Hätte es nicht gedacht

  • Guten Tag zusammen
    Am 21.11. durfte ich mich bei Einigen von Euch vorstellen und nun bin ich "freigeschaltet". Ich darf mich nochmals vorstellen und erlaube mir das bereits Geschriebene reinzukopieren:



    Hätte es nicht gedacht, dass ich hier mal schreibe. Nächstes Jahr werde ich 60 und ich will was ändern.
    Bin seit knapp 10 Jahren geschieden, arbeite seit 20 Jahren am gleichen Arbeitsplatz (Verwaltung), lebe in einer recht großen Villa mit der 95 jährigen Mutter, kümmere mich um den Garten und habe keinen großen Kontakt zur "Aussenwelt".
    Und trinke seit 6 Jahren regelmäßig 2 Flaschen Wein (1.5 Liter) zw. 18 und 22 Uhr. Am Samstag und Sonntag manchmal auch das Doppelte/Dreifache. Aber dann über den ganzen Tag verteilt.
    Vor 3 Jahren besuchte ich eine Therapie, trank ca 2 Monate nichts und diesen Frühling war ich wieder in einer Therapie "kontrolliertes Trinken". Mein Ziel war, nie mehr allein zu trinken. Also bis heute hat sich nichts geändert. Der Grund meines Alkoholismus ist schlicht und einfach die Langeweile. Den Job habe ich im Griff und ich freue mich schon am Nachmittag, zu Hause in meiner eigenen Stube eine Flasche zu öffnen. Dann das wohlige Gefühl des Nichtstun und des Zudröhnen.


    Die damaligen Therapeuten meinten: Such dir ein Hobby. Mache Bekanntschaften etc. Aber als übergewichtiger Langweiler, ohne große Phantasie, als Mann ohne Eigenschaften, ist dies leichter gesagt als getan.


    Und jetzt will ich nicht mehr trinken. Ich gehe daran zugrunde und je mehr ich trinke desto lethargischer werde ich.


    In diesem Forum stöberte ich schon lange. Und jedesmal, denke ich, jetzt reichts. Die Anderen haben es auch erreicht.



    Soweit meine Vorstellung. Auf Anraten von Martin besuchte ich heute (24.11.) einen Arzt. Führten ein gutes und intensives Gespräch. Treffen uns jetzt alle 2 Wochen.
    Seit fünf Tagen trinke ich keinen Alkohol mehr und versuche dies durch zuziehen. Obwohl ich enorm mit mir kämpfe, ob dies der richtige Weg sei. Meine Überheblichkeit gegenüber dem Alkohol ist noch lange nicht vorbei. Rausch versus Vernunft. Konsum versus Aktivismus. Lethargie versus Interessen/Neugierde.


    Körperlich nahm ich den bisherigen Entzug nicht groß wahr. Der Schlaf hatte keine große Qualität und die Gedanken drehen sich in den letzten Tagen fast ausschließlich um den Alkoholverzicht.


    Euer Forum, Eure Beiträge beschleunigten meinen Beschluss und ich danke Euch allen, dass es soweit kam.
    Liebe Grüsse
    Ernest

  • Hallo Ernest & Willkommen im Forum! :D


    Du hast ein ähnliches Trinkmuster wie ich damals. Ich war auch nicht so der Gesellschaftstrinker.


    & auch mein Sozialleben wurde von sämtlichen Therapeuten bemängelt.


    Ich weiß ja nicht, wie abseits du wohnst, aber so aus dem Bauch heraus denke ich auch, du musst unter Menschen.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Hallo Dante. Danke für deine Rückmeldung.
    Nein, es ist die Langeweile. Ich habe immer Alkohol getrunken. In den jungen Jahren mit Freunden, später noch mit Kollegen, viel gelacht und geblödet. Aber immer begleitet von einen unsichtbaren Schutzengel: bevor ich die Kontrolle über mich komplett verlor, verschwand ich. Mit dem Alter und Familie beruhigte sich das Ganze, aber der Alkoholkonsum verschob sich von der Kneipe nach Hause.Zuerst ein Glas, dann zwei etc etc Jetzt sind es 2 Flaschen an den Wochentagen. Die 3. Flasche habe ich noch nicht im Griff: Am nächsten Tag kann ich nicht mehr ordentlich arbeiten. Und dass es nicht soweit kommt, bin ich hier.
    Ja Dante, du hast recht: ich wohne auf dem Lande. Musste schon zwei mal den Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgeben, das letzte Mal vor 13 Jahren. Und da ich nicht in der Lage bin nur ein Glas Wein zu trinken, vermeide ich manchmal Feste oder ähnliches. Ich vermisse das aber auch nicht.
    Lieber Gruss
    Ernest

