Poni27 - Die grosse Liebe an den Alkohol verloren

  • Ich kenne meinen neuen Freund erst seit ein paar Monaten. Ich bin so verliebt wie nie zuvor in meinem Leben.

    Er hat schwere gesundheitliche Schäden – an Lunge, Leber und Niere – infolge einer früheren Blutvergiftung. Dazu kommt eine Leberzirrhose im Anfangsstadium, die, wie ich heute vermute, auch durch langjährigen und exzessiven Alkoholkonsum entstanden ist.

    Der Alkohol war von Anfang an Thema. Aber ich habe die Tragweite seines Problems nicht erkannt – oder nicht erkennen wollen. Vielleicht war ich auch einfach überwältigt von der Nähe, der Liebe, der Wärme zwischen uns. Er ist so ein feiner Mensch – mit Humor, Tiefe und einer ganz besonderen Sensibilität.

    Dann bekam er eine Grippe. Sein Körper war zu schwach, um damit fertigzuwerden. Er wurde plötzlich ganz gelb und musste für zwei Wochen ins Krankenhaus.
    Als er vor etwa vier Wochen entlassen wurde, war er sehr geschwächt – und nun hieß es: Leberzirrhose Grad 2. Trotzdem besserte sich sein Zustand allmählich. Er trank zwei Monate lang keinen Alkohol – einschließlich des Krankenhausaufenthalts. Diese Zeit war wunderschön. Wir haben gemeinsame Pläne geschmiedet, unsere Familien kennengelernt, Zukunft gedacht.

    Dann kam der Rückfall.
    Ich habe es am letzten Freitag bemerkt – seitdem ist er durchgehend betrunken. Morgens, abends. Er redet wirr, ist kaum noch erreichbar. Und ich bin am Ende. Ich habe die letzten drei Tage nur geweint. Ich weiß nicht, wohin mit meiner Liebe, mit meiner Angst. Ich habe solche Panik, dass er sich innerhalb kürzester Zeit zu Tode trinkt.

    Ich habe ihm geschrieben, dass ich Abstand brauche. Dass ich für ihn da bin, wenn er raus will aus diesem Kreislauf – aber dass ich mit diesem Zustand nicht klarkomme. Seitdem bombardiert er mich mit Nachrichten. Ich habe es geschafft, erst beim siebten Anruf ranzugehen.

    Heute. Er war sturzbetrunken und wollte sich ans Steuer setzen. Ich habe ihn nach Hause gefahren.
    Er wollte zu mir, aber ich habe Nein gesagt – so sehr ich ihn liebe, ich kann ihn in diesem Zustand nicht bei mir haben.

    "Ich brauche dich", "du bist eiskalt", "du lässt mich im Stich" und "wenn du mich jetzt nicht mit zu dir nimmst, ist es vorbei."
    Ich habe ihn trotzdem zu Hause abgesetzt. Er stieg wortlos aus dem Auto.

    Vielleicht erinnert er sich morgen nicht mehr daran. Vielleicht meldet er sich nie wieder.
    Ich glaube trotzdem, dass es richtig war.

    Und doch sind da diese Gedanken:
    Was, wenn er sich jetzt noch mehr zuschüttet?
    Was, wenn er stirbt?
    Was, wenn ich morgen nicht genug Kraft habe und nachgebe?

    Ich bin total verwirrt und alles tut einfach nur weh.

  • Hallo Poni27,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Poni27.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Poni,

    schön dass du hier bist. Aber es tut mir leid, was du gerade erträgst.

    Ich kenne meinen neuen Freund erst seit ein paar Monaten. Ich bin so verliebt wie nie zuvor in meinem Leben.

    Es ist immer schön frisch verliebt zu sein. Aber wenn in wenigen Monaten schon das Thema Alkohol so auftaucht, dann kann man das auch zu recht selbst mit rosaroter Brille nicht ertragen. Und das musst du auch gar nicht.

    "Ich brauche dich", "du bist eiskalt", "du lässt mich im Stich"

    Das habe ich früher immer von meiner Mutter gehört. Tat sehr weh und hat mich wütend gemacht.

