Ich weiß nicht mehr weiter, meine Frau trinkt

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo,


    ich hätte nie gedacht, dass ich je mit einem solchen Problem in einem Forum lande. Ich war immer der Meinung, man könne alle Probleme ausdiskutieren und mit einem gesunden Menschenverstand lösen. Bei meiner Frau bin ich mit meinem Latein am Ende...


    Vor 23 Jahren heiratete ich meine große Liebe. Die Zeit brachte uns gemeinsamen beruflichen Erfolg in einer gemeinsamen Selbständigkeit und 3 wunderbare Kinder. Ich liebe meine Frau und halte seit 5 Jahren an dem Gedanken fest, dass sie eines Tages zur Besinnung kommt, denn seit mehr als 5 Jahren trinkt sie regelmäßig und tut so, als ob ihr Verhalten ein ganz normales Verhalten sei. Sie verharmlost ihre Trinkerei und behauptet, sie habe alles im Griff. Dabei betrinkt sie sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit. Wenn Sie betrunken ist, steckt sie voller Haß und Agressionen. Sie beschimpft und beleidigt mich in einer unglaublichen Weise und findet immer einen Grund, mich zu beleidigen, notfalls erfindet sie einen Grund. Gestern war meine Wut, Trauer und Hilflosigkeit so groß, und sie beleidigte mich so lange, bis ich sie verprügelt habe. Eigentlich bin ich ein friedfertiger Mensch. Ich kann ihr aber auch nicht entfliehen, denn sie lässt sich nicht weg schicken. Laufe ich ihr davon, verfolgt sie mich, um ihren Haß an mir auszulassen. Ist Ihre Trunkenheit und der ganze Spuk vorbei, tut sie so, als sei nichts geschehen. Dann ist aller Haß verflogen und sie spricht von unserer einzigartigen Liebe und unserem guten Sexleben.
    Ich habe oft das Gespräch gesucht, habe sachlich diskutiert, geheult, sie angefleht... es gab nie eine nennenswerte Reaktion. Sie winkt ab, bestreitet das Problem oder geht gar nicht auf mich ein. Wenn sie überhaupt ein Problem habe, dann seien es Depressionen. Wegen der Depressionen würde sie sich ab und zu "einen Sack über den Kopf ziehen", um "dem Ganzen" zu entfliehen.


    Ich komme mir vor wie in einem Ozean mit Ebbe und Flut. Bei Ebbe gehts mir gut und ich denke nicht an die Flut, aber die Flut kommt unweigerlich wieder.
    Keiner von uns hat je externe Hilfe oder Rat gesucht. Ich weiß auch nicht, wie ich sie dazu bewegen könnte, denn sie hat ja eigentlich kein Problem.


    Ich bin mittlerweile so verzweifelt, dass ich über eine Trennung nachdenke. Das würde aber existenzielle Probleme mit sich bringen, denn unser Betrieb ist von ihr und mir abhängig. Es wäre nicht denkbar, privat getrennt aber in der Firma in Eintracht zu leben. Trennung ist also nicht wirklich eine Lösung. Ich kann die Dinge aber auch nicht länger so weiter laufen lassen, schließlich muss ich auch an meine Kinder denken.


    Was würdet ihr an meiner Stelle tun?

  • Hallo Karl,


    was ich an deiner Stelle tun würde?
    Kurz zu mir: Ich bin ein erwachsenes Kind einer Alkoholikerin, mein Vater ist ungefähr in deiner Situation. Aber nicht seit 5 Jahren, sondern seit 25.


    Bei uns zu Hause spielte sich gleiches ab- Mutter betrunken, Vater verprügelt sie. Und ich könnte kotzen, wenn ich deinen Beitrag lese- merkst du überhaupt, was du getan hast? Wäre ich deine Frau, würde ich dich für 10 Tage der Wohnung verweisen- dazu hat sie nämlich nun den Staat an ihrer Seite.

    Schlimmer als die Sauferei der Mutter war für mich die körperliche Gewalt meines Vaters gegenüber meiner Mutter. Ich muss, hoffe ich, hier jetzt nicht schildern, wie ich das damals empfunden habe. Mich verfolgt das noch, obwohl ich schon längst aus der Gewalt-Hölle ausgezogen bin. Denk da vielleicht mal an deine Kinder.


