Kazik - Back to life

  • Hi Bono59 und Ihr Alle,

    ich glaube, dem ist auch erstmal nichts mehr hinzuzufügen. Denn Du, Rennschnecke und ich sind uns darüber einig, dass wir unsere von Ärzt*innen oder Therapeut*innen im Zusammenhang mit unserer Depression verordneten Medikamente wie verordnet einnehmen. Das diese notwendig und kein Abhängigkeitspotential haben. Und dass die sehr wenigen Medikamente, die ein Abhängigkeitspotential haben, wenn sie verordnet sind, eben auch notwendig sind. Wobei die Vergabe genau dieser Medikamente im Normalfall unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle erfolgt. Und schlussendlich, dass die Nichteinnahme von im Zusammenhang mit einer Depression verordneten Medikamenten fahrlässig und gefährlich ist.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Ihr,

    ich möchte heute über meine derzeitige Geisteshaltung aka Mindset schreiben. Seit ungefähr drei Wochen ist meine Stimmung nicht so gut, ein bisschen niedergeschlagen und pessimistisch. Außerdem bin ich ständig müde und energie- und antriebslos. Ich bekomme meine Aufgaben schon noch geregelt, aber ich muss mich schon disziplinieren.

    Obwohl einige Symptome passen ist es, glaube ich keine richtige Depression. Eher so gefühlt ein paar depressive Symptome und Frühjahrsmüdigkeit.

    Ich beachte so gut ich kann die HALT Regel. Aber speziell bei tired ist das gerade schwierig. Mein Schlaf ist in letzter Zeit auch nicht so gut, heißt, dass ich öfters schlechter einschlafe und/oder öfters aufwache.

    Es gibt keinen konkreten Anlass. Ich habe mich, was meine notwendigen Aufgaben angeht, sehr weitreichend entlastet. Und bin, was diese angeht, jetzt gut im grünen Bereich. Alles Weitere wäre Arbeitsverweigerung.;) Allerdings bin ich noch erschöpft, weil die letzte große Aufgabe sich leider doch bis Mitte/Ende nächster Woche hinzieht. Und mir fällt es auch nicht so leicht, die Systeme herunterzufahren und mich im Mittelmaß einzurichten.

    Auf jeden Fall merke ich, dass ich Moment gut auf mich aufpassen muss. Weil ich in so einer Stimmungslage gerne mal gesoffen habe. Ich habe keine konkreten Saufdruck. Aber da ich körperlich und mental einfach nicht so gut aufgestellt bin, vermeide ich gerade noch einmal extra jedes Risiko. Und bin, wenn ich Einkaufen gehe der einzige Ort, wo ich in die Nähe von Alkohol komme besonders wachsam.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich hoffe, dass diese Phase schnell vorbeigeht. Ich finde es gut, dass du auf deine Abstinenz aufpasst. 💪🏻

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo Kazik,

    3 1/2 Monate abstinent, richtig?
    Da hat es bei mir auch angefangen, diese Erschöpfung, begleitet mit einer melancholischen Traurigkeit.
    Nachdenken, was war und was kommt. Ich war der Sucht entkommen und in der Abstinenz noch nicht richtig angekommen. Viele Fragen, Unsicherheit, was soll all das bedeuten.
    Und dann war da immer mein innerer Antreiber, so wie früher. Einfach dasitzen und nachdenken, geht doch nicht. Ich hatte schon mehr Fortschritt gemacht und irgendwie ging es nicht richtig weiter.

    Den inneren Antreiber habe ich auf Erlebnisurlaub geschickt, ohne mich und ich habe wieder Geduld erlernt.
    Jeden Tag ging es ein Stück weiter, nur die Schritte waren kaum spürbar.
    Viele Jahre Alkohol gegen ein paar Monate Abstinenz. Es heißt, dass es Monate dauert, bis sich die Prozesse der Neurotransmitter wieder normalisieren, zumindest der Teil, der sich regenerieren kann. Zum Glück hat das Gehirn die Fähigkeit, sich immer wieder neu anzupassen. Abstinenz und Zeit braucht es als Zutaten.

    Auf jeden Fall merke ich, dass ich Moment gut auf mich aufpassen muss.

    Die Wahrnehmung ist nicht selbstverständlich und sie ist viel wert.
    Genau das ist Achtsamkeit und Selbstfürsorge, auch Begriffe, deren wahre Bedeutung ich erst mit der Zeit verstanden habe.

    Liebe Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Außerdem bin ich ständig müde und energie- und antriebslos. Ich bekomme meine Aufgaben schon noch geregelt, aber ich muss mich schon disziplinieren.

    So geht es mir auch zur Zeit. Bei mir liegt es aber eher an der Depression. Ich muss mir auch ein wenig in den Hintern treten, dass ich meine Sachen geregelt bekomme. Jeden Tag ein bisschen, soweit es eben geht. Stundenweise und vormittags geht es grad leichter.

    Ich finde es toll, dass du so eine gute Wahrnehmung hast und auf dich aufpasst.

