• Was mir Sorge bereitet ist, dass es jetzt Gefühle der Leere in mir gibt, die ich bisher mit nichts lindern konnte. Das ist schwer auszuhalten und kein Hobby, keine Beschäftigung hilft. Ich nehme an, ich muss das einfach akzeptieren und annehmen und hoffen, dass das irgendwann leichter wird...

    Diese Leere habe ich erst mal gar nicht dramatisch aufgeblasen. In meinen nassen Jahren habe ich gesoffen und damit alles Mögliche ausgefüllt.

    Wenn ich diese Leere jetzt sofort wieder negativ bewerte, nur weil ich trocken bin, sitze ich gedanklich schon wieder ein Stück im alten nassen System. Da war Alkohol schließlich für alles irgendeine Lösung. Diese Denkweise wollte ich nicht weiterfüttern. ;)

    Nur entsteht mit dem Weglassen des Alkohols natürlich nicht automatisch ein neues trockenes Leben. Das eine ist: nicht mehr trinken. Das andere ist: trocken leben lernen.

    Der Alkohol ist weg. Schön. Nur wenn ich weiter denke, rede und handle wie zu nassen Zeiten, habe ich eben nur das Glas abgestellt. Trockenwerden fängt für mich da an, wo ich aufhöre, an meiner nassen Version festzuhalten.

    Ich hatte auch keine Erwartung, dass Trockenheit mir sofort irgendwas liefern muss. Trockenheit war für mich kein Tauschgeschäft nach dem Motto. „Ich gebe Alkohol ab und bekomme dafür Glück, Zufriedenheit und inneren Frieden frei Haus"

    Erst mal bekomme ich vor allem eines. Keinen Alkohol mehr. Und dann beginnt das Leben ohne ihn. Und dann beginnt das Leben ohne ihn.

    Und wenn da am Anfang mal Leere aufgetaucht ist, musste ich die nicht sofort wieder mit irgendwas zustopfen oder gleich zum nächsten Problem erklären. Die durfte auch einfach mal da sein. Nicht jede freie Stelle im Leben braucht sofort eine neue Füllung.;)

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Diese Leere habe ich erst mal gar nicht dramatisch aufgeblasen

    Ich liebe diese Leere bei mir und kann sie komplett auskosten. Dieses einfach mal nichts tun und nichts denken ist einfach herrlich. Das gab es saufend bei mir nicht. Da war immer ein innerer Druck und viel zu viele Gedanken.

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

    Trocken seit 11.07.2025

  • Deine Worte bewegen mich, Hartmut !

    Weil es so klingt, als sei das so einfach auszuhalten, was sich alles zeigt, wenn man nüchtern bleibt. Als wäre das ein Spaziergang.
    Und ich habe mich nach dem ersten Lesen gefragt, was ich da falsch mache.
    Nach dem zweiten Lesen dachte ich: ich mache gar nichts falsch, jeder ist anders und jeder hat einen anderen Rucksack dabei.
    Mein Rucksack hat sehr viel mit Schmerz und Angst und Leere zu tun, die letztlich auch eine Einsamkeit ist.
    Nein, ich rechtfertige damit das Trinken nicht - ich sage nur, dass ich in erster Linie getrunken habe, um genau das zu betäuben.
    Du schreibst: "Und wenn da am Anfang mal Leere aufgetaucht ist, musste ich die nicht sofort wieder mit irgendwas zustopfen oder gleich zum nächsten Problem erklären." Dazu beglückwünsche ich Dich! Wie geschrieben, versuche auch ich nicht, die nächste Ablenkung zu finden, was aber nicht heißt, dass der Umgang mit den emotionalen Zuständen einfach ist.
    Ich dachte, das hier wäre ein Ort, wo wir auch über die Schwierigkeiten des trocken seins und bleibens schreiben?

    Die nasse und die trockene Version von mir - das klingt sehr Scherenschnitt-artig und ich für mich möchte das so nicht trennen. Ich bin kein anderer Mensch, nur weil ich mit dem Trinken aufgehört habe. Aber ich muss neue coping-Strategien finden und einen reiferen Umgang mit meinen Gefühlen. (Wenn ich jetzt erwähne, dass mir das auch schwer fällt, weil ich eine kPTBS habe, dann klingt das wahrscheinlich so, als spiele ich die Trauma-Karte... Fakt ist aber, dass Menschen mit dem im Hintergrund ein eingeschränktes Stresstoleranzfenster und weniger Kapazität für intensive Gefühle haben...)

