ChaosKat - Erwachsenes Kind aus Suchtfamilie

  • Hallo,

    ich möchte mich vorstellen und beginne gleich einmal mit einer Frage...


    Ich las eben, dass keine Produktnamen als Benutzername verwendet werden sollen. Beim Auswählen meines Namens dachte ich allerdings nicht an das bekannte Produkt, sondern an etwas ganz anderes. Von daher die Frage, kann der Name so bleiben und wenn nicht, kann ich ihn ändern ohne mich komplett neu anzumelden? (Ich habe in den Einstellungen nichts finden können)


    Nun zu mir, ich bin knapp über 40 und die erwachsene Tochter aus einer Familie, in der Alkoholabhängigkeit (und Tabletten) immer ein Thema war. Also eigentlich war es kein Thema, da nicht darüber gesprochen wurde und es so lange geleugnet würde, bis irgendwann gar nichts ging.

    Sehr viele Jahre habe ich dieses Aufwachsen nicht mit den vielfältigen Problemen in Verbindung gebracht, die mich in meinem Leben begleitet haben. Erst in der Corona Zeit, als mein Vater starb, habe ich angefangen, mich damit auseinander zu setzen und und wundere mich immer wieder, wie viel man verdrängen kann... und es ist manchmal ein schmerzhafter aber auch wichtiger Prozess und Weg zu mir selbst, den ich seitdem gehe.

    Und auf diesem Weg suche ich Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben und würde mich sehr freuen, die hier zu finden!


    Viele Grüße

    KitKat :)

  • Hallo KitKat,

    herzlich willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe.

    Mit deiner Thematik bist Du nicht allein, hier findest du die richtigen Ansprechpartner und kannst dich austauschen.

    Klicke bitte folgenden Link an und schreibe kurz etwas dazu.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Dann wirst Du freigeschaltet und Dein Thema in den Bereich "Erste Schritte für Angehörige" verschoben.


    Mit deinem Forumsnamen hast du übrigens recht, den sollten wir ändern. Teil uns deinen Neuen mit, dann erledigen wir das für dich.

    Liebe Grüße,

    Hera

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Hallo ChaosKat,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Hera war nicht mehr online, daher habe ich deinen Namen geändert.

    Bitte klicke als nächstes den blau unterlegten Link an, den sie dir oben geschickt hat. Schreibe kurz etwas, dann wirst du fürs Forum freigeschaltet.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Guten Morgen,

    jetzt bist du fürs Forum freigeschaltet und kannst dich austauschen, nur bitte in den ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den Usern mit den orangeroten Namen.

    Viele Grüße, Linde :)

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo ChaosKat,

    herzlich Willkommen hier im Forum! Ich habe mich unter ganz ähnlichen "Vorzeichen" hier angemeldet. Ich bin Tochter eines Alkoholikers, mittlerweile Mitte/Ende 30 Jahre alt. Mein Vater ist 2019 gestorben, das Thema lässt mich aber nicht los und so habe ich Ende letzten Jahres meinen Weg hierher gefunden.

    Als ich frisch hier war, habe ich mit viel Interesse und auch einigen "Aha, andere kennen und haben das auch!" den Thread "Merkmale für ein EKA" hier im Forumsbereich gelesen. Das fand ich einen ganz guten Startpunkt damals für mich.

    Wenn du magst, schreib doch gerne noch ein wenig zu dir :) Zum Beispiel: welche Probleme sind es, die du jetzt nach und nach mit deinem Aufwachsen in Verbindung bringst? Wer in deiner Familie war (besonders) betroffen von der Alkohol- und Tablettenabhängigkeit?

    Herzliche Grüße,
    Seepandarine

  • Hallo Seepandarine,

    ganz lieben Dank für deine Begrüßung und Reaktion. Die kam tatsächlich zu einem guten Zeitpunkt, da ich nach meiner Anmeldung hier plötzlich doch unschlüssig oder unsicher wurde, wie ich hier jetzt weitermachen soll.

    Ich habe viel "herum" gelesen und bin auch an besagtem Threads "Merkmale für ein EKA" hängen geblieben. Es ist erstaunlich oder vielleicht auch irgendwie guttuend, wenn man sich selbst plötzlich in anderen wieder erkennt oder merkt, dass es anderen Menschen einfach ähnlich geht und man hier auf Menschen treffen kann, die einiges vielleicht gut nachvollziehen können.

    Mir fällt es schwer, die Probleme, die ich mit meiner Kindheit verbinde, konkret zu beschreiben und ich habe nach wie vor oft das Gefühl, dass es wie ein Puzzle ist, dass ich versuche zusammen zu setzen.

    Ein zentrales Thema meiner Kindheit war, denke ich, die Einsamkeit. Ich habe mich rückblickend seit ich denken kann, unendlich alleine gefühlt. Und damit gekoppelt war der zweite zentrale Punkt, "mit mir stimmt etwas nicht". Wir waren nach außen hin eine eine gut situierte Familie, großes Haus, großer Freundeskreis, meine Mutter um uns Kinder (mein Bruder und ich ) theoretisch bemüht. Und dann war da eben mein Vater und der Alkohol. Er war nicht aggressiv, nicht laut, er war, zumindest als ich jünger war, nicht so offensichtlich betrunken, dass es jeder gemerkt hätte. Aber es stimmte was nicht in unserer Familie. Etwas, dass ich nicht verstanden habe. Und jeder war irgendwie für sich allein.