    Ich hoffe du fühlst dich bald wieder insgesamt besser.
    Du bist nicht allein.
    Ich schick dir einfach mal ein wenig Sonne und gute Gedanken.

    Liebe Grüße

  • Hi Nayouk

    danke für Deine Nachricht.

    diese Erschöpfung, begleitet mit einer melancholischen Traurigkeit.

    Das ist eine ziemlich gute Beschreibung, wie ich mich gerade fühle. Wobei ich die Traurigkeit irgendwie unscharf spüre.

    Den inneren Antreiber habe ich auf Erlebnisurlaub geschickt, ohne mich und ich habe wieder Geduld erlernt.

    Ja, mein innerer Antreiber ist gerade extrem unzufrieden, weil ich Ihn ungefragt ausgebremst habe. Das ist mit meinem Antreiber immer eine schwierige Balance. Weil wenn ich eine richtige Depression habe, ist er absolut notwendig, um mich zumindest ein wenig am Laufen zu halten. Und im Normalbetrieb, wenn er und ich im gleichen Takt sind, dann macht es mir auch Spaß, weil ich es auch schön finde, wenn es richtig gut läuft. Wie gesagt, es ist eine delikate Balance.

    Und an meiner Geduld arbeite ich auch gerade. Weil mir natürlich auch klar ist, dass ich noch ganz am Anfang meines abstinenten Weges bin. Ich versuche gerade ein richtiges Tempo zu finden, also nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam. Das Gute ist, dass ich nicht zurückgehen will. Da will ich nicht wieder hin.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Ihr,

    noch ein kleiner Nachtrag zu meinem inneren Antreiber. Ich schicke den nicht in den Urlaub, das hat der gar nicht verdient. Meine Idee ist das wir beide zusammen lernen, was das richtige Tempo für uns ist. Und dass wir beide zusammen Geduld lernen. Wenn, das klappt, dann sollte unser Verhältnis ganz harmonisch werden.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • dass ich die Stadt jetzt mit anderen Augen betrachte und nach Orten schaue, für mich oder generell nicht mit Alkohol besetzt sind. Darauf hin meinte sie, dass die Orte, die Ihr spontan einfallen würden, entweder Spielplätze oder Friedhöfe sind. :shock:

    So abwägig finde ich diese Aussage der Therapeutin gar nicht. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich sie sogar ziemlich treffend.
    Man muss sich doch nichts vormachen: Alkohol gibt es überall. Und wahrscheinlich sogar auf Spielplätzen und auf Friedhöfen.

    Es wird nicht möglich sein, sich vor dem Alkohol zu verstecken. Einzig meine Wohnung kann ich alkoholfrei halten.
    Ich fände es auch sehr anstrengend, immer so dermaßen auf der Hut zu sein, dass der Alkohol mich nicht anspringt. Denn er springt mich nicht an. Es ist da, und gar keine Frage, dass ich nicht drauf zu renne, aber ist es nicht einfacher, sich innerlich so vom Alkohol zu distanzieren, dass es egal ist, ob da irgendwo eine Flasche Bier steht oder jemand ein Glas Wein trinkt.

    Ich habe mir meine alkoholfreie Zone in meinem Kopf geschaffen. Meinen Kopf nehme ich ja überall mit hin, und solange der alkoholfrei denkt, ist doch das ,drumherum‘ gar nicht mehr so entscheidend.
    Reine Saufveranstaltungen meine ich jetzt gar nicht, denn das ist ganz klar, dass ein Alkoholiker da nix zu suchen hat.
    Ich rede vom ganz normalen Alltag, vom ganz normalen Stadtbummel, vom ganz normalen Straßencafé, vom ganz normalen Wochenendeinkauf….. überall werde ich immer wieder auf Alkohol treffen. Das ist nun mal so.
    Die Welt um mich herum wird ja nicht trockener, nur, weil ich nicht mehr saufe.

    Die Akzeptanz, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass ich das auch für immer bleiben werde, machte es mir möglich, einzusehen und zu verstehen, dass es für mich keinen Alkohol mehr geben kann….wenn ich leben will. Und ich will leben.
    Es ist völlig Wurscht, was andere machen oder nicht machen, was andere trinken oder nicht trinken….ich kann keinen Alkohol mehr trinken.
    Kein Alkoholiker, der leben will, kann jemals wieder Alkohol trinken. Das ist einfach so. Braucht man nicht drüber zu diskutieren, braucht man sich nix schön oder schlecht reden. Ich brauchte das ‚nur‘ als Fakt akzeptieren.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Monat 3 1/2 war für mich auch eine schlimme Zeit. Nach der grossen Anfangseuphorie kam die grosse Langeweile, alles war so öde mit mal., so trostlos.

    Wie die Stimmung ganz unten war, und ich nur Millimeter vorm Rückfall entfernt, meldete ich mich endlich hier an. Mein grosses Glück. Endlich Menschen die mich verstehen. Die vielen aufmunternden Worte der lieben User manövrierten mich stabil dich diese stürmige Zeit.

