Pineapple - Neu hier

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo, meine Mutter ist Alkoholikerin und leidet auch an psychischen Erkrankungen. Ich habe mich hier angemeldet wegen eines Vorfalls am Wochenende. Ich brauche dringend einen Rat und Rückhalt sowie Austausch mit ebenfalls betroffenen Angehörigen.

  • Cadda

    Hat den Titel des Themas von „Neu hier“ zu „Pineapple - Neu hier“ geändert.
  • Hallo Pineapple,


    wir haben Deine Bewerbung für den offenen Forenbereich erhalten und ich habe Dich freigeschaltet und auch direkt in das richtige Thema EKA (Erwachsenes Kind eines Alkoholikers) verschoben und mal Deinen Usernamen vor den Betreff gesetzt. Wenn das nicht ok sein sollte, sag bitte kurz Bescheid.


    Ansonsten geht es HIER nun für Dich weiter :)


    Erzähl doch mal. Wie geht es Dir inzwischen nach dem Vorfall am Wochenende?


    LG Cadda

  • Hallo Cadda, vielen Dank schon mal.

    Ich bin 36 und komme aus einem zerrütteten Elternhaus. Auch mein Vater war Alkoholiker. Er ist daran verstorben. Meine Eltern ließen sich scheiden als ich 10 war. Seit ich denken kann leider meine Mutter an schweren Depressionen und nimmt starke Beruhigungdmittel und Antidepressiva. Als ich Kind war hatte sie immer wieder Phasen von Alkoholmissbrauch, hörte dann aber wieder auf. Trank nur, wenn etwas vorgefallen war, in Stresssituationen. Seit ich es endlich geschafft habe vor 7 Jahren auszuziehen und alleine zu leben, wurde ihr psychischer Zustand langsam aber stetig schlimmer. Unser Verhältnis war immer sehr angespannt und geprägt von vielen Streitereien wegen Banalitäten. Meine Mutter leidet unter Vergolgungswahn. Die denkt immer, dass ihr jeder etwas Böses antun will. Sie glaubt ich will sie vergiften oder ihr Erbe. Um es kurz zu machen: seit einigen Monaten habe ich am Telefon gemerkt, dass ihre Stimme gebrochen war und sie verwirrt redet. Sie schob es auf ein neues Medikament. Unsere Kontakte beschränkten sich auf Anrufe meinerseits tagtäglich bis zu 3Mal und ich habe sie etwa 1-2Mal monatlich besucht. Einfach aus Pflichtgefühl. Sie kann es nicht ertragen, dass ich ein geordnetes Leben führe und zum ersten Mal seit 2Jahren in einer Beziehung bin. Sie sabotiert meinen Partner. Jegliche Erfolge in meinem Leben kommentiert sie folgendermaßen: wieso hast du so ein Glück? Dabei arbeite ich einfach nur hart an meinem Leben. Jetzt komme ich zum Wochenende: eine Bekannte von ihr schrieb mich an und sagte, meine Mutter hätte sie angerufen und sehr undeutlich gesprochen. Sie würde etwas von Backofen und Feuerwehr erwähnen. Ich bin sofort zu ihr gefahren. Die war so betrunken, dass sie mir die Tür nicht öffnen konnte. Einen Schlüssel hatte ich nicht. Der Rettungsdienst kam und die brachen die Tür auf. Und da lag meine Mutter, halbnackt auf dem Boden, total betrunken. Die Wohnung glich einer Messi-Bude. Der Couchtisch aus Glas komplett zerbrochen. Überall im der Wohnung Säcke voller leerer Alkoholflascjen. Kleiderschrank, Koffer, alles mit leeren Flaschen. Ich stand unter Schock. Meine Mutter räumte bei jedem Besuch auf, so dass es mir nicht auffiel. Unter Zwang und Polizeieinsatz wurde sie ins KH mitgenommen. 3 h später rief der Arzt mich an und sagte, sie würden meine Mutter nun entlassen. Sie wolle nach Hause. Wie kann das sein?????