    Warum schreibe ich das alles? Weil es eben nicht einfach ist. Ich stelle mich nicht an, ich bitte auch nicht um Mitleid, ich möchte eigentlich nur beschreiben, was ich schwierig finde :)

    Interessante Idee das mit dem Tauschgeschäft... darauf wäre ich nicht gekommen. Mir war von Anfang an klar, dass trocken bleiben harte Arbeit ist. Davor scheue ich nicht zurück. Und doch habe ich Empathie für jeden (und auch mich selbst), der/die sich ein neues, trockenes Leben aufbauen muss...

    Herzliche Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Hallo Morgaine

    Ganz pragmatisch betrachtet ist die Leere auch ein Platz der erstmal da ist.vorher hab ich sie schnell und einfach gefüllt.

    Heute lasse ich sie einfach mal zu,ist ja auch mal schön, nix zu "müssen "und nicht schon irgendeinen neuen Plan zu haben.

    Das getrieben sein tut mir nicht gut,deshalb baue ich gerne Pausen mit ein,und da kommt die "Leere "gerade recht.Das Seele baumeln lassen musste ich auch neu lernen und erfahren, es braucht viel Zeit. Muße oder wie immer man es nennen will.

    Zeit für mich,Zeit fürs Nichtstun, das nimmt mir die Hektik dieser Zeit weg.

    Die Leere, wie du sie beschrieben hast füllt sich von selbst, mit irgendwelchen eindrücken von außen. Am besten, bei mir in der Natur.

    Ein neues Leben aufbauen hört sich für mich so beschwerlich an.Das Leben anders leben klingt doch entspannter.

    Die Lücken,die der Alkohol hinterlässt sind da,und nicht einfach zuzustellen, wie bei einem Umzug.

    Mit der Zeit (Monate bis Jahre)sieht man dann beim kurzem Zurückschauen die eigenen Veränderungen, die Fortschritte und staunt.

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Moin Morgaine,

    dass Leere, Angst oder Schmerz leicht auszuhalten sind, steht ja auf einem anderen Blatt. Trockenwerden ist gerade am Anfang für niemanden ein Spaziergang. Sonst gäbe es dieses Forum vermutlich nicht. 😉

    Wichtig war für mich die klare Trennung. Das eine ist mein Leben. Das andere ist meine Sucht. Die Frage, ob ich Alkohol benutzt habe, um Leere zu füllen, klingt erst mal logisch.

    Aber nur die Sucht nimmt Leere, Stress, Angst, Freude oder Langeweile zum Anlass, ihre alte „Lösung“ anzubieten. Das klingt ähnlich, ist für mich aber ein deutlicher Unterschied.

    Sonst bekommt Alkohol im Nachhinein wieder eine Funktion. Leere da , Alkohol Lösung

    Leere ist Leere. Angst ist Angst. Schmerz ist Schmerz. Alles darf hier Platz haben.

    Trocken bleibe ich jedoch derselbe Mensch. Nur meine Sucht bekommt nicht mehr zu jedem Gefühl automatisch ein Mitspracherecht.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich erinnere mich auch noch gut an die Leere in der ersten Zeit. Für mich hat etwas gefehlt, der Alkohol hat so viel Zeit und Energie gebraucht, da war dann erst mal eine ziemliche Lücke.

    Und ich muss sagen, dass ich diese Lücke am Anfang auch beängstigend fand. So nach dem Motto „wie komme ich nur ohne meinen bisherigen Halt aus?“. Der Alkohol hat mir ja alles mögliche suggeriert: Gemütlichkeit, Sicherheit, Geborgenheit, Sorgen vergessen, etc Anfangs hat mich das irritiert und ich hatte immer das Gefühl, dass ich diese Leere jetzt ausfüllen „muss“. Dass das ganz wichtig ist, vor allem am Anfang des Trockenwerdens.

    Habe dann alles mögliche ausprobiert, war auch meist ziemlich euphorisch.
    Irgendwann, das hat aber eine ganze Weile gedauert, hatte ich mich an diese Leere gewöhnt, sie war das neue „normal“. Und nach und nach ist sie dann verschwunden, denn mein Leben hat sich in kleinen Schritten verändert und ich habe keine Leere mehr gespürt.

