Soapstar Wenn "Feiern" schon lange kein "Feiern" mehr ist

  • Hi Soapstar,

    Kann dich da gut verstehen. Nach einer Woche voller Arbeit, will man ja schliesslich einen Schlussstrich, einen Abschluss der harten Woche haben. Bis Freitag Abend gearbeitet, dann endlich Wochenende und die ersehnte Belohnung. Im Biergarten bei schönem Wetter, in geseliger Runde das Wochende einläuten. Machen ja auch viele, die Biergärten sind auch bei mir in der Gegend voll.

    Und jetzt findest Du keinen Abschluss. Die Arbeit ist erledigt, was nun? Samstag u. Sonntag nichts zu tun, eine lange Zeit bis Montag endlich wieder die Routine zuschlägt.

    Dabei sind doch gerade diese zwei Tage die einzigen in der Woche in denen Du doch machen kannst was Du schon immer machen wolltest. Bis jetzt hast Du nicht gewusst wie Du diese Tage für DICH nutzen kannst. Also, ab in den Biergarten und die lästige Freizeit versaufen bis endlich wieder Montag ist.

    Ich glaube Arbeit ist für dich enorm wichtig und kein notweniges Übel. Sonst hättest Du es längst schleifen lassen und während der Woche getrunken. Aber Du bist diszipliniert geblieben weil die Arbeit nunmal wichtig ist. Wichtiger als Alkohol. Deshalb auch die Schwierigkeit die Zeit zu nutzen in der Du nicht arbeiten musst.

    Du hast also zwei Möglichkeiten:

    1. Lerne wie Du die Freizeit für dich nutzen kannst und etwas machst worauf Du im Anschluss stolz bist. Auf Saufen im Biergarten warst Du mit Sicherheit nicht stolz.

    2. Arbeite an etwas, einem Projekt, an der Wohnung, Haus, Auto, wie auch immer. Etwas das Du gut kannst. Der Lohn wird das Ergebnis sein.

    Vermisst Du wirklich diese kleinen Pausen wo Du meinst mit Bier für 2 Tage aus der Arbeitswelt zu entkommen? Du entkommst da doch nicht wirklich, Du bist einfach nur für 2 Tage betäubt. Das bis ans Lebensende?

    Du sagst Du beneidest die Leute die im Biergarten sitzen und normal trinken können. Woher weisst Du dass sie normal sind? Sich volllaufen zu lassen weil Freitag ist, ist n ziemlich magerer Grund. Wenn es um das Beisamen sein und die heiteren Gespräche geht, sind diese doch auch im Grunde nur ein Vorwand. Es geht ums saufen, und das weisst Du. Ob nun alleine oder mit Gesellschaft ist doch im Endeffekt egal.

    Ich frage mich, was Du bei denen beneidest? Die kriegen das Wochenende nichts hin, versaufen ihre Freizeit nur um am Montag wieder mit dem warten auf Freitag zu beginnen. Jahr für Jahr. Du hast doch nur ein Leben, geniess es doch anstatt es wegzuspülen.

    Akzeptiere dass die freie Zeit deine Belohnung ist. Nicht das Bier welches die die freie Zeit stiehlt. Du musst nur noch den Wert der freien Zeit erkennen. Dann kommst Du nicht auf die Idee diese wertvolle Zeit zu löschen indem Du sie mit Bier wegschüttest.

    Sonnige Grüße,

    Paul

  • D), ist der finanzielle Aspekt der Abstinenz für mich tatsächlich schon eine große Hilfe beim Trockenbleiben! Aber natürlich nicht die einzige und nicht die dominierende, keine Sorge. Danke nochmal an Euch

    Hallo Soapstar, erstmal ein herzliches Willkommen auch von mir. Wenn ich deinen Faden lese, bin ich der Meinung, daß du hier im Forum genau richtig bist. Dieses Forum hat ein sehr hohes Niveau und hat mir sehr geholfen bei meinen ersten Schritten in ein Alkfreies Leben. Also das Geld ist natürlich nicht ,das einzige Problem. Hast du ja auch so geschrieben! Deine offene Art finde ich sehr gut. Du schreibst z.B.( vollgepisst und/ oder vollgekotzt 🤑).Das sind ganz genau solche Dinge und noch andere Peinlichkeiten, welche die Hardcoralkoholiker kennen. Genau das stößt mich ab.Wenn ich das bei dir lese,habe ich sofort den Gedanken, das will ich nicht !! Ich habe keine Lust mehr auf ein Leben auf der Rasierklinge! Selbstmord auf Raten??.Nö!!

