Perdita - Leben, Teil II

  • Hallo zusammen,

    auch hier sind die Weihnachtstage ohne grössere Ruckler vorüber gegangen, ganz kurz hatte ich ein schlechtes Gewissen, als einer ausgerufen hat: "wir können uns ja nicht mal besaufen!". Das war aber erstens nur ein dummer Spruch, und zweitens habe ich mir erlaubt, das schlechte Gewissen nicht zuzulassen, weil, es ist jedem unbenommen, sich zu besaufen. Ich hatte von meinen "Mitbewohnern" nie verlangt oder gefordert, dass sie auch keinen Alkohol mehr trinken, sie haben das von sich aus angeboten und gemacht. (Worüber ich sehr froh bin)

    Nun kommt das Jahresende mit schnellen Schritten immer näher, es ist meine Deadline. Ich will mir bis dahin über einige Fragen etwas klarer werden, sie müssen nicht abschliessend geklärt sein, aber die to-do-Liste für das nächste Jahr muss bis dahin geschrieben sein. Kleinere Sachen stehen da auch schon drauf, aber die eine grosse, existenzielle Frage habe ich noch nicht kleingestückelt gekriegt.

    Ich muss mein Leben ändern, weil es in dieser Form nicht mehr weitergehen kann. Ich habe schlicht und ergreifend kein Geld mehr, und das, obwohl ich jeden Tag sieben bis neun Stunden arbeite. Seit ich abstinent bin, bin ich eine sehr viel bessere Arbeitskraft geworden, Kater, Antriebslosigkeit, schlechte körperliche Verfassung sind weg, ich stehe nun morgens immer mehr oder weniger beschwingt auf, "man reiche mir die Kreissäge, wo ist das Brecheisen?"

    Dadurch habe ich im letzten Jahr auch sehr viel geschafft, was mich mit Freude erfüllt, aber es schleicht sich zunehmend eine Unzufriedenheit ein. Essen, ein Schulterklopfen und gute Wünsche als Lohn stehen für mich nicht mehr im richtigen Verhältnis zur geleisteten Arbeit. Ganz davon abgesehen, dass ich mit guten Wünschen keine Rechnungen bezahlen kann.

    Deswegen muss ich nun für mich entscheiden, wie es weitergehen soll. Suche ich mir hier eine Arbeit gegen Geld? Wird schwierig wegen der Sprachbarierre (Sprache lernen steht auf der to-do-Liste)und ich werde kaum noch Zeit haben, hier was zu tun. Gehe ich den Sommer über in meiner Heimat arbeiten? Möchte ich eigentlich nicht, aber ich würde halt in wenigen Monaten so viel verdienen, dass es wieder für ein Jahr hier reicht. Oder trete ich hier mal in ernsthafte Lohnverhandlungen? Damit tue ich mich sehr schwer, aber unangenehme Gespräche führen üben steht ja auch auf meiner to-do-Liste...

    Naja, ich hab ja noch vier Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Jetzt muss ich erstmal meinen Kamineinsatz abholen gehen, ich habe ein Schnäppchen in den Kleinanzeigen ergattert!

    Ich wünsch euch allen einen schönen Tag.

  • Da bin ich wieder, die Entscheidung ist gefallen, obwohl ich noch etwas mehr als 12 Stunden bis zur Deadline habe. Ich bin wirklich froh, dass ich wieder im Forum schreibe, ich habe gemerkt, dass mir das hilft, mich zu sortieren.

    Die Möglichkeit, ein paar Monate in der Heimat arbeiten zu gehen, hatte ich nur der vollständigkeit halber auch geschrieben. Als es aber geschrieben war, habe ich danach ständig daran denken müssen.

    Nicht nur, dass meine finanzielle Lage dann wieder für ein Jahr oder so geklärt ist, ich bin dann im Sommer auch weg, wenn die Gäste wieder kommen. Der letzte Sommer hat zwar gut geklappt, weil kaum Alkohol getrunken wurde, aber dieses Setting will ich trotzdem nicht mehr haben. Die ständige Sorge, ob die nächsten Gäste die kommen, welche sind, die "gerne" trinken, immer wieder der Diskussionsgegenstand sein, warum wir hier keinen Alkohol mehr ausschenken.