    Aber das war nicht leicht, vor allem am Anfang. Und Trockenwerden ist definitiv kein Sprint, sondern ein Marathon. Und es lohnt sich zu 100% 👍

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • hallo Morgaine

    erst einmal vorweg, es ist normal das der kopf verrücktspielt in der ersten zeit der abstinenz und selbstverständlich versuchst du dagegen zu halten, erklärung dafür zu finden...keiner möchte dir etwas böses oder bestimmen wie deine gefühlswelt aussieht, sondern dir wege aufzeigen wie du sie richtig einordnest;) du hast jahre in der sucht verbracht um dich zu betäuben, zu vergessen oder warum auch immer. so etwas verändert einen grundlegend.

    du sagst, "du wärst kein anderer mensch,nur weil du aufgehört hast zu trinken". da muss ich dir leider wiedersprechen:idea: die jahre die du damit zugebracht hast zu trinken, haben zu einer "wesensänderung" geführt. diese kündigt sich nicht an, sie kommt sehr subtil daher und verändert deine wahrnehmung sowie das fehlen von selbstreflextion, deshalb funktioniert sucht ja so wunderbar. wer kennt es nicht, die böse welt da draussen, alle anderen haben schuld, nur ich nicht? du selbst bekommst davon nichts mehr mit, aber glaube mir der rest in deinem umfeld schon. das gehört mit zu den mechanismen der sucht:idea: die sucht(alk) hat dir jahre vorgegaukelt wie du mit problemen umzugehen hast. nun ist der suchtstoff weg und dein kopf versucht das zu kompensieren, er wartet auf seine belohnung. alles was du jetze wahrnimmst, fühlst und erlebst macht er ohne den katalysator(alk), es ist deine suchtstimme die dort hart arbeitet und versucht dir lösungen anzubieten, oder besser gesagt sie versucht dir , die "eine" lösung anzubieten. das was du jetzt erlebst ist nur ein temporärer zustand und ja, er ist in teilen sehr unangenehm, von himmelhoch jauchzend bis zu tode betrübt ist alles dabei.

    lass dich dadurch nicht entmutigen weiter deinen weg zu gehen, es wird besser werden;)

    gruss

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Ein neues Leben aufbauen hört sich für mich so beschwerlich an.Das Leben anders leben klingt doch entspannter.

    Die Lücken,die der Alkohol hinterlässt sind da,und nicht einfach zuzustellen, wie bei einem Umzug.

    Hallo Bolle ,
    danke für Deine Antwort!

    Da hast Du Recht, die Lücke lässt sich nicht einfach zustellen... ich kann tagsüber ganz gut mit Leerlauf umgehen und das Nichtstun genießen... abends wird es schlimm, weil es nicht nur um eine äußere Leere sondern die innere Leere geht. Deshalb sprach ich davon, mir ein neues Leben aufbauen zu müssen. Für mich ist es tatsächlich Schwerstarbeit, die Abende zu überstehen, das war auch schon vor dem Alkohol so. Ich habe schon lange keinen Fernseher mehr, weil mich Fernsehen extrem runterzieht... andere Beschäftigungen versuche ich gerade bzw gehe früh ins Bett...aber das fühlt sich alles noch nicht organisch und stimmig an. Ich werde mich mit meiner inneren Leere beschäftigen müssen...

    Und hoffentlich wirklich mal an den Punkt kommen, an dem ich das Leben "einfach" anders leben kann...

    Viele Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Danke Dir Hartmut ,
    da kann ich total mitgehen.
    Besonders der letzte Satz ist so auf den Punkt! Im Moment höre ich bei jedem etwas intensiveren Gefühl die Suchtstimme, die Alkohol möchte. Und da ich das nicht zulasse, fängt sie dann an, die Sucht, mir zu erzählen, dass ich doch wahrscheinlich gar nciht süchtig bin und nur ein kleines bisschen übertrieben habe.
    Ich übe, diese Gedanken ziehen zu lassen und mich auf keine Diskussion einzulassen.
    Es ist gut zu merken, dass sowohl der Suchtdruck als auch diese Gedanken nach einer Weile wieder abklingen. Ich werde also nicht ständig belabert, aber in Wellen, sozusagen. Ich hoffe trotzdem, dass das irgendwann weniger häufig auftritt.

    Danke auch, dass Du schreibst, dass Leere, Angst und Schmerz hier einen Platz haben dürfen. Das ist gut.

    Ich habe im Moment den Eindruck, dass ich akzeptieren muss, dass es für viele Zustände und Gefühle keine Lösung gibt. Das ist für mich eine harte Erkenntnis, aber definitiv besser, als wenn ich Alkohol noch als Lösung sehen würde ;)

    Viele Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Ich erinnere mich auch noch gut an die Leere in der ersten Zeit. Für mich hat etwas gefehlt, der Alkohol hat so viel Zeit und Energie gebraucht, da war dann erst mal eine ziemliche Lücke.

