tottie68 - 40 Jahre trocken und kein bisschen nüchtern

  • Hallo,

    ich bin seit fast 40 Jahren trocken. Wie geht das? Gar nicht!

    Aber folgendes ist zielführend:


    1. Totales eingestehen der Ohnmacht gegenüber der Sucht.
    2. Ohnmächtig Sein heisst, in Bezug auf Sucht etwas nicht zu können.
    3. Deshalb ist alles, was man kann aus Gnade, d.h. weder im Zufall, noch in dem eigenen Vermögen begründet.
    4. Darüber hinaus eine Regel: Es gibt niemals, absolut niemals, einen Grund zum Trinken.
    5. Niemand hat versprochen, dass das Leben ohne Alkohol schön ist, noch dass es tragisch ist.
    6. Rückfälle können passieren, aber sie sind kein Merkmal eines Heilungsverlaufes.
    7. Alles ist geeignet zum Objekt der Sucht zu werden, auch die Suchtgruppe.
    8. Aber es ist niemals verkehrt in die Suchtgruppe zu gehen.
    9. Das Suchtgedächnis ist kein Organ im Gehirn, sondern ich.
    10. Sucht ist eine Krankheit und selbst, wenn vererbt: Es ist "meine" Krankheit.
    11. Wer kämpft hat das Wesen der Sucht nicht erkannt. Sie will, dass Du kämpfst, denn nur dann kannst Du auch verlieren.
    12. Wenn Du den Suchtdruck nicht aushältst, hältst Du Dich nicht aus.
    13. Niemand ist Schuld an Deiner Sucht. Schuld ist kein Thema von Sucht. Aber Verantwortung ist es.
    14. Vergesse niemals: Du bist ein Held, in jeder Sekunde, in der Du nicht trinkst, selbst wenn Du noch nicht trocken bist.
    15. Ich habe erkannt: Ich "bin" süchtig und werde es immer sein, auch trocken.
    16. Da ich süchtig "bin" kann ich mich nicht von der Sucht "befreien", denn sie gehört alleinig mir. Und ich möchte nicht von mir befreit werden, sondern ich sein. Aber trocken. Unfreiheit ist der Preis der Sucht, ob trocken oder nicht. Denn entweder bin ich unfrei durch Verzicht oder unfrei durch die Qual der Sucht.
    17. "Freiheit" ist die Kernillusion des Süchtigen. Beseitige sie und Du wirst wahre Bindung erleben.
    18. ...


    Eckdaten:

    1. 6 Monate Therapie
    2. Nach 5 Jahren Trockenheit, nochmals 1 Jahr sogenannter "psychischer Entzug"
    3. ADHS im Erwachsenenalter (derzeit noch in der Ergotherapie)
    4. Dipl. Soz.Päd (FH), Philosoph (MA), 10 Jahre Projektmanager für Hochrisikoprojekte in der IT bei - edit -
    5. Mit 1 1/2 Jahren für ein Jahr im Kinderheim
    6. Opfer von psychischer und körperlicher Gewalt in der frühesten Kindheit
    7. Straßenkind in den 1970er ohne Versorgung (musste betteln gehen)
    8. Sexueller Missbrauch durch Adoptivmutter
    9. 4 volljährige Kinder (sind alles was geworden) und seit über 25 Jahre verheiratet
    10. Psychiatrisch, mit über 50 Jahren, diagnostiziert, behandelt und "überwunden": Generelle dissoziative Amnesie


    Stimmt das alles und ich könnte es nachweisen (werde ich oft gefragt)?: ja, auf jeden Fall, alles schriftlich nachweisbar.

    Werde ich auch oft gefragt: War Dein Leben auch ohne Alkohol und anderen Süchten schön?

    Meine Antwort darauf ist zumeist, aber nicht immer: Warum fragst Du das, muss das Leben schön sein? Ist es nicht genau

    das, was Dir die Sucht vorgaukeln will: Dass das Leben schön sein muss. Verzichte darauf und alles wird besser.

    5 Mal editiert, zuletzt von Linde66 (9. Mai 2026 um 11:41) aus folgendem Grund: Bitte auf Anonymität achten und keine Details posten, danke.

  • Klingt irgendwie total negativ, ist nicht mein Ansatz.