    Seither hat mich meine Mutter bei WhatsApp blockiert und mir eine böse Nachricht mit vielen Beschimpfungen hinterlassen. Sie wolle mich nie mehr im Leben sehen. Was soll ich jetzt machen? Ich sorge mich sehr und der Gedanke dass sie so verwahrlost macht mich krank. Sie lebt komplett isoliert Von anderen. Sie hat nur telefonisch Kontakt zu Bekannten. Aber keiner weiß wie sie wirklich lebt. Auf der anderen Seite habe ich keine Kraft mehr mich weiterhin um sie zu kümmern. Habe keine Fsmilie. Ich trage die Last ganz alleine. Suche nun selber einen Therapieplatz. Ich denke vielleicht hätte es so passieren sollen, dass ich emotional loslassen kann. Ich hätte den Kontakt von mir aus nie abgebrochen, aus Pflichtgefühl. Ich habe Angst, dass sie stirbt. Schon seit Jahrzehnten nimmt sie regelmäßig Medikamente und seit einiger Zeit wohl auch exzessiv Alkohol. Kann ich etwas machen?

  • Hallo Pinapple,


    ich kann nicht gut etwas zu deiner Situation sagen, außer, dass ich verstehen kann, wieso es dir gerade schlecht geht.

    Zu dem Thema wie es sein kann, dass das Krankenhaus deine Mutter so schnell wieder entlassen hat: Sie können sie nicht festhalten. Solange ein Mensch mündig und orientiert ist hat er jederzeit das Recht eine Behandlung abzulehnen oder abzubrechen. Selbst in einer akut lebensgefährlichen Situation dürfen Ärzte eine Behandlung nicht weiterführen, wenn der Patient klar kommuniziert, dass er nicht will und die Konsequenzen begreift. Das ist manchmal schwer zu ertragen, aber generell gilt in Deutschland stumpf gesagt: Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Verwahrlosung.

    Willst du sie gegen ihren Willen in ein Krankenhaus, die Psychiatrie oder auch in eine Pflegeeinrichtung bringen gibt es eigentlich nur den Weg über ein Gericht. Dort muss sie einen bestellten Vormund bekommen, der ab sofort für sie bestimmte Dinge entscheidet und dies auch gegen ihren Willen durchsetzen kann. Dafür muss aber einwandfrei bewiesen werden, dass sie nicht geschäftstüchtig etc. ist. Das durchzubekommen ist auch eher schwer, Suchterkrankungen fallen i.d.R. nicht in die Kriterien.

    Alles in allem eine sehr schwere Situation.

  • Liebe Pineapple, zuerst einmal herzlich Willkommen und schön das du her gefunden hast!


    Ich selbst habe einen an der Alkoholsucht verstorbenen Vater und bin ab dem Grundschulalter mehr oder weniger allein mit meiner süchtigen und vielfältig psychisch beeinträchtigten Mutter aufgewachsen. Obwohl ich recht jung ausgezogen bin, habe ich den Absprung bis weit über 30 und trotz großer räumlich Distanz eine lange Zeit nicht geschafft. Hälftige Telefonate, regelmäßige Besuche und im Zweifelsfall kamen ihre Bedürfnisse immer vor meinen. Das hat mich krank gemacht und mir viele Möglichkeiten im Leben verbaut. Erst als ich selbst Kinder hatte, konnte ich es nicht mehr ertragen, eine weitere Generation in dieser Abwärtsspirale von Sucht - Schuld - falschem Verantwortungsgefühl - Schmerz und und und gefangen zu halten. Mit therapeutischer Unterstützung habe ich mich letztlich für einen Kontaktabbruch entschieden und die Jahre danach, jetzt bin ich Anfang 40, konnte ich endlich anfangen zu leben!


    Was du erzählst klingt, als hättest du einen ganz schönen Schock erlitten. Hattest du denn so gar keine Vorstellung davon wie schlimm es inzwischen um sie steht oder wolltest du es dir nur nicht so gerne eingestehen? Oft weiß man ja tief in sich drin deutlich mehr, als an die Oberfläche gelassen wird.


