Willkommen bei uns,
viele Erklärungen, zu viel Halbwissen, zu viele Verknüpfungen. Sucht und Alkohol wird mit allem in Zusammenhang gebracht: Depression, Kindheit, die Schuld anderer, irgendwelche Auslöser. Ich habe das lange genauso gedacht. Es hilft nicht. Ich habe gesoffen, weil ich irgendwann süchtig wurde, nicht weil mir jemand die Flasche in die Hand gedrückt hat.
Was davor war und warum ich da reingeraten bin, ist für das Hier und Jetzt sekundär.
Ich verstehe deinen seelischen Schmerz, wirklich. Genau deshalb muss dieser Schmerz von der Sucht entkoppelt werden. Wenn beides zusammenklebt, bleibe ich drin hängen. Diese Ablösung passiert nicht von heute auf morgen. Und genau deshalb war in der frühen Phase meiner Erfahrung der Selbstschutz das Wichtigste.
Das ganze Aufarbeiten, wer, wie, wo, wann, rennt dir nicht weg. Das Buch ist geschrieben und bleibt. Aber es hält einen eben nicht trocken. Zu viel Emotion, zu viel Wühlen, zu viel Drama und da knüpft die Sucht sofort an. Sie hat ja nur eine einzige „Lösung“ parat: Sauf wieder.
Für mich waren das Fragen wie, was tue ich heute wirklich für meine Trockenheit? Habe ich ein Umfeld, in dem Alkohol keine Rolle spielt? Wie sieht es bei mir zu Hause aus , steht da noch irgendwas rum, was mich einholt? Habe ich meinen Alltag so verändert, dass er nicht mehr wie die Saufzeit funktioniert? Und meide ich konsequent Feste, Feiern, Urlaube, Situationen, in denen gesoffen wird?
Genau diese Punkte haben mich stabil gemacht. Nicht die großen Erkenntnisse, sondern die kleinen, klaren Entscheidungen, die ich jeden Tag getroffen habe.