    Und als Pädagogin kann ich dir nur sagen, dass du gerade dabei bist, einen kleinen Machtkampf anzuzetteln.


    Also von daher- ziehe deine Konsequenzen, überleg, wie es nun für dich weitergehen soll- mit betrunkener Frau oder ohne- und leb danach.
    Zieh aus, bevor du das nächste Mal zu Gewalt greifst, und nimm die Kinder mit.


    Grüße,
    Zimttee

  • Hallo Zimttee,


    danke für deine Antwort.


    Du hast natürlich Recht, körperliche Gewalt ist keine Lösung und es war an dieser Stelle ein Ausdruck meiner Verzweiflung und Hilflosigkeit. Ich würde so gern etwas retten und fühle mich dabei so hilflos, weil ich keine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit mehr erfahre.


    Gibt es denn jemanden, der mir Mut machen kann? Wie groß ist denn eine Chance auf Heilung, wenn man sich in professionelle Hilfe begibt?

  • Hallo Karl,
    ich finde es sehr mutig, was Du geschrieben hast. Und ich kann Dich verstehen. Verstehen deshalb, weil ich mich auch schon zu solchen Aktionen habe hinreissen lassen. Und ich bin eine Frau!
    Natuerlich finde weder ich noch sonstjemand es "Gut" wenn es zu koerperlichen Ausschreitungen kommt, das ist ganz klar!
    Aber ich kann die Verzweiflung, die Ohnmacht, die Trauer dahinter spueren......den Wunsch "wachzuruetteln", die eigene Seele, die nicht mehr anders kann, als sich so Luft machen...
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    Aber es ist auch klar, dass dies eine moralisch verwerfliche Handlung ist und durch nichts "schoenzureden". Und auf keinen Fall sich widerholen sollte.


    Was tun?


    Dieses "verfolgtwerden", zugequasselt, beschimpft und belabert, egal wohin ich gehe....auch das kenne ich leider zur Genuege.
    In meinem Fall (mein Lebenspartner trinkt nicht regelmaessig, eher exzessiv und anfallsweise) bin ich dem konsequent aus dem Weg gegangen, mit dem Hund auf die Strasse auch um 4 h NAchts,. wenn es sein musste.
    Das hat schon mal viel "Druck" fuer mich rausgenommen......ich hab mir das einfach nicht mehr "gegeben", nicht mehr angehoert.


    Ueberleg einfach mal, welche Moeglichkeiten es akut gibt, Dich und die Kinder aus der Schusslinie zu bringen. Evtl. gibt es ja raeumliche Moeglichkeiten dazu?


    Das war natuerlich bei mir nur der erste Schritt, hat nur die Situation erst mal entschaerft. Und genau das wuerde ich Dir raten. Entschaerfung.
    Damit alle erst mal wieder zum Durchatmen kommen.
    Ungenutzes Keller-App. wo man uebergangsweise ein Bett reinstellen kann ..... denk mal nach, ob es nicht so was geben koennte bei euch.


    Gruesse, Lindi

  • Hallo Lindi,


    ja, das habe ich mitunter unfreiwillig auch mehrfach so praktiziert. Erst erklärt sie mir im Suff, dass unsere Ehe nun endgültig gescheitert sei, ich soll ab sofort nicht mehr im Ehebett schlafen. Ich schlafe auf dem Sofa oder sonst wo und in der Nacht kommt sie hinter mir her und wirft mir vor, dass ich unsere Ehe bewusst ruiniere. Egal was ich tue, sie dreht alles so hin, dass sie einen Streit draus machen kann. Am nächsten Tag ist alles vergessen, es darf nichts erwähnt werden und sie kommt liebevoll auf mich zu und küsst mich. Ich komme mir dann immer vor wie in einem falschen Film und fühle mich wie eine Marionette.

  • Hallo Karl,


    Du hattest nach der "Hoffnung" gefragt.
    Leider ist es nicht so einfach, wie "schlepp sie gegen ihren Willen zum Seelenklempner und der schraubt ein bisschen rum und dann wird alles wie frueher".
    Das hattest Du hoffentlich nicht erwartet, oder?


