Bibitor 66 - 43 Jahre im Rausch reicht

  • Liebe Bibi,

    ich denke, nur meine ganz persönliche Sicht, du musst dich nur bei einem Menschen entschuldigen, und zwar bei dir selbst. Sich selbst verzeihen und nicht weiter anklagen, ist der erste Schritt, sich etwas neues aufzubauen. Die Vergangenheit ist nun mal nicht zu ändern.
    Wenn ich mir selbst verzeihe und gut zu mir bin, dann baue ich auf einem neutralen Boden, lege ein neues Fundament. Versuche ich ständig nur daran zu denken, was alles schief gelaufen ist, dann baue ich auf einer Ruine, auf verbrannter Erde.

    Ich weiß, sehr bildlich geschrieben; ich empfinde das so. Ich kann nix, gar nix, aus der Vergangenheit ändern. Die Person, der du das Auto vollgereihert hast, hat längst das Auto gewechselt. Wahrscheinlich erinnert sie sich gar nicht mehr dran. Was soll ihr deine Entschuldigung bringen. Ent - schulden - von welcher Schuld willst du dich befreien?

    LG
    Kecke

  • Hallo Kecke,

    danke für Deine Worte. Da hast Du natürlich recht. Die Vergangenheit ist nicht mehr rückgängig zu machen.

    Du klingst sehr gut in Deinem Faden. Du hast einen ähnlichen Start hier im Forum hingelegt wie ich und Du klingst sehr ausgeglichen. Das gefällt mir. Denn es geht mir auch so. Ich bin froh die Sauferei hinter mir gelassen zu haben. Ich wünsche Dir weiterhin Deine positive Einstellung und noch einen regen Austausch.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Tag 127: In mir und um mich entsteht Struktur

    Wir haben bei uns einen großen Schrank stehen, in dem befinden sich ca. 40 Ablagekästen mit Unterlagen, die heillos durcheinander sind.

    Immer wenn ich wichtige Unterlagen für einen Termin brauchte, habe ich betrunken oder verkatert Zeit vergeudet, die Unterlagen zu suchen die ich brauchte. Dann habe ich sie kopiert und das Original einfach wieder in das Chaos geworfen. Ich habe immer alles gefunden, aber mit was für einem Aufwand. Stress pur.

    Nun habe ich begonnen, meine Arztatteste, Versicherungsunterlagen usw. einzuscannen und digital abzulegen. Das Original gleich in einen Ordner. Wenn ich nun was brauche, rufe ich es auf und drucke es aus. Wie einfach. Alkohol erschwert wirklich alles im Leben. Ich bin noch eine ganze Weile beschäftigt mit dem Papierkram. Aber auch das macht mir Spaß. Merkwürdig. Echt merkwürdig. Jahre habe ich mich dieser Aufgabe nicht gestellt.

    Ich fühle mich pudelwohl und habe immer noch das Gefühl, dass jeden Tag neue positive Gefühle hinzu kommen. Es geht voran.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • So da bin ich noch mal.

    Bei mir läuft alles in ruhigem Fahrwasser. Kein Mucks vom Suchthirn, kein Saufdruck und null Bock auf Alkohol. Gedanklich steht der Alkohol auf meiner Liste der Dinge die ich nicht mag. Zb.: Marzipan, Lakritze oder Kutteln. Pfui.

    Ich bin immer noch total ausgeglichen und nichts bringt mich aus der Ruhe. Ich finde es herrlich keinen Druck mehr in mir zu verspüren. Ich hoffe es bleibt so!! Sollte das Suchthirn sich bemerkbar machen, wird es gnadenlos nieder geprügelt. Also alles in allem herrscht Tiefenentspannung.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Tag 128

    Mein Rücken wird gerade und ich vertrete meinen Standpunkt

    Mir fällt auf, dass ich anders mit meinem Umfeld umgehe. Ein kleines Bsp. aus mehreren Erlebnissen:

    Wir haben eine Nachbarin. Sie ist schon älter und ihr Mann ist vor ein paar Jahren gestorben. Sie ist sehr sehr neugierig und meint immer zu wissen, was sich so in der Nachbarschaft zuträgt. Häufig hat sie mich vor dem Haus abgefangen und hat mich mit Geschichten von anderen überfahren. Der eine Nachbar mäht zu spät Rasen, der andere schneidet seine Hecke nicht usw.

    Anfang der Woche war es wieder so weit. Da dieses Gespräch auch gleich wieder so los ging, Bibi der und die Nachbarin machen dies und jenes, habe ich sie sofort ausgebremst. Ich sagte ihr deutlich aber freundlich, dass ich mich nicht über andere Personen unterhalten möchte. Schon allein deswegen, weil ich einige Nachbarn überhaupt nicht kenne, von denen sie erzählt.

