Angler - Hoffnung kommt hoffentlich

  • Gestern war ich zum Kartenspiel bei meinem besten Kumpel. Die trinken alle Recht viel Bier. Das triggert mich aber nicht, da ich durch meinen Sport und die Medikamente sehr viel Durst habe, nur Wasser trinke. Das einzige was den Durst löscht. Statt mich auf das Spielen zu freuen uns Spaß zu haben, wollte ich nach 3 Stunden dringend weg. Diese innere Unruhe überkam mich.

    Die innere Unruhe kann schon von der Gegenwart der saufenden Kartenspieler kommen und später zu Suchtdruck führen, egal, wie Du das einschätzt.

    Können Deine Kumpel Dir zuliebe auch den Alk weglassen, wenn Ihr zusammen spielt? Oder Euch sonstwie alkfrei treffen? S. Grundbausteine.

  • Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Hallo und danke für das Feedback.

    Nein, die Unruhe kam, weil ich am liebsten in meine alte Wohnung zu meiner Ex wollte. Das war so nah und ich konnte an nichts anderes denken. Vor einem Jahr in der Reha wollte ich auch nur noch weg, das war das selbe Gefühl. Da habe ich mir den Tag dann ertragbar getrunken. Im Moment kommen alle Gefühle ungefiltert. Die Stresshormone sind extrem hoch. Ob das für mein weiteres Leben gut ist, weiß ich nicht. Ich lerne viel, auch mit dem Aushalten und damit umgehen. Der Alkohol ist da für mich keine Option mehr. Mir ist die Nachwirkung sehr bewusst, zudem es mich innerlich noch weiter zurück werden würde. Da ich wie gesagt froh bin, es nicht zu müssen, stört mich das bei anderen nicht. Ich weiß ja, wie es Ihnen heute Morgen ging. Das brauche ich nicht mehr. Ich verpasse da nichts. Und trinken bei Gelegenheit oder in Gesellschaft war für mich schon immer mehr Gruppenzwang als Genuss. Das einzige ist, wenn man zusammen was trinkt und feiert. Aber das war mit 20 der Fall, nicht mehr heute. Ich hatte meine Partys.

    Kater

    Ich konnte meine Wanderungen kaum machen, nur unter Schwitzen und keine Energie, der Schlaf war beschissen, ich hab geschnarcht und ausgedünstet, dass man nur so gestunken hat. Es war stinkender Durchfall, die Augen waren verquollen, das Gewicht rot... Sie Fotos wären erschreckend. Ich habe Sachen gesagt, die würde ich nüchtern nie sagen. Mein Verhalten war nicht lustig, es war peinlich und ekelhaft.

    Der Bauch wurde dicker, Unternehmungen ohne Interesse.. den Tag verplempert.

    Dafür soll ich trinken? Nein danke.

    Ich kenne ein nüchternes Leben, ich weiß wie gut sich das anfühlt, und wie es auch ist, wenn man irgendwann nicht mehr dran denkt und Trinken wie ein Fremdwort klingt. Das Nüchtern sein ist im Moment das Wichtigste, was ich machen kann. Damit steht und fällt alles. Ein Rückfall wäre wieder in dem Loch drin.

    Das Thema Selbstliebe stelle ich für mich mit dem Alkohol ganz nach oben, da ein Zusammenhang herrscht. Durch die fehlende Selbstakzeptanz, Schüchternheit und Introvertierheit löste der Alkohol diese Zweifel.

    Wenn ich diese Baustellen angehe, dann hat er auch keine Macht und ich brauche ihn dazu nicht. Das sind aber alles Prägungen von Jahrzehnten. Ich muss offener auf Menschen zugehen, keine Angst vor der Zukunft oder vor Gedanken anderer haben. Ich lebe für mich.

    Das heißt aber auch, ich muss aus meinem.Umfeld ausbrechen, neue Menschen kennenlernen. Meine Ex ist da eine gute Lehrmeisterin gewesen. Was sie zu viel hatte, hab ich zu wenig. Ich sorge mich um jede Kleinigkeit, statt alles lockerer zu sehen. Vorallem muss ich von meinen vielen Ansprüchen und Verpflichtungen weg, mehr das Leben als Hobby sehen und genießen, statt sich in materiellen Dingen zu flüchten.

