Soapstar Wenn "Feiern" schon lange kein "Feiern" mehr ist

  • Mein Suchthirn hingegen kommt gerade wirklich mit den dümmsten Ideen überhaupt daher. "Sauf halt mal wieder, um dir wirklich zu beweisen, dass es schei*e ist" oder "Du bist ja vielleicht doch kein Alkoholiker. Als du dir die Diagnose gestellt hast, warst du halt gerade down". Ich kann gar nicht glauben, dass das wirklich in meinem Kopf spukt, (...)

    Das Suchthirn tut, was ein Suchthirn tun muss. Was anderes hat es nicht auf Lager - wie ein Dealer an der Straßenecke.

    Und Du? Du hast mehr drauf! Du musst ihm nicht zuhören - und schon gar nicht glauben.

    Du musst auch nicht dagegen an argumentieren. Ein gepflegtes "Klappe, verpiss dich" reicht völlig, und dann die "skills" aus dem Notfallkoffer anwenden, immer und immer wieder, bis das Suchthirn Ruhe gibt und sich schlafen legt.

    Ich hab Deinen Faden auch noch mal durchgelesen, weil ich es schade finde, wie Du Dich quälst.

    Besonders treffend finde ich folgenden Beitrag von 8.8.25:

    Akzeptiere dass die freie Zeit deine Belohnung ist. Nicht das Bier welches die die freie Zeit stiehlt. Du musst nur noch den Wert der freien Zeit erkennen. Dann kommst Du nicht auf die Idee diese wertvolle Zeit zu löschen indem Du sie mit Bier wegschüttest.

    Und meinen Respekt, wie reflektiert Du Dich hier mitteilst, auch wenn Du gerade nichts Positives zu berichten hast.

    Dranbleiben - Irgendwann platzt auch bei Dur der Knoten. Alles Gute!

  • schau mal, du hast jahre lang gesoffen, und am anfang, bevor man abhängig war und der alk unser leben übernahm gab es ja auch spaßige zeiten wenn man etwas enthemmter rumblödeln konnte. das kann ja niemand bestreiten. und genau das hat sich tief ins hirn gegraben. das es für uns längst kein spaß mehr ist, sondern nur noch scham, ekel und was weiß ich noch alles verdrängt aber unser suchthirn, es will den spaß von früher. und wenn man schon recht zeitig mit dem trinken angefangen hat, so als teeny dann gibt es gar keine erinnerungen an lustige zeiten ohne.

    das mußt du deinem suchthirn nu erst beibringen das es das auch gibt. lachen mit freunden bis man sich fast nass macht. und das alles bei nem tee oder kaffee und dann weiß man auch tatsächlich noch am nächsten tag alles ganz genau und kann sich noch mal scheckich lachen. dazu mußt du aber in die gänge kommen. statt zu trauern was alles nicht mehr geht schau hin was nu alles viel besser geht. sonntags morgen ins schwimmbad fahren ohne kater und wirklich früh wo man den laden fast für sich alleine hat. mitten in der nacht aufstehen und zur tanke fahren um sich ein riesen eis zu kaufen ohne vor der polizei angst haben zu müssen. es gibt sooo vieles was du jetzt gewonnen hast, du mußt es nur mal ansehen. das leben wird nach vorne gelebt, nach hinten verstanden. also guck nach vorn, was hinter dir liegt weißt du und da war viel mist dabei den du echt nicht mehr brauchst.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Ich habe morgens um 5 verkotzte Klamotten gewechselt, um mit dem Fahrrad zum nächsten Bahnhof und von dort mit dem Zug in die nächste geöffnete Spelunke zu fahren, um mich dort weiter abzuschießen und orientierungslos eingesperrt zu werden und glaube immer noch, dass es aber auch mal wieder lustig sein könnte, auf Sauftour zu gehen. Echt nicht normal...

    Ich erwarte selbst in einem Alkoholikerforum nicht, dass das gerade jemand nachvollziehen kann, aber das Niederschreiben tut echt gut.

