Mauseweich, Auf der Suche nach Gleichgesinnten auf dem Weg in die Trockenheit

  • Hallo zusammen,

    ich bin 56 Jahre alt, habe seit gut 40 Jahren ein Thema mit Alkohol. Begonnen hat alles schon früh in der Kindheit. Alkohol gehörte in meiner Familie zum guten Ton. Zu einem schönen Essen gab es natürlich eine passende Weinbegleitung, abends noch ein Likörchen. Alles natürlich kultiviert.

    Ich durfte schon mit 8 Jahren einen kleinen Eierlikör trinken, schmeckte scharf und sehr süß, aber die Wirkung fand ich toll. In der Jugend trank ich mit Freunden wenn wir unterwegs waren in der Tanzschule, Disco, Kneipe. Ich habe eigentlich von Anfang an Probleme gehabt, ein Maß zu finden. Ich trank viel, schnell und war die, die eigentlich immer betrunken endete. In meinen Zwanzigern wechselte ich zwischen Bier und Wein und es wurde nach der Geburt meiner Kinder zu meinem allabendlichen Ritual. Ich musste runterkommen. Wollte mir etwas gönnen, mich entspannen. Schnell einschlafen.

    In den letzten fünfundzwanzig Jahren war es ausschließlich Rotwein, den ich als Lösung für alle Probleme auf den Plan gerufen habe. Mein Sohn hat eine Form von Autismus, wir waren in unzähligen Therapien, Programmen, Gesprächen und Maßnahmen. Ich brauchte Abstand von den Problemen, vom Alltag und den bescherte mir der Wein. Zuletzt zwei Flaschen Rotwein jeden Abend, in seltenen Fällen mehr.

    Ich kann nicht sagen, wie viel Scham ich darüber empfinde, dass ich immer wieder viel zu viel getrunken habe, auf der Couch einschlief, alle um mich herum beschimpft habe, mich selbst belogen habe, weil ich mir tausend mal vornahm, heute mal weniger zu trinken und es immer gescheitert ist. Jeden Morgen habe ich Angst gehabt, eine Fahne zu haben, ich konnte nicht in den Spiegel schauen und mein aufgedunsenes gerötetes Gesicht anschauen. Ich hasste mich weil ich außer dem Wein keine Möglichkeit in Betracht gezogen habe runter zu kommen.

    Ich bin heute den 51. Tag trocken aus eigenem Antrieb, weil ich die Nase voll habe. Ich kann mit Alkohol keine Beziehung mehr haben, es strengt mich an, frustriert mich und ich habe keine Kraft mehr weiter zu trinken, Kater zu haben, mich zu schämen für mein Benehmen im Rausch. Alle Versuche nach einer Trinkpause kontrolliert trinken zu können, sind gescheitert.(es gab schon vorher Trinkpausen, allerdings eher aus Gründen der Disziplin).

    Ich fühle mich noch ziemlich nackt in meinem Prozess der Trockenheit, und bin auf der Suche nach Gleichgesinnten, die meine Gedanken und Gefühle auf dem Weg in ein Leben ohne Alkohol teilen.

    Herzliche Grüße, Mauseweich

  • Ich fühle mich noch ziemlich nackt in meinem Prozess der Trockenhe

    Dann wollen wir mal schauen, dass wir gemeinsam dich anziehen können.:whistling:

    Willkommen bei unserer Online-Alkoholiker-SHG.

    Deine Geschichte ist ähnlich wie bei vielen anderen, aber dennoch einzigartig für dich selbst.

    Bevor wir weitermachen, ein paar Infos: Das ist ein Forum, in dem sich bekennende Alkoholiker austauschen, die eine lebenslange Abstinenz anstreben. Dass du immer wieder in Trinkpausen kamst und der Versuch, kontrolliert zu trinken, scheiterte, zeigt, dass eine lebenslange Abstinenz nun deine Wahl ist? Liege ich da richtig?

    Und nun zu etwas Wichtigem: Siehst du dich als Alkoholiker?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Lieber Hartmut,

    Ich sehe mich als Alkoholikerin, aber ich gebe zu, dass ich lange gebraucht habe um diesen Begriff für mich verwenden zu können oder zu wollen.

    Punkt zwei, ja ich hatte abstinente Phasen aber habe inzwischen begriffen, dass es genau einen Weg für mich gibt: lebenslange Abstinenz. Trennung von dieser toxischen Beziehung

  • ch sehe mich als Alkoholikerin, aber ich gebe zu, dass ich lange gebraucht habe um diesen Begriff für mich verwenden zu können oder zu wollen.

    Dass es nicht einfach ist, aber auch zur eigenen Erleichterung beitragen kann, wenn es ausgesprochen wird, ist ein normaler Prozess.

    Hast du mit deinem Arzt gesprochen oder deinen neuen Weg eigenständig begonnen? Und wie hast du dich körperlich entgiftet – mit Hilfe oder allein? War es ein abrupter Alkoholentzug?

