Für die Eltern schämen

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  • Guten Morgen,


    an Deiner Geschichte kann man anhand der Reaktionen sehen, wie unterschiedlich sie wahrgenommen wird. Es gibt offensichtlich Leute in Deinem Umfeld, die das Ganze gar nicht so wild finden und für die ein Auszug nicht gerechtfertigt wäre, wenn ansonsten alles stimmt. Hier lese ich von Linde und vor allem von Sunshine nun die komplett andere Richtung. Jeder sagt bzw. schreibt es so, wie er persönlich es empfinden würde und gibt dann entsprechenden Rat.


    Ich scheine da offensichtlich auch anders zu empfinden, als manche hier. Das fällt mir nicht nur hier in diesem Tagebuch auf, sondern auch in einem anderen Tagebuch, wo es darum geht, dass der Opa trinkt, der ein paar Mal im Jahr besucht wird. Auch da habe ich es als nicht "so dramatisch" empfunden. Hier bei Dir... da bin ich mir noch nicht so sicher :)


    Es ist nämlich immer gefährlich, die Dinge, in denen man nicht selbst steckt "als nicht so dramatisch" zu sehen. Es kommt eben nur darauf an, wie DU sie empfindest. Fakt ist: Du leidest darunter so sehr, dass Du Dich hier angemeldet hast. Also ist DEIN Leidensdruck offensichtlich groß genug.


    Ob der Leidensdruck Deiner Kinder groß ist oder ob er überhaupt da ist, das können wir hier überhaupt gar nicht beurteilen.


    Was ich jedoch denke ist, dass Kinder nicht auf die schiefe Bahn geraten, weil ein- oder zwei Personen in der Familie es falsch vorleben. Da bin ich ganz bei Deinem Mann :)

    Kinder werden mit so vielen Dingen im Leben konfrontiert. Mit Menschen, die nicht richtig ticken. Ob aggressiv, Alkoholiker oder sonst was. Wichtig ist, dass man mit ihnen REDET. Ihnen erklärt, wie es richtig ist und die Beispiele eben als das zu sehen, was sie sind, nämlich: Dass man es SO eben nicht richtig macht.


    Ich beziehe es mal auf meine Situation: Ich lebe in dem selben Haus meiner Schwiegermutter. Das hier ist ein riesiges Haus mit vielen Wohnungen, ich habe eine Wohnung hier, wie jeder andere in diesem Haus auch, was bedeutet, wir haben keinen gemeinsamen Eingang. Allerdings haben wir ein sehr herzliches Verhältnis zueinander, ich kenne sie seit meiner Kindheit und gehe seit dem in ihrem Zuhause ein- und aus. Jedenfalls trinkt sie auch sehr gern. Nicht täglich und auch nicht immer ohne Ende, aber eben viel. Deshalb hab ich früher auch immer gern hier mal angehalten, als ich noch nicht in diesem Haus gewohnt habe. Zum Feiern war hier immer Besuch und man konnte sich ganz wunderbar einreihen.


    Nun sind die Umstände ja komplett anders, dadurch, dass ich selbst trocken bin seit vier Jahren. Unser Verhältnis hat sich nicht verändert, wir haben uns lieb und sie ist immer für mich da (was ich gerade nach dem Tod meiner eigenen Mutter sehr schätze). Aber: Ich bin abends nicht mehr bei ihr, wenn sie Besuch hat oder auch allein ihr "Gläschen Wein" (wie niedlich) trinkt.

    Ich gehe fast jeden Morgen zum Kaffee runter, wir erzählen uns alles (ja, wirklich alles) und ich helfe ihr sehr viel, sie hat mir früher mit den Kindern auch oft geholfen, wenn ich arbeiten musste. Abends aber, wenn ich höre, dass die Musik lauter ist oder wenn ich höre, wie es unten lauter wird, bekommt sie mich nicht mehr zu Gesicht. Ich halte mich von dem komplett fern und das geht aufgrund der Wohnsituation auch. Nun weiß ich nicht, wie das bei Euch ist.


