Hallo Cadda,
vielen Dank für deinen Beitrag.
Ich antworte erstmal hier nur zum eigentlichen Thema.
Aber ist es nicht so, dass es im Grunde NIEMANDEN etwas angeht, wenn es danach geht?
Das ist meine Meinung.
Mir war es wichtig, heute auch noch, dass ich die paar Leute, denen ich von meiner Alkoholkrankheit erzählt habe, nicht länger anlügen will.
Sie sind mir so wichtig, und ich ihnen auch.
Scham und Ekel und dieses miese Gefühl über meine heimliche Sauferei habe ich vor allem mir selbst gegenüber empfunden.
Meinen Lieben gegenüber hatte ich wohl auch oft ein schlechtes Gewissen, habe mich aber nicht wirklich damit auseinandergesetzt. Das habe ich erst in der Nacht, nachdem mein bester Freund mich so gefunden hat wie ich niemals hätte gefunden werden wollte.
Am nächsten Tag habe ich meinen engsten Angehörigen von dem ‚Vorfall’ und alles Vorangegangene erzählt.
Erstmal nicht unbedingt, um mich besser zu fühlen. Denn zu dem Zeitpunkt gab es gar nichts, was geeignet wäre, mich besser zu fühlen. Vielmehr, weil sie es nicht verdient haben, länger angelogen zu werden.
Ich wollte ab dieser Nacht mein Leben ändern. Und das wollte ich mitteilen.
Meine Arbeitskollegen werde ich nicht informieren.
Nicht nur, weil die das am allerwenigsten was angeht, sondern auch, weil ich darin überhaupt keinen Grund sehe.
Wir machen keine Betriebsfeiern, bei ‚Geburtstagsrunden’ oder ähnlichen Anlässen im Büro gibt es keinen Alkohol und wenn wir einmal im Jahr auf dem Weihnachtsmarkt sind, werde ich wie immer meinen Kinderpunsch trinken. Daran haben sich alle gewöhnt. Außerdem muss ich noch mit Auto nach Hause.
Warum sollte ich da mit meinem Kinderpunsch in der Hand sagen: ach übrigens, ich habe am 31. Mai erkannt, dass ich Alkoholiker bin.
Was soll mich danach schützen?
Warum sollte ich mich in Gerede katapultieren, wenn ich künftig mal wegen irgendwas krank bin. Da kommt doch unweigerlich der Gedanke, würde natürlich niemand laut aussprechen: „Da hat die doch bestimmt wieder gesoffen“…..
Damit schütze ich mich nicht und damit geht es mir auch nicht gut.
Außerdem mache ich das für MICH, weil ich hinterher stolz auf mich bin, dass ich mich eben NICHT klein und hässlich fühle vor lauter Scham, weil ich alkoholkrank bin.
Was ich für mich machen wollte, habe ich getan.
Ich fühle mich nicht mehr klein und häßlich vor lauter Scham, weil ich alkoholkrank bin.
Und ich stolz, dass ich das (vor mir selbst und vor ausgesuchten Leuten) laut aussprechen konnte.
Ich wachse dann doch in meinem Entschluss. Ich stehe dann zu meinem Entschluss und das gibt mir doch dann Selbstbewusstsein.
Ich wachse jeden Tag an meinem Entschluss. Ich stehe auch jeden Tag zu meinem Entschluss. Und jeder nüchterne Tag gibt mir mehr Selbstbewusstsein.
Ich kann jedoch sehr gut verstehen, das jemand, der immer und/oder bei jeder sich bietenden Gelegenheit getrunken hat, nun alle in sein neues trockenes Leben einbeziehen will. Da kann das tatsächlich zum Selbstschutz sein.
Hoffentlich habe ich jetzt hier nicht Rahmen gesprengt, wurde doch länger als erst gedacht…..