    Hast du eine Vorstellung wie es weiter gehen soll?


    Und was kannst du konkret für dich machen, damit es dir erstmal besser geht? Oder hast du da schon einen guten Weg gefunden?


    Ich sag es noch einmal: Schön das du hier bist!

    Mir tut es oft schon gut zu wissen, dass es hier Menschen gibt, die verstehen wie ich mich fühle. Deine Geschichte ist kein trauriger Einzelfall, traurig ja, aber es gibt so unfassbar viele ähnliche Geschichten.


    Liebe Grüße, Lea

  • Hallo Pineapple,


    ich war ungefähr in deinem Alter als es mit meinem Vater rapide bergab ging, er trank schon immer recht ordentlich, gab sich Anfangs Mühe, doch irgendwann war ihm alles egal und er soff ungeniert, offen, jeden Tag, den ganzen Tag (bis es nicht mehr ging).

    Ein paar Jahre lang hoffte ich, besuchte und half wo ich konnte.

    Ich bemerke, daß ich mich veränderte, nicht mein Vater, eine Art Co-Abhängigkeit entstand. Dann erreichte ich den Punk, wo ich (!) nicht mehr konnte, wo ich bemerkte, die ganze Situation überfordert mich, greift meine Nerven, mein Wohlbefinden mächtig an.


    Ich tat das einzig das Richtige, ich brach den Kontakt gänzlich ab. Es war keine einfache Entscheidung. Ich konnte wählen. Mein Vater der Alkoholiker würde sich nie ändern (tat er auch die folgenden 14 Jahre nicht), also änderte ich mich – ich schützte mich.

    Ich will niemanden einen Rat geben, denn das muß jeder selbst entscheiden.


    Halte es aus, so lange du willst (kannst), kämpfe einen Kampf den du nicht gewinnen kannst oder schütze dich, lebe, traue deinem Verstand und deinem Bauchgefühl. Egal was die anderen sagen.

    Noch eins zum Pflichtgefühl, Du hast für dich Sorge zu tragen!


    Ich hätte dir viel lieber eine fröhlicherer Geschichte erzählt.


    P.S. Auch mein Vater nahm Anfangs Antidepressiva

  • Hallo Nachtschicht, danke für deine Nachricht. Wenn keine Eigen-oder Fremdgefährdung besteht, darf ein Mensch frei entscheiden. Bei meiner Mutter liegen sowohl Alkoholsucht als auch psychische Erkrankungen vor. Sie ist einfach nicht klar im Kopf und hat eine verzerrte Wahrnehmung. Alkoholsucht ist ein langsamer Suizid. So schrecklich. Sie könnte im Suff den Backofen anlassen bis es brennt bspw..Es muss halt immer erst was passieren. Echt bitter.

  • Liebe Lea, wie schön, dass Du den Absprung geschafft hast. Es war einzig die richtige Entscheidung! Oh ja, das mit den verpassten

    Möglichkeiten kenne ich :( ich habe meine schönsten Jahre meiner Mutter gewidmet. Wie konnte ich es mir erlauben glücklich zu sein, während sie todunglücklich war. Ich litt total mit ihr. Konnte keine Beziehung deswegen eingehen. Es war kein Platz dafür. Immer wenn ich losfliegen wollte, holte sie mich wieder runter, dass ich ja nicht glücklich werde und schön mit ihr leide. Konnte mich nicht losreißen. Wurde emotional erpresst. Habe es mir zur Aufgabe gemacht erst meine Mutter glücklich zu machen und dann mich. Die Jahre vergingen bis ich aus eigener Kraft aufgewacht bin.

    Ich wusste dass sie schwerst depressiv war und hin und wieder zur Beruhigung etwas trank, wie damals. Aber das Ausmaß, da komme ich einfach nicht drauf klar. Wie unglücklich muss ein Mensch sein, der sich sowas antut?

