Auf_Dem_weg_2.0 - Vorstellung

  • Hallo Jenny,

    erstmal auch von mir ein Willkommen. Jetzt, wo die Begrifflichkeiten geklärt sind. Diese ganzen neuen Bezeichnungen schießen ja wie Pilze aus dem Boden. In meinen 20 Jahren hier kam immer wieder irgendeine „besondere“ Etikettierung aus Therapie, Beratung oder sonstigen Ecken. Das verwirrt mehr, als es hilft.;)

    Deswegen ist es hier klar strukturiert: Ein Alkoholiker ist ein Alkoholiker. Und das ist gut so, denn dann muss man sich nicht um Begriffe drehen, sondern kann sich um den Weg kümmern.

    Das Ziel haben wir ja alle, trocken bleiben.

    Was mich interessieren würde: Hast du unsere Grundbausteine gelesen? Findest du dich darin wieder?

    Wie sieht es bei dir mit einem alkoholfreien Umfeld aus, zu Hause, unterwegs, bei Veranstaltungen, wo gesoffen wird? Wie gehst du damit um? Nur damit ich dich besser einordnen kann.

    Das Positive ist, dass du bisher immer in qualifizierten Händen warst Arzt, Entgiftung, Therapie. Das ist eine gute Basis.

    Nach dieser Basis kommt aber das Leben, das draußen stattfindet, und ab da beginnt erst das Trockensein.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Moin

    Mal anders gesehen. Mein funktionales Verhalten gegenüber Alkohol ist einfach

    Ich lasse ihn weg,dann funktioniert mein Leben ganz gut. Ab dem ersten Glas funktioniert nichts mehr und das Leben geht den Bach runter

    Oberste Devise:trocken bleiben egal was passiert

    Bleib dran ;)

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Ich kann schon nachvollziehen, dass es viele Ansätze bei der Begleitung von abstinenten oder trockenen Alkoholikern gibt, die den Begriff ‚Alkoholiker‘ vermeiden.

    Mir hat das erst mal auch besser gefallen. Der Begriff ist ja heftig stigmatisiert. Leider habe ich in meiner Auseinandersetzung mit der Sucht festgestellt, dass dann doch viele Alkoholiker Klischees auch auf mich zutrafen.

    Ich war zwar gepflegt und zuverlässig am Arbeitsplatz, aber ich habe auch viele Dinge getan, für die ich mich bis heute fürchterlich schäme- auch jenseits der üblichen Saufstories.
    Und ich glaube, das ist der Punkt, der mir geholfen hat, auch in Gedanken trocken zu werden.

    Ich habe erkannt, dass ich durch den Alkohol ein anderer Mensch wurde- ganz allmählich über die Jahre des Saufens. Auch wenn ich gerade nix getrunken hatte, war ich eben nasse Alkoholikerin und verhielt mich auch so.

    Jetzt bin ich nicht wieder ‚die Alte‘ sondern trockene Alkoholikerin. Weil mich diese Erfahrung geprägt hat, meine Verarbeitung von Betäubungsmitteln aller Art verändert hat und weil ich nie wieder Alkohol trinken werde- auch nicht in kleinsten versteckten Mengen.

    Deshalb empfinde ich heute den Satz ‚ich bin Anna und ich bin Alkoholikerin‘ den ich hier im Forum das erste Mal formuliert habe, als Wendepunkt in meinem Leben.

    Einen schönen Weg wünsche ich dir!

  • Mir hat es damals überhaupt nichts ausgemacht, mich so zu bezeichnen, ich hab da gar nicht groß drüber nachgedacht. Weder beim Arzt, noch in der realen Shg und hier schon gar nicht. Ich wusste, dass ich Alkoholikerin bin und bei den Mengen, die ich täglich getrunken habe, da hätte ein anderer Begriff nichts besser gemacht.

    Hab ich das richtig verstanden, dass du täglich bis zu 8 Flaschen Wein plus Bier getrunken hast oder hast du dich da verschrieben?

    Lieber Gruß,

    Hera

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Hera nein du hast richtig gelesen das war am ende meine trinkmenge...trinken,arbeiten,trinken,schlafen,trinken ,schlafen .. ....


    Und ja ihr habt alle recht jetzt so beim nachdenken hab ich diesen Ausdruck hier zum ersten mal genannt...Sonst immer das ich Alkoholiker bin

  • Puh - gut, dass Du hierhergefunden hast und Dich nicht von bloßen Begriffen abhalten und ablenken lässt.

    Es geht ja hier darum, der Wahrheit ins Auge zu blicken und dann das Nötige zu tun, oder?

    Da finde ich für mich hier in meiner SHG die Begriffe "Alkoholiker" und "saufen" am zielführendsten und einfachsten. (Außerhalb spreche ich nur gegenüber betr. Ärzten und zwei alten Freunden an, dass ich Alkoholikerin bin, sonst nur: Ich trinke keinen Alkohol mehr.)

    In meiner stationären und ambulanten Reha habe ich auch erlebt, dass selbst dort, im geschützten Raum unter ebenfalls Betroffenen und Therapeuten, um den Begriff "Alkoholiker" rumgeeiert wurde.

    Formulierungen wie "Ich bin wegen Alkohol hier", 'ich hab wohl zu viel getrunken", 'habe ein Problem mit Alkohol" waren besonders beliebt, besonders bei MPU-Kandidaten - und wurden anders als hier von den Therapeuten nie hinterfragt.

    Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass diese sich nur theoetisch mit Sucht auskennen.

    Erst heute habe ich einen Artikel uber neue sprachliche Entwicklungen in der Suchttherapie angezeigt bekommen (der Algorithmus kennt meine Interessen):

    Rückfälle werden demnach nicht mehr als solche, sondern als " Konsumereignis" bezeichnet.

    Ist vielleicht gut gemeint - aber die damit verbundene Lebensgefahr und die Schwierigkeit, da wieder rauszukommen, wenn es überhaupt gelingt, wird durch so eine neutrale Formulierung vollkommen vernebelt. Und von Vernebelung habe ich genug.

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