    Besser für mich: "Ich bin jetzt frei", edit

    Ich bin dabei, die Denke zu verinnerlichen und mein Leben danach auszurichten.

    Viele Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Hartmut (9. Mai 2026 um 11:37) aus folgendem Grund: Kein Vergleich mit anderen Gruppen, danke.

  • Hallo Totti,

    40 Jahre sind ja schon mal was.;) erstmal danke für deine Vorstellung und willkommen in unserer Selbsthilfegruppe. Wir sind hier ja eher auf Selbsthilfe spezialisiert.

    Beim Lesen wirkte dein Stil im ersten Moment ein bisschen so, als wolltest du uns bekehren? Kann gut am Schreibstil liegen, aber bei mir kam kurz der Gedanke an „Missionieren“ vorbei.

    Deshalb ganz direkt gefragt. Was ist deine Motivation hier?


    Zudem . hier muss niemand etwas nachweisen, jeder bekommt einen Vertrauensvorschuss.;)

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,


    nein nicht "missionieren". Dann hätte ich ja gar nichts begriffen und würde den von mir genannten Punkten selbst widersprechen. Immer dieses retten wollen. Nein nicht retten und missionieren, sondern "etwas verdeutlichen", so wie es Dein Motto "Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!" Im Laufe der Jahrzehnte habe ich einfach folgende Erfahrungen gemacht: Eben nicht immer dem anderen etwas vorgeben und nur reden, sondern "zeigen". Das ist schriftlich sehr schwer. Aber so ein Motto, wie Deins, das "zeigt etwas" über Worte.


    Ich meine das nicht von oben herab, überhaupt nicht. Nach 40 Jahren habe ich dann doch viele Rückfällige gesehen, auch Rückfälle nach 25 Jahren oder länger, wo nicht ich, sondern "die Betroffenen" "eigene" Gründe für die Rückfälle angegeben haben, die immer, nach Angaben der Betroffenen (nicht von mir) bereits beim Entschluss zum Trinkenaufhören schon vorlagen. Zumeist waren es nicht hilfreiche "Einstellungen". Und es ist schon meine Motivation, diese "Einstellungen" zu verdeutlichen. Einige davon, aber nicht abschließend, habe ich angegeben. Aber rein statistisch gesehen, gibt es nicht viele, die überhaupt 25+ Jahre trocken sind. Man sieht sie nicht oft. Deswegen bin ich nicht deren Wortsprecher hier, sondern will einfach nur für die anderen sozusagen die statistische Wahrscheinlichkeit erhöhen, von "nicht besonders geeigneten" Einstellungen zu hören, von denen man nur selten hört. Nicht mehr und nicht weniger. Und jeder kann damit auf seine Weise umgehen oder nicht. Alles was darüber hinausgeht, gehört nicht in die Selbsthilfe.

    Falls das hier nicht hingehört, bin ich der erste, der freiwillig dieses Forum verlässt. Ohne jegliches Murren und Grollen. ;)

    2 Mal editiert, zuletzt von tottie68 (9. Mai 2026 um 13:12)

  • Hallo Totti,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Bitte schreibe nur hier in Deinem Thema, nicht bei anderen Teilnehmern.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • moin tottie

    bitte nicht falsch verstehen, darf ich mal nach deinem alter fragen?

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Falls das hier nicht hingehört, bin ich der erste, der freiwillig dieses Forum verlässt. Ohne jegliches Murren und Grollen

    Ob du das mit oder ohne Groll siehst, ist natürlich deine Sache, aber es gibt hier eigentlich nichts zu grollen. Es spricht nichts dagegen, dass du dich hier austauschen kannst

    Nur zur Erklärung: Wir haben hier im Forum einen festen Ablauf. Bevor jemand richtig mitschreibt, schauen wir im Vorstellungsbereich . Was ist die Motivation? Ist jemand trocken oder auf dem Weg dorthin? Oder möchte jemand nur über Konsum reden?

    Die, die nicht aufhören wollen, kommen hier nicht rein. Das Forum ist für trockene und trockenwerden wollende Alkoholiker, die eine lebenslange Abstinenz anstreben, entgiftet oder gerade in Entgiftung. Wer nicht aufhören will, kann sich am Stammtisch austauschen.