    Es ist ein langer Weg der Bewusstwerdung. Fuer Beide. Und der Veraenderungen. Auch fuer Beide.
    Denn der IST-Zustand, wo der hingefuehrt hat, das hast Du ja geschrieben.
    Von der Bestandsaufnahme: "so isses"....bis hin zu Veraenderungen....ist es ein schmerzlicher Weg.
    Bewusstwerdung. Du Dir. Vielleicht auch sie sich.
    Loslassen. Die alten Plaene, die alten Lebensentwuerfe, eventuell auch das "Projekt" Ehe .....da ist alles drin. Alles offen. Das KANN auch eine Chance sein. Fuer Dich, fuer Deine Kinder, eventuell, ganz eventuell sogar fuer euch alle gemeinsam als Familie.
    Letztere Option allerdings.....da taet ich nicht drauf wetten. Noch ist Deine Frau ja weit davon entfernt einzusehen (fuer sich einzusehen), dass es ueberhaupt ein Problem geben koennte.
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    Die widerspruechlichen Aussagen, abends hueh und morgends hott....das allerdings kann Dir hier Jeder bestaetigen. Das ist NORMAL im Zusammenleben mit einem Alkoholiker.
    Was Du glauben sollst? Nichts von Allem ..... oder Alles. Denn diese "Abspaltung", eigentlich ist sie ja ganz lieb, nur wenn sie getrunken hat, dann.... das bringt nicht weiter.
    Diese Dinge, die im betrunkenen Zustand unreflektiert rausgebruellt werden, die sind ja da! Das ist TEIL Deiner Frau! Ein nuechterner Mensch ist allerdings in der LAge, diese dunklen Seiten zu reflektieren, zu filtern und angemessen zum Ausdruck zu bringen. Der Alkoholiker schreits raus wies kommt.
    "In vino veritas" ...sagten schon die alten Roemer.
    Da ist dann am naechsten Tag die Scham gross .... und "ich erinner mich an nichts mehr".....die bequemste Ausrede.


    Ich kann Dir nur empfehlen, Dich hier einzulesen und auch bei den trockenen Alkoholikern ein wenig zu lesen.


    Es nicht mehr gar so persoenlich nehmen, denn alles was Du beschreibst ist sooooo typisch.....fast schon symptomatisch!


    Liebe Gruesse, Lindi

  • Hallo Karl
    Willkommen hier....
    Deine Frau bietet dir und den Kindern die ganze Palette eines ,,nassen ,, Alkoholikers.
    Sie ist krank und Bestandteil dieser ,,Krankheit,, ist ihr Verhalten.
    Du kannst ihr nicht helfen,du kannst nur für dich und die Kinder handeln.
    Ich kann die Qual deines Lebens gut nachempfinden wie wohl die meisten hier.
    Aber alles ,,verstehen,,ändert noch nichts an deiner Lage.
    Du mußt ihr gegenüber Grenzen ziehen und die auch einhalten.
    Sie muß klar wissen was passiert wenn sie so weitermacht (z.B. Trennung,Verlust der Kinder etc)
    Drohe nur mit Dingen die du auch durchziehen kannst und willst,sonst wirst du unglaubwürdig und ihr Verhalten noch krasser.
    Sind eure Kinder noch minderjährig?
    Dann kannst du ihr drohen mit Jugendamt und das sie da auch Konsequenzen zu erwarten hat wenn du dir dort Hilfe und Unterstützung holst.
    Such und finde Wege dich zu schützen bevor ein Unglück geschieht und du aus lauter Verzweilung wieder handgreiflich wirst.
    Du mußt sie vor die Wahl stellen etwas gegen die Sucht zu tun (Klinik/ Entzug) ansonsten bis du weg mit den Kindern,so oder so wirst du beruflich und privat sonst auch mit untergehen.
    Aus dieser Spirale kommst du mit gut zureden nicht raus und bisher hat noch keiner geschafft einen anderen trocken zu reden!!!!
    Die Spielarten der Alkoholiker sind so vielfältig,eher zweifelst du an deinem Verstand/deinen Wahrnehmungen als das deine Frau zugibt das SIE ein Problem hat und euch eins verursacht.
    LG R..

  • Hallo Karl,


    herzlich willkommen hier. Ich bin noch nicht so weit wie die meisten anderen hier und möchte dir deshalb keine tollen Ratschläge geben, deren Einhaltung mir selbst noch extrem schwer fällt obwohl ich weiß, das sie richtig sind.


