Joshi - Trennung oder Durchhalten?

  • Hallo, ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestossen und finde mich hier wieder.

    Mein Mann (14Jahre verheiratet) hat schon immer viel getrunken. Da ich im Laufe der Jahre viel Druck gemacht habe, trinkt er schon lange nicht mehr täglich, sondern hat unregelmäßig (manchmal dauern die trockenen Phasen 2-3Wochen, manchmal schafft er es auch Monate) Da er dann aber alleine und heimlich trinkt, ist es so unberechenbar für mich. Ich sehe es aber sofort, aber er leugnet dann und kommt am nächsten Tag zerknirscht an.

    Jedes Mal bin ich so enttäuscht und verletzt. Bislang habe ich für unseren gemeinsamen Sohn (12 Jahre) durchgehalten. Und auch weil es in den Zeiten zwischen den Rückfällen immer sehr gut mit uns läuft und ich ihn nach wie vor liebe. Zusätzlich habe ich eine Angsterkrankung. Ich bin sehr ungern allein.

    Gestern war es mal wieder soweit und ich habe ihn heute gebeten sich eine andere Bleibe zu suchen.

    Eigentlich will ich mich nicht trennen, aber er wird es ohne Crash doch nie schaffen… bin so verwirrt und ängstlich.
    Joshi

  • Wilkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe, Joshi!

    Es ist so, wie Du schon erkannt hast, Dein Mann legt nur Trinkpausen ein.

    Aber nur er allein kann seine Alkoholsucht zum Stoppen bringen, wenn er das wirklich will. Und danach sieht es nicht aus.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern hier im Forum klicke den folgenden Link an und schreibe einen kurzen Satz.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema zu "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Joshi.

    Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo an Alle,

    Gibt es hier auch Beispiele für einen positiven Ausgang? Ich liebe meinen Mann noch immer sehr und möchte eigentlich gar keine Trennung, aber das Trinken macht mich einfach fertig. Das Vertrauen ist gestört. Er ist ein so toller Mensch ohne den Alk. Ein toller Ehemann und Vater. Er war auch schon mehrmals bei der Suchtberatung und es sind auch Familie und Freunde vollumfänglich involviert. Er geht regelmäßig zur Arbeit. Eine Klinik hatte er schon mal angefragt und auch einen Termin vereinbart, ist dann aber nicht gegangen, weil er Angst um seinen Arbeitsplatz hat, wenn er so lange ausfällt. Ich glaube ihm auch, dass er gerne aufhören möchte, aber er denkt immer noch er schafft das alleine… Aber ich leide so unter der Unberechenbarkeit wann er wieder trinkt.
    Danke für eure Antworten..

    Joshi

  • Joshi, du kannst Deinen Mann lieben und dich trotzdem trennen, um das Suchtsystem zu unterbrechen. Es ist auf jeden Fall Deine Sache, gut für Dich (!) zu sorgen … und aktuell geht es Dir ja schon nicht gut. Wenn Du nicht handelst, wird sich die Situation definitiv noch zuspitzen!

  • Danke für deine Antwort. Mir geht es bereits sehr schlecht damit.
    Deshalb hab ich ihn heute gebeten das Haus zu verlassen und sich eine Unterkunft zu suchen. Er hat seine Sachen gepackt, hat dolle geweint und ist erst mal in ein Hotel gegangen.
    Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Das war echt schwer für mich, aber du hast recht. Das Suchtsystem muss unterbrochen werden. Ein erster Schritt, der dennoch so unendlich weh tut…

  • Ja, das hat mir seinerzeit auch sehr weh getan. Aber ich bin mit Abstand so unendlich froh, mein Leben zurück zu haben. Ich hatte mich in dem Suchtsystem total selbst verloren. Und an seiner Trinkerei hat das null verändert. Nun hab ich mich in Sicherheit gebracht und das ist das Beste, was wir Angehörige für uns tun können.

  • Ich habe immernoch die Hoffnung dass der Knoten bei ihm platzt. Vielleicht mache ich mir da selbst was vor, aber heute Abend hilft es mir den Moment erst mal durchzustehen. Ich kann nicht glauben dass alles zu Ende ist. Jetzt ziehe ich das aber durch. Ohne Therapie und Abstinenz gibt’s kein Zurück…

  • Eine Klinik hatte er schon mal angefragt und auch einen Termin vereinbart, ist dann aber nicht gegangen, weil er Angst um seinen Arbeitsplatz hat, wenn er so lange ausfällt.

    Und was ist mit dem Arbeitsplatz, wenn auffällt, dass er alkoholbedingt nicht mehr leistungsfähig ist?