    Ich wünsche dir einen guten Austausch hier im Forum und viel Erfolg auf deinem Weg in ein abstinentes Leben .Gruß Bono

  • Deine offene Art finde ich sehr gut. Du schreibst z.B.( vollgepisst und/ oder vollgekotzt 🤑).Das sind ganz genau solche Dinge und noch andere Peinlichkeiten, welche die Hardcoralkoholiker kennen.

    Hallo Bono,

    danke für deine netten Worte und guten Wünsche! Ich finde, dass gerade im Zusammenhang mit den wirklich ekligen Seiten des Alkohols bzw. des Alkoholismus die derbe Wortwahl die einzig richtige ist.

    Hier muss man wirklich nix beschönigen, sondern kann das Kind ruhig beim Namen nennen. Bei mir ist bzw. war die Inkontinenz (glücklicherweise"nur" Urin) in besoffenem Zustand tatsächlich auch hin und wieder ein Thema. Das macht natürlich die Tage danach nochmal um ein Vielfaches schlimmer, wenn zu den Schuldgefühlen und der Antriebslosigkeit auch noch der totale Verlust der Selbstachtung hinzukommt. Rein physisch gesehen vielleicht normal, dass man nach 15 Bier und komatösen Zuständen nix anderes erwarten kann. Aber auch hier hat mein Gehirn das zum nächsten Wochenende wieder verdrängt gehabt oder zumindest als "nicht so wild" abgetan.

    Dabei sollte das einem Erwachsenen ohne sonstige körperliche Einschränkungen ja eigtl sofort zu denken geben und auch sofort zum Handeln verleiten. Mein Handeln war aber nur "ich muss halt vorher besser essen" oder "ein Esslöffel Olivenöl vor dem Saufen" wirkt bestimmt Wunder. Doch du kennst ja die Definition von Wahnsinn mit "immer das Gleiche tun und andere Ergebnisse erwarten", ich denke die passt bei uns Alkoholikern wie die Faust aufs Auge.

    Wenn ich gerade so darüber schreibe, ist das auch wieder ein Motivator, die lebenslange Abstinenz als einzigen Ausweg zu betrachten, da ich das nie mehr erleben will. Zumindest nicht aus alkoholbedingten Gründen.

    Danke dafür und an alle sorry für das nicht so appetitliche Thema, aber zumindest bei mir ist das einfach mit der Grund, mir endlich auch den Alkoholismus einzugestehen.

  • Und jetzt findest Du keinen Abschluss. Die Arbeit ist erledigt, was nun? Samstag u. Sonntag nichts zu tun, eine lange Zeit bis Montag endlich wieder die Routine zuschlägt.

    Dabei sind doch gerade diese zwei Tage die einzigen in der Woche in denen Du doch machen kannst was Du schon immer machen wolltest. Bis jetzt hast Du nicht gewusst wie Du diese Tage für DICH nutzen kannst. Also, ab in den Biergarten und die lästige Freizeit versaufen bis endlich wieder Montag ist.

    Hi Paul,

    wenn ich das so lese, klingt das unglaublich trist und traurig, aber genau so ist es bisher gewesen!

    Das bringt mich echt gerade zum Nachdenken, danke dafür! Ehrlich gesagt liebe ich die Arbeit gar nicht so sehr, aber ich kann sonst auch nix anderes.

    Zumindest nicht handwerklich, das kann ich nicht und es macht mir auch keinen Spaß. Was davon jetzt zuerst da war, weiß ich nicht, da ist es wie mit der Henne und dem Ei. :)

    Trotzdem hast du hier glaube ich einige Nägel auf den Kopf getroffen, das muss ich jetzt mal sacken lassen und verarbeiten.