  • Hallo Ernest!
    Gut, dass du hier angekommen bist!
    Ich habe deine Geschichte mal gelesen, weil ich doch noch immer wieder versuche, meinen Mann zu verstehen. Vergeben habe ich schon. Oder zumindest eben versucht.
    Aus meiner langjährigen Mitleidenschaft würde ich spontan behaupten, dass du dringend eine richtige Therapie, sprich Entzug ,brauchst, in der nicht nur deine Sucht, sondern auch dein Leben neu angedacht wird. Mit großem Abstand von Zuhause und superguten Therapeuten, die dir auch richtige Pläne für deine Zukunft aufzeigen. Leider hat mein Mann dafür immer "Ausreden" gehabt.
    O.k. die hatte ich lange Jahre für mich auch ( Haus mit alten Eltern, Garten, Kinder...) aber dann GsD eingesehen, dass es nicht anders möglich war, als mein Leben komplett zu verändern.
    Und siehe da! Es geht auch so weiter!
    Lies dich hier ruhig durch. Du wirst viele Antworten finden, viele neue Wege.
    Herzlich Willkommen! Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Danke Gotti für die Hinweise. Ich muss mir dies alles überlegen.
    Heute Vormittag erledigte ich meine Einkäufe in "meinem" Einkaufsladen. Da kam der Händler: Ciao Ernest. Konnte wieder von deinem Lieblingswein einkaufen Zum Vorzugspreis. Wenn du willst, stelle ich dir ein paar Flaschen auf die Seite". Ich: Ähhh, ehhhh, ja, nein, habe noch ein paar Flaschen zu hause. Danke. Melde mich." Und ab.
    Sch.....
    Heute Abend feiert meine Tochter ihren Dreißigsten bei sich zu Hause. Selbstverständlich bin ich auch anwesend. Klar wird im normalen Rahmen auch Wein getrunken. Da ich mir vor-/gestern den Schnupfen geholt habe, denke ich, dass es nicht groß auffällt, wenn ich Tee trinke. So muss ich mich auch nicht erklären. Alle Anwesenden sind ja gewöhnt, dass ich nicht "in ein Glas spucke".
    Gleichwohl bin ich im Moment gereizt. Der Händler, die Geburtstagsfeier..... wie geht schon wieder der blöde Spruch: Man hats nicht leicht, aber leicht hats ihn.
    Lese jetzt noch eine Weile im Forum und wappne mich.
    Wird wohl schiefgehen.
    Ist ein solcher Entzug planbar? Hätte ich meinen Entscheid vor dem Urlaub gefasst und wäre dann 2-3 Wochen in einem Kurhotel verschwunden, niemand hätte was gemerkt. Aber ich denke nicht, dass ich so einen Schritt planen könnte. Der Moment muss stimmen.
    Liebe Grüsse
    Ernest

  • Hallo!



    Der Händler wird wieder fragen. Mein Rat: Mach die Einkäufe demnächst woanders.


    30. der Tochter: "Da genügt heute erst mal der Hinweis: "Danke, ich nehme Medis wegen der Erkältung, die vertragen sich nicht mit Alk, auch nicht mit einem kleinen Gläschen."


    Übrigens: Einige Herrschaften hier im Forum, gingen heute abend nicht dort hin, weil ihnen ihre Trockenheit wichtiger ist. Auch ich habe Zweifel, ob eine Feier der richtige Ort für einen frisch Abstinenten ist.


    Du wärst gut beraten, mal darüber nachzudenken, wer in deinem Umfeld eingeweiht werden soll.


    Das wird hier im Forum unterschiedlich gehandhabt. Ich habe genau diejenigen informiert, die ich auch sonst von einer ernsten Erkrankung unterrichten würde. Die Alkoholkrankheit ist eine solche lebensbedrohliche Krankheit.Andere hier im Forum ziehen den Kreis weiter. Jeder so, wie er/sie es für richtig hält.


    Abschließend: Sich klammheimlich aus der Sucht schleichen zu wollen, erscheint mir nahezu unmöglich.


    Gruß Carl Friedrich

  • Danke Carl Friedrich für Deine Meinung.


    Zitat

    Auch ich habe Zweifel, ob eine Feier der richtige Ort für einen frisch Abstinenten ist.


    Was hat denn meine Tochter dafür, dass sich der Papa spontan entschlossen hat nicht mehr zu saufen? Nein, dieser Geburtstag ist mir sehr sehr wichtig.


    Zitat

    Abschließend: Sich klammheimlich aus der Sucht schleichen zu wollen, erscheint mir nahezu unmöglich.


    Ich habe ja auch klammheimlich gesoffen. Niemand weiß, welche Mengen ich in mich einschüttete (Mit Ausnahme des Arztes und Euch)


    Nein, das benötigt noch seine Zeit. Kommt noch dazu, dass ich "quasi alleine" wohne. Meine Kinder (30 und 28 jährig) sehe ich ca. 2 x monatlich. Sie leben in anderen Gegenden und sind beruflich stark engagiert. Und wenn wir uns treffen, so bin ich nüchtern. Was soll ich sie da schocken? OK, wenn ich STERBENSkrank wäre, so sähe die Sache anders aus.


    Lieber Gruss
    Ernest

  • Hallo Ernest,


    erstmal ein Herzliches Willkommen hier im Forum.
    Gut, das Du hergefunden hast.


    Ich möchte mich Carl Friedrich`s Worten zu 100 % anschließen !
    Die meissten Langzeittrockenen hier handhaben es nach den "Grundbausteinen", die Du unter "Zu den Informationen" hier im Forum leicht abrufen kannst.
    Ich möchte dringend dazu raten, sich an die Grundbausteine zu halten, denn die wurden hier erarbeitet von Leuten, die wissen, wo es lang geht.


    Ich habe hier das für Dich momentan relevante herauskopiert:


    Ich erzähle mal von mir:
    Ich bin mittlerweile über 15 Jahre trocken.
    Die ersten 1,5 Jahre bin ich auf gar keine Feier gegangen, das war mir viel zu riskant.
    Die erste Feier, die ich überhaupt wieder besuchte, war der Nachmittagskaffee auf meinem Bruders Geburtstag.
    Ich habe nichts verpasst in der Zeit, wo ich gar keine Feier besuchte!
    Die Welt hat sich trotzdem weiter gedreht, und ich habe mir erst einmal eine halbwegs stabile Trockenheit aufgebaut.
    Das war mir nämlich viel wichtiger als alles andere.


    Und Du weißt auch im Grunde, das der Geb. Deiner Tochter momentan ganz sicher nicht der richtige Ort für Dich ist.
    Denn Du schriebst:

    Zitat

    Gleichwohl bin ich im Moment gereizt. Der Händler, die Geburtstagsfeier..... wie geht schon wieder der blöde Spruch: Man hats nicht leicht, aber leicht hats ihn.


