Grinsekatze68 - Vorstellung einer Partnerin

  • Hallo zusammen!

    Ich weiß seit Jahren, dass mein Mann gerne Wein trinkt und die Regelmäßigkeit zunimmt. Nach einer Krankheit ist nun herausgekommen, dass bestimmte Blutwerte nicht gut sind, die den Alkoholkonsum eigentlich verbieten. Natürlich habe ich das angesprochen, aber er hat nicht viel dazu gesagt, jetzt konsumiert er den Alkohol weitestgehend heimlich. In meiner Anwesenheit trinkt er nicht und leere Flaschen werden versteckt und dann entsorgt. Er trinkt nur abends, nie tagsüber und dann auch "nur" Wein, aber eine Flasche ist es dann schon täglich. Ich weiß, Vorwürfe werden wahrscheinlich nichts bringen, aber wie kann ich ihm helfen? Er ist nicht aggressiv und funktioniert im Alltag auch zu 100%, aber ich befürchte wenn er so weiter macht, wird das auf Dauer nicht so bleiben....

  • hallo Grinsekatze,

    herzlich Willkommen in unserer Onlineselbsthilfegruppe.

    Einiges von dem was du beschreibst, kenne ich sehr gut, vor allem das heimliche trinken.
    Es ist egal, was er trinkt, er trinkt Alkohol, und gerade das heimlich trinken ist in den allermeisten Fällen ein starkes Indiz dafür, das er Alkoholiker ist.

    Wenn du dich austauschen möchtest, klicke bitte unten auf den Link, schreib noch einen kurzen Satz dazu. Wir schalten dich dann für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Grinsekatze,

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot 12. November 2025 um 12:33

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung einer Partnerin“ zu „Grinsekatze68 - Vorstellung einer Partnerin“ geändert.
  • wichtig ist, dich an den Gedanken zu gewöhnen, dass du nichts tun kannst. Er braucht eine Krankheitseinsicht.
    Hier wird es um dich gehen, was du für dich tun kannst, damit es dir besser geht.

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Außer der Tatsache, dass ich mir Sorgen mache, geht es mir im Prinzip ja gut. Ich finde es halt unendlich schwierig einfach tatenlos dabei zuzusehen, dass da etwas in die falsche Richtung läuft. Natürlich kann er sich letztendlich nur selber helfen, aber ich überlege ständig wie ich ihm vielleicht einen "Schubs" in die richtige Richtung geben kann,

  • Mein (Noch-)Partner hat auch vor nicht allzu langer Zeit erfahren, dass seine Blutwerte schlecht sind und er eine Fettleber hat. Ansage des Arztes war ganz klar: Es ist noch nichts verloren, es kann sich regenerieren, aber nur mit Abstinenz. Das hat er dann knapp zwei Wochen durchgezogen (allerdings mit einer Laune, die ich kaum ausgehalten habe) und dann hat er wieder getrunken. Erst ein Bier, dann ein paar Tage später mehrere und jetzt sind wir wieder bei 3-4 Abstürzen pro Woche. Ich habe ihn am Anfang daran erinnert, was sein Arzt gesagt hat und ihn gebeten, endlich wenigstens Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen, aber er packt es nicht.
    Das hat bei mir jetzt schlussendlich zum Trennungsbeginn geführt. Wir sind noch kinderlos und selbst wenn er es schaffen würde, aufzuhören, möchte ich nicht in ein paar Jahren (evtl. sogar dann noch mit Kleinkind) einen schwerkranken Mann zuhause, der sich dieses Leid "selbst" zugefügt hat. Einen Schubs in die richtige Richtung, wie du es sagst, kann nur er sich geben, so furchtbar es auch ist.

