Sonnenschein CoA - Ich will MEIN Leben zurück

  • Hallo Sonnenschein,

    alles, was ich hier schreibe sind Erfahrungen. Selbst gemachte aber auch das, was ich hier im Austausch mit Coabhängigen seit 17 Jahren lese und gelesen habe.

    Und da erschreckt es mich immer wieder, wie ähnlich das abläuft. Als ich hier ankam war ich froh darüber. Denn zu der Zeit hatte ich schon einige Dinge über Alkoholismus erfahren. Aber nur sehr wenig über Coabhängigkeit. Denn leider ist das noch immer ein vernachlässigtes Thema. Und hier las ich, dass meine Gedanken, Gefühle und Taten " normal" waren. Im Zusammenleben mit einem Suchtkranken.

    Und ich erfuhr, dass ich nur für mich selbst was ändern konnte. Gemerkt hatte ich das ja schon viele Jahre lang. Aber ich hatte immer gedacht, dass läge an mir. Dass ich ihn nur mehr unterstützen, bestärken und quasi dazu bringen müsste, etwas gegen seine Sucht zu tun. Ich legte ihm Flyer hin, Infos. Redete mir den Mund fusselig.

    Erfolg: Null. Glühende Versprechungen seinerseits kamen immer wieder, kurze Trinkpausen um mich zu beruhigen. Aber es folgte nichts daraus. Nach kurzen Pausen ging es weiter wie vorher.

    Ich wurde immer erschöpfter, wütender, mutloser. Ich wurde kleiner und kleiner weil er immer die Schuld auf mich schob. Und er wurde, als Folge der Sucht, immer übergriffiger, psychische Gewalt war an der Tagesordnung.

    Ich bin immernoch hier weil ich meine Erfahrungen teilen möchte. Denke, vielleicht kommt jemand eher da raus als ich damals. Ich hatte diese Selbsthilfegruppe hier erst als ich am Ende war und bereit, mich zu trennen. Aus Selbstschutz und um meinen letzten Rest Würde zu retten. Meine Kinder, damals schon erwachsen, atmeten auf, bestärkten mich, waren froh, dass ich da endlich ausstieg.

    Zu Hause war er dann erst 5 Stunden später und total betrunken. Mir hat er dann erzählt, dass er für Freitag einen Arzttermin vereinbart hat und außerdem mit jemanden, der ihm schon einmal einen Job angeboten hatte. Danach haben wir viel geredet und ich war schon fast überzeugt, dass er es ernst meint. Heute Morgen wach ich dann auf und mir fällt ein, dass gestern Nachmittag der Arzt geschlossen hatte und er gar keinen Termin gemacht haben kann. Panikattacke und das Lügengerüst wird weiter gebaut.

    Sowas kenne ich zur Genüge. Versprechungen um mich wieder zu beruhigen und weitermachen zu können. Es gab immer eine Ausrede, warum es mit dem Arzt oder so nicht geklappt hatte. Oder warum eine Therapie nichts wäre...

    Ich glaube, dass die Einsicht da ist, aber er den Weg daraus nicht kennt.

    Mag sein, daß spreche ich ihm nicht ab. Dafür gibt es Suchtberatungsstellen, die können ihm da weiterhelfen.

    Zumal nun einige Angestellten schon sagen, dass sie das nicht mehr ertragen und für sich sonst etwas anderes suchen müssen.

    DAS ist ja mal eine Ansage. Im Grunde genommen machen die Angestellten das richtige für sich. Sie " retten" sich gewissermaßen.

    Ich lese hier immer davon, dass die Partner schon X Entzüge hinter sich haben und trotzdem nicht aufhören. DA SIND WIR NOCH LANGE NICHT. Für mich und ihn ist das alles neu. Vor kurzem war ich mir nicht einmal sicher, ob er Alkoholiker ist.

    Du kannst doch entscheiden, ob du dich diesen Erfahrungen hier anschließen möchtest. Bzw für dich daraus was machen möchtest um zu einem glücklichen, freien Leben zu kommen. Es ist doch DEIN Leben. Niemand kann oder darf dich zwingen.

    Ich weiß nur dass es bei mir erst aufwärts gehen konnte als ich mein eigenes Leben in den Fokus gestellt hatte. Als ich begriffen hatte, ändern kann ich nur was für mich selbst.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Aber wenn dann auch der Expartner ja immer meint, man übertreibe...

    Mir ist inzwischen klar geworden, dass man dieses Argument nicht nur bei Alkoholikern, sondern bei allen Leuten außer Abstinenzlern sofort in die Tonne treten kann. Oder muss.

    Denn es bedeutet gar nichts. Alle Leute, die Alkohol trinken, halten ihre Mengen und Häufigkeiten für komplett normal.

    Wenn mir jemand bei meinen, was weiß ich, vielleicht zwei Flaschen Wein pro Jahr sagen würde, dass das viel ist, würde ich auch sagen: Du übertreibst!