    Dennoch möchte ich dich wissen lassen, dass ich, obwohl ich in meiner Beziehung das Ziel der Gewalt war, es sehr mutig finde, das du den Gewaltausbruch deiner Frau gegeüber so offen zugegeben hast. Das es falsch war, weißt du selbst, und das es nicht wieder vorkommen darf, aber ich habe auch Verständnis dafür, denn das was deine Frau die antut ist seelische Gewalt, und jedes Opfer hat früher oder später den Drang, sich zu wehren. Wie oft hab ich bei meinem XY nach einer Prügelatacke die Fantasie gehabt, ihm weh zu tun, aber irgendwann war ich so zermürbt das ich nicht mal mehr fähig war, mich zu wehren. Ich ließ alles nur noch über mich ergehen, in der Hoffnung es ist schneller vorbei. Irgendwann war es mir auch egal, was er mir körperlich antat, denn das Schlimmste war ohnehin das, was er in meinem Kopf anrichtete. Ich kannte mich selbst nicht mehr, bin auch jetzt noch ein Wrack, und es wird mich verdammt viel Arbeit kosten, mich zu normalisieren.


    Ich kann dich nur bitten, lass es nicht soweit kommen. Auch wenn Heim und Geschäft dran hängt. Man kann auch mit sehr wenig Hab und Gut glücklich sein, sehr glücklich, aber wenn erst der Mensch kaputt ist ist Glück nicht mehr möglich und nur sehr schwer wieder herzustellen. Gerade wenn deine Kinder noch nicht erwachsen sein sollten, gib ihnen ein gutes Beispiel. Stell dir nur mal vor, was du ihnen raten würdest, wenn sie das selbe später durchleiden würden wie du jetzt, und nun stell dir vor sie hören nicht auf diesen Rat...


    Mitfühlende Grüße.

  • Mir stellt sich das Nackenhaar auf, wenn ich solche Kommentare lese.
    Der Alkoholiker als infamer und nerviger Lügenbeutel, der aus Gründen der „Bequemlichkeit Ausreden sucht“, der sich absolut nicht beherrschen kann und die Kontrolle verliert (in vino veritas) und seinen Frust wahllos und unüberlegt dem Anderen um die Ohren schleudert – und auf der anderen Seite das „Opfer“, das seine Frau verprügeln darf, was zwar vielleicht nicht okay ist, aber andererseits ist es ja absolut nachzuvollziehen, dass man da schon mal ein bisschen die Beherrschung verlieren kann…
    Soviel zu: „Ein nuechterner Mensch ist allerdings in der LAge, diese dunklen Seiten zu reflektieren, zu filtern und angemessen zum Ausdruck zu bringen.“


    Von Euch hat wirklich niemand etwas verstanden, auch wenn sich hier Leute in diesem Forum bereits die Finger wund getippselt haben. Nein, das ist nicht ganz richtig. Der Eine oder Andere wird sich schon Gedanken gemacht haben, denn sonst hätte diese Aufstellung mit diversen Drohmöglichkeiten nicht zustande kommen können.
    Trennt Euch mal von dem ganzen Frust, den Ihr mit herumschleppt, weil Eure Beziehungen den Bach runtergegangen sind und vielleicht haben wir am Ende dann ein paar mehr reflektierte Betroffene, die sich mit klarem Kopf auf den Weg machen können zu ihrer eigenen „Bewusstwerdung“.
    Seelische Gewalt? Der nüchterne, erwachsene Mensch geht! Nur wenn er nicht bereit ist, die Konsequenzen dafür auf sich zu nehmen, schiebt er seinen Mors in die Warteschleife und hält solange aus, bis er sich endlich als Opfer fühlen kann.


    Zimttee, Dein Beitrag hat mir unglaublich gut gefallen. Trotz der schlimmen Erlebnisse in Deiner Kindheit bist Du in der Lage gewesen, sachlich, klar und vor allem mit der notwendigen Distanz nach einer Lösung zu suchen.


    GeReizt


    Katha



    Bitte um Sachlichkeit, auch bei diesem Thema. Mit verbalen Rundumschlägen ist niemanden geholfen. Danke Morgenrot

  • Hallo Karl65,


    herzlich willkommen in diesem Forum. Hier findest Du alles für einen klaren Kopf.


