KaDett - Nüchternheit als Lebenseinstellung

  • Kennt jemand von euch auch so ne komische Traurigkeit? Ich hatte das einige Zeit vor den Feiertagen im letzten Jahr fast nur und auch mehrere Wochen. Ich war irgendwie niedergeschlagen und betrübt ohne besonderen Grund. Privat gibt es einige gesundheitliche Probleme bei mehreren Familienmitgliedern. Das belastet mich sehr. Aber ich glaube, dass das nicht der Grund war. Im Grunde ist das erst besser geworden seit ich hier in der SHG bin und seit ich angefangen habe meditieren zu üben. Ich vermute, dass das mit Verzichtsgedanken, oder „nassem“ denken zu tun haben könnte. Heute, auch im Job denke ich ständig über „nasse“ vs. „trockene“ Gedanken nach und visualisiere Unterschiede in simplen, alltäglichen Beispielen. Ich glaube, dass das aktuell ein sehr wichtiges Thema für mich ist. Mir geht’s auch gar nicht mehr aus dem Kopf. Da würde ich gerne mehr drüber erfahren.

    Nachher um 16 h versuche ich an dem Chat teilzunehmen. Muss aber sehen ob ich es schaffe.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo Kadett,

    Du hast dich auf den richtigen Weg gemacht und das ist anstrengend und belastend.
    Die Phasen von Traurigkeit kenne ich auch aus der Anfangszeit.
    Obwohl ich doch glücklich und froh hätte sein müssen, war ich manchmal traurig.
    Ich komme jetzt mal wieder mit der Biochemie:)
    In der langen Zeit des Alkoholkonsums hat das Gehirn zusätzliche Rezeptoren aufgebaut, da es durch den Alkohol mit dem Neurotransmitter Dopamin
    zugeschüttet wurde. Fehlt plötzlich der Alkohol, feht auch das Dopamin, das Glückshormon, welches als Belohnung für gute Gefühle sorgt. Die vielen Rezeptoren können nicht mehr adequat versorgt werden.
    Das kann die Traurigkeit in den ersten Monaten bewirken. Dinge, die einem früher Spass gemacht haben und für Befriedigung gesorgt haben, machen plötzlich keinen Spass mehr, weil das Belohnsystem nicht mehr funktioniert.
    Da hilft nur ausprobieren. Suche dir Beschäftigung, Tätigkeiten, die dir Spass machen und habe Geduld. Der Körper braucht mehrere Monate, bei manchen sogar über ein Jahr, je nach Veranlagung, bis sich die biochemischen Prozesse regeneriert haben. Das gilt zumindest für das Belohnsystem.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Kadett,

    komische Traurigkeit ist natürlich eine etwas wage Beschreibung. Ich würde mich an Deiner Stelle weiter beobachten aber nicht reinsteigern. Nayouks Hinweise über Aktivitäten und neue Interessen sind auf jeden Fall sehr hilfreich.

    Und wenn Du nach einer Zeit bemerkst das es garnicht besser wird oder gar immer schlimmer wird, dann solltest Du Dich an professionelle Hilfe (Hausarzt, Neurologe, etc.) wenden, Dich dort mitteilen und beraten lassen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo Kadett,

    komische Traurigkeit ist natürlich eine etwas wage Beschreibung. Ich würde mich an Deiner Stelle weiter beobachten aber nicht reinsteigern. Nayouks Hinweise über Aktivitäten und neue Interessen sind auf jeden Fall sehr hilfreich.

    Und wenn Du nach einer Zeit bemerkst das es garnicht besser wird oder gar immer schlimmer wird, dann solltest Du Dich an professionelle Hilfe (Hausarzt, Neurologe, etc.) wenden, Dich dort mitteilen und beraten lassen.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Kann es nicht viel besser beschreiben, eine betrübte Grundstimmung. Seit ich übe zu meditieren und positive Affirmationen nutze, versuche ich Leichtigkeit und Freude damit wieder zu erwecken.