    Die Gereiztheit könnte auch was mit Unwohlsein zu tun haben... denn Du weißt innerlich, das Du dort nicht hingehörst.


    Ernest, ich möchte Dir wirklich ganz dringend die Grundbausteine ans Herz legen, sonst hast Du die Pulle schnell wieder in der Hand.
    Schau mal... so eine Geb. Feier, wo getrunken wird:
    Da stehen Gläser mit Alk auf dem Tisch... beschlagene Bierflaschen, Weingläser evtl... das kann das Suchtgedächtnis extrem triggern!
    Dann wird evtl. angestoßen und schwupps, stehst Du schon mit einem Glas Sekt oder was auch immer in der Hand da...
    Was meinst Du wohl, wie weit denn auch innerlich der Alk noch von Dir entfernt ist??
    Geh bitte nicht so ein unnützes und dummes Risiko ein !
    Es geht hier um DICH und nicht um andere... was die denken könnten !
    Denn wenn DU wieder säufst, ist das anderen egal... aber DU steckst dann wieder im elenden Saufschlamassel !
    Und nur DU kannst da raus, das kann kein anderer für Dich tun.


    Zitat

    Ich habe ja auch klammheimlich gesoffen. Niemand weiß, welche Mengen ich in mich einschüttete


    Sehr niedlich :wink:
    Glaubst Du wirklich, das es niemand wußte, oder zumindest ahnte?
    Auch wenn andere nicht Deine genauen Trinkmengen kannten... sie ahnten sicher doch, was los ist.


    Zitat

    Alle Anwesenden sind ja gewöhnt, dass ich nicht "in ein Glas spucke".


    Genau ! Und sie wußten oder ahnten sicher noch viel mehr.
    Ich weiß, eine unangenehme Vorstellung, aber is meist trotzdem so.


    Dann mal noch zu dem "klammheimlich trocken werden wollen..."
    Das taugt nix und wird auch nicht funktionieren.
    Und warum auch? Du hast eine KRANKHEIT und Dir steht darum auch Hilfe zu.
    Da ist nix dabei.
    Und möchtest Du denn wirklich Deine lieben Menschen um Dich herum weiterhin anlügen?
    Waren denn die Lügen für den Alk noch nicht genug? Denn um die Alkoholsucht geheim zu halten, muss man ja auch lügen, oder?
    Hast Du das nie getan?
    Ich habe es oft getan.


    Ich für meinen Teil habe mich ganz bewußt für Ehrlichkeit bezüglich meiner Krankheit entschieden.
    Das heißt aber noch lange nicht, das ich n Brett vorm Kopf habe, wo "trockene Alkoholikerin" drauf steht.
    Die Menschen, mit denen ich engen Umgang habe, wissen es allerdings alle.
    Das ist auch wichtig für mich selbst.
    Ich für meinen Teil habe mich dafür entschieden, nicht mehr lügen zu wollen für den Alk. Und ebenso wenig lüge ich bezüglich meiner Krankheit.
    Ich möchte doch auch nicht von meinen Angehörigen und engsten Freunden belogen werden über gravierende Dinge.
    Im Gegenzug biete ich das Gleiche an.


    Ernest, Du steht noch ganz am Anfang Deiner Abstinenz.
    Da kannst Du vieles einfach noch nicht wissen.
    Niemand weiß von Anfang an, wie man es am besten macht, sich ein trockenes Leben aufzubauen.
    Wir alle standen mal an dem Punkt, wo Du gerade stehst.
    Aber hier sind Menschen (Langzeittrockene), die den Weg bereits kennen.
    Höre besser auf sie... hier meint es ja niemand böse mit Dir, ganz im Gegenteil.
    Wir sind hier, um uns auszutauschen und so auch anderen Wege aufzuzeigen, wie ein trockenes Leben möglich werden kann.
    Und da gibt es nicht allzu viele Alternativen, das ist zumindest meine Meinung.
    Hier sind Menschen, die gern helfen wollen, die Dir die Hand reichen.
    Du musst nur zugreifen... und manchmal auch einfach nur machen, auch wenn Du den Sinn dahinter noch nicht 100% versteht.
    Das wirst Du aber, wenn Du am Ball bleibst :wink:


    LG Sunshine

  • Hallo sunshine
    Danke vielmals für deine Worte. Ich werde morgen alles nochmals genau durchlesen. Aber jetzt bin ich in Eile und fahre zu meiner Tochter (1.5 Std Autofahrt).
    Meine Tochter ist mir wichtiger als meine Gesundheit. Und ich schaffe das heute Abend.
    Bis morgen
    Lieber Gruss
    Ernest

  • Hallo, ich finde es schön, Dich nun hier zu lesen :-)


    Ich würde alles erstmal in Ruhe sacken lassen, was Du hier so gelesen hast.


    Die Entscheidungen triffst Du natürlich ganz allein. Dass Du heute gern zu dem Geburtstag Deiner Tochter gehen möchtest, kann ich nachvollziehen, zumal sie auch gar nicht weiß, was los ist. Wenn Du ihr schon erzählt hättest, dass Du keinen Alkohol mehr trinken möchtest, wäre es sicherlich einfacher zu erklären. Auf Dauer würde ich aber auch meinen engsten Leuten anvertrauen, was los ist. Dann können sie sich besser drauf einstellen und es wird weniger Situationen geben, wo Dir unwohl ist, da entsprechend gehandelt wird.