  • Danke für Deine Rückmeldung Tysja15. Ja, wahrscheinlich hast Du Recht! Ich bin schon etwas älter als Du, wir sind 20 Jahre verheiratet, er hat immer mal gerne abends mal einen Wein getrunken, aber vollkommen im "normalen" Rahmen. In letzter Zeit merke ich halt, dass die Mengen mehr werden. Eine Trennung steht derzeit absolut nicht zur Diskussion, ich liebe meinen Mann und habe ja auch keinen Leidensdruck. Deshalb will ich auch gar nicht "jammern" sondern einfach vorausschauend handeln. Aber wenn er so weiter macht, habe ich Angst wohin das führt...

    Ich kann Dich gut verstehen, dass Du mit dem Blick in die Zukunft eine Trennung begonnen hast, das ist zum Selbstschutz der beste Weg. Wenn mein Mann echte Abstürze hätte, würde ich wahrscheinlich auch nochmal anders denken.

  • Die Frage ist, ob bei dir nicht doch ein Leidensdruck da ist. Du siehst schließlich dabei zu, wie dein Mann bewusst seine Gesundheit gefährdet. Das ist doch unglaublich schmerzhaft, wenn man jemanden liebt und Angst um jemanden hat. Und was das "Heimlich trinken" angeht, hat ja schon jemand kommentiert, dass das echt ein klares Zeichen ist, dass er weiß, was falsch läuft. Wenn Angehörige Sorgen äußern und das nicht zu Einsicht führt, sondern dazu, dass man dann heimlich trinkt, ist das einfach nicht mehr ok. Ich bin überzeugt: Ein Mensch, der nur eine Phase hat, in der er "mal" zu viel trinkt und der dann von seinen Lieben (oder einem Arzt) darauf hingewiesen wird, dass es problematisch wird, wird aufwachen und sich Hilfe suchen. Ein Süchtiger hingegen zieht sich zurück und verheimlicht.

  • Hallo Grinsekatze,

    Du hast geschrieben, dass dein Mann täglich 1 Flasche Wein trinkt.

    Bei uns hat das ähnlich angefangen. Mein Partner hat auch täglich und nur Abends getrunken.

    Bei meinem Partner, war es damals noch eine halbe Flasche Wein gemixt im Glas zur Hälfte mit Wein und zur Hälfte mit Sprudelwasser. Dies wurde dann schleichend gesteigert in dem aus 2 Gläsern dann 3 oder 4 wurden. Als das nicht mehr reichte, hat er immer mehr Wein ins Glas gemacht, so das zum Schluss gerade mal noch Daumenbreit Wasser reingepasst hat. Mittlerweile ist er bei 1 1/2 bis 2 Flaschen Wein jeden Tag. Zwischendrin gibts auch noch Schnäpse dazu.

    Noch funktioniert dein Mann und ist nicht aggressiv.

    Das war bei meinem Partner auch so. Er funktioniert auch jetzt noch nach wie vor und aggressiv ist er auch nicht. Aber mit der Zeit hat er sein Wesen mir und meinen Kindern gegenüber komplett geändert. Es fingen Schuldzuweisungen an. Auf einmal konnte ich nix mehr richtig machen. Es wurde jede Kleinigkeit kritisiert. Ich habe den Müll falsch getrennt, die Wäsche falsch gewaschen, nicht richtig geputz, ich würde nur faul auf der Couch liegen und nix mehr machen. Das in all den Jahren, ich diejenige war, die sich um den kompletten Haushalt gekümmert hatte, war dabei unerheblich.

    Ich könnte dir noch so einiges mehr aufzählen.

    Ich hab solche Situationen anfangs noch nicht mit dem Alkohol in Verbindung gebracht, der Schubs kam tatsächlich von meiner Mutter.

    Was ich aber eigentlich damit sagen will. Die Sucht entwickelt sich schleichend weiter. Wenn er jetzt schon eine Flasche am Tag braucht und anfängt heimlich zu trinken, steckt er vielleicht schon tiefer drin als du glaubst.

    Und wie tysja schon schrieb, wenn er schon vom Arzt und Familie darauf hingewiesen wurde und er sich eher zurück zieht, als selbst was zu ändern, wird ein Schubs von außen nicht helfen.

