KaDett - Nüchternheit als Lebenseinstellung

  • Dass mir der Alk von hinten ins Kreuz tritt, wird nicht passieren, ich hab ihn mir immer von vorne zur Brust genommen.

    Hallo

    Um mal bei dem Bild zu bleiben, er wird sich von hinten anpirschen, dir auf die Schulter klopfen, dich loben das du so stabil und stark 💪 bist. Zweifel säen.Dir vielleicht einflüstern das du doch schon lange übern Berg bist oder ähnliches. Das kann er ruhig, solange du achtsam bleibst und ihn erkennst.

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Es sind zwar nur Begriffe und Bilder, von denen wir sprechen, aber genau diese prägen unser Denken und unsere Vorstellungskraft.

    Ich habe mich mittlerweile mit dem Begriff „loslassen“ angefreundet. Ich lasse den Alkohol einfach los – ich klammere mich nicht mehr an ihn, weder physisch noch psychisch.

    Der Alkohol selbst ist ja schon ewig da – die alten Sumerer brauten bereits vor über 5.000 Jahren Bier.

    Der Alkohol hat nie etwas von mir gewollt, aber ich wollte umso mehr von ihm.

    Doch wenn ich ihn loslasse, passiert etwas Entscheidendes (jedenfalls in meinem Kopf): Er bleibt stehen. Er verfolgt mich nicht, er rennt mir nicht hinterher. Es liegt allein an mir, ihn hinter mir zu lassen, ihn loszulassen.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Nayouk diese Erkenntnis ist der Oberhammer und verändert alles für mich. Ich bin nun bald 8 Monate nüchtern, aber erst diese Woche entweder Dienstag oder Mittwoch ist wohl etwas geschehen in mir. Ich bekam die Tage hier 2 Beiträge, die für mich ultimativ waren. Einer vom Alex auf dem Weg und einer von Hartmut. Bei mir ist zum Thema echt der Groschen gefallen und es hat Klick gemacht in meinem ganzen Körper, Geist und Seele. Ich habe das auch gespürt, konnte es aber nicht zuordnen. Mir ging es besser, fröhlicher, leichter. Dachte kommt vom meditieren. Nein es kam vom Kapitulieren. Ich habe das wohl instinktiv oder keine Ahnung irgendwie unbewusst gemacht. Der Alk, ein großes schwarzes, dunkles, düsteres und riesiges Ungetüm steht mir gegenüber. Ich, eine zierliche Frau mit blonden langen Haaren, ich trage ein Kleid,hab blasse Haut, mir ist kalt. Ich habe das wirklich genauso visualisiert. Anspannung und Kampf liegt in der Luft wie Energiewellen, ich habe aber keine Angst, ich spüre jedoch, dass ich diesem riesigen Ungetüm nicht gewachsen bin und chancenlos gegenüber stehe. Ich brauche mich gar nicht mit ihm anzulegen, will nichts mit ihm zu tun haben, ich würde nur den Kürzeren ziehen. Ich drehe mich einfach um und gehe. Das Ungetüm Alk bleibt alleine stehen wie angewurzelt. Ich gehe weg, die Entferung wird weiter und weiter, der Alk ist nur noch ein kleiner schwarzer Punkt, lediglich die Erinnerung bleibt zurück.

    Diese Szene, also Visualisierung werde ich nie mehr vergessen. Habe ich wie ein Bild vor Augen.

    Bingo. Das war’s.

    So ist es jetzt. Meine Liste ist direkt kürzer geworden. Verzichtsgedanken sind weg, die sind bei dem Ungetüm geblieben. Kann er gerne behalten. Habe ihm alles dort gelassen, auch „nasses“ Denken habe ich bei ihm dort gelassen.

    Ich starte jetzt voller Energie durch. Meine Punkte heißen jetzt Gelassenheit, Freiheit, Selbstfürsorge, Wachsamkeit (dass sich das Ungetüm nicht wieder von hinten anschleicht) Lachen, Entspannung, Geduld, Dankbarkeit, Demut, Ausgeglichenheit usw. Glaube da fällt mir noch viel mehr ein.