    Und ich muss sagen, dass ich diese Lücke am Anfang auch beängstigend fand. So nach dem Motto „wie komme ich nur ohne meinen bisherigen Halt aus?“. Der Alkohol hat mir ja alles mögliche suggeriert: Gemütlichkeit, Sicherheit, Geborgenheit, Sorgen vergessen, etc Anfangs hat mich das irritiert und ich hatte immer das Gefühl, dass ich diese Leere jetzt ausfüllen „muss“. Dass das ganz wichtig ist, vor allem am Anfang des Trockenwerdens.

    Habe dann alles mögliche ausprobiert, war auch meist ziemlich euphorisch.
    Irgendwann, das hat aber eine ganze Weile gedauert, hatte ich mich an diese Leere gewöhnt, sie war das neue „normal“. Und nach und nach ist sie dann verschwunden, denn mein Leben hat sich in kleinen Schritten verändert und ich habe keine Leere mehr gespürt.

    Aber das war nicht leicht, vor allem am Anfang. Und Trockenwerden ist definitiv kein Sprint, sondern ein Marathon. Und es lohnt sich zu 100% 👍

    Danke Dir sue05 , dass Du das teilst!
    Ja, es ist beängstigend und ich hoffe einfach, dass sich nach und nach ein Gefühl der Normalität einstellt...
    Da ich u.a. eine Angststörung habe und extrem auf Routinen angewiesen bin, fällt es mir nicht so leicht, neue Dinge auszuprobieren. (Also wenn das mit anderen Menschen und neuen Orten zusammen hängt...)
    Aber ich habe immerhin wieder mit Tai Chi angefangen, das hilft schon sehr...
    Auch wieder eine Lernaufgabe: ich war bisher in meinem Leben eher eine Sprinterin... jetzt darf ich Marathonläufern werden ;)
    Und muss mich nochmal neu mit meinen Ängsten auseinander setzen... insofern habe ich gerade eigentlich eine riesige Chance vor mir :), so versuche ich es zumindest zu sehen...

    Viele Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • hallo Morgaine

    erst einmal vorweg, es ist normal das der kopf verrücktspielt in der ersten zeit der abstinenz und selbstverständlich versuchst du dagegen zu halten, erklärung dafür zu finden...keiner möchte dir etwas böses oder bestimmen wie deine gefühlswelt aussieht, sondern dir wege aufzeigen wie du sie richtig einordnest;) du hast jahre in der sucht verbracht um dich zu betäuben, zu vergessen oder warum auch immer. so etwas verändert einen grundlegend.

    du sagst, "du wärst kein anderer mensch,nur weil du aufgehört hast zu trinken". da muss ich dir leider wiedersprechen:idea: die jahre die du damit zugebracht hast zu trinken, haben zu einer "wesensänderung" geführt. diese kündigt sich nicht an, sie kommt sehr subtil daher und verändert deine wahrnehmung sowie das fehlen von selbstreflextion, deshalb funktioniert sucht ja so wunderbar. wer kennt es nicht, die böse welt da draussen, alle anderen haben schuld, nur ich nicht? du selbst bekommst davon nichts mehr mit, aber glaube mir der rest in deinem umfeld schon. das gehört mit zu den mechanismen der sucht:idea: die sucht(alk) hat dir jahre vorgegaukelt wie du mit problemen umzugehen hast. nun ist der suchtstoff weg und dein kopf versucht das zu kompensieren, er wartet auf seine belohnung. alles was du jetze wahrnimmst, fühlst und erlebst macht er ohne den katalysator(alk), es ist deine suchtstimme die dort hart arbeitet und versucht dir lösungen anzubieten, oder besser gesagt sie versucht dir , die "eine" lösung anzubieten. das was du jetzt erlebst ist nur ein temporärer zustand und ja, er ist in teilen sehr unangenehm, von himmelhoch jauchzend bis zu tode betrübt ist alles dabei.

    lass dich dadurch nicht entmutigen weiter deinen weg zu gehen, es wird besser werden;)

    gruss

    Danke _Eternal_ für diese Einordnung!
    Was die Wesensänderung angeht: au Backe, ja, daran hatte ich tatsächlich nicht (mehr) gedacht.
    Als allererstes fällt mir da ein, dass der Alkohol bei mir massiv den inneren Anteil genährt hat, dem alles scheißegal war. Ich habe eine Gleichgültigkeit gegenüber allem und v.a. mir selbst kultiviert, die mir nüchtern überhaupt nicht gefällt.

