Seppel1986 - Ich bin Alkoholiker

  • Wieder viel gelesen, viel Tee getrunken und jetzt geht's bald ins Bett. Ich ziehe mich grad ein wenig zurück in der Familie, brauche viel Zeit für mich, habe das Gefühl das es ziemlich egoistisch ist.

    Erst drehte sich alles um den Alkohol und jetzt dreht sich alles darum Trocken zu bleiben. Beides Egoistisch, sind nasse Alkoholiker und trockene Alkoholiker zwangsweise Egoisten?

  • Erst drehte sich alles um den Alkohol und jetzt dreht sich alles darum Trocken zu bleiben. Beides Egoistisch, sind nasse Alkoholiker und trockene Alkoholiker zwangsweise Egoisten?

    Quatsch, irgendwann bist du wieder cool 😎, du bist Krank und tust was dagegen, das soll dir erstmal jemand nachmachen.

  • viel Tee getrunken

    Ich habe anfangs am Abend gut drei Liter getrunken. Wenn das Hirn meint, es will trinken, dann darf es das. Hauptsache ohne Alk.

    Das ist nur übergangsweise. Irgendwann wird es merken, dass das viele Getrinke nichts "bringt" und es lässt von selbst nach. Da fällt mir ein, mein Teebeutel hängt auch schon wieder seit drei Stunden in der Tasse... 8)

    Anfangs ist das Nüchternbleiben eben noch eine Ausnahmesituation. Dann wird es immer mehr zur Normalität und entspannter. Lass Dir die Zeit.

    Wenn ich denke, wie lange ich getrunken habe. Da kann es ja nicht in ein paar Tagen flutschen, als wäre das nie so gewesen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Erst drehte sich alles um den Alkohol und jetzt dreht sich alles darum Trocken zu bleiben. Beides Egoistisch, sind nasse Alkoholiker und trockene Alkoholiker zwangsweise Egoisten?

    Du kannst nur für dein Umfeld da sein wenn es dir gut geht. Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Jeder muss sich um sich kümmern, das machen die anderen doch auch

    Heute trinke ich nicht

  • Es gibt auch genügend Egoisten, die keine Alkoholiker sind. Beim Saufen wurde ich zwangsweise zum Egoisten, weil die Sucht einen fernsteuert und ich diese als allererstes stillen musste, bevor ich mich anderen Dingen widmen konnte. Das beschließt aber irgendwann nicht mehr der Mensch selbst. Ist bisschen wie Depersonalisierung find ich.

    Beim Trockenwerden war das reiner Selbstschutz, irgendwo erstmal wegzubleiben oder auch bestimmte Menschen zu meiden. Hat nichts mit Egoismus zu tun.

    Was meinst du damit, dass trockene egoistisch werden?

  • Was meinst du damit, dass trockene egoistisch werden?

    Das ich zu meinem Selbstschutz erst mal nur an mich denke, mich zurückziehe und viel Zeit für mich brauche. Sind im Januar auf zwei runde Geburtstage eingeladen und da wird definitiv getrunken, ich gehörte immer zu denen mit den man am meisten trinken kann. Ist Familie, absagen, hingehen und nichts trinken, betrifft ja nicht nur mich, habe Frau und Kids. Will meinen Kindern nicht sagen das wir absagen weil es da alkohol gibt und ich zu schwach bin.

  • 1. Du bist nicht schwach, Du hast eine schwere, potenziell tödliche chronische Krankheit, für die Du Dich nicht schämen musst.

    2. Können Frau und Kinder nicht ohne Dich gehen? Damit Du ihnen gegenüber kein schlechtes Gewissen hast, das Dir gefährlich werden könnte?

    Du musst Dich deswegen nicht bei anderen als Frau und Ärzten als Alkoholiker outen, wenn Du Dich damit (noch) nicht wohlfühlst.

    Das ist für Außenstehende und selbst nicht Einsichtige keine Erläuterung (fürs Wegbleiben oder auch keinen alkfreien Alk trinken), die so selbsterklärend wäre wie z. B. Corona oder Migräne.

    Könntest Du nicht in Absprache mit Deiner Frau schon am Vorabend des Festtages starke Kopfschmerzen vortäuschen und deswegen zu Hause bleiben?