    Vielleicht wäre es eine Idee, dass Du gleich bei Ankunft sagst, dass es Dir nicht gut geht (Carl Friedrich hatte ja noch den Tip „kein Alkohol wegen Medikamente) und wenn Du merkst, dass Du Dich zunehmend unwohl fühlst, kannst Du ja gut begründen, weshalb Du z.B. früher gehst.


    Setz Dich erstmal in Ruhe mit allem auseinander in den nächsten Tagen, würd ich sagen.


    Kannst Dich ja morgen mal melden, wie es Dir so geht.


    Und denk dran: Die schlaflosen Nächte werden weniger werden :-)

  • Guten Tag zusammen
    Ich las den Beitrag von sunshine mehrmals durch. Nach dem ersten Durchlesen kam mir der Gedanke, ob ich vor 39 Jahren aus der kath. Kirche austreten bin, um jetzt in eine neue Religionsgemeinschaft einzutreten ("es führt nur ein Weg ins Himmelsreich")? Erst beim mehrmaligen Durchlesen erkannte ich die guten Gedanken und die Hilfeleistung. Danke. Cadda spürte vermutlich meine "Trotzreaktionen" und schrieb so schön: Erst einmal in Ruhe sacken lassen. Mache ich.


    Der gestrige Abend verlief grandios. Wir waren 12 Personen, diskutierten, lachten und hatten es gut. Nur einmal nahm mich meine Ex-Frau beiseite und fragte: Kein Wein heute? - Habe den Schnupfen - Sie: na klar doch. Und wir grinsten uns an. Beim Abräumen bemerkte ich, dass die anderen 11 Personen 3 Flaschen Wein getrunken haben. Nicht jedes Fest muss in ein Trinkgelage ausufern...


    Und um solche Familienfeste weiterhin genießen zu können, bin ich (auch) hier bei Euch.


    Heute wird dies mein erster alkoholfreier Sonntag sein (hoffentlich). Vor SOLCHEN freien Tagen habe ich angst. Herumtigern, unkonzentriert ein Buch lesen, gleichzeitig fern schauen, trotz Grippe raus gehen und spazieren. Und immer wieder die teuflischen Gedanken an das wohlige Gefühl, besoffen auf dem Fernsehstuhl zu hocken und zu dösen.


    Wenn ich es schaffe, an den freien Tagen und an den Feierabenden nicht mehr zu trinken, so denke ich, habe ich den steilsten Weg hinter mir.


    Und zudem hoffe ich, dass Cadda recht hat, dass die Schlafqualität mit der Zeit zunimmt.


    Ich wünsche Euch allen einen angenehmen Sonntag
    Liebe Grüsse
    Ernest

  • Hallo Ernest,


    Zitat

    Nach dem ersten Durchlesen kam mir der Gedanke, ob ich vor 39 Jahren aus der kath. Kirche austreten bin,
    um jetzt in eine neue Religionsgemeinschaft einzutreten ("es führt nur ein Weg ins Himmelsreich")?


    :shock: Ach Du meine Güte, komme ich wirklich so rüber ? :(
    Ich habe es so gar nicht mit Religionsgemeinschaften. Mit denen habe ich eher arge Probleme.


    Ernest, ich bin seit über 10 Jahren (mit Unterbrechungen) in diesem Forum.
    Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie viele ich da kommen und auch gehen sah?
    Wie viele Geschichten ich las... es waren sicher Hunderte, und noch mehr.
    In diesem Zusammenhang las ich auch immer wieder von "individuellen Wegen" aus der Sucht,
    zusammengestrickt von "Frischlingen", die möglichst wenig an ihrem Leben ändern wollten aus Bequemlichkeitsgründen und evtl. auch Scham.
    Auf LZT wurde nicht gehört, sich vielleicht sogar noch drüber lustig gemacht.
    So, und dann sind diese Leute von heute auf morgen weg. Schreiben hier nicht mehr.
    Warum wohl nicht? Weil ihr "individueller Weg" so erfolgreich war?
    Glaube ich nicht, bzw. weiß ich auch teilweise, das es nicht so war, denn einige kommen wieder, weil sie damit (wieder mal) gescheitert sind.
    Und wollen es dann doch nochmal angehen und dieses Mal die Erfahrungen der Langzeittrockenen annehmen und auch umsetzen.
    Also schließe ich daraus, das es eben nicht unendlich viele Wege aus der Sucht gibt.


    Ich frage (mich) auch, was man denn zu verlieren hat, wenn man mal das tut, was sich längst bei sehr vielen Menschen als erfolgreich herausgestellt hat?
    Ich erfinde ja auch das Rad nicht jeden Tag neu, weil es gar nicht notwendig ist.


    Zitat

    Erst beim mehrmaligen Durchlesen erkannte ich die guten Gedanken und die Hilfeleistung.


    Es war auch als Hilfeleistung gemeint und nicht als "Predigt".
    Ich möchte Dir auch nahelegen, hier mal die gesamten Grundbausteine durchzulesen, so viel ist es ja nicht.
    Dann erkennst Du auch die Hintergründe, warum wir zu diesem und jenem raten oder eben auch abraten.


    Zitat

    Meine Tochter ist mir wichtiger als meine Gesundheit. Und ich schaffe das heute Abend.


    Du wolltest diese Sache unbedingt durchziehen, da hätte Dich ja eh nix von abhalten können.
    Nur ist es absolut kein Zeichen von Stärke, sich im Umfeld trinkender Menschen aufzuhalten, sondern in meinen Augen Leichtsinnigkeit bis Dummheit
    und das ganz besonders am Beginn der Abstinenz.
    Der Krug geht immer nur zum Brunnen, bis er bricht....