    Jetzt hast Du Deine Grenze aufgezeigt. Auch wenn es Dir schwerfällt, Joshi.

    Eine Therapie ist keine Garantie dafür, dass er abstinent bleibt im Anschluss, wenn er eine antreten sollte.

    Ich z.B. habe keine Therapie gemacht und bin jetzt 11 Jahre abstinent. Bei mir war entscheidend, dass ich erkannt habe, dass ich so nicht weiterleben kann.

    Unser Forum hat mir Kraft gegeben, so wie es Dir auch hoffentlich bald wieder Kraft und Zuversicht geben kann.

    Der Austausch mit anderen, die mit in diesem Thema sind, ist für jeden hilfreich und wichtig.

    Das gilt für Angehörige und auch für Alkoholiker.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Bei mir war es ähnlich, mein Mann ist auch ins Hotel gezogen, als ich es nicht mehr ausgehalten habe. Er war einsichtig, dass er ein großes Problem hat und war auch einige Wochen vorher für drei Wochen in einer Klinik. Er konnte aber noch nicht akzeptieren, dass er nie wieder trinken kann.

    Mir hat es sehr geholfen, hier zu lesen und ich war auch bei einer Suchtberatungsstelle. Sich da alles von der Seele reden zu können, hat mir auch sehr gut getan.
    Ich hatte auch oft den Gedanken, dass es so schlimm ja doch nicht ist, dass ich es vielleicht doch aushalten kann usw.

    ich hatte dann eine Liste mit den schlimmsten Erlebnissen, Abstürzen und Aussetzern, da habe ich immer wieder dran gedacht und mir war klar, dass ich so nicht mehr mit ihm zusammen leben will und dass ich das auch den Kindern nicht zumuten darf.

    Als ich ihm dann klargemacht hatte, dass ich mich wirklich trenne, wenn er nicht aufhört, war er geschockt und es hat aber gewirkt. Zu dem Zeitpunkt hatte er seine Arbeit auch schon sehr vernachlässigt, was ihm selbst auch klar war. Er hat dann tatsächlich aufgehört, nicht nur für uns, sondern ganz klar auch für sich, aber der Anstoß war, dass ich mich sonst getrennt hätte. Wir sind wieder zusammen und mittlerweile trinkt er seit über zwei Jahren nicht mehr.

  • Hallo Panama,

    danke für deinen Bericht.
    Es ist toll, das ihr es bis hierhin geschafft habt, ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass es so bleibt.

    Richtig schlimme Abstürze hatte mein Mann seit Jahren nicht mehr und davor auch nicht sehr oft. Daran kann ich mich nicht festhalten. Und er hat auch niemals seinen Job vernachlässigt. Noch nie gab es ernsthafte Konsequenzen aus seinem Verhalten. Daher ist es für ihn wahrscheinlich noch zu früh zu begreifen, dass es falsch ist, was er tut.

    Vielleicht hilft ihm die unbefristete Auszeit mal nachzudenken.

    Joshi

  • Liebe joshi

    Mein (Ex-)Partner hat auch noch nie ernsthafte Konsequenzen aus seiner Trinkerei erfahren. Außer das ich jetzt im Begriff bin auszuziehen. Aber auf der Arbeit und so alles tiptop! Er trinkt sehr sehr regelmäßig und sehr sehr viel, aber nur alleine Zuhause, sogar erst wenn unser Sohn im Bett ist. Aber eben immer. Und viel.

    Du hörst Dich sehr klar an, das war ich lange Zeit nicht.

    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Klarheit und viele gute Impulse hierbim Forum!

    Lg

    Api

  • Liebe Api,

    Ich ich kann das alles hier ziemlich klar kommunizieren, aber in meinem Inneren ist alles in Aufruhr. Es geht halt schon zu lange, da hatte ich auch schon viel Zeit an dem Thema zu arbeiten…

    LG

    Uli

  • Hallo an Alle,

    Gibt es hier auch Beispiele für einen positiven Ausgang?

    Herzlich Willkommen Joshi,

    diese Frage habe ich auch in den ersten Wochen hier gestellt. Der Funke an Hoffnung… vielleicht kann ich was tun um das Ruder rumzureißen. Ich musste bald erkennen das es nicht in meinen Händen liegt.

    Richtig schlimme Abstürze hatte mein Mann auch seit Jahren nicht mehr. Und er hat auch niemals seinen Job vernachlässigt. Er war meist für uns und seine Kinder da. Er ist ein lieber und guter Ehemann wenn er nicht trinkt.

