Felicitas<> - Partner, Quartalstrinker hat sich nach 8 Jahren getrennt und ist plötzlich trocken

  • Normalerweise trennt sich der Co-Abhängige vom Abhängigen und ich bin einfach irritiert über diesen abrupten Trennungsvorgang

    Das ist nicht richtig.

    Du kannst hier auch in einigen Fäden lesen, dass der Abhänginge sich vom Co ganz abrupt getrennt hat.

    So ein Co kann nämlich ziemlich "nervig" werden, wenn er denn mal anfängt Grenzen zu setzen. Für den Abhängigen ist es mehr als wichtig in Ruhe zu saufen. Das steht an erster Stelle.

    Ich zum Beispiel wurde von meiner Süchtigen Ex Familie von jetzt auf gleich vor die Tür gesetzt.

    Und bis heute habe ich noch von niemandem von denen selbst gesagt bekommen warum.

    Ich kann nur mutmaßen, dass es daran lag, weil ich ungemütlich geworden bin. Ich habe klare Grenzen gesetzt und ihnen den Spiegel vorgehalten. Tja, dann musste ich, der Störfaktor ganz schnell aus dieser Familie verbannt werden.

    Was dich dazu bewegt, so eine schlimme Nachricht zu schreiben, weißt nur du. Wenn man nichts nettes zu sagen hat in einem Forum, wo Menschen nach Hilfe suchen, sollte man still sein.

    Ich finde an dieser Nachricht nichts schlimmes.

    Man versucht dir hier zu helfen. Es ist ein Selbsthilfe Forum. Der Fokus sollte auf dir liegen.

  • Normalerweise trennt sich der Co-Abhängige vom Abhängigen und ich bin einfach irritiert über diesen abrupten Trennungsvorgang

    Nein, das ist nicht so. Solange ich noch getrunken habe, habe ich mich auch von Partnern getrennt, weil ich das Herumkritisieren wegen meiner Trinkerei nicht mehr ertragen wollte.

    Ich habe mir jemanden gesucht, der das nicht gemacht hat, es tolerierte und im besten Fall auch mal mitgetrunken hat.

    Trocken wurde ich erst, als ich selbst soweit war, nicht weil jemand anderes es eingefordert hat.

    Liebe und Sucht passen nicht zusammen und sollten unabhängig voneinander betrachtet werden. Während meiner aktiven Saufzeit war der Alkohol mein Partner, und der damalige Partner war nur so lange gut, wie er sich nicht als die Nummer eins aufspielte. Nun habe ich einfach alles abserviert, was störte oder meine Sucht in Gefahr brachte.

    Aus heutiger nüchterner Sicht für mich nicht mehr nachvollziehbar.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich habe es von einer alten Alonymfreundin gehört ,dass es öfters zu Trennungen von trockenen Alkoholiker kam,

    nachdem sie trocken geworden sind weil der Partner nicht an seiner Coabhängikeit gearbeitet hat.

    Mariexy

  • Ich habe es von einer alten Alonymfreundin gehört ,dass es öfters zu Trennungen von trockenen Alkoholiker kam,

    nachdem sie trocken geworden sind weil der Partner nicht an seiner Coabhängikeit gearbeitet hat.

    Ich glaube, als Verlassener macht man sich auch etwas vor und sucht nach dem Warum und Wieso, was verständlich ist. Eine Trennung ist jedoch ein längerer Prozess, der nicht im Hauruckverfahren gemacht wird.

    Es sammelt sich vieles an, das in der nassen Zeit vielleicht durch das Saufen "getrübt" wurde. Beim Trockenwerden bekommt man jedoch einen klaren Blick für sich selbst und die Zukunft.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Und jetzt: zurück zu Dir, Felicitas.

    Möchtest Du Dich vielleicht hier damit auseinandersetzen, wie Du in diese Situation gekommen bist, warum Du meintest, all die Jahre dich aufopfern und alles verzeihen zu müssen? Hast Du das vielleicht in Deiner Familie nicht anders erlebt?