    Hier ist ein Link, über den du dich freischalten lassen kannst. Schreib einfach kurz „Biitt freischalten“ hinein, und der nächste Moderator wird dich freischalten und dich an die passende Stelle im Forum verschieben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ob du das mit oder ohne Groll siehst, ist natürlich deine Sache, aber es gibt hier eigentlich nichts zu grollen. Es spricht nichts dagegen, dass du dich hier austauschen kannst

    Nur zur Erklärung: Wir haben hier im Forum einen festen Ablauf. Bevor jemand richtig mitschreibt, schauen wir im Vorstellungsbereich . Was ist die Motivation? Ist jemand trocken oder auf dem Weg dorthin? Oder möchte jemand nur über Konsum reden?

    Die, die nicht aufhören wollen, kommen hier nicht rein. Das Forum ist für trockene und trockenwerden wollende Alkoholiker, die eine lebenslange Abstinenz anstreben, entgiftet oder gerade in Entgiftung. Wer nicht aufhören will, kann sich am Stammtisch austauschen.

    Hier ist ein Link, über den du dich freischalten lassen kannst. Schreib einfach kurz „Biitt freischalten“ hinein, und der nächste Moderator wird dich freischalten und dich an die passende Stelle im Forum verschieben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Vielen Dank, aber das mit dem Link funktioniert nicht (mangelnde Berechtigung)

  • Linde66 9. Mai 2026 um 14:55

    Hat den Titel des Themas von „40 Jahre trocken und kein bisschen nüchtern“ zu „tottie68 - 40 Jahre trocken und kein bisschen nüchtern“ geändert.
  • Hallo tottie68,

    du hattest dich ja bereits beworben, ohne vorher einen Vorstellungsthread zu eröffnen. Der Link funktioniert nur einmal.

    Hartmut und Elly sind gerade nicht online, daher habe ich dich freigeschaltet und dein Thema in den offenen Bereich des Forums verschoben.

    Prio 1 sollte hier bei uns die eigene Selbsthilfe haben.

    Du kannst dich überall beteiligen, nur bitte in den ersten 4 Wochen nicht bei den neuen Teilnehmern mit den orangeroten Namen.

    Hier noch ein Link zu unseren Grundbausteinen:

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Wenn du Fragen hast, kannst du jederzeit nachfragen.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo tottie,

    zuerst mal ein herzliches Willkommen und auch gleich eine Frage ...

    die ganzen Punkte bis Punkt 17. sind die Dinge die ich hier für mich begriffen habe, nur Punkt 17. finde ich komsch formuliert, ich schreibe gerne das ich mich freier fühle als in der nassen Zeit und ich fühle mich auch so wenn ich ehrlich bin, wie meinst du das?

    Gruß R/no

    Ich fühle mich wirklich nicht unfrei durch Verzicht, vor ein paar Monaten war das eher noch der Fall aber momentan fühle ich mich "frei" deswegen verstehe ich das nicht ganz. Ich weiß auch das ich das, die Sucht, hoffentlich mit uns Grab nehme.

    Und ich weiß auch das es immer wieder Höhen und Tiefen geben wird, das ist ja normal, auch bestimmt Momente die mir gefährlich werden können aber deswegen fühl ich mich trotzdem freier als in meiner nassen Zeit, besonders jetzt gerade, also in den letzten Wochen hab ich eine positive Veränderung gemacht, falls ich das überhaupt selbst beurteilen kann.

    Einmal editiert, zuletzt von R/no (9. Mai 2026 um 17:55)

  • Hallo Tottie,

    Nochmal etwas Grundsätzliches, jetzt hatte ich etwas mehr Zeit.

    Deine Sicht auf Sucht ist sehr philosophisch und stark an bestimmte Konzepte gebunden. Kann man so sehen. Hier im Forum arbeiten viele von uns aber deutlich bodenständiger, eher praktisch als theoretisch. Unsere Grundbausteine sind ziemlich simpel ;)

    Hast du sie gelesen? Mal runtergebrochen . Nicht saufen , bei Bedarf einen Arzt aufsuchen, sichere Entgiftung, stabile Maßnahmen, neues Verhalten, neue Routinen, ehrlicher Austausch und ein alkoholfreies Umfeld. Und eventuell therapeutische psychische Betreuung, dazu alles, was dazugehört.

    Wir arbeiten hier nicht mit spirituellen Modellen, religiösen Deutungen oder Begriffen wie Ohnmacht, Gnade oder Unfreiheit. Wenn dir das persönlich hilft, ist das völlig okay, aber es ist nicht das Fundament unserer Selbsthilfe.