    Der Rausch schüttet große Mengen Dopamin etc. aus. Wenn da garnichts im Gehirn passieren würde, wie z.b. wenn man einen Apfel ist, würde man nicht süchtig werden. Ich kann es nachvollziehen das es lustig werden könnte, aber bei einem Alkoholiker ist der Preis einfach zu hoch. Wieder von vorne, wieder Zelle, Kater Entzug. Beim letzten Rückfall hatte ich eine Magenschleimhautentzündung, war Nachts im Krankenhaus, habe sehr geweint. Das war sehr schlimm. Tage vorher zog ich durch 2 Dörfer und habe gelacht, es war KURZ lustig. Tage danach war es Todernst im Krankenhaus

    Nein, nein, nein. Für MICH gibt es nur einen Weg- Die Abstinenz

    Heute trinke ich nicht

  • Guten Morgen, kleiner Nachtrag noch…komme aus Deinem ASS und Deinem Selbstmitleid, sei stolz auf Dich, dass DU DEINEN Weg gehst.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Hallo Soapstar,

    vieles ist schon gesagt worden, zwei Dinge fallen mir noch ein: Nicht jeder ist mit der Abstinenz sofort komplett zufrieden, manchmal dauert es, bis sich die Zufriedenheit einstellt.

    Und zu deinem Bekanntenkreis: Du hast in letzter Zeit alle in einer Gruppe angetroffen, dort ist ja ein ganz anderes Dynamik. Kannst du die Personen, die du magst, vielleicht einzeln ansprechen? Dass ihr nur etwas zu zweit macht und dann ohne Alkohol?

    Viele Grüße

    Seeblick

  • Es gibt hier bereits viele gute Gründe, warum ein Leben ohne Alkohol sinnvoll ist und sie stimmen alle.

    Doch meine zentrale Frage bleibt: Warum übernimmt bei ihm das Suchthirn noch immer das Denken? Ich habe außerdem den Eindruck, dass du teilweise noch nicht gut zwischen deinen eigenen Gedanken und denen des Suchthirns unterscheiden kannst.

    Was ich beobachte: Du umgibst dich weiterhin mit nassen Menschen. Du hältst dich im Wirtshaus auf, weil es „das einzige“ ist. Du schaust nassen Menschen beim Feiern zu und erwartest sogar, dass sie dich einladen.
    Meine früheren Freunde haben sich über vier Jahre nicht gemeldet. Ich bin ehrlich gesagt froh darüber. Ich würde ohnehin absagen, allein schon, weil ich mir diese angesoffene Art nicht mehr antun möchte.

    Ich brauche Lösungen, sonst kann ich zum Beispiel nicht schlafen. Und du brauchst sie genauso. Sonst hängst du früher oder später wieder an der Flasche. Ich würde das auf Dauer nicht aushalten.

    Abstand ist notwendig. Auch wenn der Balkon in die Richtung zeigt: Fenster und Tür zu. Wenn nötig, geh an einen anderen Ort. Und natürlich gibt es in Deutschland mehr als ein Wirtshaus. Dann fährt man eben ein Stück, um ein Restaurant zu finden, das übrigens auch nicht diesen Wirtshaus-Charakter hat.

    Es gibt viele Menschen, die nicht trinken oder nur sehr wenig. Ich wollte früher nichts von ihnen wissen. Aber man kann sie finden. Die Welt besteht nicht nur aus deinem Dorf.

    Hör auf, Gründe zu suchen, warum du dich weiter mit der nassen Welt abgeben „musst“. Werde aktiv. Du hast Hobbys, und andere Menschen teilen diese.

    Vor allem: Hör auf, dir betrunkene Menschen anzuschauen.

    Der Grund, warum es bei dir noch nicht Klick gemacht hat, ist dein Umfeld. Du hast es nicht wirklich verändert. Es ist nicht möglich, im nassen Umfeld glücklich trocken zu bleiben.

    Übertragen: Wenn du im Regen stehen bleibst, wirst du irgendwann nass. Der Schirm aus deinem Notfallkoffer hält das nicht ewig ab.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

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