• Aber wie schreibst Du immer so schön wir sind hier ein Suchtforum und hier geht es vorrangig um Sucht.

    Da gebe ich dir recht. Gerade deshalb gehört für mich auch die Suchtdynamik dazu, die sich innerhalb einer Beziehung entwickelt. Sie entsteht nicht außerhalb und wird irgendwann fertig angeliefert. Sie wächst mit.;)

    Ich kenne dieses System aus eigener Erfahrung. Ich habe es selbst erlebt und über viele Jahre auch von beiden Seiten kennengelernt. Sonst würde ich ja nicht dazu schreiben können. Trotzdem gehe ich hier bewusst nicht in jedes private Detail. Wir sind im offenen Bereich.

    Und bei Beziehungs- und Suchtgeschichten habe ich einen grundsätzlichen Vorbehalt: Meist lesen wir nur eine Seite. Der andere Mensch, um den es oft seitenlang geht, der Süchtige, der Alkoholiker, sitzt nicht daneben und erzählt seine Sicht.

    Gerade nach Trennungen, Verletzungen oder jahrelangem Streit ist die eigene Wahrnehmung selten neutral. Das ist menschlich. Da wird erinnert, eingeordnet und manchmal eben auch ein bisschen passend gemacht. Höflich formuliert. :saint:

    Deshalb stelle ich manches infrage. Nicht, weil ich automatisch dem Alkoholiker glaube und dem anderen nicht. Sondern weil ich auch Respekt vor dem Menschen habe, der hier nicht zu Wort kommt. Ich habe oft erlebt, dass dieselbe Beziehung plötzlich erstaunlich anders klingt, sobald beide ihre Geschichte erzählen.

    Da gab es nicht nur einen Täter und ein Opfer. Da gab es zwei Menschen. Zwei Wahrnehmungen. Zwei Anteile. Und ich weiß auch von mir selbst, dass meine Wahrnehmung erstmal genau das ist: meine Wahrnehmung. Wenn ich sie dem anderen überstülpe und aus „so habe ich es erlebt“ irgendwann ein „so war es“ mache, geht es schnell mehr ums Rechtbehalten als ums Klären.

    Und im schlimmsten Fall bleibe ich genau da sitzen, wo ich schon bin: in meiner Opferdarstellung.

    Und ja, aktive Sucht und Beziehung sind nun wirklich keine besonders gute Kombination. Aber gerade deshalb sollte man unterscheiden, was tatsächlich Sucht ist, was Beziehung ist und was im Nachhinein vielleicht etwas zu bequem in denselben Karton gepackt wird.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • nur möchte ich bezweifeln das es sehr schnell von statten geht. ich könnte absolut nicht sagen wann ich die rote linie überschritten hatte.

    Das habe ich ja zunächst vor dem Hintergrund meiner eigenen Geschichte geschrieben. Ich habe wie geschrieben erst relativ spät angefangen ernsthaft zu saufen und da war mir glasklar, dass ich abhängig werde.

    Ich hatte seit meiner Jugend in Zeiten einen sehr riskanten, missbräuchlichen Konsum. Nicht nur Alkohol. Und auch da wusste ich, das ich mit dem Feuer spiele, weil es eben Drogen sind. Zudem hatte ich einen weitestgehend trockenen Alkoholikervater und es gab reichlich Menschen aus meinem Umfeld die bereits auf Drogen waren. Ich bin Realist.

    Aber ich hatte diese Diskussion schon mit anderer Nutzer*innen hier. Und ich glaube gerne das Menschen mit einer anderen Geschichte auch einfach in eine Sucht rutschen können. Allerdings bleibe ich dabei das eine aktive Sucht, die Regelmäßigkeit, die Menge, die Folgen, etc. einem selbst nicht lange verborgen bleibt. Und die Sucht eben das tut, was sie am besten kann, einfach weiter zu konsumieren.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Da hast du recht. Irgendwann checkt das jeder und Alkoholiker sind ja nicht weniger intelligent, nur weil sie trinken 😉 bei Handlungen in vollem Zustand sei das aber dahingestellt. Knallhart war der gefühlte Fausthieb in die Magengegend morgens, wenn mir eingefallen ist, was ich Tags davor wieder für einen Mist fabriziert hatte, also schnell weitertrinken, um das zu verdrängen. Und das war oft der Fall.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Der andere Mensch, um den es oft seitenlang geht, der Süchtige, der Alkoholiker, sitzt nicht daneben und erzählt seine Sicht.