    Aber meine Ex mit mindestens zwei Flaschen pro Woche meinte genau dasselbe.

    Und nach allem, was ich gelesen habe, gibt es da nach oben keine Grenze: "Du übertreibst!"

    Mein Gefühl ist inzwischen grob, dass einem ungefähr 8 von 10 Leuten sagen würden, dass sie finden, dass es bei Frauen so langsam haarig wird, wenn es im Durchschnitt (oder besser: ziemlich regelmäßig) mehr als eine Flasche Wein pro Woche ist, und bei Männern mehr als 5 große Bier.

    Aber das ist subjektiv, nur mein persönlicher Eindruck. Da ich da als Wenigtrinker echt keinen großen Einblick habe, nehme ich das jetzt mal für mich als Richtschnur, was für ein Empfinden man bei den meisten Leuten so erwarten kann.

  • Hi Sonnenschein, ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Mir haben diese Ratschläge. Was kannst du heute für dich tun, damit es dir besser geht, anfangs auch überhaupt nicht geholfen. Ich glaube tatsächlich, dass das niemandem am Anfang hilft, weil man einfach noch viel zu sehr drin steckt, fassungslos ist und nicht so richtig begreift, was da um einen rum passiert.


    Was mir erstmal geholfen hat, zu verstehen, dass der Alkoholiker nur sich selbst helfen kann. Allenfalls kann man helfen durch Nichthilfe, in dem man ihn alles alleine regeln lässt und ihm die Verantwortung zurück gibt. Er ist schließlich erwachsen.

    Dann hat mir die Erkenntnis geholfen, dass ein Alkoholiker nicht kontrolliert trinken kann. Und sich nicht zusammenreißen reißen kann. Er ist krank und hat nichts unter Kontrolle.

    Und am meisten hat mir schließlich geholfen, mir eine Liste mit den schlimmsten Abstürzen und Erlebnissen der letzten Monate anzulegen. Und da immer wieder dran zu denken. Und dann weiter zu denken. Will ich so weiter leben? Mit dem Bewusstsein, dass es immer schlimmer wird? Und dann wurde mir klar, dass ich so nicht weiterleben will und kann. Und dass ich das den Kindern auf gar keinen Fall zumuten kann.
    Und immer wenn es dann ein paar bessere Tage gab und ich dachte, ach doch, ich kann das irgendwie aushalten und ertragen - dann hab ich wieder an diese Liste gedacht.

    Und die Konsequenzen gezogen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich trenne, wenn er nicht aufhört zu trinken. Und das habe ich auch so gemeint. Zu dem Zeitpunkt wohnte er im Hotel und hat gehofft, dass ich ihm in dem Gespräch sage, dass er wieder nach Hause kommen kann.

  • Zu Hause war er dann erst 5 Stunden später und total betrunken. Mir hat er dann erzählt, dass er für Freitag einen Arzttermin vereinbart hat und außerdem mit jemanden, der ihm schon einmal einen Job angeboten hatte. Danach haben wir viel geredet und ich war schon fast überzeugt, dass er es ernst meint. Heute Morgen wach ich dann auf und mir fällt ein, dass gestern Nachmittag der Arzt geschlossen hatte und er gar keinen Termin gemacht haben kann. Panikattacke und das Lügengerüst wird weiter gebaut.

    Hier muss ich auch mal nachfragen.

    Du schreibst, er kam total betrunken nach Hause. Und ihr hättet später viel geredet.

    Auf Nachfrage von jemand anderem meintest du, ihre redet nur, wenn er nüchtern ist.

    Er kann ja gestern gar nicht nüchtern gewesen sein. Wenn er betrunken war, dauert das eher 2-3 Tage ohne einen Schluck, bis derjenige wieder richtig nüchtern und nicht mehr verkatert ist.

    Gespräche in dem Zustand konnte ich mit meinem Mann total vergessen. Wenn er betrunken war, hat er teils geleugnet und abgestritten, getrunken zu haben, obwohl das jeder sehen konnte. In Katerstimmung hat er alles eingesehen und Besserung versprochen. Viel versprochen und nichts gehalten. Bis ihm auch selbst klar geworden war, dass er nicht mehr kontrolliert trinken kann. Das einzusehen, dass er wirklich NIE wieder trinken kann, das war schwer für ihn und hat auch gedauert.

    Ich denke, dein Mann hat jetzt ziemlich klare Ansagen von dir und seiner Arbeit bekommen, jetzt muss er selbst sehen, wie er klar kommt und was er draus macht.

    Du könntest allenfalls noch die Telefonnummern von Suchtberatung und einer Klinik hinlegen, den Rest muss er dann selbst machen. Du kannst ihm wenn überhaupt, nur durch Nichthilfe helfen.

    Für dich wäre es bestimmt gut, etwas auf Abstand zu gehen. Gespräche kannst du dir eigentlich sparen. Sieh zu, dass er Taten sprechen lässt.