    Danke nochmal und viele Grüße

    Soapstar

  • Hallo zusammen,

    ich wollte mich auch mal wieder zu Wort melden und ein bisschen den neuesten Stand mitteilen.

    Ich bin immer noch trocken und aktuell nicht mehr ganz so neidisch auf trinkende Mitmenschen, wie das vor ein paar Wochen noch der Fall war. Ich fülle meine Wochenenden weiterhin mit etwas Sport, lesen etc., aber ich schaffe es aktuell auch, einfach mal nichts zu tun.

    Das finde ich gerade wirklich schön, einfach mal nichts zu tun, weil man nicht möchte und nicht, weil man vor lauter Katerdepris einfach nicht kann. Ich lese dann auch öfter hier im Forum oder in meiner AA-Literatur, auch wenn ich in dieser immer wieder feststelle, dass Glaube, Gott usw. doch irgendwie nicht meins ist. Aber das darf zum Glück jeder für sich selbst interpretieren.

    Was ich zum Schluss noch dalassen möchte, ist ein Spruch, den ich eigtl im Fitnessstudio gesehen habe, der aber auch für uns m.M.n. passend ist:

    You can have results or excuses, not both!

    An den muss ich gerade öfter denken, wenn doch mal wieder der Gedanke an Bier anklopft. Jetzt wünsche ich Euch allen mal ein schönes Wochenende und bis bald!

    VG Soapstar

  • Hallo zusammen,

    jetzt melde ich mich wie versprochen in meinem Faden und nicht in Abstinenzlers.

    Ihr habt ja zu einem großen Teil schon gemerkt, dass ich aktuell der Abstinenz nicht uneingeschränkt freudig gegenüber stehe und wenn ich meinen Faden nochmal lese, ist das bei mir ja eher der Normalzustand. Nichtsdestotrotz sehe ich sie für mich immer noch als den einzig gangbaren Weg, um irgendwann vielleicht mal nachhaltig und dauerhaft glücklich zu werden.

    Nun, warum bin ich gerade heute so frustriert? Wie geschrieben, habe ich gestern den Geburtstag eines Freundes ausfallen lassen, hatte aber vorher mit einem anderen Freund noch ein Telefonat, ob ich auch auf den Geburtstag komme.

    Als ich abgesagt habe, sollte ich noch überredet werden zu kommen mit dem Argument, dass X und Y ja jetzt eh auch einen "Dry January" einlegen und dann wäre das ja kein Problem. Habe daraufhin erwidert, dass mein Problem nicht mit einem trockenen Monat gelöst werden kann, dass trotzdem sehr viele trinkende Menschen da sein werden und dass ich X und Y lange genug kenne, um zu wissen, dass nach einer Stunde sowieso "der Joker" gezogen wird und auch getrunken wird. Der Joker war immer so ein Gag im Freundeskreis, um auch während der Fastenzeit o.ä. trinken zu können.

    Lange Rede kurzer Sinn, ich fühlte mich nicht ernst genommen und meine Entscheidung zur lebenslangen Abstinenz mit einem Dry January gleichzusetzen, empfand ich irgendwie als Frechheit. Dies hat mir wieder gezeigt, dass ich immer noch nicht ernst genommen werde und dass irgendwie irgendwo im Freundeskreis immer noch gehofft wird, dass ich wieder "zur Vernunft" kommen möge.

    Das hat mich gestern Abend richtig aufgeregt und tut es offensichtlich auch jetzt noch, auch wenn ich das gar nicht richtig gemerkt habe. Habe heute Morgen zumindest nicht bewusst darüber nachgedacht, aber scheinbar arbeitet es noch in mir.

    Wie im Faden von Abstinenzler geschrieben, ist das sicher nicht der einzige Grund für meinen aktuellen Frust, auch die letzten Tage (Heiligabend, Silvester, Geburtstag der Freundin am 01.01., des Kumpels am 02.01.) waren jetzt zum 1. Mal seit 25 Jahren keine rauschende Party und das hat mich schon auch runtergezogen. Auch wenn die Tage bei der Verwandtschaft natürlich weit weniger anstrengend und angenehmer waren als mit Kater, das muss man fairerweise dazusagen.

