BuyMyselfFlowers - Erfahrungsaustausch zu hochfunktionalen Alkoholikern

  • Liebes Forum,

    ich war beeindruckt von den Beiträgen im öffentlichen Forum. Es erscheint mir hilfreich, sich mit Betroffenen (beider Seiten) auszutauschen. Ansonsten kann doch niemand wirklich nachvollziehen, was man als (Co-)Abhängige erlebt und erleidet.

    Ich habe 17 Jahre mit einem (heute) funktionalen Alkoholiker gelebt, mit dem ich eine 13jährige Tochter habe. Die letzte 2 Jahre waren sehr belastend. Ich habe erkannt, dass aus dem kritischen Konsum eine Sucht geworden ist und ich viele "red flags", die früh da waren, nicht richtig gedeutet habe.

    Ich habe mich im Frühjahr getrennt, um mich und meine Tochter zu schützen. Nun setze mich nun mit dem erlebten auseinander, was teilweise sehr emotional und schmerzhaft ist.

    Durch unsere Tochter sind wir nun weiter verbunden und ich überlege, wie ich damit in bestimmten Situationen umgehen kann.

    Ich würde mich sehr freuen, aktiv an der Community teilzunehmen und Erfahrungen auszutauschen.

    Herzliche Grüße

  • Hallo Bymyselfflowers,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den u.g. Link und schreibe einen kurzen Satz.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema zu "Erste Schritte für Angehörige"
    verschieben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Deine Bewerbung ist eingegangen. Bevor wir dich freischalten, sollen wir deinen Namen ändern in

    BuyMyselfFlowers?

    Ich bin nicht sicher, ob das ein Tippfehler ist oder nicht, daher meine Nachfrage.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo BuyMyselfFlowers,


    du bist jetzt für die offenen Bereich freigeschaltet. Ich habe dein Thema in den Angehörigenbereich verschoben.

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.


    Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Sorrowful, es gab viele Momente, die mich im Nachhinein nachdenklich machen. Einiges hört sich sicher blöd an aber ist wirklich so gewesen:

    Mein Ex-Partner ist schon in den ersten 2-3 Jahren unserer Beziehung häufiger abends auf dem Klo eingeschlafen, was ich schon damals ekelhaft fand. Später ist er sogar am Tisch eingeschlafen, wenn wir Besuch hatten. Da hatte er schon beim Kochen so viel getrunken, dass der Wein zum Essen ihm den Rest gegeben hat. Da habe ich mich "fremdgeschämt". Die Abstände zwischen den Ereignissen waren aber so lang, dass ich sie gut verdrängen konnte.

    Er hat sich auf Feiern teilweise sehr betrunken, was ich für einen erwachsenen Mann, ungewöhnlich fand. Freunde fanden es lustig, dass sie ihm den Weg nach Hause zeigen mußten.

    Später waren es Trinkpausen, die wir uns gemeinsam vorgenommen hatten. Da war er in der Zeit so angespannt und verändert. Dass es etwas mit Symptomen einer Abhängigkeit zu tun haben könnte, das habe ich nicht gesehen.

    Ich bin erst wirklich aufgewacht, als ich Alkohol im Büro (Homeoffice) entdeckt habe, als ich wahrgenommen habe, dass er schon morgens trinkt.

    Das waren nur einige "red flags". Damit könnte ich ein Buch füllen. Ich bin mir kürzlich bewußt geworden, wie viele Situationen es gab und bin dann immer ganz erschrocken.

  • Hallo buymyselfflowers,

    schöner Username. Mache ich seit der Trennung einmal in der Woche. Mir selbst schöner Blumen kaufen. Ist jetzt immer fest im Haushaltsbudget eingeplant.

    Zu den Red flags, kann ich nur sagen, dass ich sie bei meinem Ex eigentlich immer gesehen habe, mich aber schön selbst belogen habe, damit ich sie ausblenden konnte. Ich wollte sie nicht wahrhaben, da ich ja sonst eine klare Entscheidung hätte treffen müssen.

    Für mich ist es jetzt wichtig, dass ich daraus gelernt habe und mich und meine Bedürfniss nicht selbst verleugne. Ehrlich zu mir bin zu sehen was mir nicht gut tut und auch den Mut zu haben, Menschen aus meinem Leben zu entfernen.