    So würde ich es in Deiner Situation am Abfang wohl machen, auch wenn ich weiß, dass andere hier das anders sehen.

    Aber ich hatte und habe immer noch genug mit mir selbst zu tun, als dass ich meine Energie darauf verwenden wollte, "denen da draußen" begreiflich zu machen, was Sucht bedeutet und welche Konsequenz nötig ist, um sie dauerhaft zu stoppen.

  • Das ich zu meinem Selbstschutz erst mal nur an mich denke, mich zurückziehe und viel Zeit für mich brauche. Sind im Januar auf zwei runde Geburtstage eingeladen und da wird definitiv getrunken, ich gehörte immer zu denen mit den man am meisten trinken kann. Ist Familie, absagen, hingehen und nichts trinken, betrifft ja nicht nur mich, habe Frau und Kids. Will meinen Kindern nicht sagen das wir absagen weil es da alkohol gibt und ich zu schwach bin.

    Sowas ist schon blöd, wenn die Leute nicht Bescheid wissen. Mein Mann war da auch nicht immer begeistert, alleine loszugehen, weil die immer ihn gefragt haben, wo ich bin und warum ich nicht mitgekommen bin. Ich hab auch immer eine passende Entschuldigung/Ausrede parat gehabt, da war mir auch egal, ob mir geglaubt wird oder nicht. Da haben die, die einfach kommunizieren, dass sie Alkoholiker sind und deswegen fern bleiben, definitiv die beste und ehrlichste Erklärung.

  • Dann weiß deine Frau ganz und gar nicht (über Alkoholismus) Bescheid, sonst würde sie sowas nicht raushauen. Entweder hast du es nicht drastisch genug geschildert oder sie will es nicht wahrhaben? Erfordert dringend Klärungsbedarf meinst du nicht auch?

  • Naja, meine Frau und ich haben da verschiedene Ansichten, wie in vielen anderen Dingen auch. Wir sind schon lange nicht mehr glücklich und reden kaum miteinander, es vergeht eigentlich kein Tag an dem ich nicht über eine Trennung nachdenke, auch diese Problem verschwand immer wenn ich abends das erste Bier öffnete. Ich betäube mich weil mir die Realität nicht gefällt, ich würde gerne weg aber weiß nicht wohin.

  • Naja

    Seppel ich steck in der gleichen/ähnlichen Misere, pass bloß auf dich auf. Wenn andere dir einreden wollen es wäre nicht so schlimm, läufst du Gefahr es bald selbst zu glauben. Niemand meldet sich in einem Forum für Alkoholiker an wenn er nicht massive Probleme mit ihm hätte, zumindest nicht viele.

    Meine Frau sagt das gleiche

  • Du hast vom Freifahrtschein zuhause geschrieben und hältst dir damit eine Hintertür offen bzw. kannst es darauf schieben, dass du nicht unterstützt oder ernst genommen wurdest. Das ist gefährlich. War dein Rückfall überhaupt Thema?

  • Das war kein Thema weil ich laut meiner Frau kein Problem habe, ich kann trinken wenn ich möchte, niemand drängt mich etwas zu ändern, nur ich.

    Hallo Seppel,

    auch mich hat niemand gedrängt. Auch mein Mann sah mich anfangs nicht als Alkoholikerin. Nur ich allein entschied mich, dauerhaft mit dem Alkohol aufzuhören, weil ich allein mit meiner Situation immer unzufriedener wurde. Und das war genau das Richtige. Wenn ich auf Drängen eines anderen aufgehört hätte, wäre die Entscheidung nicht aus meinem tiefsten Inneren gekommen und für mich der Alkoholverzicht schwieriger geworden.

    Mein Mann akzeptiert nun meine Sucht, allerdings erst so richtig, als ich ihm die Aufzeichnungen der Suchtberatung zeigte und ihm im Detail beschrieb, warum ich Alkoholikerin bin.

    Vielleicht schaffst du es auch, deine Frau Schritt für Schritt zu sensibilisieren, damit sie zu deiner Abstinenz steht.

    Ich wünsche euch, dass ihr gemeinsam den Weg zueinander wieder findet. Denn die Situation ohne deinen Alkoholkonsum ist ja eine andere als vorher.