    Was hat denn Deine Gesundheit mit dem Geburtstag Deiner Tochter zu tun?
    Und meinst Du, Deine Tochter wäre glücklich mit dieser Aussage, das sie Dir wichtiger ist als Deine Gesundheit?
    Meine Tochter (auch längst erwachsen) wäre eher entsetzt über solche Aussagen, sie würde mir dann wohl sagen,
    das ich mich um meine Gesundheit zu kümmern habe, und sie kümmert sich um ihre.
    Und wenn wir gegenseitige Hilfe brauchen, können wir ja drum bitten.


    Diese Aussage von Dir hat mich gestern schon leicht schockiert, das muss ich gestehen.
    Bist Du Dir selbst denn nichts mehr wert?
    Möchtest Du denn kein schönes und zufriedenes Leben für Dich (ohne abhängige Sauferei)?
    Hast Du kein schönes und lebenswertes Leben verdient, oder wie siehst Du das?


    Wir schreiben hier öfters vom "gesunden Egoismus". Ich halte das für wichtig, den zu entwickeln, wenn man trocken leben will.
    Und ich frage mich, wie wir denn noch für unsere Kinder da sein können, ihnen helfen können bei Bedarf, wenn es uns selbst nicht gut geht?
    Ich denke, das unsere Kinder sehr viel glücklicher sind, wenn wir nicht mehr trinken müssen.
    Und nüchtern kann man auch viel besser helfen, als halb angesoffen oder verkatert.
    Ich selbst bin mittlerweile 3-fache Großmutter und habe oft die Enkelkinder bei mir.
    Das wäre ja gar nicht möglich, wenn ich noch saufen würde. Erstens würde ich das gar nicht auf Reihe kriegen,
    und zweitens würde meine Tochter mir sicher die Kinder dann nicht anvertrauen.
    So aber kann sie sich auf mich verlassen und ich kann sie so unterstützen.
    Das nur mal so als kleines Beispiel.


    Zitat

    Heute wird dies mein erster alkoholfreier Sonntag sein (hoffentlich). Vor SOLCHEN freien Tagen habe ich angst.
    Herumtigern, unkonzentriert ein Buch lesen, gleichzeitig fern schauen, trotz Grippe raus gehen und spazieren.
    Und immer wieder die teuflischen Gedanken an das wohlige Gefühl, besoffen auf dem Fernsehstuhl zu hocken und zu dösen.


    Ja, ich verstehe Deine Ängste und Befürchtungen.
    Aber in diesen Worten steckt ja auch schon die Erkenntnis, was Dich gefährdet.
    Und wenn man das schonmal weiß, kann man gezielt und aktiv dagegen angehen.
    Das alles gehört ja gerade zu der hier so oft genannten "Trockenheitsarbeit".
    :wink:
    Veränderungen einleiten, um nicht wieder saufen zu müssen.
    Und das alles macht man nicht so nebenbei, während man auf dem Sofa sitzt.
    Es ist auch ARBEIT, nach und nach Veränderungen einzuleiten.
    Trockenwerden ist kein Spaziergang, aber das verspricht hier auch niemand.
    Es gibt aber einen tollen "Lohn", nämlich die Freiheit:
    Keinen Alkohol mehr besorgen zu MÜSSEN, nicht mehr saufen zu MÜSSEN, nicht mehr Flaschen entsorgen zu MÜSSEN, nicht mehr lügen zu MÜSSEN.
    Und meine größte Freiheit war, immer überall hinfahren oder hingehen zu können, ohne drüber nachdenken zu müssen,
    ob ich überhaupt noch fahren darf?
    Ich kann mich noch gut erinnern, das ich gerade das am Anfang meiner Trockenheit als die größte Freiheit empfand.
    Ich bin oft Abends einfach nur so irgendwo rumgefahren, durch die Stadt, oder wohin auch immer, egal.
    Einfach, weil ich es konnte und durfte :)


    Zitat

    Und zudem hoffe ich, dass Cadda recht hat, dass die Schlafqualität mit der Zeit zunimmt.


    Ich glaube fest daran.
    Schau, es ist auch für den Körper eine große Umstellung, wenn der Alk nicht mehr nachfliesst. Der muss sich ja auch erstmal umstellen.
    Dazu kommen die nötigen Veränderungen, die auch durchaus erstmal Angst machen können.
    Und das Gefühl, NIE MEHR trinken zu können, so wie früher. Das kann durchaus Verlustgefühle und auch Ängste hervorrufen.
    Von daher sollte man anfangs am besten gar nicht so an das "nie mehr" denken, sondern lieber im 24 Stunden-Takt denken und leben, so nach dem Motto:
    HEUTE trinke ich nicht.
    So kommen auch Tage, Wochen, Monate und letztendlich auch Jahre zusammen. :wink:
    Ich habe anfangs, im Krankenhaus, sogar die Stunden gezählt :wink:


    Ja, und der Körper wird sich an die neue Situation gewöhnen, und Veränderungen dann auch wirklich anzugehen kann auch
    zu einem sehr befriedigenden Gefühl führen, das ist ja nicht nur negativ zu sehen (bzw. überhaupt nicht).
    Lebensveränderungen können doch auch sehr positive Gefühle hervorrufen, auch wenn es erst Angst machte.
    So zumindest meine persönliche Erfahrung.


    Und Du kannst hier jederzeit schreiben, nicht nur wenn es Dir gut geht, sondern ebenso wenn es Dir schlecht geht.
    Wenn es sein muss, auch minütlich oder stündlich, kein Problem.
    Denn alles (womit ich andere nicht schädige) ist besser als wieder saufen.


    LG Sunshine

  • Zitat von Sunshine_33

    :shock: Ach Du meine Güte, komme ich wirklich so rüber ? :(
    Ich habe es so gar nicht mit Religionsgemeinschaften. Mit denen habe ich eher arge Probleme.