    Das sind auch so Sätze, die ich von meinem Partner niemals hören wollen würden und besonders nach kurzer Zeit nicht. Wie konnte er vor dir überleben, wenn er dir jetzt die ganze Verantwortung und dann auch noch diese Manipulationen zuwirft?

    Er ist erwachsen und hat sich scheinbar mehrfach in seinem Leben für den Alkohol und gegen eine dauerhafte Genesung entschieden. Sonst wäre die Krankheit wahrscheinlich nicht soweit fortgeschritten. Selbst eine neue, deine Liebe, wird das wahrscheinlich nicht ändern. Diese Erkenntnis tut weh. Ich weiß.

    Vielleicht erinnert er sich morgen nicht mehr daran.

    Das ist sogar sehr wahrscheinlich so. Manchmal ist das gesagt schon nach wenigen Minuten weg. Was habe ich schon für Diskussionen mit meinem xy geführt, weil er mir etwas an den Kopf warf und ich ihn kurz darauf darauf ansprach und er sich nicht erinnern konnte und für ihn wieder alles gut war. Ich hörte das gesagte noch Tage lang und er konnte genüsslich neben mir schnarchen.

    Ich verstehe total, dass du dir Sorgen machst um ihn. Leider liegt es aber allein in seiner Hand etwas zu ändern oder genau so weiter zu machen.

    Warum denkst du, dass du einknicken könntest?

    Hast du vielleicht eine Freundin oder Familie, die Bescheid wissen und denen du schreiben kannst, wenn du eigentlich ihm schreiben willst? Alternativ kannst du natürlich auch hier immer schreiben.

    Ich schicke dir viel Kraft 🍀

    Liebe Grüße Pingu

  • Hallo Poni!

    Der Alkohol war von Anfang an Thema. Aber ich habe die Tragweite seines Problems nicht erkannt – oder nicht erkennen wollen.

    Das kann durchaus passieren wenn man frisch verliebt ist und den anderen noch nicht richtig einschätzen kann. Am Anfang zeigt sich ja jeder von seiner besten Seite.

    Als er vor etwa vier Wochen entlassen wurde, war er sehr geschwächt – und nun hieß es: Leberzirrhose Grad 2. Trotzdem besserte sich sein Zustand allmählich.

    Wenn die Leber schon so geschädigt ist hilft nur absolute Abstinenz auf Lebenszeit, vor allen Dingen weil er auch andere Organschäden hat ist Alkohol pures Gift.

    "Ich brauche dich", "du bist eiskalt", "du lässt mich im Stich" und "wenn du mich jetzt nicht mit zu dir nimmst, ist es vorbei."

    Das sind die üblichen Sprüche und Drohungen mit denen man wieder gefügig gemacht werden soll. Er will seine Verantwortung für seinen Zustand an dich abschieben. Aber er hat ja seinen Zustand selber herbeigeführt also muß er sehen wie er damit klar kommt. Die Ärzte werden ihm bestimmt gesagt haben dass seine Lebenszeit rapide schrumpft wenn er nicht aufhört zu trinken.

    Und doch sind da diese Gedanken:
    Was, wenn er sich jetzt noch mehr zuschüttet?
    Was, wenn er stirbt?
    Was, wenn ich morgen nicht genug Kraft habe und nachgebe?

    Du kannst es nicht verhindern, es ist seine Sache. Versuche stark zu bleiben, vielleicht hilft es dir in die Zukunft zu schauen. Hast du dir dein Leben so vorgestellt? Bestimmt nicht du hast dir Besseres verdient, nicht einen nassen Alkoholiker der dir nur Kummer bereiten wird.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Danke für eure Reaktionen.

    Er bombardiert mich mit Liebeserklärungen dazu 40 Anrufe bis 17.00 Uhr. Seitdem ist Ruhe - schläft wahrscheinlich.

    Ich versuche schonmal nur auf jeden 7. Anruf zu antworten, so wenig wie möglich auf die Nachrichten - das ist hart. Sind nur kurze Gespräche - er will zu mir kommen, ich sage nein, er sagt ich brauche dich, ich sage, du bist betrunken, ruf den Arzt an, dann ist das Gespräch schnell vorbei. 2 Minuten später klingelt es wieder.

