Steevie - Hallo, nun konnte ich nicht anders…

  • Das, was dir da rausgerutscht ist, nach dem Motto ‚in einem Jahr trinke ich wieder‘ ist die große Gefahr in dieser Konstellation.

    Das ist bei dir wie in Wellen. Immer mal begreifst du, dass du mit deinem nassen Freund nicht reden kannst, dann tust du es doch wieder und willst Briefe schreiben.

    Das bringt Nix! Kannst du vorübergehend und kurzfristig mal Abstand von der Situation bekommen? Ein Urlaub, eine Freundin besuchen, eine Weile im Gästezimmer von Freunden schlafen?

    Du steckst da echt fest. Einerseits bewundere ich, dass du trotzdem noch abstinent bist, aber andererseits denke ich ‚wie lange geht das gut?‘.

    Dein Freund hat NULL Einsicht- weder bei sich noch bei dir. Seine Aussagen zu ‚mal Ein Sektchen‘ und ‚Ich pass dann schon auf‘ sagen alles. Ich nehm ihm nicht ab, dass er dich in deiner Abstinenz unterstützen will.

    Das schönste für den Säufer ist, wenn, die Partnerin mit säuft.

    Ich hatte immer Partner die auch gesoffen haben. Wäre da einer nüchtern geworden, wäre es das sofortige Ende der Beziehung gewesen und ich hätte mir einen anderen gesucht mit dem ich saufen kann. So schlicht und traurig ist das.

  • Ich sagte, dass es sich ja in einem Jahr vielleicht ändert, und ich dann vielleicht wieder was trinken könnte, aber es jetzt alles noch zu frisch und nah ist.
    Und leider habe ich es nicht nur als Verzögerung gesagt, sondern hatte den Gedanken wirklich !

    Aus Dir sprach die Sucht, sie ist tief in Dir verwurzelt.

    Anfangs hatte ich auch mal geglaubt, nach 1-2 Jahren sei alles wieder auf null gestellt und ich könne moderat was trinken. Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Gedanken aus dem Kopf entfernen konnte.


    Dieser Gedanke als Gruß vom Suchtgedächtnis ist m.E. das Gefährliche. Ich nenne ihn den geheimen Trinkvorbehalt. Er kann jederzeit wieder aufkommen und einen womöglich verführen, doch mal ein Glas mitzutrinken, weil man ja schon so lange clean sei.

    Erst als ich gelernt hatte, rückhaltlos zu meiner Abstinenz zu stehen, wurde es leichter für mich.

    Zum Thema Angst vor Weihnachten. Wieso? Einfach von allen trinkfreudigen Leuten und Ereignissen fern halten, das ist dann schon mal die halbie Miete.

    Mach Deine Abstinenz und Deine Gesundheit zur Prio Nr. 1 im Leben und ordne ihr alles andere als minder bedeutsam unter, dann wird es spürbar leichter.

    Das sind die einzig wirklich brauchbaren Ratschläge die ich geben kann, um den Ausstieg aus der Sucht hinzubekommen.

  • Solche Gedanken können in der Anfangszeit, gerade bei einem nassen Umfeld, auftreten, Steevie.

    Das würde ich nicht verteufeln, sondern als Signal sehen, dass Du noch am Anfang - und durch Dein direktes Umfeld eben auch besonders gefährdet bist.

    Bei mir waren es ein Elternteil und ein enger Nachbar, die nicht begreifen konnten/wollten, dass ich nicht mehr mittrank.

    Mehrfach habe ich mich geduldig erklärt/gerechtfertigt, bis es mir irgendwann zu bunt wurde. Sie müssen es ja nicht verstehen, nur akzeptieren, und mir gefälligst weder Alk noch alkfreies Bier anbieten. Da muss dann irgendwann ein energisches Nein reichen.

    Ich hatte aber auch nicht den Bedarf, meine (weiter weg lebenden) Eltern nun auch noch vom Nichttrinken zu überzeugen (sie tranken und vertrugen lange Zeit auch reichlich "Feierabendalk" , so wie ich früher).