    Ja, ich mache mein Glück von anderen abhängig, und wenn man viel allein ist oder sich einsam fühlt, erstickt das einen. Mich sich selber was anfangen können. Trotz meiner vielen Hobbys habe ich sowas wie eine Lebenslangeweile. Und die gepaart mit emotionaler Sehnsucht ist der Nährboden für Alkohol.

    Ich habe nie des Trinken Willens getrunken, es war immer wegen Situationen. Und diese Situationen haben Verknüpfungen geschaffen, die mich dann immer wieder dazu gebracht haben, zur Flasche zu greifen.

    Das habe ich jetzt erst alles gelernt... Vorher habe ich es unter: mir geht's nicht gut abgestempelt. Vorallem auch eine Abhängigkeit zur Partnerin, finanzielle Sorgen was mit die Abhängigkeit zu den Eltern einbrachte... Das fühlt sich alles so unmännlich und nicht erwachsen an, was ich sein sollte. Ich kam mir immer wie noch der kleine Junge vor, jedoch mit Erwachsenenprobleme.

    Denke, erst wenn ich meine Seelenmitte wirklich gefunden habe, weiß ich auch wer ich bin. Auch wenn ich nie dauerhaft getrunken habe, sind es aber die letzten 20 Jahre, wo Alkohol immer eine Rolle gespielt hat. Jetzt muss ich auch lernen, dass er nicht mehr zu mir gehört und ich mein Leben ohne ihn leben kann. Das Gehirn denkt zu viel, wie toll es war, was aber letztendlich nur ein Trick ist und nicht die Wahrheit.

  • Das klingt gut. Als wäre da jetzt ein Knopf drunter gemacht worden. Und es tut bestimmt auch gut, das alles mal in Worte zu fassen. Ich wünsch dir, dass du dich in naher Zukunft wieder mögen lernst. Dass der Alk dich daran hindern würde, hast du längst kapiert. Alles Gute für dich!

  • Ich habe mal eine Frage an alle die das lesen. Und zwar möchte ich eure Meinung wissen.

    Als ich merkte, dass der Alkohol in meinem Leben großen Einzug nahm, ich das aber nicht wollte (ich mochte dieses Schwummrige nicht. Den Geschmack der ersten 2 Bier ja, danach war es aber eher ohne Verstand und Kontrolle), habe ich ja aufgehört und ein sehr gutes Leben geführt. Es gab nicht einen Tag, an dem ich es vermisste.

    Durch große Veränderungen in meinem Leben hielt es wieder Einzug. Ich hätte vielleicht auch gar nicht begonnen wenn ich nicht das Risiko eingegangen wäre bzw wüsste, dass es zum wirklichen Problem werden würde. Ist ja auch egal, ist passiert.

    Seitdem gehe ich zu Einzelgesprächen der Diakonie. Nachdem meine Beziehung jetzt zu Ende ist, habe ich 3 Sitzungwn gehabt, demnächste den Übergang zur Psychologin.

    Ich war auch mal beim blauen Kreuz in der SHG.

    Da gefiel mir aber nicht, dass man sich die Zeit nehmen muss, dort hin, um explizit über das Thema zu sprechen. An manchen Tagen hatte ich anderes vor, nicht dran gedacht und hab ich eher gezwungen. Danach dachte ich: oh weh, wenn du das alles hörst, da kannste ja echt noch froh sein.

    Im Moment gehe ich durch die Hölle und trotz alledem habe ich immer noch kein Verlangen oder ähnliches. ich würde sogar fast meinen, dass ich noch nie strukturierter und klarer das Leben bewerkstellige. Ich gehe mit den Gefühlen bewusst um und sortiere sie. Was ist real, was löst sich, was machst du damit?

    Egal was es auch ist, ich sehe nur eins: Alkohol bringt mich kein bisschen voran, bleib so klar und bewusst bei dir.