    Das ist nicht die Anfangseuphroie oder die rosa Wolke. Die hatte ich in den ersten Wochen. Nein, jetzt habe ich eine andere Erkenntnis und eine andere Einstellung. Richtig von innen heraus. Vielleicht braucht es eben einfach Zeit und Geduld. Sich fügen und loslassen. Ich fühle mich wie neu geboren. So erleichtert. Wieder im Reinen mit mir. Ich schäme mich nicht mehr, fühle mich nicht mehr armselig. Ich fühle mich gestärkt und zuversichtlich, schön und strahlend und sprühe vor Energie. Mit klarem Kopf nehme ich das Leben jetzt einfach wie es kommt. Ich werde nie wieder etwas mit dem Ungetüm Alk zu tun haben.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo

    Um mal bei dem Bild zu bleiben, er wird sich von hinten anpirschen, dir auf die Schulter klopfen, dich loben das du so stabil und stark 💪 bist. Zweifel säen.Dir vielleicht einflüstern das du doch schon lange übern Berg bist oder ähnliches. Das kann er ruhig, solange du achtsam bleibst und ihn erkennst.

    LG Bolle

    Bolle, das ist absolut wichtig. Deshalb ist es gut, aufmerksam zu bleiben, regelmäßig in sich rein zu horchen. Aber auch für den Notfall, ganz spontan bei einer Verlockung zu wissen was zu tun ist, schneller Zugriff im Notfallkoffer oder Hilferuf hier. Das muss im Hinterkopf bleiben und verankert sein.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Die Gelassenheit, die ich mir wünsche stellt sich noch nicht so wirklich ein. Habe ich heute gemerkt in einer Situation, die anstrengend war. Muss ich noch weiter dran bleiben.

    Auch ein wichtiges Thema für mich ist Abgrenzung. Nein sagen zu können, einfach ein bisschen egoistischer zu werden.

    Aber meine Trockenarbeit trägt auch schon Früchte. Ich lache viel und mache wieder gerne Unsinn. Das wunderbare Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit ist einfach nur mega. Hatte ich lange nicht mehr so gespürt. Im letzten nassen Jahr, habe ich kaum noch gelacht. Das ist mir selbst aufgefallen. Etwas lustig und albern finden ist mir nicht mehr gelungen, ist mir regelrecht abhanden gekommen. Alles war irgendwie schwer und drückend. Nun habe ich wieder diese Leichtigkeit zurück und mein Lachen. Wenn ich jetzt erschöpft bin und eine Pause brauche, dann meditiere ich jetzt, früher hatte ich dann getrunken. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, diese Trockenarbeit überhaupt zu machen. Das Wort Trockenarbeit habe ich gar nicht gekannt. Alleine, dass ich das hier erfahren habe ist schon die halbe Miete.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ich fühle mich gut und bin höchst motiviert. Der Grund ist, dass ich auf gar keinen Fall einen Rückfall bauen möchte. Deshalb hüte ich meine Abstinenz wie einen Schatz und pflege sie wie ein kleines Pflänzchen ✌️

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Heute ist ein komischer Tag, liegt vielleicht am Vollmond. Bin gar nicht gut drauf, aggressiv, körperlich und psychisch unruhig, Gedanken an ein Glas kamen auch auf, müde und unzufrieden. Meditieren klappt auch nicht. Nicht jeder Tag läuft rund, ist ja nicht ungewöhnlich. Aber ich bin innerlich so hibbelig unruhig. Ich spüre diese Aggressionen und Wut. Keine Ahnung auf wen oder was. Mir ist kalt und schießt Rotwein durch den Kopf. Ich werde keine trinken. Ist vielleicht einfach nicht mein Tag heute, am Besten aber nicht überbewerten und heute Abend früh ins Bett gehen.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hi Kadett,

    schön die Öhrchen oben behalten. Wir lesen Dich. Morgen ist ein neuer Tag und Deine jetziges Gefühl ist eine Momentaufnahme. Hast Du genug gegessen und getrunken?

