• Braucht Sucht eigentlich eine Begründung?

    Nein, mit meinem heutigen Wissen nicht.

    Damals ja, wobei der Begriff Sucht, süchtig noch weit weg war aus meinen Gedanken.

    Denn ich hatte ja alles unter Kontrolle.

    Damals ich war 13, in einem Mädcheninternat. Die anderen waren alle sooo cool und ich wollte dabei sein. Nach den ersten Besäufnissen war ich es auch. Und ich wurde süchtig danach.

    Und erst 30 Jahre später, die klare Erkenntnis, dass saufen muss aufhören.

    Und da fängt das umlernen erst an, früher beim Kochen gesoffen, beim Putzen, in der Badewanne, eigentlich überall. Wir haben auch in der Arbeit gesoffen, war alles ganz normal. So viele Alltägliche Handlungen, die bei mir mit Alkohol verknüpft waren…

    Zu lernen, diese Gewohnheiten umzulenken, anders zu gestalten, das hat bei mir gedauert. Aber es funktioniert, nicht sofort, brauchte bei mir einige Zeit.

    Naja, es funktionierte 5 Jahre lang, danach wurde ich unaufmerksam, habe sehr vieles ignoriert. HALT, mein Köfferchen, Grundbausteine, alles eben.

    Ich war so was von überfordert und anstatt hier darauf zu sehen, Dinge zu ändern, musste ich mich allen beweisen, weil ich bin stark, ich kann das alles mit links. Mein Suchthirn applaudierte, bestärkte mich, und ich habe ihm gierig zugehört. Sechs Monate war ich wieder im Dauerrausch. Als ich mich Entschloss dass dies die dümmste Idee war, suchte ich nach Gründen, natürlich könnte ich so einige aufzählen, aber der Grund war ich, ich allein.

    Ich habe nicht mehr auf mich geachtet, ich habe mich vernachlässigt, mich fast wieder aufgegeben.

    Es sind jetzt fast wieder drei Monate, dass ich mich vom Teufelskreis befreien konnte.

    Einmal editiert, zuletzt von NIKA. (14. August 2026 um 14:21)

  • Ich hab getrunken, weil ich überfordert war. Zum Runterkommen und um mich aus der Realität zu schießen. Das war mein Grund. Wenn Grund und Begründung dasselbe ist, dann das. Und dann wurde ich abhängig.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Nein, ich brauche auch keine Begründungen,Erkentnisse und Erklärungen mehr für meine Sucht. Verschenkte Zeit.

    Ich bin süchtig geworden, wie so viele, die mit Suchtmitteln experimentieren oder wie beim Alkohol langsam reinrutschen, weil Alkohl auch noch legal und gesellschaftlich akzeptiert ist. Ich bin süchtig geworden und bleibe es! Ein irreperabeler Schaden in meinem Gehirn.

    Ich lebe jetzt ohne das Suchtmittel. Ich bin jetzt trockener Alkoholiker mit allen Höhen und Tiefen, die das Leben bereit hält.

  • Ps.: Und meine Begründungsliste, warum ich nicht mehr trinken will, wäre ziemlich lang. Länger als die Gegenseite. Ein Punkt ist, weil ich nicht daran sterben will.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Kommt vielleicht einfach auf die Geschichte an. Ich beschäftige mich da schon mit meiner und es gibt gewiss Gründe die zur Sucht geführt haben. Für mich auch wichtig mich damit auseinanderzusetzen.

    Für mich ist Verstehen des Warum, Weshalb und Wieso sehr wichtig. Aber es wird bestimmt auch Lebensgeschichten geben, in denen solche Fragen ins Leere laufen.

    Ein individuelles Ding.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Interessant, wie unterschiedlich „Begründung“ verstanden wird.

    Natürlich kann ich anschauen, welche Funktion Alkohol bei mir hatte, welche Lebensumstände eine Rolle gespielt haben oder warum ich in bestimmten Situationen besonders viel gesoffen habe. Das bestreite ich gar nicht.

    Mir geht es um etwas anderes: Ich brauche daraus keine Rechtfertigung und keinen Schuldigen für meine Sucht.

    Verstehen kann hilfreich sein. Begründen müssen musste ich meine Sucht für mich nie.

    Und trocken werden musste ich ebenfalls nicht erst, nachdem ich mein komplettes Warum, Weshalb und Wieso abgearbeitet hatte.

    Ich bin Alkoholiker. Das war für mich Grund genug, aufzuhören.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Das wusste ich schon sehr lange über mich, es war aber kein Grund damit aufzuhören.

    Das eine ist das Wissen: Ich bin Alkoholiker. Das andere ist die Konsequenz: irgendwann aufhören. Alles, was später passiert ist – Verluste, Krankheit, Beziehungschaos, fast tödlicher Rückfall – waren Folgen meiner Sucht, nicht ihre Ursache.

    Sie haben nur bestimmt, wann ich gehandelt habe, nicht warum.