    Muss ich (müssen tut keiner) in der jetzigen Phase eine stationäre oder ambulante Therapie machen? Ist das für mich wirklich sinnig? Ich kenne Trigger und ich weiß auch, dass es zu nichts führt, egal wie heftig. Da der nächste Supermarkt 10 min mit dem Auto weg ist, ist allein die Hürde schon da, bewusst loszugehen. Im Haushalt gibt es logischerweise nichts. Ich fühle mich im Moment sehr gut, was das Thema betrifft. Jedoch höre ich von außenstehenden, die natürlich das Thema nicht so kennen, ich soll eine Therapie machen. Die Aussagen kommen daher, weil die denken, da geht man hin und dann trinkt man nie wieder. Nur das hilft. Ich streube mich innerlich nur leicht darüber weil ich mich ja mehr als bewusst damit auseinander setze und alles bis ins Detail hinterfrage, analysiere und mir bewusst mache. Wenn ich dann sage, ich bin weiterhin trocken kommt sowas wie: aber das wird ja kippen ohne Therapie. Mich ärgert es auch so leicht, weil man mir meine Einstellung, meinen Willen und vorallem meine Überzeugung damit in Frage stellt.

    Wie seht ihr das?

  • Hallo Angler,

    Mich ärgert es auch so leicht, weil man mir meine Einstellung, meinen Willen und vorallem meine Überzeugung damit in Frage stellt.

    Da habe ich eine Gegenfrage:

    Wenn es dein Wille, deine Einstellung und deine Überzeugung ist, keine Therapie zu machen, wenn du dich innerlich gegen eine Therapie sträubst, was soll dir diese dann bringen?

    LG Kyra

  • Sagen wir es so: ich kenne selbst die Statistik der Rückfälle mit und ohne Therapie.

    Was ich oft aber auch festgestellt habe ist, dass viele sich dem gar nicht bewusst wären, was da mit ihnen eigentlich passiert. Das sie es als normal empfanden. Hab dich ne. Job, ne Familie, noch den Führerschein usw.

    Ich sehe es doch bei meinem Kumpel, der jeden Abend 3 oder 4 Bier trinkt und das als normal ansieht. Ich bin kein Moralapostel aber ich hab ihm auch gesagt, so war ich auch mal, nur, dass ich damals schon wusste, dass es eben NICHT normal ist und ernsthafte Schäden verursacht.

    Wenn ich eine Therapie machen, da Körbe flechte, Triggermomente mit Lösungaalternativen höre, was anderes ist es doch nicht, wenn ich mich selbst damit auseindersetze und mich Frage: bei all deinen Situationen in deinem Leben, was war da dein Gefühl und was hat es ausgelöst? Was hätte xy gemacht, der kein Bier mag.


    Ich will das nicht abwerten, aber irgendwie hab ich dann so das Gefühl, es zählt erst bzw..ich werde ernstgenommen, wenn ich den offiziellen Weg gehe.

  • Beim Lesen wirkt es für mich eher wie der Wunsch nach Bestätigung, dass es auch ohne Therapie schon passt und du alles im Griff hast. Gleichzeitig brodelt im Hintergrund genug, Trennung, Umbruch, Gefühlschaos. Du schreibst selbst, dass du „durch die Hölle gehst“. :whistling:

    In solchen Phasen ist viel Selbstberuhigung im Spiel. Das hat für mich etwas von der gleichen Beschönigung, die früher beim Saufen geholfen hat, Dinge auszuhalten. Genau deshalb wäre ich vorsichtig mit „Ich brauche nichts weiter“.

    Nicht aus Misstrauen, sondern weil mir dieses Einreden damals auch nicht geholfen hat.

    Für mich heißt trocken sein. Verantwortung zurückholen. Nichts mehr ersäufen, nichts mehr betäuben. Was hochkommt, gehört mir – und ich entscheide, was ich damit mache. Dafür brauche ich keine Absolution von außen.

    Und Therapie ist keine Forumsabstimmung. Wenn man an dem Punkt ist, gehört das in fachliche Hände . Findest du nicht ?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich wollte keine Abstimmung sondern die Erfahrungen.

    Habe ich das also falsch interpretiert?

    Ich hatte keine Therapie, aber auch keine Vorbelastungen, die mit Sucht und mit anderen psychischen Problemen zusammenhingen.

    Schau mal, hier ist ein Thread, vielleicht findest du dort etwas.

    Cadda
    15. August 2024 um 07:20

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich hatte keine Therapie und bin seit über vier Jahren trocken.

    Aber ich hatte sehr ähnliche Probleme wie Du schon von der ersten Feundin an.