    Worauf ich aber hinaus wollte: Mit meinen Kindern rede ich total offen. Wenn die feststellen "Was hat Oma denn da unten schon wieder zu feiern", dann entgegne ich auch "Gar nichts, ihr wisst ja, dass sie leider zu viel trinkt". Wenn dann wirklich mal eine Familienfeier ist und sie wird dann sehr laut und jaaaaa, sie wird auch peinlich manchmal. Dann finden meine Kinder das nervig, aber das wars dann auch schon. Ich hab sie allerdings dann auch abends mal gefragt "Was sagt ihr denn zum Verhalten von Oma?". Tja, sie entgegnen dann im Grunde genommen das, was ich ihnen vermittele. "Sie trinkt zu viel und wenn ich später mal Alkohol trinken sollte, möchte ich mich nie so peinlich benehmen".

    Zu Zeiten, wo ich selbst noch getrunken hätte, da hätte ich das Verhalten meinen Kindern gegenüber verharmlost. Nach dem Motto "So ist das nun mal, wenn man feiert". DAS wäre fatal gewesen, wenn das so weiter gelaufen wäre. DANN hätten meine Kinder so ein Verhalten als normal beigebracht bekommen. Aber doch nicht, wenn ich ihnen klipp und klar sage, SO IST ES FALSCH und es anders vormache.


    Nun kommt das hier aber auch alle paar Wochen mal vor, dass wir es am Rande mitbekommen. Ansonsten läuft das hier normal ab. Wenn ich aber alle paar Tage direkt damit konfroniert werden würde, weil wir uns aufgrund der Wohnsituation eben NICHT aus dem Weg gehen könnten, dann hätte ich da absolut keine Lust drauf.

    Nun weiß ich ja nicht, wie das bei Dir ist. Deshalb muss das einfach echt jeder für sich ganz allein sehen, ob er mit der Situation zurecht kommt. Ob es für die Kinder eine Belastung ist. Reden ist einfach das Wichtigste und eine Entscheidung treffen. Denn so ein Hin- und Her Gefühlszustand geht ja an die Nieren.


    LG Cadda

  • Liebe Cadda,


    danke für deine ausführliche Antwort. Wir haben einen gemeinsamen Eingang und zum Keller müssen sie durch unseren Flur. Wir haben uns so gut wie möglich räumlich abgegrenzt. Meine Mama kommt sehr gerne rüber aber nur wenn ich da bin. Ist mein Mann alleine oder mit den Kindern kommt sie nie, daher bekommt er das auch nicht so oft mit. Es ist wirklich schwer abzuschätzen. Wie gesagt mit dem Großen rede ich offen und ehrlich. Die kleinen haben noch nie nachgefragt und daher hab ich das Thema auch noch nicht mit ihnen besprochen. Der Große möchte auf jeden Fall hier bleiben er macht sich auch Sorgen aber eher in die Richtung, dass der Alkohol sie umbringt. Nicht die Situationen als solche. 🤷🏼‍♀️

  • Zitat

    Eigentlich suche ich nur nach einer Legitimation zum Ausziehen.

    Es sind schon Menschen aus weniger wichtigen Gründen von zuhause ausgezogen.


    - Ich bin mit 18 daheim raus und weg war ich.

    - Dann kamen berufliche Veränderungen und ich bin aus dem Heimatdorf nochmal 30 km weiter in eine Stadt gezogen.

    - Bei meinem Bruder war es ähnlich.


    Es ist völlig normal, wenn man zuhause auszieht. :idea:

    Man darf das.

    Und wenn die Legitimation ist, daß man eine super tolle nette Wohnung gefunden hat, die näher an der Schule, am Arbeitsplatz, am Fußballplatz, an der frischen Luft oder sonst wo ist.... Oder weil man schon immer Bock auf Stadt hatte (wenn man auf dem Land wohnt) oder immer gerne einen Garten wollte (wenn man bisher im Wohnblock wohnt)................ Es ist egal.

    Gründe fürs Bleiben suchen kostet genauso viel Zeit wie Gründe fürs Gehen suchen.

    Derweil könnte man einfach eine neue Wohnung suchen.

    Du musst dich nicht rechtfertigen.

    Umziehen kann echt Spaß machen.

    Auch einem Kind, das jetzt schon in die Richtung denkt, wenn es bleibt, daß dann die Oma sich nicht tot säuft.

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Da stimme ich Linde zu. WENN ihr gern gehen möchtet, dann geht ihr und fertig. Es gibt genügend Gründe, gehen zu können. Würde ich hier auch machen, wenn es mich nerven würde.


