Seppel1986 - Ich bin Alkoholiker

  • Hallo Seppel,

    wenn du dich nicht outen möchtest, dann sag, dass du krank bist (bist du ja auch - alkoholkrank). Der Rat ist, am Anfang derartige Veranstaltungen komplett zu meiden. Du kannst ja mit dem Geburtstagagskind einen Termin zu Kaffee und Kuchen vereinbaren.

    Deine Abstinenz sollte oberste Priorität haben.

    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo Seppel,


    ich habe an einem Geburtstag vor ein paar Tagen einfach nur gesagt, dass ich eine Alkoholpause mache. Es hat niemand nachgefragt oder schräg geschaut!

    Wäre ich gefragt worden, hätte ich nur geantwortet, dass ich das so für mich möchte.

    Bestimmter und überzeugter Tonfall untermauert das!


    Aber wenn du dich unsicher fühlst, dann lieber weg bleiben.


    VG :evil::saint:

  • In den ersten Monaten rate ich von dem Besuch von Treffen ab, auf denen der Konsum von Alk im Vordergrund steht.

    Zum Outen: Das wird hier sehr unterschiedlich gehandhabt. Viele fahren einen sehr offenen Kurs und weihen eine Vielzahl von Leuten ein. Neben der Familie und Freunden auch Nachbarn, Bekannte und Arbeitskollegen.

    Im Vordergrund steht allein die Frage, womit der Neuabstinente selbst am sichersten fährt.

    Ich habe nur einen sehr engen Kreis eingeweiht, Nachbarn, Kollegen und Bekannte gehören da nicht zu.

    Ich bin schon lange nicht mehr gefragt worden, warum ich nicht trinke. Heute nach mehr als 10 Jahren sage ich nur: "Nein, ich trinke keinen Alkohol." Das war es auch schon. Begründungen liefere ich nicht.

    Ich komme mit meinem Kurs prima klar.

    Neugierig sind m.E. nur Leute, die selbst einen zu hohen, wenn nicht gar süchtigen Umgang mit dem Stoff haben. Wenig- oder Nichttrinker interessiert es überhaupt nicht. Und an die halte ich mich.

  • Wenn Du nicht rauchen willst, fragt ja auch keiner nach wieso.

    Bei Leuten, die mich schon vorher kannten und wussten, dass ich viel getrunken habe, bin ich etwas deutlicher geworden.

    Da habe ich gesagt, dass ich für dieses Leben genug Alkohol getrunken habe. Meist kam dann die Nachfrage "War es denn so viel" und ich antwortete "Ja".

    Damit war das Thema durch. Ich hätte jetzt auch nicht angefangen aufzuzählen.

    Bei meinen "Freunden" bin ich ganz deutlich geworden. Kann und will sie ja nicht für immer anlügen. Ja, für immer. Also habe ich klar gesagt was sage ist. Sie wollten sich melden, wenn sie etwas machen wo Alkohol nicht im Mittelpunkt steht. Das war vor über 3 1/2 Jahren. Nie mehr was gehört. Nur mit zweien, die keine Alkoholiker sind, habe ich noch Kontakt. Ach ja, und ich habe andere kennen gelernt. Z. B. durch meine reale SHG.

  • Hallo Seppel

    Der obige Betrag von Alex-aufdemWeg hätte von mir sein können .

    Nach meinem Outen trennte sich im Freundeskreis die "Spreu vom Weizen" . Es gab so Einige , von denen ich nie wieder etwas gehört habe.

    Über die verlorenen Freunde war ich nicht lange traurig und enttäuscht . Geblieben sind mir die Wertvollen und Aufrichtigen .


    Familie kann man sich bekannterweise nicht aussuchen .

    Bestimmt sind dir aber nicht alle Familienfeierteilnehmer gleich lieb .

    Ich würde mich für diese Familienfeier entschuldigen ( unpässlich / krank) und irgendwann mal später dem ein oder anderen aus der Verwandtschaft , den du wirklich magst ,den wahren Grund deines Fernbleibens mitteilen .

    Ich hoffe du triffst für dich und deine Trockenheit eine gute Entscheidung .