    Aus dem Grund hatte ich bereits vor über 20 Jahren zwei verschiedene Therapien. Aufgrund Deines Denkens und Deiner damit einhergehenden Gefühle sehe ich da mich selbst vor sehr vielen Jahren.

    Deswegen fällt mir das Lesen hier nicht so leicht. Ich hatte Tiefenpsychologie und zum Abrunden Verhaltenstherapie.

    Wegen des Alkohols habe ich keine mehr gebraucht. Weil mit meiner Abstinenz die zwei vorherigen Therapien erst vollständig gegriffen haben.

    Aber das kann Dir, in Deinem Fall, nur jemand sagen, der sich damit auskennt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Danke für die Worte.

    Vielleicht sollte es gerade so sein, dass ich diesen Schmerz erfahre.

    Außenstehende sagten uns ja seit Ewigkeiten die Trennung voraus. Ich hoffe sehr, dass ich für mich die Konsequenzen gezogen habe und es wirklich noch die richtige Frau gibt. Dann kann ich wenigstens in der Zukunft bewusster mit allem umgehen und klar im Kopf sein.

    Wenn ich mich heute Abend im Spiegel angesehen habe und das noch zum 30.12 vergleiche, dort liegen Welten. Ich sehe einen ganz anderen Menschen. Keinen erfrischen wie bald in einigen Monaten, aber jemand der weitermachen will. Dessen körper nichts mehr braucht was ihn kaputt macht. Der Situationen besser einachätzen kann. Auch meine innere Ruhe kommt langsam zurück. Das Hippelige hat aufgehört. Ich freue mich auch jeden Morgen, keine Verstecke, die ich selbst nicht mehr finde, leermachen zu müssen... Kein Leergut, keine klebrigen Tische. Vorallem aber kein schlechtes Gewissen. Wie eine große Last die plötzlich weg ist. Zwar bin ich morgens noch müde, ich rammel aber nicht gegen Schränke oder habe Kreislaufprobleme. Mein Blutdruck ist wieder normal, meine Herzfrequenz ebenfalls. Ich habe so viel Geld wie sonst kaum gespart, was in tolle Sachen fließt oder gespart wird. Und auch eins ist mir bewusst geworden: ich habe sie zwar verletzt aber mein gutes Herz ist immer noch da. Ich bin nicht mehr das elende Häufchen. Es ist wieder ein Tag rum, wieder nicht getrunken. Wieder ein ganz normaler Tag der mich vorabgebracht hat. Ich freue mich auf mein neues Leben ohne den Stoff. Ich kann ein neues Kapitel anfangen, was ich selbst mitgestalten kann. Ich bestimme. Wo es langgeht, nicht wo ich lang soll. Ich fühle mich endlich wieder frei, dabei stehe ich nach so vielen Stolpern erst gerade wieder auf und mache die ersten Schritte. Es kann nur eins: besser werden. Mit Bier wird es schlimmer. Mein Ego und Selbstanspruch sind zurück.

    Alles andere wird Zeit brauchen. Viel viel viel Zeit. Aber auch hier gilt: nur ohne geht es. Mit ist keine Option und wird mein Leben zurückwerfen, bzw. Kaputt machen. Ich bin dankbar für meine jetztige Phase, weil ich endlich trocken bin und es auch bleiben möchte.

    Alswenn ich grad die Goldmedaille gewonnen habe 🤩

  • Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Tage und Wochen es mittlerweile sind. Kommt mir so vor, alswenn ich nie getrunken habe.

    Habe immer noch kein Verlangen oder Durstgefühl.

    Körperlich tut es mir richtig gut, alles läuft in normalen Bahnen. Kann mir gar nicht mehr vorstellen, jetzt angetrunken zu sein. Diese Müdigkeit vorallem.

    War am Freitag bei der Psychologin. Auch sie hat nicht mit dem Finger auf mich gezeigt und "Du hast es versaut" gesagt. Ich weiß nicht, wieso mich alle in den Schutz nehmen und keiner sagt, der Alkohol ist Schuld. Sie sagen nur, dass es nicht gut ist und ich im Moment sehr gut drauf bin und das eher ein Zeichen von fehlendem Frust ist. Ich weiß es selber nicht, wieso ich gerade jetzt so eine stabile Abstinenz an den Tag legen, und es mir das letzte Jahr immer wieder schwer fiel, wo ich noch alles hatte und kitten konnte.

