Fragen an einen Alkoholiker

  • Hallo zusammen,

    ich hätte mal die Frage, ob es hier jemanden gibt, der nachdem er mit dem Alkohol aufgehört hat, sein ganzes bisheriges Leben umstellen musste. Also praktisch bei 0 anfangen musste. Ohne Partnerschaft und ohne sein gewohntes Umfeld. Wie ist das gelungen? Und wie baut man sich ein neues Leben auf?

    VG

  • ich hätte mal die Frage, ob es hier jemanden gibt, der nachdem er mit dem Alkohol aufgehört hat, sein ganzes bisheriges Leben umstellen musste.

    Nun ja, Leben ist Leben, Sucht ist Sucht. Ich musste mein Leben nach der Sucht auch neu sortieren, weil das Leben, das die Sucht gebaut hatte, offensichtlich nicht funktioniert hat.;)

    Aber bei Null habe ich nicht angefangen. Ich war ja noch da. Meine Erfahrungen, meine Fehler, meine Fähigkeiten, mein ganzes bisheriges Leben waren ja nicht plötzlich gelöscht

    Was ich allerdings nicht ganz verstehe: Was hat diese Frage konkret mit „Fragen an einen Alkoholiker“ zu tun? Für mich geht es in diesem Bereich eher darum, Verhalten, Denken und Abläufe aus der Sucht heraus zu verstehen.

    Wie man ein Leben nach dem Trockenwerden aufbaut, betrifft letztlich jeden Menschen und nicht nur speziell Alkoholiker.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich lese hier oft von ‚von vorne anfangen‘ oder eben ‚bei 0‘.
    Aber vorne oder ‚0‘ ist doch die Geburt. Da kommt man nicht zurück nur weil ein Partner geht oder man einen Job verliert.

    Ich vermute für die meisten Alkoholiker hier hat sich das Leben, nach dem Beschluss wirklich nüchtern zu sein (und seiner Umsetzung) mehr oder weniger dramatisch verändert.

    Freundschaften, Beziehungen, Gewohnheiten, Wohnsituation- alles wird auf den Prüfstand gestellt und der neuen Lebenssituation angepasst.

    Ich sehe das eher als eine neue Richtung einschlagen, als bei ‚0‘ anfangen. Der vorherige Weg wird ja nicht gelöscht. Für uns Alkoholiker sogar gut so- denn dann wissen wir immer, wie es eben NICHT funktioniert.

  • Und wenn man sich trennt und wegzieht, fängt man bezüglich Partnerschaft oder sozialem Umfeld ja immer von Vorne an - egal, ob Alkoholiker oder nicht. Geht schon.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Mein Mann trennt sich gerade von mir. Er wirkt sehr kühl und sicher in seiner Entscheidung. Das verletzt mich natürlich total. Ich weiß ihr könnt nicht seine Gedanken lesen, aber was ist in euch vorgegangen als ihr euch getrennt habt. Hat sich jemand von sich aus getrennt? Trennungen gehen sicher auch mal vom Suchtkranken Partner aus. Ist das jetzt sein Suchthirn oder ist er das? Hofft er auf Ruhe oder auf trinken ohne meckern. Hat vll jemand eine Antwort auf meine Frage?

  • Mein Mann trennt sich gerade von mir. Er wirkt sehr kühl und sicher in seiner Entscheidung. Das verletzt mich natürlich total. Ich weiß ihr könnt nicht seine Gedanken lesen, aber was ist in euch vorgegangen als ihr euch getrennt habt. Hat sich jemand von sich aus getrennt?

    Erstmal sollte man Trennung und Sucht voneinander trennen.;) Trennungen passieren auch ohne Sucht. Irgendwann gibt es einen letzten "Tropfen" der eine Entscheidung auslöst.

    Manchmal wird eine Trennung im Rückblick komplett auf die Sucht geschoben, weil man damit wenigstens eine Erklärung hat. Menschlich, aber nicht automatisch richtig.