    Ein Schritt nach dem anderen, immer in sich hineinhören und stets gut vorbereitet sein. Ganz wichtige Dinge die ich hier gelernt habe, genauso wie zu schreiben, wenn etwas komisch erscheint.

    Diese blöde Zeit geht um Kazik. Ich bin nun in Monat 4 1/2 und du kannst mir glauben, die Abstinenz fühlt sich nun jeden Tag besser an.

    Hab Geduld und sorge dich gut um dich, so kommst Du gut durch.

    LG Blendi

  • Auf jeden Fall merke ich, dass ich Moment gut auf mich aufpassen muss. Weil ich in so einer Stimmungslage gerne mal gesoffen habe. Ich habe keine konkreten Saufdruck. Aber da ich körperlich und mental einfach nicht so gut aufgestellt bin, vermeide ich gerade noch einmal extra jedes Risiko. Und bin, wenn ich Einkaufen gehe der einzige Ort, wo ich in die Nähe von Alkohol komme besonders wachsam

    Es wirkt auf mich im ersten Moment noch zu verkrampft. Es scheint, als ob der Alkohol noch als Lösungsmittel angesehen wird, und es hat zudem einen Hauch von einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Suchtdruck herbeigerufen.

    Ich kenne Alkoholiker, die ein alkoholfreies Umfeld und alles, was dazu gehört, vordergründig als Strafe dafür ansehen, Alkoholiker zu sein. Dabei vergessen sie, dass diese Maßnahmen, die ich gegen einen Rückfall umsetze, Maßnahmen für ein besseres Leben sind.

    Es sollte, so mein Denken auch ein Schalter im Kopf umgestellt werden, dass das jetzige Leben, wie es auch ist, nichts mit dem Saufen zu tun hat. Das Saufen hat mich nur jahrelang mit dahin geführt. Und wenn ich Krankheiten wie Depressionen und Alkohol nicht als eigenständige Krankheiten trenne, bleiben sie immer ein Bestandteil für einen Saufdruck.

    Und an meiner Geduld arbeite ich auch gerade.

    Wie arbeitet man an Geduld?:saint::whistling:

    Ich habe bestimmte Eigenschaften und Krankheiten akzeptiert, anstatt ständig dagegen anzukämpfen. Akzeptanz hat den Vorteil, dass keine Erwartungen damit verbunden sind.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hi Stern und Ihr,

    danke für Deinen Beitrag und den Begriff alkoholfreie Zone im Kopf finde ich super. Tatsächlich klappt dieser Teil meiner mentalen Aufstellung ganz gut. Und wie geschrieben habe ich keinen Saufdruck. Ich bin auch zuversichtlich, dass ich mir meine Stadt zurückerobern kann und Orte finden werde, wo ich mich mit Menschen treffen kann. Das klappt ja jetzt auch schon. Aber mein ganzes Leben hat sich eben verändert, ich bin jetzt ein Tagmensch. Heißt, ich habe überhaupt keine Lust mich Abends zu treffen. Auch am WE. Und mir fehlt deshalb auch nichts. Dadurch fallen aber alle Abendveranstaltungen und Lokalitäten weg. Dazu kommt, dass sich mein Tag-, Nachtrhythmus in einer für mich guten Weise verändert hat, dieses bei meinen Freund*innen und Bekannten aber nicht so ist. Und insofern ist, wenn ich vorschlage, lass uns doch zusammen Frühstücken oder Nachmittags einen schönen Spaziergang machen und danach einen Kaffee trinken erst mal ungewöhnlich. Dazu kommt, dass eine ganze Reihe von Ihnen Kinder hat und dann haben die eben auch gefühlt erst Abends "frei". Auch am WE. Und das kann ich auch verstehen. Ich bin aber zuversichtlich das sich das noch einspielen wird.

    diese Erschöpfung, begleitet mit einer melancholischen Traurigkeit.

    Das ist im Moment das Hauptproblem. Das kenne ich eben aus meinen Depressionszeiten und das führt bei mir zu einer gewissen Scheißegalhaltung. Und diese Haltung ist gut, weil sie mir während einer Depression den Stress nimmt alles schaffen zu müssen. Denn gegen eine Depression oder eine Erschöpfung kann ich nicht gegen anarbeiten. Da muss ich pfleglich mit mir sein, mich auf meine unbedingten Kernaufgaben konzentrieren und mir sowenig Druck wie möglich machen. Alles andere ist kontraproduktiv.

    Aber diese Scheißegalhaltung ist für mich gefährlich, wenn es um Alkohol geht. Denn es ist nicht scheißegal, ob ich Alkohol trinke. Und deshalb muss ich im Moment halt gut auf mich aufpassen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Hartmut ,

    Es wirkt auf mich im ersten Moment noch zu verkrampft.

    ich würde es vorsichtig nennen und ich bin im Moment lieber vorsichtig als zu lässig.