    Ich weiß, dass ich so im Grundschulalter abends regelmäßig in meinem Bett lag und mir in meiner Traumwelt vorstellte, ich wäre adoptiert worden und meine richtigen Eltern würden mich finden und zu sich holen. Darein habe ich mich in allen möglichen Varianten geflüchtet und gleichzeitig mit mir gehadert, wie ich so etwas nur denken kann, denn nach außen hatte ich ja keinen Grund dafür, dass zu wollen.

    Dann habe ich mir immer wieder "gewünscht", mein Vater würde aggressiv sein und uns schlagen. Und auch das hat mich natürlich völlig an meinem Verstand zweifeln lassen. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich mir damit einfach eine Erklärung gewünscht hätte, warum es mir so schlecht geht. Denn diese vermeintlich heile Welt hat einfach nicht zu dem gepasst, was ich gefühlt habe. Und so habe ich einfach immer an mir gezweifelt, an meinen Gefühlen und Gedanken.

    Es gab dann diverse Themen, selbstverletzendes Verhalten auch schon ziemlich früh, später eine Essstörung aber alles gut versteckt und mit mir selbst ausgemacht.

    Ich habe immer nach "dem einen Menschen" gesucht, der meine Not (die ich selber nicht verstanden habe) sieht. Aber ich habe gleichzeitig nach außen gut funktioniert und mich niemandem anvertraut. Was soll man denn auch sagen, wenn man keine Ahnung hat, was eigentlich los ist...

    Ich stoße immer wieder auf Themen, bei denen ich so langsam beginne zu verstehen, wo das herkommen könnte, Zusammenhänge sehe und merke, dass ich da auch nur durch dieses Verstehen weiterkomme. Ich war/bin extrem konfliktunfähig und habe den großen Drang es allen Recht machen zu wollen. Und dabei trotzdem immer das Gefühl, nichts zu können oder nicht genug oder nichts wert zu sein.

    Ich arbeite da gerade bei der Arbeit aber auch in der Beziehung wirklich hart dran, weil es mich selber so stört.

    Ich habe das Gefühl, Stimmungen sehr stark wahrzunehmen und dafür verantwortlich zu sein, es allen Recht machen zu wollen. Ich beziehe negative Stimmungen grundsätzlich erst einmal auf mich... Positive Rückmeldung kann ich eigentlich nicht annehmen, weil ich es nicht glaube, dass da was dran sein kann.

    Dieses Gefühl der Einsamkeit begleitet mich immer noch häufig, obwohl ich es eigentlich nicht bin.

    Wie gesagt, es sind so viele Bereiche und die Geschichte lang. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen sollte. Aber ein kleiner Anfang ist ja hier jetzt einmal gemacht, daher noch einmal danke für deinen Impuls! Und dann traue ich mich einfach auch an anderer Stelle, mich mal zu Wort zu melden.


    Viele Grüße

    Kat

  • ch habe immer nach "dem einen Menschen" gesucht, der meine Not (die ich selber nicht verstanden habe) sieht. Aber ich habe gleichzeitig nach außen gut funktioniert und mich niemandem anvertraut. Was soll man denn auch sagen, wenn man keine Ahnung hat, was eigentlich los ist...

    Chaos Kat dieser Satz hat mich gerade getroffen, vielen dank . Er drückt aus was ich auch gefühlt habe es aber nicht so gut ausdrücken konnte.

    Mariexy

  • Liebe Kat,

    dein Text spricht mir aus dem Herzen.

    Auf allen Kinderfotos lache ich (trotz co-abhängiger Mutter, deren Stimmung ständig wechselte und trinkendem Vater, der nie böse oder aggressiv, sondern "nur" nicht da war, sprich nur körperlich anwesend) und man hat mir als Erwachsene gesagt, dass ich immer und zu allem "Ja" gesagt habe. Dabei war ich das einsamste Kind auf der Welt. Auch ich hatte als Teenager mit Essstörungen zu kämpfen und habe als Erwachsene Alkoholmissbrauch betrieben.

    Dieses tiefe Gefühl des Alleinseins, und des nicht Richtig- bzw. nicht Liebenswertseins, hat mich, ich bin Mitte 50, noch sehr lange bis ins Erwachsenenleben begleitet.

    Eine richtige Krise in Form von üblem Liebeskummer hat mich dazu gebracht, etliche Sitzungen bei einer Coachin zu nehmen. Sie ist mit mir "in den Keller gestiegen" und das hat mir irgendwann geholfen, diese tief gefühlte Einsamkeit so gut wie vollständig abzulegen.

    Die Konfliktunfähigkeit und das übermäßige Wahrnehmen von Stimmungen anderer ist mir geblieben und das ist heute okay für mich und kann auch mal eine Stärke sein.

    Fühl' dich ganz doll verstanden.

    Liebe Grüße

    Helene

  • Hallo Chaoskat

    ich bin auch Kind eines Alkoholikers, der vorletztes Jahr gestorben ist. Alles was du schreibst, könnte ich genauso unterschreiben. Ich habe vor 1,5 Jahren die Diagnosen ADHS und Autismus bekommen. Nachdem ich mich lange damit beschäftigt hatte, habe ich festgestellt, dass ich unheimlich viele Symptome habe, es nur wahnsinnig gut getarnt hatte. Inzwischen bin ich mir sicher, dass sowohl meine Eltern als auch ein Großteil der Familien ebenfalls betroffen waren und sind.

    Ich habe auch immer gedacht, ich bin anders oder gehöre nicht dazu, weil meine Familie irgendwie falsch ist. Jetzt weiß ich aber, dass ich einfach ein anderes Nervensystem habe. Leider hat man damit auch ein höheres Risiko süchtig zu werden.

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