    Es kann aber auch sein, dass ich in den letzten Wochen vor Weihnachten ziemlich ausgepowert war. Hatte zwischen den Jahren Urlaub und habe mich da gut ausgeruht. Jedenfalls geht’s mir jetzt besser. Manchmal lächele ich einfach auch ohne Grund z.B. beim Autofahren. Habe mal gelesen, dass sich dann durch das Lächeln die Grundstimmung erhellt. Vielleicht ist es auch einfach nur Winterblues. Ja ich beobachte mal, notfalls gehe ich mal zu meinem Hausarzt.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo KaDett,


    willkommen und schön, dass du hier bist! Ich bin auch Alkoholikerin wie du, und auch mir ist es unglaublich schwer gefallen, den Gedanken zu denken, geschweige denn auszusprechen. Es hat richtig lange gedauert, dieser Prozess - es zu denken, dann hier zu schreiben, später es zu sagen, dann irgendwann es tatsächlich zu akzeptieren und dann noch viel später (ein paar Jahre später) auch wirklich so weit damit im Reinen zu sein, dass ich es tatsächlich ziemlich offen und unbefangen auch nach außen trage. „Ziemlich“, weil es auch Ausnahmen gibt.

    Verzichtsgedanken sind mir im Laufe des Prozesses irgendwann abhanden gekommen.

    Damit will ich sagen, es ist ein Prozess, eine Entwicklung, und indem du jetzt hier bist und hier am Austausch teilnimmst, kommt was in Bewegung.

    Mir fällt es selbst schwer mit mir klar zu kommen dass ich Alkoholikerin bin. Das auszusprechen habe ich erst hier angefangen. Setze mich da mit mir selbst ständig auseinander. Ich schüttelte den Kopf und kann’s nicht verstehen. Ich dachte immer es sei Willensschwäche. Erst hier lese ich von Krankheit. Ich bin da mit mir noch überhaupt nicht im Reinen. Zu akzeptieren fällt mir schwer. Ich fange erst an alles aufzuarbeiten.

    Du hast angefangen, da ist jetzt Bewegung drin.

    Ich hab in den ersten Jahren im Forum sehr viel hier gelesen und auch geschrieben, mich wirklich drauf eingelassen, und die Worte anderer an mich rangelassen, und das bewegt sich immer weiter, bis heute. :)


    Ich wünsch dir auch einen guten und hilfreichen Austausch.

    Lieben Gruß

    Thalia

  • Thalia das stimmt genau, seit ich hier bin, tut sich bei mir was. Ich versuche, mich auch bewusst in Geduld und Gelassenheit zu üben. Mein Kopf läuft auf Hochtouren und alle Tipps nehme ich an und reflektiere mich. Deine Worte motivieren mich am Ball zu bleiben. Ich finde es spannend und anstrengend zugleich. Das hört sich super an, dass sich Verzichtsgedanken bei dir mit der Zeit von selbst verschwunden sind. Momentan bin ich dran „trockenes“ denken zu üben. Das macht mir sogar Spaß. „Nasses“ Denken in „trockenes“ Denken umzuwandeln. Aber nun jetzt ab ins Bett. Schlaf ist wichtig hat Alex auf dem Weg gesagt. Morgen früh klingelt der Wecker, gute Nacht und bis morgen.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo KaDett, ich kenne diese ,komischen‘ traurigen Gedanken auch aus meiner Anfangszeit ( bin jetzt fast zwei Jahre dabei) Komisch weil ich das Gefühl als unangebracht empfunden habe. Es kam auch so plötzlich und war genauso abrupt wieder verschwunden. Ich hatte auch Phasen der ‚großen‘ Langeweile. Da fand ich mein abstinentes Leben super langweilig, das Gefühl der Langeweile hielt immer mehrere Tag an. Beide Emotionen sind von alleine verschwunden.
    Liebe Grüße Rina

  • Nicht jeder emotionale Zustand ist auf Alkoholismus zurückzuführen. Zwar hat das Saufen einiges unterdrückt oder verfälscht, doch es ist nicht die eigentliche Ursache. Je mehr ich die Sucht dafür verantwortlich mache, desto mehr Raum und Macht gebe ich dem Alkohol über mein Leben.