    Und ich habe mich auch unwohl dabei gefühlt, der Grund zu sein, warum es keinen Alkohol gibt. Es war ja über die Weihnachtstage auch hier im Forum bei manchen ein Thema, "wenn sie/er weg ist, können wir endlich die Weinflasche öffnen." Ich will meine Abstinenz niemandem überstülpen, aber ich will auch keinen Alkohol mehr um mich rum haben, auch nicht das sogenannte normale Trinkverhalten.

    Deswegen bin ich ganz einverstanden mit dieser Entscheidung, damit ist meine Lage zwar nicht langfristig geklärt, aber mittelfristig reicht mir erstmal. Ich habe auch einen Job gefunden, den ich gerne mache, wir müssen jetzt noch schauen, welche drei Monate genau ich weg sein werde.

    Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, ich fühle mich, als hätte ich aktiv etwas getan um meine Abstinenz weiterhin zu schützen und nicht mehr machtlos den/meinen Umständen ausgeliefert zu sein.

    Und ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

  • ich fühle mich, als hätte ich aktiv etwas getan um meine Abstinenz weiterhin zu schützen und nicht mehr machtlos den/meinen Umständen ausgeliefert zu sein.

    Wow, das hört sich gut an, vor allen Dingen, dass du erkannt hast, dass dich die Situation im Sommer belastet, mit der du dich vermeintlich arrangiert hast.
    Finde ich richtig gut. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner "Entscheidung" und ein gesundes und zufriedenes Jahr 2026.
    Komme gut rein, wir lesen uns drüben wieder;)

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Und ich habe mich auch unwohl dabei gefühlt, der Grund zu sein, warum es keinen Alkohol gibt. Es war ja über die Weihnachtstage auch hier im Forum bei manchen ein Thema, "wenn sie/er weg ist, können wir endlich die Weinflasche öffnen." Ich will meine Abstinenz niemandem überstülpen, aber ich will auch keinen Alkohol mehr um mich rum haben, auch nicht das sogenannte normale Trinkverhalten.

    Das ist dein gutes Recht. Ich verstehe dich auf der einen Seite mit dem unwohl fühlen, auf der Anderen Seite wurde es doch vorher klar kommuniziert. Sie wussten das es keinen Alkohol gibt und dann gibt es genug Möglichkeiten. Entweder gehen die, die Trinken möchten woanders hin oder sie sagen die geschlossen: Wir möchten trinken bleibe bitte zuhause.

    Für mich wäre beides in Ordnung. Hauptsache es herrschen klare Fronten.

    Deswegen bin ich ganz einverstanden mit dieser Entscheidung, damit ist meine Lage zwar nicht langfristig geklärt, aber mittelfristig reicht mir erstmal. Ich habe auch einen Job gefunden, den ich gerne mache, wir müssen jetzt noch schauen, welche drei Monate genau ich weg sein werde.

    Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, ich fühle mich, als hätte ich aktiv etwas getan um meine Abstinenz weiterhin zu schützen und nicht mehr machtlos den/meinen Umständen ausgeliefert zu sein.

    Top, das ist doch eine Gute Einstellung und ein tolles Gefühl 👍

    Und ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Danke dir auch.

  • Guten Morgen,

    in mir denkt es viel, seit meiner Entscheidung in der Heimat arbeiten zu gehen, bzw im Sommer nicht hier zu sein. Ich hatte mich mit dieser Entscheidung schwer getan, weil so vieles hier an mir hängt, inzwischen. Ich bin da nicht Stolz drauf, aber irgendwie ist es so gekommen, dass ich beinahe den ganzen Betrieb alleine schmeisse. Ich mache "in der Saison" durchgängig Arbeiten, die ich nicht sonderlich mag und die ich nie haben wollte, und kaum übernimmt man sie, bleiben sie an einem kleben.