  • Was mir bei zu deiner Geschichte einfällt, liebe Felicitas sind mehrere Punkte:

    1. Immer, wenn du da warst hat er nicht getrunken - warst du weg, fing er an, da denke ich stark, das er einfach ein Alkoholproblem hat, was er ausgelebt hat, als du nicht da warst. Das hat nichts damit zu tun, das er einsam war. Wenn er wirklich ein Alkoholproblem hat und das tiefliegend ist, hat er nur für dich still gehalten und allein das die Sucht ausgelebt, weil er es brauchte - das Ganze hat aber nichts mit dir zu tun, das sind seine Probleme, die er nun versucht alleine anzugehen.

    2. Warum bist du traurig, wenn er gesund wird und sich um sich selbst kümmert? Warum depremiert dich das so? Er hat sich vorerst von dir getrennt, dennoch habt ihr Kontakt, was bedeutet das er im Endeffekt eine Auszeit für sich nimmt um an sich selbst zu arbeiten und weg vom Alk zu kommen. Klar, kann ich auch nachvollziehen, das dich das runter zieht und er ohne dich nüchtern zu sein scheint - aber ist es nicht wunderbar, das er seine Probleme erkannt hat und daran arbeiten will?

    3. Eine Trennung ist immer unschön, vorallem für den Verlassenen, wo die Welt plötzlich Kopf steht. Allerdings, wie du hier im Forum zugenüge lesen kannst, ist eine Beziehung mit einem Alkoholerkrankten ohne Krankheitseinsicht nichts Positives und wirklich kein Dauerzustand. Das macht einen selbst als Co-Abhängigen krank.

    4. Es ist sehr gut für ihn, wenn er wirklich an seiner Erkrankung für sich selbst arbeitet, denn es ist SEIN Problem, SEINE Sucht und nicht deine. Für dich verständlich schade, das er nur ohne dich diesen Weg für sich jetzt geht, aber gleichzeitig ist es für ihn der Weg zu sich selbst zu kommen und Zeit für sich zu nehmen. Ihr steht noch in Kontakt, weshalb er mit dir als Person nicht endgültig abgeschlossen hat und dich immer noch an seinem Leben teilhaben lässt und noch vorsichtig gesagt "respektvoll" mit dir um geht. Auch wenn es merkwürdig ist, das er sich erst trennt und immer noch mit dir in engem Kontakt steht, das müsst ihr für euch sehen, ob das so gut ist oder ob es vorallem für dich besser wäre auch mal eine Auszeit für dich selbst zu nehmem, vorallem wenn du dich als Co-Abhängig bezeichnest und selbst zur Ruhe kommen musst. Lass dich auf alle Fälle nicht von ihm warm halten oder ausnutzen und rede dir auf keinen Fall irgendein schlechtes Gewissen ein - es ist seine Sucht, sein Verhalten und du kannst da ob in einer Beziehung oder nach einer Trennung wenig machen.

    5. Genau und jetzt kommst du: Wieso warst du mit einem Alkoholabhängigen zusammen, warum hast du sein Verhalten die lang Zeit toleriert und warum fühlst du dich jetzt so schlecht? Weil er dich verarscht hat oder weil du sein Verhalten zu lange mitgemacht hast, ohne an dich zu denken, was es mit dir macht? Du leidest sehr unter der Frage, warum er ohne dich seit ein paar Wochen nüchtern ist, das wissen wir hier leider nicht, vllt weil ihm die Sauferei selbst nicht mehr gut tut? Oder weil er's dir nur so verkauft und er immer noch trinkt oder oder

    6. Was kannst du jetzt machen, um die Trennung zu verarbeiten? Sei mal ehrlich zu dir selbst, welche Gefühle hattest du in der Beziehung und was vermisst du jetzt plötzlich? Was kann dir jetzt wieder Kraft geben und beim Verarbeiten helfen? Was tut dir gut? Du solltest mal nicht an ihn denken, was er jetzt so macht, sondern dich wieder an 1ste Stelle stellen. Was er macht und wies weiter geht, werden wir dir hier leider auch nicht beantworten können. Aber du solltest den Fokuss wieder auf dich richten und evtl, das entscheidest du, den Kontakt mal etwas distanzieren um für dich Klarheit zu bekommen.