    Wie es weitergeht? Ich lasse es vermutlich mit dem Kontakt. Vielleicht hat mir meine Mutter diese Entscheidung abgenommen und dich selbst nun gegen mich entschieden. Ich habe einfach keine Kraft mehr. Muss mich erst stabilisieren. Vielleicht schreib ich ihr demnächst einen Brief. Es tut aber so so weh zu wissen dass sie so lebt und leidet und total vereinsamt :(((((

  • Hallo Achelias, es geht uns allen ja wirklich ähnlich. Schön dass auch du den Absprung geschafft hast! Mir macht das Mut. Irgendwann muss man eben eine Entscheidung treffen und du hast dich für ein gesundes und positives Leben entschieden. Ich konnte mich auch all die Jahre nie gänzlich auf mich konzentrieren. Meine Mutter war immer omnipräsent, in jeder Lebenslage. Womöglich würde ich mich sonst nie von ihr losreißen. Dieser Vorfall am Wochenende musste sein. Mein Freund sagt: es ist ein Geschenk, denn sie hat mir die Entscheidung abgenommen.

    Hattest du dir denn Sorgen gemacht um deinen Vater als du den Kontakt abgebrochen hast? Wie bist du damit umgegangen? Mich bestürzt der Gedsnke dass sie alleine ist in dieser dreckigen Wohnung und sich mit Alkohol betäubt. Es schmerzt so, denn es ist meine Mama.

  • Sorgen? - Nein! Ich war so verletzt ... daß ich nur noch weg wollte.


    (Intuitiv) wußte ich, es endet mit dem Tod. Ich war ehrlich erstaunt, daß sein Körper es noch so lange aushielt, bei täglich 1 ... 2 Flaschen Korn.

    Im Suff brannte er fast ab, nach langem Krankenhausaufenthalt soff er weiter ... da kann man nichts machen. ;(

  • Liebe Pineapple, also mir hat immer wieder der Gedanke geholfen:


    Sie ist erwachsenen, es ist ihre Entscheidung, wenn sie Hilfe will, dann kann sie in unserem Land sehr vielfältig bekommen.

    Und als zweites. Es ist mein Leben und ich habe ein Recht darauf glücklich zu werden. (mit ihr wäre vielleicht schöner gewesen, aber das liegt nicht in meiner Hand)


    Natürlich habe ich mir oft Sorgen gemacht oder hatte ein schlechtes Gewissen. Ich weiß ganz bestimmt, dass sie oftmals gehungert hat und der Zustand ihrer Wohnung war auch in der Vergangenheit häufig erschreckend. Das ist mit den Jahren aber mehr und mehr verblasst. Ich stelle mir da nix mehr vor, denn das wären immer Horrorphantasien. Und weißt du was… es ist auch möglich, dass die Realität gar nicht so schlimm aussieht wie vermutet. In dem Moment, in dem wir Kinder die verdrehte Rolle eines sich kümmernden elternähnlichen alles Übernehmer aufgeben, müssen unsere eigentlichen Eltern nämlich endlich selbst erwachsen werden. Sicher braucht es erst einmal einen Absturz und viele gehen auch nicht gut aus. Aber wer weiß was passiert, wenn deine Mutter mal eine Weile wirklich und in vollem Umfang selbst für sich verantwortlich sein muss.


    Hör auf deinen Freund und Versuch deine neu gewonnene Freiheit zu genießen! Feiere die Liebe und feiere das Leben, denn du hast nur dieses eine.


    Liebe Grüße, Lea

  • Liebe Pineapple,


    Auch ich möchte dich hier nochmal begrüßen. Ich hätte es nie gedacht, aber alleine das Gefühl nicht alleine zu sein und mit anderen über die Erlebnisse zu reden die ähnliches erlebt haben hat mir sehr gut getan. Ich hoffe dir geht es ähnlich.