    Und da kamen dann so Gedanken, wie dass denn gehen soll, und das wahrscheinlich ziemliches Chaos sein wird. Und dann kamen neue Gedanken für mich: dann gibt es halt Chaos, und vielleicht bricht auch das ganze, nennen wir es mal Projekt, zusammen. Dann ist das so.

    Diesen einen Schritt bin ich noch nie zurück getreten. Ich habe immer versucht, alles noch irgendwie zusammen zu halten. Aber warum eigentlich? Wenn das Projekt zusammenbricht, wenn ich mich mehr rausnehme, dann ist es zu krank um zu überleben.

    Ich hatte viel drüber nachgedacht, woher meine Unzufriedenheit kommt, da sie kein Wesenszug von mir ist. Wahrscheinlich eine Art Überlastung, ich bin nicht mehr bereit, mich aufzuopfern, bloss damit alles noch ein Jahr, und noch eins, schleppend durchgebracht werden kann. Vielleicht greifen langsam diese Veränderungen eines abstinenten Lebens, von denen ich hier schon viel gelesen habe.

    Ich dachte, wenn ich nicht mehr trinke, löst sich von selber alles in Wohlgefallen auf. Das war eine naive Hoffnung, wie ich nun weiss. Ich selber muss die Dinge ändern.

    Mir scheint, es wird einige Veränderungen geben, und doch fühle ich mich angesichts des drohenden Trümmerhaufens seltsam erleichtert.

  • Hallo Perdita,


    ich kann das, was du schreibst, total gut nachvollziehen. Erst das Lösen von vermeintlichen äußeren Zwängen / unveränderlichen Umständen, und dann auch diese Befreiung und Akzeptanz, dass es eben kommt, wie es kommt. Und die Stärke, die darin liegt, Prioritäten zu meinen Gunsten neu zu setzen.

    Ich dachte, wenn ich nicht mehr trinke, löst sich von selber alles in Wohlgefallen auf. Das war eine naive Hoffnung, wie ich nun weiss. Ich selber muss die Dinge ändern.

    Ich finde es nicht naiv. Es geht zwar nicht ganz „von selber“, aber die Trockenheit ermöglicht Handlungsfähigkeit. Und vorher das genaue Hinschauen; und die eigene Befindlichkeit nicht nur wahrzunehmen sondern auch zu benennen und daraus dann Handlungsoptionen zu entwickeln.

    Ich wünsch dir für 2026 ein gutes Jahr, aber die Weichen hast du ja gestellt dafür.

    Viele Grüße

    Thalia

  • Guten Morgen zusammen,

    ich habe heute mal eine allgemeine Frage, ausgehend von dem was du, Thalia1913 geschrieben hattest:

    Und vorher das genaue Hinschauen; und die eigene Befindlichkeit nicht nur wahrzunehmen sondern auch zu benennen

    ich finde das genaue Hinschauen wichtig, es ist ja eine Form der Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit hatte mir gerade am Anfang sehr geholfen. Aber sie ist, zumindest bei mir, kein Selbstläufer, sie kommt mir immer mal wieder abhanden und dann wurschtel ich so vor mich hin bis ich wieder irgendwo steckenbleibe, und erst dann wieder genau hinschaue, was eigentlich los ist.

    So eine Art Tagebuch hilft mir sehr, beim genauen Hinschauen, aber manchmal fange ich an, hier was zu schreiben und denke mir dann: "ja, aber was hat das mit Sucht zu tun, welche Berechtigung hat das in einem Alkoholiker-Forum?" und lösche es dann wieder. Und dann wieder denke ich, dass der Gefühlshaushalt schon einiges mit Sucht zu tun hat, egal, ob er nun ausgewogen oder durcheinander ist.

    Was mich nun zu meiner Frage führt, ob es denn in Ordnung ist, wenn es hier in meinem Faden auch mal Einträge von mir hat, die auf den ersten Blick nichts mit Sucht zu tun haben. Weil bei mir einfach nicht immer Drama ist, oft plätschert mein Leben beschaulich vor sich hin. Bis ich dann immer mal wieder merke, dass die Beschaulichkeit nur noch eine dünne Decke ist, die ich über Gefühle werfe, die schon lange in mir gären.