    Ich kann mich auf nichts konzentrieren, bin nur am Heulen.

    Ich vermute, wenn ich es ihm klar sage, dass ich das nicht mehr möchte, dann wird er es sein lassen. Aber das schaffe ich noch nicht. Kopf hat verstanden - es gibt keine andere Möglichkeit, aber emotional hab ich das für mich noch nicht klar genug. Ich schaff noch nichtmal das Händy leise zu stellen.

    Ich habe viel im Forum gelesen - viele ähnliche Geschichten. Glück im Unglück, dass wir keine Kinder zusammen haben, nicht zusammen wohnen und auch die Zeit, die wir zusammen sind, noch nicht so lang ist.

    Jetzt gerade ist hier Maifeier vor der Haustüre. Viele Freunde sind da, aber ich geh nicht hin - hab Angst, ihn da sturzbetrunken zu treffen.

  • Liebe Poni27, so vieles was Du schreibst kommt mir sehr bekannt vor. Die ständigen Anrufe und WhatsApp.

    Wenn Du den Absprung schaffst, bleibt Dir viel erspart. Ich weiß es ist nicht einfach, wenn man so verliebt ist.

    Ich wünsche Dir viel Kraft.

  • Liebe Poni,

    als ich deinen Vorstellungstext gelesen habe, ging mir folgendes durch den Kopf.

    Wow, ist sie reflektiert. Sie lässt sich nicht einlullen. Sie hat vieles sehr richtig eingeschätzt. Sie macht alles richtig.

    Poni, ich ziehe meinen Hut vor dir. Das machst du toll.

    Glück im Unglück, dass wir keine Kinder zusammen haben, nicht zusammen wohnen und auch die Zeit, die wir zusammen sind, noch nicht so lang ist.

    Das lag mir die ganze Zeit auf der Zunge. Hier sind so viele wie ich, die viele Jahre verheiratet sind, Kinder und gemeinsame Existenzen haben und das macht vieles schwerer.
    Lauf Poni, bevor du da noch tiefer reinrutscht. Blockiere ihn und zieh dich zurück. Ich weiß , es tut sehr weh. Das wird aber nur noch schlimmer.

    Jetzt gerade ist hier Maifeier vor der Haustüre. Viele Freunde sind da, aber ich geh nicht hin

    Bei mir auch. Ich treffe mich dort heute auch nicht. Warum? Zu viel Alkohol. Das löst inzwischen bei mir so viele ungute Gefühle aus und dabei hab ich noch nie viel getrunken. Aber ich bin ein Co und da meide ich gerade solche Feste auch.

    Bleib stark Poni. Du machst es richtig. Du hast Grenzen gesetzt und die musst du einhalten. Das gleiche würde ich mit den Telefonaten machen. Er kann dich anrufen, aber nüchtern. Wenn er getrunken hat, dann ignorieren und blockieren.

  • Bei der Suche nach einer neuen Frau für's Leben hatte ich eine kurze Phase, bei der ich recht dicht nacheinander mehrmals Frauen traf, die erhebliche Probleme mit sich selbst hatten. Sie zogen mich an und stießen mich gleichzeitig ab. Meine Antennen auch dafür waren sehr fein und intakt, aber Etwas innen drin in mir wollte kurzzeitig die erkannten Wahrheiten nicht wahrhaben und sie zog mich magisch an. Es hat mich jedesmal ziemlich mitgenommen, ging aber nie über drei Treffen hinaus, meistens habe ich es beendet. In einem Fall aber habe ich mich fast "festgebissen" - und nur ein unglückliches Missverständnis hat einen Diskussionsprozess (Telefon/Mail) ausgelöst, der mir drastisch vor Augen führte, in was ich da hineingerannt wäre.