    Meine Mutter hat es mittlerweile geschafft trocken zu werden. Was ich allerdings in der Zeit als sie noch getrunken hat, man kann ihnen nucht helfen, die Initative was zu tun muss von der betroffenen Person selber kommen. Ich weiß nicht wie Office versucht habe meiner Mutter Zuhilfenahme. Es hat aber erst ab dem Moment funktioniert, als sie es wirklich selber wollte. Sie war auch zuvor auch bitten von mir immer wieder bei Selbsthilfegruppen, aber auch wenn sie hingegangen hat dies nichts gebracht, da sie es nicht wollte.

    Aus diesem Grund, so schwer es auch klingen und sein mag, versuch dein Leben zu genießen und zu feiern. Dei Freund hat hier schon Recht. Warum solltest dir dein Leben auch so erschweren lassen.

    Ich weiß wie schwer es such von dem Gefühl dass man helfen muss zu differenziert, aber ich weiß mittlerweile dass es der richtige Weg ist. Auch wenn ich es selber noch nicht vollständig geschafft habe. Ich hoffe, dass du den Schritt gehen kannst und dich zumindest gefühlsmäßig etwas differenzieren kannst.


    Liebe Grüße

    Susi

  • Liebe Pineapple,

    Es ist super, dass du nun hier Wege suchst, Halt und Zuspruch zu finden. Ich weiss, dass es im Freundeskreis nicht so leicht ist, über so etwas zu sprechen, was andere nicht kennen.

    Meine Mutter ist vor wenigen Wochen erst verstorben, ihr durch Alkohol und Zigaretten geschwächter Körper hat sich nicht gegen einen einfachen Infekt wehren können. Die Angst davor, dass sie sterben könnte, habe ich schon seit meiner Jugend mit mir herum getragen, da kann ich dich also sehr gut verstehen. Das verrückte ist, dass meine Mutter dabei wahnsinnige Angst vor Krebs oder Corona hatte, aber total verdrängt hat, wie sie sich selber in Gefahr begibt. Diese Verdrängung ist aber, auch bei depressiven Menschen, irgendwie auch eine Entscheidung. Helfen konnte meiner Mutter in all den Jahren niemand, zu dieser Erkenntnis zu kommen. Auch Spitalaufenthalte waren kein Weckruf. So weh es auch tut, du kannst hier nichts tun, ausser für dich selbst.

    Den Brief kannst du für dich auch als eine Art Tagebuch schreiben und noch überlegen, ob du ihn abschickst. Ich muss jedoch warnen davor, eine positive Reaktion zu erwarten. Menschen mit Sucht und Depression verstehen mündliches und schriftliches in ihrer Wahrnehmung immer als Angriff…


    Liebe Grüsse und alles Gute!

  • Liebe Pineapple, doch, du kannst noch etwas machen. Und zwar kannst du den Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt in der deine Mutter lebt informieren, dass deiner Meinung nach eine akute Eigengefährdung vorliegt. Diesen Dienst gibt es in jeder Stadt, einfach mal googeln. Das sind Ärzte, Therapeuten und Sozialarbeiter die sich dann vor Ort ein eigenes Bild der Lage machen und entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht.


    Dann hättest du dich zumindest in diesem Punkt etwas entlastet.

  • Hallo Cadda, vielen Dank schon mal.