    Soweit mal von mir, wünsche Euch allen ein schönes Wochenende und sorry, dass ich aktuell keine Hoffnung, Zuversicht o.ä. teilen kann. Es kommen sicher auch wieder bessere Zeiten!

    VG Soapstar

  • Wenn ich Du wäre, dann würde ich mich über weitere Terapiemöglichkeiten informieren. Gehst Du auch in eine reale Selbsthilfegruppe?

    Mir hat nicht das Eine oder das Andere zu einer heute guten, absolut zufriedenen und selbstsicheren Abstinens geführt. Es waren ganz viele kleine Bausteine, die ich aus der ambulanten Langzeitterapie, Therapeutengespräche, Reale und dieser Selbsthilfegruppe, einem anderen für mich wichtigen Forum und Gespräche mit meinem Arzt mitgenommen habe. Und ichhöre nicht auf damit, um mich zu kümmern. Deshalb bin ich hier.

    Eines der ersten Dinge, die ich gelernt habe war: nur nicht trinken, reicht nicht.

    Bleib dran, es lohn sich!

  • Hallo Stromer,

    ja, ich besuche 1x die Woche auch eine reale SHG.

    Am Anfang hat mir das auch irgendwie ein gutes Gefühl gegeben, mich "auf den Weg" gemacht zu haben. Mittlerweile geh ich allerdings immer öfter sehr genervt aus diesen Treffen raus.

    Es schafft nur die Hälfte, pünktlich zum geplanten Beginn zu erscheinen. Dann geht im Fünf-Minuten-Takt die Tür auf, dann muss noch Wasser gekocht werden, dann müssen noch Salzstangen rumgereicht werden, alles während jemand sein tiefstes Inneres nach außen kehrt. Es wird dort gestrickt, aufs Handy geglotzt, eingepennt usw.usf.

    Als ich mal gewagt habe, anzusprechen, dass die ein oder andere Verhaltensweise in meinen Augen unverschämt und respektlos gegenüber den anderen Mitgliedern ist, hieß es: Ich müsse an mir arbeiten und lernen, die Leute so zu nehmen wie sie sind.

    Darum denk ich mir mittlerweile meistens: Wir haben außer des Alkoholismus größtenteils nichts, aber auch gar nichts gemeinsam und ich bezeichne auch nicht im Winter jeden, der ebenfalls erkältet ist, plötzlich als meinen Freund. Jeder trinkende Kreisliga C-Fußballer schafft es, 1x die Woche pünktlich ins Training zu kommen und hier, wo es doch um Leben und Tod geht, kriegt man das nicht hin? Also hier gibt es meinerseits auch schon Überlegungen, die Gruppe zu verlassen, obwohl es die einzige in der Nähe ist, die mit meinen Arbeitszeiten kompatibel ist.

    Ich gehe auch noch 1x alle 8 Wochen zu einem Suchtberater von der Caritas und werde dem beim nächsten Termin mal alles genau so schildern, wie ich es heute hier bei Abstinenzler und auch in meinem Faden geschrieben habe. Dann werde ich sehen, ob und was für Tipps er für mich hat.

    Danke und VG, Soapstar

  • Hi soapstar,

    ich lass Dir mal zwei Erfahrungen/Gedanken da.

    Erstens, ich würde mir an Deiner Stelle mal ernsthaft die Frage stellen, welcher Teil Deines Hirns Dich unzufrieden werden lässt, wenn Du nicht mehr mit saufen oder überhaupt saufen kannst. Der kranke Teil Deines Hirns (Suchthirn) oder der gesunde Teil Deines Hirns. Ich habe für mich relativ schnell gelernt, nachdem ich aufgehört habe zu saufen, das zu unterscheiden. Und ich ignoriere das Suchthirn komplett und konsequent. Denn was von dort kommt, ist ausnahmslos kompletter Bullshit. Nachdem ich süchtig wurde, habe ich nur noch aus einem Grund getrunken, weil ich musste. Scheißegal, ob der Rausch toll war oder es mir vorher, währenddessen oder danach total beschissen ging. Egal ob das Saufen immer mehr Kampf und Krampf wurde, weil Körper, Geist und Seele immer mehr rebellierten. Egal ob immer mehr andere Symptome oder Krankheiten dazu kamen. Egal ob die letzten Jahre am Ende überhaupt nicht mehr schön, sondern nur noch die Hölle war, ich musste saufen. Und das wird sich bis zum Ende meines Lebens auch nicht mehr ändern, sollte ich jemals wieder trinken. Also warum sollte ich daran auch nur einen Gedanken verschwenden?