    Und trotzdem wurde ich von Jahr zu Jahr immer unglücklicher in dieser Ehe.

    Ohne Selbsteinsicht wird sich bei einem Suchtkranken nichts verändern. 🥲

    Liebe Grüße Petra

    Liebe Grüße Petra

  • Guten Morgen,

    Nachdem ich in den letzten Tagen sehr sortiert denken konnte, bin ich jetzt wieder total down.


    Habe gestern meinen Mann zum ersten Mal wieder gesehen (er hatte unseren Sohn nach Hause gebracht).

    Ihm geht es echt schlecht. Er ist verzweifelt aus Angst uns ganz zu verlieren. Das tut mir echt weh das zu sehen. Getrunken hat er nicht.

    Er hat einiges unternommen, Termin beim Arzt, Anmeldung beim Sport etc. Er schämt sich so sehr, dass er sich nicht mal traut seine Eltern anzurufen.

    Woher weiß ich aber ob es wirklich bei ihm angekommen ist? Ich wünsche mir immer noch, dass es eine glückliche Zukunft für unsere kleine Familie gibt.

    Ich bin so verwirrt…

    Joshi

  • Hallo Joshi,

    Woher weiß ich aber ob es wirklich bei ihm angekommen ist? I

    es sollten dann Taten folgen, und nicht nur Lippenbekenntnisse.

    Er schämt sich so sehr, dass er sich nicht mal traut seine Eltern anzurufen.

    das ist in meinen Augen ein subtiler Appell an dein Mitgefühl, wenn er wirklich etwas begriffen hat, sollten auch andere Anmeldungen und Aktivitäten erfolgen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot,

    Ach ich fürchte ich kann einfach noch nicht loslassen.

    Zu begreifen, dass er jetzt alles was er tut allein verantworten muss ist einfach ungewohnt. Die ewige Kontrolle als Co ist so in mir gespeichert…

    Joshi

  • Hallo Joshi,

    Die ewige Kontrolle als Co ist so in mir gespeichert…

    wem sgst du das, ich kenne dass auch sehr gut. Es ist aber nicht nur die Kontrolle. Sollte der Partner trocken werden, will er plötzlich wieder mitreden und auch Entscheidungen treffen. Du siehst, mit der Trockenheit ist lange noch nicht alles vorbei.

    Er ist erwachsen, muß die Verantwortung für sein tun übernehmen. Dass du die Kontrolle hast, ist ein Trugschluß. Letztendlich hat der CO keine Kontrolle über den nassen Alkoholiker, Das Loslassen ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Ach ich fürchte ich kann einfach noch nicht loslassen.

    Zu begreifen, dass er jetzt alles was er tut allein verantworten muss ist einfach ungewohnt. Die ewige Kontrolle als Co ist so in mir gespeichert…

    Du schreibst, du kannst nicht loslassen - erwartest aber von ihm, dass er bitte den Alk loslässt. Hm.

    Er ist für sich verantwortlich und du für dich und das Kind!

    Und wenn ihr beide Abstand habt und tatsächlich wieder in eurer Mitte seid, spricht ja nichts gegen einen Neustart.

    Aber ganz ehrlich: Da liegt noch ein irre langer Weg vor ihm, den er erstmal gehen muss … und vor Dir liegt der auch.

  • Hallo Joshi, ich finde es normal, dass es seine Zeit braucht, um Gewohnheiten abzulegen. Wenn ich das noch richtig im Kopf habe, dann braucht man ca. 6-8 Wochen, um gewohnte Verhaltensweisen zu verändern.

    Bei vielen CoA gehört sicher das Thema Kontrolle dazu. Gut finde ich, dass du das schon auf dem Schirm hast, dass es hier etwas für dich zu tun gibt.

    Mir ging es ähnlich. Mir hat regelrecht etwas gefehlt, als mein alkoholkranker Partner ausgezogen war. Ich habe ja viele Monate damit verbracht, den Flaschenkreislauf zu beobachten. Ich habe Mimik und Gestik meines Partners sondiert, wenn ich nach Hause kam. Am Telefon habe ich mit dem einen Ohr gecheckt, ob wohl schon Alkohol im Spiel war. All diese sinnlosen Kontrollinstrumente rauben Zeit und bei mir hat sich der Mechanismus zum Schluss verselbständigt.

    Aber das Gute ist, dass es nachläßt, wenn man sich löst. Bei mir brauchte es Distanz. In der alten Situation zu verharren und mich abzugrenzen, das hätte ich nicht geschafft.

    LG

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