    Gruß von Shawn

  • Guten Morgen ihr Lieben, danke für die Unterstützung und die Tipps. Ich war gestern auf dem Geburtstag und habe alles super überstanden. Es ist reichlich Alk geflossen, es gab viele Nachfragen und ab und zu wurde auch mir ein kurzer vor die Nase gestellt. Ich würde sagen ich habe es gemeistert, ohne Anstrengung, die meisten Nachfragen kamen von denen die am meisten trinken. Ich war der Fahrer, meine Frau hat ein wenig getrunken und hätte so nicht mehr fahren können. Es gab ein Zwischenfall wo jemand gebraucht wurde der jemanden heim fahren kann, habe mich sofort gemeldet. So ist mir die Zeit auch schneller vergangen. Trotzdem lauter überraschte Gesichter, ich hatte in der Vergangenheit nie eine Gelegenheit ausgelassen um zu trinken. So kann es weitergehen, war sehr interessant das auch mal nüchtern zu betrachten wie sich bei einigen die Stimmung mit jedem Glas verändert, mir geht es heute besser als denen. Schönen Sonntag.

    Es wird dich niemand retten kommen, das musst du selbst tun.

  • Nicht cool. Alle Warnungen in den Wind geschlagen. "Überstehen" und "meistern" - das ist keine Leistung, sondern Unvernunft. Sorry, aber ich kann das absolut nicht verstehen. Und ich find es blöd, weil vielleicht der ein oder andere Neue dann denkt, er kann das auch.

  • Danke für dein Feedback, nehme ich zur Kentniss. Ich war auf einer Feier und habe kein Alkohol getrunken, Schande über mich, schlechtes Vorbild. Jeder hat sein Leben und geht mit Situationen anders um, für mich habe ich eine Entscheidung getroffen und bin dabei geblieben. Ich empfehle niemanden es mir nachzumachen, bin sicher kein Leitfaden für den perfekten Abstinenzler, wenn es sowas überhaupt gibt. Und wäre diese Feier die Hochzeit deiner Tochter, würdest du auch fern bleiben? Oder würdest du hingehen und nichts trinken?

    Bin später auf Kaffe und Kuchen eingeladen, werde hingehen, auch mit dem Risiko das mir ein Bier angeboten wird, welches ich dann ablehne.

    Schönen Sonntag.

    Es wird dich niemand retten kommen, das musst du selbst tun.

  • Jeder geht sinien eigenen Weg, einige etwas vorsichtiger, andere risikobereiter. Es steht mir nicht zu, das zu verurteilen, insbesondere weil ich auch nicht der mainstream des Forums bin, der sich Punkt für Punkt an die Grundbausteine hält.


    Hab bitte auf dem Schirm, dass die Teilnahme an so Veranstaltungen nachwirken kann und mit zeitlicher Verzögerung Suchtdruck auslösen kann. Nicht, dass Du Dich wunderst, dass jetzt zeitversetzt etwas eintritt, was bei der Feier nicht der Fall war.

    ab und zu wurde auch mir ein kurzer vor die Nase gestellt

    Das sind selbst für mich, der nicht gerade ängstlich unterwegs ist, zu riskant. Du wärst gut beraten, auf mehr Distanz zu achten. Denn die Sucht in Dir drin, kann Dich ganz spontan zugreifen lassen, insbesondere wenn andere um Dich herum trinken und Dich animieren.

    Schande über mich, schlechtes Vorbild.

    Das klingt mir zu billig.

    Vorbild? Das Problem ist, dass hier im Offenen Teil Neulinge aufschlagen, das lesen und meinen: "Was der kann, das kann ich schon lange." Und sie verunfallen.

    Bin später auf Kaffe und Kuchen eingeladen, werde hingehen, auch mit dem Risiko das mir ein Bier angeboten wird, welches ich dann ablehne.

    Was spricht dagegen, die Leute aufzufordern, Dir erst gar nichts anzubieten?


    Schönen Sonntag noch.

  • Jeder hat sein Leben und geht mit Situationen anders um, für mich habe ich eine Entscheidung getroffen und bin dabei geblieben. Ich empfehle niemanden es mir nachzumachen, bin sicher kein Leitfaden für den perfekten Abstinenzler, wenn es sowas überhaupt gibt.

    Was hast Du denn erwartet? "Gut gemacht, weiter so"?