    Eher im Gegenteil, er würde sich vielleicht dadurch noch mehr kontrolliert fühlen.

    Die Einsicht daran was zu ändern, muss von ihm selbst kommen.

    Ich kann verstehen, dass eine Trennung für dich nicht in Frage kommt und du lieber vorbeugen willst.

    Das hatte ich auch versucht bis dann eine räumliche Trennung unausweichlich war.

  • hallo und willkommen Grinsekatze68

    schön das du da bist. eins vorweg, ich bin alki und schon einige jährchen trocken.

    ja deine geschichte kann ich gut nachvollziehen. aber eins nach dem anderen. sucht, verläuft schleichend. zuerst kommt das normale trinken, auch gern genusstrinken genannt. danach der missbrauch, soll heißen es wird von mal zu mal mehr. das kann jedem passieren wenn auch nur temporär und man bekommt die kurve. dann gibt es aber die fraktion, die die kurve nicht mehr bekommt und in eine sucht rutscht. das passiert auch nicht von heute auf morgen, sondern schleicht sich an. im schnitt spricht man von 8-10 jahren bis die sucht vollends zum tragen kommt mit allem was dazu gehört.

    und ich gebe dir recht das es hart ist das mit anzusehen. deshalb schreib ich aus eigener erfahrung und ungeschönt.

    sucht ist hochgradig egoistisch, sie dient nur sich selbst und nimmt auf niemanden rücksicht. nicht auf den partner, nicht auf kinder oder familie, nicht auf den job eigentlich auf das gesamte soziale umfeld. sucht verhandelt auch nicht und lässt sich unter druck setzen.sucht nimmt keine rücksicht auf den köperlichen oder geistigen zustand und macht auch keine zugeständnisse. sucht verändert dich, ohne das du es selber mitbekommst(wesensänderung). deine wahrnehmung und selbstwahrnehmung wird zerstört und dir die möglichkeit genommen das verhalten selbst zu reflektieren. eine normale kommunikation ist so gut wie unmöglich, da man alles als angriff wertet, auch wenn es vom gegenüber noch so lieb gemeint ist. dir wird irgentwann alles egal und die abwärtsspirale dreht sich immer schneller, bis zur selbstzerstörung. das geht bis hin zu verbalen ausfällen und sogar gewalt gegen sich oder andere.

    was ich damit sagen möchte und das haben auch schon meine vorredner getan, du kannst erst einmal ganichts tun. der impuls etwas zu ändern muss von ihm kommen. du erreichst garnichts, schon garnicht wenn du mit ihm im nassen zustand diskutierst. zwecklos:idea:und je mehr du versuchst zu helfen desto schlimmer wird es werden. ich kann nicht sagen wieviel du erträgst und wie wie gross deine liebe ist, aber sucht teilt auch nicht gern mit anderen. versuch dich in erster linie um dich selbst zu kümmern, auch wenn es schwerfällt sonst reisst es dich mit. der vergleich mit einem ertrinkenden beschreibt es am besten, er wird sich an allem festhalten und mit in die tiefe ziehen...gib auf "dich" acht

    gruss eternal

  • In letzter Zeit merke ich halt, dass die Mengen mehr werden.

    Wenn mein Mann echte Abstürze hätte, würde ich wahrscheinlich auch nochmal anders denken.

    Bei der Einordnung des Problems laufen wir ja alle gern in die argumentative Falle: "Aber es könnte ja viel schlimmer sein." Das ist ja vollkommen menschlich.

    Keine Abstürze, aber dafür

    - regelmäßig jeden Abend eine Flasche Wein,
    - heimlich,
    - mit steigender Tendenz,
    - obwohl die Mediziner sagen, dass er aufhören sollte,

    gibt ja doch schon einen deutlichen Hinweis, dass er hier offenbar nicht mehr frei entscheiden kann.