    Ich sehe allerdings einen deutlichen Unterschied zu meiner Situation. Bei uns ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass ICH diejenige bin, die runter geht, nie anders herum. Seit dem meine Schwiegermutter weiß, dass ich keinen Alkohol trinke (was sie bewundert und total toll findet), überlässt sie komplett mir, ob ich Kontakt möchte oder nicht. Auch unabhängig vom Trinken. Es ist immer so, dass wir runtergehen, wenn uns danach ist. Wenn uns nicht danach ist, sehen wir sie auch manchmal Tage lang kaum. Was aber so gut wie nie vorkommt, weil ich sie wie gesagt sehr schätze und sie eine meiner engsten Vertrauten ist. Ich werde aber mit einem angetrunkenen Verhalten auch nicht konfrontiert im Alltag, da es wie gesagt wenn nur abends ist und da gehen wir nicht runter und fertig.


    Wenn Deine Kinder sich allerdings Sorgen machen, dass die Oma sich tot säuft, dann hat das schon ganz schöne Ausmaße angenommen und ich würde den Gedanken an eine Änderung der Wohnsituation definitiv nicht aus den Augen lassen.

    Und nochmal: Allein dadurch, dass Du Dich hier angemeldet hast, wird deutlich, dass Dein Leidensdruck schon sehr hoch ist. Wozu also nicht "einfach" mal Nägel mit Köpfen machen? :)

  • Hallo Sporty,

    ich hab nun zwar nicht alles in deinem Faden gelesen, sondern nur einen Teil, aber ich möchte dir auch gerne ein paar Gedanken da lassen.


    Ich finde es ganz prima, dass du hier so unterschiedliche Rückmeldungen bekommst, so kannst du für dich besser herausfinden, was eigentlich zu dir passt, und woran bei dir etwas mehr dran ist und woran etwas weniger.


    Wir alle haben ja ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht und sind ganz unterschiedliche Typen.


    Ich gehöre eher zu denen, die das wie Linde wahrnehmen. Klar, gibt es Menschen, die das etwas entspannter sehen können und das ist auch in Ordnung so. Genauso hat es aber auch seine Berechtigung, wenn man das etwas dramatischer sieht. Die Empfindungen sind sooooo unterschiedlich.


    Was dich betrifft, so nehme ich es so wahr, dass du gewissermaßen noch lernen darfst, dass auch dein Empfinden seine völlige Berechtigung hat und ernstgenommen werden darf und sollte.


    Als ich las, dass deine Mutter von einem „Ausrutscher“ sprach, habe ich ganz ähnlich gedacht wie Linde. Nun komme ich aber, anders als Linde, auch noch von der Alkoholikerseite. Ich kann mich ziemlich gut erinnern, wie ich getickt habe, als ich noch getrunken habe.


    Diesbezüglich haben dir andere schon etwas geschrieben, daher muss ich das eigentlich nicht wiederholen.


    Auch ich finde es gut, dass du mit deinem Mann darüber sprechen kannst und ihr das Thema gegenüber deiner Mutter angesprochen habt.


    Ich kann gut nachvollziehen, dass du starke Selbstzweifel hast, aber auch ich möchte dir versichern, dass du deinem Gespür vertrauen darfst.

    Von Anfang an macht sich in deinem Schreiben ein sehr starker Leidensdruck bemerkbar und den gilt es ernstzunehmen.


    Ich kenne das von mir selbst, so verunsichert zu sein, aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass mein Gespür durchaus seine Berechtigung hat und dass ich ihm vertrauen darf, auch wenn andere etwas vielleicht viel entspannter wahrnehmen als ich.


    Entscheidend ist, was dieses Umfeld mit DIR macht. Kinder bekommen häufig sehr viel mehr mit, als Erwachsene ahnen und so kann es gut sein, dass sie unbewusst spüren, wie dir die Umgebung gefühlsmäßig zusetzt. Und es besteht die Gefahr, dass deine Kinder das nicht im größeren Zusammenhang sehen können, sondern irgendwie auf sich beziehen.


    Bevor es jetzt zu lang wird, höre ich erstmal auf. Das sind ein paar Gedankensplitter, die ich mit dir teilen wollte.


    Liebe Grüße

    AufderSuche


    P.S.: Wenn ihr tatsächlich aus diesem Umfeld auszieht, kann das im positiven Sinne auch eine Chance sein.