    Dass Du schreibst, das Chaos etc ist ein temporärer Zustand erleichtert mich und ist ein Trost... ich werde definitiv durchhalten und versuchen, im Sinne der Achtsamkeit meinen "Anfängergeist" zu kultivieren ... und versuchen neugierig darauf zu sein, was sich jetzt noch alles zeigen möchte und wer ich dann jetzt so als trockene Alkoholikerin bin....

    Viele Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Ich habe schon lange keinen Fernseher mehr, weil mich Fernsehen extrem runterzieht... andere Beschäftigungen versuche ich gerade bzw gehe früh ins Bett.

    Das frühe Insbettgehen ist seit meiner Abstinenz auch so ein Ritual geworden.
    Heizdecke an und schön einkuscheln.
    Ich lese dann noch im Forum oder was anderes, höre Podcast oder Einschlafmeditationen.

    Zu Trinkzeiten saß ich lange noch draußen, durchgefroren…, mein Mann schlief schon, Hauptsache die Flache Wein wurde noch leer…oder die 2. noch geöffnet. Manchmal kam er an, wann ich endlich ins Bett will.
    Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • wenn dir die zeit so lang ist am abend nimm dir doch einfach mal ein oktavheft in die hand und teile es in 2 hälften. vorne schreibst du rein was so deine ziele sein könnten, und im hinteren teil schreibst du auf was du nicht mehr willst. der hintere war bei mir schnell voll, der vorne hat zeit gebraucht. aber es hilft beim sortieren und die zeit geht mit etwas vernünftigem um.

    schau dir die kurse an die familienbildungsstätten und volkshochschulen anbieten. da lernst du dann noch ganz nebenbei menschen kennen die zumindest ein interesse mit dir teilen.

    schau dir dinge bei pinterest an, womöglich springt dich da ja was an was du vertiefen möchtest. es gibt heute so viele möglichkeiten sich die zeit zu vertreiben. nur man muß halt anfangen. es wird einem nicht nachgetragen.

    noch ist das wetter recht gut, wie wäre es mit ner allabendlichen radtour in die nähere umgebung, wie wären basteleine an hübscher herbstdeko, schöner türkranz aus materialien die man in der natur findet kann super aussehen und kostet keinen cent.

    man kann tag täglich an ein und die selbe stelle gehen und den stand der sonne dokumentieren und so ganz bewußt beobachten wie sich im jahreslauf alles ändert. es gibt so vieles was man tun kann.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • hallo dorothea

    du hast vollkommen recht. eine bestandsaufnahme, wo steh ich jetzt und wo will ich hin. um dann die angebote einzuholen, die mir dabei helfen könnten. manchmal sind es auch kleine sachen, die einem tagtäglich begegnen, aber wir ihnen nicht die aufmerksamkeit zuteil werden lassen die sie eigentlich verdienen. manchmal hat man sie einfach vergessen, weil sie unter einer jahrelang wachsenden alkwolke völlig verstaubt sind.

    für mich war in der anfangszeit, meine damalig kleine tochter, ein wahrer augenöffner gewesen. mit welcher hingabe die zwerge ihre umgebung erkunden auf jedes detail achten und tausend fragen haben. bis ich mir irgendwann mal gesagt habe, versuch doch mal die welt durch ihre augen zu sehen. klar könnt ich jetzt sagen, sonnenuntergang, kenn ich. sonnenaufgang, kenn ich...also was solls?! wie hilft mir das weiter? aber genau das war es dann, ich musste feststellen das es mich unheimlich beruhigt hat, ich hab es intensiver wahrgenommen. ob es das rascheln des herbstlaubes ist, das raunen vom wind in den baumspitzen, ein sonnenaufgang, alles bekam eine völlig neue bedeutung für mich. ich war nicht mehr so getrieben, ich habe inneren frieden gefunden, so wie ich es vorher jahrelang nicht mehr gekannt hatte. die tatsache das solch kleine sachen meine seele zur ruhe gebracht haben, hat mich selbst sehr überrascht. das alles hat für mich die basis bereitet für ein trockenes und abstinentes leben, denn manchmal ist weniger einfach mehr. mal abschalten, die seele baumeln lassen oder auch einfach mal einen gang runterschalten, deswegen geht die welt nicht unter, sie wird sich auch morgen noch weiterdrehen;)

    grüsse

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

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