    Ich selbst bin seit 19 Jahren trocken und bin meinen Weg ohne solche Konzepte gegangen – nicht besser oder schlechter, einfach anders. Am Ende geht es hier nicht darum, wer die philosophisch schönste Erklärung für Sucht hat, sondern darum, morgens nüchtern aufzuwachen und das Leben halbwegs stabil auf die Reihe zu bekommen.

    Der Rest ist eher Beipackzettel. Wer etwas zum Beipackzettel zufügen möchte, kann das tun aber wir gehen hier nicht jede einzelne Auflistung deiner Erfahrungen durch, dafür ist das Forum nicht gedacht.

    Viele hier haben keine Therapie gemacht, und ich selbst halte vieles davon für überholt, vor allem wenn es nach Schema F übergestülpt wird.

    Ich rede auch nicht um den heißen Brei herum. Ich bin direkt, aber nie gegen den User immer suchtorientiert. Selbsthilfe bedeutet für uns, eigene Erfahrungen, Alltag, Stabilität.

    Und ich persönlich halte nicht viel davon, ständig einzelne Abschnitte meiner nassen Zeit zu analysieren. Damals habe ich rund um die Uhr gesoffen , da gab es nichts zu sortieren. Entscheidend ist, was man heute nüchtern macht, nicht, was man damals betrunken gedacht hat. Es geht hier nicht um Beratung oder darum, neue Systeme zu installieren.

    Jetzt eine persönliche Frage: Was hat dich nach 40 Jahren eigentlich zu uns geführt? Hast du noch eine reale Selbsthilfegruppe oder suchst du etwas anderes? Beim Lesen deiner letzten Beiträge wirkt es eher so, als würdest du in Richtung Beratung oder Suchthelfer gehen. Deshalb interessiert mich deine Motivation, hier aufzuschlagen.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo R/no,

    ich verstehe die Frage und möchte konkretisieren.

