NovaSol - Und noch eine Neue

  • Guten Abend ihr Lieben. Die letzten Tage waren die reinste Qual. Ich bin mit meiner Mama von Termin zu Termin gerammelt. Heute wurde der Port gelegt und in kürze startet die chemo. Morgen rasiere ich ihr den Kopf und es bricht mir das Herz. Ich habe solche Angst, kann kaum schlafen, von essen will ich gar nicht reden. Zum Glück hat der Krebs noch nicht gestreut aber mir kommen immer wieder satzfetzen der Ärzte in den Kopf. Schnell wachsend, sehr aggressiv, streut gern. Sie ist so tapfer und ich will es auch sein. Habe nur ein mal vor ihr geweint und ansonsten meine Tränen runtergeschluckt. Ich will nicht, dass sie MICH trösten muss. Die Selbsthilfegruppe letzte Woche hat mir gut getan. Habe sehr offen über die momentane Situation gesprochen. Was mir nicht klar war ist, dass es in meiner Stadt eine Anlaufstelle gibt zu der ich jederzeit gehen kann. 365 Tage im Jahr 24/7. Ich habe mir die Adresse mitgenommen und sie hängt am Kühlschrank und ich werde nicht zögern dort hinzugehen, wenn es notwendig ist. Mein Mann ist eine große Stütze. Redet mit mir, wenn ich möchte, lässt mich, wenn ich es brauche. Ich fühle mich traurig und ausgelaugt aber trotzdem stabil. Bald sind die zwei Monate voll und ich bin ein bisschen stolz, dass ich diese Katastrophe nicht als Rechtfertigung hergenommen habe, um alles wieder mit dem Hintern einzureißen, was ich die letzten zwei Monate in kleinen Schritten erreicht habe.

    Ich hoffe euch geht es gut, habt einen schönen Abend.

  • Oh weh, heftig. Viel Kraft für morgen.

    Du begleitest sie und du bist nüchtern. Das ist gut. Ich drück dich ganz fest.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Das ist ein harter Weg.
    Nur nüchtern kannst du ihn bestehen und nur nüchtern bist du deiner Mutter eine Stütze.

    Ich wünsch dir viel Kraft.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Für die nächste Zeit wünsche ich Dir viel Kraft, Novasol!

    Und natürlich Deiner Mutter ebenfalls. 🍀

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • ich wünsche dir für die Begleitung deiner Mutter viel Kraft, aber behalte dich auch im Blick und pass auf dich auf. Alles Gute auch für deine Mutter. 🍀


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo ihr Lieben, ich wollte mal wieder ein Lebenszeichen da lassen. Die letzten Wochen waren wild aber ich habe nicht getrunken. Nun ist erstmal alles organisiert und geregelt, was mit meiner Mutter zusammenhängt und ich komme zur Ruhe. Nicht zu trinken war meiner Meinung nach nicht nur hilfreich, sondern existenziell. Ich hätte meiner Mutter keine Stütze bei den diversen Terminen sein können, wenn ich die ganze Zeit verkatert gewesen wäre. Es gab zwei Situationen, in denen ich mir zu gerne eine Flasche „reingedreht“ hätte. Beide male habe ich den suchtdruck klar kommuniziert und mein Liebster war mir eine große Hilfe. Ein mal bat ich ihn, mich zu einer Gruppe zu fahren (nicht meine stammgruppe aber eine, die grade greifbar war) das andere mal hat es gereicht, mit ihm zusammen einen Spaziergang zu machen und uns danach mit Chips und Schokolade aufs Sofa zu kuscheln und zum 97.372 mal Harry Potter anzuschauen. Ich bleibe also am Ball, gehe inzwischen gern in meine Gruppe, kommuniziere, wenn ich kämpfe und probiere unterschiedliche Bewältigungsstrategien aus. Da habe ich festgestellt, dass -jedenfalls bei mir- nicht immer das gleiche hilft. Aber mein Werkzeugkoffer ist gut gefüllt und ich marschiere auf 80 nüchterne Tage zu.
    Habt alle einen schönen Abend 🌆

  • Ich reiße das mal aus deinem Satz raus, weil mich diese Worte so angesprungen haben.

    wenn ich kämpfe

    Wogegen kämpfst du an?

    Gegen den Alkohol? Gegen sie Sucht? Gegen den Saufdruck?

    Ich habe so lange gekämpft….gegen das alles. Und ich habe jeden einzelnen Kampf verloren.
    Erst, als ich akzeptieren konnte, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass auch immer bleiben werde und dass für mich ein Leben nur mit absoluter Abstinenz möglich ist, habe ich nicht eine Sekunde mehr kämpfen müssen und nie wieder Saufdruck gehabt.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Gute Frage Stern, ich habe da mal drauf rumgedacht. Ich denke ich habe gegen die Versuchung gekämpft, die ganzen Sorgen, die Ängste und den Druck mal für ein paar Stunden zu vergessen. Also wenn ich es umreißen müsste: pulle auf, Kopf aus! Es nicht zu tun, war eine rein rationale Entscheidung. Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn dieser Gedanke als Bewältigungsstrategie gar nicht erst aufgekommen wäre. Wie ich da nun konkret rangehe, weiß ich noch nicht. Ich werde das Thema morgen mit in die Gruppe nehmen. Danke fürs draufstubsen, manchmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht und die Frage, warum mein Kopf diese Karte überhaupt wieder zieht und mir anbietet, ja da sollte ich nochmal ran.

  • Mir hilft es auch immer sehr, auf den Gedanken von anderen drauf rumzudenken. Es sind ja erstmal Gedanken, die ich so noch nicht hatte oder wieder verworfen hatte.
    Vieles ist auch sehr hilfreich gewesen, gerade am Anfang. Manches habe ich auch erst viel später verstanden. Und natürlich gibt es auch einiges, was für mich überhaupt nicht passt. Wir sind doch alle verschieden, auch wenn die Alkoholabhängigkeit immer gleich ist.

    Dafür bin ich hier….mitnehmen, was passt, liegen lassen, was nicht passt und immer mal wieder gucken, was mit dem Liegengebliebenen war…..so bin ich jetzt schon über 3 Jahre zufrieden nüchtern.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • und die Frage, warum mein Kopf diese Karte überhaupt wieder zieht und mir anbietet, ja da sollte ich nochmal ran.

    Das ist eindeutig Dein Suchtgedächtnis, das sich da meldet.

    Und gerade am Anfang spricht dieses Gedächtnis noch sehr laut. Doch im Laufe der Zeit wird das weniger!

    Ich habe mir bewusst gemacht, dass Alkohol alles nur noch verschlimmern würde und dass ich andere Wege finden muss, um Probleme zu lösen. Und andere Wege, um zu entspannen.

    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und es dauert, bis sich alte Gewohnheiten mit neuen überschreiben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

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