    Quintessenz: Auf sich selbst und seine Befürnisse schauen. Tut mir jemand gut (auch weitergedacht: nicht nur in lieblichen Phasen...)? Bei Problemen/Ecken & Kanten - ist ein Einvernehmen, ein Kompromiss realistisch möglich; für Schwerwiegendes: gäbe es eine Lösung, wie wahrscheinlich ist diese und dauerhaft? Was "kostet" es an eigener Lebenszeit und Zufriedenheit? Wie gefährlich könnte es werden (im übertragenen Sinne und in echt)?

    Aber auch (für den Rückblick): Warum ziehe ich so Jemanden an? Mehr noch: Warum zieht es MICH zu so Jemandem hin? Warum liebe (zunächst ja: begehre) ich bis in die Unvernunft hinein? Warum kann ich nicht loslassen, wenn die Sinnlosigkeit mich förmlich anschreit??

    Rein rational und zudem noch von außen betrachtet lässt es sich leicht reden...
    Eine kluge und rationale Entscheidung wünsche ich Dir, von Herzen, auch wenn es sich kalt lesen sollte!

  • Ich schließe mich Sonnenschein an Poni. Sei froh das ihr noch nicht so lange zusammen seid. Geh... so lange du noch kannst. Auch wenn das sehr weh tut. Frag mich. Ich hab die Entscheidung noch vor mir. Wenn er die letzte Chance (Entzug) nicht nutzt dann werde ich gehen. Wenn es bis dahin nicht zu spät ist. Und ich heule schon Monate deswegen. Sind schon lange verheiratet.

    Ich habe jahrelang gedacht ich kann helfen.. kann ich aber nicht. Hab Jahre dafür gebraucht mir das einzugestehen. Und nun steck ich mittendrin im Schlamassel. Als Co.

    Ich wünsche dir viel Kraft.

  • Ich versuche stark zu bleiben. Klappt teilweise, teilweise nicht.

    Vorgestern hab ich ihn reingelassen. War ein Fehler. Morgens um 6 musste er weg, sicher um was zu trinken. Na toll. Aber gestern und heute bin ich stark geblieben.

    Er hat einen Termin in der Klinik(Ende Mai). Er hat seinen Arzt angerufen und gesagt, dass es dringend ist und der Termin wurde vorgeschoben auf den 12. Mai. Er war ruhig am Telefon. Ich war sooooo erleichtert, uff, er hat sich fürs Leben entschieden. Heute Abend war er wieder betrunken. Hat sehr seltsame Dinge geredet, widerspricht sich in Sekundenschnelle - hat kein Zeitgefühl mehr, wusste nicht mehr, wo sein Auto steht (zum Glück)... Es ist schwer zu ertragen. Ich habe ihn nach Hause gefahren. Auf dem Weg zu meinem Auto hat er alles versucht, um zu mir zu dürfen (Du bist gemein, du liebst mich nicht, Ich hab dir doch nichts getan, komm wir trinken noch ein Bier, nur eins....etc....Das heftigste war: wenn ich nicht mit zu dir darf, geh ich saufen. Hab ihm gesagt, bitteschön, deine Entscheidung, ich lass mich nicht erpressen. Innerlich bin ich fast gestorben, aber buoah, bin ich stolz auf mich. Während der Autofahrt war er dann plötzlich ganz klar und lieb und verständnisvoll.

    Kopf sagt, trenn dich, blockier ihn. Das Herz sagt, ich hab den so fucking gerne. Na ja, ich muss ja nicht jetzt sofort eine Entscheidung treffen. Ich möchte einen Funken Hoffnung behalten. Ich habe wenig Erfahrung - eigentlich gar keine mit Süchtigen. Nach allem, was ich hier gelesen habe, würde ich mir wahrscheinlich viel ersparen, wenn ich es kurz und schmerzlos beenden würde. Ich kann mir keine Zukunft vorstellen. Aber ich häng noch drin.

    Hier ein paar Regeln für mich

    1 - Er kommt betrunken nicht zu mir nach Hause.

    2 - Ich reagiere nicht unmittelbar auf Anrufe und Nachrichten.

    3 - Ich telefoniere nicht mit ihm, wenn er betrunken ist. (hier ist es etwas schwierig, weil ich es vielleicht/gut möglich nicht merke)

    4 - Ich lass mich nicht einlullen. Ich vermeide Thema Alkohol und Liebe. Alkohol ist seine Sache, nicht meine. Liebe/Beziehung - da werden wir drüber sprechen, wenn er nüchtern ist. Auch nicht einfach.