    Am Anfang war es mir nur wichtig, Werkzeuge in der Hand zu haben, um gegen den Saufdruck anzukämpfen und Hilfe zu bekommen, wie ein Leben außerhalb der Sucht aussehen könnte. Das habe ich durch den Austausch und den Grundbausteine hier erhalten.

    Einfach handeln und keine weltverändernden Erwartungen haben: Ich tue nichts "Besonderes" sondern lebe einfach so, wie es die Mehrheit der Menschen tut, die nicht süchtig sind. Wichtig war und ist mir, keine Wissenschaft aus dem Trockenwerden zu machen, und das empfehle ich auch.

    Tun muss man tun und vieles ergibt sich mit der Zeit von selbst.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo KaDett, ich kenne diese ,komischen‘ traurigen Gedanken auch aus meiner Anfangszeit ( bin jetzt fast zwei Jahre dabei) Komisch weil ich das Gefühl als unangebracht empfunden habe. Es kam auch so plötzlich und war genauso abrupt wieder verschwunden. Ich hatte auch Phasen der ‚großen‘ Langeweile. Da fand ich mein abstinentes Leben super langweilig, das Gefühl der Langeweile hielt immer mehrere Tag an. Beide Emotionen sind von alleine verschwunden.
    Liebe Grüße Rina

    Langeweile habe ich nie. Im Gegenteil ich würde es feiern. Direkt heute morgen schon habe ich bewusst an einer positiven Grundeinstellung gearbeitet. Mir gedanklich auf Freude und Lachen fokussiert. Habe während der Autofahrt zum Job albern mitgesungen was im Radio so gespielt wurde, habe einzeln Sonnenstrahlen bewußt begründet, auch im Job mit Kollegen über irgend einen Unsinn gelacht. Habe gar nicht an Alkohol oder irgendwas zum Thema gedacht. Plötzlich habe ich meine Energie und Schwung wiederbekommen. Habe mir auch einen kleinen Notizzettel gemacht was heute noch so ansteht, damit ich meine Gedanken und Gehirn entspannen kann. Fühle mich wesentlich besser. Heute werde ich besonders auf die schönen Dinge achten, auch wenn sie noch so klein sind.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Nicht jeder emotionale Zustand ist auf Alkoholismus zurückzuführen. Zwar hat das Saufen einiges unterdrückt oder verfälscht, doch es ist nicht die eigentliche Ursache. Je mehr ich die Sucht dafür verantwortlich mache, desto mehr Raum und Macht gebe ich dem Alkohol über mein Leben.

    Am Anfang war es mir nur wichtig, Werkzeuge in der Hand zu haben, um gegen den Saufdruck anzukämpfen und Hilfe zu bekommen, wie ein Leben außerhalb der Sucht aussehen könnte. Das habe ich durch den Austausch und den Grundbausteine hier erhalten.

    Einfach handeln und keine weltverändernden Erwartungen haben: Ich tue nichts "Besonderes" sondern lebe einfach so, wie es die Mehrheit der Menschen tut, die nicht süchtig sind. Wichtig war und ist mir, keine Wissenschaft aus dem Trockenwerden zu machen, und das empfehle ich auch.

    Tun muss man tun und vieles ergibt sich mit der Zeit von selbst.

    Hartmut du bist ein Schatz, ich danke dir für deine Worte. Habe deinen Post heute morgen nebenbei auf der Arbeit gelesen und irgendwie war ich glücklich, es ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Es hat nicht alles was mit dem Thema Alk zu tun. Nicht jede Emotion ist über zu bewerten. Niemand ist jeden Tag gleich gut drauf.

    Zum Thema habe ich schon viel getan, aufgehört Alk zu trinken, mich hier der SHG angeschlossen, arbeite an mir und befolge die Bausteine und die Tipps, eben Trockenarbeit. Ich habe Zeit und nehme mir die auch. Lebenslang. Also ich tue was und arbeite an mir.