    Ich habe mich selbst in der nassen Zeit getrennt. Das zeigt: Wenn sich ein Alkoholiker trennt, dann trifft er diese Entscheidung aus seinem damaligen Denken und Erleben heraus – aber sie ist nicht automatisch ein reines „Suchtprodukt“. Er ist schließlich nicht entweder Alkoholiker oder Mensch. Er ist beides gleichzeitig.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Ich kenne die Hintergründe nicht, aber ich habe mich mal nach kürzester Zeit von einem Partner getrennt, weil er mein Trinken zu sehr kritisierte. Ihm zu Liebe das Trinken einschränken kam überhaupt nicht in Frage, so entschied ich mich für den Alkohol und gegen ihn.

    Bei dir handelt es sich ja um eine längere Beziehung und es ist nicht vergleichbar, aber in Ruhe weiter saufen können, ist für einen Alkoholiker ein sehr starkes Motiv!

  • Er sagt er habe alles versucht. Und jetzt ist die Beziehung zu kaputt. Dabei denke ich dass ich so oft hinter ihm stand. Klar habe ich gemeckert, wenn er wieder getrunken hat. Es hat immer so 1-2 Monate gehalten dann kam der Rückfall mit Entschuldigungen. Aber in die Entzugsklinik wollte er nicht und Therapie geht halt erst, wenn er länger trocken ist. Also hieß es immer wieder kälter Entzug. Jetzt wirkt er total kalt und klar in seiner Entscheidung. Ich habe zu hohe Erwartungen. Das letze thema war, dass ich ihn angemeckert hatte, weil er den halben Tisch nach dem Abendessen abgeräumt hatte und dann rauchen ging. In der Zeit räumte ich den Tisch auf und die Küche. Am letzen Tag vorm Urlaub kam er dann um 17.oo Uhr erst heim. Obwohl wir uns 3.00 Uhr nachts los wollten. Sein Koffer war noch nicht gepackt und der Urlaub machte ihm unfassbar Druck. Als er mit den Kindern noch zur Oma wollte um Taschengeld abzuholen sagte ich nein, weil es bereits spät war und ich wollte das Ruhe ins Haus einkehrt. Zudem hatte ich die Vermutung dass er getrunken hatte. Er ist sauer seinen Koffer packen gegangen und ich sagte ihm er solle bitte Puste . Daraufhin kam das funktioniert alles nicht mehr die Beziehung sei kaputt. Und jetzt stehe ich in meinem Scherbenhaufen

  • Bitte denkt daran, dass allgemeine Fragen an Alkoholiker hierher gehören, während private Angelegenheiten besser im persönlichen Thread besprochen werden.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Ich wüsste gerne wie ein Alkoholiker diese Situation bewertet .

    Hier geht es um Suchtmechanik, nicht um Außenbewertungen oder einzelne Beziehungskrisen. Das meinte ich.;) Allgemeine Fragen gehören hierher, Persönliches gehört in den eigenen Thread. Dein Thread ist gerade nicht aktiv , wenn wir ihn wieder öffnen sollen, sag Bescheid.

    Zur Suchtmechanik selbst. Wenn ein Alkoholiker im nassen Zustand ständig mit seinem Saufen konfrontiert wird und dadurch unter Druck gerät, verschieben sich Prioritäten. Dann wird aus Beziehung, Familie und Alkohol schnell ein scheinbares „Entweder-oder“.

    Die Familie hat in aktiver Sucht oft die schlechteren Karten. Nicht weil sie unwichtig wäre, sondern weil der Alkohol einen Stellenwert hat, den Außenstehende kaum nachvollziehen können.

    Darum ist eine Trennung nicht automatisch eine Entscheidung gegen die Familie. Sie kann genauso ein Versuch sein, den Druck loszuwerden und ungestörter weitersaufen zu können. Und in den Kopf eines Alkoholikers kann man nichts „hineinprügeln“. Das muss aus ihm selbst kommen.