    5 - Ich bleibe bei mir - auch schwer. Ich atme, treffe Menschen, die gut sind für mich, tue Dinge, die gut sind für mich. Und die gibt es reichlich, ich Glückliche :). Nur das Arbeiten ist gerade sehr schwierig - Konzentration ist unmöglich, schlafen, essen.... alles schwierig

    Vielen lieben Dank für eure Unterstützung. Ich bin so froh, dass ich mich hier angemeldet habe. Es klingt alles wahrscheinlich sehr abgeklärt, aber ehrlich gesagt geht's mir so richtig scheiße.

    Ich bin ein starkes Mädchen und ein wertvoller Mensch. Mich gibt es nur einmal. Gute Nacht (hoffentlich)

  • Was "kostet" es an eigener Lebenszeit und Zufriedenheit? Wie gefährlich könnte es werden (im übertragenen Sinne und in echt)?

    Aber auch (für den Rückblick): Warum ziehe ich so Jemanden an? Mehr noch: Warum zieht es MICH zu so Jemandem hin? Warum liebe (zunächst ja: begehre) ich bis

    Danke für die krassen Fragen. Ich werde mich damit beschäftigen, sobald mein Kopf wieder etwas klarer funktioniert...

  • Hallo Poni,

    Hier ein paar Regeln für mich

    Wenn Du hinter dem Wort Regeln ein Komma setzt, dann wird ein Schuh draus.

    Dann brauchst Du vermutlich nur eine Regel,.... wenn Du es für Dich tust. Denn im Moment arbeitest Du eher gegen Dich und leidest seine Sucht mit. Und Du bist für ihn eine Teil, welcher seine Sucht erträglicher macht. Oder würdest Du das Beziehung nennen?

    Du baust ihn und seine Sucht noch fest in Dein Leben ein, ist so eine Art Lernprozess.

    Hier mal kurz ein Fakt: Du kennst ihn garnicht ohne diese anhaltende und wesensverändernde Vergiftung mit Alkohol. Du hast ihn schon vergiftet kennengelernt. Eigentlich weisst Du garnicht was er für ein Mensch ist, wenn er mal vom Alkohol dauerhaft loskommen sollte. Im Moment siehst Du nur was Du in dieser Situation sehen willst und hoffst.

    Ich meine da nicht die paar Tage zwischendurch wenn er mal nichts trinkt. Die reichen nicht um das Gehirn und die Psyche von den Folgen des Alkohols zu befreien. Das kann viele Wochen, ich sag mal 2-3 Monate dauern bis Du den eigentlichen Menschen dahinter erkennst. Es ist garnicht sicher ob Du ihn dann noch lieben würdest und es ist auch nicht sicher ob er Dich noch lieben würde.

    Es besteht durchaus die Möglichkeit, das Du nach seiner Therapie erkennen musst, das Du auf verlorenem Posten kämpfst, wenn er es denn schaffen sollte trocken zu bleiben, er sein Leben umkrempelt und mit Trockenarbeit beginnt um es durchzuziehen.

    Zumindest bist Du dabei es etwas erträglicher zu machen mit diesen Regeln, aber ganz ehrlich: Das Beste wäre beenden und nach einem halben Jahr trocken nochmal anzufangen, wenn es dann noch Thema sein sollte.

    lG WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

    Einmal editiert, zuletzt von Whitewolf (3. Mai 2025 um 06:23)

  • Guten Morgen Poni,

    wie war deine Nacht? Wie geht es dir?

    saufen. Hab ihm gesagt, bitteschön, deine Entscheidung, ich lass mich nicht erpressen. Innerlich bin ich fast gestorben, aber buoah, bin ich stolz auf mich.

    Das kannst du sein. STOLZ!!! Gefühle kannst du nicht einfach an- und ausschalten. Das ist ganz normal. Deine Distanzierung und sein Verhalten werden mit der Zeit auch deine Gefühle zu ihm beeinflussen und ändern.

