Hallo,
ich kam recht spät mit Alkohol im Berührung. Anfang der 20er war das Bier reiner Genuss. Auf Festen oder so hab ich mal ein oder zwei getrunken. Durch meine Autoleidenschaft war das dann nie ein Thema, immer nüchtern am Steuer. Auf die Freunde, die zum Trinken animierten haben mich nicht wirklich in den Konsum getrieben.
Nach meiner Ausbildung hatte ich eine Fernbedziehung. In der Bahn habe ich dann schon deutlich mehr getrunken, hauptsächlich zur Entspannung und Freude auf meine Partnerin. Nachdem wir dann zusammen gezogen sind, kamen immer mehr höhere Mengen ins Spiel, aber nie jeden Tag.
Nachdem wir eine Tochter bekamen, kam für mich das Rad zum Einsatz, da der PKW gebraucht wurde. So gab es nach Feierabend auf der Parkbank noch 2 oder 3 Bier, bevor ich heim bin. Eigentlich kann man sagen, ab da war so täglicher Konsum angesagt. Ich hab aber immer drauf geachtet, dass ich nicht zu viel trinken, wollte ja meine Gesundheit nicht zerstören.
Irgendwann zerbrach die Ehe und ich hatte recht schnell wen neues. Da hält man sich zurück und macht es dann schon heimlich bzw wenn sie nicht da war. Auch das hielt nicht auf Dauer, nicht in erster Linie wegen dem Alkohol, sondern weil es kein gemeinsames Lebensziel gab. Von nun an war ich Single und müsste keine Pressbetankung mehr machen, da mich ja keiner nötigte, irgendwann irgendwo zu sein. Freunde und Familie hatte ich noch, die merkten aber, dass ich Abrutsche. Für mich war es einfach die Einsamkeit. Wenig Selbstbewusstsein wen kennenzulernen. In Discos hat es nie geklappt, im Internet zwar schwer aber das war einfacherer.
Und dann kam der berühmte Februar. Ich trank ein Bier und sagte: Schluss. Alswenn ein Schalter im Kopf sich umlegte. Erst wunderte es mich über die ersten Tage, dann die erste Woche... Nach drei Monaten zählte ich nicht mehr. Es gab keine Trigger, kein Verlangen, gar nichts. Alswenn nie was war. Ich beschäftigte mich dann mit Videos wegen Stabilität usw. Und war so froh, schon den Start geschafft zu haben. Es begann die schönste Zeit meines Lebens, bis ich an Krebs erkrankte. Aber auch den überwand ich und hatte meine Tochter, ein tolles Zuhause und eine glückliche Zeit. Was fehlte war eine Frau.
Ich wagte wieder den Schritt und wieder war es sehr schwer. Durch Zufall lernte ich jemanden kennen uns wir tragen uns spontan. Für uns die liebe auf den 1. Blick. Besser konnte das Leben nicht sein! Bereits nach 3 (!) Monaten zogen wir zusammen. Ich hab mein ganzes Leben auf, die Wohnung, möbel usw. Und zog zu ihr. Wir machten es uns gemütlich, waren jeden Tag draußen, hatten 5 mal am Tag den perfekten Sex, alles wie im Märchen. Meine Tochter vergötterte diese Frau.
Etwa ein Jahr ging es gut, ohne das groß was war. Klar mal Meinungsverschiedenheiten aber alles harmonisch. Sie steht kurz vor den Wechseljahren und immer vor ihrer Periode kamen Ausraster. Sie zerstörte die Wohnung, verbannt mich aus dem Schlafzimmer und ignorierte mich. Da ich in der neuen Wohnung keinen Rückzugsort hatte, saß ich oft allein und traurig auf dem Sofa, ging spazieren oder guckte TV. Dann war wieder alles gut bis zur nächsten Periode. Es wurde auch verbal und Kleinigkeiten regte sie auf. ich entwickelte Angst und war mit Ihren Forderungen überfordert. Jetzt wissen es alle: ich ging raus, holte mir Bier und entspannte am Waldrand und genoss die Landschaft. So kam das immer häufiger vor und es waren schnell mal 8 Bier.