    Auf meiner to-do Liste für 2026 steht, auch "schlechte" Gefühle sehen, zulassen und handeln bevor sie (unnötigerweise) zu gross werden. Und ich dachte mir, vielleicht sehe ich sie früher, wenn ich mehr schreibe.

  • Schau dich in den anderen Fäden um, da findest du eine Antwort.

    Du darfst hier alles schreiben, was regelkonform ist.
    Schreiben hilft mir, den Fokus auf mich zu lenken, mich mit mir auseinanderzusetzen.
    Schreiben fördert Achtsamkeit.
    Ein abstinentes Leben besteht nicht nur aus der Sucht, aber die Sucht wird immer ein Teil davon bleiben.
    Du wirst gelesen und die langjährig erfahrenen User können auch erkennen, ob ein Leben, ein Alltag sich in eine anfällige, labile Richtung entwickelt, obwohl ich es selbst gar nicht so sehe.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Was mich nun zu meiner Frage führt, ob es denn in Ordnung ist, wenn es hier in meinem Faden auch mal Einträge von mir hat, die auf den ersten Blick nichts mit Sucht zu tun haben. Weil bei mir einfach nicht immer Drama ist, oft plätschert mein Leben beschaulich vor sich hin. Bis ich dann immer mal wieder merke, dass die Beschaulichkeit nur noch eine dünne Decke ist, die ich über Gefühle werfe, die schon lange in mir gären.

    ich bin jetzt ein Jahr hier, und am Anfang habe ich ziemlich viel über meine Suchtvergangenheit gescrieben. Mach ich auch heut noch ganz gerne, und ich habe da auch kein Problem damit.

    Und ich bin 25 Jahre trocken, da passiert nicht mehr viel Drama, mein tägliches Leben läuft durchaus auch mal langweilig vor sich hin. Das meiste Drama, was in meinem Leben vorkommt, sind jetzt hier die Probleme Anderer. Eine Menge Probleme, die viele Leute hier haben, hatte ich mal, aber 25 Jahre Trockenheit führen auch dazu, dass ich schon sehr viel in mir genehme Bahnen geleitet habe. Natürlich hab ich ein paar Schwierigkeiten, aber das steht dann auch da. Und ansonsten habe ich ein paar Lebensentscheidungen getroffen, über die ich sehr froh bin.

    Für mich ist es so, dass ich das Thema nicht ganz vegessen möchte.
    Andere haben mir geschrieben, dass sie auch ganz gerne lesen, das die Trockenheit nach dieser Dauer auch gerne mal eine entspannte Angelegenheit ist. Also nicht ein ewiger Kampf, permanenente Aktion etc. Und ich bin aufgrund meiner Trockenerfahrung davon sehr überzeugt und gebe das weiter.

    Und mein Leben ist ein Gesamtpaket, mein emotionaler Zustand gehört zu meiner Trockenheit, ist zu großen Teilen durch sie bedingt, denn wenn ich trinken würde, wäre mein Leben ganz anders.

    Ich soll ruhig mal langweilig schreiben, haben sie mir gesagt.

    Ansonsten, wenn Dir kein Moderator auf die Finger klopft, wird nicht viel dagegen sprechen.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hallo Perdita,

    Einträge […], die auf den ersten Blick nichts mit Sucht zu tun haben.

    Ja ja, „auf den ersten Blick“….

    Bei mir hat alles, was mit mir persönlich zu tun hat, zumindest mittelbar auch mit meiner Sucht zu tun.

    Ich habe in den ersten Monaten und Jahren, in denen ich trocken und hier im Forum war, ziemlich viel hier geschrieben, und nur selten hatte es auf den ersten Blick mit Sucht zu tun - ich war damals auch schon sieben oder acht Monate abstinent, als ich hierher kam, aber ich hab gemerkt, dass es wichtig für mich ist, nah an mir dran zu bleiben, und genau, wie du es auch beschreibst: das Formulieren und Aufschreiben hilft dabei sehr.

