Hallo zusammen,
ich lese bereits seit ca. einem Jahr hier im Forum eure Beiträge und ich habe das Gefühl, ich muss mir nun auch etwas von der Seele schreiben.
Ich bin nicht co-abhängig. Vielleicht war ich co-co-abhängig?
Ich habe eine sehr enge Freundin. Ihr Ehemann trinkt. Sie hat es mir vor ca. 2 Jahren gesagt, nachdem ich einmal fragte, was denn bei ihnen los sei. Ich hatte den Eindruck, dass etwas nicht stimmt.
Sie erzählte mir, dass er zu viel trinke, nahezu täglich und dass er kürzlich angetrunken die Kinder gefahren hätte.
Es gab Streit deswegen zwischen ihnen. Sie forderte Abstinenz, und dass er sich Hilfe hole. Kurz später trank er bei einem Geburtstag wieder, er stieß mit mir an und ich erzählte ihr davon.
Sie fand später haufenweise Flaschen im Keller und an anderen Orten, er hatte dafür eine Ausrede…die lügen schon länger dort etc.
Sie machte daraufhin Druck und er ging zu einer Beratungsstelle. Letztendlich behauptet er, dass er nun trocken sei.
Wir redeten dann lange nicht mehr darüber. Mir fiel aber auf, dass er nach Alkohol riecht, bereits morgens auf dem Weg zur Arbeit.
Einige Monate später, ich bemerkte, dass sie sich von mir zurückzieht, irgendwie oft angespannt ist, fragte ich nach dem aktuellen Stand. Es gab viele Ungereimtheiten, für mich war klar, dass er weiterhin trinkt, aber mittlerweile wohl heimlich.
Ich möchte jetzt aber nicht so viel von ihm schreiben, denn Fakt ist, dass er noch trinkt. Mir geht es um sie.
Sie ist eine sehr enge Freundin, mir wirklich sehr sehr wichtig. Ich sehe und spüre, dass es ihr nicht gut geht. Aber sie blockt ab.
Es ging so weit, dass ich letztes Jahr, nachdem sie immer angespannter wurde, das Gespräch gesucht habe, aber sie wich mir aus, hat sich mehr und mehr zurückgezogen. Ich habe dann irgendwann die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und ihr meine Beobachtungen geschildert, dass er riecht, zittert, schwitzt und immer wieder zwischen sie und mich einen Keil treibt.
Ich muss dazu sagen, dass ich die einzige bin, der sie sich bis dato so geöffnet hatte und er wusste das. Er weiß also, dass ich von seiner Sucht weiß.
Ich habe es sehr direkt angesprochen, ihr gesagt, dass ich mir wünsche, dass sie sich Hilfe holt, dass sie Veranwortung für die Kinder hat. Ich habe mehrfach Alkohol bei ihm gerochen, nachdem er die Kinder mit dem Auto umher gefahren hat.
Und wie hat es geendet: sie sagte „ich sehe es anders als du“, hat gesagt, dass sie die Freundschaft nicht mehr möchte mit mir. Erzählt nach außen ggü gemeinsamen Freunden, wir hätten eine Meinungsverschiedenheit gehabt.
Ich habe oft versucht, den Kontakt zu ihr zu halten. Aber sie meldet sich nicht, von ihr kommt nichts.
Ich mache mir große Sorgen um sie und die Kinder. Sie fehlt mir unglaublich. Aber ich komme nicht an sie ran und ich habe nicht mehr die Kraft für sie zu kämpfen.
Sie hat mir früher noch von ihren Sorgen erzählt, bei mir geweint, gesagt dass sie das so nicht für die Kinder möchte und Angst vor den Folgen hat wenn sie es bei ihm nochmal anspricht.
Sie war ist für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, aber ich habe das nicht mehr ausgehalten, dieses Totschweigen, Leugnen, so tun als ob alles gut ist wenn ich doch sehe, dass es nicht so ist.
Ich habe ihr geschrieben, dass ich mir Ehrlichkeit wünsche und dass wir darüber reden, dass ich mir Sorgen mache und dass ich keinen oberflächlichen Kontakt haben kann wenn ich doch sehe dass es ihr nicht gut geht. Aber ich wurde kritisiert. Ich wurde zum Problem gemacht. Sie sagte, sie wolle die Freundschaft zu mir nicht mehr.
Mittlerweile haben wir seit Monaten keinen Kontakt mehr, bis auf seltene zufällige Begegnungen wo mir „Hallo“ gesagt wird, als ob nichts sei.
Das tut so weh, sie ist mir so verdammt wichtig, aber ich erreiche sie emotional nicht mehr. Von ihr kommt keinerlei Kontaktaufnahme.
Ich habe das Gefühl, dass ich sie loslassen muss weil sie sich nicht helfen lassen möchte. Aber ich kann auch nicht wieder und wieder den Kontakt suchen, wenn von ihr so gar nichts kommt.
Was soll ich nur tun?
Mir geht es um sie. Nicht um ihren Mann, der trinkt. Ich wollte sie wachrütteln, eine ehrliche und offene Basis schaffen. Aber stattdessen habe ich durch das direkte Ansprechen der Sucht ihres Ehemannes einen Kontaktabbruch verursacht.
Ich habe lange mit mir gehadert, ob es richtig war es anzusprechen. Ich weiß von mehreren anderen Freunden, dass sie ebenfalls den Alkohol bei ihm riechen, aber niemand sagt etwas. Ich war die Einzige, die es angesprochen hat und werde nun als Problem hingestellt. Ich gehe davon aus, dass er auch bei ihr schlecht über mich redet.
Ich vermisse sie sehr. Aber es hat mich kaputt gemacht, das mit anzusehen.