    Ich meine das so: Viele Menschen, die ich kenne, wollen immer "frei sei von x". Wenige wollen "frei sein für x". Meine Erfahrung ist, das es gerade am Anfang sehr wichtig ist vom frei sein von Alkohol zum frei sein für etwas zu kommen. Es gibt viele Ratschläge von Selbstbetroffenen dahingehend, wie man "frei vom Alkohol" wird, aber eher wenige Ratschläge zu was hin man ungebunden und frei wird. Meines Erachtens reicht keine rein physiologische Beschreibung der Sucht. Mir wurde in der Therapie sehr schnell die Frage gestellt: Du willst frei sein von der Sucht (zb wegen Leidensdruck), aber wofür bist du dann frei? Und das ist nicht religiös gemeint. Auch wenn es nur wie ein Wortspiel erscheint: Im Wort Sucht steckt das Wort Suche und Sehnsucht. Nicht nur: Was versteckst Du im Rausch und willst Du kaschieren? Sondern zusätzlich auch: Was hast Du darin gesucht und letztendlich nicht gefunden? Von der Sucht wegzukommen kann (muss aber nicht) sinnstiftend sein. Mir wurde das gleich zu Anfang gesagt: Mit dem "Ende der Sucht" kann eine Suche aufhören und man wird "frei für etwas". Das ganze gleich mit dem Hinweis eben nicht in das Religiöse abzugleiten. Wie viele, hat mir einst mein Suchthelfer gesagt, haben den Schnaps gegen irgendeine Idee ausgetauscht. Seit Anfang an wurde ich angehalten mich zu fragen: Was hast du in der Sucht gesucht und was hattest Du dort zu suchen. Vielleicht klingt das etwas schräg oder schwer nachvollziehbar. Aber vor 40 Jahren hat das jeder in der Therapie, egal welchen Bildungsstand, durchaus begriffen. Bei jedem fällt die Antwort natürlich etwas anders aus. Aber in meinem Fall: Ich suchte den ultimativen Rausch, die ultimative emotionale "Befreiung", "Freiheit" vom Leid. Ich sah ein: Das gibt es nicht und wird es niemals geben. Ich konnte die Suche nach dem alles befreiende Glück dann endlich loslassen und wurde frei, frei mich gesund zu binden. In meinem Fall frei für das Du, frei für die oft grausame eigene und fremde Realität. Frei dafür von mir weg zu sehen und nicht mehr Sklave meiner selbst zu sein. Endlich ging es mal nicht um mich. Endlich war ich frei von der Sucht und mir selbst und diesem ständigen Starren darauf, wie es mir ging, geht oder in Zukunft gehen wird. Ich dachte mal Sucht wäre das mit das schlimmste was es gibt. Auch so eine Illusion von mir. Was ist heute oben auf meiner "Rangliste" der "schlimmen Leiden" (bildlich gemeint). Wenn ein "anderer" stirbt, wenn ein "Kind verhungert", wenn ein "anderer leidet". Mein Vater und meine Mutter sind am Alkoholismus gestorben, meine Schwester war auf Heroin. Ich musste wirklich wegen Essen betteln gehen. Das alles ist schlimm. Aber nicht mehr für mich. Aber wenn ein anderes Kind hungert, ein anderer trinkt, ein anderer leidet, das tut mir in einem gesunden Maße leid. Durch die Sucht wurde ich befreit dazu endlich mal mein sklavisches Ich loszulassen. Ja, Sucht ist schlimm, aber garantiert nicht das schlimmste Ding der Welt. Und wenn man sich dem bewusst wird, dann kann (ich betone kann) es passieren, dass der Suchtdruck kommt und man denkt:"Na und? Ist das wirklich das schlimmste Ding der Welt? Steht dieser Suchtdruck jetzt im Zentrum des Universums? Vielleicht gerade wegen des Suchtdrucks für jemanden da sein, dem es noch schlechter geht? Vielleicht die Party des eigenen Leids mal beenden? Die Musik ausschalten und zur Tagesordnung übergehen? Ist es wirklich immer wichtig, ob ich mich frei fühle oder nicht, gibt es irgendein Thema auf dieser Welt, dass ich einmal nicht in Bezug auf mich setze?" Es ist nur ein Wortspiel: Es heißt Alkoholismus, verstehst Du, -ismus. Und das ist es auch für viele: Eine Lehre, an der es ganz wichtig ist, dran festzuhalten. Ich sage - zu mir selbst - nicht mehr: Ich bin Alkoholiker, sondern ich habe Alkoholismus. Ich hab das. Na und? So und jetzt zu etwas, was wirklich wichtig ist. Ich weiss nicht, ob ich mich verständlich ausdrücken konnte. Entscheidend ist, dass mir das von Anfang an mitgegeben wurde.

    Einmal editiert, zuletzt von tottie68 (9. Mai 2026 um 18:29)

  • tottie68 ,

    Eine Bitte hätte ich noch. Mach bitte in Zukunft Absätze in deine Texte. So wie du schreibst, ist es sonst extrem schwer zu lesen. ;)

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich bin nicht gut darin schriftlich auszudrücken was ich meine, aber ich weiß jetzt das ich viel Zeit verplemmpert habe. Glücklich war ich schon öfters und gefangen hab ich mich natürlich nie gefühlt bis auf wenige Momente an denen ich dann darüber nachgedacht hab das ich ein Problem hab, Alkoholiker bin und vielleicht mal aufhören sollte, das hat aber nie funktioniert oder halt nicht lange. Erst als ich gesundheitlich einen Wink mit dem Zaunpfahl bekam und ich vor einem Scherbenhaufen stand, Ehe usw., hab ich kapiert das ich jetzt mal was machen muss, davor war ich ja gefangen in meiner Sucht, quasi im Käfig mit goldenen Gitterstäben, und aus dem bin ich ausgebrochen, darum fühl ich mich frei.

    Klar gibt es viel leid auf der Welt, aber hier geht's ja um mich, für mich war das alles ein langer Horrortrip wenn ich zurück schaue und da will ich nie wieder hin. Die Sucht ist denke ich für jeden schlimm, genauso wie kein Essen für ein Hungerdes kind schlimm ist usw.

    Mir gibt der Begriff oder das Gefühl frei zu sein sehr viel aber ich bin ja auch noch am Anfang.

    Egal man kann es drehen und wenden wie man will, ich fühle mich auf jeden Fall gut, die Abstinenz ist für mich die Freiheit.