    LG Kyra

  • Ich bin mor nicht sicher ob wir das zusammen schaffen, umso klarer ich im Kopf bin sehe ich was wir für tiefsitzende Probleme haben, wir sind beide sehr unzufrieden. Ich will nicht sagen das sie der Grund ist warum ich trinke, weil das bin ja nur ich, aber es die Unzufriedenheit mit meinem Leben und dazu gehört auch sie. Manchmal habe ich das Gefühl das es ihr ganz recht ist wenn ich mich benebel.

    Da halt ich die Klappe und mische mich nicht überall ein, sie hat praktisch freie Hand und ich bin immer leicht zu allem zu überzeugen. Ich glaube meine Probleme sitzen ganz tief, mir kommt immer das Wort Neuanfang in den Sinn, ob es dann besser wäre, weiß ich nicht. Habe auch Angst das ich komplett untergehe wenn ich alleine wäre. Wir reden nicht miteinander, geschweige denn von körperlichen Kontakt, da ist eigentlich nichts mehr. Ich hatte schon paar alkoholfreie Anläufe in der Annahme das es sich zwischen uns bessert, sie nimmt es nicht mal wahr. Beim nächsten Einkauf bringt sie mir ungefragt Bier mit.

  • Egal was ist wenn du wieder anfängst zu trinken geht die Spirale wieder abwärts, ich stecke wie gesagt in einer wirklich ähnlichen Situation und kann Dir nur raten geh in Dich teile Dich hier mit. Es ist verdammt schwer ich hab 2 kleine Jungs und ich muß bald Ausziehen aber so wie es jetzt ist halte ich es auch nicht mehr aus. Selbstvorwürfe bringen uns nicht weiter und glaub mir ich bin gerade in einer richtig beschissenen Situation, setz dich hin und denk über alles nach, was du für Möglichkeiten hättest um Dir selbst zu helfen.

    Ich weiß wie es dir gerade geht, zumindest kann ich es mir gut vorstellen. Wenn sie wieder Alkohol kauft schmeiß ihn sofort vor ihren Augen in die Mülltonne, sofort! Das ist noch krasser als bei mir...

    Kopf hoch Seppel du machst alles richtig lass dich nicht beirren.

  • Jedenfalls bist Du nicht der Erste, der mit der Nüchternheit feststellt, dass es auf Dauer so nicht weitergehen kann. In einer Beziehung, die eigentlich schon keine mehr ist, zu leben, fällt dann zunehmend schwerer.

    Ging mir auch so. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mein Leben insgesamt zu verbessern. Was anfangs mit einigen Hürden verbunden ist.

    Aber.

    1. Es lohnt sich
    2. Es geht auch nicht anders

    Damit meine ich z. B. Paarberatung, oder Trennung usw.

    Wichtig ist jetzt aber erst mal, dass Du für Dich und Deine Krankheit einstehst. Egal ob sie das derzeit einsehen möchte.
    Da steht die Abstinenz schon etwas über dem Harmoniebedürfnis. Denn sie ist die Grundvoraussetzung für alles.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Egal was ist wenn du wieder anfängst zu trinken geht die Spirale wieder abwärts, ich stecke wie gesagt in einer wirklich ähnlichen Situation und kann Dir nur raten geh in Dich teile Dich hier mit. Es ist verdammt schwer ich hab 2 kleine Jungs und ich muß bald Ausziehen aber so wie es jetzt ist halte ich es auch nicht mehr aus. Selbstvorwürfe bringen uns nicht weiter und glaub mir ich bin gerade in einer richtig beschissenen Situation, setz dich hin und denk über alles nach, was du für Möglichkeiten hättest um Dir selbst zu helfen.

    Ich weiß wie es dir gerade geht, zumindest kann ich es mir gut vorstellen. Wenn sie wieder Alkohol kauft schmeiß ihn sofort vor ihren Augen in die Mülltonne, sofort! Das ist noch krasser als bei mir...

    Kopf hoch Seppel du machst alles richtig lass dich nicht beirren.

    Danke, ich will hier nicht meine Frau schlecht machen, sie meint es auch garnicht böse, die letzten 15 Jahre hatte ich mich halt gefreut wenn sie mir ein Kasten mitgebracht hat. Sie glaubt wohl nicht das ich es auf Dauer schaffe und wie gesagt sieht sie kein Problem in meinem Konsum. Ich muss wohl eins nach dem anderen angehen.

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