    Ich hab damals auch viel in den anderen, auch älteren Tagebüchern gelesen, und mir da Sachen rausgepickt, die mit mir was zu tun hatten oder in mir was ausgelöst haben, und davon dann geschrieben. Und darüber kam dann manchmal ein Austausch zustande, der mich weitergebracht hat.

    Ich konnte mich auch durch das Schreiben und mich Öffnen hier auch erst richtig hier verankern, und das ist zu meinem wichtigsten äußeren Pfeiler meiner Abstinenz geworden, dass ich durch meinen Austausch hier Teil dieser SHG bin, nicht nur durch mein hier angemeldet sein.

    Ich habe gelesen, dass du für dich wichtige Weichenstellungen vornimmst dieses Jahr. Ich könnte mir - vor meinem eigenen Erfahrungshintergrund - vorstellen, dass dir das Schreiben hier auch in diesem Prozess hilfreich sein kann. (Da ist nur immer daran zu denken, dass dies hier offen für alle im Internet lesbar ist.)


    Viele Grüße und ich würde mich jedenfalls freuen, mehr von dir zu lesen.

    Thalia

  • Guten Morgen,

    vielen Dank für eure Antworten, Nayouk24 , Lebenskuenstler und Thalia1913 . So unterschiedlich sie sind, konnte ich dadurch mein diffuses Gefühl doch etwas klarer sehen. Dass auch die kleinen, alltäglichen Dinge in meinem Leben ihren Platz und ihre Berechtigung in einem Alkoholiker-Forum haben dürfen, weil sie mehr oder weniger mit der Sucht verwoben sind.

    Und diese Sucht bleibt ja nun ein Leben lang ein Teil von mir. Ich habe festgestellt, dass ich damit nicht mehr hadere. Natürlich hätte ich mir das nicht ausgesucht, wenn ich im Nachhinein wählen könnte, aber da es jetzt halt so ist, habe ich das akzeptiert. Ich habe einen Abgrund in mir drin, und der zwingt mich dazu, achtsam mit mir selber umzugehen, das ist ja auch nicht das schlechteste.

    Ich würde mich auch "erst" als abstinent bezeichnen, und noch nicht als trocken. Dass ich abstinent lebe, kann ich klar messen, welchen Trocknungsgrad ich schon erreicht habe, nicht ganz so klar. Durchgetrocknet bin ich jedenfalls noch nicht, wenn ich mich mal als Wandverputz betrachten darf.

    Ich muss auf meiner Baustelle zur Zeit warten, bis erste Schichten endlich trocken sind, damit ich weitermachen kann. Ich bin da sehr unwirsch: "warum seid ihr immer noch nicht trocken?!?" aber dann, wer bin ich, solch ungeduldige Fragen zu stellen?

  • Ich habe einen Abgrund in mir drin, und der zwingt mich dazu, achtsam mit mir selber umzugehen, das ist ja auch nicht das schlechteste.

    Das hast Du sehr gut formuliert, Perdita! Genauso ist es!:thumbup:

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • hallo perdita

    mein tagebuch ist ja nu in der geschlossenen, was meinst du was da nach fast 25 jahren noch großartig mit sucht zu tun hat. es ist mein ganz banaler alltag. was meine kinder und enkel mir für sorgen und freuden bereiten, was mein hund angestellt hat, womit ich mir mein leben fülle. garten, campingplatz handarbeiten malen. alkohol spielt in meinem realen leben einfach keine rolle mehr, daher gibt es diesbezüglich in meinem tagebuch auch nichts zu berichten. die sucht ist nicht mehr präsent. ich bin hier um sie nicht zu vergessen aber mein leben verläuft ohne sie.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Guten Morgen,

    ich habe jetzt noch ungefähr eine halbe Stunde, dann muss ich hier weg. Meine Waschmaschine liegt im sterben, und sie geht extrem laut zugrunde, vorallem wenn sie in den Schleudergang geht. Deswegen ist waschen zur Zeit immer: Wäsche rein, anstellen, und nix wie weg. Ich hab jetzt aber keine Lust, youtubevideos zu gucken, wie man Waschmaschinen repariert, dieses eine Mal wird sie es schon noch schaffen. (Sag ich mir schon seit Wochen...)