    Die Nachbarin war dann etwas perplex und fragte mich, ob ich einen schlechten Tag hätte. Ich sagte ihr, ganz im Gegenteil, ich habe einen guten Tag. Wir verabschiedeten uns und nun bin ich mal gespannt, wie sie beim nächsten Aufeinandertreffen reagiert. Mir tut die Dame ja leid. Vermutlich ist sie einsam. Aber das tue ich mir nüchtern nicht mehr an.

    Ich fühle mich stark, ausgeglichen und befreit. Heute ist wieder Einkaufstag. Mein Mann und ich werden uns bald ins Einkaufsgetümmel stürzen.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Mein Rücken wird gerade und ich vertrete meinen Standpunkt

    Moin,dazu fällt mir eine Geschichte aus meiner Familie ein.Mein Vater der schon lange nicht mehr lebt, hat immer über andere Leute gelästert.Was sie machen, wie sie aussehen und.s.w. Auch über die eigene Familie Er hat immer wieder über meine 3 älteren Geschwister samt der anderen Verwandschaft schlecht gesprochen. Auch außerhalb der Familie.

    Irgendwann war er bei meiner Schwester zuhause. Er fing dort wieder an ,über andere herausziehen.Da ist meiner Schwester der Kragen geplatzt.Sie sagte, sie will das nicht mehr hören und er könne jetzt gehen.Quasi ein Rausschmiss! Er ließ sich ca.4Wochen nicht mehr sehen.Nach 4 Wochen kam er wieder kleinlaut bei ihr an und meine Schwester war ab dem Tag die Beste. Abgrenzen ist wichtig.Obwohl es gegenüber den eigenen Eltern oft garnicht so einfach ist Gruß Bono

    Einmal editiert, zuletzt von Bono59 (15. November 2025 um 08:42)

  • Der Grund ist weg, warum ich mich versteckt habe. Ich habe es ertragen, um nicht aufzufallen. Ich wusste genau, welche Menschen mir „gefährlich“ werden könnten. Das war mühsam und anstrengend. Diese Menschen rechnen nicht mit meiner neuen Aufrichtigkeit und machen sich nun wieder Gedanken.

    Für sich selbst einstehen, den Rücken wieder gerade machen, das stärkt auch meine Abstinenz.

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Tag 129

    Ich vergleiche mich gerade mit einem Computer. Ein Computer der eine Fehleranalyse und einen Neustart hinter sich hat. Mein Automatismus (Griff zur Bierflasche) ist gelöscht oder überschrieben. Nur meine Festplatte ist nicht ausgetauscht. Auf dieser befindet sich also immer noch mein Suchtgedächtnis. Aber es schweigt und ruft sich gerade nicht auf.

    Heute gehen wir mit unserem Freund Essen. Ich habe gestern schon mal die Speisekarte online recherchiert. Es ist ein gutes Lokal mit gehobener Speisekarte. Also keine Spillunke. Ich habe mir schon ein Gericht ausgesucht, in dem mit Sicherheit kein Alkohol drin ist. Ist was ohne Soße. Ich freue mich auf die gemeinsame Unternehmung. Unser enger Freundeskreis besteht nur noch aus 5 Personen und man sieht sich extrem selten. Mag auch am Alter liegen.

    Wir werden um 12:30 Uhr abgeholt und ich werde am Spätnachmittag/Abend berichten wie es war. Ich empfinde keinerlei Unruhe oder ein ungutes Gefühl. Ich freue mich nur auf mein Essen, mein großes Apfelsaftschorle und natürlich auf meine Freunde.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Ich freue mich nur auf mein Essen, mein großes Apfelsaftschorle und natürlich auf meine Freunde.

    Guten Morgen Bibi, du gehst relativ oft essen oder in Restaurants oder hab ich das falsch in Erinnerung? Pass halt auf das sich da keine Normalität einschleicht, du wirst so ja regelmäßig mit Alkohol konfrontiert, sogar mit dem gepflegten trinken.

    Nicht das sich da der Schlendrian einschleicht und du dich zu sicher fühlst oder sogar über deinen Lieblingswein nachdenkst wie gut der geschmeckt hat der Krug geht so oft zum Brunnen bis er bricht....

    Genieße den Tag und dein Essen, ich muss arbeiten und bin ein bisschen neidisch ;)

    LG R/no

  • Guten Morgen Bibi, du gehst relativ oft essen oder in Restaurants oder hab ich das falsch in Erinnerung? Pass halt auf das sich da keine Normalität einschleicht, du wirst so ja regelmäßig mit Alkohol konfrontiert, sogar mit dem gepflegten trinken.

    Nicht das sich da der Schlendrian einschleicht und du dich zu sicher fühlst oder sogar über deinen Lieblingswein nachdenkst wie gut der geschmeckt hat der Krug geht so oft zum Brunnen bis er bricht....

    Genieße den Tag und dein Essen, ich muss arbeiten und bin ein bisschen neidisch ;)

    LG R/no

    Hallo R/no,

    Lieblingswein hatte ich lange keinen mehr. Nur Lieblingsbier. Kein Schlendrian darf sich einschleichen!!! Ich habe ihn gerade erst los. Dieser Schlendrian hat mir mein ganzes Leben erschwert.