    LG Momo

  • Hallo Momo, es tut so gut zu wissen, dass es anderen Menschen auch so gegangen ist. Ich habe mir auch fest vorgenommen, dass ich zukünftig klarer meine Grenzen setzen werde und mir Kompromisse bei wichtigen Themen gut überlege.

    Ich fühlte mich manchmal so alleine mit der Situation, weil "im außen" niemand mitbekommen hat, was ich und meine Tochter uns regelmäßig ansehen müssten. Nach dem Schritt der Trennung habe ich festgestellt, was ich doch für einen wunderbaren Freundeskreis habe, den ich in der Zeit davor vernachlässigt hatte. Ich war ja so beschäftig damit, unsere Beziehung und den Alkoholiker (unbewußt) retten zu wollen.

    Mein Ex lügt sich und seinem Umfeld immer noch erfolgreich etwas vor. Manchmal ärgert mich das so sehr! Dabei weiß ich, dass ich viel mehr bei mir bleiben sollte.

    LG

  • Hallo BuyMyselfFlowers,

    ich kenne diese " red flags" auch.

    Mir ist erst in den letzten 2/3 Jahren vor der Trennung von ihm bewusst geworden, was da schon am Anfang abgegangen war. Mein erster Mann war sehr sensibel und laut seiner Mutter " nicht so belastbar, der Arme". Da hab ich, wenn er abends so tief geschlafen hat gedacht, er wäre so erschöpft. Ich hab ihn dann nicht wachbekommen.

    Oder auf Feiern, da war er oft schon nach kurzer Zeit so betrunken, dass er nicht ansprechbar war. Alles sowas.

    Er hatte Ende der 80er Jahre eine Gehirnblutung, musste, weil er dabei oder dadurch kurzfristig epileptischen Anfälle gehabt hatte, Medikamente nehmen. Da dachte ich, es käme davon. Dieses " Benebeltsein". Das erzählte er mir dann auch immer so. Bis ich merkte, er trank trotz dieser Medis. Das hat sehr große Angst in mir ausgelöst. Und Wut.

    Dass du einen guten Freundeskreis hast ist echt klasse.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Willkommen BuyMyselfFlowers,

    ich war funktionierender Alkoholiker. Was ist denn "Hoch"-funktionierend?

    Mein Ex lügt sich und seinem Umfeld immer noch erfolgreich etwas vor.

    Das finde ich nicht ungewöhnlich. Ich habe das gute 25 Jahre gemacht. Das war bei mir gut möglich, da ich unter der Woche nur abends getrunken habe. Und nicht bis zum Absturz. Das heimlich trinken z. B., habe ich mir mit "ist nur damit sie nicht stresst" schöngeredet.

    Ich fing erst an es mir einzugestehen, als ich dann doch irgendwann starke körperliche Symptome bekam. Gerade, weil ich morgens und mittags ja nicht getrunken habe.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass das sich bei Deinem Ex ggfs. auf lange Sicht nicht ändern wird. Selbst mein damals bester Freund, den ich seit 30 Jahren kenne, sieht nicht ein, dass er Alkoholiker ist. Obwohl er all die Jahre mit mir mit gesoffen hat. Oft auch früher am Tag, da selbständig. Ich habe es aufgegeben und den Kontakt zu ihm praktisch abgebrochen. Ich finde es so schade. Aber es ist eben so.

    Wenn Du Frieden finden willst, ist kein Kontakt die beste Option für Dich, würde ich sagen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Lieber Alex_aufdemweg,

    Danke für deinen Beitrag! Das bestätigt mich in meiner Einschätzung, die zur Trennung führte.

    Ich bin mittlerweile fest überzeugt, dass es erst starke körperliche Symptome braucht, damit er vielleicht irgendwann aufwacht.

    In manchen Artikel, die ich reichlich gelesen habe, wird von „hoch“ funktional gesprochen. Daher habe ich den Begriff benutzt.
    Für mich bedeutet es, dass im außen nichts sichtbar ist. Sogar enge Freunde, die ich Anfang des Jahres eingebunden habe, konnten es kaum glauben.