    Um den weiteren Austausch zu starten, klicke einfach auf den Bewerbungslink und bitte um Freischaltung für die entsprechenden Bereiche. Der nächste Moderator wird sich dann darum kümmern.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hartmut 23. Juli 2025 um 13:58

    Hat den Titel des Themas von „Auf der Suche nach Gleichgesinnten auf dem Weg in die Trockenheit“ zu „Mauseweich, Auf der Suche nach Gleichgesinnten auf dem Weg in die Trockenheit“ geändert.
  • Alles richtig gemacht!

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet. Einfach hier weiterschreiben, da bist du richtig.:)

    Du kannst dich nun überall austauschen, aber bitte in den ersten vier Wochen nicht im Vorstellungsbereich.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hallo Mauseweich,

    willkommen hier bei uns und Glückwunsch zu deinem Entschluss und der bisherigen nüchternen Zeit.

    Wie geht es dir denn mit deiner Abstinenz? Ist dein Zuhause alkoholfrei? Kennst du deinen persönlichen Notfallkoffer, falls es Mal kritisch wird?

    Du findest hier einige Artikel zu den Grundbausteinen und auch dem Notfallkoffer, die gerade am Anfang interessant für dich sein können.

    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo Seeblick, herzlichen Dank für dein "Willkommen"

    Momentan geht es mir mit der Abstinenz recht gut (die ersten 14 Tage waren kein Spaziergang!!!)

    Ich habe keine starken körperlichen Symptome gehabt, aber psychisch war es mehr als Herausfordernd. Ich konnte nicht einschlafen und immer wenn der Abend kam (meine Trinkzeit) war es für mich fast unerträglich, weil ich keine Idee hatte, wie ich mich entspannen konnte.

    Mein Mann hat nie so viel getrunken wie ich, unerklärlicherweise konnte er nach einem Glas Wein einfach aufhören. Ich nicht, ich habe aufgehört zu trinken, wenn ich kaum noch sprechen konnte oder auf der Couch einschlief. Mein Zuhause ist jetzt alkoholfrei, anders würde ich das nicht schaffen.

    Für die Notfall-Tipps bei Craving bin ich sehr dankbar.

    Muss mich erst mal hier zurechtfinden, merci einstweilen

  • Für die Notfall-Tipps bei Craving bin ich sehr dankbar.

    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40


    Und hier mal Grundbausteine für ein nüchternes Leben.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hartmut Du hattest nach meinem Weg der Entgiftung gefragt. Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt hier so schreiben darf. Ich habe den Entzug eigenständig vorgenommen. Keine medikamentöse Entgiftung.

    jetzt, nach 51 Tagen ist das natürlich nicht mehr wichtig, wenn ich auch beim Lesen mancher Nachricht erfahren habe, dass ihr dringend davon abratet. (ZU RECHT)

    Ich habe (und das kannte ich vorher überhaupt nicht), einen absoluten Drang zuckerhaltigen Kram am Abend zu essen, wie Gummibärchen oder Schoki. Kennt das noch jemand von sich?

  • Kennt das noch jemand von sich?

    Hallo, ich esse gerade auch mehr Süßigkeiten aber nur um dicker zu werden, was nicht wirklich klappt:( , nicht wegen der Sucht, obwohl ich am Anfang schon aus diesem Grund genascht habe. Aber momentan nur wegen der Figur, ich bin ziemlich leicht....

    G R/no

  • Herzlich willkommen hier im Forum auch von mir Mauseweich ,

    Gut dass du hierher gefunden hast und mit 51 Tagen hast du ja schon was vorgelegt.

    Ich habe (und das kannte ich vorher überhaupt nicht), einen absoluten Drang zuckerhaltigen Kram am Abend zu essen, wie Gummibärchen oder Schoki. Kennt das noch jemand von sich?

    In der Klinik während der Entwöhnung stand großer Korb voller allseits bekannter Schokoriegel im Speisesaal, sozusagen mit ärztlicher Begleitung.
    Das hatte seinen Grund, Problem war nur, dass ich höllisch aufpassen musste nicht gleich an der nächsten Sucht hängen zu bleiben. Suchtverlagerung ist hier das Stichwort, wie schon erwähnt. Am Anfang war es hilfreich, aber nach 3 Monaten hatte ich den Konsum wieder auf Normalmaß reduziert.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich kann nicht sagen, wie viel Scham ich darüber empfinde, dass ich immer wieder viel zu viel getrunken habe, auf der Couch einschlief, alle um mich herum beschimpft habe, mich selbst belogen habe, weil ich mir tausend mal vornahm, heute mal weniger zu trinken und es immer gescheitert ist.

    Das könnte 1:1 von mir stammen! Gut dass du dich auf den Weg gemacht hast. Komm gut an, lies die Artikel durch, die dir geschickt wurden- die sind Gold wert. Und schreib vor allem hier frei heraus, wenn der Suchtdruck anklopft- das kennen die meisten hier.

    Die Scham wird nachlassen und du wirst wieder in den Spiegel schauen können.

    Heute nach etwas über einem Jahr ist das für mich immer noch eine große Freude.

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