    Ich geh sowieso gleich raus, ich will heute den Wein (die Pflanze)umhängen. Das ist eine Rankepflanze, und da wo sie jetzt entlangwächst, wächst sie schlecht, sie greift Bausubstanz an. Und es nützt nichts, wenn ich Innen das Zimmer schick mache, während es von aussen von der Weinpflanze aufgefressen wird! Sobald die umgeleitet ist, ich hoffe, sie lässt das noch mit sich machen, kann ich mich um den tragenden Balken dahinter kümmern, der von der Feuchtigkeit angegriffen wurde.

    Es ist schon auch ein Bedauern da, dass ich diesen Sommer nicht hier sein werde, weil ich mich dann z.B. nicht um meinen Garten kümmern kann, aber der Entschluss steht fest. Die psychische Gesundheit als Teil der Abstinenz hat Vorrang.

  • Hi Perdita,

    meine Erfahrung mit Weinpflanzen ist, dass ich da manchmal sehr energisch werden musste.;) Die sind sagen wir mal beratungsresistent.;);)

    Deine Entscheidung zum Geldverdienen nach D (?) zu kommen finde ich gut.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Guten Morgen,

    ich musste gestern tatsächlich recht energisch werden Kazik , aber jetzt ist die Weinpflanze von der Ostwand an die Südwand umgehängt, und das bekommt sowohl Wand als auch Pflanze viel besser.

    Ich habe gerade einen Gesprächstermin mit einer Bekannten ausgemacht, die diesen Sommer für zwei Monate hierher kommen möchte, auch schon öfters hier war. Sie weiss noch nicht, dass ich nicht hier sein werde, aber das wird unter anderem Thema sein beim Gespräch. So ganz "nach mir die Sintflut"-mässig zu gehen schaffe ich dann doch nicht.

    Nun kann man sich natürlich fragen, warum ich so ein Getue um meine Abwesenheit mache. Es ist, weil ich zur Zeit die einzige hier bin, die funktioniert. Die andern haben entweder ein sehr fortgeschrittenes Alter oder psychische Probleme (keine Sucht). Das funktioniert schon leidlich als Team, wenn jemand den Überblick bewahrt. Das fängt schon mit so kleinen Sachen an wie Briefkasten leeren und up to date bleiben mit Rechnungen, damit Internet und Strom nicht ausgeschaltet werden, und geht dann weiter über irgendwie erreichbar sein, Buchungsplan erstellen, Zimmer sauber machen, kochen, einkaufen usw...

    Und das bin halt ich, und es wird gefühlt immer mehr, "Perdita macht das schon." Aber Perdita hat keine Lust mehr hier die allumfassende Mutter zu geben, die sich um alles kümmert. Vorallem weil das auch so eine Einbahnstraße ist, die irgendwann bis hin zu Pflege führt. Und für Pflege bin ich nicht zu haben. Das ist etwas, das ich ausnahmsweise auch schon klar kommuniziert habe.

    Und doch habe ich das Gefühl, dass ich schleichend genau auf diesen Punkt zusteuere. Ich will das nicht! Ich fühle mich im Handwerk zuhause, weder in der Pflege noch in der Gastronomie. Deswegen kommen für mich beinahe täglich mehr Gründe dazu, warum ich hier mal eine Weile weg will. Die dann den Gründen gegenüber stehen, warum ich hier bleiben will. (Meine Katzen, mein Haus, mein Garten...)

    Und da kommt dann diese Bekannte ins Spiel, ich wäre mit einem viel besseren Gefühl weg, wenn ich wüsste, dass hier zumindest irgendjemand verlässlich erreichbar ist. Sei es nicht für die Gäste, so zumindest für mich. Ich möchte schon gerne ab und zu hören, wie es Menschen und Katzen geht.

    Naja, mal schauen, was bei diesem Gespräch so rumkommt. Jetzt muss ich eine Lehmgrube graben gehen, ich habe etwas zuwenig Lehm-Verputz bestellt für meine Lehmwand mit Flächenheizung, muss ich meinen eigenen Verputz machen. Sand und Stroh hab ich schon besorgt, fehlt noch der Lehm.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Tag.