    Hätten wir keine gemeinsame 13-jährige Tochter, dann würde ich den Kontakt komplett abbrechen. Ich versuche es auf das Minimum zu reduzieren. Und du hast vollkommen recht. Es ist momentan das beste für mich. Ich kann diese komische Kopie dieses Mannes (so hat es meine Tochter ausgedrückt!) einfach nicht ertragen.

  • Liebe Aurora , vielen Dank für deine Nachricht!

    Du hast vollkommen recht. Ein toller Freundeskreis ist so wertvoll. Auch meine Familie steht voll hinter mir. Sie alle helfen meiner Tochter und mir zur Zeit sehr, die Räume im Haus umzugestalten, um die „bösen Geister“ zu vertreiben.

    LG

  • Für mich bedeutet es, dass im außen nichts sichtbar ist. Sogar enge Freunde, die ich Anfang des Jahres eingebunden habe, konnten es kaum glauben.

    Und das kriegt man tatsächlich so hin, dass nur die Freunde ungefähr erahnen, was los ist, mit denen man trinkt, das weiß ich leider aus Erfahrung. Die reden ja auch nicht drüber, denn die wollen ja auch nicht, dass andere erfahren, was sie da so machen.

  • Natürlich habe ich mir automatisch Freunde gesucht, die auch viel zu viel getrunken haben. So war das kein Problem.

    Diese "Freunde" sind nun alle weg. Ausnahmslos alle. Als ich ein paar zufällig getroffen habe, ist mir auch aufgefallen, wie oberflächlich da gesprochen wird. Es wollte mich auch keiner fragen, wie es läuft. Sie waren damit beschäftig sich selbst zu hinterfragen und zu rechtfertigen. Das war es dann auch. Nassen Alkoholikern beim Bechern zuschauen, brauche ich jetzt wirklich nicht.

    Ich vermisse diese "Freundschaften" nicht, da es nie welche waren.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Liebe BuyMyselfFlowers,

    wunderbarer Name! Seit meiner Trennung kaufe ich mir tatsächlich manchmal selbst Blumen. Du auch? Ich hatte fast immer Blumen zu Hause als ich noch in meiner Beziehung war, eine Bekannte meinte mal, ich hätte so einen tollen Mann, weil bei mir immer frische Blumen sind, dabei waren es jeweils Entschuldigungsblumen nach eskalationen...

    Schön, dass du es geschafft hast, dich zu trennen, auch wenn es schmerzhaft war und immer noch ist.

    Das mit den red flags kenne ich auch. Aber ich erkenne sie tatsächlich erst im Nachhinein. Ich kannte mich mit Alkoholismus überhaupt nicht aus und war diesbezüglich ziemlich naiv, sodass ich sagen muss, dass ich sie in dem Moment nicht gesehen habe oder auch nicht sehen wollte. Zb dass er immer schon viel getrunken hat. Aber er war immer noch gleich lieb und freundlich, also hat es mich nicht gestört. Oder dass er im betrunkenen Zustand mal unsere Verlobung gelöst hat und am nächsten Tag nichts mehr davon wusste. Aber die Abstände solcher Ereignisse waren so groß, dass ich sie gut wegschieben konnte...

    Sie alle helfen meiner Tochter und mir zur Zeit sehr, die Räume im Haus umzugestalten, um die „bösen Geister“ zu vertreiben.

    Schön, dass du Menschen hast, die dich unterstützen. Hast du auch geräuchert? Ich habe bereits zweimal geräuchert seit der Trennung. Hilft es nix, schadets auch nix ;) Mir hats gut getan!

  • Liebe Jana , deine Nachricht tut gut.
    Wie sich doch die Geschichten ähneln. Und im Nachhinein ist alles so klar.
    Da bin ich manchmal fassungslos, wie akzeptiert Alkohol in der Gesellschaft ist und wie sorglos wir damit umgehen. Das führt ja dazu, dass man die Ereignisse erst zu spät hinterfragt.

    Eine Freundin hat mir das mit dem Ausräuchern auch vorgeschlagen. Ich glaube, dass ich es auch versuchen werde. Und wie du sagst, wenn es nur zum Spaß ist.

    Und die Blumen werde ich mir ab jetzt wöchentlich gönnen!:)

    LG

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