    Du scheinst Dich in einem sehr trinkfreudigen Umfeld zu bewegen. Hast Du den Leuten klipp und klar gesagt, dass Du nichts mehr trinkst, gar nicht mehr? Und sie stellen Dir trotzdem Alk vor die Nase, um Dich zum Mittrinken zu animieren?

    Sind das wirklich Menschen, denen Du am Herzen liegst? Oder Leute, denen ein Saufkumpan verloren zu gehen droht?

    Diesmal ist es gutgegangen, da hat Dich wohl die Anfangseuphorie noch getragen. So ein ähnliches (berufliches)Erlebnis habe ich mir ca. 4 Monate nach Abstinenzbeginn auch gegeben - und prompt einen Rückfalltraum gehabt. Das hat mir damals sehr zu denken gegeben.

    Die Gefahr besteht, dass Du dann beim nächsten Mal denkst : "Ach komm, ich bin doch so stark, einer geht doch ..."

    Auch die Fahrerrolle ist gefährlich: weil Du dann gebunden bist und nicht einfach abhauen kannst, wenn Du merkst, dass Dir die Veranstaltung nicht mehr guttut.

    Der Alkgeruch im Auto kann Dich noch Tage später zu einem Spontankauf an der Tanke bewegen. Und dann hängst Du wieder an der Flasche und bist ganz schnell wieder da, wo Du nicht mehr sein wolltest.

    Und da dann wieder herauskommen, wird bestimmt nicht leichter. Der nächste Rückfall könnte darum genau wie der nächste kalte Entzug der letzte sein. Ein ganz schön großes Risiko, oder?

    Die Grundbausteine sind ja nicht entstanden, um jemanden zu gängeln, sondern aus der jahrelangen Erfahrung von Langzeittrockenen, wie das Rückfallrisiko (das immer bleiben wird, egal, wie lange jemand abstinent ist) gerade im ersten Jahr möglichst gering gehalten werden kann. Nicht mehr und nicht weniger.

    Du hast recht, es ist Dein Leben. Und dies ist Deine selbstgewählte Selbsthilfegruppe.

  • Guten Abend zusammen, habe mich hier angemeldet da ich grade merke das ich es alleine nicht schaffe trocken zu werden

    Was ist eigentlich noch übrig von deinem Anfangssatz? Wieder allein? Wieder im alten Muster? Rückfall in alte Zeiten?

    Ob du rückfällig wirst, wieder trinkst oder in alte Muster zurückfällst, im Biergarten feierst, Feste genießt und auf den Tischen tanzt, ist hier nicht das Thema, das ist alles deins. . Das ist mir und wohl auch vielen anderen egal. Du landest einfach in der Statistik der 95 % Rückfälligen. Der Sucht ist das sowieso egal. Sie führt nur den, der säuft.

    Aber dir sollte es als Alkoholiker nicht egal sein. Den Rückfall in alte Zeiten, das Trinken‑Müssen, die Peinlichkeiten, das ganze Suchtverhalten kennst du doch, oder? Nach ein paar Monaten ist das alles schon verblasst? Auch nicht unüblich , so arbeitet die Sucht eben im Untergrund. Und das alles nur für einen kurzen Moment, einen Tag „dabei sein“. Ist es das wert?

    Das waren auch alles Fragen, die ich mir auch am Anfang des Weges gestellt habe.

    Die komplette Palette an Rechtfertigungen, Erklärungen und „eigentlich war es ja nur…“ gehört dir und wenn du damit klarkommst, bitte. Aber das hat nichts mit Risikominimierung im ersten Jahr zu tun. Das ist dieses berühmte nasse Denken

    Ich wünsche dir die nötige Weitsicht für dein Handeln. Bleib trocken.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Es ist nicht einfach passiert, sondern du wolltest es so.
    Du bist bewusst ein Risiko eingegangen, von dem ich mal behaupte, dass du es nicht richtig einschätzt.
    Ich spreche da aus Erfahrung, und ich habe meine Konsequenzen gezogen.

    Solche Situationen wird es weiterhin geben. Tue dir einen Gefallen und achte darauf, wie sich dein Denken dann positioniert.
    Wenn da so Sachen kommen wie, "...neulich ging es auch, alles halb so schlimm.." usw., dann sei besonders auf der Hut.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Vielen Dank, habe die Botschaft verstanden. Weitere Erklärungsversuche spare ich mir.