  • An euch alle,

    Danke an die vielen Rückmeldungen. Ihr helft mir alle sehr. Ich bin wirklich überwältigt, dass es so viele verschiedene Meinungen gibt und das meine nicht falsch ist nur weil sie mit dem Rest nicht übereinstimmt. Ich bin zum Ende meines Studiums von Zuhause ausgezogen ein paar Städte weiter zu meinem jetzigen Mann. Als unser Großer unterwegs war sind wir bewusst wieder in den Raum gezogen und haben dort beruflich Fuß gefasst, denn mein Mann hat keine Angehörigen mehr. Der Zufall hat uns in einem Haus vereint und wir haben schon immer sehr vertraut miteinander gewohnt. Solange man nach den Spielregeln meiner Mutter lebt, war das sehr harmonisch. Meiner Meinung nach. Nun hast du recht die Zeiten ändern sich…. Mein Sohn hat keine Angst dass sie sich Todsäuft sondern, dass die Gefahr besteht einfach früher zu sterben. Sie hatte Lungenkrebs und war bereits Todkrank, so dass die Angst auch schon vorher präsent war. Das Haus und das Umfeld sind perfekt nur meine Eltern passen nicht mehr zu mir. Verbessern würden wir uns wohnlich nicht, aber ich erhoffe mir einfach mehr innerliche Ruhe und den Fokus auf die Dinge die für mich wichtig sind. Gesundheit und meine Männer. Ich will wieder offen und fröhlich sein, Lachen und Spaß haben. Allerdings befürchte ich, dass das mit einem Auszug nicht zwangsläufig so geschehen muss. Ich weiß aber zuhause wird es so nicht mehr besser für mich.

  • Hallo,

    ich bin‘s nochmal. Ich hab deine Antwort gelesen und möchte auch dazu gerne ein paar Gedanken da lassen.

    Das Haus und das Umfeld sind perfekt nur meine Eltern passen nicht mehr zu mir.

    In diesem Satz stört mich, wenn ich das so sagen darf, das kleine Wörtchen „nur“.

    Nach meinem Empfinden klingt das irgendwie so verharmlosend, es macht die Angelegenheit rein sprachlich, gedanklich irgendwie klein.


    Nun beruht das auf meinem Empfinden und meinen eigenen Erfahrungen, vielleicht geht’s dir ja ganz anders damit.


    Was du da mit deinen Eltern erlebst, löst ja nicht nur das Gefühl von Scham aus. Wenn ich dich richtig verstanden habe, spielen da bei dir noch deutlich mehr unangenehme Gefühle eine Rolle, wie zum Beispiel Angst, Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeit.


    Und diese Gefühle haben durchaus ihre Berechtigung und ihren Grund

    und sie verhindern oder behindern letztlich, dass du das hier fühlst:

    will wieder offen und fröhlich sein, Lachen und Spaß haben.


    Letztlich kannst nur du selbst wissen und entscheiden, ob du diese positiven Gefühle in deinem derzeitigen Umfeld verwirklichen kannst oder nicht.


    Jemanden, der trinken will, davon abzubringen, ist, so lehrt alle Erfahrung, nahezu unmöglich.


    Und deine Eltern wollen beide trinken, so sieht’s jedenfalls derzeit aus.


    Und deine Ängste, wie es weitergehen könnte, sind nicht unbegründet. Noch mag deine Mutter nur ab und zu lallen und torkeln, aber was da noch kommen könnte, darüber bist du gewiss informiert.


    Es tut unglaublich weh, seinen Eltern oder jemand anderem, den man liebt, dabei zuzusehen, wie er sich letztlich zugrunde richtet, und nichts dagegen ausrichten zu können.


    Insofern habe ich persönlich, was einen Auszug betrifft, nicht eine mögliche wohnliche Verbesserung im Blick, sondern eine mögliche Verbesserung für die eigene Psyche.


    Doch, wie gesagt, letztlich kannst nur du selbst wissen und entscheiden, ob du das, was du dir für dich und deine Familie wünschst, in deiner derzeitigen Umgebung verwirklichen kannst oder nicht. Und am ehesten wird dir nach meinen eigenen Erfahrungen weniger dein Verstand als vielmehr deinen eigenes inneres Gespür eine Antwort geben können.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

  • Hallo Sporty,


    ich lese in deinen Nachrichten von Anfang an eine Menge Leid und Hilflosigkeit. Allerdings wusste ich nicht so recht, ob meine Gedanken dazu hilfreich sind. Meine eigene Geschichte, als Kind Suchtkranker Eltern, hat so viel dauerhaften Schaden angerichtet und bedeutet vermutlich einen Lebenslangen Kampf gegen Ängste, Co- Abhängiges selbstzerstörerisches Verhalten, depressive Phasen und vieles mehr. Mir ging und geht so viel wertvolle Lebenszeit verloren und das tut fürchterlich weh.