    Tatsächlich ist Alkohol für mich kein Mittel mehr für irgendetwas. Und ich werde Alkohol auch voerst nicht in irgendeiner anderen Verwendung beispielsweise Lacke oder als wirkliches Lösungsmittel zur Reinigung o.ä. verwenden. Das macht manches schwieriger, aber nicht unlösbar.;)

    Als Strafe empfinde ich irgendwelche Maßnahmen, die ich ergreife nicht. Liegt daran das ich mich was meine Sauferei angeht auch nicht schuldig fühle.

    Es sollte, so mein Denken auch ein Schalter im Kopf umgestellt werden, dass das jetzige Leben, wie es auch ist, nichts mit dem Saufen zu tun hat. Das Saufen hat mich nur jahrelang mit dahin geführt. Und wenn ich Krankheiten wie Depressionen und Alkohol nicht als eigenständige Krankheiten trenne, bleiben sie immer ein Bestandteil für einen Saufdruck.

    Das ist ein guter und richtiger Gedanke. Der allerdings ein hohes Abstraktionsdenken und die entsprechende Akzeptanz der beiden Krankheiten erfordert. Und da die Depressionen bei mir, wenn sie manifest sind, mein Denken und mein Fühlen verändern, ohne dass ich es unmittelbar, merke das, beispielsweise der von Dir genannte Schalter weiterhin umgestellt ist. Und das führt mich zu meinem Ausgangspunkt für diesen Teil meines Fadens zurück. Die Akzeptanz meiner Depression macht mich verletzlicher für Alkohol. Weil der Gedanke ich könnte in einer Depression einfach irgendetwas nehmen (Pille, Alkohol, etc.) und dann ginge es mir einfach wieder gut zwar irrational ist, der Wunsch danach aber trotzdem besteht.

    Wie arbeitet man an Geduld? :saint: :whistling:

    Klar, ist das ein Widerspruch.;) Aber ich muss mich im Moment tatsächlich bewusst zur Ruhe bringen. Meine Hoffnung ist, dass es das bewusste irgendwann nicht mehr braucht.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Moin Kazik,

    ich habe nach dreieinhalb Monaten plus 4 Tage einen Job angenommen, der gefühlt zwei Schuhnummern zu groß für mich war, der mir aber die Möglichkeit bot, meine erheblichen Schulden aus meiner verkorksten Jung-Erwachsenenzeit in kurzer Zeit zu bezahlen - die mich an verschiedenem gehindert haben und die ich deswegen loswerden wollte - und ausserdem musste ich nicht mehr so weit pendeln.
    Die ersten dreieinhalb Monate hatte ich Zeit für mich, das war auch so geplant, ich musste nur diesen neuen Job finden und das war wegen dem Headhunter, von dem ich mal geschrieben hatte, nicht so schwer. Schwerer wogen meine Versagensängste, aber die waren trotzdem nicht so, dass ich es mir nicht irgendwie zugetraut hätte. Wie oft, mehr so, ich muss es eben richtig machen, dann wird das schon. Unsicherheit gehört manchmal dazu.

    Ich habe das Trinken aufgehört erst mal mit dem Hintergedanken, es wird sicher sehr schwierig und ich warte erst mal ab, wie es mir damit geht. Es dauerte aber nicht lange, ca. 4 Wochen, dann war ich mir mit mir selbst einig, ich bleibe dabei, weil ich das Gefühl hatte, ich schaffe es und es ist das Beste, was ich für mich tun kann.
    Mir war damals, ja, von heute aus gesehen damals, klar, wenn ich wieder saufen würde, wäre das eine Entscheidung zum Selbstmord auf Raten, nichts Anderes. Ich war ja schon knapp davor.
    Also die Entscheidung hiess, will ich mich umbringen oder nicht. Heute bin ich hier. Also klar entschieden.

    Bei mir ging es dann in dem neuen Job beim Thema Saufen nur um das technische, die Feierabendstressreduktion auf alkoholfreie Beschäftigung umzustellen. Natürlich musste ich mir ein wenig überlegen, was ich dann stattdessen mache. Aber kurz gesagt, es gelang mir.

    Aber diese Scheißegalhaltung ist für mich gefährlich, wenn es um Alkohol geht.

    Weil der Gedanke ich könnte in einer Depression einfach irgendetwas nehmen (Pille, Alkohol, etc.) und dann ginge es mir einfach wieder gut zwar irrational ist, der Wunsch danach aber trotzdem besteht.

    Zu beiden diesen Zitaten kann ich nur sagen, das kann ich so nicht wirklich nachvollziehen.

    Bei Scheissegalhaltung ist mir auch der Alkohol scheissegal.
    Und zwar genau, weil bei mir der Gedanke, dass es mir besser gehen würde, wenn ich was trinke, bei mir absolut ausgelöscht ist.
    Das war genau das, was mir bei dem von mir beschriebenen Tiefpunkt passiert ist. Der Gedanke, dass es besser geht, wenn ich trinke, ist vollständig verschwunden.
    8 Jahre Trinkpausen mit anschliessenden Abstürzen haben das bei mir auch emotional erledigt.