    Zweitens. Wenn ich irgendwo nicht hingehe oder mich mit Menschen nicht treffe, weil dort ein Risiko für einen Rückfall besteht. Dann ist das für mich gesunder, konsequenter Selbstschutz. Mein privates und berufliches Umfeld weiß Bescheid, dass ich Alkoholiker bin. Und die Vereinbarung ist das, wenn ich mich verabrede, in meiner Gegenwart kein Alkohol getrunken wird und dass niemand mir Alkohol anbietet oder gar aufdrängt. Und wenn ich mich entscheide, irgendwo nicht zu erscheinen, weil dort getrunken wird. Dann ist das meine Entscheidung und die wird nicht in Frage gestellt. Damit habe ich bisher in dem etwas mehr als einem Jahr Abstinenz keinerlei Probleme. Und hätte ein Mensch aus meinem Umfeld privat oder beruflich mir ernsthaft Probleme gemacht, hätte ich die Konsequenzen gezogen. Denn ich bin süchtig und ich muss davon ausgehen, dass ein Rückfall mein Untergang ist.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich sehe hier noch zwei Möglichkeiten.

    Erstens: Die SHG ist nicht die richtige. Bei mir machen die das nicht so. Es gibt auch andere.

    Zweitens: Dein Umfeld ist grottenschlecht. Alle ziehen ständig ihre Joker. Sprich. Da wird getrunken, was das Zeug hält. Solange Du mit ihnen in Kontakt bleibst, wird Dein Suchthirn nie Ruhe geben.

    Da Du den Geburtstag Deiner Freundin mit aufgezählt hast. Gehe ich recht in der Annahme, dass sie Dich nicht unterstützt? Anscheinend wurde auch an ihrem Geburtstag gebechert. Hier wäre ein klärendes Gespräch vonnöten. Oder trinkt sie ohnehin regelmäßig?

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hi Alex,

    nein, da muss ich meine Freundin in Schutz nehmen, ihr Geburtstag war komplett alkoholfrei. Das war er von ihrer Seite sowieso eigtl immer, nur ihr Bruder und ich haben gegen Abend immer gebechert und auch da war ich die treibende Kraft.

    Sie trinkt auch keinen Alkohol in meiner Gegenwart und da wir nicht zusammen wohnen, schlafen wir getrennt, wenn sie mal mit Freundinnen ausgeht und dabei trinkt.

    Also die Probleme in diesem Kreis sind wirklich hausgemacht.

    Was allerdings das Umfeld angeht, da hast Du Recht. Allerdings habe ich halt kein anderes und da ich mich von diesem sowohl aktiv fernhalte als auch teilweise gemieden werde, ist das Resultat die von mir schon oft erwähnte Langeweile.

    Ja, ich mache Sport, ich lese, ich schau ab und zu fern oder nen Film, aber das wiegt den Verlust des Freundeskreises halt nicht auf.

    VG Soapstar

  • da muss ich meine Freundin in Schutz nehmen,

    Brauchst Du nicht. Ich weiß es ja nicht und habe einfach nur nachgefragt. Ausgezeichnet, dass es da so läuft. Wenn das nämlich nicht so ist, ist es wirklich schwer. Das sind (leider) Erfahrungswerte von mir.

    den Verlust des Freundeskreises

    Ich habe alle verloren. Mein damals bester Freund war auch dabei. Einer ist mir noch geblieben. Der hat keine Probleme mit Alkohol.