    Sobald also Kinder irgendwie von Sucht betroffen sind wünsche ich mir, das ihre Eltern sie so weit wie möglich raus schaffen aus der Situation. Körperliche Distanz aber auch Emotional.


    Kinder haben so feine Antennen und bekommen auch viel mehr mit, als es uns erwachsenen lieb ist.


    Kompletter Kontaktabbruch ist aber eben nur mein Weg und jeder muss rausfinden, was für ihn selbst am besten passt.


    Daher auch meine Frage an Lea:

    Wie hast du das hinbekommen?

    Ich weiß jeder muss seinen Weg finden, aber ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

    Ich brauche dringend jemanden der mir helfen kann. Irgendwie fühle ich mich auch von allen Seiten nicht richtig verstanden und hoffnungslos.

    Da du mich ganz direkt nach meinem Weg gefragt hast, werde ich versuchen meine Geschichten, bis hin zum endgültigen Kontaktabbruch in meinem eigenen Thema auf zu schreibe. Dafür brauche ich aber etwas mehr Ruhe (und eine richtige Tastatur 😊)


    Du sagst, du fühlst dich hoffnungslos und nicht richtig verstanden und das kann ich so gut mitfühlen. Komplett verstehen, kann Deine spezielle Situation niemand, weil ja nur du drin steckst. Aber auch sich überhaupt ein zu fühlen, fällt den meisten schwer, die nichts vergleichbares erleben mussten. Wenn es um Distanz zu den eigenen Eltern geht, erscheint das schon in kleinen Schritten extrem. Du denkst aber über einen Auszug aus dem scheinbar perfekten Zuhause nach. Da kann ein Außenstehender leicht dazu neigen, die vermeintlich „kleinen Ausrutscher“ deiner Mutter anderen rationalen Argumenten gegenüber zu stellen.


    Wenn dein Mann ansonsten keine Familie mehr hat, dann ist es nachvollziehbar, wenn er sich nach eben dieser sehnt. Und auch du hättest natürlich am liebsten ein harmonisches Mehrgenerationen Haus. Wer würde sich keine glückliche Bilderbuchfamilie unter einem Dach wünschen. Wobei da selbst immer die Frage bleibt gibt es das überhaupt in der Realität?

    Solange man nach den Spielregeln meiner Mutter lebt, war das sehr harmonisch.

    Vielleicht geht es dir ja nicht ausschließlich um den Alkohol, sondern es gibt auch andere Spielregeln, die mit deiner jetzigen Entwicklung und deiner Familie nicht mehr zusammen passen.


    So oder so beschreibst du ein Zusammenleben, in dem keine ernsthafte Abgrenzung beider Familien möglich ist. Und in dem Fall kannst du deinen Kindern vorleben oder erzählen was auch immer du willst. In Ihrer Alltagsrealität wird ein Umgang mit Alkohol vorgelebt, der deiner Einschätzung nach kritisch ist. Sie erleben, dass enge Bezugspersonen wie ihr das zwar nicht gut findet, aber akzeptiert und das Oma und Opa dieses Umgang leben und damit zufrieden sind. Man kann also offensichtlich volltrunken sehr zufrieden und gut leben.


    Es ist schwer zu gehen und es ist schwer zu bleiben 😔


    Dein Gefühl und dein Verstand können dir aber vermutlich beantworten, welcher Weg der gesündere für die Seele eure Familie ist.



    Und weißt du was toll ist… Du bist nicht alleine!!!


    Liebe Grüße, Lea

  • Wenn man daheim auszieht und, gerne auch in der Nähe, sich was eigenes sucht, dann KANN man sich sehen, treffen, besuchen, besuchen lassen - man MUSS aber nicht.

    Aktuell müsst ihr euch ständig über die Füße laufen, ob es dir gerade danach ist oder nicht.

    Wenn ihr euch was eigenes sucht, dann kannst du je nach Tagesverfassung selber entscheiden, ob, wann, wielange, wie oft du deine Eltern sehen magst oder nicht.

    Sind ja nicht aus der Welt.

    Und für die Kinder wäre es auch so.

    Sie können, aber sie müssen nicht.