    Aber auch das gibt es ja in beide Richtungen. Ich lese hier auch manchmal seitenlang über die nicht abhängigen Partner*innen. Ob Trennung oder nicht. Es wird detailreich über einen anderen Menschen geschrieben, ohne das die Person auch nur ansatzweise die Möglichkeit hat dazu etwas zu schreiben oder überhaupt zugestimmt hat das etwas über sie geschrieben wird.

    Und deshalb ist eben auch der Hinweis so wichtig, der gerne einmal untergeht. Dies ist eine Selbsthilfegruppe und hier geht es nur um uns selbst um keine andere Person sonst.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich war überzeugt davon, dass ich zu intelligent, zu stark und innerlich zu unabhängig wäre, um abhängig zu werden. Die Risiken waren mir schon bewusst, aber ich dachte, wenn man es richtig macht, geht das schon.
    Das war auch einer Gründe, warum ich nicht in eine Selbsthilfegruppe wollte, weil ich irgendwie überzeugt war, das sind alles idis, die keine Ahnung haben, um was es wirklich geht. Schwächlinge halt. Was sollte ich von denen lernen?

    5 Monate, bevor ich aufgehört habe, war ich nach 8 oder 10 Monaten Trinkpause, so exakt weiss ich das nicht mehr, mit jeweils zwei Bier im Monat, abgezählt, absolut überzeugt davon, dass ich nicht abhängig bin, sondern nur gerne trinke. Damit bin ich dann in das reingelaufen, dass ich unbedingt zum feiern saufen wollte. Fühlte sich nach wie vor nach freiwillig an.

    Da war aber schon das vorbei, dass mich meine Frau mal für tot gehalten hatte und der Notarzt da war. Das war der Grund für diese Trinkpause.

    Als ich aufgehört habe, hatte ich immer noch nicht wirklich das Gefühl, dass ich abhängig trinke. Sondern, dass ich wegen dem ganzen Stress, den ich hatte, ein bisschen über die Stränge gehauen hatte und während dem Stress nicht aufhören konnte. Aber wegen dem Stress, nicht wegen Sucht. Missbräuchliches Trinken halt.
    Ich hab auch ganz klar aufgehört, weil mir das Saufen in der Schlussphase nur noch unangenehme Gefühle machte und mir die möglichen Gesundheitsschäden bewusst waren, nicht weil ich mich als Alkoholiker gesehen habe.

    Ich habe erst im Rückblick auf meine ganze Geschichte, deren Darstellung hier manchmal befremdet, im bereits lange trockenen Zustand, nach Jahren, akzeptiert, dass ich Alkoholiker bin.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • In meinem Fall da ich erst relativ spät (Mitte 40) ernsthaft mit dem Saufen angefangen habe, war mir sogar völlig klar, dass ich abhängig werden würde.

    So klar war mir das nicht. Unter klar verstehe ich, der Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Folge ist unausweichlich.

    Natürlich wusste ich, dass man von Alkohol süchtig werden kann und am Ende Alkoholiker ist. Die Betonung liegt auf "man".
    "Aber ich doch nicht, so weit ist es noch lange nicht und vorher reduziere ich, oder höre ganz auf".
    Ich konnte mich auch als Nichtsüchtiger lange erfolgreich selbst belügen.

    Ja und dann, dann war ich irgendwann süchtig. Die Erkenntnis reifte mit dem zunehmenden Zwang trinken zu müssen. Es ging nicht mehr ohne und alle Versuche mir das Gegenteil zu beweisen scheiterten, weil ich Alkoholiker geworden war.

    Und es ging weiter. Zu jeder Phase meines Alkoholiker Daseins konnte ich mich irgendwie einrichten, so daß ich dachte, wenn ich diesen Zustand halten kann, wird es gehen. Es ging nicht, es wurde immer schwerer diesen Zustand zu ertragen und am Ende konnte ich ihn nicht mehr ertragen.