    Das waren jetzt meine Gedanken, wünsche Dir alles Gute

    Einmal editiert, zuletzt von Lila77 (10. Dezember 2024 um 00:03)

  • Herzlichen Dank für deine ausführlichen und lieben Zeilen. Das hilft mir sehr.

    Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn er trocken wird ohne mich.

    Es ging mir eher um meine mir so stark eingetrichterte Schuldfrage.

    Das ich glaubte, es wäre meine Schuld ,dass er trinkt - eben weil er ohne mich nichts getrunken hat nach der Trennung.

    Leider ist dies aber schon wieder vorbei. Er hat gestern so heftig getrunken, dass er besoffen Auto gefahren ist und dann mehrere Stunden auf der Polizeiwache verbracht hat. Jetzt mache ich mir wieder große Sorgen, obwohl er mich ja aus seinem Leben entfernt hat.

    Ich bin mir meiner eigenen Irrationalität bewusst, kann es aber nicht abstellen, mich zu sorgen.

    Wir stehen wir im täglichen Kontakt. Er ist sehr wechselhaft und spricht einmal fast von bereuen, dann wieder,wie gut es ihm tut ,mal allein zurecht zu kommen. Ich wünsche ihm sehr, dass er los kommt und hoffe (leider) insgeheim auf einen Restart mit einem trockenen Alkoholiker. Es ist nicht gesund, ich weiß das.

  • Ich wünsche ihm sehr, dass er los kommt und hoffe (leider) insgeheim auf einen Restart mit einem trockenen Alkoholiker. Es ist nicht gesund, ich weiß das.

    Das kenne ich auch. Diese Hoffnung.

    Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, es ist zuviel passiert, zuviele Lügen, zuviel Enttäuschung, zuviel Verletzung.

    Eine erfüllende Beziehung braucht Vertrauen.

  • Hallo zusammen,

    nachdem er nun leider einen größeren Absturz hatte, wurde ihm der FS entzogen wegen Trunkenheit am Steuer. Das beruhigt mich erstmal, dass er nicht mehr Auto fahren kann. Nun fällt er aber wieder sofort in die Muster, "du bist schuld, du hast mir nicht genug deine Liebe gezeigt, deshalb musste ich mich trennen". Ein paar Tage vorher war er schon ziemlich einsichtig und hat erkannt, dass es vielleicht doch ganz andere Gründe für das Beziehungsende gab als nur die Schuld bei mir zu suchen. Habt ihr auch die Erfahrungen gemacht, dass eure Partner, die getrunken haben, sich nie geliebt gefühlt haben. Obwohl ich immer und immer wieder verziehen und seine Hand gehalten haben nach jedem Absturz? Erkennt ein Alkoholiker dies nicht als Liebe an?


    Liebe Grüße

  • Habt ihr auch die Erfahrungen gemacht, dass eure Partner, die getrunken haben, sich nie geliebt gefühlt haben.

    Jetzt bin ich selbst die Alkoholikerin (nie mit Co an meiner Seite und in diesem Forum erst seit 1,5 Jahren, abstinent noch weniger).

    Was mir jedoch immer wieder in meiner laienhaften Wahrnehmung auffällt, ist oft ( nicht immer) eine gewisse Opferhaltung (bei Alkoholikern, aber auch bei COs): Das Leben ist so kompliziert / ist/war so böse zu mir, da musste ich ja irgendwann (co-)abhängig werden ...

    Diese Herangehensweise sehe ich auch oft, wenn es im therapeutischen Umfeld darum geht, die "Suchtgeschichte" aufzuarbeiten und vorzustellen. Da wird m. E. Etwas zu simpel mit dem Ursache-Wirkungs-Prinzip argumentiert.