  • Vielen Dank für Eure Antworten!!! OK ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich nicht viel machen kann. Ich versuche erstmal mehr auf mich zu achten und werde beobachten. Und in Ruhe über Eure Worte nachdenken.

    @Eternal - wie hast Du es geschafft und was hat den Anstoss gegeben?

  • @Eternal - wie hast Du es geschafft und was hat den Anstoss gegeben?

    Der anstoss(?), die erkenntnis das ich, schlicht und ergreifend sterben werde wenn ich nicht aufhöre. Das ist auch nicht masslos übertrieben sondern tatsache. Eine alk-sucht endet tödlich:idea:aber der anstoss(gedanke) ist bei jedem verschieden.

    Einmal editiert, zuletzt von _Eternal_ (12. November 2025 um 19:30)

  • Ich werde wohl noch einmal das Gespräch suchen und ihm klar machen, dass er ein freier Mensch ist und machen kann was er will. Wenn das heißt, dass er so mit dem Alkohol weiter machen will, dann kann ich letztendlich nichts daran ändern. Aber ich werde ihm klar machen, dass ich die daraus resultierenden Konsequenzen nicht mit tragen werde. Ich werde ihm helfen, wenn er etwas ändern möchte, aber wenn nicht, muss er irgendwann mit Konsequenzen meinerseits rechnen. Nach dem Gespräch werde ich ihm etwas Zeit geben und sehen wie sich alles weiter entwickelt. Er wird vermutlich erstmal abblocken, aber ich kenne ihn, er ist nicht dumm, normalerweise denkt er dann über solche Dinge nach und wird einsichtig. Inwieweit seine Sucht fortgeschritten ist und er somit noch dazu in der Lage ist, das werde ich dann sehen......

  • Hallo Grinsekatze,

    ich habe solche Gespräche mindestens 100 mal geführt. Und genauso oft hat mein erster Mann es eingesehen, Versprechungen gemacht und erstmal nichts getrunken. Ich hab dann Konsequenzen angedroht, die ich nicht durchgezogen habe. Irgendwann hat er mich nicht mehr ernstgenommen.

    Ob er einsichtig wird? Wenn er süchtig ist, ist er süchtig. Aufhören kann er trotzdem immer. Aber nur, wenn er es wirklich und vollumfänglich will.

    Das ist meine Erfahrung und die Erfahrungen von Teilnehmerinnen, die ich hier immer wieder lese, seit 18 Jahren.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • ihm klar machen, dass er ein freier Mensch ist und machen kann was er will. Wenn das heißt, dass er so mit dem Alkohol weiter machen will, dann kann ich letztendlich nichts daran ändern. Aber ich werde ihm klar machen, dass ich die daraus resultierenden Konsequenzen nicht mit tragen werde

    Das finde ich sehr gut. Für mich war genau das auch eine gute Linie zum Klären der Grenzen, zur psychischen Selbststabilisierung und auch zur Verbesserung der eigenen Position in der Beziehung:

    "Aber klar: Du tust, was Du willst - das ist Dein gutes Recht. Und ich verhalte mich dazu, wie ich es brauche, um mich bestmöglich zu schützen - das ist mein gutes Recht. Wenn Du die Beziehung nach solchen Rechtspositionen führen willst, können wir das gern so machen."

    Inwieweit seine Sucht fortgeschritten ist und er somit noch dazu in der Lage ist, das werde ich dann sehen......

    Richtig. War bei mir auch so. In Fall 1 wurde klar: Es ist zu spät. In Fall 2 hat schon die simple Erkenntnis gereicht: "Wenn ich hier weiter stur versuche, der Beziehung meine eigene Lebensweise aufzuzwingen, bringt das irgendwelches diffuses Ungemach ..." - und die Dinge haben sich hin zu einem guten Kompromiss geändert. Da war es also (zumindest bisher augenscheinlich) noch nicht zu spät.

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