    Vielmehr dachte ich: Mit über 80 muss man es mit dem Gesundheitsbewusstsein nun auch nicht mehr übertreiben, an irgendwas müssen wir alle sterben.

    Mein Suchthirn machte dann irgendwann, dabei hielt ich mich von Anfang an fur zufrieden nüchtern, daraus: "Wenn Du es bis 80 schaffen solltest, kannst du ruhig wieder was trinken, dann ist es auch egal. " Hab ich hier brav aufgeschrieben und entsprechende Reaktionen bekommen.

    Dieser "jetzt nicht, aber vielleicht später" -Gedanke hat sich dann irgendwann wieder gelegt, vielleicht auch dadurch bedingt, dass das "zufriedene Hochbetagtensaufen" beider Eltern durch Pflegebedürftigkeit und Tod des einen Elternteils abrupt (und freiwillig, ohne Zutun von außen) beendet und mir nicht länger bei Besuchen vorgelebt wurde.

    Fazit: Dein direktes Zuhause ist nicht alkoholfrei, das ist und bleibt Dein größtes Risiko und bringt dein Suchthirn auf dumme Gedanken

    Was mir noch nicht klar ist: Was ist an den Feiertagen anders, dass Du sie fürchtest? Trinkt er da mangels Arbeit noch mehr oder gibt es Besuche bei/von Säufern?

  • Steevie, der Drahtseilakt braucht eigentlich keine weitere Bestätigung. An deiner Situation hat sich ja nichts geändert.;)

    Ich mache es deshalb mal kurz.

    Ein saufendes Umfeld bleibt ein saufendes Umfeld. Ob zu Hause, auf Feiern, an Weihnachten oder Silvester. Und wenn eine Situation für meine Abstinenz gefährlich wird, gibt es für mich nur eines: Raus da. Dass in einem solchen Umfeld irgendwann wieder Gedanken ans Trinken auftauchen, wundert mich überhaupt nicht. Da greifen selbst Menschen ohne Alkoholabhängigkeit manchmal zum Glas, obwohl sie es ursprünglich gar nicht vorhatten.

    Und jetzt frage ich mich. Was macht eine solche Umgebung erst mit einem Alkoholiker und seinem Saufhirn? Da muss ich doch nicht noch ausprobieren, wie lange das gut geht.

    Ich weiß durchaus, wie verlockend es sein kann, einem nassen Umfeld doch noch etwas Positives abgewinnen zu wollen. Nur verschwindet das Risiko dadurch nicht. Man kann sich damit arrangieren und die Risiken in Kauf nehmen. Aber man sollte sich dann auch nichts vormachen, was man da eigentlich riskiert.

    Ich habe am Anfang selbst gemeint, vieles besser zu wissen. Nach zwölf Wochen hier im Forum hatte ich einen Rückfall, der mich an einen absoluten Tiefpunkt gebracht und beinahe mein Leben gekostet hätte. Danach kam mir der Gedanke, irgendwann wieder trinken zu können, nicht mehr.

    Und wäre dieser Gedanke heute noch da, würde ich mich selbst fragen, wie sicher meine Abstinenz tatsächlich schon ist.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Leute!
    Zitate über Zitate:

    Es liest sich noch immer so, als würdest du denken, du müsstest dich dafür entschuldigen, dass du dir kein Gift mehr rein ziehst. Denn das ist es.

    Ja das stimmt!
    Daher dass ich und mein Partner ja irgendwie zusammen in die Alkoholsucht geraten sind, habe ich mich lange schuldig gefühlt , warum ich nicht den Anfang mache und meine Trinkerei stoppe…,
    Jetzt , wo ich sie stoppe, fühle ich mich schuldig, dass ich ihn im Stich lasse.
    (Aber durch das Forum habe ich schon kapiert, dass es nicht in meiner Verantwortung liegt!)