    Dabei will ich auf keinen Fall die Probleme kleinreden, die manche hier zu bewältigen hatten und haben, im Gegenteil. Wichtig ist m. E. Jedoch, immer zu beachten: Nicht die Schwere und Häufung der individuellen Probleme macht irgendwann unweigerlich abhängig, sondern die Tatsache, dass jemand keine besseren Bewältigungsstrategien gelernt bzw. Gesehen hat.

    Und was ich für mich schon früh festgestellt habe (hat mich leider nicht vor der Sucht bewahrt): ein bisschen Selbstmitleid aus aktuellen Anlass ist mal ganz ok, wenns kein anderer für mich übrig hat - solange ich darin nicht versinke und handlungsunfähig werde bzw. in selbstschädlichem Verhalten verharre.

    Dein Ex sucht anscheinend krampfhaft eine Begründung, warum er gar nicht anders kann, als zu trinken....

  • du bist schuld,

    Er sucht einen anderen Schuldigen für seinen Konsum. Das kommt sehr häufig vor. War bei mir auch so.

    Beiß Dich nicht an der Begründung fest. Diese ist individuell austauschbar. Wenn es nicht das ist, ist es etwas anderes.

    dass jemand keine besseren Bewältigungsstrategien gelernt bzw. Gesehen hat.

    Genau das ist das eigentliche Problem.

    Erst ist Alkohol die Lösung zur Bewältigung der Probleme. Dann, nachdem ich abhängig war, "benötigte" ich Probleme, oder sagen wir besser Gründe, um zu meinem Lösungsmittel greifen zu können. (Lösungsmittel finde ich sehr passend. Denn das ist Alkohol. Besonders beim Putzen)

    Du kannst seine Begründung also getrost in die Tonne kicken. Und wenn Du sie wegdiskutieren könntest, findet sich eine neue.

    Eine Frage. Seine Hand halten und im Verzeihen, nach einem weiteren Absturz. Wie hat sich das für Dich angefühlt?

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • PS: wie wäre es, wenn Du demnächst den Titel Deines Fadens mithilfe eines Mods aktualisieren lassen und dabei aus Deiner Perspektive umformulieren würdest, Felicitas?

    Z. B. "Nach acht Jahren Beziehung plötzlich von Alkoholiker verlassen"? Eines Tages kannst Du dann vielleicht sogar positiv und zukunftsorientiert formulieren, mit dem, wo Du hin möchtest ...

  • Ganz, ganz übel, was er jetzt mit dir anstellt. Er redet dir jetzt ein schlechtes Gewissen ein... Wie oft habe ich von meinem Ex gehört, das ich ihn zu wenig lieben würde, das wenn ich ihn wirklich lieben würde, es doch alles verstehen und annehmen müsse, wie es eben ist - das war reinster Psychoterror, wenn ich darüber nachdenke, wird mir bis heute ganz anders und ich bin mehr als dankbar es aus der Beziehung rausgeschafft zu haben.

    Ganz genau, er ist ein nasser Alkoholiker, der nach seinen 3. Wochen "Nüchternheit" wieder in alte Muster verfällt und ohne dich mal so richtig. Führerscheinentzug ist ein riesiges Zeichen für dich, das er ein Alkoholiker ist. Und ich kann dir nur aus Erfahrung sagen, egal wie sehr es im Herzen schmerzt, finde den Absprung und distanziere dich von ihm. Die Vorwürfe und verbalen Angriffe können in nassen Zeiten wirklich abscheulich werden und das muss niemand und du dir nicht antun! Solange er keine Einsicht hat und etwas an seiner Alkoholproblematik ändert, das er eigenständig etwas TUT, hast du das Feld zu verlassen. Er kann reden wie er will, die Schuld jedem geben wem er will, es ändert nichts daran, das er süchtig nach Alkohol ist und dich mit runterziehen wird, ehe du nicht dich selbst schützt. Und da brauchst du kein schlechtes Gewissen oder irgendetwas anderes haben. Es bringt auch nichts ihn unter Druck zu setzen und Anforderungen/Bedingungen zu stellen, nehm dich da einfach raus. Er hat die Beziehung beendet, damit er weiter in Ruhe seine Sucht ausleben kann, wie klingt das? Und dahin solltest du nicht zurück gehen, egal wie groß der Herzschmerz ist, es wird nicht besser werden, vllt sogar schlimmer und wenn du zurück gehst, lebst du weiter in einer Beziehung in der er den Alkohol immer vor dir stellen wird und jetzt ganz genau weiß, wie er dich wieder zurück kriegen kann, er manipuliert dich und nutzt deine Liebe zu ihm völlig aus.