    Habe die Tage gemerkt, dass ich zuviel auf einmal wollte. Das hat mich überfordert. Habe ja auch den normalen Alltag mit Job und anderen Verpflichtungen wie Unterstützung in der Familie und auch privat ganz allgemeine Dinge zu erledigen, auch Haushalt und Hund. Einfach handeln und leben und keine weltverändernden Erwartungen haben, einfach ich sein mit trockenem Denken und Handeln und vor allem keine Wissenschaft aus dem Trockenwerden machen. Dieser Satz hat den Stress von mir genommen. Ich fühle mich total erleichtert und werde auf dich hören. Hast mir ja gesagt, dass du ein alter Mann bist, dann höre ich erst Recht auf dich, weil du ja dann auch ganz bestimmt Waise bist 😀 Jedenfalls sage ich dir Danke für deinen Beitrag, der hat mich zum Lächeln gebracht und eine frohe Grundstimmung erzeugt. ✌️

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo KaDett und Hartmut,

    auch ich finde Hartmuts Beitrag, gut, richtig und wichtig. Und da ich Hartmut auch schon in anderen Fäden gelesen habe, die ich auch gut, richtig und wichtig fand, wollte ich mich hier einmal Bedanken. Weil ich echt dankbar bin Das Du nach so vielen Jahren hier noch so aktiv bis und uns Newbies, Deine Erfahrung und Deine Hilfe zur Verfügung stellst.

    Und ich lese aus Deiner Hilfe einen klassisch verhaltenstherapeutschen Ansatz heraus. Also das Vergangene als Blackbox zu betrachten und den Fokus auf eine Veränderung von Gefühlen, Gedanken und Verhalten zu legen. Mit dem Ziel das es Dir besser oder gut geht. Das ist gut. Ich habe nach 2005 eine Verhaltenstherapie bei einer damals beinharten, aber für mich sehr sehr guten, Verhaltenstherapeutin abgeschlossen. Das Ergebnis war das ich meine Angsterkrankung ganz überwunden habe und Wege gelernt habe trotz wiederkehrender schwerer Depressionen stabil zu bleiben.

    Aber nun zum Ausgangspunkt

    komische Traurigkeit

    Dazu habe ich ja oben schon etwas geschrieben. Und ich wollte eigentlich nur darauf hinaus das Depressionen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, eine ernst zunehmende Krankheit sind, die Menschen nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Das kann Böse enden.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Heute war ich den ganzen Tag unterwegs, und mein tägliches Üben zu meditieren wirkt sich bereits aus. Keine Hetze hatte heute eine Chance. Habe viel gelacht und war lustig drauf. Ich fühle mich ruhiger und ausgeglichener. Habe viel erledigt, auch unangenehme Dinge. Alles strukturiert und eins nach dem anderen. Verhaltensweisen haben sich von selbst verändert ohne, dass ich das extra gemacht habe.

    Habe mir die letzten 2 Tage ums Thema nur wenig Gedanken gemacht und bin trotzdem in meiner Trockenarbeit einen Schritt weitergekommen. Ich fühle mich wieder wie ich selbst. Habe eine positive Einstellung. Der Tag war anstrengend, aber ich bin zufrieden und jetzt geht’s schlafen. Gute Nacht.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Gestern Abend kurz vorm schlafen ist mir ein Gedanke durch den Kopf geschossen. Und zwar vor dem Alk zu kapitulieren.

    Davon habe ich hier im Forum zum ersten Mal überhaupt was gelesen und fand das blöd. Nix für mich, ich kapituliere doch nicht. Ich doch nicht. Das Wort kapitulieren kommt in meinem Leben gar nicht vor.