    Ob das bei deinem Mann so ist, weiß ich nicht, denn ab hier endet die allgemeine Suchtmechanik und seine persönliche Geschichte beginnt.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • was soll man dir hier sagen? es ist keiner dabei bei euren streitereien, hier könnte, ja mal krass gesagt, auch ein ständiges überzogenes rummeckern deinerseits vorliegen. versteh das jetzt bloß nicht als angriff auf dich, ich unterstell dir nichts, es ist rein hypothetisch. zum anderen kann es natürlich auch sein das er glaubt ohne dich und die kinder kann er sich in ruhe seiner flasche widmen. solche dinge beurteilen ohne alle betroffenen zu hören ist schwer. wenn ich deine beiträge lese kann ich nach einer weile dich einschätzen, aber nicht deinen mann. daher wird es hier auch keine gescheite antwort geben können die dir wirklich weiter hilft. es ist ja dann doch häufiger der nicht abhängige partner der die beziehung beendet. aber es geht halt auch anders. warum wieso??? keine ahnung.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Meine Frau war immer im Glauben, unsere Streitereien würden nur am Alkohol liegen. Ich war nie dieser Meinung.

    Nach dem ich mit dem Trinken aufgehört hatte und dieses Argument nicht mehr zog, stritten wir uns darüber, dass sie mich gerne auch nüchtern mehr kontrolliert hätte. Und wir stritten uns darüber, dass ich mich dieser Kontrolle entzogen hatte. Ich mache nämlich auch nüchtern gerne, was ich will, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen.

    Unterm Strich, egal ob nass oder trocken, es muss aus meiner Sicht mit der Beziehung schöner sein als ohne Beziehung, sonst ist die Beziehung nicht viel wert. Ich hab auch schon mehrere Beziehungen beendet, teils weil sie mir beim Trinken im weg umgingen, teils weil ich gemerkt habe, dass mich schon der Gedanke an die jeweilige Beziehung mehr stresst als sonst was.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich wüsste gerne die Meinung eines Alkoholikers dazu. Ich wüsste gerne wie ein Alkoholiker diese Situation bewertet .

    Eine Trennung ist eine Trennung, egal warum. Ob er einfach in Ruhe trinken möchte oder seine Gefühle nicht mehr stimmen oder warum auch immer. Es gibt kein besonderes Symptom Trennung bei Alkoholikern.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Dem kann ich nur zustimmen.Alkohol belastet eine Beziehung immer.Eine Trennung wegen dem Alkohol kann immer passieren. Warum und weshalb ein Alkoholiker eine Trennung vollzieht wurde schon ausführlich beschrieben.

    Wenn der trockene Teil der Beziehung einer Trennung durch den nassen Partner verständnislos nachtrauert, steht wohl der Wunsch dahinter die Beziehung doch noch zu retten.

    Dem steht dann natürlich wieder der Alkohol im Weg.

    Verlassen zu werden, ist für den Verlassenen immer schmerzlicher als für denjenigen, welcher den Partner/Partnerin verläst. Das gilt für nass und trocken.

    Sollte die Entscheidung des Verlassers feststehen, ist es besser denjenigen ziehen zu lassen auch wenn es schmerzt.

    Der Schmerz vergeht irgendwann und ein Ende ist ja auch ein neuer Anfang.

    Einfacher gesagt als getan. Ich weis!

  • Kann ein Alkoholiker trocken werden ohne Therapie und/oder Hilfe von außen. Oder ist ein Rückfall vorprogrammiert. Ich habe tatsächlich Angst, dass er jetzt. Glücklich wird und vll sogar trocken. Und ich der Grund für seine Rückfälle war.

    Ich mein ich wünsche es ihm. Aber wieso muss man dafür erst eine Familie zerstören.

    Sind 1-2 Vodkaflaschen viel in der Woche? Oder übertreibe ich? Ihr könnt meine Posts gerne wo anders reinpacken wenn's hier falsch ist. Aber ich brauche gerade massiv Austausch.

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