  • um die 60 bin ich auch, wann hast du bitte angefangen zu saufen? von einem bier ist man ja nicht sofort abhängig das braucht ja ne weile und bis man es dann rafft geht ebenfalls noch etwas wasser den bach runter und bis man dann aus dem knick kommt und was tut braucht es in der regel noch mal einige zeit. bitte versteh das jetzt nicht falsch, aber das ist mir schlicht und ergreifend etwas suspekt. und da ich kein blatt vor den mund nehmen halt meine frage.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Werde ich auch oft gefragt: War Dein Leben auch ohne Alkohol und anderen Süchten schön?

    Meine Antwort darauf ist zumeist, aber nicht immer: Warum fragst Du das, muss das Leben schön sein? Ist es nicht genau

    das, was Dir die Sucht vorgaukeln will: Dass das Leben schön sein muss. Verzichte darauf und alles wird besser.

    Nass war mein Leben immer nur "Voll" schön, am nächsten Morgen, Kater, Peinlichkeiten, Entüchterungszelle etc. , das war doch immer ein Kreislauf.

    Am Anfang meiner Abstinenz hat die Sucht es mir natürlich schon schwer gemacht, das Leben ohne Alk ist öde, ich konnte meine neue freie Zeit auch noch gar nicht richtig sinnvoll nutzen, das dauert halt seine Zeit wie ich gemerkt hab bis der letzte Nebel oder nasse Gedanke ins Abseits geschoben wurden.

    Die Sucht hat mir nicht vorgegaukelt daß das Leben schön sein muss, sie hat mir vorgegaukelt daß es nur mit Alk schön ist.

    Die Abstinenz oder so wie ich mich jetzt endlich fühle hat mir gezeigt das es auch ohne Alk schön sein kann, das hat natürlich gedauert. Das Leben ist schön, natürlich nicht immer aber so ist halt das Leben. Jedenfalls sitz ich gerade nicht mehr rum und trauere der nassen Zeit nach oder bin gelangweilt und weiß nichts mit mir anzufangen, gerade das Gegenteil ist der Fall, ich bin voller Tatendrang und Energie 🤸 ich freue mich meines Lebens und das auch mit allen Höhen und Tiefen.

    Ich würde, wenn ich gefragt werden würde antworten das dass Leben für mich erst so richtig ohne Alk schön ist. Warum soll man darauf verzichten? Jeder Mensch nass oder trocken will doch ein schönes Leben.

  • Hallo Hartmut,

    ich kann Dich sehr gut verstehen. Jetzt steht da auch noch dass ich Soz.Päd. studiert habe und Philosophie. Das war lange nach der Therapie. Aber ich erzähle aus der Zeit während der Therapie. In der gab es keine Konzepte und wenn stammten Sie aus der Selbsthilfe (vor allen Dingen den AA) Es wurden einem Sachen "frei in das Gesicht gesagt", dafür erntet man heute Kopfschütteln. Aber war das hilfreich. Es war damals die mit am Abstand erfolgreichste und nachhaltigste Suchteinrichtung in ganz Deutschland. Dort wurde man sozusagen auf den Boden der Tatsachen geholt.

    Die Standardantworten hier zur Sucht innerhalb der Selbsthilfe liegen tiefgreifende Konzepte und Ideen zugrunde, sie sind aber so etabliert, dass sie nicht mehr sichtbar sind. Du bist 19 Jahre trocken ohne Konzepte? Ich bin auch sehr direkt. Diese Aussage basiert auf einem Konzept der Selbsthilfe. Diese ganzen neuen Konzepte der Selbsthilfe stammen überall her, bloss nicht aus der Selbsthilfe. Das sage ich nicht als Besserwisser, sondern als jemand der die ganze Selbsthilfe seit 40 Jahren von Innen her kennt.

    Der Selbst- und Fremdanspruch an uns ist gesunken, weil das billiger ist. Die Konzepte, die Du vermeinst nicht zu haben, nennen sich Selbstedukation, kognitive Verhaltenstherapie, Selbststeuerung. Der sogenannte "Goldstandard". Schnell und billig.

    Das wissenschaftlich nachweislich erfolgreichste Konzept gegen Sucht überhaupt stammt aus der Selbsthilfe von den AA aus den USA. Eine Mischung aus Selbstverantwortung und Demut (!). Dieses Konzept haben einmal weltweit Staaten wegen "des Erfolges" übernommen. Es wurde übrigens von Synanon übernommen. Aber Selbstverantwortung und Demut zu lernen ist ein langer Prozeß und keiner will das mehr zahlen.