    Das ist bei dir wie in Wellen. Immer mal begreifst du, dass du mit deinem nassen Freund nicht reden kannst, dann tust du es doch

    Das mit den Wellen ist ein guter Vergleich! Genauso fühlt es sich an.

    Du steckst da echt fest. Einerseits bewundere ich, dass du trotzdem noch abstinent bist, aber andererseits denke ich ‚wie lange geht das gut?‘.

    Ich bin einerseits stolz auf mich, dass ich es tatsächlich schaffe unter diesen Bedingungen !
    Aber andererseits frage ich mich auch, was ich hier eigentlich mache und ob es nicht wirklich nur eine Frage der Zeit ist.

    Mach Deine Abstinenz und Deine Gesundheit zur Prio Nr. 1 im Leben und ordne ihr alles andere als minder bedeutsam unter, dann wird es spürbar leichter.

    Und genau das ist so verdammt schwierig für mich!
    Wie kann ich meinen Partner, den ich trotz des ganzen Alkoholthemas , so sehr liebe , dem allen unterordnen?!

    Ich verstehe , dass es für viele/die meisten nicht nachzuvollziehen ist, warum ich nicht aus der Situation rausgehe!
    Es ist eigentlich wie eine Sucht zu IHM ,
    es fühlt sich sehr ähnlich der Sucht zum Alkohol für mich an.

    Was mir noch nicht klar ist: Was ist an den Feiertagen anders, dass Du sie fürchtest? Trinkt er da mangels Arbeit noch mehr oder gibt es Besuche bei/von Säufern?

    Da geht es eher nicht um andere, Besuch bekommen wir sowieso nicht und
    er trinkt zu Anlässen sogar weniger!
    Nein, mir macht es Sorgen, weil ich zum Ende vom Jahr immer ‚Gas gegeben‘ habe.
    In den letzten Jahre, in denen ich mit absoluter Trockenheit immer gescheitert bin bzw. dachte ich muss nicht trocken sein um ‚geheilt‘ zu sein , wurde ich zum Ende vom Jahr , zu den Feiertagen immer nachlässig.
    Ich war es von den Jahren davor immer gewohnt mindestens leicht angedüdelt durch diese Zeit zugehen.
    Beim Schreiben fällt mir auf, dass ich eigentlich gar nicht mehr zu den Feiertagen getrunken habe, als unter dem Jahr…Es war nur eine schöne Möglichkeit ganz ungezwungen und offiziell zu saufen…weil es ja ganz ‚normal‘ ist im Advent die ganzen saisonalen alkoholischen Spezialgetränke zutrinken. Hallo Saufhirn…!

    Ich weiß durchaus, wie verlockend es sein kann, einem nassen Umfeld doch noch etwas Positives abgewinnen zu wollen. Nur verschwindet das Risiko dadurch nicht. Man kann sich damit arrangieren und die Risiken in Kauf nehmen. Aber man sollte sich dann auch nichts vormachen, was man da eigentlich riskiert.

    Es ist nicht nur verlockend, …wenn man fast 15 Jahre mit einem Menschen zusammen ist , lebt und sich gegenseitig liebt und sogut wie alles über einander weiß, dann ist es unmöglich, dem nichts Positives abzugewinnen.

    Aber ja, ich habe mir vorgemacht, dass ich einfach nichts mehr trinke und gut ist!
    Mir wird immer mehr bewusst, dass ich damit meine Gesundheit riskiere!

  • Wie kann ich meinen Partner, den ich trotz des ganzen Alkoholthemas , so sehr liebe , dem allen unterordnen?!

    Ganz einfach, weil DU es DIR wert bist.
    Du trägst die Verantwortung für Deine Abstinenz ganz allein und er trägt die Verantwortung für sich ganz allein.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Ist die Liebe so groß, dass Du Dich mit ihm zusammen totsaufen willst, Steevie? Denn darauf läuft es irgendwann hinaus.