    Noch was dazu.

    Ich finde es klasse, dass du das hier so offen teilst. Den Mut hat nicht jeder. Aber genau nur so kann sichtbar werden, wo für dich und auch für andere die Fallstricke liegen, die man entweder vermeiden kann oder eben nicht.

    Die größte Gefahr besteht darin, Dinge persönlich zu nehmen. Das muss es nicht. Wenn hier Fakten geschrieben werden, geht es nicht um dich als Mensch. Es geht ausschließlich um die Sucht.;)

    Die Sucht geht mit „Fehlern“ oder sagen wir mit Entscheidungen völlig anders um als der Mensch selbst. Was für einen nüchternen Menschen eine einmalige Dummheit wäre, nutzt die Sucht aus.

    Genau deshalb ist dieser manchmal sehr "offene“ und auch mal sehr "direkte" Austausch hier so wichtig.

    Danke dafür.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich weiß der Großteil hier wird mir empfehlen nicht hinzugehen, die Option habe ich auch in Erwägung gezogen, bin noch unschlüssig.

    Dann war dir das Echo doch klar?

    Du bist da völlig bewusst hingegangen und warum der Geburtstag wichtig war, weiß ich nicht. Anscheinend wichtiger als dein Wunsch, deine Abstinenz zu sichern.

    (Das mit der Hochzeit meiner Tochter zu vergleichen... klingt einfach nur trotzig.) Ich habe mein Umfeld komplett geändert, mir hält niemand mehr nen Kurzen unter die Nase.

    Ich weiß einfach, dass ich niemals in einem Umfeld hätte heilen können, in dem ich krank geworden bin.

    Dein Leben, deine Krankheit, deine Entscheidung. Ich wünsch dir, dass du das auch im Nachgang überstehst.

  • Ich weiß einfach, dass ich niemals in einem Umfeld hätte heilen können, in dem ich krank geworden bin.

    Also geheilt bin ich nicht, ich habe die Sucht lediglich gestoppt. Sie schlummert ganz tief in mir drin und kann auch wieder erwachen, was ich nicht hoffe.


    Ansonsten stimme ich Hera zu. Das Umfeld gehört geändert, weg vom Suff.

  • Sie schlummert ganz tief in mir drin und kann auch wieder erwachen, was ich nicht hoffe.

    Das „Hoffen, dass sie wieder erwacht“ habe ich für mich vorerst abgehakt, ohne dabei den Respekt davor zu verlieren..;)

    Ich denke, wer ein paar Jahre zufrieden trocken lebt, hat es im Grunde selbst in der Hand. Die Sucht erwacht nicht aus dem Nichts. Sie meldet sich, wenn man sie ignoriert, verharmlost oder ihr wieder Raum gibt.

    Das passiert meist am Anfang des Weges, wenn die grundlegenden Basics ignoriert werden. Solange ich wach bleibe, meine Grenzen wahre und mein Leben nüchtern ausrichte, bleibt sie dort, wo sie hingehört , im gestoppten Zustand.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Solange ich wach bleibe, meine Grenzen wahre und mein Leben nüchtern ausrichte, bleibt sie dort, wo sie hingehört , im gestoppten Zustand.

    Davon gehe ich auch aus.

    Ich habe schon von einigen Rückfälligen gelesen, die jahrelang clean waren, sie hätten gedacht, sie könnten mal wieder wie ein Normaler was trinken. Alle hatten zuvor die Sucht nicht mehr auf dem Schirm, weil sie ihr "Training" vernachlässigt und letztlich ganz dran gegeben haben.

  • Alles klar, vielen Dank für die Hinweise und Wünsche, gestern war ich ein wenig stur und habe es vll zu persönlich genommen. Irgendwie war ich stolz darauf auf so einer Veranstaltung nichts getrunken zu haben. Heute habe ich alles nochmal in Ruhe durchgelesen und verstehe es besser. Habe das Risiko falsch eingeschätzt, bin wohl momentan etwas übermütig. Sorry falls ich jemanden blöd gekommen bin, war gestern in meiner kleinen Blase.

    Es wird dich niemand retten kommen, das musst du selbst tun.

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