    Es klingt alles wahrscheinlich sehr abgeklärt, aber ehrlich gesagt geht's mir so richtig scheiße.

    Das kenn ich. Ich bin gerade so klar wie nie. Trotzdem wache ich jeden Morgen auf und realisiere, dass ich gerade in meinem persönlichen Albtraum lebe. Ich bin auf dem Weg heraus, aber diesen Weg habe ich mir nie ausgesucht und nie gewollt.

    Ich bin ein starkes Mädchen und ein wertvoller Mensch. Mich gibt es nur einmal.

    Das ist richtig. Ich kenne dich nicht. Du scheinst noch recht jung zu sein und handelst trotzdem sehr abgeklärt und vernünftig. Achte auf dich und lass dich nicht schlecht behandeln. Du bist wertvoll und liebevoll. Du achtest gerade auf dich und versuchst gleichzeitig sein Leben zu retten.

    Ich wünsche dir einen erfolgreichen und sonnigen Tag.

    LG

  • Hallo Poni,

    Dann brauchst Du vermutlich nur eine Regel,.... wenn Du es für Dich tust. Denn im Moment arbeitest Du eher gegen Dich und leidest seine Sucht mit. Und Du bist für ihn eine Teil, welcher seine Sucht erträglicher macht. Oder würdest Du das Beziehung nennen?

    Du baust ihn und seine Sucht noch fest in Dein Leben ein, ist so eine Art Lernprozess.

    Das finde ich sehr treffend beschrieben von Whitewolf. Ich kann mich da als langjährige Co so gut reindenken. Als ich mich noch nicht mit Sucht auseinandergesetzt hatte, in jungen Jahren, kannte ich meinen jetzigen Freund schon, war verliebt, aber dauernd auch damit beschäftigt, auf mich selbst aufzupassen. Nicht so reflektiert wie Du, vermutlich auch, weil mir solche Ansprechpartner wie hier ganz lange fehlten. Ich glaube, auf Dauer geht das nicht, Grenzen zu setzen, Regeln für eine noch frische Beziehung aufzustellen, wenn Sucht auf der einen Seite und gleichzeitig so viele Emotionen im Spiel sind. Das ist wie in dem berühmten Beispiel, als würde man versuchen, bei Tempo 200 auf der Autobahn die Handbremse zu ziehen. Lieber die Ausfahrt nehmen, auch wenn es sehr schwer ist - und natürlich nur Du entscheiden kannst.

    Ich hab's nur für einige Jahre geschafft und mir oft genug gewünscht, ich hätte sehr viel konsequenter auf mein eigenes Wohl geachtet, wäre nicht zurückgekehrt, ja wäre meinem xy gar nicht erst begegnet.

    Er hat einen Termin in der Klinik(Ende Mai). Er hat seinen Arzt angerufen und gesagt, dass es dringend ist und der Termin wurde vorgeschoben auf den 12. Mai. Er war ruhig am Telefon. Ich war sooooo erleichtert, uff, er hat sich fürs Leben entschieden.

    Warst Du bei dem Gespräch dabei? Bitte nicht falsch verstehen, aber das kann auch ein Appell an Dich sein, bei ihm zu bleiben, weil er ja damit vordegründig alles tut, um schneller in die Klinik zu kommen - auch für Dich. Aber wenn es ihm tatsächlich ernst ist mit dauerhafter Abstinenz, sollte er für sich handeln. Und leider ist Klinik (vermutlich erstmal nur Entgiftung?) auch nur ein allererster Schritt und bei seiner Leberschädigung noch lange keine tragfähige Entscheidung für das Leben.

    Gut, dass Du immer wieder so abwägst, ihm auch klar machst, dass Du Dich nicht erpressen lässt. So lange Ihr zusammen seid, wird er vermutlich alle Register ziehen. Pass gut auf Dich auf!