    Hätte er eine Krankheitseinsicht bisher gehabt, hätte er seinen Führerschein nicht aufs Spiel gesetzt, so etwas tut man nämlich nicht.

    Bitte versuche dich von ihm zu distanzieren, für dich selbst und stärke dich ganz positiv, damit seine Worte dich nicht zum Einsturz bringen und immer mehr Verletzungen entstehen.

  • Darf ich dich etwas fragen? Er scheint alles zu verlieren gerade. Erst trennt er sich und ist dann tagtäglich irritierend, einmal ist es keine Trennung sondern nur eine Bitte um Zeit. Das andere Mal habe ich ihm keine liebe gezeigt. Dann fragt er mich nach sexy Fotos. Dann betrinken er sich, so dass er einen Unfall mit dem Auto baut und auf der Polizeiwache landet. Nun ist er noch im Begriff sein Unternehmen zu verlieren, weil er nicht arbeitet. Alles sieht für mich wie ein Rennen auf den Abgrund aus. Ich bin seine Bezugsperson nach wie vor, allen anderen lügt er vor, es ginge ihm gut und sein Therapeut flüstert ihm komische Dinge ins Ohr und erkennt nicht, dass er es mit einem Quartalstrinker zu tun hat. Es heisst doch erst trocken, dann Therapie- oder? Würdest du als Betroffene dir wünschen, dass du so richtig hart aufknallst- ohne Job, Familie und vielleicht bald im Gefängnis oder wäre die bessere Hilfe Unterstützung? Ich habe Angst vor einem Anruf, dass er gestorben ist. Weil er sich zu Tode gefahren oder gesoffen hat, weil er alles verloren hat...

  • Guten Abend Felicitas,

    ein nasser Alkoholiker lebt in seiner eigenen Welt. Er sieht alles mit anderen Augen, als wenn er schon abstinent wäre.

    Du kannst nichts ausrichten. Hilfe durch Nichthilfe ist hier am besten.

    Die Einsicht, dass er Alkoholiker ist, muss in ihm selbst entstehen. Und nur er selbst kann die Alkoholsucht zum Stoppen bringen. Nichts und niemand wird ihn "bekehren".

    Und Du, wo bleibst Du bei dem Ganzen?

    Es regt Dich auf und nimmt Dich mit, weil Du alles mitbekommst. Wieso lässt Du den Kontakt weiterhin zu, wenn er doch die Beziehung beendet hat?

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Felicitas,

    ich schreib dir doch mal meine Gedanken dazu, denn es tut mir schon beim Lesen deines Fadens weh, was du gerade alles mit dir machen lässt.

    Mal unabhängig von seinem Alkoholproblem - er trennt sich und stößt dich weg, was dich unheimlich verletzt und dich in Verzweiflung stürzt. Statt dir die Möglichkeit zu geben, dich mit der Trennung abzufinden, zu trauern, sie zu verarbeiten und danach wieder in ein besseres, unbeschwerteres Leben zu starten, sucht er dauernd Kontakt und du sollst weiterhin seine exklusive Vertrauens- und Bezugsperson sein. Ihr seid doch getrennt, welche Ansprüche kann er da noch an dich stellen? Genau, gar keine! Ich wäre da zu stolz für, weiterhin sein Seelentröster zu sein, er hat schließlich mit dir Schluss gemacht.