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Sporty,

    ich lese bei Dir Leidensdruck raus, der auch schon länger besteht.

    Ich kann DIr nur wünschen, das er Dich letztendlich auch handeln lässt.


    Du hast ja bereits Deine Mutter auf ihre Sauferei angesprochen, Dein Vater trinkt ebenfalls jeden? Abend.

    Mehr kannst Du eh nicht tun. Und musst Du vor allem auch nicht.

    Niemand wird einen Alkoholiker ohne Krankheitseinsicht und den wirklichen Willen zur Veränderung beeinflussen können.

    Und wenn dann auch noch beide trinken? Wie sollte da überhaupt irgendwas ankommen, die verbrüdern sich dann ja eher gegen Dich, um ihre eigene Sauferei zu rechtfertigen.

    Alles andere wäre schmerzhaft und man müsste ja zugeben, wie schlecht alles durch die Sauferei läuft.

    Denn bei so einem Konsum läuft nix mehr rund, und ich würde kein Wort glauben, wenn es mir trotzdem jemand so weismachen wollte.


    Bezüglich eines Auszuges, würde ich von daher auch gar keinen großen Larry machen, denn Du KANNST nichts bewirken bei den Beiden.

    Warum dann also Riesenstress machen für nix und wieder nix?

    Ich würde da ne plausible Ausrede finden, die nicht allzu weit hergeholt ist, auch mit dem Hinweis, das man ja nicht aus der Welt ist etc.pp.

    Und dann die Sachen packen.

    Ich würde also versuchen, eine Trennung "im Guten" zu bewerkstelligen, obwohl die Eltern sich wahrscheinlich doch gekränkt fühlen.

    Aber Du bist nicht für die Gefühle anderer erwachsener Menschen zuständig.

    Und dann sind da ja auch noch Deine Kinder, ihre Enkelkinder.

    Welche Großeltern würden denn einfach so ihre Enkelkinder aufgeben?

    Man sagt, das man in der nassen Phase der Alkoholkrankheit nur noch eingeschränkt, wenn überhaupt liebesfähig ist.

    Ich würde dem zustimmen.

    Aber ich habe auch als ich noch trank, meine Tochter immer von ganzen Herzen, oder wie immer mir das auch möglich war, geliebt!

    Und meine Enkelkinder sind mir das Liebste auf der Welt, ich könnte mir ein Leben ohne sie ja gar nicht vorstellen!

    Von daher würde ich auch ein bisschen darauf hoffen, das sie an Euch und den Kindern doch irgendwie hängen und letztendlich auch lieber eine gütliche Einigung finden möchten?

    Auch wenn sie erst sauer, verärgert, enttäuscht oder sonstwas sind.

    Vielleicht werden sie auch damit arbeiten, Dir ein schlechtes Gewissen einzureden.

    Da dient dann aber nur dazu, das ja nix verändert werden soll in IHREM LEBEN.

    Und das ist einfach nur egoistisch.

    Denn Du musst ja Dein Leben leben, und zwar so, wie DU es für richtig hältst, und sie ihres.


    LG Sunshine

  • Ihr Lieben tollen Menschen,


    ich bin wieder überwältigt, wie offen ihr mir eure Meinung sagt, herzlichen Dank. Die Befürwortungen helfen mir sehr, meine Ausreden zu überdecken. Ich will auf keinen Fall das meine Kinder so aufwachsen und ich will auch nicht länger verzweifelt bleiben. Es wird Zeit, danke euch.

    Liebe Lea ich bin sehr auf deinen Thread gespannt.

    Herzliche Grüße,

    Sporty

  • Hallo ihr alle,


    ich hatte das Bedürfnis euch noch mal zu schreiben. Seit Donnerstag schließen wir unsere Eingangstür ab, weil meine Mama schon am nächsten Tag wieder in der Tür stand, sich also nicht an die Absprache von uns halten konnte. Sie selbst hat das hingenommen, wir kommunizieren nur noch wichtiges per WhatsApp. Mein Papa war ganz sprachlos und wirklich zu tiefst erschüttert. Ob wir Angst vor Ihnen hätten oder es wirklich so schlimm sei. Mein Sohn sagt sie würde nicht mehr trinken wenn er drüben ist (meist mittags nach der Schule) ich bin gespannt. Mir ist aber klar, dass ich die Konsequenzen ziehen werde, wenn meine Eltern sich nach ihrem Urlaub keine Hilfe holen. Mein Mann ist eingeweiht und trägt die Konsequenzen mit.