    Daran anknüpfend: Ein klares NEIN. Eine Sekte ist das hier nicht.


    Es wurden halt Dinge direkt auf den Punkt gebracht, die Ernest offensichtlich nicht schmeckten.


    Zu so Feiern wie gestern pflegte mein ehemaliger Therapeut stets zu sagen: "Die Nummern gehen 10x gut, bei der 11ten kommt der Absturz".


    Ich dir nur den Rat geben, dich mit unserer Krankheit gründlich und nicht nur hier im Forum auseinanderzusetzen. Dafür bieten sich m.E. mal an:


    1.) Kontaktaufnahme zur Suchtberatung


    2.) Lektüre von Fachliteratur aus a) Patienten- und b) Therapeutensicht.


    Und werde bloß nicht leichtsinnig und wiege dich nicht in falscher Sicherheit, nur weil mal ein Abend unfallfrei endete.



    Was kann man heute so als Erkälteter unternehmen? Einen Spaziergang an frischer Luft, aber mit einem großen Bogen um mögliche Alkoholbezugsquellen wie Tankstellen, Kiosken, Imbissbetrieben, wo man sich evt. früher mal eingedeckt hat. Einfach mal Dinge tun, die dir auch Spaß machen. Mach dir doch einfach mal bewusst, was dir früher, vor deiner Sauferei, mal Freude bereitet hat und nicht automatisch mit dem Konsum von Alkohol verbunden ist.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo Ernest,


    wenn du spazierengehen willst, dann nimm eine Kleinigkeit zu essen und etwas Saft oder Sprudel mit, und laß den Geldbeutel zuhause.


    Hintergrund ist der, daß man auch sonntags überall etwas kaufen könnte.


    Und ohne Geld hat man Zeit rausgeschunden, wo evlt. aufkommender Suchtdruck in den Griff zu kriegen ist.


    Lieber Gruß, Linde

  • Hallo Ernest,
    so relevantes wie die Erfahrenen hier kann ich nicht schreiben, denn ich bin auch erst am Anfang, aber ich kann aus meiner unmittelbaren Erfahrung sagen, dass sich das Schlafverhalten bessern kann. Heute zum 14. Tag habe ich ca. 8 Stunden durchgeschlafen. Ich trinke übrigens gerne Ingwertee. Auf ein Liter 4 Scheibchen Ingwerwurzel, 10-15 Minuten kochen, abseien, versüßt mit Honig oder ein wenig Saft und hilft super gegen Erkältung, die nach den ersten Tagen des Nichttrinkens auch bekommen hatte. Liegt wohl an unserem Immunsystem. Einen schönen Tag, Stricke

  • Hallo :-)


    Ja, Du hast es gut erkannt. Ich hab gestern hier reingeschaut und war ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits mag ich direkte Worte und ehrliche Meinungen und konnte den Beitrag von Sunshine auch nachvollziehen. Anders herum konnte ich völlig verstehen, dass Du mit sowas erstmal überfordert bist und das in dem Moment an Dir abgeprallt ist, zumal das der Geburtstag Deiner Tochter war.
    Mir liegt jetzt bei dem Thema "sich solchen Feierlichkeiten auszusetzen" auf der Zunge, dass man ein Mittelmaß finden müsste. Dann würde es aber hier vermutlich Beiträge hageln, dass es bei Thema Alkoholismus keinen Mittelweg gibt und dass das Wichtigste die Trockenheit ist.
    Stimmt ja auch und es stimmt auch, dass keinem Familienmitglied und keinem noch so engen Freund damit geholfen ist, dass man sich ihm zu Liebe in Gefahr bringt. Dennoch empfinde ich dieses Thema auch als äußerst schwierig, denn es gibt ja auch gewisse Veranstaltungen, die man nicht dem anderen zu Liebe "über sich ergehen lässt", sondern wo man einfach auch persönlich ganz große Lust zu hat, weil es einem Freude bereitet.


    Ich lese ja auch schon einige Jahre hier mit und ich hab auch schon oft bemerkt, dass das wirklich ein Thema ist, bei dem immer mal wieder verschiedene Ansichten aufgetaucht sind. Richtig ist sicherlich das was in den Grundbausteinen steht. Und es ist auch gut, darauf hinzuweisen.
    Entscheiden muss aber letztendlich jeder für sich selbst.


    Ich habe mich bisher konsequent an alles gehalten, was geraten wird. Hinter diesem Thema kann ich allerdings auch nicht so ganz 100 prozentig hinter stehen. Deshalb hab ich mich bisher bei dem Thema hier auch zurück gehalten. Mag sein, dass es jetzt auch falsch ist, dass ich das offen zugebe, aber ich mach es einfach mal: Ich wäre vermutlich gestern an Deiner Stelle auch zu dem Geburtstag gefahren.
    Es könnte sein, dass es falsch ist. Aber es wäre albern, jetzt auf einen Zug aufzuspringen und so zu tun, als ob ich nicht gefahren wäre, wenn ich aber für mich weiß, dass es anders gewesen wäre.


    Ich sträube mich nicht vor dem Gedanken, das zukünftig zu unterlassen. Ich bin noch dabei, mich zu sortieren, was das Thema angeht.
    Gelesen habe ich darüber wirklich mehr als genug und ich hab auch verstanden, worum es geht.


