Hallo,
ich bin seit fast 40 Jahren trocken. Wie geht das? Gar nicht!
Aber folgendes ist zielführend:
- Totales eingestehen der Ohnmacht gegenüber der Sucht.
- Ohnmächtig Sein heisst, in Bezug auf Sucht etwas nicht zu können.
- Deshalb ist alles, was man kann aus Gnade, d.h. weder im Zufall, noch in dem eigenen Vermögen begründet.
- Darüber hinaus eine Regel: Es gibt niemals, absolut niemals, einen Grund zum Trinken.
- Niemand hat versprochen, dass das Leben ohne Alkohol schön ist, noch dass es tragisch ist.
- Rückfälle können passieren, aber sie sind kein Merkmal eines Heilungsverlaufes.
- Alles ist geeignet zum Objekt der Sucht zu werden, auch die Suchtgruppe.
- Aber es ist niemals verkehrt in die Suchtgruppe zu gehen.
- Das Suchtgedächnis ist kein Organ im Gehirn, sondern ich.
- Sucht ist eine Krankheit und selbst, wenn vererbt: Es ist "meine" Krankheit.
- Wer kämpft hat das Wesen der Sucht nicht erkannt. Sie will, dass Du kämpfst, denn nur dann kannst Du auch verlieren.
- Wenn Du den Suchtdruck nicht aushältst, hältst Du Dich nicht aus.
- Niemand ist Schuld an Deiner Sucht. Schuld ist kein Thema von Sucht. Aber Verantwortung ist es.
- Vergesse niemals: Du bist ein Held, in jeder Sekunde, in der Du nicht trinkst, selbst wenn Du noch nicht trocken bist.
- Ich habe erkannt: Ich "bin" süchtig und werde es immer sein, auch trocken.
- Da ich süchtig "bin" kann ich mich nicht von der Sucht "befreien", denn sie gehört alleinig mir. Und ich möchte nicht von mir befreit werden, sondern ich sein. Aber trocken. Unfreiheit ist der Preis der Sucht, ob trocken oder nicht. Denn entweder bin ich unfrei durch Verzicht oder unfrei durch die Qual der Sucht.
- "Freiheit" ist die Kernillusion des Süchtigen. Beseitige sie und Du wirst wahre Bindung erleben.
- ...
Eckdaten:
- 6 Monate Therapie
- Nach 5 Jahren Trockenheit, nochmals 1 Jahr sogenannter "psychischer Entzug"
- ADHS im Erwachsenenalter (derzeit noch in der Ergotherapie)
- Dipl. Soz.Päd (FH), Philosoph (MA), 10 Jahre Projektmanager für Hochrisikoprojekte in der IT bei - edit -
- Mit 1 1/2 Jahren für ein Jahr im Kinderheim
- Opfer von psychischer und körperlicher Gewalt in der frühesten Kindheit
- Straßenkind in den 1970er ohne Versorgung (musste betteln gehen)
- Sexueller Missbrauch durch Adoptivmutter
- 4 volljährige Kinder (sind alles was geworden) und seit über 25 Jahre verheiratet
- Psychiatrisch, mit über 50 Jahren, diagnostiziert, behandelt und "überwunden": Generelle dissoziative Amnesie
Stimmt das alles und ich könnte es nachweisen (werde ich oft gefragt)?: ja, auf jeden Fall, alles schriftlich nachweisbar.
Werde ich auch oft gefragt: War Dein Leben auch ohne Alkohol und anderen Süchten schön?
Meine Antwort darauf ist zumeist, aber nicht immer: Warum fragst Du das, muss das Leben schön sein? Ist es nicht genau
das, was Dir die Sucht vorgaukeln will: Dass das Leben schön sein muss. Verzichte darauf und alles wird besser.