    Die Basis bleibt und ohne die Sucht hätte es diese „Gründe“ gar nicht gegeben.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Aber Auslöser (auch ein anderes Wort für Grund) gab es. Zumindest bei mir. Je mieser ich mich gefühlt habe, desto mehr hab ich getrunken. Bis ich nicht mehr ohne konnte.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Je mieser ich mich gefühlt habe, desto mehr hab ich getrunken. Bis ich nicht mehr ohne konnte.

    Ja, Auslöser gab es bei mir auch. Aber ich spreche ab dem Punkt, an dem Sucht da ist.

    Dann war für mich die Frage nicht mehr: Was hat mich zum Saufen gebracht? Sondern: Hat der Auslöser mein Saufen bestimmt, oder hat meine Sucht einfach jeden passenden Auslöser benutzt?;)

    Je mieser ich mich fühlte, desto mehr konnte ich saufen. Wenn ich nicht süchtig gewesen wäre, hätte ich auch anders reagieren können. Sport, mich auspowern, rausgehen, reden, schlafen, irgendwas. Möglichkeiten gab es genug.

    Ich habe aber gesoffen.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Den Punkt musst aber vorher selbst erkennen, dann akzeptieren.

    Ab dann bin ich bei dir, dass die Sucht alles an sich reißt an Auslösern was auch immer. Denn dann wirds erst bewusst. Vorher bist doch in der Verleugnung.

  • Ich konnte mir nicht vorstellen, das und wie es möglich ist, ein Leben ohne Alkohol zu führen.

    Aber im Grunde genommen, wollte ich so weitermachen, wie es war.

    Bis der Moment kam, als mir klar wurde, bis hier her und nicht weiter. Der viel zitierte Klick also.

    Deshalb gibt es für mich keine Gründe mehr zu saufen, aber wikliche viele Gründe, es nicht mehr zu tun.

  • Vorher bist doch in der Verleugnung.

    Solange ich in der Verleugnung hänge, ist „Ich bin Alkoholiker“ noch nicht wirklich angekommen. Dann kommen die üblichen Tests: ein paar Tage Pause, weniger trinken, kontrollieren. „Geht doch.“ Kennt jeder.

    Ich rede von dem Punkt, an dem die Erkenntnis wirklich sitzt: Ich bin Alkoholiker. Wenn diese Erkenntnis auch nach Jahren klar bleibt, erübrigt sich die Frage, warum es keinen „guten Grund“ mehr gibt, wieder anzufangen.

    Trotzdem werden trockene Alkoholiker rückfällig. Nicht, weil plötzlich ein Grund auftaucht – sondern weil vorher etwas anderes passiert.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Trotzdem werden trockene Alkoholiker rückfällig. Nicht, weil plötzlich ein Grund auftaucht – sondern weil vorher etwas anderes passiert.

    Aber was passiert vorher anderes? Warum werden trockene Alkoholiker rückfällig? Rückblickend gibt es bei meinen rückfällen (2) keinen Grund mir ging es gut ohne Alkohol.

    Ein Grund wird sich doch nur eingeredet,denn irgendwer oder was muss ja schuld sein dass ich wieder saufen. Nein daran bin ich selbst schuld denn ich habe wieder gesoffen nicht irgend ein Grund.

    Abstinent seit 01.02.2026

    "Nein" ist ein vollständiger Satz.

  • Aber was passiert vorher anderes?


    Chewie,

    genau das ist doch die interessante Frage. Wenn es dir gut ging und es keinen äußeren Grund gab – was ist dann vorher passiert?

    Ich glaube nicht, dass morgens plötzlich ein Rückfall vom Himmel fällt und abends das Glas in der Hand steht. Irgendwo vorher muss sich etwas verschoben haben: Grenzen, Risikobewertungen, Nachlässigkeit, dieses berühmte „Wird schon nichts passieren“?

    Sucht kann leise arbeiten. Die trägt selten eine Warnweste.:whistling:

    Und genau deshalb interessiert mich weniger der Grund, den man hinterher draufklebt. Mich interessiert, was vor dem ersten Glas im Kopf wieder möglich geworden ist.

    Mein Rückfall hier ganz am Anfang war für mich nie nur das Saufen. Das Saufen war die Quittung.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wenn ich nicht süchtig gewesen wäre, hätte ich auch anders reagieren können. Sport, mich auspowern, rausgehen, reden, schlafen, irgendwas. Möglichkeiten gab es genug.

    Ich habe aber gesoffen.

    Weil das der einfachste und schnellste Weg war, den Zustand herbeizuführen, den ich wollte, nämlich, dass mir alles sch***egal wurde. Bei Sport hätte das nicht funktioniert oder Gespräche hätte ich auch nicht den ganzen Tag führen können.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Mich interessiert, was vor dem ersten Glas im Kopf wieder möglich geworden ist.

    Es war für mich herausfordernd und stressig mein leben abstinent zu gestalten,ich hatte der sucht viel zu wenig entgegenzusetzen und habe ihr viel zu viel Spielraum gelassen. Und auf einmal sitz ich da und denk mir "scheiß drauf wird schon gut gehen"! Kann ja wieder aufhören.

    Rückblickend war ich noch nicht bereit dazu,nie wieder Alkohol zu trinken.

    Abstinent seit 01.02.2026

    "Nein" ist ein vollständiger Satz.

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