    Emotional ist für mich klar, Saufen ist noch schmerzhafter, wie mir mit dem Hammer auf den Daumen zu hauen, es ist definitiv ein Akt, der mir schadet. Das mache ich auch nicht mal dann, wenn mir alles scheissegal ist, weil ich weiss, dass es trotzdem weh tut. Und natürlich kommt es vor, dass mir alles wurscht ist, bei mir, wenn ich müde und ausgelaugt bin. Und wegen meinen Schlafproblemen hatte ich vor 4 Jahren einen Zusammenbruch, aber auch da nie einen Gedanken ans Trinken.

    Bin überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, dass das eine wie auch immer geartetete Lösung wäre. Und das bedeutet für mich scheissegal.

    Du schreibst, Du wärst gern weiter und bist ungeduldig: genau das Geschriebene wurde mir in der Nacht klar, als mir tiefpunktmässig und völlig hilflos bewegungsunfähig die letzen Jahre meiner Sauferei kinohaft vor meinem inneren Auge abliefen. Mir fiel es da wie Schuppen von den Augen, was ich mir vorgemacht hatte, um am Saufen festzuhalten, und es gab kein Zurück. Ich konnte das nie mehr verdrängen, was sich da in meinem Bewusstsein geöffnet hatte. Das meint auch mein Satz, dass ich mir sämtliche Zweifel vor dem Aufhören weggesoffen hatte.

    Bei vielen Alkoholikern, und jetzt auch bei Dir, habe ich das Gefühl beim Hören oder lesen, dass das Aufhören erst einmal rational geschieht, es aber dauert, bis die Entscheidung wirklich im Bauch und im Gefühl angekommen ist. Das ist für mich beim Lesen qualitativ etwas Anderes, als nur die Trinkgewohnheiten mit anderen Handlungen zu überschreiben, wie es bei mir hauptsächlich der Fall war.

    Dieser Job da, von dem ich da gerade schreibe, hat mich sehr gefordert und manchmal auch überfordert. Und ich war derjenige, der da eine neue Abteilung aufbauen und leiten musste, dafür war ich eingestellt und es war klar, dass ich niemanden fragen konnte, weil ich derjenige war, der von der Jobbeschreibung her alle Fragen beantworten musste. Aber es war nie so, dass ich deswegen irgendwelche Trinkgedanken hatte, mir war da vollständig klar, dass es durch Trinken nur schlechter werden konnte. Ich habe das Ganze nur bewältigt,weil ich nüchtern war. Und das war mir sowas von durch sämtliche Schichten meiner Gedanke klar, dass mir Trinken aber absolut überhaupt nicht helfen würde.

    Ich erwähne das nur, weil ich beim Lesen Deines Beitrags mal kurz rekapituliert habe, was war bei mir eigentlich nach dieser Zeit?

    Dir ist meinem Gefühl nach die Trockenheit noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, also keine selbstverständliche Haltung, sondern immer noch eine Willensangelegenheit. In dem Moment, wo Du unachtsam wirst, besteht die Gefahr, dass Du trinkst. Dein automatisches Verhalten ist noch nicht, trocken zu bleiben. (automatisches Verhalten ist, z.B., dass du beim Autofahren nicht gross über Schalten oder eine Volbremsung nachdenken musst. Du machst das einfach, wenn Du es kannst). Du wirst vermutlich reinwachsen. Und da erwähne ich mal meine Signatur.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hi Lebenskuenstler ,

    zunächst einmal hoffe ich das Du offline ein paar schöne Tage hattest. Und außerdem möchte ich mich dafür entschuldigen, dass wir Deinen Faden in Deiner Abwesenheit zugespammt haben.;)

    Zu beiden diesen Zitaten kann ich nur sagen, das kann ich so nicht wirklich nachvollziehen.

    Das glaube ich, dass Du das nicht nachvollziehen kannst, denn ich schreibe dort über meine Depressionen und die sind für mich auch weder rational noch emotional nachvollziehbar. Wären sie es, hätte ich keine Depression. Ich habe diese Scheissegalhaltung erlernt, um meine Depressionen besser aus halten zu können. Hätte ich es nicht erlernt, würde es mir in einer Depression noch wesentlich schlechter gehen. Und damit diese Selbstberuhigung funktioniert bezieht sich das egal wirklich auf alles. Egal ob ich es Morgens nicht geschafft habe mir nicht die Zähne zu putzen oder mir eine Buddel Schnaps reinhaue, um nichts mehr zu merken. Denn schlecht geht es mir ja so oder so und der Unterschied von einem schweren Kater, zu dem wie ich mich fühle, wenn ich eine schwere Depression habe, ist nur graduell. Aber zur Beruhigung, ich habe inzwischen auch gelernt, mich in einer Depression nicht noch zusätzlich selbst zu schädigen. Außerdem habe ich hier auch schon geschrieben, wenn eine Depression bei mir in full swing ist, habe ich bisher nie etwas getrunken. Weil mir selbst der graduelle Unterschied von Kater und Depression dann schon zu viel war.