    Damit hält er dich aber wie an einer unsichtbaren Leine doch irgendwie auf emotionaler Sparflamme in seiner Nähe, um seinen Seelenmüll bei dir abzuladen und dir darüber hinaus auch noch Vorwürfe und Schuldgefühle zu machen, dass er sich nicht von dir geliebt gefühlt hat und du alleine für die Trennung verantwortlich bist.

    Obwohl du wie du schreibst alles uneingeschränkt für ihn tust trotz der Tatsache, dass du dir damit weh tust und schadest. Er produziert ein ständiges hin und her, ja, nein, vielleicht, getrennt, aber nur ein bisschen, heute hü, morgen hott. Was dich verständlicherweise total verwirrt, dich aber bei der Stange hält und du dir wieder Hoffnung machst. Während er dich schamlos ausnutzt wie ich finde.

    Und dich nach der Trennung nach sexy Fotos zu fragen? Bitte was? Was soll das denn? Ich will dir nicht zu nahe treten, aber bin sprachlos, dass du da nicht mal auf den Tisch haust und den Kontakt abbrichst. Das ist doch total unverschämt.

    Er klagt dir sein Leid, macht keinen klaren Cut und hält dich damit in Abhängigkeit, weil er ja weiß, du springst für ihn trotz Trennung, weil du ihn noch so liebst und ihn um jeden Preis zurück willst.

    Du machst dir dauernd Sorgen um ihn, kommst so gar nicht mehr zur Ruhe und vergisst darüber deine Selbstfürsorge. Das kenne ich nur allzu gut, man wird nahezu aufgefressen von diesen Gedankenspiralen, die sich immer nur um ihn drehen, dabei ist es so wichtig, auf sich zu achten. Von diesem Dauerstress und ständigem Alarmzustand wird man irgendwann krank.

    Vielleicht schaffst du es die Situation mal mehr aus deiner Perspektive zu betrachten, warum tust du dir das an? Ich finde, es liest sich grausam, was er mit dir macht bzw. was du mit dir machen lässt. Du hast ja selber schon geschrieben, wie ungesund das ist. Fehlt nur noch die Umsetzung dieser Erkenntnis und für dich ins Handeln zu kommen.

    Du hast doch auch einen Selbstwert, unabhängig von ihm, oder? Du hast geschrieben, du hast ihm alles geopfert, u.a. deinen Kinderwunsch, du wohnst wo er will, du hast alle seine Eskapaden mitgemacht. Wo bleibst du denn in dem Bild mit deinen Bedürfnissen, Träumen, Wünschen und deinem Recht auf ein erfülltes, ruhiges und glückliches Leben?

    Er wollte sich trennen und für sich selber sein, dann lass ihn doch jetzt auch diese Verantwortung für sich tragen, der Kontakt zu ihm tut dir offensichtlich gar nicht gut und du kreist nur um ihn. Er ist erwachsen und darf für sich entscheiden in sein Unglück zu rennen, du musst dich doch nicht auch mit in den Abgrund stürzen? Du hast ebenso eine Wahl und entscheidest für dich, was du mitmachst.

    Hast du mal daran gedacht, dir für dich Hilfe zu suchen (Suchtberatung für Angehörige, Frauenberatungsstelle o.ä.)?

    Ich wünsche dir die Kraft, für dich einzustehen, deinen eigenen Wert und deine Selbstliebe wieder zu finden und Grenzen zu ziehen, um dich zu schützen, statt dir dieses Drama, das sich ausschließlich um ihn dreht, weiterhin anzutun.

  • Liebe Felicitas,

    ich schließe mich dem, was Bleibenodergehen vor mir geschrieben hat, vollumfänglich an, bitte lies es Dir immer mal wieder durch und lass es auf Dich wirken, wie deinen ganzen Faden...