    Jetzt erkläre doch bitte einmal was verprügelt heißt? Bist Du weggesperrt, hast Du Kontaktverbot oder war das nur mal so, weil das Hirn mal kurz ausschaltete? Was kommt denn als nächstes, wer schützt Dich vor Deinem Ausschalten, wer schützt andere vor Dir?


    Wie Du hier lesen kannst, ist kein Alkoholiker in der Lage weniger zu trinken. Weg oder garnichst oder es wird garantiert immer schlimmer. Denkst Du bei Dir wäre es anders?


    LG Karl

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Also Katharsis, mal ehrlich, schön wenn du so ein nüchterner, erwachsener Mensch bist, der so einfach gehen kann, aber warst du das schon immer? Wenn ja, frage ich mich, wenn du so gut klar kommst, warum du dann in diesem Forum bist. Und wenn nicht, erinnere dich mal bitte an den Anfang deines Weges. Deinen Beitrag hier finde ich äußerst anmaßend, verurteilend und arrogant! Dir scheint mit deiner Geschichte jegliche Form von Mitgefühl oder Verständnis abhanden gekommen zu sein. Ein kleines bisschen Empathie ist immer angebracht, vielleicht findet man für das, was man sagen will, dann nicht ganz so harte Worte. Hast du noch nie die Beherrschung verloren? Warst du noch nie in einer Ausnahmesituation? Hast du noch nie etwas verwerfliches getan? Dein Post kommt mir vor, als hättest du ohne Reflektion und Distanz einfach raus gelassen, was dir gerade durch den Kopf geht. Als wärst du davon überzeugt, der inzige klar sehende Mensch zu sein, aber es gibt niemals nur eine richtige Sichtweise. Wir sind hier alle keine Therapeuten, das ist hier ein Forum, Meinungsaustausch ist das Zauberwort. Wenn du dich in einer realen Shg so auslassen würdest... "hält solange aus bis er sich endlich als Opfer fühlen kann". Gehts eigentlich noch?

  • Hallo,


    erst einmal danke, dass es Menschen gibt, die sich meinen Lebensmüll durchlesen und sich Zeit nehmen, mir zu antworten.


    Ich muss gestehen, dass ich mich trotz aller Geschehnisse bisher mit der Krankheit nicht ausreichend auseinander gesetzt habe. Vielleicht wollte ich einfach verdrängen.


    Habe ich richtig verstanden? Auch wenn ich selbst die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, würde mir die Mehrzahl der Forenmitglieder einen radikalen Schnitt empfehlen? Ich will noch einmal betonen: Es gab weder von mir noch von meiner Frau bisher einen Versuch externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.


    Und noch eins: Ich habe mich vielleicht nicht genug bewegt und sitze hier derzeit in einer Schockstarre. Allerdings tue ich das nicht, weil ich gern Opfer bin. Ich tue es aus meinem Verantwortungsgefühl heraus. Ich möchte mich den Dingen stellen, auch den unangenehmen. Wenn ich scheiter, kann ich immer noch weglaufen und meine Kinder ohne Mutter groß ziehen. Und jetzt kommt ihr auf den Plan und sagt mir: "Alkoholierin? Dann pack am besten gleich deine Sachen und gehe deine eigenen Wege."


    Vielleicht habt ihr ja Recht und ich muss es einfach nur für mich als einzigen Weg akzeptieren.


    Übrigens: Gerade habe ich mich mit ihr ausgetauscht (Restalkohol JA, aber im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte). Ich habe mich bemüht, sachlich zu bleiben und die möglichen Wege für mich mit und ohne sie aufzuzeigen. Ihre Aussage: Ja, das mit dem Alkohol geht ja wirklich nicht. Als Alkoholikerin sieht sie sich gar nicht. Als Krankheit würde sie es auch nicht einstufen. Aber sie sucht im Leben einfach einen Kick. Da ich ein Langweiler bin, hat sie sich den Kick eben so geholt." Sie hat sich für nächste Woche einen Termin bei einem Psychologen gemacht. Sie möchte klären, warum sie so unzufrieden mit ihrem Leben ist, obwohl sie eigentlich nur zufrieden sein kann. Sie hat dann den Raum verlassen. 30 Min. später gehe ich in die Küche und muss feststellen, dass sie sich abgeschossen hat...


    Übrigens: Meine Kinder sind noch alle schulpflichtig (Grundschule, Mittelstufe, Oberstufe).

