Hallo zusammen,
auch hier sind die Weihnachtstage ohne grössere Ruckler vorüber gegangen, ganz kurz hatte ich ein schlechtes Gewissen, als einer ausgerufen hat: "wir können uns ja nicht mal besaufen!". Das war aber erstens nur ein dummer Spruch, und zweitens habe ich mir erlaubt, das schlechte Gewissen nicht zuzulassen, weil, es ist jedem unbenommen, sich zu besaufen. Ich hatte von meinen "Mitbewohnern" nie verlangt oder gefordert, dass sie auch keinen Alkohol mehr trinken, sie haben das von sich aus angeboten und gemacht. (Worüber ich sehr froh bin)
Nun kommt das Jahresende mit schnellen Schritten immer näher, es ist meine Deadline. Ich will mir bis dahin über einige Fragen etwas klarer werden, sie müssen nicht abschliessend geklärt sein, aber die to-do-Liste für das nächste Jahr muss bis dahin geschrieben sein. Kleinere Sachen stehen da auch schon drauf, aber die eine grosse, existenzielle Frage habe ich noch nicht kleingestückelt gekriegt.
Ich muss mein Leben ändern, weil es in dieser Form nicht mehr weitergehen kann. Ich habe schlicht und ergreifend kein Geld mehr, und das, obwohl ich jeden Tag sieben bis neun Stunden arbeite. Seit ich abstinent bin, bin ich eine sehr viel bessere Arbeitskraft geworden, Kater, Antriebslosigkeit, schlechte körperliche Verfassung sind weg, ich stehe nun morgens immer mehr oder weniger beschwingt auf, "man reiche mir die Kreissäge, wo ist das Brecheisen?"
Dadurch habe ich im letzten Jahr auch sehr viel geschafft, was mich mit Freude erfüllt, aber es schleicht sich zunehmend eine Unzufriedenheit ein. Essen, ein Schulterklopfen und gute Wünsche als Lohn stehen für mich nicht mehr im richtigen Verhältnis zur geleisteten Arbeit. Ganz davon abgesehen, dass ich mit guten Wünschen keine Rechnungen bezahlen kann.
Deswegen muss ich nun für mich entscheiden, wie es weitergehen soll. Suche ich mir hier eine Arbeit gegen Geld? Wird schwierig wegen der Sprachbarierre (Sprache lernen steht auf der to-do-Liste)und ich werde kaum noch Zeit haben, hier was zu tun. Gehe ich den Sommer über in meiner Heimat arbeiten? Möchte ich eigentlich nicht, aber ich würde halt in wenigen Monaten so viel verdienen, dass es wieder für ein Jahr hier reicht. Oder trete ich hier mal in ernsthafte Lohnverhandlungen? Damit tue ich mich sehr schwer, aber unangenehme Gespräche führen üben steht ja auch auf meiner to-do-Liste...
Naja, ich hab ja noch vier Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Jetzt muss ich erstmal meinen Kamineinsatz abholen gehen, ich habe ein Schnäppchen in den Kleinanzeigen ergattert!
Ich wünsch euch allen einen schönen Tag.