    Bei mir ist es halt so, dass ich introvertiert bin und eher keine Lust habe, mich zu treffen.

    Gibt es in Deinem, ich sage mal früheren, Freundeskreis vielleicht welche, die auch ohne Alkohol auskommen? Vielleicht kannst Du Dir ja jemanden raus picken?

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Bei mir ist es halt so, dass ich introvertiert bin und eher keine Lust habe, mich zu treffen.

    Und ich war leider immer genau das Gegenteil, ich hab nie alleine daheim getrunken. Also zumindest nicht zum Trinken angefangen. Bei uns war freitags aber immer entweder Treffpunkt Kneipe oder Partykeller oder See angesagt, immer viele Leute und immer noch mehr Alkohol. So ist mein Umfeld entstanden und bis vor kurzem geblieben.

    Das macht halt auch den Rest gerade irgendwie schwierig:

    Ich hab schon zwei Bekannte/Kumpels (also eine Stufe unter "Freunde"), mit denen ich mal ins Fitnessstudio gehe und mit denen Alkohol kein Thema ist. Aber da ist halt auch nicht mehr... also zur gemeinsamen Abendgestaltung fehlt da doch irgendwie die Bindung. Aber vielleicht sollte ich einfach mal ganz unverbindlich anfragen, was sie abends denn so machen...

    Tut mir auch leid mit deinem Freundeskreis, das scheint wohl generell ein weit verbreiteter Kollateralschaden zu sein :(

    Danke auf jeden Fall für deine Gedanken und Worte! VG Soapstar

  • Tut mir auch leid mit deinem Freundeskreis, das scheint wohl generell ein weit verbreiteter Kollateralschaden zu sein

    Nein,für mich ist es kein Schaden, es ist ein Gewinn. Es zeigt, dass das wahre Bindeglied der bisherigen Beziehung ausschließlich der gemeinsame Konsum von Alkohol war, dem alles andere untergeordnet wurde. Der Alkohol war letztlich die Basis der Beziehung, auf der alles funktionierte.

    Mir ist es ähnlich ergangen wie Alex, nur bin ich froh, dass ich diese Leute, ehemalige Zechkumpanen, nicht mehr in meinem Umfeld habe. Warum? Ohne Alkohol passt es zwischen uns einfach nicht (mehr). Vorher wurde letztlich alles nur "schön getrunken".

    Das Aufbauen neuer Kontakte jenseits des Alk-Konsums dauert schon ein Weilchen, das kommt nicht sofort.


    Klar flackerte es schon mal in meinen Gedanekn auf, mit ... war es doch schön. Ja, aber nur unter Alkoholeinfluss. Ohne ist es, als spielten wir ein jeder eine andere Sportart, um es mal so zu vergleichen.

  • Tut mir auch leid mit deinem Freundeskreis,

    Oh, das ist aber nett. Braucht es aber nicht.

    Anfangs habe ich mich nicht mit ihnen getroffen, um mich zu schützen. Sie wollten sich melden, wenn sie etwas machen, wo Alkohol nicht im Mittelpunkt steht. Das war vor guten 3 1/2 Jahren. ^^

    Ich habe sie mal zufällig dazwischen getroffen und... wir hatten uns nichts zu sagen. "Richtige" Fragen sind nicht so ihr Ding. Aneinander interessiert waren wir wohl nie so richtig. Immer schön chillen und bechern. Kenne ich ja noch.

    Mit meinem damals besten Freund ein wenig gewandert. Für ihn war es halt nichts ohne Alkohol. Außerdem hat er fast nie etwas erzählt. Ich hatte vorher immer bedudelt gelabert und er hat sich belabern lassen. Ein Win-Win-Team X/ Nachdem ich nüchtern anfing, wirklich konkret Dinge zu fragen, wurde es (ich) ihm wohl auch zu stressig.