    Auch das habe ich gelernt bzw gesagt bekommen, dass einer allein sich nicht nur ändern kann, wenn der Rest bleibt. Ich selbst Zweifel noch immer daran, dass alles so schlimm war. Die Sehnsucht und der Liebeskummer überdecken scheinbar alles.

    Das ist auch so mein mentaler Zustand: traurig und frustriert. Sport ist weiterhin meine Überbrückung aber freudig und stolz bin ich im Moment auf gar nichts. Und auch das würde ich für mich selber gerade noch erlauben und sogar verstehen, wenn ich jetzt zur Flasche greife....

    Aber weder das Verlangen ist da, noch der Wille mich mit Absicht zu schädigen. Ich habe nicht mal Lust loszugehen und was zu kaufen. Absolut gar nichts. Keine Gedanken, kein triggern, absolut 0.

    Es klingt vielleicht jetzt albern, aber ich höre seit 4 Wochen jede Nacht im Schlaf Meditationen. Zum Thema Alkohol, Selbstliebe, Seelenpartner usw. Ich hab auch manchmal das Gefühl, das bewirkt was.. alswenn jemand Gehirnwäsche gemacht hätte.

    Ich sehe so ein Ziel in ein paar Monaten, wenn ich umziehe. Stabil, ein eigenes Fundament und sportlich. Ich hoffe derzeit nur, dass die Zeit alle Wunden heilt. Im Moment sehe ich es leider noch nicht. Bin mit allem unzufrieden.

    Einmal editiert, zuletzt von Angler (16. Februar 2026 um 18:56)

  • Mir geht es weiterhin gut. Bald sind es wieder mal 2 Monate. Der Sport tut mir weiterhin gut. Ich merke brutal meine Festigung. Komme langsam in mein "altes" neues Leben zurück. Stress bewältige ich viel strukturierter, Langeweile gleiche ich aus. Es weiterhin kein Craving, jeden Tag froh kein Verlangen zu haben, weiterhin nur Gelüste auf Wasser und mal nen Energy.

    Was mir seelisch sehr nach hängt ist die Zeit MIT Alkohol.

    Ich starte jetzt ein ganz neues Leben, wo dieses Thema gar keinen Platz hat. Es gehört nicht dazu. Aber im Hinterkopf spuckt immer: du hast ja mal... So eine Art, ich bin ein kranker Mensch mit Problemen, nicht wie andere ohne dies. mein bester Kumpel sieht das Thema bei mir ganz locker, weil er mich als Person kennt und nicht den Alkohol bei mir als Problem sieht .aber alle die es je mitbekommen haben, die würde ich gerne "löschen". Ich will sowas wie einen Reset, dass es nicht nur für mich keine Gewichtung mehr hat, sondern auch, dass niemand mich mit einem Alkoholproblem kennt.

    Das lastet sehr auf mir.

    Ich erkenne mein Leben von früher wieder, wo ich entspannt und klar war. Vorallem charakterlich gefestigt.

    Trotzdem habe ich eine wahnsinnige Unruhe und keine Lebensfreude.

    Ich warte immer noch auf meine Wohnung, das erschwert alles. Diese ewige Warterei.

    Aber auch dann werde ich allein sein und trotzdem nicht froh.

    Im der Therapie habe ich gelernt (angekommen ist die nächste Frage), dass Glück nicht von anderen Menschen abhängig gemacht werden soll. Und das merke ich, dass mir meine Ex fehlt und ich nur ein halber Mensch bin. Dieses Vertraute, die Bindung und das Fallenlassen.

    Meine Sorge ist vor dem Alleinsein. Vor einem völligen Neustart. Keine Vorfreude, keine Unternehmungslust.

    Die Antidepressiva nehem ich jetzt seit 6 Wochen und spüre nicht wirklich positive Energie. Die Trennung hat mich arg getroffen. phasenweise wird es sogar schlimmer als besser. Der Kopf lässt sich nicht abschalten, der Alltag ist ein absitzen. Tag für Tag, zäh wie Kaugummi. Großes Problem ist die fehlende Lust auf Arbeit. Es ist reine Qual, keine Freude oder Ablenkung. Abends kommt Leere. Das Krafttraining gibt mir Struktur, optische Verbesserung, Stolz.