    Die Entscheidung nicht mehr zu trinken war bei mir rational. Ist sie vermutlich bei Allen inklusive Dir so. Denn eine Sucht ist irrational. Es ging mir während der Sauferei nach den ersten Jahren täglich hundeelend. Aber das war nichts, was ich nicht schon kannte, den in einer schweren Depression ging es mir auch schon über Monate hundeelend. Wie geschrieben, der Unterschied ist nur graduell. Und in einer schweren Depression hält mich nur die bewusste, rationale Entscheidung am Leben. Würde ich dort auf ein mein Bauchgefühl hören, wäre ich schon längst nicht mehr am Leben. Allerdings hatte ich bis jetzt auch das Glück, dass mein Bauchgefühl bisher immer leben wollte. Und mein Bauchgefühl sagt mir jetzt auch, dass ich nicht mehr trinken will. Geist und Gefühl sind sich einig.

    Und noch einmal zu rational. Du bist offensichtlich sehr intelligent und rational, denn vieles was Du über Dich schreibst, liest sich so, dass Dein Bewusstsein ab einem bestimmten Zeitpunkt übernimmt und die unangefochtene Kontrolle über das Unterbewusstsein hat. Und ich kann mir vorstellen das dies Folge Deiner Geschichte ist. Nun ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in der Intelligenz oder der Beste zu sein keinen besonderen Wert hatte. Dort reichte es aus, mittelmäßig zu sein und sich unterzuordnen. Nun, ich wollte mich nicht unterordnen. Und wenn mich etwas wirklich interessierte, dann lernte ich so lange, bis ich es wirklich ganz verstanden hatte und wenn es um etwas Praktisches ging, lernte ich so lange bis ich es gut konnte. Damit machte ich in gewisser Weise unangreifbar, weil alle anderen "Experten" eben auf Augenhöhe waren. Und mir niemand ein X für ein U verkaufen konnte.;) Was ich von Beginn an hatte war eine ganz gute emotionale Intelligenz.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    völlig OK für mich, was Ihr in meinem Faden diskutiert habt. Ihr habt ja auch wieder aufgehört, danke Hartmut . Vielleicht wart ihr auch schon fertig mit dem Thema. Mir ist jedenfalls gerade nichts eingefallen, was ich darauf antworten wollte. Ich will es auch nicht übergenau nehmen, wenn ich wo schreibe, wenn es irgendwie zum Thema passt und ich meinen Teil dazu beitragen möchte. So wie bei Dir. Ich mag es lebendig, weniger streng geregelt, und so war es da nach meinem Empfinden. Alles gut.

    Ja, ich hatte 4 gute Tage, wobei es gut unter den gegebenen Umständen war, denn ich habe sie bei einer trauernden Freundesfamilie verbracht. Es war aber so gut, wie ich gehofft hatte, doch dicht im Sinne von intensiv trifft es besser. Vom Schlafen und meiner Bewegungsnotwendigkeit abgesehen, eine Dauerunterhaltung. Und es war emotional fordernd. Freundschaftspflege. Ich war gestern beim heimkommen hundemüde und ausgelaugt. Trotzdem fühle ich mich wohl, weil es sich richtig anfühlt, das gemacht zu haben. Ich habe sogar noch den Entwurf einer Trauerrede geschrieben. Da bin ich dann wieder beim Sinn meines Lebens, von dem ich neulich wo geschrieben hatte, dass ich damit schon sehr früh Probleme hatte. Das würde hier aber zu weit führen, wenn ich das ausbauen würde.

    Was Du da mit dem Kater und der Ähnlichkeit zu Deinen Depressionen schreibst, kenne ich tatsächlich irgendwie auch.
    Es war Thema in den Diskussionen mit meiner Frau, als ich noch gesoffen habe.
    Und ich bin dann wenige Wochen nach dem Aufhören in die Suchtberatung und bei Einzelgesprächen mit einer Psychologin, und dort waren Antidepressiva für mich im Gespräch. Dafür gab es Gründe. Nur erledigte sich das bei mir nach diesen etwa 4 Wochen, nach denen ich den endgültigen Entschluss gefasst hatte, von selbst. Es war bei mir tatsächlich die Folge des Saufens und nicht die Ursache. Bzw. wenn es je die Ursache gewesen sein sollte, dann war sie es beim Aufhören nicht mehr.

    Ich hatte auch mal den Antrag für eine Langzeittherapie gestellt. Nur war dann meine Überlegung, dass es mir für meine Trockenheit sicher auch hilft, wenn ich das Problem meiner Schulden, nicht ganz wenige, aus dem Weg schaffen kann. Ich habe früher in meinen Drogenzeiten da mal einen echten Blödsinn gemacht, bzw nicht aufgepasst, weil mir da auch mal alles egal war. Das musste ich büßen. Mit Zins und Zinseszins wurden die Schulden immer größer. An denen wäre ich auch fast depressiv, oder eher hoffnungslos geworden, wenn ich das nicht hätte lösen könnnen. Damals gab es noch keine Privatinsolvenz, da hiess es noch zahlen bis zu Abwinken. Da war das Riesengehalt die Rettung wie ein Lottogewinn, aber ich musste es schaffen. Wenn es kritisch geworden wäre, hätte ich die Therapie immer noch machen können. Ich war jedenfalls bereit, alles notwendige zu tun, da gab es für mich nichts zu rütteln. Nur weil es nie kritisch wurde, bin ich bei meinem Weg geblieben.