    Liebe Grüße

  • Warst Du bei dem Gespräch dabei? Bitte nicht falsch verstehen, aber das kann auch ein Appell an Dich sein, bei ihm zu bleiben, weil er ja damit vordegründig alles tut, um schneller in die Klinik zu kommen - auch für Dich. Aber wenn es ihm tatsächlich ernst ist mit dauerhafter Abstinenz, sollte er für sich handeln. Und leider ist Klinik (vermutlich erstmal nur Entgiftung?) auch nur ein allererster Schritt und bei seiner Leberschädigung noch lange keine tragfähige Entscheidung für das Leben.

    Nein, ich war nicht dabei. Es ist eine Psychiatrie - er muss trocken sein, um dahin zu dürfen. Den Entzug will er alleine machen. Er meint, er schafft das - hat er ja schonmal... Ich habe ihm gesagt, er soll den Arzt anrufen, dass ein kalter Entzug gefährlich sein kann (hab ich hier gelesen). Kann gut sein, dass er mich damit halten will. Klappt ja gerade auch :(

  • Hallo Poni,

    streife dein selbstgemachtes Halfter ab und werde zum Wildpferd.

    Du "kennst" ihn erst so kurz. Gemeinsames Haus, gemeinsame Kinder, gemeinsames Konto machen es schwieriger....

    Wenn er weiter rumeiert, wird er zum Pflegefall und du zur Krankenschwester. Er macht sich schon jahrelang kaputt. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß er genau jetzt aufhört und bis ans Lebensende trocken bleibt?

    Wieso fühlst du dich von einem suchtkranken Menschen angezogen? Kennst du das aus dem Elternhaus? Viele erwachsene Kinder von Alkoholikern werden entweder selber süchtig oder landen in Beziehungen mit Suchtkranken. Man erkennt das altbekannte, vertraute Muster und schwupps ist man in der Co-Falle.

    Kennst du Alkoholismus von früher?

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich habe gerade mit ihm telefoniert. Er ist total wirr und hatte am Tel (Videocall)einen epileptischen Anfall. Heftig. Er will den Arzt nicht anrufen, auch nicht in die Notaufnahme.

    Es ist echt schwer, mit an zusehen, wie er kaputt geht. Je schlechter es ihm geht, umso schwerer fällt es mir, bei mir zu bleiben. Ich habe das Gefühl, ihn hängen zu lassen, im Stich zu lassen. Kann ich denn gar nichts tun? Einfach sterben lassen?

    Ich bin verzweifelt, traurig, hilflos, müde.

    Die letzte Woche (seit dem Rückfall) ist nur das I-Tüpfelchen. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, waren die letzten 5 Monate mit ihm wie eine einzige lange Achterbahnfahrt. Anstrengend, intensiv, extrem. Ein unfassbar lieber Mensch ist in mein Leben getreten und wir sind uns sehr schnell sehr nah gekommen. Ich bin eigentlich eine starke und unabhängige Frau. Hab zwei fantastische Kinder alleine großgezogen. Die zweite ist im Herbst ausgezogen. Prompt kam Mister X und der Wirbelsturm nahm seinen Lauf.

    Ich kann nicht einmal wütend sein. Er tut mir einfach nur leid. Und ich mir gerade auch.

  • Wieso fühlst du dich von einem suchtkranken Menschen angezogen? Kennst du das aus dem Elternhaus? Viele erwachsene Kinder von Alkoholikern werden entweder selber süchtig oder landen in Beziehungen mit Suchtkranken. Man erkennt das altbekannte, vertraute Muster und schwupps ist man in der Co-Falle.

    Kennst du Alkoholismus von früher?

    Lieber Gruß, Linde

    ich habe keine Ahnung, warum... Meine Eltern haben einen sehr vernünftigen Umgang mit Alkohol. Es ist meine erste Beziehung mit einem Suchtkranken. Deshalb hab ich's wahrscheinlich auch nicht gemerkt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich die Finger davon gelassen. Aber dass ich mich in Beziehungen verlieren kann, ist schon ein Muster, glaub ich. Aber meine Eltern haben den totalen Helferkomplex, vor allem meine Mutter. Das nervt sehr, wenn sie für alle anderen springt und hüpft und nicht an sich selbst denkt. Vielleicht hab ich da doch Verhaltensweisen übernommen, ohne es zu wollen?

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!