    Was das Schlafen angeht: Glaub mir, es wird besser. Ich hab echt ein Problem damit gehabt am Anfang. Ich hatte schon gar keine Lust mehr, schlafen zu gehen, weil ich wusste, dass ich wieder schlecht träumen werde. Ich fand das wirklich belastend. Aber es wurde mit der Zeit immer weniger und immer weniger. Und das rückblickend sogar relativ schnell. Bei mir sind morgen 12 Wochen vergangen. Ich hab mir nicht genau gemerkt, seit wann die Träume nachgelassen haben und ich besser schlafen kann. Was ich aber weiß ist, dass ich seit 2 Wochen morgens fast immer wach werde, bevor mein Wecker klingelt.
    Ich gehe abends relativ zeitig schlafen und mein Körper ist einfach total ausgeruht, dadurch, dass er nicht ständig gegen den Alkohol ankämpfen muss. Dazu kommt, dass ich - seit dem ich nichts mehr trinke - wieder die Motivation habe, Sport zu machen. Das tut mir auch gut. Und wenn kein Sport, dann spazieren gehen.


    Es ist wie gesagt bei mir auch gerade mal 12 Wochen her, als ich aufgehört habe. Ich denke jetzt schon nicht mehr so oft daran, wie am "Anfang". Obwohl ich ja noch am Anfang bin :-)


    Und weißt Du was? Ich denke ab und zu "schade, ich hätte jetzt Lust, was zu trinken und angeschwipst zu sein". Dann denke ich den Gedanken immer zu Ende. Wie es weiter gehen würde und dann vergeht mir die Lust nach einer Weile.
    Wie gesagt, denke ich daran ab und zu. Von wegen "Schade...". Aber weißt Du, wie oft ich denke "Ein Glück.... dass ich nicht mehr trinke, dass ich jetzt nüchtern bin, dass es mir körperlich so gut geht, dass ich gerade keinen Kater habe..... und so weiter".


    Worauf ich hinaus will: Ich denke viel öfter "Ein Glück, dass...." als
    "Schade, dass...".


    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und gute Besserung :-)

  • Liebe Alle


    Tut so gut Eure Beiträge zu lesen.
    Bin im Moment sehr kribbelig. Sonntagnachmittag: das WAR (hoffentlich) meine "Lieblingszudröhnzeit"...


    Las wieder mal die Grundsteine. Zentraler Satz für mich ist (und dies ohne wenn und aber):
    "Gelingt es einem also, seiner Trockenheit oberste Priorität zu geben und neue Wege konsequent zu gehen ? Es liegt an einem selbst.
    Nur nichts trinken reicht nicht !"


    Dumm ist nur, dass man zuerst aufhören muss zu trinken, bevor man neue Wege geht. Also darf ich noch ein paar Feierabende und Sonntage ausharren, bis ich da aus dem Loch komme (sprich: alles unternehmen, nur nicht an Alkohol denken; aber zu unkonzentriert um neue Wege zu finden).


    Das Thema Alkoholumfeld sehe ich differenzierter. Nein, ich meine nicht die Partys oder Gelage. Die sind auch für mich für eine unbestimmte Zeit tabu. Ich habe/hatte keine Mühe, wenn andere in meinem Umfeld NORMAL Alkohol trinken. Sei dies eine Familienfeier oder Geschäftsessen. A propos Geschäftsessen: vor ca. 20 Jahren bedeutete dies Apero/Weisswein/Rotwein/Cognac. Heute, wenn überhaupt noch ein Glas Wein.


    Liebe sunshine
    Meine Kinder sind mir überaus wichtig. Wichtiger als alles andere. Und wenn ich schrieb, meine Tochter ist mir wichtiger als meine Gesundheit, so meine ich, dass ich ihr nicht an ihrem Geburtstag mitteile, dass ich alkoholkrank bin. Mit Sicherheit spreche ich mit ihnen. Und ich habe keine Angst davor, weil ich weiß, dass sie dies begrüssen. Aber der Zeitpunkt muss stimmen.
    Und ja, ich bin mit dir einverstanden, wenn du sinngemäß schreibst: wenn du dich nicht liebst, kannst du andere auch nicht lieben.


    Lieber Carl Friedrich
    Zu den Feiern. wenn sie 10 x gut gehen heisst das für mich 5 Jahre (2 Kinder = 2 mal jährlich Geburtstag). Aber dann bin ich hoffentlich trocken
    :D
    Danke für die Tipps. Punkto SHG bin ich immer noch am überlegen. Schritt um Schritt


    Liebe Linde66
    Ich wohne in den "Pampas". Weit und breit keine Shops.
    Danke für die Hilfe


    Liebe Stricke
    Oh, du warst auch krank? Ich bin seit x-Jahren wieder mal erkältet. Hatte der Alkohol doch noch was Gutes? :D
    Dein Rezept werde ich gerne austesten. Leider nicht heute, da Carl-Friedrich und Linde mir "strengstens verbieten" :D heute in einen Shop zu gehen.


    So. Jetzt gehts ein bisschen besser. Uff.


    Ich wünsche Euch einen schönen restlichen Sonntag
    Liebe Grüsse
    Ernest

  • Liebe Cadda


    Danke vielmal für Deine Worte. Es geht ja nicht um gute und wichtige Ratschläge auszuschlagen. Ich suche auch nicht eine individuelle Lösung für meine Krankheit.


    Aber überspitzt (!) gesagt, hänge ich auch nicht sklavisch an den Bausteinen. Sonst müsste ich weitersaufen, bis der Rettungsdienst kommt
    Zitat Bausteine:
    "Der Weg aus der Alkoholsucht setzt i.d.R. einen Tiefpunkt voraus, aus dem man die Erkenntnis geschaffen haben sollte, dass man sonst lebenslang vom Alkohol abhängig bleibt, damit sein Leben beendet."


    12 Wochen bist Du schon trocken. Ach, wäre ich auch schon so weit. Der Schlaf ist in der Tat mühsam. Letzten Sonntag verkatert, heute müde. :shock:


    Meine Erkältung wurde durch Husten ergänzt. Esoterisch gefragt: Wem will ich was husten? :D Wohl mir selber. Denke ich.