    Die Geschichte fing bei mir und meinem Handeln an, da war ich noch alleine, und sie endete mit mir und meiner Sucht.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich war überzeugt davon, dass ich zu intelligent, zu stark und innerlich zu unabhängig wäre, um abhängig zu werden.

    Irren ist ja bekanntlich menschlich.;) Aber das ist ja das Tückische an einer Sucht, die hat mit allem, was Du aufzählst und noch viel mehr nix zu tun.

    Ich sage das mal mit meinen eigenen Worten. Meine Sucht ist eine Erinnerung, die sich unauslöschlich in mein Gehirn eingeschrieben hat. Die Erinnerung, dass Alkohol direkt auf mein Belohnungszentrum wirkt und ein schönes, angenehmes Gefühl auslöst.

    Und die direkte Verbindung mit dem Belohnungssystem macht meine Sucht so stark, gefährlich und tödlich. Denn das Belohnungssystem ist lebenswichtig. Es belohnt mich zum Beispiel, das ich esse, bevor ich verhungere.

    Aber diese direkte Verbindung macht es meiner Sucht eben sehr leicht diese Erinnerung in mein Bewusstsein zu schieben und dort kann sie es eben schaffen mein Handeln zu "übernehmen". Da kann ich noch so intelligent, stark, unabhängig, etc. sein.:(

    Danke übrigens für Deine Offenheit und Dein Vertrauen. Das meine ich ernst. Und gut, dass Du zu uns Idis gefunden hast.;)

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Irgendwo habe ich mal gelesen, möglicherweise wars Jellinek, dass sich die extremen Rauschtrinker, die aber gleichzeitig kaum körperlich abhängig werden, besonders leicht vormachen können, dass sie nicht abhängig sind, sie aber aufgrund der extremen psychischen Abhängigkeit, wegen denen das Trinkpausensystem aufrecht erhalten werden muss, die eigentlichen Süchtigen sind.
    Das kann man sehen, wie man will, Jellinek ist ja auch ein bisschen überholt, aber mir hat das bei der Akzeptanz geholfen.

    edit, und mir ist natürlich auch klar, dass mir genau deswegen "ein bisschen" niemals reichen würde, weil nur volle Kanne interessant wäre.

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  • So klar war mir das nicht. Unter klar verstehe ich, der Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Folge ist unausweichlich.

    Wie geschrieben, das ist meine Geschichte. Ich habe mit der Gleichen Menge angefangen wie ich aufgehört habe. Wahlweise acht 0,5 Pils oder eine halbe/zweidrittel Flasche Gin oder Wodka als Mixgetränk. Selten auch mal mehr. Aber fast nie weniger. Und das alle zwei oder drei Abende oder auch Tage, wenn ich freihatte. Da musste ich kein Atomphysiker sein um zu Wissen worauf das hinausläuft.;):(:)

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Das Einzige, was ich damals wusste, war: Wer zu viel säuft und den Absprung nicht schafft, wird irgendwann Alkoholiker. Kurz gesagt: Absprung verpasst.:whistling:

    Mehr habe ich mir darüber jahrzehntelang ehrlich gesagt nicht gedacht. Ich habe fast dreißig Jahre gesoffen. Vom Beginn an, etwa mit 12 oder 13 Jahren, bis ziemlich weit nach unten.

    Ich habe mir damals keine Gedanken darüber gemacht, ob ich intelligent, dumm, stark oder schwach bin. Ich habe gesoffen. Die Clique hat gesoffen. Alle haben gesoffen.

    Erst zum Schluss, als es eng wurde und mir selbst klar wurde, dass da etwas gewaltig schiefläuft, habe ich ein paar Internettests gemacht. Mehr nicht. Den Rest hat mir dann die Sucht erzählt.

    Der erste Versuch, trocken zu werden, war im Grunde noch Stammtischlogik. Ich muss nur stark genug sein. Zusammenreißen. Kontrollieren. Das übliche Zeug eben. Der zweite Versuch entstand, wie ich schon öfter geschrieben habe, aus einer Notwendigkeit heraus.

    Und ja, ich hatte dabei Glück. Glück deshalb, weil ich irgendwann begriffen habe: Entweder ich fahre in dieser Richtung weiter bis zum Ende des Tunnels, und dann ist Schluss. Oder ich nehme die andere Richtung und komme aus diesem Tunnel wieder raus.