    Nein wir gehen nicht häufig in Restaurants. Seit meinem Start in die Abstinenz war ich 2x frühstücken und 1x mit meinem Mann, nach dem Solebad, im Imbiss. Aber selbst gestern beim Einkaufen, haben wir trinkende Menschen gesehen. Vor dem Discounter lungern immer welche rum. Auch gleich kurz nach 8:00 Uhr, wenn der Laden öffnet. Ich müsste entweder blind werden, oder mich zu Hause einschließen, wenn ich das nicht vertrage.

    Musst nicht neidisch sein. Warum musst Du sonntags arbeiten? Wieder ein liegengebliebenes Projekt zu Hause? :)

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Ich müsste entweder blind werden, oder mich zu Hause einschließen, wenn ich das nicht vertrage.

    Nein so war das nicht gemeint, ich dachte nur das du oft einkehrt, ich hatte das falsch in Erinnerung...

    Musst nicht neidisch sein. Warum musst Du sonntags arbeiten? Wieder ein liegengebliebenes Projekt zu Hause? :)

    LG

    Ich muss immer an den Wochenenden und Feiertagen arbeiten, ich hab einen 6 Wöchigen Turnus somit hab ich jede 5und6 Woche zwei lange Wochenenden...

  • Ich habe gestern schon mal die Speisekarte online recherchiert.

    Das mache ich auch schon immer so. Ich muss aber auch schon Anleitungen lesen, bevor das Gerät überhaupt angekommen ist.

    Jetzt ist eben auch noch hinzugekommen, dass ich in Ruhe vorab auf Alkohol überprüfen kann. Und ich persönlich finde das später im Restaurant auch entspannter. Weil ich keinen Entscheidungsdruck habe.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Auf dieser befindet sich also immer noch mein Suchtgedächtnis. Aber es schweigt und ruft sich gerade nicht auf.

    Auf meiner Festplatte im Oberstübchen befindet sich eine neue Betriebssoftware, leider lässt sich die alte nicht deinstallieren und sie zuckt halt ab- und an mal vor sich hin (=Suchtgedanken). So stelle ich mir mein Suchtgedächtnis vor. Mir hat diese Verbildlichung weiter geholfen, um zu verstehen, weshalb sich das Suchtgedächtnis nicht ganz abschalten lässt.

  • Auf meiner Festplatte im Oberstübchen befindet sich eine neue Betriebssoftware, leider lässt sich die alte nicht deinstallieren und sie zuckt halt ab- und an mal vor sich hin (=Suchtgedanken). So stelle ich mir mein Suchtgedächtnis vor.

    Diese Probleme löst bald die KI und bald gibt es dann auch die neue" Oberstübchendeinstaliierapp!!" :huh: Schöne neue Welt. Alles kein Problem mehr. :):):) Oder sind das nur meine Wunschgedanken? 😇😉

    Einmal editiert, zuletzt von Bono59 (16. November 2025 um 12:45)

  • Hallo Ihr,

    ich bin wieder hier. Ich musste gerade erst schauen, ob das mein Faden ist. Hier war so viel los ohne mich. :)

    Das Essen mit den Freunden war toll. Nur eine Person hat Bier getrunken. Die war nicht ich. Alle anderen tranken alkoholfrei. Keine Ruckler, kein Durst auf Alkohol. Ich habe gut gegessen. Zum Nachtisch ein gemischtes Eis mit Sahne, Apfelsaftschorle und ein Rhabarber-Mirabellen-Getränk. Alles lecker.

    Wir hatten gute Gespräche und auch einiges zu Lachen.

    Eigentlich bin ich ja jetzt erst gesellschaftsfähig. Vor meiner Abstinenz habe ich solche Treffen gerne abgesagt. Da zog ich es vor, mich zu Hause volllaufen zu lassen.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Nur eine Person hat Bier getrunken.

    Nun, ich mal wieder:saint:

    Es kommt nicht darauf an, wer was wo trinkt oder wie viel, entscheidend ist. Was macht es mit mir? Spüre ich Verzicht, Verlangen oder fühle ich mich sicher?

    Solange ich jedoch noch zähle, was andere trinken, läuft ein Programm im Kopf. Für Menschen ohne Sucht ist das egal, für mich nicht.

    Denn ich bin überzeuget es macht immer was, bewusst oder unbewusst. Und wenn nicht, wäre ich nicht süchtig. Wichtig ist, nicht den Denkfehler zu machen: „Hat mir nichts ausgemacht, also kann ich mehr riskieren.“ Denn genau da setzt das Suchthirn an, oder wie ich es mal genannt habe, mein innerer Dealer.;)

    Nur mal als Info, nicht als Aufforderung, den ganzen Weg neu zu überdenken, und eines weiß ich auch aus Erfahrung: Meine Armlänge zum Glas hat sich auch nach 18 Jahren nicht verändert. Habe extra eben noch mal nachgemessen.:)

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!