    Liebe Grüße an euch alle,

    Sporty

  • Liebe Sporty, wie schön von dir zu hören, ich habe viel an euch gedacht 😊


    Sich Abgrenzen, alte Gewohnheiten los lassen, mit vermeintlich kleinen Schritten geht es oft los. Es freut mich aufrichtig, zu lesen, dass du dich bewegst und Entscheidungen triffst. Und es ist wunderbar, wenn dein Mann „auf deiner Seite“ ist!


    In mir selbst ist innerlich so viel los und ich sortiere und betrachte meine Vergangenheit und Gegenwart sehr intensiv. Noch muss ich entscheiden, wieviel ich an so einem öffentlichen Ort, wie dem Internet aufschreiben mag. Aber wie so oft im Leben, wenn sich innerlich etwas bewegt, geschehen auch im Außen unerwartete Dinge. Gestern hat mich eine sehr enge Freundin völlig unvermittelt auf meine Eltern angesprochen. Sie meinte, das wollte sie schon länger mal machen, aber heute erschien es ihr plötzlich passend. Wir standen unter Zeitdruck an der Haustür und hatten nur fix ein paar Neuigkeiten ausgetauscht. Und plötzlich erzähle ich von ganz üblen Momenten rund um den Kontaktabbruch. Verrückt irgendwie, aber erstaunlich gut!


    Es ist „einfach“ ein langer langer Weg!


    Sagte ich schon wie doll es mich freut, das du erste Schritte gehst 😊


    Lg Lea

  • Liebe Lea,


    lieben Dank für deine Worte. Es bedeutet mir sehr viel. Ich hoffe ich bin stark genug den Weg auch weiter zu gehen. Schön dass die Zeit die Wunden heilt und du leichter darüber reden kannst. Vielleicht war die Situation tatsächlich passend.

    LG

    Sporty

  • Liebe Sporty,



    es freut mich, wenn meine Geschichte dir ein wenig nützlich sein kann 😊


    Nur eins hat mich doch noch mal hinterfragt. Eine Frau aus der SHG hat gesagt mit einer Trennung würde ich meiner Mutter die Chance geben gesund zu werden. Irgendwie hat mich das sehr nachdenklich gemacht. Ich weiß, das viele Alkoholiker ein Erlebnis/Zwickmühle benötigen um eine Einsicht ihrer Krankheit zu bekommen und den Willen spüren dagegen etwas zu unternehmen. Andererseits weiß ich auch das Alkohol eine Familienkrankheit ist. Ich frage mich inwieweit ich nicht vielleicht doch auch eine Mitschuld trage.

    Ne ne ne, fang jetzt bitte nicht an das Schuldfass für dich auf zu machen 😱


    Du trägst keine Schuld an der Krankheit deiner Mutter und ganz sicher auch nicht daran, ob sie eine Krankheitseinsicht hat oder nicht!


    Es kann natürlich sein, dass euer Auszug einen Leidensdruck mit sich bringt, durch den deine Mutter/Eltern ihre Perspektive ändern. Du eröffnest also eine Chance für eine neue Sichtweise. Diese Möglichkeit ist ein schöner Gedanke, der es euch vielleicht erleichtern kann, in einer neuen Umgebung leichter Fuß zu fassen 😊


    Die Chance gesund zu werden besteht aber JETZT ganz aktuell genauso wie zu jedem späteren Zeitpunkt. Es liegt komplett in der Hand deiner Eltern sich für einen Weg zu entscheiden. In deiner Hand liegt, was den Alkohol angeht, gar nix. Was dein eigenes Leben und das Leben deiner Kinder angeht hingegen…


    Schön wäre es natürlich, wenn durch die Trennung von Kind und Enkelkind plötzlich eine ganz neue Einstellung entstehen würde. Die hätte ja aber auch genauso gut entstehen können, weil das innere Bedürfnis da ist, die bestmögliche Mutter und Oma sein zu wollen.


    Wer saufen will der säuft!


    Bitte begib dich nicht in eine fiese Schuldspirale, deine Kraft brauchst du nun wirklich für andere Aufgaben.


    Einen zuversichtlichen Sonntag, mit ganz viel harmonischer Familienzeit, mit Mann, Kindern und Sonnenschein.


    Lea

  • Verrückt liebe Lea,


    Ich habe mir soeben die Zeit genommen alles noch mal durchzulesen.