    So sauber gedacht habe ich das damals natürlich nicht. Dafür hatte ich weder Zeit noch große Lust auf philosophische Erkenntnisse. Ich war am Ende. Ich wundere mich heute manchmal, wenn Alkoholiker erzählen, welche weitreichenden Erkenntnisse sie hatten, die sie zum Aufhören bewegt haben.

    Ich hatte die nicht. Keine großen psychologischen Einsichten. Keine Triggeranalyse. Keine Schuldfrage. Kein „wer hat was dazu beigetragen“. Das war mir am Ende sowas von shit-egal, wenn ich das mal so dezent ausdrücken darf.;)

    Und dazwischen liefen trotzdem lange Beziehungen, Familie, Arbeit und ganz normaler Alltag. Vielleicht ist genau das manchmal schwer zu verstehen.

    Auch ein nasses Leben dreht sich nicht nur ums Saufen. Doch irgendwann nimmt das Saufen darin immer mehr Raum ein. Übrigens hatte ich weder in meiner nassen noch in meiner trockenen Zeit das Gefühl: „Ich armes Opfer.“

    Warum das so war, weiß ich nicht. Da war ich offenbar irgendwie gesegnet.

    Den Rest habt ihr nun davon, fast zwanzig Jahre Austausch hier.:whistling:

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Knallhart war der gefühlte Fausthieb in die Magengegend morgens, wenn mir eingefallen ist, was ich Tags davor wieder für einen Mist fabriziert hatte, also schnell weitertrinken, um das zu verdrängen. Und das war oft der Fall.

    Das hatte ich auch zur Genüge, aber ich war bis kurz vor dem Ausstieg der Ansicht, nicht abhängig zu sein. Vor allem auch deshalb, da ich jedes Jahr Trinkpausen von 3 bis 6 Monaten einlegte und grundsätzlich mein Leben in geordneten Bahnen lief. Und das sicher um die 25 Jahre lang...

    Die Abhängigkeit gestand ich mir übrigens erst dann ein, als ich eines Tages um sechs Uhr morgens in die Arbeit kam, noch an der Eingangstür wieder umdrehte, zu meinem Auto ging und drei Bier hinunterkippte (im Kofferraum war immer ein Vorrat vorhanden). Ich hatte weder körperliche Entzugssymptome noch einen mentalen Druck - irgendwie war ich einfach wie ferngesteuert. Das empfand ich damals (später) irgendwie als sonderbar und da realisierte ich dann meiner Erinnerung nach das erste Mal auch so richtig, dass es jetzt ernst wurde und dieses mein Verhalten definitiv nicht normal ist.

  • Ich bekam schon das erste Mal nicht genug, als ich mit dem Schnuller den Kirschlikör getunkt hatte.

    Danach war es nie "immer", obwohl ich viele Jahre täglich getrunken habe. Und den Versuch, morgens gegen den Kater zu trinken, habe ich aufgegeben, weil es dadurch schlechter wurde. Selbst in der Schlussphase mit 40 bin ich Mittag mit Saftschorle neben den Kollegen mit dem Weißbier gesessen, weil ich das mittags nicht mochte. An sich hätte ich da wahrscheinlich schon lieber weitergesoffen, wenn ich mal angefangen hatte. war halt kein gutes Gefühl nach ein oder zwei Bier, nix halbes und nix ganzes.

    Es waren viele Jahre Schnapsphasen, die von gemäßigtem Konsum lange unterbrochen wurden. Aber wenn ich die Phase hatte, wurde ich während dem Trinken immer gieriger. Weil ich das mit der Zeit wusste, hab ich den Körper praktisch vorbereitet, damit ich mehr trinken konnte, als mein Körper eigentlich ausgehalten hätte. Ich weiß noch, dass Maximalrausch mein erklärtes Ziel war. Ich konnte gar nicht mehr betrunken genug werden, dass ich das Gefühl gehabt hätte, jetzt reichts.

    Vom ersten absoluten Vollrausch bis zum letzten 26 Jahre.