    Es gäbe für mich, mit oder ohne Alkohol, keinen Weg mehr zurück. Das wird mir immer zu oberflächlich bleiben. Darum empfinde ich es auch nicht als Verlust. Sondern als Erkenntnis.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Diese merkwürdig beschriebene SHG scheint nicht zu taugen. Aber Du bist doch hier! Das hier ist doch auch deine SHG. Und die Defizite, die "online aber nicht körperlich anwesend" womöglich mit sich bringt und für einige ein Problem darstellen könnten, hast du offenbar nicht, denn du bringst dich ja aktiv ein und schreibst transparent. Mehr noch, deine Beiträge bei anderen lese ich als hilfreich und motivierend. Lies dir die einfach auf dich selbst bezogen durch - es sind deine Selbsterkenntnisse verpackt für andere. Die helfen dir auch selbst … gerade jetzt - als Motivation.

    Als Wichtigstes will ich ein Faktum hervorheben: Du bist jetzt seit über einem halben Jahr abstinent :!:
    Das ist super, und diesen Zustand gilt es unbedingt zu bewahren, auch wenn die Zufriedenheit damit noch nicht (voll) eingetreten ist.

    Die Erfahrungen mit dem Beginn der Zufriedenheit, lesen sich in vielen Berichten sehr unterschiedlich. Ich war nach einem halben Jahr halbwegs zufrieden und gefühlt stabil.

    Nun bin ich höchstwahrscheinlich ein ganzes Stück älter als du. Mit 60+ sieht man die Welt anders, der Freundeskreis hat sich verändert, alle ähnlich alten haben sich "die Hörner abgestoßen", d.h. Alkohol dominiert in meinem Kreis keine Treffen. Tat es bei mir noch nie, abgesehen von lange zurückliegenden Episoden in der Sturm & Drang Zeit bis Mitte 20. Auch dadurch habe ich diesbezüglich weniger mit Verlustgefühl zu kämpfen.

  • Eine Sache noch separat:

    ich fühlte mich nicht ernst genommen und meine Entscheidung zur lebenslangen Abstinenz mit einem Dry January gleichzusetzen, empfand ich irgendwie als Frechheit.

    Für wen bist du abstinent geworden? Was war der Grund? … rhetorische Fragen … die du auch schon augeschrieben hattest!

    Mir ist es völlig egal, was andere darüber denken, wie sie es einordnen. Ich suche und brauche da keinerlei Bestätigung. Ich tat es für mich.

    Ich erlebe trotz offenem Umgang mit dem Thema, dass andere manchmal Schwierigkeiten haben, damit umzugehen. Sei es, dass sie den Vergleich scheuen, sei es aus Unkenntnis/Unsicherheit.
    Da ist immer mit Überraschungen zu rechnen - z.B. einem zugereichten Glas mit irgendwas, obwohl sie genau wissen, dass nicht … Und das geschieht (bei mir, Einzelfall) nicht aus Böswilligkeit, sondern war schlicht unbedacht, aber "nett" gemeint.

    Ich bin kein Freund von schwarz-weiss, mag Nuancen, habe Geduld für Entwicklungen. Für die erste Phase der Trocknung halte ich aber Rigorosität und Extremdenken (=radikale Risikovermeidung) für äußerst sinnvoll und hilfreich.

    Mit der Zeit - und das ist höchst individuell - ergibt es dann ein vorsichtiges Herantasten an bestimmte Zusammenkünfte, Feste, etc., die nicht von vornherein klar erkennbar in Sauferei ausarten. Also ist keinesfalls alles verloren. Manches wird anders. Und einiges wird unerträglich; und ich frage mich, was ich daran mal schön gefunden hatte. Gleiches gilt für die beteiligten Menschen.

    Letzter Gedanke - sehr wichtig:

    Überprüfe deine innere Verfasstheit. Denke nochmal über deine "Kapituation" nach - wo ist noch ein Verlustgefühl, wie entsteht diese Unzufriedenheit??

    Pass gut auf dich auf in der nächsten Zeit und versuche, diese "schädlichen Gedanken" auszumerzen. Sie könnten der Einstieg in den Rückfall sein. Das ist kein "Alarmismus", aber sicher ist sicher …

    3 Mal editiert, zuletzt von Oskar (3. Januar 2026 um 20:58) aus folgendem Grund: zuviel Rechtschreibfehl drin + 1 Gedanke ergänzt

  • Mehr noch, deine Beiträge bei anderen lese ich als hilfreich und motivierend. Lies dir die einfach auf dich selbst bezogen durch - es sind deine Selbsterkenntnisse verpackt für andere. Die helfen dir auch selbst … gerade jetzt - als Motivation.