    Und ich bin bipolar. Typ 2, nicht so extrem wie bipolar Typ 1, aber trotzdem nicht der Hit, wenn es akut ist, und etwas, was ich beobachten lasse. Das heisst, bei mir gibt es depressive und euphrische Phasen. Allerdings meistens nicht mehr besonders ausgeprägt. Aushaltbar. Ich habe mich auch schon einmal damit auseinandergesetzt, dass sich männliche Depression in spezifischer Weise äussern kann und schlechte Laune war bei mir lange der Normalzustand, von euphorischen Tagen unterbrochen. Als ich hier im Forum mit dem Schreiben angefangen habe, war der euphorische Teil ja mehrmals Thema. Ich hatte früher auch die Reizbarkeit, die Schlafprobleme, und das Bedürfnis, mich aus sozialen Situationen zurückzuziehen, die als typisch beschrieben werden, wenn es machbar war und nicht zu noch größerem Ärger mit meiner Umwelt führte. Mich hätte lange eine Gruppe oder ein Forum mehr belastet, als es mir geholfen hätte. Ich bin dann mehr distanziert und brauche meine Freiheit, um mir selbst nachzugehen. Das war das, was ich dann nach meiner Trockenheitsanfangseuphorie bekam. Und trotz der schlechten Laune war ich im Prinzip nicht trinkgefährdet, ja, das war schon auch rational, da stimmten das Gefühl und das Denken überein. Es war aber weniger Lähmung und inzwischen gibt es dafür schon wieder einen neuen Begriff, hochfunktionale Depression. Darin könnte ich mich über einige Jahre meines Lebes wiederfinden. Jetzt überwiegt seit Jahren eine leicht gehobene Stimmung bei mir.

    Ich schreibe gern bei Dir, weil ich mehrere Phasen hatte, in denen es mir äusserst beschissen ging. Von daher, und auch weil Du mich am Anfang ja auch mal angeschrieben hattest, empfinde ich eine innere Nähe zu Dir. Deine Depressionen sind mir nicht so fremd, wie das vielleicht manchmal aussieht. Ich versuche, Dich zu verstehen.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    2 Mal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (27. März 2025 um 15:56)

  • Hi LK,

    das ist gut, dass es gute Tage waren. Und ich kann mir vorstellen, dass die Tage für Deinen Freund und dessen Familie auch gut waren. Denn Traurigkeit und Trauer sind ja nicht schlecht, sondern notwendig und gut. Und die brauchen eben Ihre Zeit besonders, wenn es um einen guten Menschen geht.

    Ich schreibe gern bei Dir, weil ich mehrere Phasen hatte, in denen es mir äusserst beschissen ging. Von daher, und auch weil Du mich am Anfang ja auch mal angeschrieben hattest, empfinde ich eine innere Nähe zu Dir. Deine Depressionen sind mir nicht so fremd, wie das vielleicht manchmal aussieht. Ich versuche, Dich zu verstehen.

    Das mit der Nähe geht mir genauso. Wir haben aus meiner Sicht auch außer der Tatsache, das wir beide Alkoholiker sind, viele Gemeinsamkeiten. Auf jeden Fall biografische Gemeinsamkeiten. Aber die Hauptgründe warum Du mich von Anfang an mitgenommen hast, ist Deine Ehrlichkeit Dir selbst und auch mir gegenüber. Dass Du, auch wenn Du es öfters hinter der rauen Schale des Straßenköters verbergen möchtest, über Deine Gefühle sprichst oder sie zumindest durchscheinen lässt. Dass Du Gefühle von anderen wahrnimmst und da nicht einfach drüber wegtrampelst. Und ich kann mit Deiner Denke und der Art zu denken tatsächlich viel anfangen. Weil sie ergebnisorientiert, zielgerichtet und mit Dir selbst im Mittelpunkt ist, wenn es drauf ankommt und Du Dich aber auch selbst hinterfragst und wenn notwendig zu anderen Schlüssen kommst. Damit kann ich etwas anfangen. Und in bestimmten Teilen meines Lebens mache ich es ganz genauso, weil das der beste Weg ist, wie ich Dinge in meinem Sinne bewegt bekomme.

    Deine Depressionen sind mir nicht so fremd, wie das vielleicht manchmal aussieht. Ich versuche, Dich zu verstehen.