    Ja, es ist schlimm, dass er seine Gesundheit und Existenz aufs Spiel setzt, aber noch schlimmer finde ich es, wie Du auch in diesem Strudel unterzugehen drohst (und das kenne ich von mir, als ich vor vielen Jahren in Bezug auf ein Geschwister mit einem anderem Suchtmittel co-abhängig war, hab ich hier evtl. Auch schon geschrieben. Da hätte ich fast meine Ausbildung versemmelt, weil neben der Sirge um mein Geschwister alles so bedeutungslos schien).

    Zu Deinen Fragen an mich (die mich ehren):

    und sein Therapeut flüstert ihm komische Dinge ins Ohr und erkennt nicht, dass er es mit einem Quartalstrinker zu tun hat.

    Klingt für mich eher danach, als wäre Dein Ex dem Therapeuten gegenüber nicht komplett aufrichtig bzw. Eher manipulativ unterwegs, damit er entsprechende Antworten bekommt. (Lese ich hier öfter, funktioniert oft, weil die meisten Therapeuten keine eigene Suchterfahrung haben. Oder aber er ist Dir gegenüber nicht ganz ehrlich oder beides.)

    Es heisst doch erst trocken, dann Therapie- oder?

    Erst entgiftet und absolut gewillt, lebenslang abstinent zu bleiben,damit irgendwann mal eine zufriedene Trockenheit daraus wird, ja.

    Eine Trinkpause reicht dafür nicht, zumal der Körper je nach Vorgeschichte einige Monate braucht, um sich vom Zell- und Nervengift halbwegs zu regenieren.

    Therapie in dieser Anfangszeit sollte sich um die Festigung der Abstinenz drehen, die Aufarbeitung der Kindheit etc. Kann ggf. Später erfolgen.

    Würdest du als Betroffene dir wünschen, dass du so richtig hart aufknallst- ohne Job, Familie und vielleicht bald im Gefängnis oder wäre die bessere Hilfe Unterstützung?

    Ich glaube, dem liegt ein Missverständnis zugrunde: Ein Alkoholiker muss nicht notwendigerweise erst an seinem persönlichen TIEFpunkt ankommen und alles verlieren, bevor er (vielleicht) zur Besinnung kommt (nicht wenige geben sich dann erst recht auf).

    Vielmehr geht es um den persönlichen WENDEpunkt, der schon viel früher eintreten kann, z. B. durch ein einschneidendes Erlebnis. Bei mir waren es Medienberichte über prominente trockene Alkoholiker, die ihre eigene Lebensgeschichte aufgeschrieben hatten. Daraus lernte ich, due aber schon eine Unzufruedenheit mit ihrem nassen Zustand ebtwickelt hatte, ibeohl ich scheinbar nich funktionierte: Ein Leben ohne Alk ist ja gar nicht langweilig, ewiger Kampf oder trostlos (was mir die Sucht immer eingeredet hatte, um mich bei der Flasche zu halten), im Gegenteil.

    Und da lautet die unangenehme Wahrheit: Solange Du ihn zu "unterstützen" versuchst, indem du immer für ihn erreichbar bist, egal, wie arschig er sich verhält, und Dir alles bieten lässt, kann dieser Wendepunkt nicht eintreten, denn er kommt ja scheinbar noch "irgendwie" klar.

    Wie soll da die Erkenntnis bei ihm reifen, dass es so nicht weitergehen bzw. nur nach unten gehen kann?

    Und das kannst du ja auch mit aller Liebes- und Leidensfähigkeit nicht verhindern, dass Firma und Existenz von ihm den Bach runtergehen, wenn Du nicht gerade Lottomillionär bist.

    Das ist mit Hilfe durch Nichthilfe und " in Luebe loslassen" gemeint: seine einzige Chance (ohne Garantie), aufzuwachen und endlich Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

    Lauf, Felicitas, lauf! Jetzt bist du mal dran!

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