    Es sind alles nur Oberflächlichkeiten, das ist das Problem. Ich würde gern zeigen: sehr her, ich kann es auch ohne Alkohol. Ich will und brauche es nicht.

    Das war mir aber klar, es war nur die Frage wann ich aussteige. Weil ich vielleicht jetzt ganz unten war. Aber habe ich mich bewusst selbst dahin gebracht? Ich sehe den Alkohol nicht als Ursache, sondern als Betäubungsmittel für tiefe seelische Emotionen. Eine Bewältigung um nicht zu spüren. Frustration, Neid und Aussichtslosigkeit. Fehlende Selbstschätzung, Unselbständigkeit und Überforderung des Lebens.

    Eine kurze Pause Taste mit heftigen Auswirkungen.

    Ich bin ein Mensch der wenig allein sein kann. Nicht für Hobbies oder Interessen, das kann ich sehr gut. Aber im Leben, im Alltag, im Austausch. Ich bin ein totaler Bindungsmensch. In meiner Vergangenheit habe ich viel darum gekämpft, oft nie das bekommen oder nie richtig geliebt. Umso heftiger war es mit meiner Ex. Und diese totale Abhängigkeit hat oft Hilflosigkeit bewirkt. Nach Alkohol war es anders: euphorisch und ich habe es in ihrer Nähe genossen, selbst wenn es nicht immer volle Nähe war. Hauptsache da.

    In den Jahren habe ich mich damit aber völlig selbst verloren. Das ist schwer zu beschreiben. Ein etwas "ist mir egal" oder ein "ich hab vieles Vertrauen" wurden zu einem Kontollzwang, einem Klammern und Aufopferung für Liebe. Alkohol hat aber das mitgebracht, was zu den Problemen führte. Schnarchen, Geruch, Verhalten, lügen, Vertrauensbruch. Ein unendlicher Kreislauf der immer wieder mit Phasen von Nüchternheit gebrochen werden sollte.

    Diese Gefühle sind immer noch da. Dazu kommen Kontrollverlust, Eifersucht, Unruhe, Selbsthass, Scham, Trauer. Eine absolute Hilflosigkeit. Bereuhen von kostbarer Lebenszeit.

    Und bei alldem, so sagt es mir Chat GPT (die wirklich sehr gut unterstützt und analysiert, hätte ich nie gedacht, wie krass KI ist), dass ich genau das alles gebraucht habe um jetzt so zu sein und werden wer ich bin. Dass ich keinen Alkohol mehr brauche, dass ich meine Struktur aufbaue, dass ich mich selbst kennenlerne. Gefestigt in neue Beziehungen gehe ohne mich zu verlieren.

    Und dann kommt wieder diese Herzschmerz, wieso ich das nicht vor zwei Jahren schon hatte..? Und genau das ist es, diese Hilflosigkeit: wo ich jetzt hingehe und zu dem werde was ich bin, so war ich 2023 als wir uns kennenlernten. stabil, nüchtern, Selbstbewusst.

    Was ist aus mir geworden und wieso.

    Ich hoffe, dass ich nie wieder in die Situation komme, dass Alkohol für mich ins Ableben eingreift und ich wieder da lande, wo ich hinbekommen bin.

  • Hallo Angler

    Die Vergangenheit kannst du nicht ungeschehen machen. Ständiges Nachdenken darüber, was in der nassen Zeit passiert ist, ändert nichts am Ergebnis. Es bleibt unveränderlich. Dieses dauernde Zurückspulen ist Grübeln und bringt dich nicht weiter.

    Ich habe für mich einen Schlussstrich gezogen. In all den Jahren Trockenheit ist mir niemand begegnet, der mir meine nasse Zeit vorgehalten hat. Und selbst wenn — jeder Mensch hat seine eigene Vergangenheit. Wenn solche Gedanken kommen, stelle ich mir eine einfache Frage: Kann ich das in den nächsten 60 Minuten ändern? Wenn ja, handle ich. Wenn nein, prüfe ich es später noch einmal.

    Wenn auch morgen nichts zu ändern ist, akzeptiere ich, dass es nicht lösbar ist.