    Mach Dir da mal keinen Stress. Obwohl ich soviel über meine Depressionen weiß, verstehe ich sie auch nicht. Denn meine Depressionen sind auch nicht zu verstehen, weil sie eben eine Krankheit sind. Es gibt keine logische Erklärung dafür, warum ich innerhalb kürzester Zeit antriebslos, völlig erschöpft, schwermütig, pessimistisch und anderes bin. Ich habe Strategien erlernt, wie ich mir selbst helfen kann, dass ich eine Depression besser überstehe. Und ich kann inzwischen in einer Depression die meiste Zeit klar denken und vor allen Dingen klar handeln. Aber ich weiß inzwischen auch, wann es Zeit ist zu kapitulieren und mich in Sicherheit zu bringen. Und wenn ich hier über meine Depressionen schreibe, erkläre ich es mir ebenso wie Euch so gut wie ich kann, was in einer Depression in mir vorgeht. Aber eine wirkliche Erklärung für meine Depression ist das nicht.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Und noch ein kleiner Funfact zu Gruppen. Nach meinem ersten langen Klinikaufenthalt 1997 haben mir meine Therapeuten mit auf dem Weg gegeben, dass ich von einer anschließenden Gruppentherapie am meisten profitieren würde. Also machte ich mich auf die Suche nach einer therapeutischen Gruppe. Die erste Gruppe bestand außer mir aus zwei Typen und dem Therapeuten. Ich bekam überhaupt keinen Draht zu irgendwem und konnte mich selbst auch nicht überwinden einfach loszuplappern. Ich habe das dann nach ein paar Monaten abgebrochen. Aber da es mir ja nicht gut ging und ich auch stur bin, suchte ich mir eine andere therapeutische Gruppe. Dort waren wir zu sechst plus Therapeuten. Dasselbe Ergebnis, ich bekam keinen Draht und konnte nicht aus mir herauskommen. Diesmal hielt ich zweieinhalb Jahre durch und brach ein halbes Jahr vor Ende ab. Beide Gruppen waren analytisch bzw. tiefenpsychologisch orientiert. Meine Depressionen sind Traumabedingt. Tiefenpsychologische bzw.. Analytische Ansätze setzen darauf, dass der Client seine Probleme selbst erkennt und sie bearbeiten auch nur Probleme, die der Client selbst erkennt. Mein Problem war, dass ich meine Traumata ganz lange nicht erkennen konnte, weil ich sie abgespalten und so tief in meinem Unterbewusstsein vergraben hatte, dass ich sie selbst nicht mehr spüren konnte. Was ich lange Zeit gesehen habe, war ein emotionaler Stummfilm der traumatischen Ereignisse und selbst der war in gewisser Weise weichgezeichnet. Geholfen hat mir dann erst im Jahr 2005 und folgend eine Verhaltenstherapie, weil die sich hauptsächlich darauf konzentriert meine Gedanken und mein Verhalten im Hier und Jetzt zu verändern und meine Gefühle würden dem Folgen. Und das war so. Meine Ängste konnte ich so bewältigen. Und bei meinen Depressionen konnte ich danach mein Verhalten und meine Gedanken so weit kontrollieren, dass ich weitestgehend handlungsfähig blieb.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Aber zur Beruhigung, ich habe inzwischen auch gelernt, mich in einer Depression nicht noch zusätzlich selbst zu schädigen.

    Hi Ihr,

    noch eine kurze Ergänzung hierzu, weil mir das doch zu glatt klingt. Ich schädige mich so gut ich kann nicht selbst. Heißt ich mache schon Dinge die nicht gut für mich sind. Ich esse manchmal nicht regelmäßig und das nicht nur, weil ich keinen Appetit habe sondern weil ich es "vergesse". Ich trinke manchmal Zuwenig aus dem gleichen Grund. Ich beschäftige mich manchmal nach Feierabend mit meinen Aufgaben und spiele quasi selbst mit mir Schach. Ich verbringe unnötig Zeit im Internetz. Ich rauche. Die Liste ließ sich endlos fortsetzen. Und ich kriege mich auch immer irgendwie wieder eingefangen. Aber das mit Abstand schädlichste Verhalten war meine Sauferei. Und das werde ich garnicht mehr machen.

    Meine Depressionen fühlen sich wie eine Strafe an und das sind sie auch. Und wenn ich ganz genau hinschaue, was ich nicht immer will oder kann, sind sie in Teilen eine Selbstbestrafung. Bei mir, weil ich mich nicht meinen Eltern unterworfen habe und weil ich das "Geheimnis" Ihrer Gewalt mir gegenüber verraten habe. Und zweitens, weil ich mein inneres Kind nicht beschützt habe. Es gibt bestimmt noch andere Gründe, aber das sind die Hauptgründe. Und weil meinem Unterbewusstsein das normale Elend einer Depression manchmal nicht ausreicht, gibt es noch "Extrastrafen". Und wenn ich nicht genau aufpasse, dann "sitze" ich diese Extrastrafen ab.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    ich kann hier immer wieder lesen, was ich aus ganz anderem Zusammenhang auch kenne, dass man Depressionen nicht vernünftig behandeln kann, so lange jemand trinkt.

    Vielleicht fällt Dir da ein Für oder Wider ein. Darum gehs nicht.

    Sondern: nüchtern bestehen dann vielleicht bessere Chancen für Dich.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

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