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    Aber das Gras wächst.
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  • Ich war auch klassische Rauschtrinkerin. In der Jugend jedes Wochenende mit Vollrausch und Filmriss - das war in meiner Bubble absolut normal. Im Studium genauso- da kam der Donnerstag noch dazu (kleiner Freitag). Außer in Schwangerschaft und Stillzeit ging das immer so weiter bis es schleichend auch unter der Woche mehr wurde. Mal hier ein Glas Wein abends zum Buch- mal da ein Feierabendbier.
    Mir war klar, dass es missbräuchlich und zu viel war, aber als Alkoholikerin sah ich mich lange nicht - ich wollte es nicht sehen.

    Im Grunde war ich schon Wochen nüchtern und schrieb hier zum ersten Mal ‚Ich bin Alkoholikerin‘ und so richtig überzeugt war ich da immer noch nicht. Bis ich hier von den anderen las, die auch nicht schon morgens tranken, Pausen machen konnten, keine körperlichen Entzugssymptome wie Zittern hatten. Nur eben keine Kontrolle. Genau so wenig wie ich.

    Da wurde mir klar: Du bist waschechte, stinknormale Alkoholikerin- Du hast die Kurve nochmal gekriegt bevor der körperliche Verfall einsetzt oder ein schlimmer Unfall passiert. Sei dankbar und bewahre diese Nüchternheit wie einen Schatz.

    Inzwischen ist es Alltag- hin und wieder hab ich aber sauf-Träume, die super realistisch sind und ich bin immer froh wenn ich aufwache und realisiere, dass es nur ein Traum war.

  • Natürlich wusste ich, dass man von Alkohol süchtig werden kann und am Ende Alkoholiker ist. Die Betonung liegt auf "man".
    "Aber ich doch nicht, so weit ist es noch lange nicht und vorher reduziere ich, oder höre ganz auf".
    Ich konnte mich auch als Nichtsüchtiger lange erfolgreich selbst belügen.

    Ja und dann, dann war ich irgendwann süchtig. Die Erkenntnis reifte mit dem zunehmenden Zwang trinken zu müssen. Es ging nicht mehr ohne und alle Versuche mir das Gegenteil zu beweisen scheiterten, weil ich Alkoholiker geworden war.

    Und es ging weiter. Zu jeder Phase meines Alkoholiker Daseins konnte ich mich irgendwie einrichten, so daß ich dachte, wenn ich diesen Zustand halten kann, wird es gehen. Es ging nicht, es wurde immer schwerer diesen Zustand zu ertragen und am Ende konnte ich ihn nicht mehr ertragen.

    Genauso war es bei mir.

    Ich habe mich nie mit Sucht beschäftigt und Alkoholiker waren andere. Die die schon mittags in ner dunklen Kneipe sitzen mit Bier und Schnaps. Oder die, die am Bahnhof rum hängen oder unter der Brücke in Kartons und Zeitungspapier liegen.

    Ich doch nicht, ich ging ja arbeiten, habe mich um Familie und Haushalt gekümmert. Optisch immer gepflegt, hübsch und wohl duftend. Ich bin doch keine Alki.

    Ich habe den Übergang in die Sucht nicht wirklich gemerkt. Erst als ich immer mehr trinken musste und tatsächlich nicht mehr aufhören konnte, da war mir dann doch klar, dass etwas schief läuft.

    Es hat dann noch ne Weile gedauert, bis meine Gesundheit ernsthaft auf die Barrikade ging. Ich wusste, dass ich mich entscheiden muss, das habe ich getan. Ich habe rechtzeitig aufgehört und meine Gesundheit hat zum Glück noch die Kurve gekriegt.

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    🦋 Heute trinke ich nicht 🦋 Heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

    Einmal editiert, zuletzt von KaDett (27. August 2026 um 21:09)

  • Als ich morgens keinen Kaffee mehr, sondern direkt Wein getrunken habe. Bevor ich meine Kinder geweckt habe. Da war es glasklar, dass es tiefer fast nicht mehr geht. Bin auch trotzdem arbeiten gegangen, war aber ständig entzügig. Pegel halten war die Devise. War super, als man ne Zeit lang Maske tragen musste. Warum ich so abgerutscht bin, weiß ich nicht genau und ich hatte auch Phasen, da waren die anderen aber sowas von schuld daran, dass ich weiter trinken musste..böse Welt, böse Menschen.

    Wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, wäre ich wieder 15 und hätte gern das Wissen von heute. Schade Marmelade, aber der Zug ist abgefahren.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

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