    Mir geht es heute besser, nachdem ich gestern einen sehr schlechten Tag hatte.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ja hab grad richtig viel gegessen und Wasser getrunken. Nachher mache ich mir noch warmen Kakao mit Sahnehaube. Bin jetzt auch wieder ruhiger geworden. Fing direkt heute morgen schon an, da war ich noch im Bett. Alles war irgendwie anders als sonst. Obwohl ich früher aufstehe um noch meditieren zu können, habe ich es zeitlich nicht geschafft. Im Job war ich auch zu nichts zu gebrauchen. Hab mich so durchgeschleppt. Dann habe ich mich über jemand fremdes ganz arg geärgert.Jedenfalls bin ich heute abend ganz früh im Bett und Decke über den Kopf.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hi Kadett,

    schön die Öhrchen oben behalten. Wir lesen Dich. Morgen ist ein neuer Tag und Deine jetziges Gefühl ist eine Momentaufnahme. Hast Du genug gegessen und getrunken?

    Mir geht es heute besser, nachdem ich gestern einen sehr schlechten Tag hatte.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Habe eine große Tasse Seelentröster getrunken 😊 warmen Kakao mit viel Sahne oben drauf. Und ich habe es mir auf dem Sofa gemütlich und bequem gemacht. Pause wirkt Wunder, einfach mal die Seele baumeln lassen, und früh ab ins Bett. Das mummelige Einkuscheln auf dem Sofa mit Bergen von Kissen und mehreren Decken macht ein wohliges Gefühl und ich bin wieder entspannter und innerlich ruhig. Werde nachher noch meditieren und wirklich früh schlafen, dann ist die Welt morgen sicher wieder in Ordnung.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Ich war tatsächlich früh im Bett und das war wirklich gut. Mache ich heute wieder. Aber ehrlich, man merkt auch hier im Job, dass Vollmond ist. Heute sind hier einige zickig drauf, die Stimmung überträgt sich, deshalb blende ich das für mich so gut es geht aus. Versuche mir den Tag heute so schön wie möglich zu machen.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Heute sind hier einige zickig drauf

    Ja, ich. Und jetzt weiß ich endlich, dass ich es auf den Vollmond schieben kann. 👍🏼

    Früh ins Bett gehen, bringt es wirklich total. Das muss ich unbedingt auch mal machen. Brauche ja schon so lange zum einschlafen. Dann hätte ich mehr Vorlauf.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Mir ist heute ein gravierender Punkt aufgefallen, den ich im Tahmen der Trockenheitsarbeit unbedingt angehen muss. Dieser Punkt wird jetzt vor alles andere gestellt. Ich kam vorhin beim lesen in einem anderen Tread drauf, dass es bei mir einen wunden Punkt gibt. In dem Tread ging’s ums Thema schämen, glaube war bei Heuel und dem bevorstehenden AA Besuch. Da ist mir etwas wie Schuppen von den Augen gefallen. Ich schäme mich, dass ich soviel getrunken habe. Möglicherweise nagt das auch am Selbstwertgefühl.

    Jedenfalls spüre ich das ganz tief in mir, dass es Zeit wird, Frieden mit mir zu schließen. Mir selbst zu vergeben, zu verzeihen. Eben mit mir ins Reine zu kommen und diesen wunden Punkt abzuhaken und mich mit mir zu versöhnen. Nur wie macht man das? Keine Ahnung.

    Nur sowas zu denken erzielt nicht, dass ich das auch so fühle. Wie habt ihr das denn gemacht? Habt ihr das überhaupt gemacht? Frieden mit sich selbst zu schließen. Das ist nicht so ohne, aber immens wichtig. Kriegt man das mit meditieren hin?

    Mir ist klar, dass das in der Vergangenheit liegt, vorbei ist und ich nichts mehr dran ändern kann. Aber jetzt, hier und heute kann ich was tun. Ich möchte mich mit mir versöhnen. Unbedingt. Ich glaube, dann bin ich mit meiner Abstinenz einen großen Schritt weiter.

    Wie habt ihr das gemacht?