    Habe mir da auch keine weiteren Gedanken drüber gemacht. Bis gestern Abend. Im Laufe des gestrigen Tages, oder sogar schon 1-2 Tage früher habe ich wohl unbewusst vor dem Alk kapituliert. Nicht extra und völlig ungeplant, kein einziger bewusster Gedanke. Mir ist es dann gestern Abend aus heiterem Himmel bewusst geworden, dass ich nicht mehr kämpfe und mich gefügt habe. Auch Verzichtsgedanken sind nicht mehr da. Ich habe losgelassen und es so angenommen wie es ist. Bin dabei mich mit mir zu versöhnen. Und das ist mir bewusst geworden, ist mir plötzlich aufgefallen, weil es eine Tatsache geworden ist. Fühlt sich gut und richtig an, wie befreit. Ich fühle auch wieder Leichtigkeit, bin unbekümmerter im Alltag, die Schwere ist weg. Ich denke auch das Meditieren spielt eine Rolle und hier die SHG. Und die Beiträge die ich von euch bekommen habe. Und 2 Beiträge haben besonders bei mir eine Wirkung erzielt. Also meine Trockenarbeit nimmt Fahrt auf.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ich habe tatsächlich vor dem Alkohol kapituliert. Das ist eine Erkenntnis, ist der Knaller. Hätte ich nicht gedacht, dass ich dahin komme. Habe das sogar als Schwäche angesehen als ich darüber hier las. Aber jetzt ist es mir egal, denn es ist gar keine Schwäche. Ich bin auch nicht der Verlierer und Alk ist nicht der Sieger. Ich habe gewonnen. Ich habe den Kampf gewonnen. Es ist klug zu kapitulieren, der Kampf ist vorbei. Der Alk hat seinen Stellenwert nicht verloren, aber mich interessiert es nicht mehr was mit dem Alk ist. Es gibt ihn, aber ohne mich. Ich habe mich gelöst und habe deshalb gewonnen, mein Leben zurück gewonnen.

    Boah was für eine Erkenntnis, jetzt wo ich das schreibe, nebenbei im Job, ich bin aufgeregt, habe Herzschlag, Freude und fühle mich glücklich.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ich visualisiere das grad noch mal für mich. Kapitulieren. Was für ein Wort. Gefiel mir nicht als ich es hier las. Einfach ignorieren.

    Jetzt steht da der Alk, groß und mächtig, ich steh ihm gegenüber. Der Kampf liegt flimmernd in der Luft. Ich kapituliere, drehe mich einfach um und gehe weg. Der Alk steht noch immer da. Allein. Ich gehe und gehe und gehe, von weiterm wird der Alk immer kleiner. Ich drehe mich nicht mehr um. Der Alk bleibt nur noch Erinnerung.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Die ganze Zeit bis inkl. Montag war ich angriffslustig und auf Abwehr eingestellt. Ist weg, ich hab’s aufgegeben. irgendwann in den letzten 2 Tagen. Wenn ich jetzt in einer langen Schlange vor der Kasse am Weinregel anstehen müsste, würde ich mir nicht mehr die Flaschen betrachten. Warum sollte ich. Ich würde meine Einkäufe anschauen oder einfach entspannen.

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  • Danke für deine Erfahrung und Sichtweise zur Kapitulation.

    Kapitulation ist für mich Aufgabe wegen Einsicht und im schlimmsten Falle aber auch Unterwerfung, deswegen passte es für mich nicht.

    Den Alk oder Klitschko stehen lassen und mich einfach umdrehen und gehen, das Bild gefällt mir.

    Ich habe aufgehört zu kämpfen, kapituliert. Das ist ein Ausdruck von Stärke und Weitsicht und da ich einfach gehe, ist es auch keine Unterwerfung.
    Dass mir der Alk von hinten ins Kreuz tritt, wird nicht passieren, ich hab ihn mir immer von vorne zur Brust genommen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo KaDett,

    nicht mehr kämpfen zu müssen, ist ein wichtiger Schritt, um eine zufriedene Abstinenz zu erreichen. Du hattest auch von Verzichtsgedanken geschrieben: Auch die sollten im Laufe der Zeit weniger werden.

    Der Umgang mit unserer Krankheit ist ein Prozess. Einige brauchen mehr Zeit als andere, um sich zu festigen. Mir war zwar an Anfang klar, dass ich nie wieder trinken möchte und ich hatte auch einen großen Suchtdruck, aber es viel mir schwer, das Nicht-Trinken als Selbstverständlichkeit zu sehen. Ich war auch traurig, dass mir das passiert war und Alkohol nun nicht mehr in mein Leben gehört. Ich brauchte einige Wochen (eher Monate), bis ich innerlich ruhig wurde. Trotzdem habe ich meinen Notfallkoffer parat. Man weiß ja nie.

    Viele Grüße
    Seeblick

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