    Ich wollte euch jetzt schreiben, was sich so getan hat….

    Wir haben nach dem Urlaub die Tür weiterhin verriegelt, es gab einen riesen Krach zwischen meinem Vater und meinem Mann. Wenn wir nicht wollen, dass der Durchgang weiterhin von ihnen genutzt wird, dann müssten wir ausziehen. Mein Mann war richtig erbost (so ist er sonst nie…) und meinte gut wenn das so wäre dann würden wir ausziehen. Dann lenkte mein Vater es müsse doch eine friedliche Lösung geben….dann wurde weiter diskutiert beschuldigt und der Auszug wiederholt. Wir haben uns daraufhin komplett ignoriert, was ja wirklich schwierig ist und heute noch mal ein Gespräch geführt, dass für mich sehr emotional verlaufen ist. Meine Eltern hat unser Verhalten sehr mitgenommen und sie leiden an unserer Abgrenzung. Mein Mann der sonst immer zu allem schweigt und sich raushält und emotional sehr bedacht ist. Hat sehr energisch das Wort geführt. Wir haben uns alle verändert, die Situation hat sich geändert und wir wollen das so nicht weiterführen. Meine Eltern waren erstaunlich nüchtern haben nicht nachgegeben und es gibt keine akzeptable Lösung für unseren Durchgang. Wir wussten das von Anfang an und wenn wir damit nicht mehr klar kommen, wäre das sehr schade, nach allem was sie für uns getan hätten aber das würden sie nicht dulden wir sollten dann besser ausziehen. Sie würden das nicht verstehen, warum auf einmal alles so schlimm geworden ist und dann habe ich angefangen zu weinen und gesagt, dass es nur so gut war weil wir uns immer zurückhalten und ich seit über 2 Jahren zunächst gebittet und gebettelt habe, dass sie sich helfen lassen und dann während Corona einen Waffenstillstand hatte , der dazu geführt hat, dass meine Eltern machen wir ihnen beliebt und ich das alles stillschweigend hinnehme. Das hat aber dazu geführt, dass sich alles in mir aufgestaut hat und ich wahnsinnig werde, weil ich kein Ventil finde um alles rauszulassen. Meine Eltern haben das ganz nüchtern kommentiert mit. Dann wäre ja eh alles egal. Sie könnten mir nicht helfen außer sich in Luft aufzulösen. Dann wäre das beste auszuziehen. In seinem Zuhause müsse man sich wohlfühlen und sie wollen auch nicht, dass ich krank werde oder bleibe. Meine Mutter war mehrmals in Therapie wegen Burnout, dass solle mir erspart bleiben….

    Meine Eltern hatten eine Verabredung und das Gespräch würde beendet mit dem Ziel alles sacken zu lassen und in ein paar Tagen noch mal darüber zu sprechen.…

    Das war es.

  • Ja, verrückt… ich hatte schon mehrfach registriert, dass du wohl aus dem Urlaub zurück bist. Dachte aber immer es wäre zu früh zum nachfragen 🤷🏻‍♀️


    Es tut mir sehr leid wie die Gespräche verlaufen sind, bestimmt geht es dir nicht gut damit 😔


    So aus der Ferne fühlt es sich trotzdem irgendwie gut an, es tut sich etwas, wie ein Aufwachen. Es erinnert mich auch an eine Entwicklung, die bei uns statt gefunden hat. Mein Mann war lange Zeit sehr „neutral“ schon an meiner Seite, aber sehr ruhig und verständnisvoll auch meiner Mutter gegenüber. Ein eher wortkarger Vertreter seiner Art, der sich aus unseren weiblichen Konflikten raus gehalten hat so gut es ging. Als er plötzlich „Partei“ ergriffen hat, selbst ein zwei Mal erstaunlich heftig reagiert hat und auch lauter und wortreicher wurde. Das hat in mir selbst einen Hebel umgelegt oder mir mehr Rückhalt gegeben. Irgendwie so…


    Also wünsche ich dir, dass es immer klarer und deutlicher wird in deiner Welt und du die reinigende Wirkung von eurem Gewitter auch spüren kannst.


    Wollt ihr inzwischen ausziehen? Oder ist es noch eher die Hoffnung für eine Lösung mit deutlicheren Grenzen im Zusammenleben?


    Wenn es sich neugierig anfühlt, dann ignorier mich 😉


    Liebe Grüße, Lea

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