeitet, dass das nicht Persönliches zwischen uns war. Der ganze Konflikt kam ursprünglich aus unterschiedlichen Standpunkten zu meiner Trinkerei, das wurde erst bösartig als es verbissener wurde.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Oh LK, da sind zwei interessante Charaktere aufeinander getroffen. 😉 Da scheinen wir beide an unterschiedlichen Polen zu leben. In deinem Text hört sich „dein Glas immer halb leer an“. Meines ist immer mindestens halb voll. Und wenn es einmal völlig leer sein sollte, dann hat das in meiner Welt einen Sinn, der sich mir noch erschließen wird. Ich bin lebensbejahend. Jeden Tag genießen. Und da gehört es auch dazu, dass man seine Arbeit mag. Da verbringt man schließlich einen Großteil seiner Lebenszeit. Und wenn man unzufrieden ist, muss man was ändern.

    Was würdest du tun wenn du im Lotto gewinnst? Dieses Thema konnte ich mit meinem Mann totdiskutieren. Ich würde trotzdem noch arbeiten gehen, nur weniger. 🫣

  • Ganz praktisch muss ich nicht mehr arbeiten und ich pflege meinen Unruhestand. Also irgendwas mache ich schon, läuft aber nicht unter Erwerbsarbeit.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Nachdem sich meine Frau und ich selbstständig gemacht hatten, hatte ich schon Lust zum arbeiten. Wir haben unsere Hobbies mit den Berufserfahrungen zusammen zum Beruf gemacht.
    Ich bin aber schwerbehindert und war vor ein paar Jahren schwer krank - nicht wegen Alkohol - und da bin ich aus meiner Firma ausgestiegen.
    Damit geht es mir ziemlich gut.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Das klingt so, als wärst du am Ende doch noch angekommen.

    Du hast etwas geändert, um beruflich zufriedener sein. Und als es dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging, hast du wieder nach einer Lösung gesucht. Klingt gut.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!