    Ich bin 36 und komme aus einem zerrütteten Elternhaus. Auch mein Vater war Alkoholiker. Er ist daran verstorben. Meine Eltern ließen sich scheiden als ich 10 war. Seit ich denken kann leider meine Mutter an schweren Depressionen und nimmt starke Beruhigungdmittel und Antidepressiva. Als ich Kind war hatte sie immer wieder Phasen von Alkoholmissbrauch, hörte dann aber wieder auf. Trank nur, wenn etwas vorgefallen war, in Stresssituationen. Seit ich es endlich geschafft habe vor 7 Jahren auszuziehen und alleine zu leben, wurde ihr psychischer Zustand langsam aber stetig schlimmer. Unser Verhältnis war immer sehr angespannt und geprägt von vielen Streitereien wegen Banalitäten. Meine Mutter leidet unter Vergolgungswahn. Die denkt immer, dass ihr jeder etwas Böses antun will. Sie glaubt ich will sie vergiften oder ihr Erbe. Um es kurz zu machen: seit einigen Monaten habe ich am Telefon gemerkt, dass ihre Stimme gebrochen war und sie verwirrt redet. Sie schob es auf ein neues Medikament. Unsere Kontakte beschränkten sich auf Anrufe meinerseits tagtäglich bis zu 3Mal und ich habe sie etwa 1-2Mal monatlich besucht. Einfach aus Pflichtgefühl. Sie kann es nicht ertragen, dass ich ein geordnetes Leben führe und zum ersten Mal seit 2Jahren in einer Beziehung bin. Sie sabotiert meinen Partner. Jegliche Erfolge in meinem Leben kommentiert sie folgendermaßen: wieso hast du so ein Glück? Dabei arbeite ich einfach nur hart an meinem Leben. Jetzt komme ich zum Wochenende: eine Bekannte von ihr schrieb mich an und sagte, meine Mutter hätte sie angerufen und sehr undeutlich gesprochen. Sie würde etwas von Backofen und Feuerwehr erwähnen. Ich bin sofort zu ihr gefahren. Die war so betrunken, dass sie mir die Tür nicht öffnen konnte. Einen Schlüssel hatte ich nicht. Der Rettungsdienst kam und die brachen die Tür auf. Und da lag meine Mutter, halbnackt auf dem Boden, total betrunken. Die Wohnung glich einer Messi-Bude. Der Couchtisch aus Glas komplett zerbrochen. Überall im der Wohnung Säcke voller leerer Alkoholflascjen. Kleiderschrank, Koffer, alles mit leeren Flaschen. Ich stand unter Schock. Meine Mutter räumte bei jedem Besuch auf, so dass es mir nicht auffiel. Unter Zwang und Polizeieinsatz wurde sie ins KH mitgenommen. 3 h später rief der Arzt mich an und sagte, sie würden meine Mutter nun entlassen. Sie wolle nach Hause. Wie kann das sein?????

    Seither hat mich meine Mutter bei WhatsApp blockiert und mir eine böse Nachricht mit vielen Beschimpfungen hinterlassen. Sie wolle mich nie mehr im Leben sehen. Was soll ich jetzt machen? Ich sorge mich sehr und der Gedanke dass sie so verwahrlost macht mich krank. Sie lebt komplett isoliert Von anderen. Sie hat nur telefonisch Kontakt zu Bekannten. Aber keiner weiß wie sie wirklich lebt. Auf der anderen Seite habe ich keine Kraft mehr mich weiterhin um sie zu kümmern. Habe keine Fsmilie. Ich trage die Last ganz alleine. Suche nun selber einen Therapieplatz. Ich denke vielleicht hätte es so passieren sollen, dass ich emotional loslassen kann. Ich hätte den Kontakt von mir aus nie abgebrochen, aus Pflichtgefühl. Ich habe Angst, dass sie stirbt. Schon seit Jahrzehnten nimmt sie regelmäßig Medikamente und seit einiger Zeit wohl auch exzessiv Alkohol. Kann ich etwas machen?

    Hall

  • Hallo liebe Pineapple,

    Ich habe mir deine Geschichte jetzt ein drittes mal durchgelesen und ich kann so mitfühlen was du durchgemacht hast.... Es tut aber einerseits gut zu wissen, dass man damit anscheinend nicht alleine da steht, Wahnsinn wie vielen Menschen es so geht. Ich dachte wirklich das ich alleine bin, aber es gibt so viele grausame Geschichten, die meiner Meinung nach kein Kind oder Erwachsener durchmachen sollte. Es tut mir so leid für dich, mir geht es bis heute noch so und ich habe den Absprung erst vor einem Jahr geschafft mit 28 Jahren, aber ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen das ich meine Eltern "allein" gelassen habe. Ich mache immer noch Pflicht ersuche obwohl es mir gar nicht gut tut die beiden in ihrem Elend zu sehen.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und bin froh das es hier Menschen gibt und allgemein solche Gruppen wo man sich austauschen kann, das wusste ich nicht.

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