    Hallo Oskar,

    vielen lieben Dank für Deine netten Worte!

    Du hast Recht, bei anderen Beiträgen bzw. Problemen hab ich oft sofort das Gefühl, dass ich hier vielleicht nicht unbedingt helfen, aber zumindest aufmuntern oder trösten kann.

    Nur bei mir selbst bin ich da oft wie vernagelt oder bekomme die Verknüpfung zwischen Denken und Fühlen nicht hin. Ich denke zwar "wow, über ein halbes Jahr trocken, das wäre vor einem Jahr nicht ansatzweise vorstellbar gewesen", aber sollte sich dann nicht auch ein positives Gefühl (Stolz, Zufriedenheit)einstellen?🤷

    Jedenfalls fühle ich mich aktuell trotz enormer Stimmungsschwankungen nicht rückfallgefährdet, auch wenn ich noch genauer in mich hineinhorchen muss, was in mir warum arbeitet.

    Und ich muss gestehen, dass ich jetzt erst wirklich erkenne, dass das Forum auch eine richtige SHG ist und mindestens auf die gleiche Stufe wie eine "reale" SHG zu stellen ist. Bisher hab ich es eher als Ergänzung gesehen, dabei ist die ständige Erreichbarkeit und die Flexibilität der anderen Form der SHG eigentlich total überlegen.

    Vielen Dank nochmal an alle und einen schönen Abend! Ich bin mittlerweile dank Euch gerade viel ausgeglichener als heute Vormittag!

    VG Soapstar

  • dass das Forum auch eine richtige SHG ist und mindestens auf die gleiche Stufe wie eine "reale" SHG zu stellen ist. Bisher hab ich es eher als Ergänzung gesehen, dabei ist die ständige Erreichbarkeit und die Flexibilität der anderen Form der SHG eigentlich total überlegen.

    Für mich ist das Forum eine absolut vollwertige SHG, zudem professionell moderiert und dadurch auch sehr fokusiert. Wenn du Hilfe brauchst, dann erfolgt die nahezu prompt und oft aus verschiedenen Blickwinkeln/Erfahrungshorizonten.

    Es fehlt halt der Gesamt(sinnes)eindruck der Gesprächspartner, den ich mir auf andere Art erschließen muss. Und die Ansprache ist deutlich direkter, woran sich mancher erst gewöhnen muß, speziell in der ohnehin empfindlichen Anfangsphase.

    Nichts spricht dagegen, parallel auch eine lokale Gruppe zu besuchen. Und wer weiß, mit der Zeit findest du womöglich noch Spaß am Stricken oder Häkeln … spaßig gemeint … Aber solche Gruppen können natürlich etwas geben, was online nur schwieriger möglich ist: direkte menschliche Nähe, neue Bekannte, potenzielle Freunde. Wenn einem im normalen Leben alle Verbindungen wegbrechen, kann dies auch ein Weg (oder eine Übergangslösung) sein.

  • Hi Soapstar,

    ich hatte im ersten Jahr immer Mal wieder Phasen, die ich für mich ‚die große Langeweile‘ nannte. In dieser Zeit war alles ok, hat sich aber total langweilig angefühlt. Im Nachgang vermute ich, dass die Kopfchemie sich umgebaut hat und sich neuronale Wege neu vernetzt haben.
    Die Problematik des fröhlich saufenden Freundeskreises kenne ich. Im Grunde genommen sind es aber Treffen, bei denen das gemeinsame Saufen im Vorgergrund steht. Neue Freundschaften aufzubauen ist nicht so einfach und braucht seine Zeit.
    Wenn Du nicht gerne spazieren gehst, solltest Du überlegen, was Du stattdessen machen könntest.
    Ich habe angefangen ein Instrument zu erlernen.
    Wünsche Die gutes Gelingen.
    Rina

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