  • Ich hab ihm gestern in der Früh gesagt, dass ich möchte, dass er sich eine Tasche packt und nicht nach Hause kommt wenn er getrunken hat. Das es für mich und die Kinder nicht länger auszuhalten ist und uns belastet. Und das ich aufgebe und verstanden habe, dass er trinken möchte. Er hat keine Taschen gepackt, trotzdem getrunken, so getan als wenn es das Gespräch nie gegeben hätte und ist in der Nacht nach Hause gekommen, als alle geschlafen haben. Heute hat er wieder getrunken und kam dann entsprechend nach Hause. Ich gab ihn an meine Bitte von gestern erinnert. Dann hat er etwas zusammen gepackt und ist gegangen.

  • Sehr konsequent, das hast Du richtig gemacht und sei froh, dass er Dich gehört hat.
    Du weisst es gibt keinen anderen Weg.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Da ich ja von der anderen Fraktion bin, kann ich Dir nur sagen, es ist keine Entscheidung von ihm gegen Euch.
    Was mich betrifft, ich konnte nicht anders, ich musste trinken, weil ich süchtig war. Alkohol war lebensnotwendig, so paradox das klingt.
    Es war die Hölle und nur ich konnte mich da raus holen. Meine Familie hatte keine Chance.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ich weiß, meine Kopf ist klar. Aber das Herz tut weh. Wie kann ihm Alkohol wichtiger sein als Frau und Kinder, die ihn lieben? Wie kann man dafür nur so einen hohen Preis zahlen wollen? Ich weiß, es ist eine Sucht, aber ich kann es nicht nachvollziehen.
    Das ist als würde er sagen: ihr seid mir egal, ich liebe euch nicht.

  • Ich verstehe deinen Schmerz, deine Gedanken und deine Gefühle. So viele Jahre waren diese Sätze auch in meinem Kopf. Er kann, solang er keine Einsicht hat, nicht anders! Ich glaube, er liebt euch, aber für ihn steht diese Wahl nicht im Zusammenhang, die Sucht lässt ihn nicht so denken. So denken nur die Co‘s. 😭

    Liebe Grüße Petra

  • Es ist eine Krankheit und das Merkmal ist die Sucht mit Kontrollverlust.
    Es hat nichts mit Willen zu tun.
    Es ist so, als halte ich mir Mund und Nase zu, um nicht mehr zu atmen.
    Irgendwann reagiert mein Körper so heftig, dass ich aufgeben muss und atme.
    Jeder Vergleich hingt, aber in dem Fall ist es die Sucht nach Sauerstoff.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ja, das ist auch sehr traurig. Dieses Gefühl darf auch seine Berechtigung haben. Aber jetzt ist für euch erst mal Ruhe eingekehrt. Was wäre dir denn lieber? Abgesehen von dem Wunsch, das alles Heile ist, er nicht mehr trinkt und er wieder der ist der er mal war?

    Er ist deiner Bitte nachgekommen, vielleicht ist das seine Chance das Problem anzugehen.

    Versuche für heute, eine Nacht darüber zu schlafen eventuell siehst du morgen es positiv.

    Liebe Grüße Petra

  • Es wird etwas mit ihm machen. Er spürt die Konsequenzen seiner Sucht.
    Ich wusste genau, wie die kausalen Zusammenhänge sind und ich wäre nie auf die Idee gekommen,
    von meiner Familie Verständnis zu verlangen.

    Das ich leugnete, ignorierte, mich verstellte, war vermeindlicher Selbstschutz, sonst hätte ich ja aufhören müssen zu trinken,
    obwohl ich musste. Wie es gehen kann wusste ich, aber es war lange kein Weg, den ich für mich zugelassen habe,
    aus Scham, aus Angst.....

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Wie muss ich denken, um ihn zu verstehen?

    Wir können nicht so denken und es nicht verstehen/nachvollziehen.

    Fühl er sich jetzt nicht abgewiesen?

    Ich denke schon. Aber was bleibt dir denn anderes übrig? Außer es weiter auszuhalten, zu bleiben! Und eins kann ich dir nach meiner Erfahrung sagen, es wird nicht besser oder leichter. Im worst Case ist es, wie bei mir, einfach nur eine endlosspirale und ein ewiges auf und ab.

    Liebe Grüße Petra

  • Hallo zusammen,

    ist grad jemand da, der mich auffangen oder mir den Kopf waschen kann?

    Ich habe gerade meinen Mann weggeschickt. Ich weiß, dass es richtig ist, aber nun bin ich und die Kinder sehr traurig. 😢

    Liebe Sonnenschein

    Warum möchtest Du denn den Kopf gewaschen bekommen?

    Du hast alles richtig gemacht.

    Warst sehr mutig!

    Bist für die Kinder und Dich eingestanden!

    Dein Mann nimmt Dich ernst!

    Ihr seid traurig, weil ihr liebende und liebenswerte Menschen mit Gefühlen seid - zum Glück!

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