  • Mir geht es gerade sehr gut, ich bin ganz happy mit meiner neuen Lehmgrube. Gestern ist auch mein Fachbuch über Lehmbau angekommen und ich werde gleich eine Testreihe mit verschiedenen Testfelder anlegen, um das ideale Mischungsverhältnis für den Lehm aus dem Boden hier rauszufinden.

    Ich hatte gar nicht vor, in dieses Thema einzusteigen, aber nun bin ich da gelandet. Es kann nicht Schaden, wenn ich lerne, wie ich meinen eigenen Lehmputz herstellen kann, weil dieses Haus ein altes Fachwerkhaus ist, das in den 80er Jahren schlecht renoviert wurde. Alle meine Schubladen und Schränke sind schon aufgeräumt, deswegen bin ich dazu übergegangen, das Haus "aufzuräumen" und ein Zimmer pro Winter zu renovieren. Ich werde in Zukunft also noch öfters Lehmputz brauchen.

    Ich kann mich immer noch jeden Tag drüber freuen mit Energie statt Kater aufzuwachen, es ist wirklich ein ganz anderes, besseres Leben.

  • Guten Morgen,

    mir geht es auch heute gut, ich habe nur sehr Muskelkater. Das Dasein als Lehmgrubenarbeiterin scheint Muskeln zu beanspruchen, die ich sonst nicht benutze. Ich habe gerade in einem andern Faden von einem Bandscheibenvorfall gelesen, das hat mich daran erinnert, auch auf meinen Körper zu achten, damit er nicht kaputt geht. Heute also eine Pause von diesen Bewegungen.

    Ich will sowieso draussen noch einiges erledigen, bevor es ab morgen wieder regnet.

    Ich wünsch euch allen einen schönen Tag.

  • Guten Morgen,

    gestern habe ich gute Neuigkeiten gekriegt. Ich arbeite hier für zwei verschiedene Parteien, einmal den laufenden Betrieb hier vor Ort (Gäste, Instandhaltung) und für die zweite Partei, die in D wohnt, baue ich eine alte Scheune auf dem Gelände zum Wohnhaus aus. Der Ausbau ist die Arbeit die ich sehr gerne mache, aber nicht mehr umsonst als Freundschaftsdienst machen kann/will.

    Und mit denen hatte ich gestern ein langes Telefongespräch, sie sehen das völlig ein, und werden mir heute rückwirkend einen grösseren Betrag überweisen und ebenfalls ab anfang Jahr krieg ich jetzt monatlich einen Betrag als Lohn. Das ist kein Handwerkerlohn, aber das wollte ich auch gar nicht. Es ging mir eher darum, dass meine Arbeit irgendwie anerkannt wird und nicht alles als gegeben hingenommen wird.

    Und natürlich entlastet mich das erstmal, wieder bisschen Geld zu haben. Das grosse Geld hol ich dann im Sommer, wenn ich zu einem richtigen Handwerkerlohn in der Heimat arbeiten gehe. Ich bin grad sehr erleichtert, weil es so aussieht als ob das klappen würde, diesen Teil von meinem Leben aufzuräumen und in Bahnen zu lenken mit denen ich einverstanden bin. Potential für Unzufriedenheit aus dem Weg schaffen für eine stabilere Abstinenz.

    Wie toll! Jetzt kann ich mir eine Glasrand-Schleifmaschine kaufen, die wollte ich schon lange. Die braucht man, wenn man mit Buntglas arbeitet, zum Beispiel für Tiffany-Lampenschirme, oder für Fenster. Ich habe in meinem Haus Sprossenfenster, und möchte beim einen Fenster mit der Zeit, eine Glasscheibe nach der andern, durch Motive in Buntglas ersetzen. Wie man es von Kirchenfenstern kennt, die Sainte-Chapelle in Paris ist ein schönes Beispiel dafür.

    Hat kein Geld aber braucht Kirchenfenster in ihrer Bude? Ja, ja, unbedingt! Nobel geht die Welt zugrunde.

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