  • Hallo Karl,


    ich sag mal so, ein Alkoholiker muss seine Krankheit einsehen, und sich helfen lassen wollen. Sonst dreht sich die Spirale immer schneller und weiter nach unten. Ich habe da lange für gebraucht, obwohl ich nicht saufen wollte.


    Oft, nicht immer, braucht ein Alkoholiker einen Tiefpunkt, um die Kurve zu kriegen. Manche schaffen es eben garnicht. Der Tiefpunkt kann der Verlust des sozialen Umfelds sein, aber eben nur kann.


    Deine Frau ist noch nicht bereit, scheint es. Also kannst Du nur ausharren, oder Konsequenzen ziehen. Hilfe von aussen, warum denn nicht. Selbst wenn Deine Frau nicht will, Du kannst sie ja nicht zwingen, gilt es auch nach Dir zu schauen. Wenn ich meinen Mann verprügelt hätte, würde ich das schon durchleuchten wollen, warum, wieso weshalb. Auch wenn der Grund (zunächst) offensichtlich auf der Hand liegt, gibt es oft tiefere Ursachen. Desweiteren kannst Du Dir auch eine Angehörigengruppe in Deiner Nähe suchen, um Dich (!!!) besser zu verstehen und Dir Hilfe zu holen.
    Tu Deinen Kindern dieses Leben nicht an. Es gibt immer eine Lösung, auch mit der Arbeit, da bin ich ganz sicher. Viele andere haben das auch schon geschafft.


    LG
    Charlie

  • Hallo Karl,


    Zitat

    Egal was ich tue, sie dreht alles so hin, dass sie einen Streit draus machen kann. Am nächsten Tag ist alles vergessen, es darf nichts erwähnt werden und sie kommt liebevoll auf mich zu und küsst mich.


    genauso habe ich es auch erlebt.
    Alles wird so gedreht, das der andere sich schuldig fühlt. Damit gibt der nasse Alkoholiker seine Verantwortung für sich ab.
    Das du deine Frau geschlagen hast, finde ich überhaupt nicht gut. Gewalt ist nie eine Lösung.
    Ist es nicht viel mehr deine Hilflosigkeit, die dahinter steht ? Ich möchte das geschehene damit auf keinen Fall entschuldigen, aber dich ermutigen, da mal hinzusehen.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot, hallo Charlie,


    klar ist meine Hilflosigkeit, Trauer und Wut über diese aus meiner Sicht völlig unnötige Situation der Grund für meinen Ausraster. Ich habe mich auch nur aus diesem Grund hier angemeldet.


    Charlie, für mich haben in meinem Leben Drogen noch nie eine Rolle gespielt. Ich trinke gern mal ein Bier, lasse eine angebrochene Flasche aber auch stehen. Ich habe deshalb schon ein Problem zu verstehen, wie man so weit abdriften kann.


    Mir gegenüber sagt meine Frau, dass Sie keine Alkoholikerin ist. Heute morgen hat sie gesagt, dass es ein Genussprolbem im Allgemeinen ist: Essen, Trinken, Luxus, Zweisamkeit, sie bekommt von nichts genug. Deshalb müsse sie nur Ihre Psyche in Ordnung bringen.


    Mal ehrlich, kann es wirklich sein, dass sich ein Mensch so wenig reflektieren kann? Kann es tatsächlich sein, dass sie sich als "normal" empfindet, obwohl sie regelmäßig abstürzt und ich ihr Diskussionen aufdrücke???


    VG
    Karl

  • Hallo Karl


    nun hast du ja selbst gesehen das deine Grenzen erreicht sind und du machtlos gegenüber deiner Frau Ihr Suchtproblem bist . Selbst raus prügeln klappt nicht . Das ich auf das schärfste verurteile. Selbst da brauchst du erst mal vordergründig Hilfe.


    Also bleibst nur noch du übrig, um etwas für dich zu tun. Ich würde ein ein Ultimatum für die weiter Vorgehensweise setzen und wenn es nicht hilft, die Konsequenz daraus ziehen ,bevor noch etwas schlimmeres passiert.


    Du kannst dich aber noch weiter im Kreis drehen und immer wieder auf deine Frau eingehen Ihr Verhalten im Suff analysieren , wie in den 5 Jahren zuvor.


