Honighummel7 - Meine schwersten Entscheidungen

  • Hallo an alle!

    Ich bin die Frau eines alkoholabhängigen Mannes. Ich war mir lang nicht sicher, ob er tatsächlich alkoholabhängig ist. Aber da trotz des Wissens darum, dass ich mich nicht gut fühle, seinerseits keine nachhaltigen Schritte unternommen wurden und er beginnt zu trinken, sobald er weiß, dass er nicht mehr aus dem Haus muss (3-6 Bier pro Tag), bin ich mir mittlerweile doch recht sicher. Seine Persönlichkeit hat sich stark verändert und wir schwanken fast täglich zwischen einem fast sogar wirklich tollen Mann am Vormittag zu einem gereizten Menschen, für den alles mist und alles falsch ist.

    Trinkpausen von 1-2 Wochen gibt es, aber nichts, was mich hoffen lassen würde, dass der Groschen gefallen ist. Er weiß, dass ich ihn als Alkoholiker sehe. Er selbst weiß meiner Meinung nach auch, dass er zu viel trinkt, kann sich aber nicht eingestehen, dass er alkoholkrank ist.

    Wir haben einen wundervollen Sohn, der mein Hauptgrund ist, weswegen ich ein Weiterlaufen der Situation nicht mehr legitimieren kann. Sein Vater hat häufig wechselnde und nicht vorhersehbare Stimmungsschwankungen, die bei Kindern bekanntlicherweise großen Schaden anrichten können.

    Seit dem Beginn meiner Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich bereits gelernt, dass die Trinkspirale in der Regel immer weiter abwärts geht und alles mit sich reißt, was in naher Umgebung ist.

    Aus diesem Grund versuche ich gerade, mich stark zu machen, um für mich und meinen Sohn einstehen zu können. Mir werden meine Co-Verhaltensweisen mehr und mehr bewusst und ich versuche mich aus diesen Verhaltensweisen zu lösen. Mir ist auch bewusst, dass der Schritt einer Trennung höchstwahrscheinlich notwendig sein wird. Allerdings halten mich noch viele Gedanken und Einstellungen davon entfernt. Aber genau das ist es, woran ich hier vor allem arbeiten möchte. Ich möchte die vielen "Aber" hier teilen, die mir im Kopf herum schweben, um sie dann vielleicht beseitigen zu können.

    Damit ich meinen Sohn und mich retten kann und idealerweise mein Mann durch diesen Schritt vielleicht sogar auch in Richtung seiner Rettung gehen wird.

    Danke, dass ich hier sein darf.

  • Ich denke zur Zeit oft über die Trennung an sich nach und kann den Gedanken schwer fassen, einfach zu sagen: Das wars, tschau.

    Habt ihr dazu Erfahrungen/Gedanken? Habt ihr euren Partner vorher darauf vorbereitet bzw. seid ihr vorher in Bezug auf eure Trennungsgedanken transparent geworden?

    Ich hab gerade die Variante im Kopf, meinem Mann zu sagen, dass ich die Situation, wie sie ist, nicht mehr möchte. Und ich deshalb über meine Möglichkeiten nachdenke - ihn damit also irgendwie vor die Wahl stelle. Ich weiß aber gar nicht, ob ich das machen möchte. Mein Gefühl sagt mir gleich einen Strich zu ziehen.

  • Liebe Honighumnel7.

    Willkommen hier im Forum.

    Mit vielen vielen Gedanken, auch Trennungsgedanken, kenne ich mich aus. Eine endgültige Lösung habe ich für mich auch nach ganz langer Zeit immer noch nicht gefunden. Ich schau auf mich u dass es mir gut geht. Ich bin seit 40 Jahren mit demselben Mann verheiratet, habe 2 erwachsene Kinder. Und das Alkproblem in Variation, begleitet mich u meinen Mann treu u von ihm beschwiegen, also schon sehr lange. Ich diene hiermit nicht als „Vorzeigemodell“, ich kann mir in etwa vorstellen, was dich bewegt.

    Trau deiner Wahrnehmung u gehe die notwendigen Schritte an. Es wird, mit längerem Abwarten, auch für mich/die Angehörigen, nicht leichter.

    Mir gefallen deine Überlegungen sehr. Lies dich hier durch die Angehörigen u du findest auch Mutige, die sich getraut haben, ihr Leben unabhängiger vom trinkenden Partner aufzubauen/einzurichten.

    Alles Gute für dich. LG Simsalabim 🧙‍♀️🧹🚴🏿‍♀️

  • Hallo Honighummel!

    Herzlich willkommen hier im Forum. Ich bin auch eine Angehörige und war viele Jahre mit einem Alkoholiker verheiratet. Ich habe ihm auch öfters mit Trennung gedroht wenn er zu sehr über die Stränge geschlagen ist. Mit der Zeit hat er mich gar nicht mehr ernstgenommen.

    Selbst als ich mich wirklich getrennt habe hat er das nicht ernstgenommen, er dachte ich mache bestimmt einen Rückzieher. Ich bin in dieser Beziehung krank geworden, war depressiv und total erschöpft. Manchmal war ich auch total wütend auf ihn weil er nichts unternahm seine Sucht zu stoppen. Ich wusste nichts von Co-Abhängigkeit und habe ihn noch ungewollt unterstützt da ich nie konsequent war.

    Er ist an seiner Sucht verstorben ich habe lange gebraucht bis es mir wieder besser ging. Im Nachhinein tut es mir leid daß ich nicht früher die Kurve bekommen habe, aber ändern kann ich es auch nicht mehr.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Honighummel,

    Auch ich bin seit 40 Jahren mit einem Alkoholiker zusammen. Ich möchte noch etwas mehr im Leben, Spaß haben anstatt total erschöpft dasitzen und nicht wissen wie es weitergeht. Soll ich gehen, bleiben, geht er ? Aber wohin ? Es ist alles schwierig. Einen Plan hab ich im Moment noch nicht, werde aber durch das Lesen hier in der Gruppe stärker und es tut gut zu sehen, dass man nicht alleine in so einer Situation ist.

  • Hallo Honighummel, ich war in einer ähnlichen Situation und habe mich insbesondere zum Schutz meiner Tochter für die Trennung entschieden. Ich hatte so viel versucht unsere Beziehung zu retten und bin (wie so viele) gescheitert.

    Man sollte gut abwägen, in was man seine Energie steckt. Aber ich kann sehr gut verstehen, dass du dir Zeit lässt und hier unterstützt suchst. Herzlich willkommen!

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