Schwesti - Vorstellung

  • Hallo Schwesti,

    Wann hätte ich ihn noch überreden können, wo hätte ich sturer auf Änderung beharren müssen?

    zu keiner Zeit hättest du ihn überreden, oder auf irgendwelchen Änderungen beharren können. Er hätte es abgetan und vielleicht noch versucht, dir eine Mitschuld einzureden. Kein Angehöriger hat zu irgendeinem Zeitpunkt Einfluß auf die Sucht eines Angehörigen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Das bedeutet, ab dem Zeitpunkt ab dem man erkennt dass der Konsum nicht normal ist, gibt es eigentlich für die Angehörigen keine Chance mehr???

    Liebe Schwesti

    Das ist eine gute Frage. Bei uns hat die Familie meines ExPartners ihn schon einige Male darauf angesprochen, schon ganz am Anfang wo der missbräuchliche Konsum auffiel. Ohne Erfolg... er hat alles heruntergespielt.

    Auch ich habe nichts unversucht gelassen. War bis vor 3 Jahren mit meinem ExPartner in einer Suchberatung. Wir hatten sehr viele Sitzungen. Es gab eine Sitzung wo die Beratung zu ihm sagte "er könne "jetzt" noch das Ruder herumreissen danach werde die Klappe sich schließen". Er wusste es und hat trotzdem weitergemacht es ist seine Entscheidung und er ist erwachsen-sein Lebe. So traurig das ist. Ich habe wirklich alles versucht... Und Du hast auch wirklich alles versucht.

  • Danke Silberstreifen,

    das hilft mir irgendwie...

    Er wollte den Weg nicht ändern, nicht am Anfang, nicht am Ende.

    Uns bleibt nur zuzusehen und dem Drama seinen Lauf zu lassen.

    Sorry liebe Alkoholiker da draußen, das hört sich sehr negativ und düster an. Nehmt es als Warnung, nur ihr könnt etwas ändern. Tut es solange ihr das noch könnt.

  • Heute musste ich die Wohnung meines Bruders leer räumen.

    Der Horror schlechthin.

    Wir haben nichts gefunden, was darauf hindeutete, dass er wußte wie schlecht es ihm wirklich geht.

    Ich hatte erwartet irgendwelche Krankheitsbefunde zu finden - aber Nichts.

    Kann es sein, dass er die zur Verdrängung tatsächlich alle direkt vernichtet hat? Auch auf seinem Laptop keinerlei Infos.

    Es gab nichts wirklich persönliches, keine gesammelten Briefe, null.

    Als hätte er schon vor ein paar Jahren aufgehört so richtig zu leben. Wie anstrengend muss es für ihn gewesen sein uns etwas anders vorzuspielen?

    Aber im Endeffekt habe ich das Gefühl er hat sich selbst etwas vorgegaukelt.

    Der Alkohol hat dafür gesorgt dass er alles verdrängt, wirklich Alles.

    Es ist so unsagbar traurig...

  • Hallo Schwesti,


    das ist sicher sehr schwer und Du hast bestimmt viele Fragen im Kopf. Die Antworten wirst Du leider wohl nie bekommen 😒

    Ich könnte mir vorstellen (bin selbst Alkoholikerin), dass Dein Bruder seinen Gesundheitszustand einfach verdrängt hat und vielleicht auch einfach nie zum Arzt gegangen ist trotz eventueller Symptome. Wenn ich an meine nasse Zeit zurück denke, bin ich auch lieber nicht zum Arzt gegangen aus Angst, es könnte etwas gefunden werden.. (und meine Alkoholabhängigkeit könnte entdeckt werden).

    Nach außen hin etwas vorspielen- das beherrschen die meisten Alkoholiker sehr gut. Schließlich geht es ja darum, die Sucht zu verheimlichen und auch darum, sich selbst das Ausmaß der Abhängigkeit klein zu reden. Zumindest war es bei mir so.


    Ich wünsche Dir, dass Du irgendwann das Kapitel für Dich abschließen kannst.
    Du hättest nichts tun können! So traurig die Situation auch ist.

    VG Sue

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Hallo Sue,

    Wir wissen in diesem Fall, dass er beim Arzt war. Er hatte bereits starke Symptome. Unter anderem hat er, ausnahmsweise in dem Moment nüchtern, einen Autounfall mit seinem parkenden Wagen verursacht, weil er seine Beine nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte.

    Daraufhin ist er in die Klinik gekommen. Spätestens da müssen ihm die Ärzte etwas gesagt haben.

    Alkoholische Neuropathie nennt man das. Uns hat er erzählt es wäre ein Vitamin B Mangel.

    Auch seine Hausärztin hat ihn offensichtlich über den Gesundheitszustand informiert.

    Aber wir haben kein einziges Dokument in der Wohnung gefunden. Nichts - er wollte es wohl nicht schwarz auf weiß sehen.

    DANKE an Alle für die tröstenden Worte

  • Hallo zusammen,

    hat einer vielleicht Erfahrung mit einer Psychotherapie oder ähnlichem nach dem tödlichen Verlust des Alkoholiker - Bruders/Sohnes?

    Würde gerne eure Meinung hören was bei euch eventuell geholfen hat.

    Ich dachte eigentlich vor ca. 3 Tagen es wird endlich besser. Dann gestern wieder der totale Zusammenbruch. Wir brauchen dringend Hilfe, bin mir aber nicht sicher welche Behandlung /Therapie am erfolgversprechendsten ist.