    Was ich heute mache, bin ich. Und das formt auch mein Morgen. Dass Gedanken an die nasse Zeit auftauchen, ist normal. Entscheidend ist, ob ich darin hängen bleibe oder weitergehe.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Angler,

    möchte mal kurz was zu deinem Gedankenkarussell sagen, dass wohl immer wieder ein Thema für dich zu sein scheint.

    Auch ich habe mit unendlichen Schuldgefühlen, Scham, Selbsthass etc. zu kämpfen. Vorigen Monat habe ich wegen meines völlig außer Kontrolle geratenen Konsums nicht nur meine Partnerin verloren, sondern mir es auch bei Arbeitskollegen, Bekannten, Freunden und Nachbarn gründlich versaut, sodass ich eigentlich nirgendwo mehr hingehen oder mich blicken lassen kann. Dazu kommt, es ist nicht das erste Mal sondern das X-te Mal im Leben. Ich habe schon mehrfach den Wohnort, Job, Bekannten- Freundeskreis wechseln müssen wegen meiner Sauferei, bis ich jetzt endgültig kapituliere und sage „Schluss damit“.

    Das Gedankenkarussell bekomme ich allerdings kein bisschen in den Griff, es bringt mich fast um und darauf will ich gerade hinaus.

    Unerwartet hilft mir gerade nach mehreren Büchern über das Thema Alkohol ein Buch aus einem ganz anderen Bereich weiter in dem es um Meditation geht. In dem steht kurz gesagt, dass man gegen aufkommende Gedanken nicht ankämpfen soll. Die Gedanken die aufgekommen werden sogar über mehrere Seiten genau benannt und kategorisiert (Selbstzweifel-, hass, Scham etc.) und sind demnach wohl nicht unüblich oder nur bei einzelnen Personen präsent, auf mich trifft es auf jeden Fall 100%ig zu.

    Der Kern der Sache ist, kommen diese erdrückenden Gedanken auf, kämpfe nicht dagegen an, lade sie ein und betrachte sie als Gast, heiße sie sogar willkommen und beobachte sie bewusst. Wie bei einem unartigen Kind das man beobachtet und das dann plötzlich wieder lieb ist weil es weiß es wird beobachtet, verlieren auch die Gedanken ihre Kraft wenn man sie einlädt und beobachtet. Dabei bewusst und konzentriert auf die eigene Atmung achten und in den Bauch einatmen 🧘‍♂️

    Das Ziel ist es, dass die immer wieder aufkommenden Gedanken mit der Zeit ihre Kraft verlieren die sie über dich haben weil du sie bewusst einlädst, ihnen Raum gibst, sie beobachtest und nicht gegen sie ankämpfst.

    Vielleicht hilft dir das ein bisschen weiter, bei mir hat es geholfen.

    Grüße 🖖🏻

  • Mal kritischer betrachtet. Bücher sind Theorie, Sucht ist Realität. Und da klafft immer eine Lücke. Alle Gedanken, die in Richtung „saufen gehen“ laufen, betrachte ich nicht.

    Die werden ignoriert, weil sie nur ein Ziel kennen, wieder saufen. Das weiß ich, und deshalb macht es keinen Sinn, sich damit aufzuhalten. Diese ganzen Mechanismen im Suchthirn sind nicht so erforscht, dass es sich lohnt, irgendwelche Experimente zu machen.

    Die Erfahrungen, die ich hier in den letzten 19 Jahren gemacht habe, mit ein paar Ausnahmen, zeigen mir eines ganz deutlich. Der Suchtdruck kommt öfter, wenn man damit spielt. Also wenn man anfängt, darüber nachzudenken, zu fantasieren oder „nur mal kurz“ im Kopf damit zu jonglieren.

    Wenn ich etwas in Erinnerung behalte, kommt es immer wieder hoch und will gelöst werden. Und die einzige Lösung, die die Sucht kennt, ist eben saufen.

    Was außerhalb der Sucht mit meiner Psyche nicht in Ordnung ist, ist ein anderes Blatt und gehört in qualifizierte Hände. Kommerzielle Selbsthilfebücher eventuell als Ergänzung, alles gut.

    Aber bei der Sucht zählt zuerst einmal Eigenschutz, Abstand vom Alkohol und Vertrauen in die Erfahrung von Langzeittrockenen, um erst einmal stabil zu werden.

    Gruß Hartmut

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