Ich habe auch einen Beruf, den ich nicht mag, bin aber durch die Schwerbehinderung unkündbar und hab Vorteile mit Home-Office usw. Irgendwann sprach sie mich an, ich habe ein Alkoholproblem. Zum ersten Mal haben wir tiefgründig geredet und ich wollte mir Hilfe suchen. Natürlich hörte ich sofort auf, ich liebe diese Frau abgöttisch. Bei der Diakonie konnte ich über alles reden. Allerdings würden die Launen heftiger, sie interessierte sich absolut nicht für mein Leben, wir verschuldeten uns und die Körperlichen Stunden waren gen 0, da sie nur noch für ihre Arbeit lebte. So würde ich zum Quartalstrinker und schämte mich. Sobald ich aber was getrunken hatte, war es mir egal, weil der Schmerz war weg.
Im November 25 hatten wir so einen Streit, ich freute mich den ganzen Tag auf sie und sie behandelte mich wie Dreck, dass ich einen ganzen Rumtopf austrank, umkipte und mit 4,6 Promille im Krankenhaus landete. Eine Woche war ich dann bei meinen Eltern, gedanklich die Trennung und am Boden zerstört. Wir wollten uns kurz noch absprechen und nach 3 Stunden landeten wir im Bett und sie gab mir eine Chance, wenn ich was mache. Mir ging es wieder so gut! Ich habe mir einen Psychologen gesucht, wie redeten wie am Anfang unserer Beziehung. 6 Wochen Paradies. Und dann Weihnachten, wieder schlechte Laune, Unterstellungen usw. Da deutet sie an, wenn meine Tochter wieder bei ihrer Mutter ist, dann reden wir. 2 Tage hat sie nicht mit mir gesprochen, bei Umarmungen sich weggedreht. An dem Tag wusste ich was kommt und habe natürlich getrunken, weil ich Angst hatte und einfach seelisch fertig war. Ich war nicht mal in der Wohnung, da sagte sie, dass ich ausziehen soll, ich habe alle meine Chancen vergeigt.
Mittlerweile habe ich fast alle meine Sachen rausgeholt und Versuche die Entwicklung aufzuarbeiten. Die Nachbarn und Freunde von uns raten mir bereits vor 1,5 Jahren mich zu trennen, da ich irgendwann zu Grunde gehe.
In der Beratung mit der Diakonie wurde mir von Beginn an gesagt, es ist eine Toxische Beziehung, in die ich immer mehr reinrutschen.
Ich steh jetzt ohne Wohnung und ohne die große Liebe da. Ich Frage mich so oft, wie ich als so glücklicher Mensch, der auch nüchtern gelebt hat, wieder reinrutsche. sie hat mich nie zum Alkohol gezwungen, was ist wenn ich es nicht gemacht hätte... Wie lange hätte ich gelitten? Wäre es irgendwann anders gekommen? Mein Selbstwert ist in den Jahren völlig abhanden gekommen. Zudem sie jetzt ihr Leben ganz normal weiterlebt und wieder Spaß hat. Das zieht mich jetzt noch mehr runter.
Ich selbst trinke nicht mehr, lebe bei meinen Eltern, bis ich wieder auf die Beine komme. Was mir fehlt sind Ziele, Freude und wahnsinniger Liebeskummer. Ich hasse mich für die Trinkerei, wobei ich auch weiß, dass ich bei einer früheren Trennung vielleicht sogar drum rumgekommen wäre. So groß ist die Seelische Abhängigkeit von ihr. Im Februar gehe ich zum Psychologen, weil ich trotz Zustimmung und Wissen keine Motivation mehr habe.
Ich bin 40 Jahre