    Es ist eigentlich wie eine Sucht zu IHM ,
    es fühlt sich sehr ähnlich der Sucht zum Alkohol für mich an.

    Das ist wohl Deine eigentliche Baustelle, scheint mir, die Du dringend (und ergebnisoffen) angehen solltest, wenn Du dauerhaft aus der nur abwärts führenden Suchtspirale aussteigen möchtest.

    Eine ambulante Suchttherapie, die beides beleuchtet, wäre da ein guter Anfang, den ich Dir aus eigener Erfahrung sehr ans Herz legen möchte. Schließlich bist Du jetzt dank eigenem Einsatz wieder mobil.

    Nimm doch mal - völlig unverbindlich - Kontakt zur Suchtberatung Deines Landkreises auf und lass Dir in einem Erstgespräch aufzeigen, wie sowas ablaufen kann. Nur Mut!

  • Guten Morgen Steevie,

    Und dann , habe ich was ausgesprochen , worüber ich mich jetzt noch ärger!!!

    Ich sagte, dass es sich ja in einem Jahr vielleicht ändert, und ich dann vielleicht wieder was trinken könnte, aber es jetzt alles noch zu frisch und nah ist.
    Und leider habe ich es nicht nur als Verzögerung gesagt, sondern hatte den Gedanken wirklich !

    Meine Frau hatte mit mir seit ich trocken bin 1 Gespräch über das Thema, sie hat mich mit Entsetzen, wie ich jetzt weiß, und Weißweinglas in der Hand gefragt "du willst nie wieder etwas trinken?" Meine Antwort war fast genau die gleiche wie deine, "das weiß ich nicht jetzt mach ich mal ein Jahr voll und dann schauen "Wir" mal, vielleicht trinke ich dann mal wieder ein Gläschen"

    Das ist die Hintertür, ich war wenn ich mich richtig erinnere auch ca. 6 Monate abstinent also ähnlich wie du jetzt, inzwischen würde ich das nicht mehr sagen 😉

    Die Person trinkt aber alkoholfreies Bier, weil es ja eigentlich nur um den Geschmack ginge… :? (finde ich überhaupt nicht, und jemand der sich ‚entscheiden muss‘ keinen Alkohol trinken zu können, hat bestimmt nicht aus „Geschmack „ getrunken!
    Es wirkt auf mich sehr wie Verzicht!

    Ich bin mir sicher keiner trinkt Alkoholfreies Bier wegen dem Geschmack, das ist aber nur meine persönliche Meinung vielleicht gibt es ja wirklich Leute die das rein aus geschmackstechnischen Gründen trinken 😬

    Gruß 👋

    P.S. mach dir keinen Kopf deswegen das ist einfach nur dein einfallsreiches Suchthirn das verständlicherweise versucht das Ruder in der Hand zu halten, es merkt halt das ihm die Felle davon schwimmen. Es ist ja gut das du das ehrlich schreibst, wenn ich mich richtig erinnere hatte ich es damals hier nicht richtig beschrieben, da hatte mich mein Suchthirn gleich zweimal ausgetrickst.

    Einmal editiert, zuletzt von R/no (25. Oktober 2026 um 09:12)

  • Das ist wohl Deine eigentliche Baustelle, scheint mir, die Du dringend (und ergebnisoffen) angehen solltest,

    Ja das ist richtig! Es ist ein persönliches Thema, dass hier auch nicht wirklich Platz hat!
    Ich werde , was das angeht nun mich zurückhalten! ihr seid ja nicht meine Therapeuten !🙃

    Die Ratschläge sind alle plausibel für die Abstinenz, ohne Frage!

  • Noch eine positive Nachricht:

    Bei einer Routineuntersuchung ist aufgefallen, dass etwas weg ist.
    War nicht gefährlich, aber es hat mich teilweise beeinträchtigt .

    Da bin ich echt froh, und bin überzeugt, dass es mit der Abstinenz zu tun hat!

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