    Es gibt auch kein typischer Alkoholiker der so reagiert , wie es bei dem Einzelnen hier war. Deswegen ist ein Verallgemeinern nicht hilfreich.


    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • ...upss...da wars weg...


    das Gewalt nicht akzeptabel ist, da sind wir uns hier alle einig. In den zahlreichen Co Berichten hier im Forum war nur ziemlich selten von Gewalt des oder der Co gegenüber der Alkohol Partnerin bzw. dem Partner zu lesen.


    Gewalt gegenüber dem Alkohol Partner scheint somit nicht die Regel zu sein. Jede Co Abhängigkeit äußert sich unterschiedlich, es gibt viele Gemeinsamkeiten, manches ist bei jedem einzigartig in seiner Co Abhängigkeit.


    Ob Gewalt gegenüber dem Alkoholpartner dann ein individuelles Zeichen von Co Abhängkeit ist oder gar in jedem von uns steckt oder andere Gründe hat könnte man sich genauer ansehen und damit muß sich der Betroffene auseinandersetzen. Das Du keine Wiederholung willst hast Du ja bereits geschrieben.


    Was ich sagen will: ich halte nicht viel davon, jetzt über Dir die Moralkeule zu schwingen. Es geht darum, dass Du Dir hier Hilfe suchst und Austausch möchtest, und das sollte vorurteilsfrei erfolgen. Ehrlichkeit gehört dazu und dafür ist die Anonymiät des Forums auch da. Das evtl. Einzelne hier möglicherweise Gewalt erfahren haben und daher aus eigenem Gewalterlebnisleid möglicherweise betroffen oder vorwurfsvoll reagieren - so eine mögliche Sichtweise - fände ich nachvollziehbar.


    Jetzt, so finde ich, gehts um Dich und Deine Situation. Ich wünsche Dir hier einen guten Austausch.


    hast Du mal daran gedacht zu einer Beratungsstelle zu gehen? Es gibt zB bei der Caritas oder der Diakonie Beratungsstellen für Alkoholkranken sowie für deren Angehörige. Ich hatte damals dort auch Hilfe und Beratung gesucht und gefunden, ich bin immer noch sehr dankbar, dass es das Angebot gab.


    Gruß
    Rhein

  • Hallo Karl,


    Zitat

    Ich muss gestehen, dass ich mich trotz aller Geschehnisse bisher mit der Krankheit nicht ausreichend auseinander gesetzt habe. Vielleicht wollte ich einfach verdrängen.


    Habe ich richtig verstanden? Auch wenn ich selbst die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, würde mir die Mehrzahl der Forenmitglieder einen radikalen Schnitt empfehlen? Ich will noch einmal betonen: Es gab weder von mir noch von meiner Frau bisher einen Versuch externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.


    Da liegt doch ein erster Ansatz hinzuschauen, was Alkoholismus überhaupt ist und was es bedeutet. Mir ging es damals so, dass ich mit ziemlichem Falschwissen ausgestattet war, trotz Kind eines Alkoholikers. Zum einen, weil ich es auch lange gar nicht anders Wissen wollte und zum anderen, weil viel "frisiertes" Wissen im Umlauf ist.


    Bei mir selbst wurde ein Weg draus, als ich einfach nicht mehr wollte und die Erfüllung oder *Kick*, den ich mir vom alltäglichen Zuschütten erhoffte, nicht mehr einsetzte. Ich fühlte nur noch eine große Leere, die bewirkte bei mir, dass ich anfing umzudenken.
    Kein Mensch, unabhängig ob mit Liebe oder mit Gewalt hätte mich dazu bewegen können, wenn ich es nicht selbst gewollt hätte.


    Bei mir war es im Übrigen anders herum. Ich erkenne vollständig an, dass ich Alkoholikerin und richte seitdem ich das weiß, mein Leben danach aus. Viele Menschen, die an meiner Seite waren, sind es heute nicht mehr. Weil sie den Weg nicht mitgehen konnten.


    Für viele Menschen da draußen ist übermässiges Trinken eben eine Willenschwäche.


    Ich denke, wenn du die Hoffnung noch nicht aufgegeben hast, schau' dass du dich informierst und dich aufklärst, worum es bei dieser Sucht geht - und lass' dir in deiner Hilflosigkeit helfen.


    Alles Gute für dir,
    Maria

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