    Danke im voraus

  • Hallo Schwesti,

    ob es extra was gibt wenn jemand aufgrund seiner Alkoholkrankheit verstorben ist, weiß ich nicht. Im Grunde genommen hat das Ähnlichkeit mit einem Menschen, der einen Suizid gemacht hat. Denn im Grunde genommen ist das Trinkenmüssen und keinen Ausstieg daraus zu finden auch eine Art Suizid. Meiner Ansicht nach.

    Es gibt Trauer Gruppen, die sind aber oft nicht speziell sondern für alle Arten von Verlusten von Angehörigen. Du kannst aber einfach mal googeln ob es in deiner Nähe da eine spezielle Gruppe gibt. Sicherlich gibt es auch Therapeuten, die damit Erfahrung haben.

    Ich habe nach dem Tod meiner Tochter und meines Enkels ( sie ist kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes, das tot geboren worden war , auch gestorben) einen Therapeuten gehabt, der Trauer in seinen Fachgebieten mit dabei hatte. Das hat mir gut geholfen. Eine Zeit lang war ich auch in einer Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern, da habe ich mich aber nicht so gut aufgehoben gefühlt.

    Es gibt den Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V., "VEID" . Das kannst du z. B. einfach mal googeln.

    Es ist schwer, einen Menschen zu verlieren und hilflos daneben stehen zu müssen. Fühl dich umarmt.

    Lieber Gruß Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ich habe gestern meinen Bruder beerdigt. Ein traumatisches Ereignis.

    Der Pfarrer hat von seiner lustigen, geselligen Art gesprochen... Ja das war er.... zumindest Anfangs. Immer lustig, clever und der Unterhalter des ganzen Tisches.... Bis er dann nicht mehr reden konnte, weil er zuviel getrunken hatte.

    Ich habe gestern auch mit meinem 15 jährigen Sohn über meinen Bruder und Alkohol gesprochen. Ich habe schreckliche Angst, dass ich eine ähnliche Situation wie mit meinem Bruder nochmal durchmachen muss.

    Wie bringt man die heutigen Kids dazu, den Alkohol mit Vorsicht zu genießen? Wie kann ich sie schützen?

    Bei meinem Bruder habe ich offensichtlich keinen Erfolg gehabt. Wäre ich ihm ein besseres Beispiel gewesen, hätte er sich vielleicht nicht so extrem dem Alkohol zugewandt. Irgendwann in unsrer Jugend muss es noch ein Zurück gegeben haben... und das habe ich verpasst. Ich war egoistisch, wollte selbst nicht verzichten, dachte er wäre ja kein kleines Kind mehr...

    Diesen Punkt darf ich auf keinen Fall bei meinen Kindern verpassen...

    Wie handelt ihr das mit dem Nachwuchs???

  • Hallo Schwesti,

    du hast bei deinem Bruder keinen Erfolg gehabt, ihn vor dem Alkohol zu schützen. Schreibst du. Aber wie hättest du das auch machen können? Ihr habt doch nicht in einer Blase gelebt sondern mittendrin. Im Leben, eben auch mit Stoffen, die schädlich sind.

    Es war doch immer die Entscheidung deines Bruders, dass er getrunken hat. Dass er abhängig davon wurde, daran ist doch niemand schuld, auch DU nicht. Oder hast du ihn gezwungen zu trinken? Es war doch immer SEIN Leben, SEINE Entscheidung. Und er hätte, hätte er es aus tiefstem Herzen gewollt, immer um Hilfe bitten und aufhören können.

    Wirklich schützen kannst du auch deine Kinder nicht. Aber offen mit ihnen reden, auch, wie elendig dein Bruder zugrunde gegangen ist, das kannst du. Wenn dein Sohn 15 ist, kann er die nackte Wahrheit auch vertragen.

    Meine Kinder haben das mit ihrem Vater und der Sucht hautnah miterlebt. Meine Tochter konnte mit Alkohol nichts anfangen, fand das grässlich. Hat höchstens mal genippt. Sohn hat es probiert, hat auch über die Stränge geschlagen. Aber abhängig ist er nicht. Er trinkt schon auch Alkohol aber bewusst. Er weiß, dass er auf sich aufpassen muss weil er zum Übertreiben neigt. Sagt er selbst.

    Ich habe, nach der Trennung vom 1. Mann, immer offen mit meinen Kindern, die da schon erwachsen waren, geredet. Aber ich wusste und weiß, dass ich keinen Einfluss darauf hatte und habe, was meine Kinder machen. Soviel Macht habe ich als Mutter nicht, was auch gut ist. Denn wie sollen die Kinder eigenständige Menschen werden, wenn ich als Mutter über allem stehe...

    Ich kann nicht alles verhindern, so habe ich mich auch nie gesehen. Ich habe ihnen Wurzeln gegeben und dann Flügel. So ist das.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • . Irgendwann in unsrer Jugend muss es noch ein Zurück gegeben haben... und das habe ich verpasst.

    Liebe Schwesti,

    Das hast nicht DU verpasst, sondern Dein Bruder!

    Mir sagte mal jemand (da ging es um Suizid und ich hatte so ein schlechtes Gewissen, dass ich Anzeichen verpasst hatte): Für wie mächtig halten sie sich eigentlich, Frau Api!?

    Also:Hätte Dein Bruder das "Zurück" für sich entdeckt und Dir signalisiert dass er Deine Unterstützung braucht, dann hättest Du das sicher nicht ignoriert, liebe Schwesti. Ansonsten hättest Du gar nicht die Macht gehabt, irgendeinen "Zurück "- Schalter zu drücken!

    Ich wünsche Dir viel Kraft in dieser schweren Zeit!

    Lg

    Api

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