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hallo KaDett,

    bei mir hat es die Zeit mit sich gebracht, dass ich mir verzeihen konnte. Wie du schon geschrieben hast, kann man das Vergangene nicht mehr ändern. Mir hat dieses Wissen dann irgendwann geholfen, damit abzuschließen. Auch, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die ich mir nicht absichtlich ausgesucht habe.

    Ohne Alkohol konnte ich mein Leben, mein Selbst wiederfinden und vorwärts gehen. Der Blick nach vorne hat mir auch geholfen - denke ich.

    Viele Grüße

    Seeblick

  • Jedenfalls spüre ich das ganz tief in mir, dass es Zeit wird, Frieden mit mir zu schließen. Mir selbst zu vergeben, zu verzeihen. Eben mit mir ins Reine zu kommen und diesen wunden Punkt abzuhaken und mich mit mir zu versöhnen.

    Warum und in welchem Kontext? Wegen des Alkoholismus?

    Ich stoße immer wieder auf solche ‚imaginären‘ Methoden und sage gleich im Voraus, dass ich wenig damit anfangen kann.

    Nur weil ich aufgehört habe zu saufen, bedeutet das nicht, dass ich plötzlich mit mir selbst Frieden schließen muss. Ich habe nie einen inneren Krieg geführt und muss mir selbst nichts vergeben oder einen Weg finden, mich zu lieben. Oder eine höhere Macht bitten das ich gesund werde. Da frage ich mich zuerst, wo die höhere Macht war, als ich süchtig wurde.

    Alkoholismus ist keine Kriegserklärung, es ist eine Krankheit.

    Es gibt sicherlich Methoden wie Achtsamkeit, Meditation oder progressive Muskelentspannung, die helfen können, innere Unruhe zu beseitigen. Das lasse ich mir noch angehen alles andere ist nicht meins.

    Vielleicht meinst du auch etwas anderes.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich meine Alkoholismus.

    Mir ist es peinlich wenn ich mir manches wieder ins Gedächtnis rufe. Mit höherer Macht hat das für mich nichts zu tun. Mir geht’s drum mit mir selbst ins Reine zu kommen. Ich merke irgendwie, dass ich mir die Sauferei nicht verziehen habe. Das hat auch nichts mir anderen zu tun. Es geht für mich nur um mich. Vielleicht bin ich auch zu hart oder streng zu mir selbst, ich weiß es nicht. Aber das Thema nagt in mir und ich will es angehen.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hi Kadett,

    bei mir ist es glücklicherweise so das ich mich gegenüber besonders mir nahestehenden Menschen nicht schämen muss. Heisst ich habe im Suff nichts getan weswegen ich mich schämen sollte oder müsste. Es gab eine Situation, aber da habe ich dazu gestanden und den materiellen Schaden ersetzt. Ich habe zu der Zeit mir und den Beteiligten nicht eingestanden das ich Alkoholiker bin aber das es nur um den Alkohol ging. Über die Jahrzehnte mit meinen wiederkehrenden schweren Depressionen habe ich gelernt ehrlich zu mir selbst und anderen zu sein. Nicht immer. Ich habe gelernt das Offenheit okay ist, mich entlastet und ich mich nichtfertigen muss wenn etwas mit meinen Krankheiten zu tun hat. Das tue ich nicht immer aber meistens. Und es gibt natürlich auch Dinge bei denen ich mich schuldig fühle und wenn es sich um mir nahestehende Menschen geht dann entschuldige ich mich auch aber wenn es um Dinge die im Zusammenhang mit meinen Krankheiten stehen dann begründe ich das meistens nicht. Wie auch? Wenn ich mich zum Ende meiner Sauferei völlig zurückgezogen habe und im Kontakt diese Menschen abgeblockt und abgewimmelt habe. Diese Menschen, meine Freunde und auch professionelle Menschen wissen um meine Krankheiten und ich versuche so offen wie möglich zu sein. Manchmal brauche ich Zeit dafür. Aber meine Erfahrung ist das es mich erleichtert.

    Deshalb meine zugegebene simple Frage, wovor schämst Du Dich?

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

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