    Dir auch einen schönen Sonntag
    Lieber Gruss
    Ernest

  • Ich finde es super, wie Du auf alles Geschriebene so reagierst. Dafür, dass Du Dich jetzt erst mit allem auseinander setzt, finde ich, dass Du sehr offen für Ratschläge bist.


    Ich denke, Du bist auf einem guten Weg. Auch, dass Du zu gegebener Zeit Deine Familie informieren willst, finde ich toll. Dadurch können sich irgendwie alle besser drauf einstellen und mit der Situation umgehen.


    Schritt für Schritt gehts weiter!


    Ich war erst ein Mal bei einer Suchtberatung und hab nächste Woche dort noch einmal einen Termin. Ich möchte gern eine ambulante Therapie machen machen, gekoppelt mit Gruppengrsprächen ein Mal in der Woche. Wie lange und wie mir das alles gefällt, wird sich zeigen. Aber ich hoffe, dass ich dadurch noch gestärkter werde. Wobei ich durch das alles, was ich hier gelesen habe in den letzten Jahren auch schon bin.


    Aber ich möchte es zusätzlich mal ausprobieren. Was für Dich passend ist, wirst Du bestimmt in nächster Zeit heraus finden. Schön, dass Du hier gelandet bist :-)

  • Hallo,
    ich sehe es halt so, das man gerade am Anfang der Abstinenz schnell in Fallen tappt.
    Von daher finde ich gerade dann warnende, und damit auch klare Worte wichtig und letztendlich auch hilfreich.
    Die habe ich übrigens auch bekommen, wenn auch nicht hier im Forum, weil ich es zum Beginn meiner Trockenheit gar nicht kannte.
    Und viele Sachen habe ich auch rein nach meinem Bauchgefühl gemacht, denn ich kannte ja auch nicht unsere Grundbausteine.
    Ich habe mich allerdings von Anfang an sehr kritisch mit mir selbst auseinander gesetzt, ich habe es mir nicht bequem gemacht auf meinen Wegen.
    Mir war völlig klar, das ich einiges in meinem Leben ändern muss, wenn ich wirklich ein trockenes Leben möchte.
    Und das wollte ich wirklich, denn nur das hieß für mich, weiterleben zu können.
    Ich hatte auch nicht mehr die Chance auf "Versuche", ein Rückfall wäre für mich nämlich tödlich ausgegangen zum damaligen Zeitpunkt.
    Die Ärzte haben da sehr offen mit mir drüber geredet, und mich sicher nicht geschont.
    Und das war auch gut so, damit mir der Ernst der Lage richtig bewußt wird.


    In meiner Auseinandersetzung mit mir selbst war mir klar, das ich auf Feiern, wo Alk ausgeschenkt wird, erstmal nichts zu suchen habe.
    Und zwar zu meiner eigenen Sicherheit.
    Ich habe gar nicht erst angefangen, mir sowas schönzureden, nur weil ich alles am liebsten so belassen wollte wie es war, außer wieder zu saufen.
    Unsere Krankheit ist keine, die man rein mit Logik erklären kann.
    "Party"-Besuche können beispielsweise noch Tage später triggern, wenn die akute Situation längst vorbei ist.
    Ich kenne Leute, die wurden schon durch den Anblick und dem Klirren von Biergläsern in Biergärten getriggert, an denen sie nur vobei gingen.


    Ich habe anfangs einige Sachen übrigens auch nicht verstanden.
    Da waren beispielweise Fragen von meiner Ärztin (die sich mit unserer Krankheit sehr gut auskennt), wo ich nicht wußte, warum fragt sie mich das?
    Heute weiß ich das.
    Und ich bin froh, das ich mich an die Grundbausteine gehalten habe, denn ich hatte bisher keinen Rückfall.


    Mittlerweile gehe ich auch wieder auf Feiern, aber sicher nicht auf Feiern oder Veranstaltungen, die vorrangig dem Alk-Trinken dienen.
    Beginnt sowas auf Feiern, bin ich meist schnell weg.
    Weil mich das alles nicht mehr interessiert, es ist für mich ab dann verbrannte Zeit.
    Ich mag mir nicht hundermal das gleiche Gesülze in die Ohren labern lassen, wie es Angesoffene es so gern tut (und ich das sicher auch tat).
    Es gibt mir einfach nichts, und ich möchte dann einfach weg, um meine Zeit für mich sinnvoller und schöner zu nutzen.
    Ich vermisse das echt nicht, ich habe genug schöne Hobbys und Interessen, denen ich lieber fröne.


    Außerdem denke ich, das man sich selbst auch die Chance auf Veränderung nimmt, wenn man versucht, alles wie bisher zu machen, nur halt ohne zu Saufen.
    Und ich kenne auch niemanden, der so trocken geblieben ist.
    Klar kann jeder selbst entscheiden, was er letztendlich tut.
    Und ganz ehrlich, mir ist es persönlich auch grundsätzlich egal.
    Auch wenn sich jemand wieder fürs Saufen entscheidet, ist mir das egal.
    Wer meine Hilfe möchte hier im Forum, dem biete ich sie gern an.
    Und wer sie nicht möchte, auch gut.
    Ich kann ja auch nur von meiner Erfahrungen schreiben und dazu gehören eben auch viele Geschichten aus diesem Forum und meiner ehemaligen realen Gruppe.


    Und last, but noch least bin ich nicht hier, um so zu schreiben, wie andere es gern hätten.
    Ich habe keine Angst vor Konfrontationen, ich muss hier nicht evrybodys Darling sein und bin es auch ganz sicher nicht :lol:
    Ist mir aber auch nicht wichtig.


    LG Sunshine

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