    Deshalb ist das billigere, weniger erfolgreiche Konzept in der staatlichen Therapie zu etablieren und diese in die Selbsthilfe zu übertragen.

    Was ich hier in diesem Forum möchte. Keine Ideen reaktivieren. Sondern den nachweislich erfolgreichsten Ansatz Leben. Dazu wird die KI keine Statistik liefern, aber die Wissenschaftsgeschichte.

    Und Demut ist keine Philosophie, keine Idee, keine Religion, kein Bewusstseinszustand, es ist eine Lebenseinstellung, die nur zu einem führt: Bodenhaftung, der Mut am Boden zu bleiben. Etwas was süchtigen wie mir scheinbar sehr oft fehlt. Wenn das hilft, warum nicht weitersagen?

    Demut verhindert folgende, moderne Idee: Kontrolliertes Trinken. Die Idee stammt woher: Aus der Verhaltenstherapie.

    Ich bin gespannt, in wieviel Jahren sich dieser Unfug in der Selbsthilfe etabliert hat.

  • Nass war mein Leben immer nur "Voll" schön, am nächsten Morgen, Kater, Peinlichkeiten, Entüchterungszelle etc. , das war doch immer ein Kreislauf.

    Am Anfang meiner Abstinenz hat die Sucht es mir natürlich schon schwer gemacht, das Leben ohne Alk ist öde, ich konnte meine neue freie Zeit auch noch gar nicht richtig sinnvoll nutzen, das dauert halt seine Zeit wie ich gemerkt hab bis der letzte Nebel oder nasse Gedanke ins Abseits geschoben wurden.

    Die Sucht hat mir nicht vorgegaukelt daß das Leben schön sein muss, sie hat mir vorgegaukelt daß es nur mit Alk schön ist.

    Die Abstinenz oder so wie ich mich jetzt endlich fühle hat mir gezeigt das es auch ohne Alk schön sein kann, das hat natürlich gedauert. Das Leben ist schön, natürlich nicht immer aber so ist halt das Leben. Jedenfalls sitz ich gerade nicht mehr rum und trauere der nassen Zeit nach oder bin gelangweilt und weiß nichts mit mir anzufangen, gerade das Gegenteil ist der Fall, ich bin voller Tatendrang und Energie 🤸 ich freue mich meines Lebens und das auch mit allen Höhen und Tiefen.

    Ich würde, wenn ich gefragt werden würde antworten das dass Leben für mich erst so richtig ohne Alk schön ist. Warum soll man darauf verzichten? Jeder Mensch nass oder trocken will doch ein schönes Leben.

    Dem ganzen Stimme ich voll und ganz zu. Aber wir dürfen nicht vergessen, wieviele Trinker noch andere Leiden haben, wie Depression, ADHS. Nach meiner Therapie gegen Alkohol zeigte sich die Depression und der Ansatz von Demut und Selbstverantwortung haben auch hier mir und vielen anderen geholfen. 30 bis 60 Prozent der Menschen, die hier Hilfe suchen haben Depressionen, oft mit der selben Genetik für beide Leiden. Die kann man nicht auseinanderdividieren und herausfiltern, durch die Frage: Bist Du Alkoholiker? Hör mal auf zu saufen und danach nichts als seelische Finsternis. Dann muss man auch nach der Alkoholtherapie noch mal hinsichtlich der Depression lernen: Es gibt keinen Grund depressiv zu sein. Niemand zwingt Dich zu sagen, das Glas ist halb leer. Medikamente helfen da auch. Aber mit Verhaltenstherapie und Medikamenten alleine wird das nichts. 30 Prozent der Menschen mit Depressionen reagieren weder auf Medikamente noch auf Verhaltenstherapie. Aber Selbstverantwortung und Demut helfen. Nach der Alkoholtherapie noch mal insgesamt 2 Jahre in der Psychiatrie, davon 8 Monate in der geschlossenen. Und kein Rückfall, dank Demut. Zuvor gelernt mit 19 Jahren in der Suchttherapie. Abstinenz ist für mindestens 30 Prozent der Trinker nicht das einzige Lernfeld. Und Demut bringt auch diese Menschen in die Sicht.

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